Kritisches Weißsein, Rassismus und Veganismus

Kritisches Weißsein / kritische Weißseinstudien / kritische Weißseinsforschung und Rassismus sind immernoch unbearbeites Gebiet im akademischen und aktivistischen Bereich in der Tierbefreungsbewegung / Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum. Wir haben zum Thema einige Texte und Autor_innen vorgestellt. Hier soll nochmal darauf hingewiesen werden, und wir möchen den Lesern zum Themengebiet “vegane Intersektionalität unter dem Gesichtspunkt kritischer Weißseinsforschung” empfehlen:

Dr. A. Breeze Harper: Die Sistah Vegan Anthologie.Eine Buchvorstellung Vortrag: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren.

 

Neue Texte zur Tierethik, Tierrechten und veganer intersektionaler Theorie und Praxis

Hier sind einige unserer letzten Tätigkeiten im Bereich Tierethik, Tierrechte und Theorie (abgesehen von der Teilnahme an einem spannenden neuen TR-Projekt der Gruppe Messel, das uns auch dazu anregte unseren RoundAbout-Blog umzubetiteln zu: “In neuen Territorien denken.” Aber mehr dazu später.)

Unsere Gäste waren in den letzten Wochen:

Eigene Texte auf Deutsch waren:

Zum Thema vegane Pädagogik, Ein Tierrechts-FAQ anlegen, und eine Fortsetzung dessen. Zudem ein philosophisches Essay: Wert und Willkür – kontrastierend gegen „das Naturhafte“.

Der Scan oben stammt aus einer Illustation der Geschichte “Moosh va Gorbeh” von Obayd Zakani.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

Ein Auszug aus:

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren, Präsentation anlässlich der Sistah Vegan Conference 2013.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

Die ganze Präsentation können Sie hier im PDF Format lesen: http://simorgh.de/yarbrough/yarbrough_weisssein_patriarchat_tiere.pdf

Anastasia Yarbrough ist in beratender und aktivistischer Form in der Tierrechtsarbeit tätig, http://animalvisions.wordpress.comhttp://inneractivism.com.

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

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Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

Anastasia Yarbrough, http://animalvisions.wordpress.com/http://inneractivism.com/

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Eine Präsentation von Anastasia Yarbrough anlässlich der ersten Sistah Vegan Konferenz, die am 14. September als Webkonferenz, organisiert von Dr. Amie Breeze Harper, stattfand. Siehe dazu: http://simorgh.de/niceswine/tag/sistah-vegan. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von A. Yarbrough.

In dieser Präsentation geht es um die Narrative, die wir über die Unterdrückung von Tieren weitervermitteln. Als Tierrechtaktivist_Innen steht uns die Möglichkeit zu, in unseren Schilderungen tiefer zu gehen und uns nicht allein auf die Tokenisierung der Kämpfe farbiger Menschen und Frauen zu verlassen. Auch müssen wir keine Tokenisierung von Tieren als romantischen Symbolen, die der menschlichen Identität dienlich sein sollen, betreiben. Stattdessen können wir über den tatsächlichen Kampf reden, den Tiere durchfechten müssen, und wir können über ihre Leben sprechen, so gut wir das eben nur können. Wir können ans Licht befördern genau wie sie mit den Bemühungen um Freiheit usw. anderer, menschlicher Gruppen in Verbindung stehen, und zwar indem wir die Geschichten derjenigen Kräfte (und der Identitätsgruppen, die hinter diesen Kräften stecken) schildern, die das Ganze letztendlich miteinander verbinden.

I. Wer ich bin?

Mein Name ist Anastasia Yargrough. Ich arbeite als facilitator consultant, community educator und bin nebenbei auch Musikerin. Ich arbeite nunmehr seit 15 Jahren im tierschützerischen Bereich, und zuletzt, seit etwa 5 Jahren, bin ich im als Sprecherin und organisatorisch in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Ich war im Vorstand des Institute for Critical Animal Studies und bin gegenwärtig im Beirat des Food Empowerment Projects.

Bedanken möchte ich mich ganz besonders bei A. Breeze Harper, die diese Online-Konferenz ermöglicht hat. Bei Adam Weitzenfeld und pattrice jones dafür, dass sie wunderbare inspirierende Gelehrte/Aktivist_Innen sind, die sich auch als gute Zuhörer erwiesen haben wenn es um die Themen ging, mit denen ich mich zurzeit auseinandersetze. Und mein Dank gilt auch all den Aktivist_Innen dort draußen, die sich für eine totale Befreiung einsetzen, selbst unter den enorm schwierigen herrschenden Bedingungen.

II. Warum ich spezifisch über weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat spreche?

► Diese alles durchdringenden und miteinander verwobenen Kräfte stellen in der Tierrechtsbewegung eine tragende Säule dar. Die TR-Bewegung ist auf die eurozentrischen Länder konzentriert und innerhalb dieser Länder ist die Mehrheit ihrer Mitglieder weiß und die Mehrzahl ihrer Führungspersönlichkeiten besteht aus weißen Männern. Folge dessen ist eine Tendenz zum Eurozentrismus, was die ideologische Grundlage für Fragen der Mensch-Tier-Beziehung anbetrifft. Auch ist es nicht selten, tierschützerischen und veganen Kampagnen zu begegnen, die ein europäisches Ideal vermitteln (beispielsweise die Kampagne gegen das Hunde-Essen in China). Der Eurozentrismus macht es Menschen, die nicht weiß sind, schwer zu meinen sie hätten einen Platz innerhalb der Bewegung, insbesondere auch dann wenn deren Tierethik nicht unbedingt dem vorherrschenden „Mainstream“ der Bewegung entspricht. Der Einfluss des Patriarchats wiederum wird besonders dann sichtbar, wenn wir betrachten, dass die Mehrheit der Bewegung zwar aus weiblichen Aktivistinnen besteht, dennoch aber 50% der Führungskräfte in den großen aktiven Tierschutz-Nonprofits allesamt männlichen Geschlechts sind. Wenn es bei den großen Veranstaltungen und Tagungen der Bewegung, wie beispielsweise bei der National Conference in Washington DC, nicht möglich ist diese Themen ernsthaft anzusprechen, und solche Themen sogar als trivial und als nicht wesentlich zur Stärkung der Bewegung abgetan werden, dann haben wir ernsthaft ein Problem.

► Die große Mehrheit von Tierrechtsorganisationen und ihrer Sprecher_Innen vergleichen die moderne Tierrechtsbewegung und zitieren Beispiele aus der antirassistischen und der antisexistischen Bewegung in den USA, ohne wirklich zu verstehen wie Rassismus und Sexismus in Amerika eigentlich funktionieren. Sie nehmen einfach an, dass sie es wüssten, weil sie sich als Aktivist_Innen für eine gleichermaßen unterdrückte Gruppe (die diverse Vielzahl von Lebewesen, die wir gemeinhin subsumierend als „Tiere“ bezeichnen) einsetzen.

◌ Bei der Nationalen Tierrechtskonferenz von 2013 in Washington DC, sagte Norm Phelps [ein bekannter Tierrechtsautor in den USA] in der eröffnenden Plenarversammlung zu den Teilnehmer_Innen, dass die Tierrechtsaktivist_Innen heute die Frederick Douglasse und Harriet Tubmans unserer Zeit sind. Nathan Runkle [der Sprecher der Organisation Mercy for Animals] sagte bei derselben Versammlung, dass die Tierrechtsbewegung der nächste evolutionäre Schritt sei im Vorwärtskommen sozialer Gerechtigkeitsbewegungen; die Tierrechte seien die neue große soziale Gerechtigkeitsbewegung.

► Dieses sich vollständig auf die Lektionen der Kämpfe aus der antirassistischen und den antisexistischen Menschenrechtsbewegungen der Vergangenheit verlassen, ist an sich in keinerlei Hinsicht ein Problem. Beide Bewegungen sind Teile unseres Erbes und wir kommen nicht umhin im Schatten ihrer Geschichte weiterzumachen. Nicht zuletzt sind die hervorragenden Persönlichkeiten dieser Bewegungen unsere Vorfahren und einflussreiche Pioniere für die Bemühungen weltweit um soziale Gerechtigkeit und in Umweltschutzbelangen gewesen. Doch wenn Führungspersönlichkeiten innerhalb der Tierrechtsbewegung bequeme Analysen betreiben, um sie als einen Hebel einzusetzen zur fortgeschrittenen Legitimierung der Tierrechtsbewegung, dann dient das unserer Bewegung nicht, und der entscheidende Punkt wird hier einfach verpasst. Es gibt einen Grund weshalb die Kämpfe der Farbigen, der Frauen und der Tiere sich ähnlich genug sehen, dass der Vergleich zulässig ist. Und diese Gemeinsamkeit liegt in der Verbindung, die gegeben ist durch die systemischen Kräfte, die ihrer aller Unterdrückung nährt und am Fortbestehen erhält. Ein weiterer Redner könnte einmal eine Analyse von jeglichem Winkel innerhalb dieser Matrix betreiben. Heute fokussiere ich auf die Punkte weißen Überlegenheitsdenkens und Patriarchat.

III. Wie weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat Tiere in direkter Weise betreffen.

► Die gleichen Kräften, unterschiedliche Gruppen.

◌ Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat (die ich von hier ab als „weißes Patriarchat“ bezeichnen werde) wurden von Theoretikern aus den Bereichen kritischer Rassenstudien und respektive des Feminismus in den USA seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Farbige Menschen mussten sich mit dem Weißsein und Frauen mit dem Patriarchat detailliert auseinandersetzen um überleben zu können. Das Weißsein und das Patriarchat werden kollektiv begriffen als Konstrukte sozialer Identitäten, die sich strukturell über die Zeit hinweg verstärken. Das bedeutet, dass ihre initiale Erschaffung beabsichtigt war, und dass Menschen sich zur Annahme der Identitäten aus freien Stücken entschieden haben. In einer neueren Studie über die Theorie des Privilegs durch den Anarchist Federation’s Women Caucus (den Frauenausschuss der Anarchistischen Föderation) wurde betont, dass Identitätsgruppen wie Männer und Weiße nicht wirklich ihr Privileg aufgeben können, gleich wie sehr Individuen dieser Gruppen das auch möchten. Sie sind in diese Identitäten hineingeboren, in diesen Identitätsgruppen großgezogen worden und sie sind eingetaucht in ein System, aus dem sie nicht aussteigen können oder in dem sie sich überhaupt dazu entscheiden könnten, nicht mehr von diesem zu profitieren. „Du bist für das System, das dir dein Privileg erteilt nicht verantwortlich, nur dafür, wie du darauf reagierst.“ bell hooks hat das weiße Patriarchat häufig assoziiert mit Akten des Terrorismus (nämlich der Sklaverei, der Vergewaltigung, der Folter und den Mord) gerichtet spezifisch gegen schwarze Menschen und schwarze Frauen. Diese Akte des Terrorismus – Sklaverei, Vergewaltigung, Folter und Mord – sind auch das, was auch wir in der Tierrechtsbewegung versuchen wollen abzuschaffen. Es ist keinerlei Überraschung, dass diese Akte allesamt aus dem gleichen System entwachsen. Wie können wir in einer Gesellschaft leben, in der all das geschieht, ohne dass es uns überhaupt etwas ausmacht? Nun ja, zum einen macht sich das weiße Patriarchat nicht sichtbar. Wie irgendein anderes Konstrukt einer sozialen Identität, die ein sozioökonomisches System auf der Basis der Ausbeutung der schwächeren und verletzlicheren Individuen und Gemeinschaften erhält, indem es diejenigen marginalisiert, die den Status quo des „Mainstreams“ stören, in dem systematische Gewalt zum Vorteil privilegierter Gruppen begangen wird, in dem die Gedanken, Körper, Räume und die Reproduktion anderer Gruppen dominiert wird, so ist das weiße Patriarchat eine Institution, die es schafft all dies aufrecht zu halten während es selbst unsichtbar bleibt. Wir müssen uns in ganz bewusster Weise darum bemühen es sichtbar zu machen. In der Tierrechtsbewegung haben wir, wenn wir über die Unterdrückung der Tiere durch Menschen sprechen, Gelegenheiten um weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat hinter der Ausbeutung, der Dominierung, der Reproduktionskontrolle, der Marginalisierung und der systematischen Tötung sichtbar zu machen. Wir können die Tokenisierung von Tieren als Maskottchen, die tatsächlich dem Zwecke ihrer Ausbeutung und Ermordung dient, benennen. Wir können auf die Tötungen von Tieren, in den Tierheimen und halbwilder und verwilderter Tiere, als Schuldzuweisung auf das Opfer hinweisen. Wir können darüber sprechen, wie wildlebende Tiere marginalisiert werden durch den Verlust ihres Habitats, verursacht durch die Agrarkultur und den sich ausdehnenden Städtebau, und wie „invasive/schädliche“ Spezies ein bequemes Ziel der Schuldzuweisung werden, wobei bei ihnen tatsächlich weder Hauptgrund und –ursache zu suchen sind. Wir können die Reproduktionskontrolle, die Zwangszucht, genetische Manipulation und die in die Sexualität eingreifende Gewalt sichtbar machen, die Institutionen am Leben erhalten wie die Tierversuchslaboratorien, die Tiere involvierende Agrarkultur, die Haustierhaltung, Zoos und Aquarien, Jagdreviere, Aquakultur und die Unterhaltungsindustrien die Tiere einbeschließen. Die Tokenisierung, die Schuldzuweisung auf das Opfer, die Marginalisierung und die Reproduktionskontrolle, sind die Grundpfeiler des weißen Patriarchats. Innerhalb des weißen Überlegenheitsdenkens in Amerika tendiert der Mainstream dazu, sich mit Tieren und farbigen Menschen dann zu identifizieren, wenn sie tot oder auf eine Fast-Unsichtbarkeit reduziert sind. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass wir diese Gruppen tatsächlich respektieren, indem wir sie romantisieren, und die, die sie in Wirklichkeit sind, für uns in unserer Vorstellungswelt in der Weise passend für unsere eigene Identität modulieren, nun wo unsere Vorfahren und Zeitgenossen sie bereits als eine Bedrohung außer Kraft gesetzt haben. Ein wesentlicher Grundpfeiler des weißen Patriarchats ist aber auch die Frage der Bürgerschaft. Die einzig legitimen Stimmen sind diejenigen, die „echte Bürger“ der Gruppe darstellen. Und in der Tierrechtsbewegung stellt dies ein enormes Hindernis dar in den Bemühungen um eine Bewirkung der Anerkennung der Interessen von Tieren durch die Gesellschaft.

►Das weiße Patriarchat als treibende Kraft in Tierverteidigungskampagnen.

◌ Die Kampagnen von PETA sind berüchtigt wegen ihrer rassistischen und sexistischen Komponenten. Ich werde hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, da eine andere Sprecherin bei dieser Konferenz ihre Analyse der Organisation PETA vorstellen wird. PETA sind jedenfalls ein sehr offensichtliches Beispiel für das weiße Patriarchat als treibende Kraft hinter ihren Zielen und Strategien. Nicht allein in den Öffentlichkeitsstunts der Organisation, sondern auch in ihren Politiken und Praktiken, die Tiere in ganz unmittelbarer Weise anbetreffen. PETA hat eine Geschichte zu verzeichnen, in denen sie mehr ihrer vermeintlich geretteten Hunde und Katzen getötet haben, als sie an ein neues Zuhause vermittelten. Nathan Winograd hat PETA seit Jahren wegen ihrer desaströsen Tierheimunterbringungspraktiken und Vorgehensweisen kritisiert. PETAs Unterstützer_Innen haben daraufhin entgegnet, dass Winograd nicht erwähnt habe, wie viele Tiere man aus den Gefahren, die für sie in überfüllten Tierheimen drohten, extra herausadoptiert habe, und dass es besser für diese Tiere sei einen „gnadenvollen“ Tod zu erleiden, als ein Leben in einen Tierheim zu verbringen, oder was noch schlimmer sei, als ein Leben ohne ein echtes Zuhause. Was mir dies sagt ist, dass für PETA die beste Art einer ethischen Beziehung zu Tieren, auf die wir unter PETAs Richtlinien hoffen könnten, diejenige ist mit toten Tiere, da es ja keine Möglichkeit gibt, alle diese Tiere unter einer kompletten institutionellen Kontrolle zu halten, und es dann effizienter wäre die Tiere einfach zu töten um sich dann auf die Schulter zu klopfen, dass man ja das richtige getan habe, denn man weiß ja schließlich auch genau, was das Beste ist. Das ist weißes Patriarchat.

◌ Verdeckte Nachforschungen bildeten die wesentliche Taktik zur Aufdeckung einiger der schlimmsten Gewaltakte gegen Tiere. Was oft nicht betont wird in solchen Ermittlungen von Tiermissbrauch in Fabrik-Farmen oder bei Kampagnen gegen den Hundekampf oder gegen Hahnenkämpfe oder bei Aufdeckungen des illegalen Handels mit wildlebenden Tierarten, sind die rassifizierten Komponenten die bei diesen Gräueltaten mitschwingen. Die große Mehrzahl derjeniger Menschen, die die niederen Arbeiten verrichten und die illegalen Taten begehen, denen wir immer wieder in den Nachrichten begegnen, und auf die der Zorn und die Empörung der Aktivist_Innen niederprasselt, sind farbige Menschen.

◦ Fremdarbeiter aus Ländern wie Mexiko und Guatemala machen ein Fünftel der Arbeiterschaft in den Agrarindustrien aus. Sie haben typischerweise keinen High School Abschluss und ihre Optionen bei der Arbeitssuche sind daher gering, auch haben sie normalerweise wenig in der Leitung dieser Farmbetriebe zu sagen. Sie sind einfach Hände – oft die blutigen Hände – die 10 bis 12-stündige Schichtdienste verrichten. Der US-amerikanische Imperialismus und Rassismus stößt sie in Jobs wie diese, wo die Möglichkeiten der Wahl dessen, wie man seine Einkünfte bestreitet, gering sind. Sie werden häufiger wegen Grausamkeit gegen Tiere belangt als die Betreiber der Farmen, die die echten Profite aus der Sache schlagen. Und Tierverteidigungsorganisation wissen das, wenn sie Klagen erheben; sie versuchen einfach jeden „Erfolg“, gleich welchen, zu erlangen, wenn er denn nur erlangbar ist. Zum Schluss hilft das den Tieren weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, denn es erlaubt es den Shareholdern einer Verantwortlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es erlaubt den Geschäftsbetreibern die Sündenbockfunktion den verarmten und oft analphabetischen Wanderarbeitern zuzuschieben, die kaum juristischen Schutz haben, und es sendet eine für die Öffentlichkeit irreführende Botschaft aus, dass man was gegen die „schlimmen Typen“ getan habe, wobei sie in Wirklichkeit einfach nur durch andere Immigranten gleichen Hintergrunds ausgetauscht werden, die dann ebenso den Verstand verlieren werden, mit der Gewalt, die sie stundenlang täglich ausführen müssen.

