Corey Lee Wrenn: Kann Reiten vegan sein?

Kann Reiten vegan sein?

Corey Lee Wrenn

Can horseback riding be vegan? Ein Artikel von Corey Wrenn veröffentlich im Examiner.com am 10. April 2012, http://www.examiner.com/article/can-horseback-riding-be-vegan

Corey Lee Wrenns Uni-Profil http://central.colostate.edu/people/cwrenn/, Bloghttp://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ und bei Twitter https://twitter.com/CoreyLeeWrenn

Übersetzung: Palang LY. Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.

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Ein Interview auf der Tierrechtsseite ARZone mit der Pferde-„Rehabilitatorin“ Kim Hollingsworth hat kürzlich auf meiner Facebookseite ‚The Academic Vegan Abolitionist’ (1) zu einer interessanten Diskussion geführt. In diesem Interview verteidigt Hollingsworth das Reiten, solange das Pferd sich nicht verweigert und das Reiten nicht als „störend“ empfindet. Während ich immer dachte das sei ein typisch welfaristischer (2) Standpunkt, scheint es aber interssanterweise so, dass das Reiten, wenn es dem Bedarf des Tieres an sozialer Interaktion und Bewegung dient, von einer ganzen Anzahl von Abolitionisten akzeptiert wird, einschließlich von Gary Francione und anderen bekannten abolitionistischen Aktivisten.

Das Argument dabei ist, dass manche Pferde, die seit ihrer Geburt ja darauf konditioniert wären einen Reiter zu dulden und nun von der Interaktion mit dem Mensch anhängig sind, das Berittenwerden für ihre emotionale und physische Gesundheit tatsächlich bräuchten. Pferde könnten depressiv werden, unbeweglich und sogar ihr Futter verweigern, wenn ihnen die Interaktion mit dem Menschen, an die die Pferde sich bereits gewöhnt hätten, wieder plötzlich entzogen wird.

Dieses Argument ist typisch für die vielen unlösbaren ethischen Rätsel, die durch die grundlegend problematische Einrichtung der Domestizierung produziert wurden. Wir schaffen das Problem und ringen dann nach Lösungen wie ethische Entscheidungen getroffen werden könnten in einem System das in inhärenter Weise bereits ungerecht ist. Beispielsweise haben manche Katzen Schwierigkeiten damit, mit einer angereicherten veganen Ernährung physisch-gesundheitlich klarzukommen und so müssen wir die traugrige Entscheidung treffen sie mit dem Fleisch anderer nichtmenschlicher Tiere zu füttern. Viele Veganer müssen mit dieser Entscheidung leben, wobei manche tatsächlich vorschlugen, dass man Katzen einschläfern müsse damit die Ausbeutung von Nichtmenschen, die wegen ihres Fleisches ausgezogen werden, nicht weitergeführt wird, und damit wir ihren Status als Besitz nicht untermauern indem wir die Tiere als „Haustiere“ halten. Ich sehe darin keine Lösung. Ich bin der Meinung, dass es genug ist, dass wir, als Menschen, vegan sind, und dass wir in Richtung einer Beendigung der Nutzung von Tieren als Lebensmittel, sowohl für Menschen als auch für „Haustiere“, und gegen die Domestizierung arbeiten. Haben wir einmal eine kritische Menge veganer Menschen erreicht, dann werden diese Situationen verschwinden, da die Strukturen die sie bedingen damit auch verschwinden.

Das gleiche betrifft auch das Leben mit angenommenen Pferden – wenn wir eine kritische Menge veganer Menschen erreicht haben, dann würde damit die Pferdezucht abnehmen und wir wären nicht mehr länger dazu gezwungen schwierige Entscheidungen treffen zu müssen, die sich mitunter mit unseren nicht-spezisitischen Werten nicht vereinbaren lassen.

Zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht sagen, dass ich das Reiten von Pferden unter irgendwelchen Umständen befürworten könnte. Pferde, als eine Gruppe genommen, weisen eine Vielzahl von möglichen „Fehlverhaltensweisen“ auf, die ziemlich klar signalisieren, dass das Pferd nicht beritten werden will. Zum Beispiel begegnen viele Pferde dem Zaumzeug ablehnend, buckeln und blähen ihren Bauch [beim Satteln] so auf, dass der Sattelgurt später zu locker sitzt. Und natürlich bedeutet der ganze Prozess des „Zureitens“ des Pferdes (im Englischen fachsprachlich „breaking a horse“), auch wenn es dadurch domestiziert wird, dass diese Tiere dazu gezwungen und konditioniert werden, ihre Ausbeutung zu akzeptieren.

Zudem unterscheidet sich der Glaube, dass Pferde einen Vorteil und Spaß an ihrer Ausbeutung hätten, kaum von einer Argumentation die behauptet, Sklaven hätten irgendeinen Vorteil von ihrer Versklavung gehabt (vor der Abschaffung der Sklaverei argumentierten viele [ihrer Befürworter], dass die Sklaven auf den Plantagen doch zufriedene Leben führen würden vergleichsweise zu ihrer vorherigen „barbarischen“ Existenz in Afrika), oder dass Frauen gerne an pornografischen Darstellungen teilhaben und einen Vorteil dadurch genössen, gerne bei Hooters (3) Kellern oder die Hauptarbeit beim Großziehen der Kinder, der Hausarbeit und dem Kochen erledigen würden. Wir müssen unter die Oberfläche blicken und die Auswirkungen von Unterdrückung erkennen – und damit auch die Internalisierung dieser Unterdrückung – die letzendlich solche Haltungen prägt.

Wichtig ist zu sehen, dass es verschiedene Alternativen gibt wie man ein Pferd froh und gesund halten kann – ein adäquater Lebensraum, Freunde auf der Weide (andere Pferde, Ziegen, usw.) und Spielzeige helfen. Pferdehalter [im Englischen ‚guardians’] können mit Pferden auch lange Spaziergänge machen. Wildlebende Pferde benötigen definitiv keinen Menschen auf ihrem Rücken um eine zureichende Anregung zu erhalten, und es gibt keinen Grund dafür anzunhemen, dass sich das bei einem domestizierten Pferd anders verhalten würde. In der Tat gibt es viele Pferde-„besitzer“ die ihre Pferde niemals reiten und die Tiere ausschließlich wegen ihrer Schönheit oder aus Gefährtenschaftsgründen halten.

Eine anderer Bedenkenspunkt ist der, dass wir doch offensichtlich auch nicht meinen wir müssten andere große Tiere, die wir halten [im Englischen ‚adopt’) oder gerettet haben, „reiten“ – keiner behauptet, dass Rinder, Elefanten, Llamas usw. zu ihrem Vorteil beritten werden müssten. Auch setzen wir kleinere Nichtmenschen, die wir als Gefährten halten – wie Katzen und Kaninchen zum Beispiel – auch nicht vergleichbaren Trainingserwatungen aus. Im Endeffekt kann man sagen, wir stellen Erwartungen an Pferde. Wir reiten sie, weil wir es können. Katzen sind da zum Streicheln, Pferde zum Reiten. Unsere Beziehung mit ihnen hat als eine zwischen Reiter und Packtier / als Herr und Diener für Tausende von Jahren existiert. Das Pferd, das als ein williger, feuriger, loyaler Gefährte dargestellt wurde, ist lange ein wichtiges Symbol in der menschlichen Kultur gewesen. Unsere soziale Konstruktion des Pferdes ist so durch die willkürlichen Entscheidungen geformt, die wir für den Grad und das Maß dessen treffen, wieviel menschliche Einmischung sie brauchen und wünschen. Wie in so vielen anderen oppressiven Situationen ziehen wir es vor anzunehmen, dass es ihnen nichts ausmacht, dass sie es brauchen oder es ihnen sogar gefällt von uns benutzt zu werden. Keiner würde dasselbe behaupten, wenn wir über menschliche Opfer von Ausbeutung sprechen würden. Wäre es beispielsweise akzeptabel die Mitglieder einer Minderheitsgruppe zu satteln und sie uns herumtragen zu lassen zum Zwecke ihres körperlichen Wohlbefindens. Es gibt dafür mit Sicherheit weniger kompromittierende Alternativen.

Doch kann eine lebenslang erfahrene Ausbeutung bedeuten, dass manche Pferde oder andere domestizierte Tiere eine schwere Zeit damit erleben sich daran zu gewöhnen, dass das Leben wie sie es [einst] kannten sich [mit einem Male] verändert hat. Daher sage ich nicht, dass es unsere Pflicht gegenüber domistizierten Pferden wäre, allen menschlichen Kontakt zurückzufahren, sondern ich meine, dass unsere Interaktionen dahingehend verändert werden sollten, dass den emotionalen und physischen Bedürfnisse des Pferden Rechnung getragen wird, ohne ihnen dabei unsere spezisistischen Forderungen aufzuzwängen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Pferdepsychologen, die so viel Ziet damit verbringen Pferde für den menschlichen Gebrauch zu „rehabilitieren“, ihre Herangehensweise rekonfigurieren könnten und damit beginnen könnten Pferde in die Richtung zu rehabilitiereen, dass sie mit Menschen in eine einer egalitaristischeren Weise leben könnten.

