{"id":1070,"date":"2014-08-28T16:38:46","date_gmt":"2014-08-28T16:38:46","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=1070"},"modified":"2019-07-09T10:11:12","modified_gmt":"2019-07-09T10:11:12","slug":"a-breeze-harper-rasse-als-eine-nebensaechliche-angelegenheit-im-veganismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/a-breeze-harper-rasse-als-eine-nebensaechliche-angelegenheit-im-veganismus\/","title":{"rendered":"Amie Breeze Harper: Rasse als eine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Veganismus: Eine Hinterfragung des Wei\u00dfseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums \u201etierqualfreier\u201c Produkte"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1217\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8.png\" alt=\"kts8\" width=\"1315\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8.png 1315w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8-300x82.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8-1024x281.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/kts8-250x68.png 250w\" sizes=\"(max-width: 1315px) 100vw, 1315px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Jahrgang 1, Nr. 2, Art. 1, ISSN 2363-6513,\u00a0August 2014<\/p>\n<p><strong>Rasse als eine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Veganismus: Eine Hinterfragung des Wei\u00dfseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums \u201etierqualfreier\u201c Produkte<\/strong><\/p>\n<p>Amie Breeze Harper [1]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/misc_2\/breeze_jcas_1\/harper_rasse_als_eine_nebensaechliche_angelegenheit_2c.doc#_ftn1\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Titel der englischsprachigen Originalfassung:\u00a0<i>Race as a \u201cFeeble Matter\u201d in Veganism: Interrogating whiteness, geopolitical privilege, and consumption philosophy of \u201ccruelty-free\u201dproducts<\/i>. Journal for Critical Animal Studies, Volume VIII, Issue 3, 2010 (ISSN1948-352X). \u00dcbersetzung: simorgh.de.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/tierautonomie\/JG1_2014_2.pdf\" target=\"_blank\">Dieser Text als PDF<\/a><\/p>\n<p><b>Zusammenfassung:<\/b> Im Kontext feministischer Geographie, <i>von Rassenpolitik<\/i> und mit Studien \u00fcber Verzehr und <i>Konsumverhalten<\/i>, habe ich, innerhalb der \u201eOutreach\u201c-Modelle des Mainstreams im Veganismus und in den Bestsellern vegan-orientierter Buchver\u00f6ffentlichungen, selten, wenn \u00fcberhaupt, eine Zurkenntnisnahme der unterschiedlichen sozio-historisch <i>rassifizierten<\/i> Epistemologien rassisch nicht-wei\u00dfer Gruppen beobachten k\u00f6nnen. In den wei\u00dfen veganen Mainstream-Medien besteht eine unterschwellige Annahme, dass Rassifizierung und die Schaffung veganer R\u00e4ume miteinander in keinerlei Verbindung stehen k\u00f6nnten. Doch ist <i>Raum<\/i>, ob vegan oder nicht, <i>rassifiziert<\/i> und gleichzeitig auch <i>sexualisiert<\/i> und <i>vergeschlechtlicht [gendered]<\/i>, was Individuen und r\u00e4umlich-\/\u00f6rtliche Identit\u00e4ten in direkter Weise affiziert. <i>Rassifizierte<\/i> Orte und R\u00e4ume bilden eine Grundlage daf\u00fcr, wie wir unsere <i>sozio-r\u00e4umlichen Epistemologien<\/i> entwickeln; diese Epistemologien sind aus diesem Grunde <i>rassifiziert<\/i>. Dieses Essay befasst sich mit Beispielen dessen, wie Epistemologien des Wei\u00dfseins sich in der veganen Rhetorik in den USA manifestieren, und versucht eine Erkl\u00e4rung dar\u00fcber abzulegen, weshalb eine \u201epost-rassische\u201c Herangehensweise des veganen Aktivismus durch eine <i>anti-rassistische<\/i> und \u201e<i>farbigkeits-bewusste\u201c [color-conscious]<\/i> Praxis ersetzt werden muss.<\/p>\n<p><b>Schlagworte:<\/b> Kritische Wei\u00dfseinsstudien, Rassismus, feministische Geographie, Veganismus<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>TIERAUTONOMIE, \u00a0Jg. 1 (2014), Heft 2.<\/p>\n<p><strong>Rasse als eine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Veganismus: Eine Hinterfragung des Wei\u00dfseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums \u201etierqualfreier\u201c Produkte<\/strong><\/p>\n<p>Menschen, die vegan leben, enthalten sich tierischer Produkte (in Hinsicht sowohl auf die Ern\u00e4hrung als auch auf alle anderen Zwecke). Die Kultur des Veganismus selbst stellt in sich aber keinen Monolithen dar, sondern setzt sich aus vielen unterschiedlichen Subkulturen und Philosophien aller Orte in der Welt zusammen, rangierend von Punks, die aus strikten Tierrechtsgr\u00fcnden vegan sind, bis zu Leuten, die sich aus pers\u00f6nlichen Gesundheitsgr\u00fcnden vegan ern\u00e4hren oder Menschen, die aus religi\u00f6sen und spirituellen Gr\u00fcnden vegan leben (Cherry, 2006; Iacobbo, 2006). Beim Veganismus geht es nicht allein um den Verzicht des <i>Verzehrs und Gebrauchs<\/i> tierlicher Produkte; sondern es geht auch um das fortw\u00e4hrende Streben darum, <i>sozio-r\u00e4umliche Epistemologien<\/i> des Konsums zu schaffen, durch die ein <i>kultureller<\/i> und <i>r\u00e4umlicher<\/i> Wandel bedingt werden kann; es geht um die kritische Infragestellung der Dominanz des Narrativs des Konsums von Tierprodukten, das in der sozio-historischen, sowie in der Nation-stiftenden Rhetorik der Vereinigten Staaten, eine zentrale Rolle einnimmt und vorherrschend ist. Innerhalb meines Interesses f\u00fcr feministische Geographie, <i>Rassenpolitik<\/i> und die Studien \u00fcber <i>Konsum und Verzehr<\/i>, konnte ich beobachten, dass die \u201eOutreach\u201c-Modelle des Mainstreams im Veganismus und in den Bestsellern vegan-orientierter Buchver\u00f6ffentlichungen, selten, wenn \u00fcberhaupt, aber solche unterschiedlichen sozio-historischen <i>rassifizierten<\/i> Epistemologien zwischen dem wei\u00dfen Status quo einer Mittelklasse und der Kollektivit\u00e4t anderer rassischer Gruppen, wie den Afro-Amerikaner_innen, den chinesischen Amerikaner_innen oder den amerikanischen Ureinwohner_innen, zur Kenntnis nehmen. In den wei\u00dfen veganen Mainstream-Medien besteht eine unterschwellige Annahme, dass Rassifizierung und die Schaffung veganer R\u00e4ume miteinander in keinerlei Verbindung stehen k\u00f6nnten. Doch ist <i>Raum<\/i>, ob vegan oder nicht, <i>rassifiziert<\/i> (Dyer und Jones, 2000; McKittrick, 2006; McKittrick und Woods, 2007; Price, 2009) und zugleich auch <i>sexualisiert<\/i> und <i>vergeschlechtlicht [gendered]<\/i> (Massey, 1994; Moss, 2008), was Individuen und r\u00e4umlich-\/\u00f6rtliche Identit\u00e4ten in direkter Weise affiziert. Wie Menschen ihre Wissensbasis entwickeln, h\u00e4ngt unmittelbar mit den verk\u00f6rperten Erfahrungen der Orte und R\u00e4ume zusammen, durch die wir hindurch navigieren. Wissenschaftler aus dem Bereich kritischer Geographien der Rassen, gehen sogar davon aus, das die Welt komplett <i>rassifiziert<\/i> ist.<\/p>\n<p>David Delaney, ein Geograph der im Bereich kritischer Rassentheorie arbeitet, fragt: \u201eWas hei\u00dft es f\u00fcr Geograph_innen, die Annahme einer vollst\u00e4ndig rassifizierten Welt ernst zu nehmen?\u201c (Price, 2009). Als schwarze feministische Geographin und Theoretikerin kritischer Rassenstudien nehme ich ernst, dass <i>rassifizierte<\/i> Orte und R\u00e4ume eine Grundlage dessen bilden, wie wir unsere <i>sozio-r\u00e4umlichen Epistemologien<\/i> entwickeln; diese Epistemologien sind daher <i>rassifiziert<\/i>.<\/p>\n<p>Das kollektive Wissen in der wei\u00dfen US-amerikanischen Mittelklasse \u00fcber <i>R\u00e4ume<\/i> und die Bezugnahme darauf, und auf all die Objekte und Lebensformen, die diese R\u00e4ume besiedeln, stehen mit der physischen und sozialen Platzierung dieser Demographie innerhalb einer rassifizierten Hierarchie in Verbindung, in der<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] sie als normal, nicht-rassifiziert, universal und als Status quo <i>naturalisiert<\/i> werden; <i>Wei\u00dfsein<\/i> als <i>die Norm<\/i> steht im Mittelpunkt in der Wissensgenerierung und der Schaffung von Raum und Macht in den USA.