◦ Hundekämpfe sind so alt wie die zivilisierte Welt selbst. Und Hahnenkämpfe begannen in Europa etwa um das 15. Jahrhundert herum aufzutauchen. Beide dieser Blutsportarten zählten gewöhnlicherweise zu den Aktivitäten wohlhabender Landbesitzer, Handeltreibender und Aristokraten; in anderen Worten: Leute die Geld hatten. Heute werden diese Blutsportarten mit armen farbigen Menschen in Verbindung gebracht. So sehen die Kampagnen gegen diese grausamen Bräuche oft aus wie eine spezifische Strafung Farbiger, nun wo weiße Menschen der Mittel- und Oberschicht kulturell „jenseits“ von solch einem Barbarismus stehen.

◦ Der illegale Handel wildlebender Tierarten ist ein Thema, das nicht allein die Tierverteidigungsbewegung beschäftigt, dieses Thema ist auch bestimmend in Bereichen umweltschützerischer Tätigkeiten. Kampagnen und Berichte betonen die Prozentzahl des illegalen Handels, so dass man sich auf CITES und damit auf juristische und politische Richtlinien berufen kann. Soweit hat das allerdings keinen besonders großen Unterschied erbracht, was die Anzahl von Tieren, lebend oder tot, anbetrifft, die aus ihrem gebürtigen Land oder Wasser herausgeschmuggelt werden. Die Gegenden wo die meisten dieser Aktivitäten stattfinden, liegen in Südostasien und in Subsahara-Afrika. Nachrichtenmedien, Dokumentationen und Kampagnen fokussieren zumeist extensiv auf die Seite der „Wilderei“ im Handel mit wildlebenden Tierarten, die ausschließlich von den farbigen Menschen in den Regionen betrieben wird. Obgleich das Geschäft des Handels wildlebender Tierarten Teile großer krimineller Syndikate bildet, sind die Leute, die wir überall in Bildern und in den Nachrichtenartikeln sehen, diejenigen mit wenig Ressourcen und mit weniger Sagen in den großen Syndikaten – Leute die einfach ausgetauscht werden können, die man einfach zu Sündenböcken machen kann. Es ist weitaus schwieriger die wohlhabenden Konsumenten von Produkten aus wilden Tieren sichtbar zu machen, und es ist schwieriger Reiche in Frage zu stellen, Jagdsitze in Privatbesitz, die vom Geschäft mit dem Handel „exotischer“ Tierarten profitieren, es ist schwieriger amerikanische und europäische Privatinvestoren von Milizen und kriminellen Syndikaten in diesen Regionen anzugreifen, also tut es auch niemand. Es ist weitaus einfacher, arme farbige Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die die tatsächliche Gewalt und die tatsächliche Straftat begehen, denn das sind die Plakatkriminellen, und das weiße Überlegenheitsdenken und der Kolonialismus können ungehindert weitermachen, unbemerkt, in ihren systemerhaltenden Funktionen.

◦ Rassismus, Klassismus und Kolonialismus treiben farbige Menschen dazu, sich übermäßig auf die Ausbeutung von Tieren zu verlassen, und weil sie nicht den Schutz durch Wohlstand und Weißsein genießen, tragen diese Leute die Last der Konsequenzen, während die Schwergewichte in Sachen Ermöglichung, ihr Geschäft weiter und wie gehabt betreiben können.

IV. Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

V. Schlussfolgerung

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat sichtbar zu machen, ist wichtig um die Unterdrückung von Tieren sichtbar zu machen. Oft stecken diese hinter den Gräueltaten die gegen Tiere begangen werde, wogegen wir schließlich kämpfen.

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat beeinflussen die Ziele der Bewegung und der angewendeten Strategien. Wir können evaluieren, wie unsere Ziele und Strategien weitervermittelt werden, und indem wir die Intention hegen diese Kräfte sichtbar zu machen, anzuerkennen was wirklich los ist, indem wir uns unsere eigene Rolle in all dem bewusst machen, können wir die Verantwortung für eingeschlagene Richtungen in der Bewegung übernehmen.

► Nun wo andere Aktivist_Innen Analysen über den Abelismus, Heterosexismus, Cissexismus und Queerness mit einbeziehen, haben wir die Möglichkeit, dass die Tierrechte sich zu einer echten Pioniersfront der intersektionalen Bewegung entwickeln können. Schaffen wir es diese Herausforderung anzunehmen?

Weitere Beispiele weißen Patriarchalismusses:

„Ich hab ihm gerade einen Nasenring angebracht … , so dass er nicht mehr bei seiner Mutter saugt. Er braucht es einfach nicht mehr … . Er wird sich dran gewöhnen. Wir haben es mit den anderen Kälbern auch so gemacht. An dem Ring sind nur einige Zacken, und das ist damit es die Kuh an ihrem Euter stört wenn er versucht zu saugen, sie wird ihn dann wegtreten … . Tja, das ist halt noch so eine weitere spaßige Sache, die du so auf einer Farm machen kannst.“

http://www.youtube.com/watch?v=mOMYfrFKHyE&feature=youtu.be

Malerei: © Farangis G. Yegane

(Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.)

Copyright © 2013, Anastasia Yarbrough, Gita Y. Arani-May / Palang LY. Alle Rechte vorbehalten.

 

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

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Quelle: ‘Engaging with the idea that interrogations of race, gender, and whiteness in veganism is not pointless: Reflections on the Sistah Vegan Conference’ http://sistahvegan.com/2013/09/18/sistah-vegan-conference-recordings-now-available/. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Die Sistah Vegan Webkonferenz fand am 14. September 2013 statt. Sie trug den Titel „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten.“ (Was, du hast die Konferenz verpasst? Keine Sorge, die ganze Konferenz wurde aufgezeichnet und du kannst die Aufzeichnungen erwerben, indem du auf der Webseite zur Konferenz ‚CLICK HERE TO REGISTER’ drückst. Auch wenn die Konferenz nun vorbei ist, so führt dich dieser Link doch zu der Seite, über die man die Sistah Vegan Conference-Aufnahmen erwerben kann: http://sistahveganconference.com/.)

Es waren beeindruckende 8 Stunden. Hier ist ein kleiner Einblick in das, was wir dabei lernten, wörüber wir sprachen und uns gemeinsam austauschten:

–         Wie Veganismus die Reproduktionsgesundheit schwarzer Frauen heilt.
–         Schwarze Frauen, Veganismus und die Herausforderungen durch diskriminatorische Haltungen gegenüber Körpergröße und –masse [‚Sizeism’].
–         Das Patriarchat als Problem in der US-amerikanischen Tierbefreiungsbewegung.
–         PETAs rassifiziert-sexualisierter Einsatz weiblicher Körper, um zum ‚Veganwerden, für die Tiere’ zu ermutigen.
–         Wie der ‚weisse Retterkomplex’ Schwierigkeiten und Stress verursacht für schwarze Frauen innerhalb bestimmter gemeinschaftlicher Veganismus- und Yogapraktiziernder-Räume in den USA.
–         Die Politk industrialisierter und verarbeiteter Babynahrung und die Schaffung einer indigenen veganen Mutterleibsökologie.
–         Die Art und Weise, in der die Sistah Vegan Anthologie so viele von uns dahigehend ermutigt hat, den Weg des Veganismus zu beschreiten.

Ich denke, dass diese Konferenz wichtig ist für eine ganze Anzahl von Leuten, die an kritischen Nahrungsmittelstudien, kritischen Tierstuduen und/oder schwarzen Studien interssiert sind. Dennoch empfehle ich diese Konferenz der beachtlichen Anzahl ‚postrassisch’ denkener Leute (fast immer sind dies weiß-identifizierte Menschen), die mich witerhin mit einer klaren (entweder direkten oder passiv-aggresiven) Wut im Bauch kontaktieren, dass sie es kaum fassen könnten, wie ich behaupten könne, dass Rasse, Geschlecht und Weißsein die vegane Praxis, das vegane Rational und Bewusstsein beeinflussen könnten. Und solche Messages kommen in den Kommertarsektionen meines Blogs, meiner Facebookseiten oder in meiner persönlichen Emailbox an, mit dem Zugeständnis Vieler, niemals etwas über kritische Studien bezüglich Rasse, schwarzer feministischer Theorie oder kritische Weißseinsstudien gelesen zu haben – aber diese Leute sind sich SICHER und ÜBERZEUGT davon, dass bestimmte Fragen im Bezug auf Rasse, Gender und Weißsein im Bereich Veganismus nicht hinterfragt werden sollten. Es mag ihnen nicht bewusst sein, aber man nennt dies (weiße) Selbstberechtigung [(white) entitlement] wenn sie in einer solchen Weise an mich herantreten. Es ist ein Akt diskursiver Gewalt, und es ist das perfekte Beispiel davon, wie Weißsein als ein Kommunikations- und rhetorisches System funktioniert. Diese Kommunikationsmethode ist einfach wirklich nicht harmonisch, nicht heilend und sie steht antithetisch zur Nicht-Gewalt (Ahimsa), die der Veganismus für so viele von uns verkörpert.

Ich kann nur anbieten, dass wenn Leute mit dem oben beschriebenen Kommunikationsverhalten, eine aufrichtige und offene Diskussion über den „Sinn“ dieser Webkonferenz, die Sistah Vegan Anthologie und meine andere auf das Soziologische gründende Forschungsarbeit führen möchten, dass diese Leute sich mal dran setzen sollten Beiträgen der Sistah Vegan Konferenz zuzuhören; vielleicht die Sistah Vegan Anthologie mal lesen sollten und auch meine Masters- und Disserationsarbeit, die in klarer Weise die Relevanz und die Wichtigkeit dessen artikulieren, sich mit kritischen Rassenstudien, schwarzen feministischen-, dekolonialen- und kritischen Weißseinsstudien innerhalb des Veganismus in den USA zu befassen. Ich versichere euch, dass sowohl Harvard (meine Masters These) als auch die University of California (meine Disserationsarbeit), meine Arbeiten nicht als Bestanden abgesegnet hätten, wenn ich sozialwissenschaftliche und rigorose Forschungmethoden und methodologische Herangehensweisen bei meiner intersektionalen Arbeit über Veganismus, Kultur und systemische Unterdrückung, nicht in richtiger Weise angewendet hätte. Ich hätte den begehrten Dean’s Award von Harvard für meine Masters-Thesenarbeit (die jeweils nur einem Kanditaten pro Fachbereich verliehen wird) nicht erhalten, und auch kein zweijähriges Stipendium, um meine Dissertationsarbeit an der Universtiy of California abzuschließen, wenn die entscheidungstragenden Kommitees beider Institutionen der Meinung gewesen wären, dass meine akademischen Untersuchungen über den Veganismus ‚sinnlos’ oder ‚rassenhetzerisch’ (wie von vielen [mis]interpretiert) seien. Bitte emailt mir unter sistahvegan (at) gmail (dot) com wenn ihr Auszüge und/oder Kopien meiner veröffentlichten Arbeiten, meiner Thesenarbeit und/oder meiner Dissertation haben möchtet, um euch mal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und vor diesem Hintergrund …

gilt ein ausgesprochener Dank all denen, die dies zu einem unwahrscheinlich beeindruckenden Event gemacht haben. Ich freue mich auf das, nächsten Jahres!

Wenn ihr an der Veranstaltung teilgenommen habt und/oder euch die Aufszeichnungen angehört habt, dann postet bitte wie ihr die Konferenz und das Gelernte empfunden habt, und das, womit ihr vielleicht Probleme hattet, oder was euch eventuell überrraschte, usw.

***

A.d.Ü.: Und Sinn und Zweck dieser Übersetzung ist es, das Sistah Vegan Projekt wegen seiner internationalen und globalen Wichtigkeit im deutschsprachigen Raum noch weiter bekannt zu machen, und um einige Aktionen des Projekts auch innerhalb des deutschen Sprachraums zu dokumetieren:

Siehe in diesem Zusammenhang …

Eine Info über die Sistah Vegan Anthologie (2010):
http://simorgh.de/harper/die_sistah_vegan_anthologie_2010_s.pdf

Die Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge der Sistah Vegan Webconference 2013:
http://simorgh.de/harper/sistahvegan_conference_2013_8bs.pdf

Und in aller Kürze die Programmübersicht der Webkonferenz 2013:
http://simorgh.de/niceswine/wp-content/uploads/2013/09/sistahvegan_conference_programm_1.pdf

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Palang LY

Tiere als Nummern

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Das kontroverse israelische Projekt http://269life.com emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend für das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht. Während solch ein Kunst- / Designprojekt wie das „Pig 05049“ der Niederländerin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert.

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Der Guardian veröffentliche am 27. März 2010 ein Essay des amerikanischen Autoren und Journalisten Bill Buford [1] über eine Arbeit der niederländischen Designerin Christien Meindertsma, in der sie Fotografien von Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, als all das, was aus einem Schwein so gemacht wird, zentriert auf ein Tier: „Pig 05049“, als Rohstoffquelle, darstellte.

Aus Tierrechtssicht halte ich die Arbeit von Meindertsma für bedenklich, aus Gründen, die ich weiter unten anreißen will. Der Artikel aus dem Guardian jedoch, sowie auch ein Artikel aus dem Stern über eine Ausstellung Meindertsmas im Jahr 2008 zum „Pig 05049“ [2], machen aber bereits klar, warum die Arbeit der Designerin eine zweischneidige Angelegenheit ist, wenn sie problemlos in der Weise, wie in diesen beiden Artikeln, rezipiert werden kann, als eine willkommen geheißene Ermutierung zur Objektifizierung von nichtmenschlichen Tieren im agraindustriellen Komplex.

Der Tierrechtler und Vorstand des europäischen Zweigs des Animals and Society Institute (http://www.animalsandsociety.org/) Kim Stallwood, hält zum Artikel Bufords aus dem Guardian fest:

Das kleine Schweinchen beim Guardian

Ein interssanter Artikel im samstags erscheinenden farbigen Wochendmagazin des Guardians. Er bestand aus einem Fotoessay als Auszug aus dem Buch Pig 05049 von Christien Meindertsma und einem Essay des Autoren Bill Buford. Interessant aus zweierlei Hinsicht.

Zuerst: Das Fotoessay dokumentiert 185 (naja, einige) Produkte, die aus einem geschlachteten Schwein hergestellt werden, einschließlich Apfelsaft (Gelatine), Puzzleteilen (Knochenleim) und Sandpapier (nochmals Knochenleim). Was immerhin beweist welche Herausforderung es darstellt, vegan zu leben. Einige würden behaupten es ist eine sinnlose Übung. Eine Unmöglichkeit. Ich würde sagen, dass der Weg zum Veganismus wichtiger ist, als die Ankunft am seinem Ziel.

Der zweite interessage Punkt ist dieser: warum müssen Menschen, die darüber schreiben, dass sie bei der Schlachtung eines Tiere teilgenommen haben, den Akt immer romantisieren? Und das Ganze mit sentimentalem Quatsch aufladen, um den Anschein der Profundität zu erwecken? Buford schreibt zum Beispiel: „Das Blut sammelt sich in einem Eimer. Ich rührte es damit es nicht koaguliert. Man gab mir eine Kelle und sagte ich solle mal probieren. Ich war vom Geschmack überracht, der vital, energisierend und glücklich war.“ Was genau ist glücklich am Probieren des Blutes eines Schweins, das man gerade getötet hat? Und dann folgt diese pseudo-moralisierende und nichtssagende Entschuldigung für die Missetat. [3]

„Der Aufwand benötigte vier Mann. Das Schwein wusste was geschah. Sie war stark. Sie kämpfte. Da gab es kein Schweinequieksen. Es war ein weit offener Schrei. Sie schrie laut und hörte nicht auf, bis nachdem für einige Sekunden, und nicht mehr als einige Sekunden, in ihr Herz gestochen war. Der Schrei ging bis in die höheren Klangregister; ein hochstimmiges, bellendes Klagen, das mein Gehirn nicht als normal herausrastern oder empfinden konnte. Dann, gerade als ich das Seil am Bein des Tieres festmachte, schaute sie mich an, ganz genau, und sah mir in die Augen. Warum mir? Vermittelte mein Gesicht unter den andern Gesichtern dieser abghärteten Traditionalisten etwa Unbehagen? Der Halt funktionierte wie eine Klampe. Ich wollte mich abwenden. Ich tat es nicht.“ [4]

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Wie konnten die Fotografien aus der Designarbeit von Meindertsma so problemlos in diesem Zusammenhang ihren Platz finden? Ist eine Auflistung und Darstellung von Tierkörperteilen und der Stoffe, die aus ihnen gewommen werden bereits eine Stellungnahme in der einen oder anderen Weise?

Meindertsma sieht in ihrer Arbeit „grundsätzlich den Produktkatalog [eines] Schweins“. Das „schönste“ findet sie, in einer TED Rede unter dem Titel: „Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen“ (vom Juli 2010), ist die Verwendung der Herzklappe des Tieres, die eine Operation am menschlichen Herzen unter nur minimalstem Eingriff ermöglicht. Abschließend sagt sie, dass sie am meisten an Rohmaterialien insgesamt intersssiert sei, und ein bisschen auch an Schweinen. [5]

Die Ästhetik der Objektifizierung

Randy Malamud, Fellow am Institut für Tierthik der Uni Oxford, formuliert ein wichtiges Argument im Kontext mit einem Werkzyklus der türkischen Künstlerin Pinar Yolacan (Titel: „Perihables“), in der Hühnerkörper als künstlerisches Ausdrucksmittel und Accessoire verwendet werden:

„Ich frage mich, wenn ich durch Yolacans Linse auf eine Frau und ein Huhn blicke, eine Frau in einem Huhn: Wo ist das Huhn? Ja, das Tier ist da, aber da gibt es kein „da“. Das einzige huhnhhafte in diesen Bildern ist ein Negativum: die Abwesenheit eines Huhns, die Verhöhnung eines Huhns, die Zerstörung eines Huhns, die perverse menschliche Transformation eines Huhns.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es die Last jedes Kunstwerks sein müsse, das huhnhafte des Huhns zu hinterfragen, aber ich bin ökologisch empört über das durchdringliche Versagen menschlicher Kultur […] dabei, die Intergrität, das Bewusstsein, die echte Gegenwart anderer Tiere in unserer Welt ernsthaft anzuerkennen.“ [6]

Wie weit darf eine ästhetisierende Objektifizierung gehen, insbesodere auch dann, wenn sie unter anderem der Veranschaulichung dient, wie im Fall des Buches Pig 05049 von Christien Meindertsma und bei anderen Designern, Künstlern und deren Arbeiten, im Allgemeinen.

Was Meindertsma anbetrifft: Als Veganer kennen wir Alle, Listen tierlicher Inhaltstoffe und ihrer Derivate. Eine partielle Liste im schöngemachten Format ist eigentlich nicht zweckdienlich, auch wenn sich über Ästhetik streiten lässt.

Das Buch Pig 05049 wird aber für 44 Euro bei enem veganen Onlinehandel feilgetobten. Aufmerksam wurde ich, nachdem ich sah, dass die VGD es auf ihrer FB-Seite bewarb und keine Veganer_In dort Anstoß am Ganzen nahm. [7]

[1] Bill Buford: From one pig: 185 products, The Guardian, Saturday 27 March 2010 http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products. Der Text wurde inzwischen wegen Ablauf der Nutzungsrechte von der Webseite des Guardian entfernt.