Gleich welche Einstellung man hegt über das Reiten von Pferden, die es angeblich für ihr Wohlergehen bräuchten, es ist niemals in Ordnung die Pferdeindustrie zu unterstützen, Pferdeveranstaltungen (z.B. Dressur, Rennen oder Rodeos), Streichelzoos, Kutschfarten, Trailreiten, usw. Jede Situation in der ein Pferd als Besitz betrachtet wird, ihre Existenz darauf reduziert wird dem Menschen zu dienen und ihre „Besitzer“ sie als Güter behandeln, ist spezisitisch, und wir sollten dies ohne Umschweife ablehnen. Auf der anderen Seite brauchen tausende Pferde ein Zuhause. Hier zum Beispiel im Roanoke Valley sind zahllose Pferderettungseinrichtugen. Wir dürfen genausowenig mit der Zucht und dem Kauf von Pferden zu tun haben, wie mit der Zucht und der Kauf von Katzen oder Hunden.

Während dieser Artikel zu keinen letztendlichen Schlussfolgerungen kommt, dringe ich meine veganen Leser, die Pferde angenomen haben oder planen in Zukinft anzunhmen, darauf, über weniger spezisitische Alternativen zum Reiten nachzudenken. Wähenddessen wäre es für unsere Bewegung auch förderlich auf die Erfahrungen von Experten zurückzugreifen, die eine größere Pferdepsychologische und -biologische Kenntnis haben, um damit die weniger oppressive Alternativen zu erkunden.

(1) A.d.Ü. diese Facebookgruppe existiert nicht mehr, Corey Wrenn hat stattdessen den Blog http://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ eröffnet.

(2) A.d.Ü. der Welfalismus bezeichnet im Tierschutz eine „Verbesserung“ von Tierhaltungsbedingungen in den Agrarindustrien, ohne einen rechtlich veränderten Status der Tiere mit Hinsicht auf deren Rechte auf Leben, Freiheit usw.

(3) A.d.Ü. Hooters ist eine amerikanischen Gastronomiekette, die bewußt mit dem „sex appeal“ bevorzugt junger Kellnerinnen wirbt.

Veganic plus Animal Sanctuaries plus Ethics

Palang LY

Veganic plus Animal Sanctuaries plus Ethics

There so far is no such thing as a “positive” veganic (which means: organic vegan agriculture) Animal Rights consciousness.

Not taking into consideration that nonhuman animals must be helped by all possible means, here looks to me like a form of speciesism might be lurking in the background, since if humans where in a comparable plight, anybody who would describe him or herself as a non-homophobe would help the humans in question.

What I am mainly interested in is:

Why doesn’t it occur to vegans and the veganic (vegan organic) movement, that humans and nonhuman animals can co-exist, can co-live without exploitation, as an option?

I have looked at various veganic projects, and as far as one can see, “animal rights” only plays a role in the way, that exploitation and usage of animals and products / fertilizer derived from animals is non-permitted, on ethical grounds, mainly. Hence, these people are VEGANS, and not just any people avoiding animal products: They avoid animal exploitation. That’s the Animal Rights part of the veganic movement.

But apart from that, the very nonhuman animals that we as VEGANS want to HELP (!), in other words, don’t come in or become visible or noticed as beings that we are willing to live together with, that we are willing to share the earth with. As if the soil and the forests were ours to use, ours to live on, ours to say what’s right to do with it (“it” … that is: nature).

Billions of animals

Of course the forceful exploitation of the reproductive system of animals has to stop. Of course any form of overpopulation is bad for anybody and this planet. But the lives, that didn’t chose to come into this world, the lives who just happen to find themselves here – we do have to ethically respect the fact that these individuals exist.

Sanctuaries and vegan farming should merge I believe! To cut a long “story” short and practical.

But back to veganic-ism as it is now, still …

There is the mention of using human manure and feces for fertilization (apart from the much more promising sounding self-fertilizing gardening methods which exist in veganicism too of course). But if people are willing to use their own manure, as part of the biological process of a vegan agriculture, can’t the idea of “the sanctuary” and the idea of a newly veganic option be created in peoples minds? People can tolerate their own manure somewhere, but not an animals manure? I think we can’t say its speciesist and exploitative if both humans and animals live together in a natural space without harming or exploiting or using each other.

We as vegans ought to LIVE together with animals on this planet. In a peaceful manner, in mixed communities. If we can’t develop a consciousness for that, we fail at creating a positive ethic. It’s enormously tragic that we let the speciesist view of “animals, us and the world” win insofar, that this view manages to inspire us vegans not to willingly plan to live together with the so called farm animals in a vegan, caring manner, with a strong will to co-exist.

Are the only options we can chose from the one of degrading nonhuman animals or otherwise totally excluding them, and making them nonexistent in a (desired utopian) daily reality? No, really, because this planet is also an animals’ planet!

Ethics … To me the veganic movement makes itself look as if it creates and expresses a bifurcation in what veganism ideally should mean. As good at it looks now and as much as such farming practices are heading for the major part in a promising and important and inevitable direction, the veganic code of ethics ignores an important factor and that is, again, to include all animal in a life affirming way!

This fallacy in their vegan understanding makes vegans overall look as if veganism was basically about clearing nonhuman animals in their positives and as living facts and individual fates simply out of our lives!

I think there is morally something drastically going wrong.

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Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 2

Palang LY

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck wenn Du vegan lebst?

Teil 2

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Eine vegane Lebens- und Ernährungsweise bringt viele ökologische Vorteile mit sich. Dennoch, wer vegan ist, sollte sich über die größeren Zusammenhänge, über Ursachen und Wirkungsweise von Umweltzerstörung und Speziesismus Gedanken machen und seinen Lebensstil auch gemäß seiner Erkenntnisse korrigieren. „Multi-Issued“ denken ist nötig, um geringere Schäden anzurichten als man es mit seiner gegenwärtigen Lebensweise vielleicht noch tut. Denn sogar die potenziell pazifistischste aller Lebensweisen, die vegane Lebensweise, kann immer noch optimiert werden.

Von der Schaffung einer veganen Ökologie

Die Fleischproduktion hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges viervierfacht. Das war in dem Zuge, in dem die volle Indusrialisierung der „Nutztier“-haltung und die moderne Tier-Agrarindusrtie entstand. Heute wächst der Bedarf für tierische Produkte in den Großnationen wie China und Indien in einem unabsehbaren Maße; dort wo die Mittelklasse einen „typisch westlichen“ Lebensstil noch für etwas Nachahmenswertes hält.

Auf der anderen Seite sehen wir Nahrunsmittelknappheit, Mangelernährung und Hunger in großen Teilen der Welt. Wir sind konfrontiert mit der globalen Erwärmung, der Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle, Gifte, mit der Zerstörung ökologisch hochkomplexer Gleichgewichte, die wir Menschen verursachen durch beinahe alle Bereiche unseres Lebens. Wir bezeugen die Rate der Entwaldung auf den Kontinenten, die wachsende Waserknappheit und die Auslöschung von Spezies. Und all das geschieht hauptsächlich weil Land zum Anbau von Futtermitteln gebraucht wird, um den unerschütterlichen Hunger der Menschen für Fleisch, Milch und Eier zu stillen, und um Industrien aufrecht zu erhalten, die sich von Tierprodukten als billiger und selbstverständlicher Ressource wirtschaftlich abhängig gemacht haben.

Es gibt keine ökologisch vernünftige und realisierbare Gleichung, die den Bedarf der großen Konsumnationen und derer marktwirtschaftlichen Mechanismen und andererseites notwendiges Menschenrecht weltweit miteinander vereinbar werden ließe. Die Menschheit vernichtet durch ihren Zwang zur Umweltzerstörung ihre eigene Lebensgrundlage durch Produktions- und Konsumprozesse. So befinden wir uns inmitten der größten kulturgeschichlichen Aporie der die Menschheit sich in ihrem Exklusivheitsstatus, mit dem sie sich von der Natur abzugrenzen suchte, je selbst ausliefern konnte.

Wir als VeganerInnen sollten unsere Negativauswirkung auf die natürliche Umwelt, die nichtmenschlichen Tiere und die soziale Menschenwelt in allen Akspekten stetig zu reduzieren suchen und weiterhin abwegen, was für die Welt wirklich beiträglich ist und sein könnte. Wir sollten uns nicht unüberlegt treiben lassen durch das, was die Gesellschaft und das eigene Fortkommen gerade von uns zu verlangen scheinen. Veränderungen müssen auf allen Ebenen geschehen.

Das Autofahren auf das Nötigste zu reduzieren, Wasserverschwendung zu meiden, Energie-effizienter die Abläufe im Haushalt und Draußen planen, Urlaub neu zu definieren und sich nicht einfach in den Flieger zu setzen, das sind alles Schritte die wir tun sollten. Was wir als „Standard“-Veganer aber auf jeden Fall schaffen – und das ist zweifellos der Punkt größter ethischer Relevanz – ist den grundsätzlichsten Beitrag zum Schutz unserer Umwelt beizutragen durch unsere pflanzliche Ernährungsweise. Tier-, Menschen- und Erdrechte gehören zusammen und diese zusammenhände in unserem täglichen Leben und unseren täglichen Entscheidungen zu berücksichtigt sollte unser fortlaufendes Ziel sein.