<\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem,<\/p>\n<blockquote><p>[ist] f\u00fcr farbige Menschen, als Opfer von Rassismus\/wei\u00dfem \u00dcberlegenheitsdenken, Rasse ein Filter, durch den sie die Welt betrachten. Wei\u00dfe blicken nicht auf die Welt durch diesen Filter rassischen Bewusstseins, auch wenn sie selbst eine Rasse [2]\u00a0bilden. Dieses Privileg, ihre eigene Rasse zu ignorieren, verschafft Wei\u00dfen einen gesellschaftlichen Vorteil, der sich von jedem Vorteil, der aus der Existenz diskriminatorischen Rassismusses resultiert, unterscheidet. [Grillo und Wildman] gebrauchen den Begriff des Rassismusses\/wei\u00dfen \u00dcberlegenheitsdenkens zur Betonung der Verbindung zwischen dem Privileg Wei\u00dfer, ihre eigene Rasse zu ignorieren, und dem diskriminatorischen Rassismus. (Grillo und Wildman 1995, 565)<\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Essay werde ich die Begriffe <i>Wei\u00dfsein<\/i> und <i>wei\u00dfes Privileg<\/i> als Synonyme f\u00fcr diese Erkl\u00e4rung von Grillo und Wildman \u00fcber \u201aRassismus\/wei\u00dfes \u00dcberlegenheitsdenken\u2019 gebrauchen. Was uns Geograph_innen im Bereich der kritischen Rassestudien anbetrifft, wie verstehen wir also die Funktionsweise des Wei\u00dfseins als Epistemologie innerhalb der Macht und Schaffung von R\u00e4umen? Ich welcher Form beeinflussen rassifizierte Geographien des Ausschlusses\/der Einbeziehung nuancierte und verdeckte Handlungsweisen des Wei\u00dfseins und wei\u00dfer Privilegien im Rahmen eines rassischen Status quo? Wie manifestieren sich diese Akte verdecken Wei\u00dfseins und des wei\u00dfen Privilegs \u2013 selbst wenn unverschuldet und unbewusst \u2013 in R\u00e4umen des Veganismus? In einer rassifizierten Nation lebend, in der die Epistemologien und Ontologien dieser Demographie im Mittelpunkt angesiedelt sind, sind sich die US-Amerikaner_innen kollektiv dessen nicht bewusst, dass dieser \u201eMittelpunkt\u201c die Realit\u00e4ten derjenigen nicht reflektiert, die sich nicht in solchen wei\u00df-privilegierten R\u00e4umen des Einschlusses befinden.<\/p>\n<p>Rassifizierte R\u00e4ume schaffen rassifizierte psychische R\u00e4ume. Arnold Farr bezieht sich darauf als ein <i>rassifiziertes Bewusstsein<\/i> \u2013 ein Begriff, der besonders in seiner Anwendung auf diejenigen Menschen hilfreich ist, die nicht so ganz verstehen, dass sie verdeckte Handlungen des Wei\u00dfseins\/wei\u00df-priviligierten Rassismusses begehen k\u00f6nnen, <i>w\u00e4hrend sie sich gleichzeitig im TR\/VEG-gr\u00fcndenden sozialen Aktivismus<\/i> bet\u00e4tigen. Ein \u201arassifiziertes Bewusstsein\u2019, so definiert der afro-amerikanische Philosoph Dr. Arnold Farr diesen Begriff,<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] ersetzt den Rassismus als den traditionell operativen Begriff in den Diskursen \u00fcber Rasse. Das Konzept des rassifizierten Bewusstseins kann uns dabei helfen, zu erkennen, in welchen Weisen das Bewusstsein in Hinsicht auf rassistische soziale Strukturen geformt ist \u2026<\/p>\n<p>Der Begriff eines \u201arassifizierten Bewusstseins\u2019 hilft dabei zu verstehen, weshalb selbst ein wei\u00dfer Liberaler, der in guter Absicht handelt und am Kampf gegen den Rassismus teilnimmt, unbeabsichtigt selbst eine Form des Rassismusses fortsetzten kann (Farr, 2004).<\/p><\/blockquote>\n<p>Bekannte vegan-orientiere Buchver\u00f6ffentlichungen in den USA, wie <i>Vegan: The New Ethics of<\/i> <i>Eating <\/i>(Marcus, 2001),<i> Being Vegan in a Non-Vegan World <\/i>(Torres and Torres, 2005), <i>The Vegan Sourcebook<\/i> (Stepaniak and Messina, 2000) und <i>Becoming Vegan<\/i> (Davis and Vesanto, 2000), die allesamt als eine Art veganer Bibeln f\u00fcr den veganen Status quo gehandelt werden, beziehen die Fragen nicht substantiell oder kritisch mit ein, in welcher Weise Rasse (Rassifizierung, Wei\u00dfsein, Rassismus, Anti-Rassismus) beeinflusst, wie und warum jemand vegan ist, warum jemand \u00fcber die vegane Praxis schreibt, sie weiter vermittelt und letztendlich vegane R\u00e4ume schafft, um einen kulturellen Wechsel zu bedingen. Was aber bedeutet es, sich \u00fcber Rasse bewusst zu sein, wenn jemand damit beginnt, beispielsweise ein Projekt vegan-orientierter Forschung zu betreiben? Dies ist Teil einer breiteren Auseinandersetzung dar\u00fcber, wie Rassifizierung, Rasse und Wei\u00dfsein innerhalb veganer R\u00e4ume in wei\u00df-dominierten Nationen funktioniert und sich manifestiert.<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] So wie die Friedens- und die Umweltbewegung, so setzt sich auch die Tierrechtsbewegung vorwiegend aus wei\u00dfen Personen aus der Mittelschicht zusammen. Andrew Rowan, ein Vizepr\u00e4sident der Humane Society of the United States, sagte, dass Umfragen zeigten, dass der Anteil farbiger Menschen in der Tierrechtsbewegung \u201eweniger als drei Prozent\u201c ausmache. Im April diesen Jahres nahmen 316 Personen aus 20 Bundesstaaten an der ersten \u201aGrassroots AR Conference\u2019 [Graswurzel-Tierrechtskonferenz) in New York City teil. Die Teilnehmerzahl (inklusive dem Gremium) farbiger Menschen z\u00e4hlte nur acht Personen. Wenn niemand rassistisch ist, warum ist die Bewegung dann innerlich so stark segregiert? (Hamanaka, 2005)<\/p><\/blockquote>\n<p>In \u00e4hnlicher Weise wie bei der zweiten Welle des US-amerikanischen Feminismus, der die heterosexuelle weibliche Erfahrung der Mittelklasse f\u00e4lschlicherweise generalisierte und als Erfahrung sozialer R\u00e4ume, von Macht und Kampf <i>aller<\/i> Frauen annahm, so geht auch die vegane Mainstream-Rhetorik von dieser falschen Annahme aus. W\u00e4hrend der Veganismus selbst zwar entgegengesetzte R\u00e4ume des Konsums schafft, die die Standardr\u00e4ume der amerikanischen karnizentrischen Ern\u00e4hrung in Frage stellen, so will dieses Essay doch genauer betrachten, wie die Praxis des veganen Mainstreams gleichzeitig sozio-r\u00e4umliche Epistemologien des Wei\u00dfseins schafft, die f\u00fcr die meisten wei\u00df-identifizierten Personen aber unsichtbar bleiben.<\/p>\n<p>Man kann interessanterweise davon ausgehen, dass die rassisch wei\u00dfe Demographie in den USA, sich kollektiv des Rassismusses und des wei\u00dfen Dominanzanspruchs, als einem fortlaufenden, institutionellen und systemischen Prozess, nicht bewusst ist (Tuana und Sullivan, 2007; Yancy, 2004). Zudem zeigt sich diese Ignoranz h\u00e4ufig als eine \u201epostrassische\u201c oder eine \u201erasselose\u201c Herangehensweise, in der mit der Welt umgegangen wird. Das kann sich so manifestieren, dass geglaubt wird, eine Veranstaltung \u00fcber Tierrechte, an der 308 wei\u00dfe und 8 farbige Menschen teilnehmen, <i>habe nichs zu tun mit der US-amerikanischen Geschichte (und Gegenwart) des institutionalisierten und environmentalen Rassismusses sowie dem Wei\u00dfsein als Norm.<\/i><\/p>\n<p>In einer \u201epostrassischen\u201c oder \u201erasselosen\u201c Gesellschaft, so glaubt man, existiere kein Rassismus mehr, weil die Hautfarbe nicht mehr die Gleichheit vorbestimmt. In diesem Text werden die Begriffe \u201erasselos\u201c und \u201epostrassisch\u201c in Anf\u00fchrungszeichen gesetzt, um dadurch zu reflektieren, dass diese Begriffe eine kodifizierte Sprache darstellen f\u00fcr ein \u201eerwartetes Wei\u00dfsein\u201c [Wei\u00dfsein als Norm] (Kang, 2000), und dass \u201erasselos\u201c gleichzusetzen ist \u201emit einem Normalzustand des Wei\u00dfseins\u201c (Nakamura, 2002). Die Konsequenzen einer \u201epostrassischen\u201c Herangehensweise einer Person in der TR\/VEG-Bewegung [3], ignorieren den sozio-historischen Kontext von Hautfarbe, sowie die Ausstaffierungen wei\u00dfen Privilegs, was beides die Zug\u00e4nge zu und die Generierung von lokalen und globalen Ressourcen mit beeinflusst; hiermit einbeschlossen sind die Ressourcen f\u00fcr vegane Produkte, die von Menschen in der TR\/VEG-Bewegung in den USA gekauft werden. Selbst im Kreise des <i>radikalsten Aktivismusses<\/i> \u2013 so wie in den Bewegungen der Anti-Globalisierung, der Tierrechte, des Lebensmittelaktivismus \u00fcber Erzeugerm\u00e4rkte, im Veganismus und in der Bewegung, die gegen den Wirtschaftskomplex indutriell betriebener Gef\u00e4ngnisse k\u00e4mpft \u2013 erh\u00e4lt und repliziert sich dieses kollektive Unbewusstsein gegen\u00fcber wei\u00dfen sozio-r\u00e4umlichen Epistemologien als eine Form der Ignoranz (Appel, 2003; Clark, 2004; Nagra, 2003; Poldervaart, 2001; Slocum, 2006; Yancy, 2004).