[2] Albert Eikenaar: Eine tierisch versaute Idee, Der Stern 23. Juli 2008, http://www.stern.de/kultur/kunst/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html

[3] Kim Stallwood: Little Piggy at The Guardian, http://www.kimstallwood.com/2010/03/29/the-little-piggy-at-the-guardian/. Übersetzung der Blogeintrags (ohne dem Zitat aus dem Guardian) Palang Y. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von Kim Stallwood. Siehe hierzu auch: This little piggy… Christien Meindertsma photographs the 185 products that came from one pig, The Guardian, Saturday 27 March 2010, http://www.theguardian.com/theguardian/gallery/2010/mar/27/185-products-one-pig-gallery

[4] Bill Buford: From one pig: 185 products, a.a.O. http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products

[5] TED, Christien Meindertsma: Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen http://www.ted.com/talks/christien_meindertsma_on_pig_05049.html

[6] Randy Malamud: Vengeful Tiger, Glowing Rabbit, in: The Chronicle of Higher Education, July 23, 2012, http://chronicle.com/article/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit/132951/?cid=cr&utm_source=cr&utm_medium=en

[7] Vegane Gesellschaft Deutschland, der betreffende Eintrag auf ihrer Facebookpage https://www.facebook.com/photo.php?fbid=589879337720155&set=a.159698390738254.28272.154920631216030&type=1&theater

Alle Zugriffe vom 17. September 2013.

Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.

 

Programmübersicht: Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien

Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Die Programmübersicht auf  Deutsch als PDF

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Datum: 14. September 2013

Zeit: 10:00 AM – 6:00 PM PST (pazifische Standardzeit). Die mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist der pazifischen Standardzeit 9 Stunden voraus.

Ort: Online-Webkonferenz über Anymeeting.com

Die Sprecherinnen und das Programm

10:00 AM: „Einführung: Wie bildet der Veganismus für schwarze Frauen und ihre Verbündeten einen kritischen Eingangspunkt zur Diskussion über Themen sozialer Gerechtigkeit und von Gerechtigkeitsfragen betreffend nichtmenschlicher Tiere und der Umwelt.“ Dr. A Breeze Harper, University of California-Davis.

10:15 AM: „Wie Weißsein und das Patriarchat Tieren schaden.“ Anastasia Yabrough, Inner Activism Services.

10:50 AM: „PETA und der Tropus des „Aktivismus“: Die Naturalisierung postfeministischer und postrassischer Einstellungen durch Proteste sexualisierter Körper.“ Aphrodite Kocięda, University of South Florida.

11:25 AM: „Eine verkörperte Perspektive auf die Redefinierung von ‚Gesundheit’ in einem kulturellen Kontext und die Betrachtung der Rolle von ‚Sizeism’ [der diskriminatorischen Vorurteilshaltung gegenüber ‚Körpergröße u. -masse’] im Paradigma veganer schwarzer Frauen.“ Nicole Norman.

12:25 PM: „Kosmetische Marginalisierung: Status, Zugänge und vegane Schönheitslektionen unserer Urmütter.“ Pilar Harris, Pilar in Motion.

1:00 PM: Offene Diskussion: „Warum ich das ‚Hühnchen am Sonntag’ aufgegeben habe und vegan geworden bin. Mädchen und Frauen afrikanischer Herkunft diskutieren ihre Gründe dafür, warum sie sich für den Veganismus entschieden haben.“

1:50 PM: „Hebammentum, Medizin und die Babynahrungs-Politik: Untergrundfeminismus, indigene pflanzlich-basierende ‚Foodways’ [Versorgungswege] und Ernährung.“ Claudia Serrato, University of Washington.

2:30 PM PST: „Die Konstruktion von Quellen zusätzlich zur elterlichen Kompetenz als schwarze Veganerin: Eine Diskussion über Geografie und Theologie und derer inneren Widersprüche.“ Candace M. Laughinghouse, Regent University.

3:05 PM: Podiumsdiskussion: „Yoga für die stressfreie Soul Sista und Lehre radikaler Selbstfürsorge: Erforschung von Privileg im Yoga und Veganismus für Girls of Color [farbige Mädchen].“ Sari Leigh und Kayla Bitten.

4:20 PM: Offen Diskussion: Reflektionen über die Sistah Vegan Anthologie.

5:00 PM: „Ist eine schwarze Dekolonialisierung in einer moralischen Ökonomie neoliberalen Weißseins möglich? Wie in den USA eine schwarze vegane Befreiungsrhetorik oft die Grundsätze kolonialen Weißseins verlängert.“ Dr. A. Breeze Harper, University of California Davis.

Information zur Konferenz und Registration: http://sistahveganconference.com 

Organisation: Dr. phil. A. Breeze Harper, breezehaper [at] gmail [dot] com

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Und für die, die das Sistah Vegan Projekt noch nicht kennen: Infos über die Sistah Vegan Anthologie 2010 auf Deutsch

 

Sistah Vegan Conference: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Anfang August hatten wird die Sistah Vegan Anthology (2010), herausgegeben von Dr. A. Breeze Harper, vorgestellt: ‚Sistah Vegan: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’.

Dieses Jahr findet die erste jährliche Sistah Vegan Conference am 14. September statt.

Wir haben das Programm mit den Kurzbeschreibungen der Vortrags- und Diskussionsthemen übersetzt, um Denkanstöße, die dort gegeben werden, an eine ins Deutsche erweiterte Blog-Leserschaft weiterzugeben:

Sistah Vegan Web Conference: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Veganismus und Intersektionalität


Warum intersektional ethisch vegan?

Palang LY

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Intersektionalität ist dem Veganismus eigentlich inhärent. Der Veganismus berührt unterschiedliche ethische Felder, wobei am zentralsten die Gebiete unmittelbar um das Mensch-Tier-Verhältnis sind. An tierethische Fragen binden sich dann weiter die ökologischen Themen und diejenigen Fragen, die all das, was ‚Menschen ausschließlich’ anbetrifft, mit einbeschließen.

Ökologie und Gesundheit, die beiden Säulen des Veganismus, sind selbstverständlich genauso politische Themen. Im Zusammenhang mit dem Veganismus ergeben sich also Tangenten, die wir als die Intersektionen zweier perspektivischer Herkunftsorte (der Veganismus und soziale/politische Positionen) bezeichnen können.

Zur Zeit existieren einige vegane Projekte, die sich besonders solchen Schnittstellen zuwenden. Wichtige Themen sind dabei die Nahrungsmittelgerechtigkeit, Rassismus, Feminismus, Sexismus, Homophobie, Ableismus (die Diskriminierung behinderter Menschen), usw. Alle diese Themen werden in solchen Projekten mit dem Veganismus und aus veganer Sicht kontextualisiert.

Organisationen, Gruppen und Initiativen wie beispielweise das Food Empowerment Project, Sistahvegan, Vegans of Color, vegan-feministische Gruppen und Blogs, oder ein neueres Buchprojekt, das sich dem Thema ‘Behinderung und ethischer Veganismus’ zuwendet (The Disabled Vegan Reader), sind vegane Projekte dieser Art; hier finden wir erweiterte Perspektivmöglichkeiten der veganen Ethik auf verschiedene Weise durch verschiedene Schwerpunkte adressiert.

Vermieden werden soll durch die Kontextualisierung (und da sind sich alle einig), dass der Veganismus die Chance verpassen könnte sein politisches Potential dazu zu nutzen, erweiterte Ansätze zu schaffen, durch die nichtmenschliche Tiere und die natürliche Umwelt verstärkt mit in den Mittelpunkt der ethischen Hauptbelange gesetzt werden können. In allen uns bekannten intersektionalen veganen Projekten spiegelt sich der Gedanke wieder, dass  ethischer Veganismus und Demokratie komplentäre Spieler sind und hier müssen noch zahlreiche neue Wege beschritten und Möglichkeiten erschlossen werden.

Intersektionalität wirkt manchmal wie ein Umweg, um die spezifisch tierrechtsbezogenen Fragen herum und nicht direkt auf sie zugehend. Das Gleichgewicht beizubehalten ist in Diskussionen wichtig, besonders wenn alle Themen zeitgleich und dringlich in ihren Zusammenhängen behandelt werden müssen. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass sich zwar eine Richtung abzeichnet, in der sich das gemeinsame Übel befindet: Ursachen von Unterdrückung, Diskriminierung, Gewalt, Zerstörung – aber es gibt keine Allzwecklösungen für diese Unzahl komplexer Probleme, denen sich also auch ein pluralistischer veganer Aktivismus gegenübergestellt sieht.

Eines ist natürlich klar: wenn eine Aktivitstin hauptsächlich oder auch ausschließlich über ihr Gebiet spricht, seien es Tierrechts-, Menschenrechts- oder Umweltschutzbelange, heißt das nicht immer zwingenderweise, dass das Gesagte auch massiv weiter führt: Vieles an Output, den wir von anderen Aktivist_Innen erhalten, sind Dinge, die wir schon oft gehört haben, Dinge die leider nicht wieder neu auf ihre aktuelle Gültigkeiten hin überprüft werden oder upgedated werden um sich an neuere Erkenntnisse im Bereich Aktivismus zu orientieren.

Auch stellt die Methodik, wie von Fragen, die sich in intersektionalen Themenbereichen (z.B. Feminismus und Antirassismus) bewegen, hingeführt werden kann zur Tierethik und zum Umweltschutz, immer wieder eine starke Herausforderung und wichtige Aufgabe dar (der man sicherlich mit einiger kritischer Selbstreflektion gerecht werden könnte).

Wie weit sind wir bereit dazu, die Rahmen so zu stecken, die sich nicht allein auf die begangenen einseitigen Wege beziehen?

Gemeint ist: Dort wo Sexismus oder Rassismus stattfindet, sehen wir unter Bezugnahme auf Tierrechte und Ökologie, dass Gründe/Hintergründe von sowohl Unterdrückung als auch Zerstörung ja tatsächlich noch weiter zu fassen sind, als wir das bislang mit unseren Erklärungsmodellen getan haben. Rahmen müssen neu gesteckt werden und solche intersektionalen Projekte helfen dabei immens.

Wir wollen uns im Rahmen unseres veganen Selbsverständisses nach neuen, interessanten Antworten umschauen, wie der Veganismus sich von seinen Verfechtern her als ein junges demokratisches Element einer (soweit noch) Minderheitsbewegung mit einbringt: Wie werden Menschenrechte, Umweltfragen und selbstverständlich vor allen Dingen Tierfragen heute aus ihrer Box derer Konzepte rausgeholt, die ein neues Denken bislang noch zu hindern scheinen?

Zusammenhänge aufzuzeigen führt zu umfassenderen Fragen / Antworten.

Links

Food Empowerment Project: http://www.foodispower.org/
The Disabled Vegan Reader: http://www.disabledveganreader.com/
The Sistah Vegan Project: http://sistahvegan.com/
Vegans of Color: http://vegansofcolor.wordpress.com/

Die Sistah Vegan Anthologie 2010

Die Sistah Vegan Anthologie

Eine Buchvorstellung der Sistah Vegan Anthologie. Von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Sistah Vegan: Black Female Vegans Speak on Food, Identity, Health, and Society. Erschienen 2010 bei Lantern Books. Herausgegeben von Dr. phil. A. Breeze Harper. http://sistahvegan.com.

Originaltext: Sistah Vegan Anthology, http://sistahvegan.com/sistah-vegan-anthology/. Übersetzung: Palang L. Arani-May. Mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

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‚Sistah Vegan: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’ wirft einen Blick auf Nahrungsmittelpolitik, Identität, Sexualität, Gesundheit, Womanismus, Feminismus, Dekolonisierung, Antirassismus, ökologische Nachhaltigkeit und Tierrechte aus einem Blickwinkel schwarzer veganer Erfahrungshintergründe in den USA.

Es ist der erste Band dieser Art, der sich mit Rassen- und Gender-Erfahrungen von Veganer_Innen in den USA befasst.

Das Sistah Vegan Project befasst sich mit dem Leben schwarzer Veganerinnen. Das Projekt geht dabei aber über die Grenze von „nur Veganismus“ hinaus und fokussiert sowohl auf den Veganismus als auch auf andere holistisch-gesundheitliche Praktiken … sowie auf die Intersektionen von Rasse, Klasse, Religion, Gender, sexueller Orientierung, Behinderung/Nicht-Behinderung usw.

Worum es genau geht:

Wir wollen unsere Körper, unseren Geist und unsere Seele auf allen Ebenen versorgen – doch ausgehend von einer Philosophie die geleitet ist vom Veganismus, Menschenrechten, den Rechten nichtmenschlicher Tiere, dem Mitgefühl gegenüber Allem, durch alternative Wege gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen und ökologisch nachhaltigen Praktiken.

Stell Dir vor schwarzer Feminismus trifft Vollwertveganimsus, trifft Öko-Nahchaltigkeits-Philosophie, trifft antirassistische Philosophie, trifft Dekolonialisierungstheorie, trifft Gesundheits- und Ernährungsaktivismus.

Einflüsse & Hintergründe des Projektgedankens

Während eines Abends im Sommer 2005 schaute ich mich in den neusten Foren auf der Seite BlackPlanet.com um und stieß dort auf ein Diskussionsforum, indem man sich mit einer umstrittenen Werbung der Organisation PETA befasste.

Als ich die Inhalte dieses Forums las, erfuhr ich, dass die NAACP [1] sich darum bemüht hatte PETAs Werbekampagne zu zensieren, wegen den Anstoß errengenden Inhalten, die, wie sie meinten, in der Werbung zum Ausdruck kämen. Ich fand die PETA-Seite auch gleich und schaute mir dieses „anstößige“  Kampagnen-Video an (http://www.peta.org/animalliberation/, A.d.Ü. Link am 09.08.2013 nicht mehr aktiv). Es scheint, dass PETA aufsehen erregen und eine Betätigung in „kritischem Bewusstsein“ in den Rezipienten anregen wollten, damit die Rezipienten ihre eigenen normativen Praktiken hinterfragen sollten. Das ist selbstverständlich meine Interpretation dieser Bildsequenzen.

Meine Augen blieben fixiert auf den Gebrauch von Bildern menschlichen Leids, dass dem Leid von Tieren gegenübergestellt wurde. Eine Malerei nordamerikanischer Indianer auf dem ‚Pfad der Tränen’ neben einem Foto von Herden nichtmenschlicher Tiere, die in ihr Verderben geführt werden; die Gräueltat an einem Schwarzen, der gelyncht und dessen Körper verbrannt wurde neben dem Bild eines Tieres, das verbrannt wurde; ein Schwarzweißfoto vom jüdischen Holocaust neben Tieren in den beengten, vollgepackten Strukturen einer agrarwirtschaftlichen Fleischproduktionsstätte. Beim Anschauen dieser Bilder stellte ich fest, dass die meisten Bilder Schwarze zeigten und aus der schäbigen Vergangenheit der Versklavung von Afroamerikanern und der Jim-Crow-Gesetze in den USA stammten.

Ich navigierte meinen Webbrowser zurück auf das BlackPlanet.com Forum und las all die Beiträge in dem Forum über PETA. 28 schwarz-identifizierte Personen hatten ihre Meinung über die Kampagne dort geäußert. Interessanterweise hatte von den 28 nur ein Teilnehmer der Intention dessen zugestimmt, was PETA mit der neuen Werbekampagne versucht hatte zu erreichen. Alle anderen Teilnehmer stimmten darüber miteinander ein, das PETA eine Organisation sei, die voll „weißer Rassisten“ sei, die meinten, dass Schwarze sich „auf dem gleichen Level wie Tiere befinden“.

Aufgrund meiner Vertrautheit mit Literatur über die Verbindungen, die zwischen Menschen- und Tierrechten bestehen (Dreaded Comparison von Marjorie Spiegel, Eternal Treblinka [2] von Charles Patterson) verstand ich, dass es PETA nicht darum ging die Versklavung Schwarzer mit nichtmenschlichen Tieren in einer derogativen, herabsetzenden Weise gleichzusetzen. Im Kontext der Arbeiten von Spiegel und Patterson schlussfolgerte ich, dass PETA implizierten, dass die Ausbeutung von und Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere von der gleichen Herrscher/Unterdrücker-Ideologie herrühren, die auch die Gräueltaten der Versklavung von Afrikanern, den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern und den jüdischen Holocaust hervorgebracht hat. Marjorie Spiegel, die Verfasserin von The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery merkt an:

“Der Vergleich des Leids von Tieren mit dem Schwarzer (oder irgendeiner anderen unterdrückten Gruppe), erscheint nur dem Speziesisten als provokativ: Einem, der falsche Annahmen darüber wie Tiere sind für sich angenommen hat. Diejenigen, die sich entsetzt zeigen über den Vergleich mit einem Mit-Leidenden, haben zweifellos die voreingenommene Weltsicht übernommen, die ihnen von den Herrschenden vorgestellt wurde. Unsere Gemeinsamkeiten mit Tieren zu verneinen, heißt unsere eigene Kraft zu verneinen und zu unterminieren. Es läuft darauf hinaus sich aktiv um den Beweis gegenüber unseren Herrschern zu bemühen – denen aus der Vergangenheit oder den Gegenwärtigen –, dass wir so sind wie die, die uns misshandelt haben, eher, statt so zu sein wie unsere Mit-Opfer, also denen, die unsere Herrschenden auch zu Opfern gemacht haben.

Es geht nicht darum Begebenheiten zu vereinfachen und damit zu sagen, dass die Formen der Unterdrückung, die Schwarze und Tiere erfahren, identische Züge tragen – sondern, so verschieden die Grausamkeiten und die sie unterstützenden Unterdrückungssysteme auch sein mögen, es bestehen doch gemeinsame Züge zwischen ihnen. Sie teilen die gleiche grundlegende Beziehung: die zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem.“ [3]

Als ich mir das Profil der einen Diskussionsteilnehmerin, die PETAs Kampagne befürwortete, anschaute, bemerkte ich, dass sie sich als schwarz und lesbisch identifizierte. Meine erste Frage war: Sympathisieren ‚Women of Color’ [A.d.Ü. nicht-weiße Frauen] die innerhalb ihrer Gemeinschaft marginalisiert sind, sich häufiger mit einem ethischen Ernährungsverhalten [4] als Minderheitszugehörige die nicht marginalisiert sind? Sind die Reaktionen der Mitglieder auf dem BlackPlanet.com Forum als repräsentativ dafür zu betrachten, wie die meisten Schwarzen in Amerika PETA sehen? Gibt es weniger kulturell provokative aufklärerische Modelle die Afroamerikanern Veganismus und Tierrechte kommunizieren?

Es ist nun über zwei Jahre her, dass ich mir diese Fragen gestellt habe. Ich habe mir inzwischen tiefgründigere Gedanken über die Problematik gemacht und bin dabei auf weitere Fragen gestoßen über die westlichen (vorwiegend Weißen), in der Mittelschicht angesiedelten Fundamente des Mainstream-Veganismus und der Philosophie ethischer Ernährung, wie sie sich in den USA ausgeprägt hatten. Ich schaute mir den US-amerikanischen Mainstream-Veganismus, die alternative Gesundheits- und Heilbewegung und die Bewegungen rund um die ökologische Nachhaltigkeit noch einmal genauer an; diesmal aus einer schwarz-feministischen, dekolonialen Perspektive vor dem Hintergrund kritischer Rassentheorie [5].

Wie gebrauchen schwarze Veganerinnen den Veganismus und andere ganzheitliche Gesundheitspraktiken zur Dekolonialisierung ihrer Körper und um sich in einem Gesundheitsaktivismus zu betätigen der institutionalisiertem und systemischen Rassismus entgegentritt?