Vegan zu leben wirkt dem Welthunger entgegen

Die FAO (die Food and Agriculture Organization der UN) erklärt in einem Bericht von 2005, dass mehr als fünf Millionen Kinder jedes Jahr an Hunger sterben. Man rechnet damit, dass sich die Zahl der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 von 6 Milliarden auf 9 Milliarden Menschen erhöhen wird. Eine der zentralsten Fragen des 21. Jahrunderts wird sein, wie die Menschheit sich in Zukunft ernähren will oder kann.

Die Verfügbarkeit anbaufähigen Landes ist eines der Haupthindernisse in der Nahrungmittelerzeugung. Die Welt hat nur ein begrenztes Maß an Land, das zum Anbau eingesetzt werden kann. Es ist daher also entscheidend wie solches Land bestellt wird um damit ausreichend Menschen versorgen zu können.

Die typische Ernährungsform des Westens, die primär auf tierischen Produkten basiert, spielt eine wesentliche Rolle dabei, dass Menschen in den ärmeren Regionen der Welt der Zugang zu ausreichend und gesunden Lebensmitteln verwährt ist. Die Funktionsweisen der Tieragrarindustrie und des Marktes sind komplex und schwer durchschaubar, aber die Zusammenhänge zwischen Welthunger, Mangelernährung und der Tierausbeutung durch die Agrarindistrien bestehen. So setzt sich beispielsweise das „Food Empowerment Project“ (http://www.foodispower.org/) mit genau diesen Zusammenhängen und den möglichen Lösungen auf veganem Wege für die Problematik auseinander.

Feststeht dass Studien aufzeigen, dass die vegane Ernährungsweise (und die vegane Lebensweise insgesamt in ihrem Verzicht auf alle tierischen Produkte und Nebenerzeugnisse) nur ein Drittel der Anbaufläche bedarf, als das für die typische westliche tierprodukt-dependente Lebensweise nötig ist.

Fruchtbare Äcker und intaktes Land

„Überweidung ist der Grund für 35% der Bodendegration, die Entwaldung für 30% und die Landwirtschft für 27%. Diese Schädigungsursachen sind direkt oder indirekt verbunden mit dem Verbrauch tierischer Podukte.“ [1]

Das World Recources Institute (WRI, http://www.wri.org/) erklärt, dass fast 40% der Agrarlandfläche weltweit ernsthaft degrativ geschädigt sind. Das International Food Policy Research Insitute (IFPRO, http://www.ifpri.org/), das sich mit nachhaltiger Nahrungsversorgung und Welthunger befasst, sieht voraus, dass wenn Land und Anbaufläche weiter wie im gegenwärtigen Maße geschadigt werden, zusätzliche 150 bis 360 Millionen Hektar bis zum Jahre 2020 nicht mehr zum Anbau nutzbar sein werden. [2]

Der Zuwachs der Weltpopulation ist somit nicht der einzige Faktor, der in Betracht gezogen werden muss wenn Prognosen für die zukünftige Nahrugsmitttelsicherheit gestellt werden. Die Fläche fruchtbaren Landes, das zum Anbau von Ernten eingesetzt werden kann verringert sich zunehmends, und die Weiterführung intensiver Produktion auf bereits geschädigtem Land stellt keine nachthaltige Lösung dar.

Der Teufelskreis der unvermeindlich entsteht ist der, dass Menschen wegen weniger fruchtbarer Böden die Bestellflächen ausdehnen müssen. Die damit einhergehende Entwaldung verursacht eine weitere Verschlechterung der Böden. Ein circulus vitiosus und Gipfel unserer allein nutzungsorietierten landwirtschaftlichen Praktiken.

Eine vegane Ökonomie sollte idealerweise bedarfs- statt gewinnorientiert sein, und statt blindem Konsumentenverhalten, sollte eine Ausrichtung auf die natürlichen Notwendigkeiten und der Einklang mit der natürlichen Welt angestrebt werden. Die Natur, statt die durch den Konsum angeregten Lebensfiktionen, sollte der Fokalpunkt im Realitätsbewusstsein der Menschen werden. Ein veganer Lebensstil und ein neues ethisches Denken, das den Veganismus als Idee umfasst, kann dabei wirksam helfen die weitere Zerstörung wertvollen fruchbaren Landes und der Natur zu verhindern.

Keine kompromittierenden Kompromisse und kein Flexitarimus können helfen

Spätestens seit dem United Nations FAO Bericht von 2006 gilt speziell auch die Geflügelindustrie als besonders umweltgefärdend, nicht zusetzt weil sie ein noch stark anwachsender Zweig der tierausbeutenden Industrien dartellt. [3] [4] Die Flucht auf immer andere Tierspezies zum hauptsächlichen Verzehr und immer andere Voraussetzungen der Haltungen oder des Fanges von Tieren, ist ein stetig wiederkehrender Versuch das alte Bild und stereotype Ideal vom Menschen als Jäger und Sammler zu retten, statt sich über die gegenwärtigen ökologischen Notwendigkeiten Gedanken zu machen. Die Vernunft und das Bewusstsein die es braucht um über die ethsiche „Miteinanderschaft“ in der natürlichen Welt von Mensch und Tier nachzudenken, sind in unseren Kulturen noch immer unterentwickelt.

Wälder retten

Wir alle brauchen Wälder zum Leben, in jeder Hinsicht. Sie sind unsere Lungen, sie schlucken enorme Massen von Kohlendioxid und spenden dafür Sauerstoff, sie regulieren die Klimaverhältnisse, schützen vor Überflutungen, schützen kostbare Böden und beheimaten Millionen verschiedener Tierarten / Tierindividuen und beherbergen ihre unglaublich reichen und faszinierenden Pflanzenwelten und Welten anderen organischen Lebens. Auch das Fortbestehen tausender indigener Völker hängt vom Schutz ihrer Heimatwälder ab. Aber der Wald wird rapide zerstört, ohne jegliche Möglichkeit das, was der Welt, den Tieren und den Menschen dadurch verloren geht jemals wiederherzustellen.

Wie das was wir auf unseren Tellern haben einen effektiven Unterschied macht, auch in Sachen globaler Entwaldung

Außer dass Abholzug geschieht wegen der Gewinnung von Holz, Papier und Brennstoffen, findet die Entwaldung auch statt um Weideland zu gewinnen und für den Futtermittelanbau für diejenigen Tiere, die permament oder überwiegend in Agrareinrichtungen in Hallen oder anderen Einsperrungssystemen gehalten werden.

Die Schätzungen des World Recources Institute gehen davon aus, dass 20-30% der einstig bewaldeten Landfläche der Erde bereits der Agrakultur weichen mussten und für Agrarzwecke abgeholzt wurden. Da das Agrarland aber zunehmend geschädigt ist, muss zur Ersetzung der depeltierten Flächen wiederum eine weitere Entwaldung stattfinden.

Die Ausweitung von Agrarland ist für mehr als 60% der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Das meiste dieses erschlossenen und genutzen Landes wird zur Fütterung von Rindern zu Agrarzwecken benutzt. Der UN FAO Bericht ‚Livestock’s Long Shadow’ hält fest, dass „bis zum Jahr 2010 Rinder auf etwa 24 Millionen Hektar neotropoischen Landes grasen werden, das im Jahr 2000 noch bewaldet war.“ [6] Dieser Prozess wird zynischer- und grausamerweise als die „Hamburgerisierung“ der Wälder bezeichnet (in den USA nennt man „Hackfleisch“ umgangssprachlich auch „Hamburger“.)

Die vegane Lebensweise kann durch ihre Praxis und Ethik wesentlich dazu beitragen die Ausbeutung des Respoduktivsystems nichtmenschlicher Tiere zu bekämpfen und damit auch die Wälder der Welt zu schützen. Die natürliche Integrität nichtmenschlicher Tiere und der Natur insgesamt muss geschützt werden um zu einer vernünftigen Sinngebung unserer Existenz gelangen zu können.

Fortsetzung:

Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 3. Tierrechte, der Schutz der Artenvielfalt und Schutzhöfe für unsere „domestizierten“ Tierfreunde

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_3.pdf

[1] United Nations Environment Programme, GEO: Global Environment Outliook, Land degradation, http://www.unep.org/geo/geo3/english/141.htm letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[2] News & Views – A 2020 Vision for Food, Agriculture, and the Environment – March 1999: Are We Ready for a Meat Revolution? (IFPRI, 1999, 8 p.), How Large a Threat Is Soil Degradation? http://www.nzdl.org/gsdlmod?e=d-00000-00—off-0fnl2.2–00-0—-0-10-0—0—0direct-10—4——-0-1l–11-en-50—20-about—00-0-1-00-0–4—-0-0-11-10-0utfZz-8-00&cl=CL2.10.6&d=HASH0152336f21ea37b260b944e2.3&x=1 letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[3] Steinfeld H, Gerber P, Wassenaar T, Castel V, Rosales M, de Haan C. Livestock’s Long Shadow: Environmental Issues and Options. Rome: Food and Agriculture Organization of the United Nations; 2006. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2367646/ letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[4],P. Gerber, C. Opio and H. Steinfeld, Poultry production and the environment – a review, Animal Production and Health Division, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Viale delle Terme di Caracalla, 00153 Rome, Italy, http://www.fao.org/AG/againfo/home/events/bangkok2007/docs/part2/2_2.pdf letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[5] Porter, G. and J. W. Brown, Table of Deforesation and its Effects, https://confluence.furman.edu:8443/display/Lipscomb/Deforestation+and+Effects+(MB) letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012. Siehe auch Global Environmental Politics. (Westview Press,Boulder,Colorado) 1991.