<\/p>\n<blockquote><p>Die Epistemologie der Ignoranz beinhaltet eine Betrachtung des komplexen Ph\u00e4nomens der Ignoranz. Ziel dabei ist es, die verschiedenen Formen zu identifizieren, genauer zu untersuchen wie sie generiert und aufrecht erhalten werden und welche Rolle sie in den Wissenspraktiken spielen \u2026 Manchmal nehmen [die Epistemologien der Ignoranz] eine Form an, indem diejenigen, die sich in ihrem Zentrum befinden, den Marginalisierten das Bescheidwissen dar\u00fcber verweigern: man blicke dazu auf das im 19. Jahrhundert geltende Verbot f\u00fcr schwarze Sklaven, Lesen und Schreiben zu lernen. Andere Male begegnen wir [diesen Epistemologien] in der Form der eigenen Ignoranz des Zentrums gegen\u00fcber der Ungerechtigkeit, der Grausamkeit und dem Leid, wie der gegenw\u00e4rtige Wahrnehmungsmangel wei\u00dfer Menschen im Bezug auf Rassismus und die Dominierung durch Wei\u00dfe\/das Wei\u00dfsein (Sullivan und Tuana, 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Es ist dennoch aber auch wichtig anzumerken, dass nicht alle farbigen Menschen in den USA die Konsequenzen oder selbst die Existenz rassifizierter oder ethnozentrischer Epistemologien der Ignoranz als solche anerkennen. Dr. Charles Mills, der Verfasser von <i>The Racial Contract<\/i>, geht jedoch davon aus, dass sich die meisten schwarz-identifizierten Menschen in den USA dessen vollst\u00e4ndig bewusst sind, dass ihr Bewusstsein \u201erassifiziert\u201c ist, und dass die epistemologische Norm in den USA dem Wei\u00dfsein entstammt (Mills, 2007). Und das ist was mich an der <i>wei\u00dfen Ignoranz<\/i> verbl\u00fcfft: aufgrund verk\u00f6rperter Erfahrung durch wei\u00dfe Rassifizierung und Sozialisierung, die diese Demographie strategisch in Richtung einer kollektiven Ignoranz bez\u00fcglich Rasse lenkt, verneint die Mehrheit wei\u00df-identifizierter Menschen in den USA, dass ihre Epistemologien und ihr ethisches Verst\u00e4ndnis \u201erassisch\u201c sind (Sullivan und Tuana, 2007). Dr. Mills hat diese epistemologische Norm als eine Art <i>wei\u00dfer Ignoranz<\/i> beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] Eine Form der Ignoranz, die man als wei\u00dfe Ignoranz bezeichnen k\u00f6nnte und die mit dem wei\u00dfen \u00dcberlegenheitsdenken verbunden ist. Die Vorstellung eines vorliegenden kognitiven Handicaps einer Gruppe ist der radikalen Tradition in diesem Bereich nicht fremd, wenn nicht \u00fcberhaupt normaler Bestandteil im Sinne ihrer \u201eIgnoranz\u201c. In der Tat ist das sogar ein direkter Folgesatz der Standpunkttheorie: wenn eine Gruppe privilegiert ist, muss sie sich im Verh\u00e4ltnis zu einer anderen Gruppe befinden, die eingeschr\u00e4nkt (<i>handicapped<\/i>) ist. Zus\u00e4tzlich hat f\u00fcr mich dieser Begriff [der wei\u00dfen Ignoranz] den Vorzug meine theoretischen Sympathien mit dem zu bekunden, was vielen wahrscheinlich als ein bedauernswert altmodisch und \u201ekonservatives\u201c, realistisch-intellektuelles Rahmenwerk erscheinen mag \u2013 einem in dem <i>Wahrheit, Falschheit, Fakten, Realit\u00e4t<\/i> und \u00c4hnliches nicht in ironische Anf\u00fchrungszeichen gesetzt werden. Der Ausdruck \u201ewei\u00dfer Ignoranz\u201c schlie\u00dft die M\u00f6glichkeit einer kontrastierenden \u201eKenntnis\u201c mit ein (Mills, 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie manifestiert sich solch eine Ignoranz in der veganen Praxis? Ich werde dies in der folgenden Sektion betrachten.<\/p>\n<p><b>Rasse und Ethnizit\u00e4t in einer veganen- und Tierrechtsanalyse \u2026 ist das wirklich eine \u201enebens\u00e4chliche\u201c Angelegenheit?<\/b><\/p>\n<blockquote><p><i>Von: Clara<br \/>\nDatum: 8. November 2007<br \/>\nAn: sistahvegan98@mac.com<br \/>\nBetreff: Unter uns Veganern \u2026<\/i><\/p>\n<p><i>Hallo, mein Name ist Clara. Ich bin eine Highschool-Erstsemesterin und stie\u00df, als ich einige Recherchen zur Misshandlung von Tieren anstellte, auf Deine Webseite \u00fcber Dein Buch.<\/i><\/p>\n<p><i>Ich finde es spannend, dass Du dich an vegane afro-amerikanische Feministinnen wendest, bin aber irritiert dar\u00fcber, wie SEHR du alles mit Rasse und Ethnizit\u00e4t in Verbindung bringst. Ich m\u00f6chte einfach nur sagen, dass ich ehrlich gesagt nicht daran glaube, dass die Rasse eines Veganers irgendetwas mit der Rettung der Tiere zu haben sollte, und damit, andere \u00fcber Tierqu\u00e4lerei aufzukl\u00e4ren. Du schreibst \u00fcber viele Themen, die mir den Eindruck vermitteln, dass Du irgendwann mal in Deinem Leben nicht stolz darauf gewesen bist, Afro-Amerikanerin UND vegan zu sein \u2013 wegen der Darstellung der meisten Veganer. Und das finde ich entt\u00e4uschend, weil Rasse, f\u00fcr mich, solch eine nebens\u00e4chliche Angelegenheit ist. Es gibt einfach wichtigere Dinge im Leben als immer nur auf so etwas wie Rasse zu achten. Und st\u00e4ndig zu betonen, dass Rassethemen wichtiger sind als das, an was man glaubt, kommt mir irgendwie ignorant vor.<\/i><\/p>\n<p><i>Naja, also danke f\u00fcr Deine Aufmerksamkeit: Clara :)<\/i><\/p><\/blockquote>\n<p>Diese Nachricht erhielt ich Anfang November 2007. Als Kulturgeographin, Akademikerin und Aktivistin, die sich mit der Analyse dessen befasst, wie Rasse, Klasse, Rassismus, Wei\u00dfsein und geopolitische Lokalit\u00e4t die eigene Philosophie \u00fcber TR\/VEG formt, faszinierte diese Email mich. Diese junge Frau schrieb mir bez\u00fcglich meiner Webseite <a href=\"http:\/\/www.breezharper.com\/\">www.breezharper.com<\/a> und meiner Anthologie schwarzer Veganerinnen, <i>Sistah Vegan<\/i>. Man muss nicht lange im Zeitraum der letzten ein zwei Jahre suchen, um festzustellen, dass Rasse in den USA keine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c ist: The Jena 6, der \u201e<i>nappy-headed hos<\/i>\u201c-Kommentar von Don Imus \u00fcber das Frauenbasketballteam der Rutgers University und Megan Williams Peiniger, die sie als \u201eNiggerin\u201c bezeichneten, w\u00e4hrend sie sie mit dem Messer maltr\u00e4tierten (Tone, 2007), sind einige Beispiele rassisch begr\u00fcndeter verbaler und\/oder\u00a0 physischer Gewalt.<\/p>\n<p>Obgleich Rasse ein soziales Konstrukt ist, so existieren doch die offensichtlichen Konsequenzen dieses Konstrukts \u2013 in deutlichster Form das <i>wei\u00dfe Privileg, wei\u00dfe Ignoranz<\/i> und <i>wei\u00dfer Rassismus<\/i> \u2013, die alle Aspekte des Lebens in den USA und global in negativer Weise beeinflussen (Bell, 1992; Bell, 2005; Sullivan und Tuana, 2007; Wing, 2003). Diese Konsequenzen schlie\u00dfen den <i>geopolitisch rassifizierten<\/i> Konsum und eine <i>geopolitisch rassifizierte<\/i> Produktion veganer Produkte (dazu z\u00e4hlen sowohl Nahrungsmittel so wie auch <i>Wissen<\/i> als ein Produkt) f\u00fcr US-amerikanische Konsumenten, die zur veganen Tierrechtsbewegung zu z\u00e4hlen sind, nicht aus. Claras Email deutet darauf hin, dass sie sich dessen nicht bewusst ist, in welcher Weise eine geopolitisch rassifizierte Arbeitskraft, und solch ein Verbrauchersystem, es den Personen aus dem TR\/VEG-Kreis in den USA erm\u00f6glicht, Zugang zu veganen Produkten zu haben.<\/p>\n<p>Die Formulierung, dass etwas <i>geopolitisch rassifiziert<\/i> ist, habe ich f\u00fcr dieses Essay festgelegt. Darin inbegriffen ist eine Zusammenf\u00fchrung des Gedankens <i>kritischer geopolitischer Theorie<\/i> mit dem Begriff der <i>Rassifizierung<\/i>. Die kritische geopolitische Theorie w\u00e4hlt eine \u201ekritische Perspektive auf die Kr\u00e4fte der Fusionen zwischen geographischem Wissen und Machtsystemen\u201c (Dalby und Tuathail, 1996). Ich erg\u00e4nze diese Fusion mit den Begriffen der <i>Produktionssysteme<\/i> und der <i>Systeme des Konsums<\/i>, nicht allein von Wissen\/Erkenntnissen, sondern auch von <i>materiellen Ressourcen<\/i>, so wie Nahrungsmitteln, Bekleidung und [selbst bis hin zu] Gew\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Rassifizierung im Zusammenhang mit Geopolitik bedeutet in anderen Worten, dass menschliche Produzenten und Konsumenten innerhalb dieses Machtsystems in \u201erassifizierten\u201c K\u00f6rpern existieren, die sozial und geopolitisch in einem globalisierten kapitalistischen \u00f6konomischen System lokalisiert sind. Solch eine \u201erassifizierte\u201c Ortung wirkt sich aus auf ihre Beziehungen zu und ihr Verst\u00e4ndnis von Wissen\/Erkenntnis und Materialerzeugung, Macht und <i>Ignoranz<\/i>. Dr. Radhika Mohanram, Professorin f\u00fcr Frauenstudien, Englisch und der Geopolitik rassischer Identit\u00e4ten, erkl\u00e4rt:<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] Es ist nichts ungew\u00f6hnliches darauf hinzuweisen, dass das Konzept von Rasse immer in Hinsicht auf die geopolitische Verteilung von Menschen artikuliert wurde. Rassische Unterschiede hei\u00dft auch r\u00e4umliche Unterschiede, die ungleichen Machtbeziehungen zwischen verschiedenen R\u00e4umen und Orten werden reartikuliert als die ungleichen Machtbeziehungen zwischen den Rassen (Mohanram, 1999).