Dr. Rachel Slocum fragt: „Was für eine ‚rassische’ Geographie (‚racial geography’) bringt das Weißsein im Zusammenhang mit der Lebensmittelgemeinschaft hervor? Wie schafft die Nahrungsmittelpolitik der Gemeinschaft eine rassifizierte Landschaft oder inskribiert Rasse in das Nahrungsmittelsystem und in alternative Nahrungsmittelsysteme [so wie den Veganismus]? [6] Was bedeutet das im Rahmen des Sistah Vegan Projekts für schwarz-identifizierte Veganerinnen?

Wie formt das weiße rassifizierte Bewusstsein den Mainstream-Veganismus als Konzept und als Praxis? Und was bedeutet das für schwarz-identifizierte Frauen?

– Beispielsweise sind Darstellungen von Körpern für vegetarische / vegane Lebensmittelwerbung, innerhalb der USA, meistens weiß und schlank, was ein zugrundeliegendes Thema vermittelt, dass Veganismus gleichzusetzen ist mit Weißsein, was wiederum mit dem „perfekten vegetarischen/veganen schlanken Körper“ gleichzusetzen ist. In welcher Weise affiziert das die Bereitschaft schwarzer Frauen, den Vegetarismus/Veganismus für sich zu entdecken, wenn der vollschlanke Körpertypus typischerweise in der schwarzen Gemeinschaft als gesund und schön anerkannt wird?

– Wie wirkt sich ein Mangel an Wahrnehmung weißen rassifizierten Bewusstseins innerhalb des Mainstreams der veganen-Tierrechts- und Ernährungsbewegung auf die Erfahrungen schwarzer Veganerinnen aus?

– Ist es, wie es sich im BlackPlanet.com Forum andeutete, eher so, dass die meisten schwarzen Amerikaner eine westliche mittelschichtbasierende Philosophie ethischer Ernährung nicht für sich annhehmen wollen weil es ihnen „einfach egal“ ist, oder wird dieses allein als Teil systemischen Weißseins und Klassimusses wahrgenommen? Systeme, die Schwarze geschichtlich betrachtet betrogen haben und die deren Werte, Sprechweise und Überzeugungen über Ernährung lächerlich gemacht und entwertet haben als „minderwertig“ und „mangelhaft“. […]

– Es gab die seltenen Begebenheiten in denen ich erlebt habe wie vegane Tierrechtler etwas vermittelten, was ich als eine Vorurteilshaltung gegenüber bestimmten Gruppen nicht-weißer Menschen betrachte. Solch ein interessanter Fall findet sich hier auf meinem Sistah Vegan Gemeinschafts-Forum, in dem das Beispiel zitiert wird:
http://breezeharper.tripod.com/sistahveganblog/index.blog?topic_id=1062287

– Wenn eine Mehrzahl Schwarzer eine negative Auffassung vom Weißsein haben, wegen des Rassismus/Klassismus den sie 400 Jahre lang erlebt haben, und wenn sie daher glauben, dass der Veganismus oder eine ethische Ernährungsphilosophie eine „weiße Sache“ sei, die in keiner Weise mit der Dekonstruktion von systemischem Rassismus/Klassismus in Zusammenhang steht, wie kann man dann ein Model schaffen und präsentieren, das den Vegetarismus/Veganimus als ein Werkzeug vorstellt, das simultan 1. dem Erbe der Sklaverei, so wie institutionalisiertem Rassismus/Klassismus, 2. der Degradation der Umwelt 3. den hohen Raten an Erkrankungen, die die schwarze Gemeinschaft betreffen, Widerstand und Lösungen entgegen setzt?

Alka Chandna, eine ‚Woman of Color [Nicht-Weiße] aus Kanada und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei PETA, schrieb einen Kommentar über die Reaktion der NAACP auf die Werbekampagne. Sie schilderte rassistische Übergriffe auf das Haus ihrer Familie, die sie erlebt hatte. Eine ihrer Erinnerungen war wie Eier gegen das Haus geworfen wurden, weil man ihre Familie nicht in der Nachbarschaft haben wollte. Dennoch war sie von der Kritik der NAACP an der PETA-Kampagne überrascht:

„Hier in den USA stellen die NAACP und Andere Tierrechtsaktivisten nun als weiße Rassisten dar um uns zu marginalisieren und abzutun. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Art der „Analyse“, die darin besteht unsere Bewegung in derart groben Zügen darzustellen, genau die Art der Herabsetzung ist, auf die Leute zurückgreifen wenn ihnen die Wahrheit zu unbequem wird. Rassisten haben Martin Luther King als Womanizer beschimpft. Kolonialisten haben Gandhi als einen kleinen braunen Mann in Leinen abgetan. Sexisten tun Feministinnen als hässliche wütende Frauen ab.

Nun arbeiten viele ‚People of Color’ [Nicht-Weiße] täglich daran, dass sich Einstellungen im Bezug auf Tiere ändern. Meine eigenen Überzeugungen, und die vieler meiner Kollegen, ensprangen einem Verständnis von Recht versus Unrecht. Uns inspiriert nicht der Rassismus, sondern die Gerechtigkeit. Ich bitte andere ‚People of Color’ [Nicht-Weiße], die erlebt haben wie Eier gegen ihre Fenster geworfen wurden, oder die anderen Formen von Rassismus begegnet sind, darum, einen Moment lang nicht mehr zu verurteilen und zu bedenken, dass das, was sie da nun über Tiere sagen – dass Tiere geringere Lebewesen sind deren Leid abgetan werden kann – einst über sie gesagt wurde und als Vorwand diente, sie in Fesseln zu halten“.

Es ist Dr. Chandnas letzter Satz der mich auch besonders interessiert und einer der vielen Fokalpunkte im Sistah Vegan Anthologie-Projekt ist. Ich hoffe, dass die Sistah Vegan Anthologie ein wirksames literarisches Modell zum Lehren alternativer Gesundheit und anti-rassistischer Strategien sein wird, die zur persönlichen Gesundheit und zum Umweltschutz betragen können, während gleichzeitig Widerstand geleistet wird gegen institutionalisierten Rassismus, Umweltbelastung und andere Folgen des Kolonialismus.

Warum das Sistah Vegan Projekt nur die Stimmen schwarz-identifizierter Frauen befragt?

Ich kann ehrlich sagen, dass mein Wechsel zum Veganismus keine „Entscheidung über Nacht“ war. Das Ganze entwickelte sich anfänglich aus meinen Kindheitserfahrungen mit institutionalisiertem Rassismus, Heterosexismus und Sexismus. Viele Leute, die zum Veganismus übergegangen sind, beschreiben Tierrechte als den wichtigsten Grund für ihren initialen Schritt. Ich schätze alles Leben und respektiere und praktiziere Mitfühlsamkeit und die auf den Prinzipien des Ahimsa [7] basierende Philosophie im Bezug auf Menschen und auf nichtmenschliche Tiere. Doch die Erfahrung des Lebens als eine „nicht-heterosexuelle schwarz-identifizierte Frau aus der Arbeiterklasse“ führte mich dazu den Ahimsa basierenden Veganismus schließlich von einem anderen Eingangspunkt aus zu betreten, der Tierrechte anfänglich nicht als Auslöser für mein „Erwachen“ mit einbeschloss.

Als ich 12 Jahre alt war und die Flure der Lyman Memorial Junior High School am ersten Tag der 7. Klasse betrat, war die erste Begrüßung die ich hörte „Schau dir die kleine dünne Niggerin an. Renn, kleine dünne Niggerin, renn.“ Von diesem Punk an wurde ich mir meiner historisch und sozial konstruierten Position in den USA sehr bewusst, in der speziellen Verbindung von schwarz und Mädchensein; ‚rassisch’ sozialisiert und gendergeprägt durch eine Euro-Anglozentrische heteropatriarchal- und kapitalistisch-basierende Gesellschaft.

Einige Jahre später fing ich an mich intensiv mit Büchern zu befassen, die mich darin weiterbringen würden die Wurzeln von oppressiven Akten dieser Art – denen ich während meines ganzen Besuchs in der High School und im College begegnete – zu verstehen. Ich las mich in die Literatur schwarzer feministischer Schriftstellerinnen wie bell hooks, Audre Lorde und Patricia Hill Collins, und dehnte mein Spektrum dann aus zu auf dem Ahimsa gründenden Philosophien von Autoren wie Jiddu Krishnamurti.

Was mich wirklich dazu BEWEGT hat den Veganismus als Praxis zu übernehmen, war als ich etwas über Dick Gregory (in Doris Witts Buch Black Hunger) las, und von den Zusammenhängen erfuhr, die er aufzeigte zwischen institutionalisiertem Rassismus/Klassismus/Sexismus, schwarzer Befreiung, der „Gesundheitskrise“ innerhalb der schwarzen Gemeinschaft und Ernährungsüberzeugungen und -praktiken. Dick Gregory erklärt in Black Hunger:

„In den letzten Jahren habe ich persönlich erfahren, inwiefern die Reinheit der Ernährung und die des Denkens miteinander in Verbindung stehen. Und wenn Amerikaner sich wirklich einmal mit der Reinheit der Nahrung, die in ihr eigenes persönliches System tritt, befassen, wenn sie lernen sich richtig zu ernähren, dann werden wir wesentliche Veränderungen erwarten können, die dadurch im sozialen und politischen System dieser Nation in Gang gesetzt werden. Die beiden Systeme sind voneinander untrennbar.

Ich selbst würde sagen, dass der schnellste Weg, wie man eine Gruppe von Menschen austilgen kann, der ist, sie auf eine Soul Food Diät [8] zu setzen. Eine der Tragödien ist, dass genau die Leute in der schwarzen Gemeinschaft, die am differenziertesten sind was die politischen Realitäten dieses Landes betreffen, nichtsdestoweniger überzeugt sind vom „Soul Food“. Sie sprechen in allen Details vom amerikanischen Genozid an den Schwarzen, gehen dann in ein Soul Food Restaurant und helfen dem Genozid weiter.“ [9]

In der Zeit als ich Dick Gregorys Gedanken kennenlernte, las ich auch Queen Afua, eine Rohköstlerin, die sich insbesondere mit der Gesundheit der Gebärmutter und der Harmonie durch den Veganismus befasst. Mit Hilfe dieser beiden wichtigen Denker sah ich schließlich die Verbindung zwischen meiner eigenen „in Disharmonie liegenen Reproduktivgesundheit“ (bei mir wurde damals ein Gebärmutter-Myom festgestellt und ich suchte in der nicht-westlichen Medizin nach Möglichkeiten des Umgangs mit der Diagnose) als einem Symptom von stukturellem Rassismus, Sexismus, der Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere (später erfuhr ich mehr über den Begriff des „Spezisismus“), usw. So stelle ich meine Lebensweise umgehend auf einen auf Ahimsa-basierenden Veganismus um.

Nach meiner Bekanntschaft mit Queen Afua und Dick Gregory erfuhr ich durch Bücher wie Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery von Marjorie Spiegel und Eternal Treblinka: Our Treatment of Animals and the Holocaust von Charles Patterson eine Erweiterung in meines Verständnisses über die Wurzeln von systemischem Rassismus, Nationalismus und Sexismus, und ich entwickelte ein achtsameres Bewusstseit über die Misshandlung nichtmenschlicher Tiere und im Bezug auf die natürlichen Ressourcen des Planeten. Schließlich sah ich nun, seit dem Anfang meines Weges (an diesem ersten Tag der 7. Klasse), die Verbindungen, die institutionalisierte Unterdrückung und Verzehr [A.d.Ü.: auch Konsum] mit dem hatten, was es bedeutet „sozial konstruiert“ zu sein als eine „schwarze Frau“, in einer Gesellschaft, die sich immernoch durch ihr Erbe der Sklaverei kämpft. Es ist diese Art einer besonderen Erfahrung – die sozialen Implikationen und der historische Kontext des sowohl Schwarz- als auch Weiblich-Seins in einer neokolonialistischen globalen Gesellschaft, die mich dazu veranlasst hat nach den Stimmen von Frauen der afrikanischen Diaspora zu fragen.

Gegen was die Sistah Vegans kämpfen

Wenn ich über Gesundheit im Katalog der Harvard Online Bibliothek forsche, stoße ich auf eine Flut von Artikeln die fortlaufend aufzeichnen wie furchtbar der Gesundheitszustand innerhalb der schwarzen weiblichen Population ist, dass wir zu viel Junk Food und zu wenig Obst und Gemüse essen, dass wir süchtig sind, bis zur Selbstzerstörung durch Junk- und Soul Food. Die Artikel und Berichte zeichnen das düstere Bild, dass schwarze Frauen nicht wüssten was sie gegen diese Unterschiede im Gesundheitszustand tun sollten, oder wissen wir es nicht doch? Diese Anthologie wird eine Sammlung von Erzählungen, Dichtungen, kritischen Essays und von Reflektionen einer sehr starken Gruppe schwarzer Frauen sein, die sich darin engagieren der Populärkultur amerikanischen Junk Foods und der Ernährung mit auf Fleisch basierenden Lebensmitteln etwas entgegenzusetzen. Diese Frauen dekolonialisieren ihre Körper und ihren Geist über Vollwert-Veganismus und/oder Rohkost, sie werden nicht zur Statistik, da sie die Junk Food Gewohnheit durchbrechen, sie hinterfragen die ‚Seele’ des Mainstream Soul Foods und haben Fleischprodukte aus ihrer Ernährung verbannt.

Sistah Vegans sind ein Beispiel schwarzer Frauen die sich der systemischen Unterdrückung, die sich als Diabetes, Gebärmutter-Myomen, Fettleibigkeit, Depression, Umweltverschmutzung, der inhumanen Behandlung nichtmenschlicher Tiere usw. widersetzen und/oder auch bekämpfen. Beim Lesen der eingereichten Materialien für diese Anthologie habe ich gemerkt, dass die Sistah Vegans kollektiv wissen, dass das Verständnis von optimaler Gesundheit (für sich selbst und den Planeten) und Befreiung erreicht werden müssen, durch a.) die Dekolonialisierung der Ernährung b.) eine kritische und genaue Betrachtung der mainstream westlich-insdustrialisiert-basierenden Nahrungsmittel und der Gesundheitsindustrie und/oder c) der Annahme von Nahrungsmitteln, Ernährungspraktiken und Heilungssystemen, denen eine eher afrikanische oder afrozentrische Basis zugrunde liegt.

Dem Sistah Vegan Projekt geht es nicht darum den Veganismus zu predigen.  Es geht darum zu schauen, wie eine spezifische Gruppe schwarzer Frauen radikale Diätere- und Heilungsphilosophien praktizieren. In welcher Art tragen die Texte der Sistah Vegan Anthologie zu einem breiteren Verständnis von Gesundheit, Nahrungsmitteln und globalem Aktivismus bei? Wie kann das Projekt mehr Diversität und Verständnis in die Forschung über öffentliche Gesundheit, Gesundheitspolitk, der Lehrplanentwicklung in der Gesundheitserziehung, der Bildung antirassistischer Modelle, der Tierrechtsphilosophie, Studien über Nahrungsmittel, Weißseins-Studien, Frauenforschung und der Forschung über die Afrikanische Diaspora beitragen?

Ich hoffe, dass Sistah Vegan eine Quelle „kritischen Bewusstseins“ sein wird für alle Leute, die eine aufrichtige Motivation haben menschliches Leid zu beenden, indem sie ihre Ernährungsgewohnheiten hinterfragen und die Verbindung kritisch durchleuchten, die die Nahrungsmittelproduktion hat mit entweder der Dekonstruierung oder dem Erhalt von environmentalen Rassismus, Homophobie, Rassismus, Sexismus, ökologischer Zerstörung, Klassismus, Krieg, usw.

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Begriffe:

Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige, Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft. Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness asMetaprivilege,Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

Speziesismus: eine Überzeugung, dass unterschiedliche Tierspezies sich wesentlich voneinander unterscheiden in ihren Fähigkeiten Freude und Schmerz zu erfahren und eine autonome Existenz führen zu können. Normalerweise schließt der Speziesismus den Gedanken mit ein, dass die eigene Spezies das Recht hat die anderen zu beherrschen und den eigenen Zwecken zu unterwerfen. Aus: Spiegel, Marjorie. The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery. New York: NY. Mirror Books, 1996.

Endnoten:

[1] A.d.Ü.: Die National Association for the Adcancement of Colored People (NAACP) ist die größte afroamerikanische Bürgerrechtsorganisation in den USA, die sich insbesondere auf institutioneller Ebene für die Gewährleistung sozialer Gleichstellung und für die Aufklärung über Rassismus einsetzt.

[2] A.d.Ü.: Der Titel der Ausgabe in deutscher Übersetzung lautet: ‚Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka: Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens’ (2004).

[3] Spiegel, Marjorie. The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery. New York: NY. Mirror Books. 1996. pages 27, 28 and 30.

[4] Ethische Ernährung ist der Ausdruck der eigenen Überzeugung moralischer Gerechtigkeit mittels einer Ernährungspraxis, die das geringste Maß an ökologischem und sozialem Schaden bzw. Leiden erzeugt. So ist beispielsweise der Kauf von fair gehandeltem Kaffee statt des handelsüblichen Kaffees, zur direkten Unterstützung der Anti-Armutsbewegung von Kaffeebauern der Dritten Welt, eine Form ethischer Ernährung. Der Konsum von ökologisch nachhaltig erzeugten („Bio-“) und Fair-Trade-Nahrungsmitteln, das Essen von Bio-Freiland Hühnern, so wie auch der Veganismus sind Typen „ethischer Ernährungsformen“. (A.d.Ü.: Hier wird nur ein Beispiel dessen gegeben, was allgemein unter dem Begriff „ethischer Ernährung“ verstanden wird. Damit nicht gemeint ist, dass der Konsum und Verzehr von „Bio-Freiland“-Hühnern aus Tierrechtsperspektive mit einer nicht-anthropozentrischen Ethik kompatibel sein könnte.)

[5] A.d.Ü.: Die ‚Critical race theory’ (CRT) ist obgleich insbesondere soziologisch relevant, im juristsischen Bereich (und dort in den Menschen- und Bürgerrechten) beheimatet. Die CRT analysiert die gesellschaftlichen und kulturellen Intersektionen von ‚Rasse’, Gesetz und Machtstrukturen. Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Critical_race_theory.

[6] Diese Formulierung dessen, was auch mein Interesse am Thema Weißsein, Nahrungsmitteln und Geographie ausdrückt, stammt von Dr. phil. Rachel Slocum (http://www.rslocum.com/)

[7] A.d.Ü.: Die Definition von Ahimsa der Organisation American Vegan: Ahimsa ist ein Wort aus dem Sanskrit, das das Nicht-Töten und das Nicht-Verletzen bezeichnet. Es bedeutet nicht einfache Passivität, sondern bezieht sich auf positive Methoden die Dilemmas und Entscheidungen des Alltags zu bewältigen. http://www.americanvegan.org/ahimsa.htm

[8] A.d.Ü.: Als Soul Food werden traditionelle afroamerikanische Speisen aus den Südstaaten der USA bezeichnet.

[9] Witt, Doris. Black Hunger: Soul Food andAmerica.Minneapolis,MN.UniversityofMinnesotaPress, 2004, S. 133.134.

Letzte Zugriffe auf alle Links: 11. August 2013.