[6] UN FAO, Livestock’s long shadow, Chapter 5, Biodiversityftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/a0701e/a0701e05.pdf letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

 

 

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck wenn Du vegan lebst?

Palang LY

Der ökologische Fussabdruck einer veganen Ernährungsweise im Vergleich zur omnivoren / carnivoren Ernährung

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Eine Ernährungsumstellung auf die vegane Ernährungs- und Lebensweise ist, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlcher Ebene, der folgenreichste Schritt zur Reduzierung  unseres ökologischen Fussabdrucks der getan werden kann. Ein vierköpfiger Haushalt der eine Woche lang auf Fleisch, Eier und Milchprodukte gänzlich verzichtet, macht sich selbst dadurch um vergleichweise soviel umweltverträglicher, als würde dieser Haushalt ein dreiviertel Jahr lang auf das Autofahren verzichten, so die amerikanische Umwelt-NGO ‚Environmental Working Group’ (http://www.ewg.org/).

Was wir essen?

Fleischesser bzw. Carnivore (oder auch Omnivore, die „alles“ essen) verzehren das Fleisch domestizierter und wildlebender Tiere, einschließlich „Geflügel“, also Vögel (…), und „Fisch“, also Fische (…).

Vegetarier essen alles außer Fleisch.

Ovo-Vegetarier essen Eier aber keine Milchprodukte und Lakto-Vegetarier wiederum essen Milchprodukte aber keine Eier. Ovo-Lakto-Vegetarier essen sowohl Eier als auch Milchprodukte.

Man könnte sagen, dass ein echter oder strikter Vegetarier einem Veganer ziemlich nahkommen müsste in seiner Ernährungsweise. VeganerInnen essen kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte und, was dazu kommt, auch keinen Honig. Darüberhinaus vermeiden sie den Konsum, den Gebrauch und Verzehr jeglicher tierischer Produkte und derer Derivate und Nebenerzeugnisse. Die Vegan Society in Großbritannien empfiehlt den Veganismus konsequent in allen Lebensbereichen durchzusetzen, soweit es für den einzelnen praktizierbar ist.

Was ich esse ist doch umweltverträglich, oder?

Das Global Footprint Network (http://www.footprintnetwork.org) ein Think Tank das sich mit der Nachhaltigkeitsforschung befasst, sagt der ökologische Fussabrdruck „bemisst das Maß, in dem wir Ressourcen konsumieren und Abfallstoffe produzieren, verglichen mit der Kapazität der Natur unsere Ausstöße zu verarbeiten und neue Ressourcen zu schaffen.“

Der Kreislauf von Lebensmittelkonsum und -herstellung ist ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Fussabdrucks. Man bemisst ihn zumeist daran, wieviel Hektar biologisch-produktiver Anbaufläche und Meeresfläche benötigt wird, um den Nahrungsbedarf eines Individuums oder einer Gemeinschaft abzudecken.

Und was macht da das Fleisch?

Im Jahr 2006 erkärte die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen, dass die Nutztierhaltung, inbesondere zur Fleischproduktion, Verantwortlich zu machen sei für etwa ein Fünftel der Treibhausgase weltweit. Man gab öffentlich und auf hoher Ebene zu, dass die Nutztierhaltung massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.

Eine neuere Untersuchung des Woldwatch Institutes (http://www.worldwatch.org/), einem Umwelt Think-Tank aus Washington D.C., erfasst aber noch weitere versteckte Faktoren der „Nutztier“-haltung die zu den Emissionen beitragen, und man kommt in der Studie auf einundfünzig Prozent aller Treibgase für die die Nutztierhaltung weltweit verantwortlich zu machen sei. [1]

Die größeren Zusammenhänge

Ein Faktor der auch in die empfindliche Waagschale des zerstörten ökologischen Gleichgewichts und einem nicht enden wollenden menschlichen Konsum mit hineingeworfen werden muss, ist die Frage nach der Wasserknappheit, insbesondere den Dürren und den auf sie folgenden Engpässen in der Sicherheit zur Verfügung stehender Nahrungsmittel. [2]

Eine Nahrungsmittelknappheit könnte die Welt in den Vegetarimus zwingen, titelt ein Artikel im ‚Guardian’ vom August 2012: [3]

„Die Annahme einer vegetarischen Ernährungsweise“ [konsequenterweise müsste es eine vegane Lebensweise heißen, da wenn Tiere Milch, Eier und Leder produzieren sollen, sie dazu auch zur Körperausbeute gehalten werden müssen], so der Artikel im ‚Guardian’, „ist ein Weg, um in einer zuhnemend klimagestörten Welt die Wassermengen zu erhalten, die nötig wären zum Anbau von mehr Nahrung,“ so die im Guardian zitierten Wissenschaflter, „[…] tierische proteinreiche Lebensmittel brauchen zu ihrer Erzeugung zehn Mal mehr Mengen an Wasser, als die vegetarische Nahrungsmittelerzeugung. Ein Drittel des am kultivierbarsten Landes in der Welt wird zum Anbau von Ernten verwendet die der Tierfütterung dienen. Zu den anderen Optionen, die dabei helfen können Menschen zu ernähren, gehört eine Reduzierung von [Lebensmittel-] Abfällen und eine Steigerung des Handels zwischen denjenigen Ländern die Überschüsse an Nahrungmiteln produzieren und denen wo Mangel herrscht.“

Der Viehzucht-Sektor bietet für zahllose Menschen in den ärmsten Regionen der Welt Nahrung und Einkünfte, so argumentieren manche Befürworter der Fleischindusrtie. Das ‚Heifer Projekt’ beispielsweise sieht seine Aufgabe in einer Art humanitärer Arbeit, die daraus besteht Armen und Bedürftigen in Schwellen- und Entwicklungländern „Nutztiere“ als argarwirtschafltiche Einkunftsquelle und Nahrungslieferanten zu liefern. Auch gibt es Förderungsprogramme westlicher Nationen, die ihre Fördermaßnahmen mit der Übernahme viehzüchterischer Techniken und Handhabweisen als Bedingungsvariablen verknüpfen.

Das hierbei mitschwingende Argument, Menschen sei durch die Ausbeutung von Tieren automatisch geholfen, soll erkennbar machen, dass die argarwirtschatliche Tierhaltung etwas den Menschen Gutes und Förderliches ist. Und nicht zuletzt ist in den meisten Kulturen der Welt tatsächlich eine Trennung individueller und gesellschaftlicher Identität vom Einsatz nichtmenschlicher Tiere als Lebensressourcen noch immer kaum denkbar.

Der Mythos rund um die Nostalgie des Kleinbauern erscheint aber zunehmend als umstrittener, offenkundig wird das erkennbar bei der Kritik an den westlichen Biobauern, bei denen Missstände und ein Fauxpax in der Langzeitutopie sichtbar werden man könne den Fleischkonsum in Maßen retten im Zeitalter des Massenkonsums. Daneben existiert in der Bioindistrue aber noch das weitaus größerer Problem der Missstände in der Tierhaltung, die sich in den großen Agrareinrichtungen und den kleinen Bauernhöfen kaum unterscheiden, da Tiere fühlende, freiheitsbegabte und tierlich-denkende Lebewesen sind.

Was die Nutztierhaltung in den Entwicklungsgebieten der Welt anbetrifft, so muss man sich darüber im Klaren sein, dass Kleinbauern auch Teil des Systems der Ausbeutung tierlicher Körper sind. Kleinbauern sind durch Großbetriebe ersetzbar um einen zunehmenden und stimulierten Bedarf an tierischen Produkten zu decken, der sich aus komplexen kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren heraus entwickelt.

Sowohl bewaldetes und „wildes“ Land, so auch die Böden die als freie Anbauflächen bestellt werden können, verschwinden in Zuge eines argarwitschaftlichen „Erwachens“ und werden einer industriellen Nutzbarkeit unterworfen.

Mehr als 80 Prozent des Wachstums im Viehzucht-Sektor kommt heute von den insdustriellen Produktionssystemen. Die Viehzucht ist ein Faktor, der knappes Land, sauberes Wasser und andere natürliche Ressourcen für die ärmsten der Menschen schluckt und der freien Lebensraum für Tiere zerstört. Die Abhängigkeit von einem zunehmend industrialisierten Lebensstandard, auch wenn solch ein Standard sich auf einem Minimum bewegen mag, ist kaum wieder aufzulösen. Auch ist die Vorstellung vom Fleischkonsum als ein Ausdruck von Wohlstand ein Glaube dem Menschen immernoch allzu leicht verfallen.