<\/p><\/blockquote>\n<p>So hat zum Beispiel zwangsverpflichteter schwarzer haitianischer Zuckerrohrarbeiter in der Dominikanischen Republik eine andere Beziehung zu und Wahrnehmung von Zucker, als ein \u201efreier\u201c wei\u00dfer US-amerikanischer Veganer, der ein veganes Produkt verzehrt, das Zucker enth\u00e4lt, der von dem versklavten Dominikaner geerntet wurde. Zudem bedingt sich der eigene Sinn f\u00fcr \u201eethischen Konsum\u201c aus der geopolitischen sozialen und physischen Position (Barnett et al., 2005).<\/p>\n<p>Vegane Schokoladen-, Zucker- und Baumwollprodukte (als vegane Alternative zu Wolle und Seide) sind Beispiele dessen, wie ein globalisierter Rassismus geopolitisch rassifizierte Hierarchien in der Nahrungsproduktion und in der tierproduktfreien Textilproduktion aufrecht erh\u00e4lt (Harper, 2010). Ich werde das Obige weiter erl\u00e4utern, f\u00fcr diejenigen, die vielleicht nicht ganz verstehen, weshalb sie sich damit auseinandersetzen sollten, welche Auswirkungen ein unbeachtetes <i>geopolitisch rassifiziertes<\/i> Bewusstsein auf ihre Tierrechtsepistemologien hat und auf den <i>Einsatz dieser Epistemologien<\/i> durch einen veganen Konsumerismus und Verzehr\/Konsum.<\/p>\n<p>Es gibt Menschen au\u00dferhalb der USA, die Kakao unter den schlimmsten Bedingungen ernten, nur f\u00fcr die Produktion von S\u00fc\u00dfigkeiten \u2013 einschlie\u00dflich schokoladehaltiger Zutaten, die man in verschiedenen veganen Nahrungsmitteln und Getr\u00e4nken findet. Es gibt tausende von Menschen auf den Kakaoplantagen, die als Sklaven arbeiten um Schokolade f\u00fcr die <i>USA<\/i> zu ernten. Die Elfenbeink\u00fcste exportiert f\u00fcnfzig Prozent der Kakaobohnen, die in der globalen Herstellung von Schokolade verwendet werden (Hawksley, 2001).<\/p>\n<blockquote><p>Es existiert ein \u00fcberraschend anmutender Zusammenhang zwischen der Schokolade und der Kinderarbeit an der Elfenbeink\u00fcste \u2026 mit der die Schokolade erzeugt wird, unter unmenschlichen Bedingungen und mit den extremsten Formen von Misshandlung. Dieses westafrikanische Land ist globaler Hauptexporteur von Kakaobohnen. Die Kinderarbeit ist somit relevant f\u00fcr die internationale \u00f6konomische Gemeinschaft im Ganzen, durch Handelsbeziehungen und viele Akteure, die unumg\u00e4nglich in dieses Problem mit einbezogen sind, ob das nun die Regierung der Elfenbeink\u00fcste, die Bauern, die <i>amerikanischen oder europ\u00e4ischen Schokoladenhersteller oder die Konsumenten sind, die unwissend die Schokolade kaufen<\/i> [Betonung hinzugef\u00fcgt] (Chanthavong, 2002).<\/p><\/blockquote>\n<p>Zudem wurden im Jahr 2001 in Mali tausende Kinder als \u201evermisst\u201c gemeldet. Die Regierungsbeh\u00f6rden gehen davon aus, dass sich \u201esch\u00e4tzungweise 15.000 Kinder in der benachbarten Elfenbeink\u00fcste befinden und dort in der Kakaoproduktion arbeiten \u2026 \u00a0. Viele werden in den Landwirtschaftsbetrieben gefangen gehalten, und wenn sie versuchen zu fliehen, k\u00f6rperlich misshandelt. Manche dieser Kinder sind j\u00fcnger als 11 Jahre alt\u201c (Hawksley, 2001).<\/p>\n<p>Obgleich viele Veganer_innen in den USA glauben, dass ihr Konsum\/Verzehr \u201egewaltfrei\u201c [cruelty free] ist, indem sie das Leben eines nichtmenschlichen Tieres dadurch retten, dass sie vegane Schokoladenprodukte essen, so verursachen diejenigen aber, die Kakaoprodukte aus dem nicht-fairen Handel kaufen, <i>Grausamkeit<\/i> [cruelty] gegen tausende von <i>Menschen<\/i>. Wenn ein Produkt nicht in einer Art und Weise gekennzeichnet ist, dass erkennbar wird, ob es durch faire und sweatshop-freie Praktiken produziert wurde, wie kann dann jemand wissen, ob dieses Produkt ohne Menschenqu\u00e4lerei erzeugt worden ist? Wer sind die nicht-wei\u00dfen rassifizierten Populationen, die diese Schokolade unter Bedingungen der Grausamkeit und Gewalt ernten, und damit bestimmten [4]\u00a0US-amerikanischen Veganer_innen dabei <i>helfen<\/i> eine <i>moderne Ethik<\/i> durch den Konsum veganer schokoladehaltiger Lebensmittel zu praktizieren? Die Antwort ist: Es sind Menschen die <i>nicht<\/i> zur wei\u00dfen sozio-\u00f6konomisch privilegierten Klasse geh\u00f6ren, die in den Vororten US-amerikanischer St\u00e4dte lebt.<\/p>\n<p>Seit dem Beginn der europ\u00e4ischen Kolonialisierung und dem europ\u00e4ischen (und heute auch dem US-amerikanischen) Streben nach \u201eZivilisierung\u201c und \u201eModernisierung\u201c der Welt, sind diejenigen, die die Schokolade, den Kaffee, das Zuckerrohr und den Tee geerntet haben, zu einem \u00fcberw\u00e4ltigenden Anteil nicht-wei\u00dfe rassifizierte Populationsgruppen gewesen (Mintz, 1986; Harper, 2010). Und dieses Muster setzt sich bis ins Jahr 2010 fort (Gautier, 2007; Hunt, 2007). In meinem Buch <i>Sistah Vegan<\/i> habe ich \u00fcber den Schaden geschrieben, den die US-amerikanische Abh\u00e4ngigkeit von bestimmten Nahrungsmitteln, die aus dem globalen S\u00fcden bezogen werden, anrichtet:<\/p>\n<blockquote><p>Nicht allein verzehren wir in den USA un\u00fcberlegt [Un-]Lebensmittel, mit denen wir unserer Gesundheit massiv schaden, wir unterst\u00fctzen auch den Schmerz, das Leiden und den kulturellen Genozid derer, deren Land und Volk versklavt und\/oder ausgebeutet werden, f\u00fcr \u2026. Sucrose, Kaffee, schwarzen Tee und auch Schokolade. Wenn auf einem Paket solch einer suchterzeugenden Substanz nicht \u201eFair Trade\u201c und \u201e\u00f6kologisch nachhaltig\/bio\u201c steht, dann stammt es mit aller Wahrscheinlichkeit von einer Firma, die den Menschen weniger zahlt als das Minimum von dem sie leben k\u00f6nnten, w\u00e4hrend sie auf Plantagen arbeiten, die giftige Pestizide verwenden und\/oder auch das Recht verbieten, sich f\u00fcr die eigenen Menschenrechte zu organisieren \u2026 . Es sind unsere Abh\u00e4ngigkeiten, die Leid und Ausbeutung tausende Meilen weit weg verursachen, auf einer Zuckerplantage in der N\u00e4he einer Stadt, die stark unter Verarmung und einer Unterern\u00e4hrtheit ihrer Bev\u00f6lkerung leidet, nur weil auf deren Boden unser \u201eStoff\u201c angebaut wird, statt regionaler Getreide- und Gem\u00fcsesorten f\u00fcr die Bewohner selbst. Wir haben unsere suchtbedingten Konsumgewohnheiten f\u00e4lschlicherweise mit \u201eZivilisiertheit\u201c verwechselt (Jensen, 2006). Die Briten, die ihre zuckrigen Tees schl\u00fcrften, betrachteten sich selbst als \u201ezivilisiert\u201c, trotz der Folter und Versklavung, die es brauchte um diesen wei\u00dfen Zucker bis in ihre Teetasse zu bringen (Harper, 2010).<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich m\u00f6chte auch behaupten, dass man das problematische Konzept der <i>Modernit\u00e4t<\/i> (was etwa gleichzusetzen w\u00e4re mit \u201eZivilisiertheit\u201c) nicht \u00fcbersehen darf, wenn man untersuchen will, wie ein wei\u00df-rassifiziertes Bewusstsein und wei\u00dfe Epistemologien der Ignoranz unsichtbar bleiben f\u00fcr die \u201epost-rassischen\u201c Veganer_innen und Tierrechtsproponenten in den USA. Philosophisch [5]\u00a0kann man die Menschen im TR\/VEG-Aktivismus am besten beschreiben, als sich engarierend in einer Form des \u201eethischen Konsums.