 

Schwangerschaft und Vegansein

Schwangerschaft und Vegansein

Aus dem Vegan*Swines Reader 2013. Quelle: Vegan Society GB, Übersetzung und Bearbeitung: Palang LY Arani-May.

Diese Info bietet nur eine weitläufige Orientierungshilfe. Detailierte Fragen zur veganen Schwangerschaft werden hier nicht im Einzelnen besprochen.

Gesunde Ernährung für Mutter und Kind während der Schwangerschaft

Die Richtwerte für die Vitamin- und Mineralstoffzufuhr liegen für die Schwangerschafts-monate höher. Gleichzeitig erhöht sich als physiologische Reaktion auf die Schwangerschaft aber auch die Absorptionsrate vieler der benötigten Nährstoffe.

Die Mehrzahl schwangerer Frauen, einschließlich veganer Frauen, können den gesteigerten Bedarf während der Schwangeschaft mit einer abwechslungreichen Ernährungsweise und einer teilweisen Supplementierung abdecken – dabei sollte frau ruhig ihrem Appetit folgen. Eine zu geringe oder zu hohe Nahrungsmittelaufnahme sollte aber vermieden werden … diese Info als PDF weiterlesen (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster).

Bild oben: Bird, Mother, Kid von Farangis G. Yegane.

Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts

Der vegane Prototyp des 19. Jahrhunderts

Palang LY

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Wir wissen, dass das Wort ‚vegan’ im Jahr 1944 von Donald Watson bei der Gründung der Vegan Society geprägt wurde (http://simorgh.de/niceswine/vegan-news-no-1), aber wem ist bekannt, dass eben diese Lebensweise und Ethik in Europa auch schon vorher praktiziert wurde?

Im Jahr 1815 schrieb William Lambe, Fellow des Royal College of Physicians ist seinem Buch: ‚Water and Vegetable Diet’: „Der Grund warum ich gegen den Gebrauch einer jeglichen Tierart zu Nahrungsmittelzwecken bin und warum ich als Lebensmittel nur die Früchte des Bodens anerkenne, liegt in der weitgreifenden Tatsache, dass nichts außer diesen für die menschlichen Organe geeignet sind. Im gleichem Maße wie Fleisch für die Ernährung ungeeignet ist, so sind es aber auch Eier, Milch, Käse und Fisch.“

Lambe begann im Jahr 1804 mit seiner neuen Ernährungsweise und schloss sich bald einer Gruppe Gleichgesinnter an. Zu dieser Gruppe zählte auch John Frank Newton (http://www.ivu.org/history/england19a/newton.html), der Autor von „Return to Nature, or a defence of the vegetable regimen“, das im Jahre 1811 in London publiziert wurde. Newtons Schwägerin, Harriet de Boinville, gehörte dieser Gruppe an. Ihr Haus, gelegen in der Gegend von Berkshire, und das Haus Newtons wurden zu den Treffpunkten des ersten uns bekannten Kreises protoveganer Freunde.

All das wäre vielleicht unbemerkt geblieben, wäre der damals 20-jährige Percy Bysshe Shelley nicht hinzu gestoßen. Der junge dichtende Shelley nahm bei einem Aufenthalt in Dublin im Jahr 1812 für sich eine Lebensweise an, die er als ‚das Pythagoräische System’ bezeichnete. Mit der klassischen Antike vertraut und das Lateiniische und Altgriechische beherrschend, muss er von dieser Art sich zu ernähren aus den alten Textquellen erfahren haben. Bei seiner Rückkehr nach London begegnete Shelley dem politischen Philosophen William Godwin der ihn mit Newton zusammenführte. Die jüngere Tochter Godwins, Mary Wollstonecraft Godwin, wurde später Shelleys zweite Frau. Vielen von uns ist sie auch bekannt als die Autorin des klassischen Romans ‚Frankenstein oder Der moderne Prometheus’.

Jahre später schrieb eine enger Freund Shelleys, Thomas Jefferson Hogg, der allerdings selbst Fleischesser geblieben war, über seine Erlebnisse bei den Shelleys:

„Ich passte mich an, nicht weil ich ihre Überzeugungen teilte, sondern nur aus Freundschaft. Ihre Gemüse-Diners waren natürlich wunderbar. Fleisch tauchte niemals auf, auch keine Eier als solche oder Butter in größeren Mengen. Eier und Butter wurde zwar beim Kochen zugelassen, aber so sparsam wie möglich und nur unter Protest, als kulinarische Hilfen denen man eingentlich nicht zusagte und die man bald aufgeben wolle. Käse war verboten. Milch und Sahne durften nur unter Vorbehalt gebraucht werden in Puddings oder im geringen Maße im Tee als Zugeständnis an die Schwäche Neu-Initiierter.“

Wir müssen uns natürlich bewusst machen, dass dies ja noch lange vor der Erfindung von Margarine war und noch lange bevor jemand im Westen etwas von Tofu oder Sojamilch gehört hätte. Die Veränderungen in der Ernährung waren zu der Zeit also ein noch größerer Schritt als heute, wo wir bereits eine pflanzliche Cuisine und die dazugehörigen Produkte vorfinden.

Es ging den Shelleys aber nicht bloß um das Essen oder um die Gesundheit. 1813 veröffentliche Shelley sein großes philosophisches Gedicht ‚Queen Mab’ (http://ia700803.us.archive.org/14/items/queenmabphilosop00shel/queenmabphilosop00shel.pdf), dem er als Vorwort seinen Text ‚A Vindication of Natural Diet’ (http://www.gutenberg.org/files/38727/38727-h/38727-h.htm, ‚Zur Verteidigung einer natürlichen Diät’) voranstellte. Im Gedicht ‚Königin Mab’ finden wir die folgenden Zeilen:

Nich länger nun schlachter er das Lamm, dass ihm in sein Gesicht schaut, nicht länger verschlingt er grauenhalft sein geschunden Fleisch; …

Die Gruppe blieb einige Jahre beisammen. Zwischenzeitlich heiratete William Lambes Tochter den Sohn von Mrs. de Boinville, doch bald löste sich alles auf und nur Mr. Lambe erscheint später wieder im Blickfeld.

***

Im Jahr 1817 wissen wir von James Pierrepont Greaves als einem der die pflanzliche Ernährungsweise für sich annahm, und soweit uns bekannt ist war das auch tatsächlich eine völlig pfanzlich-basierende Ernährung die er von Anfang an praktizierte. Über sein frühes Leben wissen wir nur, dass er irgendwann in London lebte als Nachbar des Herausgebers der Bücher die wir oben bereits erwähnten. Und so könnte es sein, dass er mit dem einen oder dem anderen dieser Veröffentlichungen inhaltlich vertraut gewesen ist. Greaves verbrachte mehrere Jahre in der Schweiz bei dem radikalen Pädagogen und sozialreformer Pestalozzi, und er plante bald eine eigene Schule in London zu eröffnen. Zuvor hatte er von einer Schule in Boston, USA, erfahren, zu deren Curriculum außer der Vermittlung der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männnern und antirassistischen abolutionistischen Gedanken auch eine ethisch motivierte Lebensweise zählte, die sich mit der Versklavung der Tiere befasste (http://www.vegsource.com/john-davis/bronson-alcott—american-pioneer-vegan.html); das war eine Lebensweise, die wir heute als eine vegane Lebensweise bezeichnen würden – den Begriff gab es damals aber selbstverständlich noch nicht. Die Schule in Boston, die Temple School, war von dem Lehrer und Philosophen Amos Bronson Alcott im Jahre 1834 gegründet worden.

Beeindruckt von dem erzieherischen Konzept der Bostoner Schule eröffnete Greaves nun seine eigene Schule in England und benante sie nach Alcott, so entstand ‚Alcott House’ im Jahr 1838 in Surrey. Heute wissen wir, dass es diese Gruppe gewesen ist, die sich zu allererst als „Vegetarier“ bezeichneten. Der erste gedruckte Gebrauch des Wortes ist uns aus dem Jahr 1842 aus einem Journal bekannt. Zu diesem Zeitpunk muss den Lesern der Begriff aber bereits geläufig gewesen sein. Inzwischen lässt sich auch zurückverfolgen, dass zu dem Zeitpunkt „vegetarisch“ noch eine 100%ig pflanzliche Ernährungsweise bedeutete. Man bemühte sich darum, das meiste der Früchte und des Gemüses selbst anzubauen und als Getränk wurde ausschließlich pures Wasser favorisiert – so wie das Dr. Lambe Jahre zuvor bereits empfohlen hatte. Lambe besuchte ‚Alcott House’ häufig und sah dort seine Ideen in die Praxis umgesetzt. Aus den überlieferten Dokumenten der Schule lässt sich ersehen, dass man die Zucht und Haltung von Tieren zum Zwecke ‚des Gebrauchs’ oder ‚der Unterhaltung’ strikt ablehnte, worin sich ebenso die ethische Begründung für ihre Lebensweise erkennen lässt.

Amos Bronson Alcott besuchte Alcott House vier Monate lang im Jahr 1842, und nahm zwei der dort Angestellen mit zurück auf seiner Heimreise in die USA, wo er mit ihnen eine weitere Gemeinschaft in der Nähe Harvards gründete, die er „Fruitlands“ nannte. Dieses Projekt war eher von kurzer Dauer. Auch dort wurde rein pflanzlich gegessen und der Einsatz vor Tierarbeit war verboten. Von der Tochter Alcotts, Louisa May Alcott (http://www.louisamayalcott.org/), wissen wir aus ihrem Buch ‚Little Women’, dass Alcott House 1848 schloss nach zehnjährigem bestehen.

Innerhalb dieser Zeit wurde im Jahr 1847 die Vegetarian Society gegründet. Zwei Angestelle von Alcott House arbeiteten anfangs als Schatzmeister und Sekretär für die Vegetarian Society. Doch hätte die Vegetarian Society bald aufegeben, wenn sie nicht den wohlhabenden James Simpson von der Bible Christian Church zu ihrem Präsidenten gewählt hätten. Leider brachte dieser Zug aber auch mit sich, dass die Version einer „vegetaliben Ernährungeseweise“ der Bible Christian Church übernommmen wurde, die nur bedeutete kein Fleisch zu essen. Die Vision der BCC speiste sich aus der bildichen Überlieferung ‚von Milch und Honig’ (und Eiern) die im gelobten Land flössen. Die darauf resultierende Verwirrung und Verwässerung des neu formierenten Gedankens einer ethischen Lebensweise die Tiere mit einbeschloss dauerte ein Jahrhundert lang an, bis eine Gruppe innerhalb der Vegetarian Society sich dazu entschied, eine klare Entscheidung zu treffen und so die Vegan Society 1944 gegründet wurde.

***

Auszug aus ‚Queen Mab’ von Shelley:

http://knarf.english.upenn.edu/PShelley/mab8.html

‘Here now the human being stands adorning

This loveliest earth with taintless body and mind;

Blest from his birth with all bland impulses,                     200

Which gently in his noble bosom wake

All kindly passions and all pure desires.

Him, still from hope to hope the bliss pursuing

Which from the exhaustless store of human weal

Draws on the virtuous mind, the thoughts that rise

In time-destroying infiniteness gift

With self-enshrined eternity, that mocks

The unprevailing hoariness of age;

And man, once fleeting o’er the transient scene

Swift as an unremembered vision, stands                           210

Immortal upon earth; no longer now

He slays the lamb that looks him in the face,

And horribly devours his mangled flesh,

Which, still avenging Nature’s broken law,

Kindled all putrid humors in his frame,

All evil passions and all vain belief,

Hatred, despair and loathing in his mind,

The germs of misery, death, disease and crime.

No longer now the wingèd habitants,

That in the woods their sweet lives sing away,                    220

Flee from the form of man; but gather round,

And prune their sunny feathers on the hands

Which little children stretch in friendly sport

Towards these dreadless partners of their play.

All things are void of terror; man has lost

His terrible prerogative, and stands

An equal amidst equals; happiness

And science dawn, though late, upon the earth;

Peace cheers the mind, health renovates the frame;

Disease and pleasure cease to mingle here,                        230

Reason and passion cease to combat there;

Whilst each unfettered o’er the earth extend

Their all-subduing energies, and wield

The sceptre of a vast dominion there;

Whilst every shape and mode of matter lends

Its force to the omnipotence of mind,

Which from its dark mine drags the gem of truth

To decorate its paradise of peace.’

Die Kommentierung Shelleys:

{17} VIII. 211, 212

No longer now

He slays the lamb that looks him in the face.

I hold that the depravity of the physical and moral nature of man originated in his unnatural habits of life. The origin of man, like that of the universe of which he is a part, is enveloped in impenetrable mystery. His generations either had a beginning, or they had not. The weight of evidence in favour of each of these suppositions seems tolerably equal; and it is perfectly unimportant to the present argument which is assumed. The language spoken, however, by the mythology of nearly all religions seems to prove that at some distant period man forsook the path of nature, and sacrificed the purity and happiness of his being to unnatural appetites. The date of this event seems to have also been that of some great change in the climates of the earth, with which it has an obvious correspondence. The allegory of Adam and Eve eating of the tree of evil, and entailing upon their posterity the wrath of God and the loss of everlasting life, admits of no other explanation than the disease and crime that have flowed from unnatural diet.Miltonwas so well aware of this that he makes Raphael thus exhibit to Adam the consequence of his disobedience […]

***

Zur Geschichte des Vegetarismus in Europa: http://www.ivu.org/history/vegetarian.html

Quellen:

http://www.vegansociety.com/feature-articles/prototype%20vegans.pdf

http://www.worldvegfest.org/index.php/blogs/john-davis/118-john-frank-newton-and-the-vegan-commune-of-1813

http://www.ivu.org/history/Vegan_History.pdf

http://www.ivu.org/history/societies/vegsoc-origins.html

Datum der letzten Zugriffe auf alle hier aufgeführten Links: 3. Mai 2013.

(Eventuelle typographische Korrekturen im Text werden noch vorgenommen.)

 

Der Lebenshof für Tiere Stellichte und das ein Taler Projekt

würde jeder einzelne auf nur einen einzigen Euro verzichten

Einen “Taler” hat wohl jeder hier in seiner Börse und statt sich dies oder das zu kaufen kann man durch einen Euro eine effektive Hilfe leisten!

Auf den Lebenshof für Tiere Stellichte in Walsrode sind wir über Twitter aufmerksam geworden.  Der Hof hat eine vegane holistische Philosophie und dort leben 130 gerettete Tiere. Der Einklang mit der Natur steht im Vordergrund, das heißt die Tiere finden hier einen wirklich geschützen Raum. Stellichte braucht unsere Untersützung für jetzt und für die Zukunft. Solche Projekte stehen für die Grundpfeiler des Veganismus, an solchen Orten findet Hilfe seine realste Form.

Der Lebenshof für Tiere, die Tierschutzgemeinschaft Stellichte e.V.

Besonders beeindruckend ist auch: Zur Finanzierung des Lebenshofes führt der Lebenshof Stellichte ein veganes Mittelalter-Restaurant: http://www.zauberkessel-walsrode.de

Der Begriff ‚Karnismus’ ist verwirrend, sagt Corey Wrenn

‚Karnismus’ ist verwirrend

Corey Lee Wrenn

Dieser Artikel ist im Examiner im Dezember 2012 erschienen: Carnism is Confusing.

Corey Lee Wrenns Uni-Profil http://central.colostate.edu/people/cwrenn/, Blog http://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ und bei Twitter https://twitter.com/CoreyLeeWrenn

Übersetzung: Palang LY

Dieser Text als PDF (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

In einem Interview auf der Seite Tierrechtseite ARZone hat Dr. Melanie Joy ihre „Karnismus“-Theorie besprochen, die sie definiert als eine unsichtbare Ideoligie des Fleischessens (im Orig. „meat“-eating). Einer der Gastgeber fragte Dr. Joy weshalb sie das logischere Konzept des Speziesismus ablehne. Ihre Antwort war, dass der Begriff Speziesismus „zu abstrakt“ sei und zu „verwirrend“, dass die meisten Leute hingegen verstehen würden wobei es beim „Karnismus“ ginge.

Ich muss sagen, dass mich diese Antwort vollständig verblüfft hat. Warum die Fixierung auf das Fleisch (im Orig. flesh)? Das Fleisch herauszupicken als das Problematischere ergibt schlichtweg keinen Sinn und es läuft auf nicht mehr hinaus als eine verbesserte Kampage für den Reduktionismus/Vegetarismus. Joy insistiert, dass der Begriff „Karnismus“ alle Tier-Produkte mit einbeschließe. Ich muss aber sagen, dass ich beim Lesen ihres Buches feststellen musste, dass dies an keiner Stelle klargemacht wird. Zudem gibt sie selbst in dem Interview zu, dass sie sich wenig auf die Themen Leder oder Wolle einlässt. Der Begriff „Karnismus“ schließt darüber hinaus Tierversuche, Haustiere und Tiere die zu Unterhaltungszwecken missbraucht werden aus.

Einer der Gastgeber fragte Joy ob sie meine, dass die Leute, die aus ihrer Vorträgen hinausgingen, das Konzept eher verstehen würden oder doch irgendwie verwirrt seien. (das war natürlich ein gezieltes Nachhaken – welcher Autor würde zugeben, dass seine Zuhörer durch seinen Vortrag konfus würden?) Joy antwortete, dass sie kein Problem damit habe wenn Leute verwirrt wären, die meisten Leute würde aber begreifen worum es ihr ginge. Ich bin mir sicher damit hat sie recht, denn der Vegetarismus wird als Konzept nun schon seit geraumer Zeit in unseren Kulturen weitläufig akzeptiert. Ihre These enthält nichts Radikales oder Neues.

Joy startete vor kurzem das „Carnism Awareness and Action Network“ – eine weitere welfaristische (1) Organisation die den Veganismus ins Abseits rückt, willkürlich definierten Reduktionismus fördert und von einer Webseite mit nicht zu übersehenden Spende-Buttons begleitet wird. Klare antispezisistische Botschaften lehnen Spenden grundsätzlich ab – sobald eine Organisation sich proffesionalisieren will, werden die Spenden für sie überlebensnotwendig. Der Veganimsus wird auf der Seite des Netzwerks wenig erwähnt – aber Joy versichert uns, dass er das implizierte Gegenteil zum Karnismus darstelle.

Joys Argument ist, dass der Begriff „Karnismus“ es für Leute „so einfach wie möglich“ machen würde, selbst für den Dümmsten. Sie behauptet, dass der Begriff Speziesisimus (das Korrelativ zu Rassismus, Sexismus, Heterosexismus, Abelismus [Behindertenfeindlichkeit], Ageismus [Altenfeindlichkeit] und Ethnozentrismus) einfach zu verwirrend sei. Zugleich macht sie aber auch nur selten die Wichtigkeit des Veganismus klar … oder warum die Ausbeutung von Tieren zu anderen als zu Lebensmittelzwecken probelmatisch ist … oder auch warum die Ausbeutung von Tieren zur Verwendung ihrer Haut, Milch oder Eier in inheränter Weise mit der Tiertötung für das Fleisch verbunden ist.

Ich kann mir kaum vorstellen wie ihr „Karnismus“-Gedanke verwirrender sein könnte. Sich mit dem Leiden von Tieren zu befassen, während man gleichzeitig an ihrer Ausbeutung teilnimmt, braucht kein neues Label. In der Sozialpsychologie bezeichnet man dies als kognitive Dissonanz und es ist eine Folge von Speziesismus und Oppression.