Fortsetzung:

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck, wenn Du vegab lebst? Teil 2: Von der Schaffung einer veganen Ökologie

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_2.pdf

[1] Robert Goodland, Jeff Anhang: Livestock and Climate Change, World Watch November/December 2009, http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf  (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

[2] A. Jägerskog, T. Jønch Clausen (eds.): Feeding a thirsty world: Challenges and opportunities for a water and food secure world, Stockhold International Water Institute, 2012, http://www.siwi.org/sa/node.asp?node=52&sa_content_url=%2Fplugins%2FResources%2Fresource.asp&id=318 (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

[3] John Vidal: Food shortages could force world into vegetarianism, warn scientists, The Guardian, 26. Aug. 2012, http://www.guardian.co.uk/global-development/2012/aug/26/food-shortages-world-vegetarianism (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

 

Würden Sie wegen Ihres Veganismus auch auf Gott und Glauben verzichten?

Palang LY

„Macht Euch die Erde untertan“ 1. Mose (1)

Würden Sie wegen Ihres Veganismus auch auf Gott und Glauben verzichten?

Wenn wir Tiere nicht als Produkte, als Ware betrachten, als Besitz mit dem man machen kann was man will, wieso sind wir dann bereit hinzunehmen, dass Tiere auf dem Altar der Religionen oder traditioneller Bräuche geopfert werden? Wir schließen Zirkusse und Pelz aus, obgleich auch sie Bestandteile unserer spezisistischen „Kulturen“ sind. Aber wenn es um den Glauben geht, dann ist uns unser Gott wichtiger als das Recht, das wir nichtmenschlichen Tiere zuteil werden lassen müssten, um als Menschen wirklich gerecht/er zu werden.

Sollten wir nicht von vegan lebenden Menschen erwarten können, dass sie wissen, dass ein Tier nicht nur im Bezug auf Kommerz und Großindustrie verdinglicht und objektifiziert werden darf?

Manche sprechen vom Respekt gegenüber Tieren, der ausreiche um der Tierrechtsfrage gerecht zu werden. Und sie sagen es sei akzeptabel Tiere aus religiösen (sprich aus „geheiligten“) Gründen zu töten, wenn man dem Tier nur ausreichend Respekt gegenüber brächte. Und man soll das Tier, das zum Opfer wird, „human“ Töten. Das ist kein veganer Standpunkt, denn der Veganimus fordert, dass kein Tier zum menschlichen Nutzen eingesetzt werden darf. Die Religion kann hier keine Sonderregelung schaffen, denn es geht im Veganimus um Tiere und nicht um Gott.

Es geht um Lebewesen und das Leben. Wenn ich ein Tier meinen Zwecken unterwerfe, um es zu benutzen, zu verletzen und zu töten, dann lässt sich das nicht mit einer veganen Ethik auf sinnvolle Weise verbinden, auch wenn eine Religion solches von mir fordern möchte.

Manche sagen, das möge schon stimmen, aber so schnell könnten wir mit einem Umdenken bei religiös denkenden Menschen nicht rechnen, wenn überhaupt. Wir seien mit der veganen Bewegung ja überhaupt erst am Anfang und Religion und auf ihnen fußende traditionelle Bräuche könne man nicht von heute auf morgen abschaffen.

Solch eine Denkrichtung ist nicht ganz richtig. Denn auch wenn Gesellschaften – die im Westen oder die in der östlichen Hemisphäre gelegene Gesellschaften – bislang weit entfernt davon sind sich in Richtung eines Bewusstseins zu bewegen, dass Tiere auf ethische und affirmative Weise mit einbeschließen würde, nichtsdestotrotz richten sich unsere Vorstellungen über die vegane Lebensweise nicht nach dem „wie es in diesem Moment ist“ oder dem „wie es in der Vergangenheit war“, sondern nach dem „wie es sein sollte“!

Eine Utopie hat es bis hierher geschafft, und eine Utopie kann es, wenn sie nur konsequent durchgeführt wird, auch noch weiter schaffen.

So gravierende Lücken, wie die Inkaufnahme des Tieropfers in Religionen – d. h. rituelle und traditionelle Bräuche unangetastet zu lassen – bergen, außer dem Unrecht das sie aus Tierrechtssicht darstellen, die Gefahr der Verwässerung in sich für die, die meinen dass beides ging: konsequenter Veganismus und das Festhalten an einem Glauben, der das Gehorsam über die Vernunft setzt.

Der Sinn des Veganismus als das bislang effizienteste Mittel um der Tierausbeutung mit Widerstand zu begegnen, erscheint im Kontext von Religiosität fragwürdig, wenn die Religion den Menschen sowieso an die obeste Stelle der Schöpfung setzt. Eine Ergänzug im ethischen Codex wäre dann nowendig, kann in einem religiösen Denksystem aber nicht wirklich vollzogen werden, weil hier ja nur Gott und die von ihm auserkorenen solche gravierenden Entscheidungen über Sein und nicht sein und den Wert des Seins fällen dürfen.

Tiere sind keine Gegenstände, weder zum profanen Handel, noch im “erhabenen” Geiste – weder als Konsumgut, noch für einen Gott dessen menschliche Schöpfung.

(1) „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
http://bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/1/ (letzter Zugriff vom 19. Nov. 2012)

Zum Holokaust- und Genozidvergleich in der Tierrechtsdiskussion

Die zerstörende Gewalt. Der Überlaufeffekt oder die Einmaligkeit in der Vorkommnis von Gewalt?

Zum Holokaust- und Genozidvergleich in der Tierrechtsdiskussion

Vorab: Braucht die Situation des Mensch-Tier-Verhältnisses einen Vergleich zu menschlich intraspezifischenen Situationen zur Hervorhebung von moralischer Relevanz? Wenn nicht, wozu dann die Genozidvergleiche in bezug auf die Situation des Verhältnisses menschlich-destruktiven Verhaltens gegenüber nichtmenschlichen Tieren?

Das Hauptargument, das gegen Genozidvergleiche vorgebracht wird, liegt im Punkt der Unantastbarkeit der Würde des Menschen. Eine ausschließliche Zurückführung auf den Begriff der Würde, kann, als ethisches Kriterium, aber nicht zur Ableitung einer einseitigen moralischen Gewichtung angeführt werden, ohne dass dabei eine Abwertung der Problematik der Gewalthandlungen gegen nichtmenschliche Tiere vollzogen wird.

In der Unantastbarkeit der Würde des Menschen und dem Problem der Verbrechen gegen die Menschenwürde (gegen die Menschheit oder einen Menschen) liegt keine zwangsläufige ethische Implikation im Bezug auf das Verhältnis des Menschen zu seiner Außen- oder Umwelt, die zu einer allgemeinen Begründbarkeit von Gewalt gegenüber nichtmenschlichen Tieren führbar wäre oder diese Formen von Gewalt ausdrücklich und in jedem Fall sanktionieren würde.

Der Begriff der Würde kann, gesehen vom Standpunkt der Meinungsfreiheit, auch nicht strikt in seiner Gebundenheit reduziert werden, ohne dass man dabei das Recht auf freie Meinungsäußerung verletzen würde. Dass heißt, dass eine Auffassung eines Menschen über das Vorhandensein der Würde der nichtmenschlichen Tiere – solange er dadurch keinem Menschen schadet, oder Menschen oder einem Menschen dadurch Gewalt antut – in den Bereich seiner Gedankenfreiheit oder seiner freien Meinungsauffassung fällt.

Menschen werden auch als Opfer und auch als Täter als Würdewesen betrachtet, deren Würde man in den Fällen von Morden und Genoziden brechen wollte; zumindest wurde dies in der Menschheitsgeschichte immer wieder versucht.

Tieren wurde in der Menschheitsgeschichte von keiner Gesellschaft eine Würde einer Unantasbarkeit ihres Tierseins zuerteilt. Damit ist die Besonderheit der Tragweite ihrer Opferposition nicht problemlos mit derer menschlicher Opfer zu vergleichen.

In jeder Situation, in der ein Gewaltverübender ein Opfer schafft, wird man in der Auseinandersetzung mit dem Problem oder dem Fall, Parallelen zu anderen Gewaltsituationen ziehen. Bei Gewalt an sich, unabhängig von der dadurch betroffenen „Angriffsfläche“ oder dem geschaffenen Objekt von Gewalt, kann man vermuten, dass die Motivationen (Destruktivitätswillen, -bereitschaft, gewaltbereite Eigenbezogenheit, Aggression) im Täter übergreifend ähnlich strukturiert sein können, auch weil das letztendliche Ziel oder intendierte Ergebnis von Gewalt: der Mord, die Tötung, d.h. die Zerstörung eines Opfers ist.