\u201c Jedoch innerhalb dieses \u201eethischen Konsums\u201c,<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] existieren unausgesprochene politische Annahmen, die mit dieser Praxis in Verbindung gebracht werden. Wie Tam\u00e1s Dobos beschrieben hat, so geht es in Ungarn, wo der ethische Konsum gerade erst neu auftritt, nicht allein um den ethischen Konsum selbst: es geht auch darum, <b><i>modern<\/i><\/b> [Hervorhebung hinzugef\u00fcgt] zu werden. Die ersten Aktivist_innen, die sich f\u00fcr [den ethischen Konsum] einsetzten, kamen aus Westeuropa und den Vereinigten Staaten, oder stehen mit solchen Leute in engem Kontakt, und ein immer wieder erscheinendes Motiv in den Diskussionen \u00fcber den ethischen Konsum ist seine Verbindung zu einem okzidentalisierten imaginierten Westen, den die Osteurop\u00e4er nachahmen sollten. Es scheint, dass einige Formen des ethischen Konsums nicht verstanden werden k\u00f6nnen, ohne dies als eine Bef\u00fcrwortung einer bestimmten Art der Modernit\u00e4t zu sehen, die im Speziellen mit der EU in Verbindung gebracht wird (Carrier, 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Obgleich Carrier sich auf die EU bezieht, so fallen mir doch die gleichen Philosophien als der Praxis des ethischen Konsums vieler US-amerikanischer TR\/VEG-Organisationen zugrundeliegend auf, wie etwa bei der Organisation Vegan Outreach, die davon spricht die Grausamkeit gegen\u00fcber den nichtmenschlichen Tiere zu beenden, indem man, anstelle von Produkten, die auf tierlicher Milch basieren, Kakao der Firma Silk oder Schokoeis von Soy Delicious kauft (Vegan Outreach, 2007). Ich glaube das Vegan Outreach eine enorme Leistung darin vollbracht haben, Menschen \u00fcber das Leid aufzukl\u00e4ren, das nichtmenschlichen Tieren durch Menschen zugef\u00fcgt wird. Meine zwei Kritikpunkte lauten aber folgenderma\u00dfen, dass a.) die Tierrechtsaktivist_innen, die auf dem <i>Vegan Outreach\u2019s Guide to Cruelty-Free Eating<\/i> [Vegan Outreach Ratgeber zur tierqualfreien Ern\u00e4hrung] zu sehen sind, alle wei\u00df zu sein scheinen [6], und b.) das Vegan Outreach neuen Veganer_innen die Schokoladenprodukte von Silk und Soy Delicious in ihrem Ratgeber empfehlen (Vegan Outreach, 2007); die Kakaoquellen beider Produkte sind nicht Menschenqualfrei. Auf der Vegetarian Baby &amp; Child Webseite werden die gefrorenen veganen \u201eSoy Delicious\u201c-Desserts von Turtle Mountain in folgender Weise beschrieben:<\/p>\n<blockquote><p>Die Firma ist nicht gro\u00df genug um Fairtrade-Schokolade einzukaufen, doch verwendet Turtle Mountain keinen knochengebleichten Zucker und die Produkte sind alle Bio. Zudem unterst\u00fctzen sie das Sea Turtle Restoration Project \u2013 eine Organisation die dabei hilft, die Meeresschildkr\u00f6ten vorm Aussterben zu bewahren. Welchen besseren Grund g\u00e4be es sich ein Sojaeis zu kaufen, als um damit den Meeresschildkr\u00f6ten zu helfen? (Veggies123.com)<\/p><\/blockquote>\n<p>Man wundert sich weshalb die Firma Turtle Mountain nicht einfach \u00fcberhaupt keine Schokolade einkauft, wenn sie es sich nicht leisten k\u00f6nnen, fair gehandelte Schokolade einzukaufen. Zudem wird erw\u00e4hnt, dass der Zucker vegan ist, aber man erf\u00e4hrt nicht, ob seine Herstellung die Ausbeutung von Menschen beinhaltete. Man kann davon ausgehen, dass Profit die Motivation dazu darstellt, weiterhin den Kakao von einer Quelle her zu beziehen, die nicht fair-trade ist. Auch kann man annehmen, das die Rettung von Meeresschildkr\u00f6ten und die Verwendung eines Zuckers, der ohne Knochenkohle raffiniert wurde, das ist, was dieses vegane Dessert zu einem \u201eethischen\u201c und \u201eohne Qu\u00e4lerei hergestellten\u201c Produkt macht, was bei vielen heutigen <i>modernen<\/i> TR\/VEG Leuten in den USA eine positive Wirkung erzielt. Es ist nicht zu \u00fcbersehen, dass die \u201eEthik\u201c einer geopolitisch <i>rassifizierten<\/i> Produktion von Nicht-Fairtrade-Kakao und -Zucker f\u00fcr Turtle Mountain (und seine Kunden), nicht im gleichen Ma\u00dfe wichtig genommen wird, wie die Garantie dessen, dass der Zucker \u201eohne Knochenmehl\u201c ist, und dass Meeresschildkr\u00f6ten ihr Recht auf Selbstbestimmtheit und \u00dcberleben erteilt wird. W\u00e4re es anders gewesen, so nehme ich an, dass Turtle Mountain zahlreiche Beschwerden von seinen Kund_innen (oder Boykottaufrufe) erhalten h\u00e4tte, mit der Aufforderung, dass man beginnen solle Zutaten aus fairem Handel zu kaufen.<\/p>\n<p>Was die Bilder auf der Brosch\u00fcre anbetrifft, die nur wei\u00dfe Menschen dabei zeigen, wie sie sich im Tierrechtsaktivismus <i>engagieren<\/i>, wundert man sich, warum Vegan Outreach keine Bilder von rassisch verschiedenen Menschen zeigen, die dabei sind Flugbl\u00e4tter zu verteilen oder in irgendeiner anderen Form im Tierrechtsaktivismus t\u00e4tig sind. Auf der zweiten Seite einer dieser Flugschriften sehen wir eine wei\u00dfe Frau mit einem wei\u00dfen Baby, die ihr Essen mit einem Truthahn teilt (Vegan Outreach, 2007). Auf Seite zweiundzwanzig sehen wir ein wei\u00dfes Kind, das einen Apfel h\u00e4lt und das Kind wird als \u201ejunge_r Veganer_in\u201c beschrieben (Vegan Outreach, 2007). Auf Seite sechsundzwanzig sehen wir einen jungen wei\u00dfen Mann, der gerade dabei ist, Literatur \u00fcber die Tierverteidigung zu lesen (Vegan Outreach, 2007). Auf Seite siebenundzwanzig sehen wir ein Bild eines wei\u00dfen Mannes, der einem Schwarzen eine ein <i>Vegan Outreach<\/i>-Flugschrift reicht (Vegan Outreach, 2007). Auf Seite achtundzwanzig ist ein junges wei\u00dfes M\u00e4dchen zu sehen, dass Brosch\u00fcren von Vegan Outreach verteilt (Vegan Outreach, 2007).<\/p>\n<p>Die Kombination von Bildern <i>wei\u00dfer<\/i> Menschen als Tierrechtsaktivist_innen gekoppelt mit Bildern, die f\u00fcr vegane Produkte werben, die Zucker und Schokolade enthalten, die nicht-fair geerntet wurden, durch die Arbeit <i>nicht wei\u00dfer rassifizierter Menschen<\/i>, stellt f\u00fcr mich einen widerspr\u00fcchlichen Ethos dar, bei <i>denen<\/i>, die Veganismus praktizieren und <i>wie<\/i> sie dies tun. Was mir merkw\u00fcrdig erscheint, ist dass dies die Praxis hinter dem \u201etierqualfreien Verzehr\u201c [\u201ecruelty-free eating\u201c] bildet (daher der Titel dieses Vegan Outreach Ratgebers f\u00fcr Neulinge). Durch den ganzen Ratgeber hindurch wird kein einziges Mal das Vermeiden veganer Produkte erw\u00e4hnt, die nicht als fair-trade gekennzeichnet sind, nicht aus Sweatshops kommen und keine heutigen Versklavungspraktiken von Menschen beinhalten. Welche Art geopolitisch rassifizierter \u201eEthik\u201c wird hiermit also generiert und verbreitet? In einem Interview, das im Jahr 2005 im Satya Magazine erschien, schreiben Sheila Hamanaka und Tracy Basile:<\/p>\n<blockquote><p>Es ist eine Sache, wenn eine wei\u00dfe Person vegane Flyer verteilt, aber die Versuche wei\u00dfer TR-Aktivist_innen anderen Kulturen ihre Agenda vorzuschreiben, erinnert in unangenehmer Weise an das geschichtliche Muster der Unterdr\u00fcckung durch die dominierenden Nationen. Statt der \u201eDemokratie\u201c, exportieren die TR-Aktivist_innen ihre kulturellen Konzepte \u00fcber die richtige Beziehung zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren (Hamanaka 2005).<\/p><\/blockquote>\n<p>Wird im Falle des Ratgebers von Vegan Outreach ein wei\u00df-rassifiziertes neoliberales US-amerikanisches Konzept dar\u00fcber, was <i>richtige<\/i> vegane Produkte sind, exportiert? Ist dies eine Konsequenz wei\u00dfer Epistemologien der Ignoranz, von \u201ePost-Rassischheit\u201c und <i>Modernit\u00e4t<\/i> der Praxis im TR\/VEG-Aktivismus, ohne ein volles Bewusstsein dar\u00fcber, wie all die verschiedenen Unterdr\u00fcckungsformen miteinander verbunden sind (Harper, 2010; Smith, 2007), und kann es nicht sein, dass es ebenso \u201egrausam\u201c [\u201e<i>cruel<\/i>\u201c] ist, Tiere zu essen, wie die Lebensmittel und die Textilien zu konsumieren\/verbrauchen, die von versklavten Menschen auf Kakao-, Zucker- oder Baumwollplantagen erzeugt werden?<\/p>\n<p>Um das noch einmal festzuhalten, ich kritisiere die Leute im TR\/VEG-Bereich in den USA, die Produkte wie Silk oder Soy Delicious konsumieren, nicht. Meine Kritik richtet sich gegen die (wei\u00dfen und nicht-wei\u00dfen Personen), die meinen, \u201eRasse sei eine nebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Tierrechtsaktivismus. Solche Menschen produzieren und praktizieren ihre eigenen \u201epost-rassischen\u201c Epistemologien und ihre eigene Praxis einer TR\/VEG- \u201etierqualfreien Ethik\u201c. Zugleich ignorieren solche \u201epost-rassischen\u201c Herangehensweisen aber die Abh\u00e4ngigkeit von der ausgebeuteten Arbeitskraft nicht-wei\u00dfer rassifizierter Minderheiten, die au\u00dferhalb der Vereinigten Staaten leben \u2013 die Materialien f\u00fcr vegane Produkte produzieren, wie z.B. diejenigen Menschen, die Zucker in der Dominikanischen Republik ernten. [7]\u00a0Eine Abh\u00e4ngigkeit, die in veganen Lebensmittelprodukten wiederzufinden sein kann; viele dieser veganen Leckereien sind nicht einschlie\u00dflich daraufhin gekennzeichnet, ob ihre Erzeugung\/Herstellung Praktiken der Grausamkeit gegen\u00fcber Menschen beinhaltet haben.