Diese intentionierte Verwirrung wird durch einen Artikel den Joy kürzlich im Online-Magazin One Green Planet veröffentlichte verschlimmert. Dort spielte sie die wachsende Kluft zwischen dem abolitionistischen Veganismus (2) und dem redukionistischen Welfarismus herunter. In ihrer Arbeit lehnt sie natürlich den Abolitionismus Gary Franciones ab und sie blendet den Veganismus aus. Die wichtigen Kritikpunkte, die der Abolitionismus gegen ihr welfaristisches Werk einzubringen hat anzuerkennen, würde ja schließlich auch ihre überflüßige „Karnismus“-Theorie unterminieren. Wie viele Welfaristen verteidigt sie vehement die kontraproduktive und letztendlich grauenhafte Arbeit der Reformen (A.d.Ü. in der Tierhaltung) und das Vegan-Bashing und sie porträtiert Abolitionisten in negativen Zügen um uns abzutun. Und das züchtigende Label des „Spaltertums“ wird nun wirklich auch langsam alt, muss man dem hinzufügen. Wir sind polarisierend, aber nicht in dem Sinne wie Joy es behauptet. Die Abolitionisten sehen Joy, und andere wie sie, als Zahnräder im Machinengetriebe der Industrie welfaristischen Tierschutzes, der von den Tierrechten fundamental zu unterschieden ist. Unsere Spaltung von derer Korruptheit tut und in keinster Weise leid.

Lasst den Jargon hinter Euch, gebt den Vegetarismus auf und streitet in einer einer klaren, ehrlichen und geradlinigen Weise für den Veganismus. Vermanschte Herangehensweisen auf einen Reduktionimus helfen unserer Bewegung nicht. Und bitte, wenn ihr Tieren helfen wollt, dann braucht ihr dazu nicht zu spenden, sondern werdet vegan und engagiert euch.

Leseempfehlungen der Autorin:

(1) A.d.Ü. der Welfalismus bezeichnet im Tierschutz eine „Verbesserung“ von Tierhaltungsbedingungen in den Agrarindustrien, ohne einen rechtlich veränderten Status der Tiere mit Hinsicht auf deren Rechte auf Leben, Freiheit usw.

(2) A.d.Ü. Die abolutionistische Tierrechtsbewegung, die durch die Rechtstheorien des Juraprofessors Gary L. Francione angestoßen wurde, setzt sich als Ziel durch Aufklärung und die praktizierte vegane Lebensweise zur Abschaffung des Status nichtmenschlicher Tiere als „verwendbarem Besitz“ in unseren Gesellschaften zu gelangen.

Corey Lee Wrenns Rezension von ‚Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen’ von Melanie Joy:

Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows: A critical review

http://www.examiner.com/article/why-we-love-dogs-eat-pigs-and-wear-cows-a-critical-review

An der Ideologie von Tierausbeutung gibt es nicht “unsichtbares“ – Gary Francione diskutiert über die Probleme, die sich an den Begriff des Karnismus anbinden:

There Is Nothing “Invisible” About The Ideology Of Animal Exploitation

http://www.abolitionistapproach.com/there-is-nothing-invisible-about-the-ideology-of-animal-exploitation/#.UY-99bX-He8

Mit der freundlichen Genehmigung der Autorin. Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen. Stichworte: Karnismus Kritik

Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 4

Palang LY

Biodiversität schützen

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Die rote Liste gefährdeter Arten der International Union for Conservation of Nature (IUCN auch World Conservation Union genannt, http://www.iucnredlist.org/) zeigt, dass 18% aller Vertebraten (Wirbeltiere), die im Jahr 2002 in deren Unteruchungen mit einbezogen wurden, vom Aussteben bedroht sind. Betroffen sind 24% der Säugetiere und 30% der Fische. Auch gelten 49% der erfassten Pflanzenarten als vom Aussterben bedroht. Man geht davon aus, dass die gegenwärtige Rate des Artensterbens 1.000 bis 10.000 mal höher liegt als sie das unter natürlichen Umständen wäre, d.h. ohne den zerstörerischen Enfluss der Menschheit auf die Biospäre [1].

Statistiken wie diese lassen viele Umweltexperten zu der Folgerung kommen, dass wir hier der Problematik eines präzedenzlosen Massenausterbens gegenüberstehen. Man kann in der Tat von einem Speziezid sprechen, von einer massenhaften Annihilierung von Leben auf einer Grundlage biologisitischer Argumentationen. Die Vernichtung anderer Arten hat eine ganz eigene und andere Tragweite als innermenschliche Konflikte, aber auch das Töten oder das provozierte Aussterbenlassen von Arten ist eine Frage der Verletzung von Lebensrechten, seien dieser Lebensrechte auch Gegenstand von nicht endenwollenden Anfechtungen. Hier geht es um schieres ethisches Versagen.

Was uns aus veganer Sicht an dieser Stelle auch Sorgen machen muss, ist die Auswirkung des Artensterbens, d.h. des Verlusts genetischer Diversität, in der Pflanzenwelt, die die Nahrungsmittelsicherheit und den Welthunger, die Nachhaltigkeitsplanung insgesamt also indirekt mitanbetrifft. Das durch den Menschen verursachte Aussterben biologischer Diversität verursacht Parallelprobeme, deren Ausmaß wir heute noch kaum abschätzen können.

Nur eins ist klar, dass wir als VeganerInnen in wirklich jedem Punkt dazu aufgerufen sind, den Prozessen von Naturvernichtung entgegenzuwirken. Durch unsere Lebensweise tun wir den wesentlichsten Schritt dazu.

Menschen zerstören Lebensraum

Die Zerstörung von Lebensraum ist der Faktor, der als Hauptverursacher gilt für das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten. Entwaldung, Landdegradation und die Intensivbewirtschaftung zu Argarzwecken sind die Vernichter der Ökosysteme, und gerät ein  Ökosystem einmal aus seinem Gleichgewicht, so ist auch in sekundärer Folge mit einem massiven Verlust von Biodiversität zu rechnen.

Ein von der FAO der UN, dem USAID (United States Agency for International Development) und der Weltbank in Auftrag gegebener Bericht zum Stand der Umweltzestörung durch die Tieragrarkultur zog den Schluss, dass die industrielle Viehzucht zum Verschwinden der Artenvielfalt beiträgt durch die „dafür gebrauchte Versorgung mit konzentrieren Futtermitteln, der die Verwendung von Land angepasst werden muss und Ernteertäge erhöht werden müssen. Die Produktion von Getreidefutter insbesondere ist Ursache für eine zusätzliche erhöhte Belastung der Biodiversität, durch den damit einhergehenden Lebensraumverlust und die Schäden an der Funktionsweise der Ökosysteme.“ [2]

Tropische Regenwälder, obgleich sie bloß 10% der Erdoberfläche bedecken, beherbergen fast 90% aller Tier- und Pflanzenarten von denen viele bislang unerforscht sind. Die Zerstörung von bewaldeten Gebieten zum Zwecke der Futtermittelversorgung für Farmtiere ist der Grund für den Verlust tropischer Artenvielfalt. Zu anderen Faktoren, die das Artensterben mitverursachen gehören die Umweltverschmutzung, der Klimawandel (Veränderungen in den Charakteristiken regionaler Klimata, der Temperatur, Feuchtigkeit, Regenfälle, Wind und Extremwetterlagen), die globale Erwärmung (die Gesamterwärmung des Planeten) und die durch den Menschen verursachten biologischen Verschiebungen durch transgeographisch eingeführte Arten.

„Die Viehzucht spielt eine wesentliche Rolle in der gegenwärtigen Krise für die Biodiversität. Sie ist verantwortlich sowohl direkt wie auch indirekt für die Verursachung von Biodiversitätsverlust, auf lokaler wie auch auf globaler Ebene“, so der United Nations FAO Bericht von 2006. [3]

Die vegane Lebensweise bricht die wesentlichen Ursachen des circulus vitiosus der herrscht zwischen der Zerstörung der Artenvielfalt auf der einen Seite und der Negierung der Lebenswürde und der Tötung domestizierter Tierarten auf der anderen Seite. Der Veganismus schafft das durch die Betätigung des mit Sicherheit wirksamsten Hebels: durch den Verzicht auf den Konsum tierischer Produkte und die Absage an den Speziesmus. In ihrem Gesamtpotenzial beinhaltet die vegane Lebensweise eine gigantische Palette an Chancen eine ökologisch verträglichere Gesellschaft zu gestalten.

Biodiversität ist keine pure Funktionserfüllung

Wir sollten nicht vergessen, dass es beim Schutz von Biodiversität nicht einfach um ökologische Funktionen geht, die durch Arten in der natürlichen Welt eingenommen werden. Artenvielfalt ist „Natur“ selbst in ihrer intaken Form. Die Lebewesen haben ihre Heimat und ihren eigenen uns vielleicht niemals wirklich ergründlichen Sinn und so auch ihre eigenen Rechte innerhalb ihrer Welt, die die Natur für sie darstellt.

Das Gleichgewicht eines Ökosystems mit seinen Tieren und Pflanzen, und das eines ganzen natürlichen geographischen Gefüges, mitsamt eines dort herrschenden Klimas, hat sich über einen unvorstellbar langen Zeitraum entwickelt, in einer Facettenhaftigkeit, die Menschen künstlich nicht nacherzeugen können. Die natürliche Welt ist unfassbar komplex.

In jedem Lebensraum sollte die Komplexität der natürlichen Welt zugelassen werden, und diese Komplexität muss in jeder nur machbaren Weise geschützt werden.

Hortikultur als Lebens- und Naturraum

Ein tiefgreifendes Problem ist das der Gestaltung neuer Lebensräume. Gebraucht werden die großen Reservate, die Schutzhöfe / Lebenshöfe, in denen Tiere und die Pflanzenwelt ihren Platz zurückgewinnen. Wenn es um den normalerweise Flächenmäßig kleineren Privatbesitz von Land geht, dann stellt sich die Frage nach der Möglichkeit Gartenkultur zur Lebensraumkultur für Fauna und Flora als Option im Umweltschutz zu entdecken; selbst Kleinstlebensräume können Platz bieten für Diversität.

Solche Lebensräume müsssen Naturräume sein in denen nicht alles der Nutzbarkeit für den Menschen untergeordnet wird, sondern Freiraum für tierliche und pflanzliche „Wildnis“ herrscht.

Die Permakultur bietet hier nicht ganz die optimale Lösung, denn sie ist, auch im Falle dass die vegan betrieben wird, eine Anbauvariante und fällt dann in den Bereich veganer Landwirtschaft (also in ein anderes separat zu behandelndes und auch komplexes Kapitel).

Wovon hier die Rede ist, ist die Suche nach der richtigen Einstellung zur Notwendigkeit Naturfläche zur Verfügung zu stellen und adäquat zu pflegen: Naturfläche in der Tiere und pflanzliche Natur Platz haben für sich selbst. Und der einzige Zugriff, den der Mensch hier ausüben würde ist der, das Ganze zu erhalten.

Fortsetzung folgt …

[1] European Commission, Environment, Nature & Biodiversity, What is Biodiversity? http://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/intro/index_en.htm, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

[2] C. de Haan, H. Steinfeld, H. Blackburn, Livestock & the environment: Finding a balance, Report of Study by the Commission of the European Communities, the World Bank and the governments of Denmark, France, Germany, The Netherlands, United Kingdom and The United States of America, Chapter 4: Industrial livestock systems & the environment, http://www.fao.org/docrep/x5303e/x5303e0c.htm, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

[3]Food and Agriculture Organization of the United Nations, Livestock’s Long Shadow, Environmental Issues and Options,Rome, 2006, S. 182, http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

 

Vorschau 2013 Veganismus @ NiceSwine.info

In unserer Reihe “VEGANE READER” werden die nächsten Beiträge sich fortlaufend befassen mit veganem Umweltschutz und Naturbewusstsein. Soweit haben wir drei Beiträge zu dem Thema verfasst, die in der Kategorie DISCUSSING VEGANISM IN GERMAN abrufbar sind. Schwerpunkte dabei waren soweit:

Der vegane ökologische Fussabdruck:

  1. omnivor versus vegan
  2. eine vegane Ökologie
  3. Lebensräume erhalten und schaffen

Daraufhin wollen wir insbesondere nochmal vertiefen:

  1. vegane Kinder / eine vegane Kindheit
  2. vegane Senioren / Alter und Vegansein

Zwei Themenbereiche, die uns sehr wichtig erscheinen und die, wie wir meinen, besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.

Es scheint fast überflüssig, aber dennoch wollen wir noch einmal betonen, wie wichtig es ist sich als VeganerIn mit ökologischen Themen aus verschiedenerlei Hinsicht, insbesondere ethischer Hinsicht, zu befassen. Es gäbe keine Tiere, gäbe es keine Natur. Lebensraum heißt auch Raum für Freiheit.

Unsere Konsum-Demokratien (das müsste eigentlich ein Widerspruch in sich sein, ist es aber nicht) sind so weit, dass man sich ein bisschen Natur erkaufen muss, durch eine (zumeist umweltbelastende) Urlaubsreise oder den “Luxus” sich einen Garten oder ein “Stück” Land leisten zu können.

Die Dreh- und Angelpunkte (es gibt gewiß mehrere) in Sachen Veganismus und Tierrechte, sind die Definitionen und die Verständnisvarianten dessen, was “Natur” ist. Über das Bewusstsein für die Notwendigkeiten einer intakten und geschützten Natur können schließlich Fragen über Erdrechte geklärt werden. Und Tier- und Menschenrechte sind faktisch abhängig von der Unversehrtheit einer intakten Natur.

Wenn der Veganismus aufklären will über den Schutz tierlichen Lebens, wird man nicht vermeiden können, sich mit dem Thema “Natur” neu – und aus veganer Sicht – zu befassen.

Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 3

Palang LY

Tierrechte, der Schutz der Artenvielfalt und Schutzhöfe für unsere „domestizierten“ Tierfreunde

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Unser Veganismus hat vor allem eines zum Ziel: den Schutz von Tierindividuen und den Erhalt von Tierpopulationen in der Freiheit. Mit Hinsicht auf diese beiden Tiergruppen werfen sich zweierlei Fragen auf. Einerseits besteht die dringende Frage danach, wie die natürlichen Lebensräume von Tierpopulationen erhalten werden können und andererseits muss Lebensraum wiederhergestellt oder tatsächlich neu geschaffen werden. Was ist nun die beste Herangehensweise um solchen Problemen konstruktiv und effektiv zu begegnen?

Lebensräume erhalten, Lebensräume schaffen

Eine genaue Zahl wieviel Tierspezies es auf der Erde eigentlich gibt ist nicht zu ermitteln. Diese Unzählbarkeit ist auch gegeben durch die unterschiedlichen Habitate in denen Tiere leben und die wir noch nicht alle bis in jeden Winkel durchkämmt oder aber auch zerstört haben. Die faszinierende Artenvielfalt geht bis hin zu den Kleinstlebewesen, so macht die Insektenwelt allein den mit Abstand größten Teil der von uns unendeckten Tierwelt aus. Und so klein ein Wesen in seinem Lebensraum auch sein mag, so wichtig ist die Beziehung eines jeden Tieres mit seiner natürlichen Umwelt, denn all das Leben gemeinsam bildet ein in sich geschlossenes und funktionierendes Ökosystem.

Die durchschnittliche Schätzung über die Zahl verschiedener Tierarten liegt bei etwa 10 Millionen. Davon sind etwa 1,4 Millionen erfasst, und nur eine kleine Prozentzahl der erfassten Arten wurde bislang auch erforscht und genauer klassifiziert. Für die Tierindividuen ist es oft besser unentdeckt zu bleiben, denn die Erforschung einer Art bringt immer noch mit sich, dass das Tier als ein biologisches Objekt untersucht wird, in seiner Anatomie, seinem Verhalten, dem, was man an seiner Gattung als stereotypes Verhalten (z.B. Brut- und Fressverhalten, seine kognitiven Fähigkeiten) ethologisch beschreiben kann.

Was die Tiere – ob erfasst oder unerfasst – wirklich ausmacht ist das, was sie in ihrem  Lebenskontext mit einer natürlichen und freien Umwelt sind. So müssten wir sie um sie wirklich zu verstehen weitestgehendst in Ruhe lassen, uns ihnen mit unseren menschlichen Erfassungwünschen nicht aufzwängen und vor allen Dingen die Umwelt überhaupt erst einmal gar nicht zerstören. Wir müssen die Umwelt schützen oder wiederherstellen soweit das möglich ist und gegen all die Wiederstände die bestehen.

Für eine Tierspezies als Tiergruppe kann es allerdings auch von Vorteil sein wenn sie erfasst ist und erforscht wird, und zwar allein dem einen Sinne, dass sie unter Umständen als gefährdet gilt und so einen Schutzstatus erhält. Schwierig wird es wenn die Tiere die geschützt werden sollen in die Captive Breeding Programme zur arterhaltenden Nachzucht geraten, denn das heißt auch, dass sie damit der Handhabe durch zoologische Projekte ausgeliefert sind und ihre tierliche gänzlich Autonomie verlieren [1].

Die sogenannten „Nutztiere“ – die Tiere denen per Definition angehängt wird sie seien dazu geboren um ausgebeutet zu werden –, machen etwa 20 % der gesamten „Tier-Biomasse“ der Welt aus (so die biopolitische Bezeichnung von Organisationen wie der FAO, der Food and Agriculture Organization der UN). Das Land, das die „Tier-Biomasse“ der „Nutztiere“ nun zwangläufig besetzt, ist selbstverständlich das Land, das zuvor von wildlebenden Tieren als deren Lebensraum genutzt wurde. [2]

Der Veganimus kann im Bezug auf die Problematik beider Tiergruppen (der wildlebenden und der „domestizierten“ Tiere) Lösungen bieten

Die grüne Bewegung konzentriert sich eher auf die Biodiversität wildlebender Tiere und den Schutz ihrer Lebensräume, während die ethischen Belange „domestizierter Nutztiere“ konzeptuell den Vorstellungen agrarwirtschaftlicher Interessen und den Interessen von „Verbrauchern“ untergeordnet bleiben sollen. Dahinter verbirgt sich, wenn auch nicht unbedingt in einer offen vorgetragenen oder sogar ganz bewussten Weise, Der Gedanke des Menschen als „Jäger und Sammler“ und der Wunsch nach einer Neuerweckung dieses nostalgischen Ideals eines vermeintlichen Einklangs mit der Natur nach altertümlicher Vorstellungsweise, die in der amerikanischen ‚Deep Ecology’-Bewegung, dem Vorgänger der Grünen Bewegung, ihre Wurzeln hatte.

Der Veganismus hingegen setzt sich außer mit dem konsequenten Schutz wildlebender Tiere (einschließlich der Ablehnung der Jagd) und ihrer Lebensräume, auch mit dem Schutz und den notwendigen Rechten der sog. „Nutztiere“ auseinander. Also auch mit den Rechten der Tierindividuen und Spezies, deren Repoduktivsystem kotinuierlich missbraucht wird, allein damit der Mensch die tierliche körperliche Existenz herabwerten und das Tiersein überhaupt herabwürdigen kann.