Nun verhält es sich aber so, dass die Frage, warum ein Täter sich ein spezifisches Opfer oder eine spezifische Opfergruppe sucht, ganz unterschiedliche Gründe in sich birgt. Auch ist die konkrete Qualität oder Struktur von Gewalt ein maßgeblicher Faktor, der auf die zugundeliegenden Ursachen von Gewalt und die spezifische Gewaltpsychologie zurückschließen lässt.

Produziert gegalt gegen Tiere, Gewalt gegen Menschen? Wenn nicht, warum bestehen dennoch Zusammenhänge in der Gewaltpsychologie

Die Unterscheidungen im Täter-Opfer Verhältnis zwischen potenziellen Opfern, und die Überlappungsmöglichkeiten in der Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber, läge in der Frage des sogenannten Spillover-Effekts (Überlaufeffekts):

Die Frage ist, wenn ich dem einen Opfer etwas antue, bin ich dann automatisch auch einem oder mehreren anderen potenziellen Opfern gewaltbereit gegenüber?

Und, dem gegeüberliegend: hat das eine Opfer von Gewalt automatisch dadurch, dass es zum Gewaltopfer wurde, etwas mit einem anderen Opfer einer Form gewaltbereiter Handlung grundlegend gemein, außer dass beide in einer Position des Opfers sind? Liegt irgend etwas auf der Seite des Opfers, das die Gewaltbereitschaft eines Täters auf sich zieht?

Robert Nozick hat die Frage des sogenannten Spillovers vor dem Vordergrund des Mensch-Tier Verhältnisses in der Form beschrieben:

‘[...] Manche sagen, dass Leute nicht so handeln sollten, da solche Handlungen sie brutalisieren und sie die Wahrscheinlichkeit bei der Person erhöhen, das Leben anderer Personen zu nehmen (wir können hinzufügen “oder andererweise zu verletzen”); allein aus der Freude daran. Diese Handlungen, die moralisch nicht an sich in Frage zu stellen sind, sagen sie, haben einen unerwünschten moralischen ‘spillover’ (Überlaufeffekt). (Dinge wären dann anders, wenn es keine Möglichkeit für solch einen ‘spillover’ geben würde – zum Beispiel für die Person, die von sich selber weiß, dass sie die letzte Person auf der Welt ist.) Aber warum sollte es da solch einen ‘spillover’ geben? Wenn es an sich völlig richtig ist, Tieren in irgendeiner Weise etwas anzutun, aus irgendeinem Grund, welchem auch immer, dann, vorausgesetzt eine Person realisiert die klare Linie zwischen Personen und Tieren, und behält dies in ihrem Kopf während sie handelt, warum sollte das Töten von Tieren dazu neigen, sie [die Person] zu brutalisieren und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sie [andere] Personen verletzen oder töten könnte? Begehen Metzger mehr Morde? (Als andere Personen die Messer in ihrer Nähe haben?) Wenn es mir Spaß macht einen Baseball fest mit einem Baseballschläger zu schlagen, erhöht dies in bedeutender Weise die Gefahr, dass ich dasselbe mit jemandens Kopf tun würde? Bin ich nicht imstande dazu, zu verstehen, dass sich Leute von Basebällen unterscheiden, und verhindert dieses Verständnis nicht den ‘spillover’? Warum sollten Dinge anders sein im Fall von Tieren. Um es klar zu sagen, es ist eine empirische Frage ob ein ‘spillover’ stattfindet oder nicht; aber es besteht ein Rätsel darüber, warum es das tun sollte.’ (1)

Diese Unterscheidung wird im Falle von nichtmenschlichen Tieren in auffallend deutlicher Weise vollzogen (Speziesismus). Ein Tier physisch zu schädigen oder zu zerstören, es zu töten, verhält sich im Rahmen unserer Gesetze als Sachbeschädigung, nicht als Körperverletzung oder Mord; während das Opfer-werden beim Menschen durch soziale, ethische, religiöse und gesetzliche Konstrukte eine andere Bewertung erhält.

Im Bezug auf Genozide kann man also sagen, die Menschen, die zum Opfer wurden, wurden vor diesem Hindergrund betrachtet, bewusst zum Opfer gemacht. Sie wurden bewusst aus dem ethischen und gesetzlichen Rahmen gewaltsam hinausbefördert.

Anders verhält sich die Situation der nichtmenschlichen Tiere in ihrer Rolle im Rahmen der spezisitischen und homozentrischen menschlichen Beurteilung. Wie schon gesagt gilt die Körperverletzung nichtmenschlicher Tiere nicht oder kaum als „Verletzung“, da die ethische Klassifizierung nichtmenschlicher Tiere, deren Leidenskapazitäten und damut auch deren Würde, bislang nicht mit im Rahmen der Verpflichtungen ethischen Sozialverhaltens ansiedelt. Wobei wir es hierbei tatsächlich mit einem neuen Komplex der Ethik zu tun hätten, dem Interspezies-Sozialverhalten. (2)

Die ganze anthropologische Konstellation einer homozentrisch ausgerichteten Welt, muss in ihrer Konkretheit untersucht und überdacht werden. Analogsetzungen reichen nicht, um hier zu einer ethisch-moralischen Lösung zu gelangen. Wegen der konkreten Beschaffenheit, aus der sich die diskriminatorische Haltung gegenüber der autonomen Bedeutung nichtmenschlicher Tiere zusammensetzt – aus dem Grund der ganz speziellen Form von Gewalt in diesem Fall – kann man keine ausreichende Analogie festmachen, um Ursachen besser verstehen zu können und diese Art der Manifetation von Gewalt (eben der gegen nichtmenschliche Tiere) zu bekämpfen. Damit bleibt aber auch der Genozid am Menschen ein vorwiegend gesondert zu behandelndes Phänomen.

Ausschließlich der Vergleich der Gewaltbereitschaft beim Menschen lässt Parallelen in den Täterpsychologien entdecken. Das hat mit dem jeweiligen Opfer aber nicht unmittelbar etwas zu tun. Warum „jemand“ zum Opfer wird, hängt mit schwer zu ergründenden psychologischen Ursachen auf Seiten des Täters zusammen. Wenn, als stereotypes Beispiel, ein betrunkener Mann einen anderen im Affekt wegen einer banalen Streitigkeit tötschlägt oder eine Frau Opfer einer Vergewaltigung wird, liegt in beiden Fällen zum einen der Aspekt der Gewaltbereitschaft des Täters vor, zum anderen aber wird ein Opfer aus völlig verschiedenen Motivationen heraus gewählt. Oder: als „Hexen“ im Mittelalter als solche klassifiziert und gefoltert wurden, lag eine andere Motivation zugrunde als bei Folterungen im islamischen Gewaltregime des Iran oder wiederum bei den Folterungen Oppositioneller in der Militätdiktatur Pinochets in Chile.

Der Umstand dessen, Opfer geworden zu sein, also des Verletztwordenseins des Opfers in seiner Würde als menschliches Individuum selbst, hat niemals Rechnung für die Tätermotivation zu tragen. Man kann die Gewaltmotivation nicht hauptsächlich über die Position oder Eigenschaften des Opfers ableiten, da das Opfer nur im indirekten Zusammenhang in ein Gewaltvergehen und in die Gewalt generell eingebunden wird. (Dabei sollte man nicht vergessen: es gibt keine ethische Grundsatzlegitimierung zur Gewalt, außer derer der Selbstverteidigung oder des Schutzes. Am deutlichsten ist die indirekte Einbindung eines Opfers in der Anwendung von Gewaltmitteln zur Erzielung politischer, ideologischer oder religiöser Macht.)

Ebenso würde man keinen direkten Vergleich zwischen der Strategie z.B. der Hexenprozesse zu der Struktur der Nazigewalt gegen ihre Opfer ziehen, weil die Komplexität der Formen von Gewaltbereitschaft in den spezifischen Fällen anders erklärt werden müssen.

Die Frage der Ursachen, der Psychologie des Täters und die Fragen der Gewaltstruktur sind maßgeblich für die Erklärung über die Motivation von Gewalt und ihrer Formation. Das einzige was eine generelle Schnittmenge darstellt, zwischen allen Formen der Gewalt, ist die Gewalt selbst.

Gewalt hat Ursachen und Folgen. Die Folgen müssen in einem differenzierten Verhältnis zu den Ursachen analysiert werden, da die Ursachen oft allein dem Täter (besonders auffallend im Fall von Persönlichkeitsstörungen (3)) oder einer Tätergruppe zugeordnet werden können, und die Folgen aber die konkrete (von Täter gewollte) Einbindung des Opfers in die Gewaltpsychologie des Täters anbelangen.