<\/p>\n<blockquote><p>In der Dominikanischen Republik ist Onkel Toms H\u00fctte nie verschwunden. Nahe der privaten Luxusresorts und ihrer Str\u00e4nde, verborgen hinter dem undurchdringbaren Vorhang des Zuckerrohrs, stehen die heruntergekommenen Barracken der Bateyes in Gruppen beieinander. In diesen improvisierten D\u00f6rfern, in denen es kein Wasser gibt, keine Elektrizit\u00e4t, keinen Schutz, leben [schwarze] haitianische Familien. Nachdem du den Eingang in die Bateyes gefunden hast, kannst du dich dem dort herrschenden Elend nicht mehr entziehen: die M\u00e4nner arbeiten in den Zuckerrohrplantagen bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung, die Frauen k\u00e4mpfen um das \u00dcberleben ihrer Familien, die Kinder der haitianischen Eltern dort sind dazu verdammt, selbst wieder zu Sklaven zu werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jedes Jahr \u00fcberqueren etwa 20.000 Haitianer die Grenze zur Dominikanischen Republik, um auf den Zuckerrohrplantagen zu arbeiten. Dort werden sie der Zwangsarbeit unterworfen, ihre Freiheiten werden eingeschr\u00e4nkt, die Lebensr\u00e4ume sind inad\u00e4quat und die Arbeitsbedingungen gef\u00e4hrlich. Die Vereinigten Staaten sind der gr\u00f6\u00dfte Verbraucher von Zucker aus der Dominikanischen Republik (Gautier, 2007).<\/p>\n<p>Nochmal: Ich kritisiere nicht die Entscheidung von Menschen, Produkte zu konsumieren, die durch die ausbeuterische Arbeit <i>nicht-wei\u00dfer rassifizierter Menschen im globalen S\u00fcden<\/i> hergestellt worden sind. Was mir Sorge bereitet, sind die Folgen, die einige Menschen aus dem TR\/VEG-Bereich verursachen, durch ihre <i>Verneinung<\/i> und\/oder <i>Ignoranz<\/i> gegen\u00fcber der Tatsache, dass \u201eRasse ein ernstzunehmendes Problem darstellt\u201c \u2013 auch in dem Moment, indem man ein Baumwollshirt, das nicht aus fairem Handel stammt, tr\u00e4gt, das mit einem Bild oder einen Slogan der f\u00fcr Tierrechte oder den Veganismus wirbt.<\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der weltweit vermarkteten Baumwolle (eine vegane Alternative zu tierisch-basierenden Fasern) wird von Zwangsarbeitern in Usbekistan geerntet (Grabka, 2007). Kinder sind von dieser verachtenswerten Praktik der Arbeit unter sklaven\u00e4hnlichen Bedingungen nicht ausgenommen. \u201eIm Oktober 2004 gab ein Minister zu, dass 44.000 Sch\u00fcler_innen und Stutent_innen die Baumwolle [in Usbekistan] ernteten\u201c (Grabka, 2007). Solange der \u201etierqualfreie\u201c Baumwollsweater kein Label tr\u00e4gt, durch das erkennbar wird, dass er \u00fcber eine Fair-Trade Quelle bezogen wurde, und nicht unter Sweatshop-Bedingungen hergestellt wurde, existiert keine Garantie daf\u00fcr, dass das Bekleidungsst\u00fcck ohne menschliches Leid und\/oder Sklaverei hergestellt worden ist. Und nochmal, die Menschen, die unmittelbar durch unfaire Bedingungen in der Baumwollerzeugung betroffen sind, sind <i>keine<\/i> wei\u00df-rassifizierten Menschen und\/oder sind durch ihre sozial-\u00f6konomische Klasse privilegierte Menschen, die in den USA leben (Grabka, 2007). Und das ist keine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c.<\/p>\n<p>Als Clara schrieb, \u201e<i>Ich m\u00f6chte einfach sagen, dass ich ernsthaft nicht glaube, dass die Rasse eines Veganers\/einer Veganerin irgendetwas mit dem Ziel der Rettung der Tiere zu tun haben sollte, und damit, andere \u00fcber Tierqu\u00e4lerei aufzukl\u00e4ren\u201c,<\/i> sprach sie da von einer privilegierten Position innerhalb der Moderne\/Kolonialit\u00e4t und der privilegierten Seite der <i>geopolitisch rassifizierten Produktion<\/i> von Konsumg\u00fctern? Ram\u00f3n Grosfoguel, ein Wissenschaftler, dessen Schwerpunkt die dekoloniale Theorie ist, verwendet den Begriff \u201aKolonialit\u00e4t\u2019 um damit<\/p>\n<blockquote><p>[\u2026] \u201akoloniale Situationen\u2019 in der Gegenwartsperiode [zu bezeichnen], in der koloniale Administrationen fast g\u00e4nzlich aus dem kapitalistischen Weltsystem verschwunden sind. Mit \u201akolonialen Situationen\u2019 meine ich die kulturelle, politische, sexuelle, spirituelle, epistemische und \u00f6konomische Unterdr\u00fcckung\/Ausbeutung <b><i>rassifiziert\/ethnisch \u201euntergeordneter\u201c Gruppen durch dominante rassifizierte\/ethnische Gruppen<\/i><\/b> [Hervorhebung hinzugef\u00fcgt] mit oder ohne der Existenz kolonialer Verwaltungen. F\u00fcnfhundert Jahre europ\u00e4ischer kolonialer Expansion und Herrschaft formten eine internationale Aufteilung der Arbeit zwischen Europ\u00e4er_innen und Nicht-Europ\u00e4er_innen, die in der gegenw\u00e4rtigen sogenannten \u201apost-kolonialen\u2019 Phase des kapitalistischen Weltsystems reproduziert wird (Wallerstein 1979, 1995 in Grosfoguel 2007). Heute \u00fcberschneiden sich die Kernzonen der kapitalistischen Weltwirtschaft mit den pr\u00e4dominant wei\u00dfen\/europ\u00e4ischen\/euro-amerikanischen Gesellschaften wie Westeuropa, Kanada, Australien und den Vereinigten Staaten, w\u00e4hrend die peripheren Zonen sich mit den vormals kolonialisierten nicht-europ\u00e4ischen V\u00f6lkern \u00fcberschneiden. Japan bildet hier die einzige Ausnahme, die diese Regel best\u00e4tigt. Japan ist niemals durch die Europ\u00e4er kolonialisiert gewesen, und hat aber, vergleichbar mit dem Westen, eine aktive Rolle in der Errichtung eines eigenen kolonialen Imperiums gespielt \u2026 . <b><i>Der Mythos einer \u201aDekolonialisierung der Welt\u2019 verdunkelt die Kontinuit\u00e4ten zwischen kolonialer Vergangenheit und gegenw\u00e4rtig global-kolonialen\/rassischen Hierarchien und tr\u00e4gt zur Unsichtbarkeit von \u201aKolonialit\u00e4t\u2019 heute bei<\/i><\/b> [Hervorhebung hinzugef\u00fcgt] (Grosfoguel, 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p><i>\u201eDer Mythos einer \u201aDekolonialisierung der Welt\u2026\u201c kann auch ersetzt werden mit:<\/i><\/p>\n<p><i>Der Mythos eines \u201apost-rassischen\u2019 Status der USA verdunkelt die Kontinuit\u00e4ten zwischen kolonialer Vergangenheit und gegenw\u00e4rtig global-kolonialen\/rassischen Hierarchien und tr\u00e4gt zur Unsichtbarkeit eines \u201awei\u00df-rassifizierten klassenprivilegierten Bewusstseins\u2019 in den USA heute bei. [8]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/misc_2\/breeze_jcas_1\/harper_rasse_als_eine_nebensaechliche_angelegenheit_2c.doc#_ftn8\"><b><br \/>\n<\/b><\/a><\/i><\/p>\n<p>Wenn wir uns die \u201e<i>koloniale Vergangenheit und die gegenw\u00e4rtigen kolonialen\/rassischen Hierarchien\u201c<\/i> anschauen, wird Clara dann zu einem wei\u00dfen christlichen Priester aus der Zeit vor dem Sezessionskrieg, der den wei\u00dfen Herren \u00fcber Plantagen und Sklaven sagt, dass Gott die \u201eEthik\u201c der Einrichtung der Ehe und der Heiligkeit der Familie (Modernit\u00e4t) f\u00fcr gut behei\u00dft, w\u00e4hrend schwarze Famillien in Fesseln auseinandergerissen werden, jedes Mal wenn eine Ehefrau oder ein Kind oder ein Vater verkauft wird, um in einem Baumwollfeld oder auf einer Tabakfarm (Kolonialit\u00e4t) zu arbeiten? Wird Clara der \u201ezivilisierte\u201c und \u201emoderne\u201c US-amerikanische Aristokrat aus dem acthzehnten Jahrhundert, der Texte verfasst, die ihren Beitrag zu den Philosophien der \u201eEthik\u201c und \u201eAufkl\u00e4rung\u201c der Menschheit (Moderne) beitragen, w\u00e4hrend man den Tee mit Zucker schl\u00fcrft (Moderne), der von nichtwei\u00dfen Menschen in Fesseln produziert wurde (Kolonialit\u00e4t)? Wird Clara hier zu einem wei\u00dfen Lehrer aus den USA des fr\u00fchen neunzehnten Jahrhunderts, der die wei\u00dfen Kinder \u00fcber die \u201eEthik\u201c dessen \u201eaufkl\u00e4rt\u201c ein freier [wei\u00dfer] Mensch zu sein (Moderne), als einem Preis, der durch die Amerikanische Revolution <i>gewonnen<\/i> wurde, w\u00e4hrend man ein St\u00fcck <i>moderner<\/i> Baumwollbekleidung tr\u00e4gt, dass mit dem Leid der schwarzen Menschen in Fesseln hergestellt wurde, Menschen die diese Freiheit niemals erfahren d\u00fcrften (Kolonialit\u00e4t). Ist Clara der wei\u00dfe US-amerikanische Regierungbeamte des zwanzigsten Jahrhunderts, t\u00e4tig im internationalen Huminitarismus, der vorschl\u00e4gt, dass wir als eine Nation \u201eethisch\u201c handeln sollten und kuhmilch-basierende verarbeitete Produkte (Moderne) an afrikanische L\u00e4nder, in denen in den 1980ern in denen Hungersn\u00f6te herrschten, schicken sollten \u2013 vollst\u00e4ndig davon \u00fcberzeugt, dass jeder [tierliche] Milch vertragen k\u00f6nnen sollte und muss, so wie das die eigenen wei\u00df-europ\u00e4ischen Vorfahren k\u00f6nnen (Kolonialit\u00e4t)?