Die allgemeine Ethik des Veganismus etabliert ein Bewusstsein, sowohl für die Rechte wildlebender- als auch „domestizierter“ (versklavter) Tierindividuen und Tierarten, und der Weg, der zur effektiven Einflussnahme begangen wird, liegt in der Ablehnung des Konsums tierischer Produkte und Nebenerzeugnisse. Darüber hinaus wird alles was Tieren schadet und ihnen schaden könnte in kritischer Form erkannt und zum Gegenstand aufklärerischer ‚infomation flows’.

Schutz! Realisierbare Schritte und ferne Utopien

Schutzräume zu schafffen, die weitesgehendst frei und wo nötig auch bewacht sind, und die den Tieren gewährleisten, dass Menschen keinen intrusiven Zugang auf ihre körperliche Integrität haben, sind ein Baustein in der veganen Vision, die sich heute in der Form von ‚Animal Sanctuaries’ / Schutzhöfen oder Lebenshöfen zunehmends etabliert. Die Umweltfrage beinhaltet aus veganer Sicht politisch auch die Frage der Tierrechte.

Festzuhalten als Ziele des ethischen Veganismus sind:

1.) Gefährtete Tierarten, Tier-Diversität, muss in der Freiheit geschützt werden, und die freien Lebensräumen müssen erhalten und wiederhergestellt werden.

2.) Domestizierte Tiere dürfen nicht zu den Sündenböcken der Biopolitik spezisitischer Unterdrücker gemacht werden. Ihnen müssen Schutzhöfe geschaffen werden, mit dem letzendlichen Ziel der Auswilderung oder der permanenten Beheimatung in Schutzgebieten der in ferner Zukunft „übrigen“ Tierindividuen und Tiergruppen.

3.) Zoos müssen durch Rehhabilitationszentren und den Schutz in freien Reservaten ersetzt werden.

Dies nun sind implizite Punkte des Veganismus, die sich explizit so nicht auf irgeneiner Liste zusammengestellt finden, aber in den verschiedenen ideellen Botschaften und Zielsetzungen veganer Projekte als angenommene ethische Selbstverständlichkeiten hervorgehen.

Fortsetzung:

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck wenn Du vegan lebst? Teil 4. Biodiversität schützen.

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_4.pdf

[1] Zoos geben einen lebensbejahenden Sinn vor indem die Präsentationen der verschiedenen Tierarten als Kontrast dienen sollen zu einer anthropozentrisch homogenen und monokulturhaften Welt. Siehe: R. Acampora, Off the Ark: Restoring Biophilia, Metamorphoses of the Zoo: Animal Encounter After Noah, ed. Ralph R. Acampora, 2010, S. 1. Zur Diskussion der ethischen Problematik zoologischer Gärten siehe auch: Ralph R. Acampora, Extinction by Exhibition: Looking at and in the Zoo, Human Ecology Review, Volume 5, Summer 1998, Number 1, 1998. http://www.humanecologyreview.org/pastissues/her51/51acampora.pdf letzter Zugriff vom 7. Dezember 2012.

[2] FAO, Agriculture and Consumer Protection Department, Spotlight / 2006, Livestock impacts on the environment, http://www.fao.org/ag/magazine/0612sp1.htm, letzter Zugriff vom 7. Dezember 2012.

 

Der vegane ökologische Fußabdruck. Teil 2

Gita Yegane Arani-Prenzel

Wie groß ist Dein ökologischer Fußabdruck wenn Du vegan lebst?

Teil 2

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Eine vegane Lebens- und Ernährungsweise bringt viele ökologische Vorteile mit sich. Dennoch, wer vegan ist, sollte sich über die größeren Zusammenhänge, über Ursachen und Wirkungsweise von Umweltzerstörung und Speziesismus Gedanken machen und seinen Lebensstil auch gemäß seiner neu gewonnenen Erkenntnisse korrigieren. Ein weitreichendes, umfassendes Denken ist nötig, um geringere Schäden anzurichten als man es mit seiner gegenwärtigen Lebensweise vielleicht noch tut. Denn sogar die potenziell pazifistischste aller Lebensweisen, die vegane Lebensweise, kann immer noch optimiert werden!

Von der Schaffung einer veganen Ökologie

Die Fleischproduktion hat sich seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges vervierfacht. Das war in dem Zuge, in dem die volle Industrialisierung der „Nutztier“-haltung und die moderne Tier-Agrarindustrie entstanden. Heute wächst der Bedarf für tierische Produkte in den Großnationen wie China und Indien in einem unabsehbaren Maße; dort, wo die Mittelklasse einen „typisch westlichen“ Lebensstil noch für etwas Nachahmenswertes hält. Auf der anderen Seite sehen wir Nahrungsmittelknappheit, Mangelernährung und Hunger in großen Teilen der Welt. Wir sind konfrontiert mit der globalen Erwärmung, dem Klimawandel, der Verschmutzung der Umwelt durch Abfälle und Gifte. Die Zerstörung ökologisch hoch komplexer Gleichgewichte, die wir Menschen durch beinahe alle Bereiche unseres täglichen Lebens verursachen, ist allgegenwärtig. Wir bezeugen die Rate der Entwaldung auf den Kontinenten, die wachsende Wasserknappheit und die Auslöschung von Spezies. Und all das geschieht hauptsächlich, weil Land zum Anbau von Futtermitteln gebraucht wird, um den unerschütterlichen Hunger der Menschen für Fleisch, Milch und Eier zu stillen, und um Industrien aufrecht zu erhalten, die sich von Tierprodukten als billiger und selbstverständlicher Ressource wirtschaftlich abhängig gemacht haben.

Es gibt keine ökologisch vernünftige und realisierbare Gleichung, die den Bedarf der großen Konsumnationen und derer marktwirtschaftlichen Mechanismen und andererseits notwendiges Menschenrecht weltweit miteinander vereinbar werden ließe. Die Menschheit vernichtet durch ihren Zwang zur Umweltzerstörung ihre eigene Lebensgrundlage durch Produktions- und Konsumprozesse. So befinden wir uns inmitten der größten kulturgeschichtlichen Aporie, der die Menschheit sich, in ihrem Exklusivheitsstatus, mit dem sie sich von der Natur abzugrenzen suchte, je selbst ausliefern konnte.

Wir als Veganer_innen sollten unsere Negativauswirkung auf die natürliche Umwelt, die nichtmenschlichen Tiere und die soziale Menschenwelt in allen Aspekten stetig zu reduzieren suchen und weiterhin abwägen, was für die Welt wirklich beiträglich ist und sein könnte. Wir sollten uns nicht unüberlegt treiben lassen durch das, was die Gesellschaft und das eigene Fortkommen gerade von uns zu verlangen scheinen. Veränderungen müssen auf allen Ebenen geschehen.

Das Autofahren auf das Nötigste zu reduzieren, Wasserverschwendung zu meiden, energieeffizienter die Abläufe im Haushalt und Draußen planen, Urlaub neu zu definieren und sich nicht einfach in den Flieger zu setzen, das sind alles Schritte die wir tun sollten. Was wir als „Standard“-Veganer aber auf jeden Fall schaffen – und das ist zweifellos der Punkt größter ethischer Relevanz – ist den grundsätzlichsten Beitrag zum Schutz unserer Umwelt zu leisten, durch unsere pflanzliche Ernährungsweise. Tier-, Menschen- und Erdrechte gehören zusammen und diese Zusammenhänge in unserem täglichen Leben und unseren täglichen Entscheidungen zu berücksichtigt sollte unser fortlaufendes Ziel sein.

Vegan zu leben wirkt dem Welthunger entgegen

Die FAO (die Food and Agriculture Organization der UN) erklärt in einem Bericht von 2005, dass mehr als fünf Millionen Kinder jedes Jahr an Hunger sterben. Man rechnet damit, dass sich die Zahl der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 von 6 Milliarden auf 9 Milliarden Menschen erhöhen wird. Eine der zentralsten Fragen des 21. Jahrhunderts wird sein, wie die Menschheit sich in Zukunft ernähren will oder kann.

Die Verfügbarkeit anbaufähigen Landes ist eines der Haupthindernisse in der Nahrungsmittelerzeugung. Die Welt hat nur ein begrenztes Maß an Land, das zum Anbau eingesetzt werden kann. Es ist daher also entscheidend, wie solches Land bestellt wird um damit ausreichend Menschen versorgen zu können.

Die typische Ernährungsform des Westens, die primär auf tierischen Produkten basiert, spielt eine wesentliche Rolle dabei, dass Menschen in den ärmeren Regionen der Welt der Zugang zu ausreichend und gesunden Lebensmitteln verwährt ist. Die Funktionsweisen der Tieragrarindustrie und des Marktes sind komplex und schwer durchschaubar, aber die Zusammenhänge zwischen Welthunger, Mangelernährung und der Tierausbeutung durch die Agrarindustrien bestehen.

Feststeht, dass unterschiedliche Studien aufzeigen, dass die vegane Ernährungsweise (und die vegane Lebensweise insgesamt in ihrem Verzicht auf alle tierischen Produkte un Nebenerzeugnisse) nur ein Drittel der Anbaufläche bedarf, als das für die typische westliche tierprodukt-dependente Lebensweise nötig ist.

Fruchtbare Äcker und intaktes Land

Zu Gründen für die gefährliche Bodendegradation zählen die Überweidung zu 35%, die Entwaldung zu 30% und landwirtschaftliche Vorgehensweisen zu 27%. [1] Diese Schädigungsursachen sind direkt oder indirekt verbunden mit dem Verbrauch tierischer Produkte.

Das World Recources Institute (WRI, http://www.wri.org/) erklärt, dass fast 40% der Agrarlandfläche weltweit ernsthaft degrativ geschädigt sind. Das International Food Policy Research Insitute (IFPRO, http://www.ifpri.org/), das sich mit nachhaltiger Nahrungsversorgung und Welthunger befasst, geht davon aus, dass wenn Land und Anbaufläche weiter wie im gegenwärtigen Maße geschädigt werden, zusätzliche 150 bis 360 Millionen Hektar Land bis zum Jahr 2020 nicht mehr zum Anbau nutzbar sein werden. [2]

Der Zuwachs der Weltpopulation ist somit nicht der einzige Faktor, der in Betracht gezogen werden muss, wenn Prognosen für die zukünftige Nahrungsmittelsicherheit gestellt werden. Die Fläche fruchtbaren Landes, das zum Anbau von Ernten eingesetzt werden kann, verringert sich zunehmends, und die Weiterführung intensiver Produktion auf bereits geschädigtem Land stellt keine nachhaltige Lösung dar.

Der Teufelskreis der unvermeidlich entsteht, ist der, dass Menschen wegen weniger fruchtbarer Böden die Bestellflächen ausdehnen müssen. Die damit einhergehende Entwaldung verursacht eine weitere Verschlechterung der Böden. Ein circulus vitiosus und Gipfel unserer allein nutzungsorietierten landwirtschaftlichen Praktiken.

Eine vegane Ökonomie sollte idealerweise bedarfs- statt gewinnorientiert sein, und statt blindem Konsumentenverhalten, sollte eine Ausrichtung auf die natürlichen Notwendigkeiten und der Einklang mit der natürlichen Welt angestrebt werden. Die Natur, statt die durch den Konsum angeregten Lebensfiktionen, sollte zum Fokalpunkt im Realitätsbewusstsein der Menschen werden. Ein veganer Lebensstil und ein neues ethisches Denken, das den Veganismus als Idee umfasst, können dabei wirksam helfen, die weitere Zerstörung wertvollen fruchtbaren Landes und der Natur zu verhindern.

Keine kompromittierenden Kompromisse und kein Flexitarismus können helfen

Spätestens seit dem United Nations FAO Bericht von 2006 gilt speziell auch die Geflügelindustrie als besonders umweltgefährdend, nicht zuletzt weil sie ein noch stark anwachsender Zweig der tierausbeutenden Industrien darstellt. [3] [4]

Die Wahl der bevorzugten Tierspezies zum Verzehr und zur Ausbeutung und die pervertierte “artgerechte” Perfektionierung in den Voraussetzungen zur Haltung von nichtmenschlichen Tieren, spiegeln einen prinzipiellen fortlaufenden Versuch das alte Bild und stereotype Ideal vom Menschen als omnivor-carnivoren Prädatoren und Jäger und Sammler zu retten, statt sich über die gegenwärtigen ökologischen Notwendigkeiten tatsächlich Gedanken zu machen. Die Vernunft und das Bewusstsein, die es braucht um über die ethische „Miteinanderschaft“ von Mensch und Tier in der natürlichen Welt  nachzudenken, sind in unseren Kulturen noch immer weitestgehend unterentwickelt.

Wälder retten

Wir alle brauchen Wälder zum Leben, in jeder Hinsicht. Sie sind unsere Lungen, sie schlucken enorme Massen an Kohlendioxid und spenden dafür Sauerstoff, sie regulieren die Klimaverhältnisse, schützen vor Überflutungen, schützen kostbare Böden und beheimaten Millionen verschiedener Tierarten/Tierindividuen und beherbergen ihre unglaublich reichen und faszinierenden Pflanzenwelten und Welten anderen organischen Lebens. Auch das Fortbestehen Tausender indigener Völker hängt vom Schutz ihrer Heimatwälder ab. Aber der Wald wird rapide zerstört, ohne jegliche Möglichkeit das, was der Welt, den Tieren und den Menschen dadurch verloren geht, jemals wiederherzustellen.

Wie das, was wir auf unseren Tellern haben einen effektiven Unterschied macht, auch in Sachen globaler Entwaldung

Außer dass Abholzung geschieht wegen der Gewinnung von Holz, Papier und Brennstoffen, findet die Entwaldung auch statt um Weideland zu gewinnen und für den Futtermittelanbau für diejenigen Tiere, die permanent oder überwiegend in Agrareinrichtungen in Hallen oder anderen Einsperrungssystemen gehalten werden.

Schätzungen des World Recources Institute gehen davon aus, dass 20-30% der einstig bewaldeten Landfläche der Erde bereits der Agrarkultur weichen mussten und für Agrarzwecke abgeholzt wurden. Da das Agrarland aber zunehmend geschädigt ist, muss zur Ersetzung der depletierten Flächen wiederum eine weitere Entwaldung stattfinden.

Die Ausweitung von Agrarland ist für mehr als 60% der weltweiten Entwaldung verantwortlich. Das meiste dieses erschlossenen und genutzten Landes wird zur Fütterung von Rindern zu Agrarzwecken benutzt. Der UN FAO Bericht ‚Livestock’s Long Shadow’ hält fest, dass „bis zum Jahr 2010 Rinder auf etwa 24 Millionen Hektar neotropoischen Landes grasen werden, das im Jahr 2000 noch bewaldet war.“ [6] Dieser Prozess wird zynischer- und grausamerweise als die „Hamburgerisierung“ der Wälder bezeichnet – in den USA nennt man „Hackfleisch“ umgangssprachlich auch „Hamburger“.

Die vegane Lebensweise kann durch ihre Praxis und Ethik wesentlich dazu beitragen, die Ausbeutung des Reproduktivsystems nichtmenschlicher Tiere zu bekämpfen und damit einhergehend auch die Wälder der Welt zu schützen.

Die natürliche Integrität der nichtmenschlichen Tiere und der Natur müssen zusammen geschützt werden um zu einer vernünftigen Sinngebung unserer eigenen Existenz in der Welt zu gelangen.

Fortsetzung

Der vegane ökologische Fußabdruck. Teil 3. Tierrechte, der Schutz der Artenvielfalt und Schutzhöfe für unsere „domestizierten“ Tierfreunde

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_3.pdf

Quellen

[1] United Nations Environment Programme, GEO: Global Environment Outliook, Land degradation, http://www.unep.org/geo/geo3/english/141.htm letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[2] News & Views – A 2020 Vision for Food, Agriculture, and the Environment – March 1999: Are We Ready for a Meat Revolution? (IFPRI, 1999, 8 p.), How Large a Threat Is Soil Degradation? http://www.nzdl.org/gsdlmod?e=d-00000-00—off-0fnl2.2–00-0—-0-10-0—0—0direct-10—4——-0-1l–11-en-50—20-about—00-0-1-00-0–4—-0-0-11-10-0utfZz-8-00&cl=CL2.10.6&d=HASH0152336f21ea37b260b944e2.3&x=1 letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[3] Steinfeld H, Gerber P, Wassenaar T, Castel V, Rosales M, de Haan C. Livestock’s Long Shadow: Environmental Issues and Options. Rome: Food and Agriculture Organization of the United Nations; 2006. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2367646/ letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[4] P. Gerber, C. Opio and H. Steinfeld, Poultry production and the environment – a review, Animal Production and Health Division, Food and Agriculture Organization of the United Nations, Viale delle Terme di Caracalla, 00153 Rome, Italy, http://www.fao.org/AG/againfo/home/events/bangkok2007/docs/part2/2_2.pdf letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

[5] Porter, G. and J. W. Brown, Table of Deforesation and its Effects, https://confluence.furman.edu:8443/display/Lipscomb/Deforestation+and+Effects+(MB) letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012. Siehe auch Global Environmental Politics. (Westview Press,Boulder,Colorado) 1991.

[6] UN FAO, Livestock’s long shadow, Chapter 5, Biodiversityftp://ftp.fao.org/docrep/fao/010/a0701e/a0701e05.pdf letzter Zugriff vom 30. Nov. 2012.

Wie groß ist Dein ökologischer Fußabdruck wenn Du vegan lebst?

Gita Yegane Arani-Prenzel

Der ökologische Fußabdruck einer veganen Ernährungsweise im Vergleich zur omnivoren / carnivoren Ernährung

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Eine Ernährungsumstellung auf die vegane Ernährungs- und Lebensweise ist, sowohl auf individueller als auch auf gesellschaftlicher Ebene, der folgenreichste Schritt zur Reduzierung  unseres ökologischen Fußabdrucks, der getan werden kann. Ein vierköpfiger Haushalt der eine Woche lang auf Fleisch, Eier und Milchprodukte verzichtet, macht sich dadurch um vergleichsweise soviel umweltverträglicher, als würde dieser Haushalt ein dreiviertel Jahr lang auf das Autofahren verzichten, so die amerikanische Umwelt-NGO ‚Environmental Working Group’ (http://www.ewg.org/).

Was wir essen?

Fleischesser bzw. Carnivore (oder auch Omnivore, die „alles“ essen) verzehren das Fleisch domestizierter und wildlebender Tiere, einschließlich „Geflügel“ (also Vögel) und „Fisch“ (also Fische).

Vegetarier essen alles außer Fleisch

Ovo-Vegetarier essen Eier, aber keine Milchprodukte, und Lakto-Vegetarier wiederum essen Milchprodukte, aber keine Eier. Ovo-Lakto-Vegetarier essen sowohl Eier als auch Milchprodukte.

Man könnte sagen, dass ein echter oder strikter Vegetarier einem Veganer ziemlich nah kommen müsste in seiner Ernährungsweise. Veganer_innen essen kein Fleisch, keine Eier, keine Milchprodukte, und, was aber hinzu kommt, auch keinen Honig! Darüberhinaus vermeiden sie allen Konsum, Gebrauch und Verzehr jeglicher tierischer Produkte und derer Derivate und Nebenerzeugnisse. Die Vegan Society in Großbritannien empfiehlt den Veganismus konsequent in allen Lebensbereichen durchzusetzen, soweit es für den einzelnen praktizierbar ist.