Das was nun die menschliche Gesellschaft nichtmenschlichen Tieren gewaltsam antut, braucht einen eigenen Begriff der dem Sachverhalt gerecht wird. Die Bezeichnung „Holocaust“ sollte als Bezeichnung klar umrissen bleiben: Das Wort an sich bezeichnete in religiösen oder rituellen Kontexten die überbleibende Asche oder vollständige Verbrennung eines Tieropfers! Das Wort hat heute die uns allen bekannte Bedeutung im Bezug auf den Menschenmord, vor allem an den Juden durch die Nationalsozialisten im Dritten Reich. Man hat bezüglich der Gefahr von Atomwaffen und den Abwurf der Atombombe auf Hiroshima auch von einem ‚nuclear holocaust’ gesprochen, und das Englische ‚holocaust’ wurde im angelsächsischen Sprachgebrauch häufig als Synonym für den Begriff Genozid – den Massenmord an Menschen durch Menschen – angewendet.
Es ist zweifelhaft ob es irgendeinen Sinn in der Sache der Tierrechte oder der Menschenrechte macht, eine Analogie durch den Begriff des „Holokaust“ aufzeigen zu wollen. Denn dieser Versuch der Gleichsetzung trägt weder zu einer weitergreifenden Erfassung der Problematik nichtmenschlicher Tiere in einer homozentrischen Welt bei, noch kann er wirklich die Ursache von Greueltaten die Menschen an Menschen begehen oder begangen haben klären.

Ich glaube, dass solange keine Übereinkunft in der Bezeichnung des Komplexes menschlicher Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere besteht, man begrifflich weiterkommen könnte, indem man die Unbeschrieblichkeit und die Unfassbarkeit erstmal bestehen lässt. Man hat für das, was wir heute „Tiertötung“ und „Tiermord“ nennen, noch keinen ausreichenden Begriffsrahmen geschaffen und damit auch keinen eigenen umschreibenden Begriff zur Hand.

Abschließend: Es geht in diesem Text nicht darum, durch die Aufwertung oder vielleicht eher anders Bewertung der Tierproblematik, die Würde des Menschen in irgendeiner Weise in Frage stellen zu wollen. Sondern es geht darum, dass dem Problem der Gewalt gegenüber nichtmenschlichen Tieren in seinem eigenen Recht Aufmerksamkeit erteilt werden muss.

(1) Robert Nozick, Anarchy, State, and Utopia, New York: Basic Books, 1974, S. 36.
(2) Dieser Punkt würde so etwas wie ein Interspezies-Sozialverhalten anbelangen, das aber abgesehen von einigen wenigen Beispielen in der Tierrechtsliteratur bislang wenig Interesse gefunden hat.
(3) In Großbritannien führten Diskussion über die psychologische oder kriminelle Einstufung von ‚personality disorders’ vor forensischem Hintergrund zu dem Ergebnis, dass die Einstufung nicht-therapierbarer Persönlichkeitsstörungen für die Rechtsprechung ein nicht klar addressierbarer Problemfall bleibt.

Das Acrylbild oben stammt von Farangis Yegane http://crownofthecreation.farangis.de/birds.one. Dieser Text wurde von Gita Yegane Arani-May verfasst und ist im Veganswines Reader 08 erschienen.

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From: Elias Canetti, Crowds and Power, The Entrails of Power …

Eating, crushing, as a form of wielding power over other living beings … Elias Canetti in ‘Crowds and Power’ pp. 210-211:

http://www.scribd.com/doc/79014916/Canetti-Crowds-and-Power (link open in new window)

I don’t agree with much of Canetti’s view on nonhuman animal behaviour in this nevertheless excellent piece of work of his. However, these thoughts about the ingestion of flesh as an act of wielding power over another animals life, are unique.

Another of his thoughts about human domination over nonhuman animals in the same publication is noteworthy too:

The Entrails of Power: ‘ …But even more than fear or rage, it is contempt which urges him to crush it. An insect, something so small that it scarcely counts, is crushed because one would not otherwise know what had happened to it; no human hand can form a hollow small enough for it. But, in addition to the desire to get rid of a pest and to be sure it is really disposed of, our behaviour to a gnat or a flea betrays the contempt we feel for a being which is utterly defenseless, which exists in a completely different order of size and power from us, with which we have nothing in common, into which we never transform ourselves and which we never fear except when it suddenly appears in crowds. The destruction of these tiny creatures is the only act of violence which remains unpunished even within us. Their blood does not stain our hands, for it does not remind us of our own. We never look into their glazing eyes. We do not eat them. They have never – at least not amongst us in the West – had the benefit of our growing, if not yet very effective, concern for life. In brief, they are outlaws. If I say to someone, ‘I could crush you with one hand,’ I am expressing the greatest possible contempt. It is as though I were saying: ‘You are an insect. You mean nothing to me. I can do what I like with you and that won’t mean anything to me either. You mean nothing to anyone. You can be destroyed with impunity without anyone noticing. It would make no difference to anyone. Certainly not to me.’

Aus dem Vegan*Swines Reader IV (2012): Der Mythos der „humanen“ Art der Ausbeutung und Tötung von Tieren

Der Mythos der „humanen“ Art der Ausbeutung und Tötung von Tieren

Diese Informationen basiert auf Erfahrungswerten von Tierrettungs- bzw. schutzhöfen und den Recherchen bekannter Tierrechts- bzw. schutzorganisationen. Die Angaben beziehen sich auf die Realität in westeuropäischen und US-amerikanischen Agrarbetrieben.

Eine „humane“ Umgehensweise sollte eigentlich bedeuten, mit Respekt und Einfühlungsvermögen mit den Lebewesen umzugehen, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Es ist egal, ob es dabei um Menschen oder um Tiere geht. Das, was wir genau unter „humanen“, also menschlichen Werten verstehen, läßt darauf zurückschließen, auf welchem Level sich der gegenwärtige Aufgeklärtheitsstatus unserer Kultur befindet.

Würden wir die gleichen Methoden, die wir in der Aufzucht, Versorgung, und Tötung von Farmtieren praktizieren, auf unsere Haustiere anwenden, dann wäre das gesetzeswidrig und jeder normale Mensch würde so eine Behandlungsweise von Tieren als erschreckend und grausam empfinden … diesen Text als PDF lesen / downloaden (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Common sense as a basis for morality in Animal Rights

Use your sense of justice, when you judge nonhuman animals, use your common sense, when you judge animals.

When natural scientist make findings about how an animal brain works, how animal psychology works, cognition, consciousness, it means they will do 1. invasive research at some point, and 2. they will be using parameters that are strictly homoncentric, meaning the frame of reference they apply moves only within a “human” framework of “objectivity”.

A real Animal Rights revolution would require people to step back from human parameters. A real Animal Rights revolution would mean we as humans are able to face nonhuman animals on the level where we allow them to be different but still respect their untouchable integrity in this natural world that we all live in and are born into.

When we want to give nonhuman animals our definitions, we should as Animal Rights people make sure we don’t impose a worldview onto them and their concerns, that is not theirs (and thus not in THEIR interest). If we can’t accept that animals have their own views of the world, then we deny them real and autonomous subjectivity, and then we deny them personhood in a sense that we should respect.

We don’t need scientific proof and scientific arguments, what we need is to learn to accept common sense as a basis for morality and moral judgment in Animal Rights issues as much as we accept our basic common sense to be enough when we talk about each other or internal human concerns.

 

An e-memorial and about people who simply deny that their harboring speciesist attitudes when you confront them …

The grave site of Martin Eduard Staudinger, German Animal Rights advocate and anti-vivisectionist. His grave is on the Hauptfriedhof in Frankfurt am Main, Germany. He shares a grave site with his grandmother Dorothea Staudinger geb. Behrends.

On a memorial site for the people who lie resting on the Hauptfriedhof his grave is mentioned as:
“146 Grabmal für Martin Eduard Staudinger (1842-1910), Kämpfer gegen die Vivisektion, Gewann C 59″ (http://www.bomas.de/buecher/brauchitsch-frankfurt.htm , accessed on the 16.08.12)

The inscription on his tombstone reads:’Im unermüdlichen Kampfe gegen die Vivisektion und für die Rechte der Tiere’ = In the untiresome fight against vivisection and for the rights of animals. (http://ar-civet-cat.blogspot.de/2010/07/martin-eduard-staudinger-1842-1910.html)

People that pretend not to know what speciesism is, and how to deal with them?

Honestly I don’t know yet, I am still trying to find ways … . Have you encountered that problem too: you make a somewhat halfwitted and half-conscious speciesist aware about the fact that you disagree with them making speciesist remarks (when you are around or not directly around on social networks maybe. People like to do it more so when an AR person is somewhere close by, so that a direct verbal argument can start, or so that they can try to ridicule your stance face to face and in public)?

Telling someone that you are against speciesism can be dealt with by a speciesist with a form of denial as a “response”, in which the person just assumes not to know what you’re talking about. Partly anybody is aware of speciesism, partly not. A speciesist is likely (at least in these days still) not fully aware of this -ism that humans direct against the nonhuman animal world (that is, speciesism!). A person might be aware about the conscious degradation of nonhuman animals, but might not consider that as a form of oppression that he or she should take politically serious in a considerate form. So we deal with an ethical blindness in many speciesists.

So how can one address them?

Overall it can be reasonable in the most cases to go ahead and still tell someone what you roughly think about the human-nonhuman relation in our societies in general. On the other hand, when you feel that informing that person won’t lead to any useful effect for the cause, you can just try to ignore their ignorance (!) and just “stand for what you stand” – let them know you are a vegan anti-speciesist, but not argue with them -, because your stance (in thought an action) will have all kinds of effects on your environment anyway.