<\/p>\n<p>Claras Einstellung repr\u00e4sentiert die Einstellungen vieler Menschen in den USA \u2013 aus der Vergangenheit, so wie in der Gegenwart \u2013 die eine gewisse Vorstellung \u00fcber \u201eEthik\u201c, \u201eFreiheit\u201c, \u201eAufkl\u00e4rung\u201c und \u201eMoralit\u00e4t\u201c durch den Schleier von Universalismus, Ignoranz und eurozentrischer Logik (Yanca, 2004) hochhalten und <i>anwenden<\/i>. Solch eine singularistische eindimensionale Herangehensweise an die Frage von \u201eEthik\u201c ignoriert h\u00e4ufig und selbstbequem die Systeme miteinander einhergehender Unterdr\u00fcckungsformen, die durch den Rassismus, Klassismus, Ableismus, Heterosexismus, Nationalismus, etc. beeinflusst werden <i>und<\/i> diese auch wiederum reziprok beeinflussen. R\u00e1mon Grosfoguel argumentiert, dass<\/p>\n<blockquote><p>die hegemonischen eurozentrischen Paradigmen, die die westliche Philosophie und die Wissenschaften im \u201amodernen\/kolonialen kapitalistichen\/patriarchalen Weltsystem\u2019 in den letzten 500 Jahren beeiflusst haben, nehmen einen universalistischen, neutralen, objektiven Standpunkt ein \u2026 . Niemand entkommt den Hierarchien von Klasse, Geschlecht, Spiritualit\u00e4t, Linguistik, Geographie und Rasse des \u201amodernen\/kolonialen kapitalistichen\/patriarchalen Weltsystems\u2019 (Grosfoguel, 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Zus\u00e4tzlich sehen Veganer_innen, die Claras Wahrnehmung \u00fcber Rasse teilen, unter Umst\u00e4nden weder die Bedeutung noch die Implikationen rassischer Identit\u00e4t innerhalb der TR\/VEG-Philosophie und ihrer erzieherischen Aufkl\u00e4rung, da viele Menschen im globalen Westen, wie etwa in den Vereinigten Staaten, dahingehend erzogen wurden, die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse au\u00dferhalb von \u201eKlassenanalyse und \u00f6konomisch-strukturellen Transformationen\u201c <i>nicht<\/i> zu verstehen (Grosfoguel, 2007). Obgleich meine Webseite, auf der ich meine Forschung vorstelle, eindeutig angibt, dass ich \u00fcber die Implikationen von Rasse <i>und<\/i> Klasse in der Wahrnehmung von Nahrungsmitteln, Gesundheit, \u201eethischem Konsum\u201c und Tierrechten forsche, war Clara nur \u00fcber die rassische Komponente meiner Forschung \u201eirritiert\u201c. [9]<a title=\"\" href=\"file:\/\/\/H:\/misc_2\/breeze_jcas_1\/harper_rasse_als_eine_nebensaechliche_angelegenheit_2c.doc#_ftn9\"><br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Ich hoffe, dass dieses Essay dabei helfen wird, \u201epost-rassiche\u201c wei\u00dfe vegane Aktivist_innen n\u00e4her an ein Einbrechen der Barrieren heranzubringen, und daran, sich st\u00e4rker kritisch reflektierend zu bet\u00e4tigen im Punkte rassisch privilegiert-orientierter Formen dessen, Teil der weltweiten TR\/VEG Bewegung zu sein \u2013 und zwar nicht nur innerhalb der wei\u00df dominierten oder wei\u00dfer Siedlernationen, sondern \u00fcberall in der Welt. Wei\u00dfe Freund_innen und Unterst\u00fctzer_innen, so wie die antirassistischen Tierrechtsaktivist_innen Noah Lewis, Say Burgin und Daniel Hammer, so wie auch pattrice jones, haben sich proaktiv dazu entschieden, sich \u00fcber ihr eigenes <i>wei\u00df rassifiziertes Bewusstsein<\/i> Gedanken zu machen. Sie versuchen wei\u00df identifizierten und TR\/VEG Aktivist_innen die Wichtigkeit dessen zu vermitteln, sowohl die kritischen Wei\u00dfseinsstudien als auch den Antirassismus in ihren TR\/VEG und nicht-TR\/VEG-verbundenen Philosophien und Erziehungsmodellen mit einzubeziehen. So lautet die Beschreibung eines Workshops den Burgin, Hammer und Lewis 2008 unter dem Titel \u201a<i>Wei\u00dfe hinterfragen den Rassismus \u2013 eine Studiengruppe\u2019 <\/i>organisiert haben, folgenderma\u00dfen:<\/p>\n<blockquote><p>Die erste Session unserer Gruppe fand von Juli bis September 2007 statt und wurde von Say Burgin, Daniel Hammer und Noah Lewis organisiert. Diese Gruppe hat sich aus einem experimentellen College-Kurs zum Thema wei\u00dfes Privileg und antirassistischer Organisation am Oberlin College heraus entwickelt, am dem Noah teilgenommen hatte w\u00e4hrend seines Aufenthaltes in Oberlin, Ohio.<\/p>\n<p>Die Organisator_innen sind keine \u201eExpert_innen\u201c \u2013 wir erheben diesen Anspruch in keiner Weise f\u00fcr uns! Wir sind schlichtweg wei\u00dfe Individuen, die sich ernsthaft dar\u00fcber Sorgen machen, auf welche Weise das wei\u00dfe \u00dcberlegenheitsdenken, m\u00e4nnliches \u00dcberlegenheitsdenken, Klassismus und andere Unterdr\u00fcckungsformen, sowohl auf pers\u00f6nlicher Ebene als auch durch unseren Aktivismus, fortgesetzt werden. Wir m\u00f6chten uns aus diesem Grunde darum bem\u00fchen, uns \u00fcber diese Probleme zu informieren und unser Verhalten entsprechend zu ver\u00e4ndern, und, wir m\u00f6chten diesen Lernprozess gerne mit denjenigen Teilen, die ebenfalls daran interessiert sind, sich mit den Fragen auseinanderzusetzen (Burgin et al., 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Was diese Form des Aktivismus so auszeichnet, ist, dass die Organisator_innen gleichzeitig auch im Bereich des veganen- und des Tierrechtsaktivismus t\u00e4tig sind; sie bieten ebenso Workshops \u00fcber Veganismus und Tierrechte \u00fcber ihre Gruppe \u201aAnimal Freedom\u2019 an. Denjenigen wei\u00dfen Personen, die den Bezug zwischen Tierrechten und kritischen Wei\u00dfseinsstudien bislang nicht sehen, erkl\u00e4ren die Organisator_innen auf ihrer Webseite:<\/p>\n<blockquote><p><b>Weshalb wird dies von einer Tierrechtsgruppe organisiert?<\/b><\/p>\n<p>Warum nicht? Animal Freedom hinterfragt den Speziesismus und das menschliche \u00dcberlegenheitsdenken im Kontext mit einer Beendigung der damit verbundenen Unterdr\u00fcckungssysteme (die auf Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ageismus, Ableismus, usw. basieren und\/oder Diskriminierung betreiben wegen sexueller Ausrichtung, religi\u00f6ser [oder nicht-religi\u00f6ser] Anschauungen, Nationalit\u00e4t und Ethnizit\u00e4t, usw.). Wir planen in Zukunft einen Kurs anzubieten, der sich speziell mit dem Rassismus in der Tierrechtsbewegung auseinandersetzt. Dieser nun stattfindende Kurs ist aber allgemein gehalten und bezieht jede_n mit ein (Burgin et al., 2007).<\/p><\/blockquote>\n<p>Menschen, die sich aktivistisch f\u00fcr eine vegane Ern\u00e4hrung einsetzen, sind fortw\u00e4hrend mit <i>\u00c4ngsten, Verneinung<\/i> und <i>Abwehrhaltungen<\/i> konfrontiert, seitens von Menschen, die vom institutionalisierten Speziesismus \u201eals Norm\u201c profitieren. So wie diese Menschen nicht <i>ohne weiteres<\/i> einsehen k\u00f6nnen, warum sie sich \u00fcber Speziesismus Gedanken machen sollten, so k\u00f6nnen in einer vergleichbaren Weise manche wei\u00dfen TR\/VEG Aktivist_innen nicht einsehen, in welcher Weise sie profitieren vom institutionalisierten Wei\u00dfsein \u201eals der Norm\u201c oder wie dies ihr Engagement f\u00fcr den Veganismus mitbeeinflusst. Ich hoffe, dass dieses Essay diejenigen, die eine \u201epost-rassische\u201c Haltung vertreten oder die meinen, \u201eRasse sei eine nebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c, dazu bewegen kann, die eigene Wahrnehmung \u00fcber Rasse einmal kritisch zu \u00fcberdenken und zu \u00fcberlegen, ob man selbst zu sozialer Ungerechtigkeit innerhalb des eigenen veganen- und Tierrechtsaktivismus mit beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Amie Breeze Harper promoviert [A.d.\u00dc.: im Jahr 2013 hat die Autorin ihre Promotion mit summa cum laude abgeschlossen] an der University of California, Davis, im Bereich der Critical Food Geographies. Sie untersucht in welcher Weise Rasse, Klassenzugeh\u00f6rigkeit und Region\/Lokalit\u00e4t innerhalb der USA die Beziehung einzelner zu ihrer Wahrnehmung pflanzlich-zentrierter Ern\u00e4hrungsweisen (\u201afood ways\u2019) beeinflussen. Die Autorin ist in Connecticut, USA, geboren und aufgewachsen und lebt heute mit ihrem Ehemann und ihrem neugeborenen Sohn in Berkeley, Kalifornien. Amie kann unter der Emailadresse <a href=\"mailto:breezeharper@gmail.com\">breezeharper@gmail.com<\/a> kontaktiert werden.<\/p>\n<p>[2] A.d.\u00dc.: der Begriff \u201eRasse\u201c bezeichnet selbstverst\u00e4ndlich auch an dieser Stelle ein politisch-soziologisches Ph\u00e4nomen, und keine biologistisch-ethnische Demarkationslinie verschiedener Kulturgeschichten.<\/p>\n<p>[3] \u201eTR\/VEG\u201c ist die Abk\u00fcrzung, die ich hier verwende, wenn ich mich auf den Tierrechts-, den vegetarischen- und den veganen Aktivismus und seine Philosophien beziehe.