Was ich esse ist doch umweltverträglich, oder?

Das Global Footprint Network (http://www.footprintnetwork.org) eine Denkfabrik die sich mit der Nachhaltigkeitsforschung befasst, sagt, der ökologische Fußabdruck „bemisst das Maß, in dem wir Ressourcen konsumieren und Abfallstoffe produzieren, verglichen mit der Kapazität der Natur unsere Ausstöße zu verarbeiten und neue Ressourcen zu schaffen.“

Der Kreislauf von Lebensmittelkonsum und -herstellung ist ein wesentlicher Bestandteil des ökologischen Fußabdrucks. Man bemisst ihn zumeist daran, wie viel Hektar biologisch-produktiver Anbaufläche und Meeresfläche benötigt wird, um den Nahrungsbedarf eines Individuums oder einer Gemeinschaft zu decken.

Und was macht da das Fleisch?

Im Jahr 2006 erklärte die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen, dass die Nutztierhaltung inbesondere zur Fleischproduktion, verantwortlich zu machen sei für etwa ein Fünftel der Treibhausgase weltweit; man gab öffentlich auf hoher Ebene zu, dass die Nutztierhaltung massiv zur globalen Erwärmung beiträgt.

Eine neuere Untersuchung des Woldwatch Institute (http://www.worldwatch.org/), einer Umwelt-Denkfabrik aus Washington D.C., erfasst aber noch weitere versteckte Faktoren der „Nutztier“-haltung, die zu den Emissionen beitragen, und man kommt in deren Studie auf einundfünfzig Prozent aller Treibgase, für die die Nutztierhaltung weltweit verantwortlich zu machen ist. [1]

Die größeren Zusammenhänge

Ein Faktor, der auch in die empfindliche Waagschale des zerstörten ökologischen Gleichgewichts und dem nicht enden wollenden menschlichen Konsum mit hineingeworfen werden muss, ist die Frage nach der Wasserknappheit, insbesondere den Dürren und den auf sie folgenden Engpässen in der Sicherheit zur Verfügung stehender Nahrungsmittel. [2]

Eine Nahrungsmittelknappheit könnte die Welt zum Vegetarismus zwingen, titelt ein Artikel im ‚Guardian’ vom August 2012: [3]

„Die Annahme einer vegetarischen Ernährungsweise“ [konsequenterweise müsste es eine vegane Lebensweise heißen, da, wenn Tiere Milch, Eier und Leder produzieren sollen, sie dazu auch zur Körperausbeute gehalten werden müssen], so der Artikel im ‚Guardian’, „ist ein Weg, um in einer zuhnehmend klimagestörten Welt die Wassermengen zu erhalten, die nötig wären zum Anbau von mehr Nahrung,“ so die im Guardian zitierten Wissenschaflter, „[…] tierische proteinreiche Lebensmittel brauchen zu ihrer Erzeugung zehn Mal mehr Mengen an Wasser, als die vegetarische Nahrungsmittelerzeugung. Ein Drittel der kultivierbarsten Landfläche in der Welt wird zum Anbau von Ernten verwendet, die der Tierfütterung dienen. Zu den anderen Optionen, die dabei helfen können Menschen zu ernähren, gehört eine Reduzierung von [Lebensmittel-] Abfällen und eine Steigerung des Handels zwischen denjenigen Ländern, die Überschüsse an Nahrungsmitteln produzieren mit denjenigen Ländern, in denen Mangel herrscht.“

Der Viehzucht-Sektor bietet für zahllose Menschen in den ärmsten Regionen der Welt Nahrung und Einkünfte, so argumentieren manche Befürworter der Fleischindustrie. Das ‚Heifer Projekt’ beispielsweise, sieht seine Aufgabe in einer Art humanitärer Arbeit, die daraus besteht, Armen und Bedürftigen in Schwellen- und Entwicklungsländern „Nutztiere“ als argarwirtschafltiche Einkunftsquelle und Nahrungslieferanten auf Spendenbasis zu liefern. Auch gibt es Förderungsprogramme westlicher Nationen, wie die sogenannte ‘Livestock Revolution’, die ihre Fördermaßnahmen mit der Übernahme viehzüchterischer Techniken und Handhabungsweisen als Bedingungsvariablen verknüpfen.

Die speziesistische Behauptung, Menschen sei durch die Ausbeutung von Tieren geholfen, soll glauben machen machen, dass die argarwirtschaftliche Tierhaltung etwas den Menschen Gutes und Förderliches sei, und nicht zuletzt ist in den meisten Kulturen der Welt tatsächlich eine Trennung des Einsatzes nichtmenschlicher Tiere als Lebensressourcen von menschlicher Identität, Kultur und Gesellschaft noch immer kaum denkbar.

Der Mythos rund um die Nostalgie des Kleinbauern erscheint aber zunehmend als umstrittener. Offenkundig wird das erkennbar bei der Kritik an den westlichen Biobauern, bei denen ihr Fauxpax in der Langzeitutopie sichtbar wird: man könne den Fleischkonsum in Maßen retten, im Zeitalter des Massenkonsums. Daneben existiert in der Bioindustrie auch noch das weitaus größere Problem der Missstände in der Tierhaltung, die sich in den großen Agrareinrichtungen und den kleinen Bauernhöfen kaum unterscheiden. Tiere sind eben fühlende, freiheitsbegabte und tierlich-denkende Lebewesen, und keine Form der Ausbeutung und Tiertötung zu gleich welchen menschlichen Zwecken können da eine Ausnahme bilden.

Was die Nutztierhaltung in den Entwicklungsgebieten der Welt anbetrifft, so muss man sich darüber im Klaren sein, dass Kleinbauern auch Teil des Systems der Ausbeutung tierlicher Körper sind. Kleinbauern sind durch Großbetriebe ersetzbar um einen zunehmenden und stimulierten Bedarf an tierischen Produkten zu decken, der sich aus komplexen kulturellen und wirtschaftlichen Faktoren zwangsläufig heraus entwickelt. Sowohl bewaldetes und „wildes“ Land, so auch die Böden, die als freie Anbauflächen bestellt werden können, verschwinden in Zuge eines argarwitschaftlichen „Erwachens“ und werden einer industriellen Nutzbarkeit unterworfen.

Mehr als 80 Prozent des Wachstums im Viehzucht-Sektor kommt heute von den industriellen Produktionssystemen. Die Viehzucht ist ein Faktor, der knappes Land, sauberes Wasser und andere natürliche Ressourcen für die ärmsten der Menschen schluckt und der freien Lebensraum für Tiere zerstört. Die Abhängigkeit von einem zunehmend industrialisierten Lebensstandard, auch wenn solch ein Standard sich auf einem Minimum bewegen mag, ist kaum wieder aufzulösen. Auch ist die Vorstellung vom Fleischkonsum als einem Ausdruck von sozialem Prestige, ein Glaube, dem Menschen immer noch allzu leicht verfallen.

Fortsetzung

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck, wenn Du vegab lebst? Teil 2: Von der Schaffung einer veganen Ökologie

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_2.pdf

Quellen

[1] Robert Goodland, Jeff Anhang: Livestock and Climate Change, World Watch November/December 2009, http://www.worldwatch.org/files/pdf/Livestock%20and%20Climate%20Change.pdf  (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

[2] A. Jägerskog, T. Jønch Clausen (eds.): Feeding a thirsty world: Challenges and opportunities for a water and food secure world, Stockhold International Water Institute, 2012, http://www.siwi.org/sa/node.asp?node=52&sa_content_url=%2Fplugins%2FResources%2Fresource.asp&id=318 (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

[3] John Vidal: Food shortages could force world into vegetarianism, warn scientists, The Guardian, 26. Aug. 2012, http://www.guardian.co.uk/global-development/2012/aug/26/food-shortages-world-vegetarianism (letzter Zugriff vom 27.11.2012).

 

Corey Lee Wrenn: Kann Reiten vegan sein?

Kann Reiten vegan sein?

Corey Lee Wrenn

Can horseback riding be vegan? Ein Artikel von Corey Wrenn veröffentlich im Examiner.com am 10. April 2012, http://www.examiner.com/article/can-horseback-riding-be-vegan

Corey Lee Wrenns Uni-Profil http://central.colostate.edu/people/cwrenn/, Blog http://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ und bei Twitter https://twitter.com/CoreyLeeWrenn

Übersetzung: Palang LY. Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.

Dieser Text als PDF (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Ein Interview auf der Tierrechtsseite ARZone mit der Pferde-„Rehabilitatorin“ Kim Hollingsworth hat kürzlich auf meiner Facebookseite ‚The Academic Vegan Abolitionist’ (1) zu einer interessanten Diskussion geführt. In diesem Interview verteidigt Hollingsworth das Reiten, solange das Pferd sich nicht verweigert und das Reiten nicht als „störend“ empfindet. Während ich immer dachte das sei ein typisch welfaristischer (2) Standpunkt, scheint es aber interssanterweise so, dass das Reiten, wenn es dem Bedarf des Tieres an sozialer Interaktion und Bewegung dient, von einer ganzen Anzahl von Abolitionisten akzeptiert wird, einschließlich von Gary Francione und anderen bekannten abolitionistischen Aktivisten.

Das Argument dabei ist, dass manche Pferde, die seit ihrer Geburt ja darauf konditioniert wären einen Reiter zu dulden und nun von der Interaktion mit dem Mensch anhängig sind, das Berittenwerden für ihre emotionale und physische Gesundheit tatsächlich bräuchten. Pferde könnten depressiv werden, unbeweglich und sogar ihr Futter verweigern, wenn ihnen die Interaktion mit dem Menschen, an die die Pferde sich bereits gewöhnt hätten, wieder plötzlich entzogen wird.

Dieses Argument ist typisch für die vielen unlösbaren ethischen Rätsel, die durch die grundlegend problematische Einrichtung der Domestizierung produziert wurden. Wir schaffen das Problem und ringen dann nach Lösungen wie ethische Entscheidungen getroffen werden könnten in einem System das in inhärenter Weise bereits ungerecht ist. Beispielsweise haben manche Katzen Schwierigkeiten damit, mit einer angereicherten veganen Ernährung physisch-gesundheitlich klarzukommen und so müssen wir die traugrige Entscheidung treffen sie mit dem Fleisch anderer nichtmenschlicher Tiere zu füttern. Viele Veganer müssen mit dieser Entscheidung leben, wobei manche tatsächlich vorschlugen, dass man Katzen einschläfern müsse damit die Ausbeutung von Nichtmenschen, die wegen ihres Fleisches ausgezogen werden, nicht weitergeführt wird, und damit wir ihren Status als Besitz nicht untermauern indem wir die Tiere als „Haustiere“ halten. Ich sehe darin keine Lösung. Ich bin der Meinung, dass es genug ist, dass wir, als Menschen, vegan sind, und dass wir in Richtung einer Beendigung der Nutzung von Tieren als Lebensmittel, sowohl für Menschen als auch für „Haustiere“, und gegen die Domestizierung arbeiten. Haben wir einmal eine kritische Menge veganer Menschen erreicht, dann werden diese Situationen verschwinden, da die Strukturen die sie bedingen damit auch verschwinden.

Das gleiche betrifft auch das Leben mit angenommenen Pferden – wenn wir eine kritische Menge veganer Menschen erreicht haben, dann würde damit die Pferdezucht abnehmen und wir wären nicht mehr länger dazu gezwungen schwierige Entscheidungen treffen zu müssen, die sich mitunter mit unseren nicht-spezisitischen Werten nicht vereinbaren lassen.

Zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht sagen, dass ich das Reiten von Pferden unter irgendwelchen Umständen befürworten könnte. Pferde, als eine Gruppe genommen, weisen eine Vielzahl von möglichen „Fehlverhaltensweisen“ auf, die ziemlich klar signalisieren, dass das Pferd nicht beritten werden will. Zum Beispiel begegnen viele Pferde dem Zaumzeug ablehnend, buckeln und blähen ihren Bauch [beim Satteln] so auf, dass der Sattelgurt später zu locker sitzt. Und natürlich bedeutet der ganze Prozess des „Zureitens“ des Pferdes (im Englischen fachsprachlich „breaking a horse“), auch wenn es dadurch domestiziert wird, dass diese Tiere dazu gezwungen und konditioniert werden, ihre Ausbeutung zu akzeptieren.

Zudem unterscheidet sich der Glaube, dass Pferde einen Vorteil und Spaß an ihrer Ausbeutung hätten, kaum von einer Argumentation die behauptet, Sklaven hätten irgendeinen Vorteil von ihrer Versklavung gehabt (vor der Abschaffung der Sklaverei argumentierten viele [ihrer Befürworter], dass die Sklaven auf den Plantagen doch zufriedene Leben führen würden vergleichsweise zu ihrer vorherigen „barbarischen“ Existenz in Afrika), oder dass Frauen gerne an pornografischen Darstellungen teilhaben und einen Vorteil dadurch genössen, gerne bei Hooters (3) Kellern oder die Hauptarbeit beim Großziehen der Kinder, der Hausarbeit und dem Kochen erledigen würden. Wir müssen unter die Oberfläche blicken und die Auswirkungen von Unterdrückung erkennen – und damit auch die Internalisierung dieser Unterdrückung – die letzendlich solche Haltungen prägt.

Wichtig ist zu sehen, dass es verschiedene Alternativen gibt wie man ein Pferd froh und gesund halten kann – ein adäquater Lebensraum, Freunde auf der Weide (andere Pferde, Ziegen, usw.) und Spielzeige helfen. Pferdehalter [im Englischen ‚guardians’] können mit Pferden auch lange Spaziergänge machen. Wildlebende Pferde benötigen definitiv keinen Menschen auf ihrem Rücken um eine zureichende Anregung zu erhalten, und es gibt keinen Grund dafür anzunhemen, dass sich das bei einem domestizierten Pferd anders verhalten würde. In der Tat gibt es viele Pferde-„besitzer“ die ihre Pferde niemals reiten und die Tiere ausschließlich wegen ihrer Schönheit oder aus Gefährtenschaftsgründen halten.

Eine anderer Bedenkenspunkt ist der, dass wir doch offensichtlich auch nicht meinen wir müssten andere große Tiere, die wir halten [im Englischen ‚adopt’) oder gerettet haben, „reiten“ – keiner behauptet, dass Rinder, Elefanten, Llamas usw. zu ihrem Vorteil beritten werden müssten. Auch setzen wir kleinere Nichtmenschen, die wir als Gefährten halten – wie Katzen und Kaninchen zum Beispiel – auch nicht vergleichbaren Trainingserwatungen aus. Im Endeffekt kann man sagen, wir stellen Erwartungen an Pferde. Wir reiten sie, weil wir es können. Katzen sind da zum Streicheln, Pferde zum Reiten. Unsere Beziehung mit ihnen hat als eine zwischen Reiter und Packtier / als Herr und Diener für Tausende von Jahren existiert. Das Pferd, das als ein williger, feuriger, loyaler Gefährte dargestellt wurde, ist lange ein wichtiges Symbol in der menschlichen Kultur gewesen. Unsere soziale Konstruktion des Pferdes ist so durch die willkürlichen Entscheidungen geformt, die wir für den Grad und das Maß dessen treffen, wieviel menschliche Einmischung sie brauchen und wünschen. Wie in so vielen anderen oppressiven Situationen ziehen wir es vor anzunehmen, dass es ihnen nichts ausmacht, dass sie es brauchen oder es ihnen sogar gefällt von uns benutzt zu werden. Keiner würde dasselbe behaupten, wenn wir über menschliche Opfer von Ausbeutung sprechen würden. Wäre es beispielsweise akzeptabel die Mitglieder einer Minderheitsgruppe zu satteln und sie uns herumtragen zu lassen zum Zwecke ihres körperlichen Wohlbefindens. Es gibt dafür mit Sicherheit weniger kompromittierende Alternativen.

Doch kann eine lebenslang erfahrene Ausbeutung bedeuten, dass manche Pferde oder andere domestizierte Tiere eine schwere Zeit damit erleben sich daran zu gewöhnen, dass das Leben wie sie es [einst] kannten sich [mit einem Male] verändert hat. Daher sage ich nicht, dass es unsere Pflicht gegenüber domistizierten Pferden wäre, allen menschlichen Kontakt zurückzufahren, sondern ich meine, dass unsere Interaktionen dahingehend verändert werden sollten, dass den emotionalen und physischen Bedürfnisse des Pferden Rechnung getragen wird, ohne ihnen dabei unsere spezisistischen Forderungen aufzuzwängen. Ich bin der festen Überzeugung, dass Pferdepsychologen, die so viel Ziet damit verbringen Pferde für den menschlichen Gebrauch zu „rehabilitieren“, ihre Herangehensweise rekonfigurieren könnten und damit beginnen könnten Pferde in die Richtung zu rehabilitiereen, dass sie mit Menschen in eine einer egalitaristischeren Weise leben könnten.

Gleich welche Einstellung man hegt über das Reiten von Pferden, die es angeblich für ihr Wohlergehen bräuchten, es ist niemals in Ordnung die Pferdeindustrie zu unterstützen, Pferdeveranstaltungen (z.B. Dressur, Rennen oder Rodeos), Streichelzoos, Kutschfarten, Trailreiten, usw. Jede Situation in der ein Pferd als Besitz betrachtet wird, ihre Existenz darauf reduziert wird dem Menschen zu dienen und ihre „Besitzer“ sie als Güter behandeln, ist spezisitisch, und wir sollten dies ohne Umschweife ablehnen. Auf der anderen Seite brauchen tausende Pferde ein Zuhause. Hier zum Beispiel im Roanoke Valley sind zahllose Pferderettungseinrichtugen. Wir dürfen genausowenig mit der Zucht und dem Kauf von Pferden zu tun haben, wie mit der Zucht und der Kauf von Katzen oder Hunden.

Während dieser Artikel zu keinen letztendlichen Schlussfolgerungen kommt, dringe ich meine veganen Leser, die Pferde angenomen haben oder planen in Zukinft anzunhmen, darauf, über weniger spezisitische Alternativen zum Reiten nachzudenken. Wähenddessen wäre es für unsere Bewegung auch förderlich auf die Erfahrungen von Experten zurückzugreifen, die eine größere Pferdepsychologische und -biologische Kenntnis haben, um damit die weniger oppressive Alternativen zu erkunden.

(1) A.d.Ü. diese Facebookgruppe existiert nicht mehr, Corey Wrenn hat stattdessen den Blog http://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ eröffnet.

(2) A.d.Ü. der Welfalismus bezeichnet im Tierschutz eine „Verbesserung“ von Tierhaltungsbedingungen in den Agrarindustrien, ohne einen rechtlich veränderten Status der Tiere mit Hinsicht auf deren Rechte auf Leben, Freiheit usw.

(3) A.d.Ü. Hooters ist eine amerikanischen Gastronomiekette, die bewußt mit dem „sex appeal“ bevorzugt junger Kellnerinnen wirbt.

Abschließende Anmerkung des Übersetzers: die von der Autorin beschriebene Idee einiger Abolitionisten, Tiere zu töten, weil sie nicht als Haustiere leben sollen, ist natürlich extrem und würde eigentlich einer kritischeren und strärker distanzierten Diskussion bedürfen, die von der Autorin hier leider nicht geleistet wird.