I’m trying both these approaches anyway.

Boycott all forms of speciesist exploitation …

I am clearly against KFC, cos I am a vegan.

Here is a new (I guess?) campaign by Greenpeace against them: http://www.kfc-secretrecipe.com/en_us/nogood.

What about the birds that kfc massmurders? If we are trying to mend something, we should not stop at the hardest part of the problem, I believe.

to impose a state of being “as if” parasitical

Human societies impose a state of being “as if” parasitical onto nonhuman animals, simply by claiming nature to be a resource ”exclusively usable” by humans. Nature is seen as a resource existent to serve human needs and desires, to be exploited. Nature is not regarded as an animal habitat with its animal inhabitants, etc.

By living out this attitude and worldview of: “subject the earth to your will and exploit it to your needs”, nonhuman animals are automatically put either into the position of being degradable and exploitable, subjectable, or they are seen as parasitical, just barely allowed to enter the human garden eden, so one could say.

This is a long subject and it came to my mind quite clearly today … ,so, well I wanted to quickly note it down. I am gonna write more about this angle of homocentrism later, of course.

Homocentrism makes blind to perspectives that don’t serve the “human interest”.

 

What about the cult of flesh

What about the cult of flesh

It seems to be enough today to eat veggies for a day or adopt the vegan or vegetarian lifestyle for a period of time and then go round pose as a post-vegan informer of a real truth about “meat”-eating or hunting or any other speciesist and non-vegan-compatible action.

When we think about the ideally vegan world, with a vegan society, and I really mean a society with society here, then we don’t think about the ideology of speciesism and how that is installed in our societies, most likely anywhere today on the globe.

Veganism is a moral education to some extent, but morals don’t create legally binding rules.

If human rights were dependent on the moral understanding of people alone, we’d still have torture and killing all around pretty much I think. We as ethical vegans should not overlook the dangers of speciesism. When we ask people to go vegan, we should bear in mind that the “habit” of “meat”-eating didn’t start just because the humans of the past just happened to be speciesist. The human past evolved from being speciesist to still being speciesist exactly on the grounds of held views, beliefs, attitudes, thoughts, philosophies.

Changing the lifestyle only does not go deep enough. One or more thousand years of deeply embedded ways of thinking within a society have to be changed, both on the individual and on the societal level. And the tragic thing with speciesism is, that humans built their understanding of what humanity means mainly on the basis of considering nonhuman animal life as a “lower” life form in a comparative measure to their own life form of being > HOMO SAPIENS.

What we as ethically driven vegans are asking for is a revolution. This encompasses a change in behaviour most of all firstly, but inasmuch it needs a change in thinking – well of course! And that’s where the question about what that cult of flesh is sets in.

I recently had this short exchange on diaspora that I want to close this blog entry with. It’s about just some examples of vegans-turned-animalkiller.

Why Suckerberg is a speciesist? Cos there are too many of them

Why AR people in particular should not use Facebook and start using Diaspora

A person doesn’t even have to have a “typical” blemish on his track record in regards to human rights or environmental issues to be proven on the wrong side of morality.

Being a pronounced speciesist is a problem that should make us AR people take a decision on such a morally vain person, especially if the person even acts up upon his or her speciesist attitudes and actually engages in harming and/or killing nonhuman animals.

Facebook makes politics with the individual image of it’s founder Suckerberg. And exactly that’s why you should take his “personal activities” serious enough to leave the services of his company FB alone, if you were ever on there or freeze your usage of it down to a minimum.

Suckerberg stands for the individual that explicitly socially lives out our commonday societal collective egotism. And he is hiped exactly for this. Socially shared egotism is the “social” phenomenon that FB triggered most predominantly. (Someone rightly noted that FB tuned the term “to LIKE something” into a useless word, an interesting observation about the warped psychology of Facebook and its users.)

UPC’s Karen Davis has written about Suckerbergs speciesism and she sheds a light on the gruesomeness of his stance towards nonhuman animals life:

http://www.upc-online.org/thinking/110613only_connect.html

Both, our views on the world based on an abstract scientifically led philosophy of life-as-a-whole and otherwise also our religiously influenced views, they both fail to allow a non-homoncentric approach towards our co-species. If a person is set within either a biologically driven view or stands in a religious tradition of one of the abrahamic religions at least, we can probably not expect him or her to understand more of the world than that it should be subjugated to what we suppose to be the human concern. This is a gigantic problem.

(Also, a person being rich and enormously skilful in these our societies, does not prove for this person not to be a whackjob at the most important moral concerns.)

Well, and for the sake of it, let’s take a look at Suckerbergs human rights track anyway. In which way is FB involved in human rights violations “indirectly” …

This video by http://craig-antweiler.com gives you an overall idea

Diaspora* Next Online Revolution

http://www.youtube.com/watch?v=_4mMSxWEnjU

To close this, see the Diaspora creators and join a pod or set a branch up yourself

the privacy aware, personally controlled, do-it-all distributed open source social network

http://www.youtube.com/watch?v=oqxQgfQD24M

Feminism and Animal Rights, the one way or the other …

Feminism and Animal Rights, the one way or the other …

“Meat” is not porn and it’s not sexist – “meat” is flesh, and it’s the result of a human/humans killing a nonhuman animal/animals. We should not stick our own sociological issues to such a major own concern such as Animal Rights in an analogy that sets itself so close to the subject of comparison, that the story gets one-sided and a new and important perspective gets neglected.

All Animal Rights issues need an own valid terminology and frame of reference, otherwise we blur the lines … .

The analogy of sexism and speciesism

Two main points why Animal Rights issues can’t be tied to a “purely” feminist viewpoint ( – if feminism is used as excusing women from the responsibilities in society ethically towards their nonhuman environment)

It’s wrong to presuppose that speciesism is something that is more prevalent in men compared to women.

Also, male nonhuman animals are inasmuch sexually abused in the farm industry (their reproductive system) such as female nonhuman animals are.

Both points should be expanded upon in detail of course. (I do hope I can do that to a later date.)

Close analogies … also of genocides and speciecides

These types of close analogies in the field of -isms and abuse work in a valid way when we look at the psychology of the “perpetrator” who seeks to create a victim: the aspect of exerted violence share many similarities, whereas however on the side of the victimized we have to see the contexts: political, enviro-political, historical, sociological, … a group or an individual gets picked as a victim for reasons, and those exact reasons need to be analyzed under own terms, and not be conflated.

From hell to hell

From hell to hell

The slaughterhouse, the „animal farm“, the places of „breeding“, the „animal industries“ are the most atrocious attempts to establish the illusion-of-a-fact, that Man (the human species) is the one who can decide about “heaven” and “hell”, and animals can, without impunity, be condemned by him/her to be to be born, to live and to die in hell – to go through hell. Humans have decided that the animal is predestined to not ever be able to ever escape the Man-given fate, brought about by the defamation and by the homoncestrist philosophy and practice that rules the acts and the thinking in his/her society.

On this basis an artificially established sense of a fake “heaven” can be equally aroused and set up by creating enclaves of “rights shareholders”, a contractualist construction and plotting, to which all humans theoretically belong, on the scale of being more of a “master” or more of a “slave”.

We all are except from the man made hell, and we all destined this not-place to be the place for animal life.

We think, we plot, therefore we CAN be the unpunished culprits, we think … .

What lets you escape the plot of man-made hell, is to understand and to set forth that A BEING IS, AND THEREFORE HE/SHE/IT THINKS, AND THERE FOR YOU THINK because you bond with the worldly phenomenons. The plotters consider such a perspective as invalid, and under his/her terms as “un-objective” – within the frame of reference his thinking allows him the draw. With this perspective onto our shared world, we would indiscriminately share this type of a “thinking” with everything/everyone that/who just IS.

We set up a demarcation line, cemented by that “hell” we create on all scales everywhere where the not-human space IS.

It’s a massmurder on the biological argument.

Another concept of a hell

I reckon that the real hell, that I think humans tried to combat as an idea, by establishing their own game’s rules, the real hell is the consciousness that creates an inner pain in the soul when one knows that one does injustice to others.

The artificial hell of unfair judgement i.e. injustice, destroys the logic of responsibility, respect and love, and it punishes the good and “protects” the wrongdoers or rather evildoers.

But the question will remain forever though. Injustice can never be sold as justice, on the long run. Injustice brings more injustices with it. There is no “human order” such as we hold it for real now. The natural order always encompasses the human concern with it. The natural order is not that what we want to make out of it in pure self-interest and evilwill.

The question remains: where our conscience will take us to: to heaven or to hell, within our own thinking.

From hell to hell – I am. And therefore I think.

The animalesque features of the devil show how much at absurdity our humanity lies with itself, when it comes to who is the evil and who receives the evil.

This is a fragment. I have written a longer and more “prosaic” or structured (or less poetical) essay about how an assumed “human good” seeks to establish itself towards an unjustly attributed “animal(-esque) evil”. I hope I get around translating that text sometime soon. For those of you who can read German, here is the link: http://www.simorgh.de/own_public/pl_vom_guten_menschen.pdf