<\/p>\n<p>[4] Ich schreibe hier \u201ebestimmte\u201c, weil es vegane Produkte aus fairem Handel gibt, die auch von Veganer_innen gekauft werden k\u00f6nnen, wie zum Beispiel <i>Equal Exchange<\/i> Bio-Tees, Zucker und Kaffee aus fairem Handel oder Produkte von <i>Steaz Energy<\/i>. Ich habe hier jedoch die Marken <i>Silk<\/i> und <i>Soy Delicious<\/i> kritisch im Auge, weil sie in den USA den Markt f\u00fcr vegane, auf Soja basierende Getr\u00e4nke und tiermilch-freie gefrorene Desserts dominieren.<\/p>\n<p>[5] Damit meine ich die eurozentrischen und griechischen Grundpfeiler der Philosophien, der Ethik und der Moralit\u00e4t. Ich bin mir der Tatsache bewusst, dass diese nur eine Art der Philosophien ausmachen.<\/p>\n<p>[6] A.d.\u00dc.: Vegan Outreach haben ihre Brosch\u00fcre \u201eGuide to Cruelty-Free Eating\u201c im Jahr 2013 \u00fcberarbeitet und die in diesem Text beschriebene Bebilderung wurde ausgetauscht, durch Fotos, die auch farbige Menschen als Aktivist_innen zeigen und nicht nur als Rezipienten veganer Aufkl\u00e4rungsprogramme.<\/p>\n<p>[7] A.d.\u00dc.: Im Bezug auf die BRD liegt bei diesem Kritikpunkt der Schwerpunkt nicht in erster Linie auf dem Zucker, der bei uns zu einem prozentual geringen Anteil aus Drittl\u00e4ndern importiert wird. Allgemein \u00e4ndert dies allerdings nichts an der beschriebenen Problematik, der nicht aus Fairtrade-Quellen bezogenen Rohstoffe und Produkte, die im veganen Marktsegment ihren Gebrauch finden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>[8] Im Bezug auf Clara kann man sagen, dass die Auswirkungen, die dieses dominierende Bewusstsein auf die Erziehungsphilosophie im prim\u00e4ren und sekund\u00e4ren Bildungsbereich hat (das die meisten Kinder, ungeachtet ihrer Rasse, in den USA pr\u00e4gt) hier nicht zu \u00fcbersehen sind. Den Kindern und Jugendlichen wird zumeist vermittelt, dass die eurozentrischen philosophischen Fundamente von \u201eGerechtigkeit\u201c und \u201eEthik\u201c nicht \u201erassifiziert\u201c seien; dass sie in der Tat \u201epost-rassisch\u201c sind und f\u00fcr alle zutreffen, ungeachtet der Tatsache, dass zentrale philosophische Gedanken zu einem Gro\u00dfteil f\u00fcr und durch die Interessen wei\u00dfer m\u00e4nnlicher Europ\u00e4er und US-Amerikaner geschaffen wurden. So soll ein zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen, dass aus einer Familie mit niedrigem Einkommen stammt und im l\u00e4ndlichen Raum Alabamas lebt, lernen und akzeptieren, dass die Philosophien von \u201eFreiheit\u201c, \u201eEthik\u201c und der \u201eAufkl\u00e4rung\u201c (die von europ\u00e4ischen und US-amerikanischen M\u00e4nnern \u201eguten Willens\u201c geschaffen worden sind), nicht rassifiziert sind; und dass sie niemals von wei\u00dfen Philosophen produziert wurden, die kleine schwarzen M\u00e4dchen, so wie sie selbst eines ist, h\u00e4tten unterdr\u00fccken wollen. Das ist auff\u00e4llig, da die Mehrzahl dieser \u201egro\u00dfen M\u00e4nner\u201c Nichtwei\u00dfe entweder als minderwertig sahen und\/oder ihr eigenes wei\u00dfes m\u00e4nnliches Privileg in der Schaffung ihrer universellen Philosophien ignoriert haben. Dazu zu z\u00e4hlen sind Thomas Jefferson, Hegel, Kant, Hume und Locke (Farr, 2004; Jones, 2004; Moore, 2005; Yancy, 2004). Dies sind M\u00e4nner, die eindeutig dachten, dass Schwarze minderwertige Menschen w\u00e4ren, doch produzierten sie gleichzeitig universale Gedanken und Literatur \u00fcber \u201eFreiheit\u201c, \u201eEthik\u201c und \u201eAufkl\u00e4rung\u201c, die gr\u00f6\u00dftenteils integriert sind in das Gewebe der modernen US-amerikanischen Gesellschaft, in der Schulbildung und in den philosophischen Fakult\u00e4ten der Universit\u00e4ten. Das Wei\u00dfsein und die geopolitisch rassifizierten Aspekte dieser Philosophien sind als universalistisch maskiert (Yancy, 2005) und werden in falscher Weise als f\u00fcr genau die Menschen zug\u00e4nglich konstruiert, die diese \u201egro\u00dfen M\u00e4nner\u201c f\u00fcr minderwertig hielten. Hinsichtlich der Philosophien, auf denen die USA begr\u00fcndet wurde, schreibt Dr. T. Owen Moore:<\/p>\n<blockquote><p>Seit der Etablierung dieser wei\u00df-dominierten und durch Wei\u00dfe kontrollierten Gesellschaft, bestand von Anfang an ein mentaler Konflikt. Dieser mentale Konflikt wurde von der Seite der Unterdr\u00fccker her generiert (wie zum Beispiel von den Gr\u00fcnderv\u00e4tern), durch die Hypokrisie in ihrer Agenda. Es ist nicht m\u00f6glich eine demokratische und gleichberechtigte Gesellschaft zu entwickeln, wenn die wei\u00dfen Menschen, die die Gesetze geschrieben und implementiert haben, nicht-wei\u00dfe Menschen als Untermenschen betrachteten. Die Hypokrisie der Gr\u00fcnderv\u00e4ter hat eine soziale Erkrankung weitergereicht (Forbes, 1992) die in dieser Gesellschaft niemals ausradiert werden kann, da die demokratischen Prinzipien auf einer falschen Grundlage gebildet wurden (Moore, 2005).<\/p><\/blockquote>\n<p>[9] Wenn Sie auf meine Seite unter <a href=\"http:\/\/www.breezeharper.com\/\">http:\/\/www.breezeharper.com<\/a> gehen, k\u00f6nnen Sie sehen, dass mein letzter Call for Papers sich mit dem Thema \u201eRassen- und Klassenbewusstsein\u201c in der Bewegung ethischen Konsums befasst hat.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Literaturangaben<\/strong><\/p>\n<p>Appel, L. (2007), &#8220;White Supremacy in the Movement against the Prison-Industrial Complex,&#8221;\u00a0<i>Social Justice<\/i>\u00a030, pp 81-88.<\/p>\n<p>Bailey, C. 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Ihre gegenw\u00e4rtige Forschung befasst sich mit schwarzen m\u00e4nnlichen Veganern, die Hip Hop und dekoloniale Methodologien im Gesundheits-, Nahrungsmittel- und Umweltaktivismus einsetzen. Dr. Harper ist Leiterin und Begr\u00fcnderin des Sistah Vegan Project,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sistahvegan.com\/\">http:\/\/www.sistahvegan.com<\/a>.<\/p>\n<p><strong>\u00dcbersetzung<\/strong><br \/>\nGita Yegane Arani-May,\u00a0<a href=\"http:\/\/www.simorgh.de\/\">www.simorgh.de<\/a>\u00a0\u2013 \u201a<i>Open Access in der Tier-, Menschen- und Erdbefreiung<\/i>\u2019. Revised 8\/2014.<\/p>\n<p><strong>Zitation<\/strong><br \/>\nHarper, A. Breeze (2014). Essay: Rasse als eine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Veganismus: Eine Hinterfragung des Wei\u00dfseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums \u201etierqualfreier\u201c Produkte. <i>TIERAUTONOMIE, 1(2)<\/i>, <a href=\"http:\/\/simorgh.de\/tierautonomie\/JG1_2014_2.pdf\">http:\/\/simorgh.de\/tierautonomie\/JG1_2014_2.pdf<\/a>.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/06\/by-nc-nd.eu_.png\" alt=\"by-nc-nd.eu\" width=\"145\" height=\"51\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Werk ist lizenziert unter einer\u00a0<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/de\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Nicht-kommerziell &#8211; Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz<\/a>.<\/p>\n<p>Leser_innen d\u00fcrfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den\/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschlie\u00dflich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschr\u00e4nkt und es d\u00fcrfen keine Ver\u00e4nderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter\u00a0<a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/\">http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/<\/a>. Alle anderen Verwendungszwecke m\u00fcssen von dem\/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jahrgang 1, Nr. 2, Art. 1, ISSN 2363-6513,\u00a0August 2014 Rasse als eine \u201enebens\u00e4chliche Angelegenheit\u201c im Veganismus: Eine Hinterfragung des Wei\u00dfseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums \u201etierqualfreier\u201c Produkte Amie Breeze Harper [1] Titel der englischsprachigen Originalfassung:\u00a0Race as a \u201cFeeble Matter\u201d in Veganism: Interrogating whiteness, geopolitical privilege, and consumption philosophy of \u201ccruelty-free\u201dproducts. Journal for Critical [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[156,150,30],"tags":[92,107,108],"class_list":["post-1070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-amie-breeze-harper","category-black-veganism","category-gaeste","tag-a-breeze-harper","tag-kritisches-weissein","tag-rassismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1070"}],"collection":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1070"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2715,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions\/2715"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}