Mitgefühl als bedingter Gerechtigkeitsaspekt

Überlegung zu: Pazifismus

Zum Schutz von Leben hat Mitgefühl erst dann einen effektiven Sinn, wenn die Gerechtigkeit als Inhalt und Ziel dabei nicht aus den Augen verloren wird.

(HUMANITY) Im rechtlich durch Menschenrechtskonventionen abgesichterten Bereich, braucht das sensible Gleichgewicht des „Friedens“ eine gewisse Absicherung durch Maßnahmen, die „schützende Gewalt“ nicht immer und nicht gänzlich ausschließen.

(ANIMALITY) Im Falle oppressiver Gewalt gegen Nichtmenschen erwarten wir von Menschen die Freiwilligkeit und appellieren an das Mitgefühl, weil wir die Nichtmenschen in einer speziesistischen Gesellschaft und Welt gegenwärtig auf keiner gesellschaftlich und politisch konstituierten rechtlichen Grundlage schützen können.

Mitgefühl allein reicht in der Konfrontation mit nakter Gewalt aber in keiner Form aus.

Die einzige Grundlage, die eine Chance auf das Recht des Schutzes vor Gewalt (systemischer oder individueller Natur) bietet, ist die grundlegende Einforderung von Gerechtigkeit.

(Pazifismus im Kontext mit‚Humanity’ und ‚Animality’ als politisch definitorische Bereiche.)

TIERAUTONOMIE / Gruppe Messel

Kritisches Weißsein, Rassismus und Veganismus

Kritisches Weißsein / kritische Weißseinstudien / kritische Weißseinsforschung und Rassismus sind immernoch unbearbeites Gebiet im akademischen und aktivistischen Bereich in der Tierbefreungsbewegung / Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum. Wir haben zum Thema einige Texte und Autor_innen vorgestellt. Hier soll nochmal darauf hingewiesen werden, und wir möchen den Lesern zum Themengebiet “vegane Intersektionalität unter dem Gesichtspunkt kritischer Weißseinsforschung” empfehlen:

Dr. A. Breeze Harper: Die Sistah Vegan Anthologie.Eine Buchvorstellung Vortrag: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren.

 

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

Wenn Nichtmenschen nicht autonom wären, und nur der Mensch es wäre, wann in der Evolution und womit hätte diese menschliche Autonomie dann angesetzt, und warum sollte tierliches Handeln und Denken nicht als vom Menschen und seiner Objektivitätswahrnehmung autonom anerkannt werden?

„Seinen eigenen Gesetzen folgend / early 17th cent.: from Greek autonomia, from autonomos ‘having its own laws,’ fromautos ‘self’ + nomos ‘law.’“ – Zoe Autonomos

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

(Fragment)

Wir sprechen eher den Tieren ihre tierliche evolutionäre Autonomie ab, statt dass wir an totalitäre Strukturen in der Menschheit im Bezug auf Nichtmenschen und die natürliche Umwelt glauben. Unser Blick auf Nichtmenschen und die „Natur“ ist in einer Art verstellt, dass unsere Abwertungen vor uns selber akzeptabel erscheinen.

Der Missstand der Ungerechtigkeit ist, dass wir versuchen die tierliche Autonomie zu zerstören (physische Eingriffe und Maßnahmen) und mittels Speziesismus (geistig ideologisch) zu unterminieren.

„Besitz“ ist die Folge der Absprache tierlicher Autonomie.

„Tierverteidiger“ die für die physische Unversehrtheit von Nichtmenschen plädieren, den Nichtmenschen aber weiterhin ihre eigene tierliche Autonimie (vom Menschen und an und für sich) absprechen, betreiben eine unbewusste radikale Form des Anthropozentrismus und des Speziesismus.

Wir verbinden den Würdebegriff mit der Fähigkeit eines eigenen, unabhängigen Daseins (Autonomie).

Durch speziesistische Kunstgriffe bereiten wir den geistigen Boden in einer Gesellschaft vor, um den Besitzstatus eines Lebewesens zu legitimieren und als vertretbar erscheinen zu lassen.

Was ist unserem allgemeinen Verständnis nach Autonomie, siehe z.B. Wikipedia (für den vielleicht breitesten Allgemeinplatz) http://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie?

Wenn Nichtmenschen etwas haben – „the wild and tamed beast“ – dann ist es Autonomie. Sie leben „von Natur aus“ in der Natur autonom – wenn wir sie nicht ihrer Freiheit berauben. Wir behaupten, Nichtmenschen seien Instinktbestimmt, und genau da setzt die Besitznahme durch arbitäre Abwertungsmechanismen ein: Wir machen uns Tiere nutzbar und „Untertan“, indem wir sie ihrer Existenzautonomie mit der Behauptung des Instinktverhaltens (kausaltiätsbestimmtes Verhalten) zu berauben versuchen.

Die Abhängigkeit von Lebensnotwendigkeiten als Instinktgeleitetheit zu interpretieren, ist eine Form der Minderbewertung der Angreifbarheit, der Verletzlichkeit und Bedingtkeit des Lebens – jedes Lebens. Jedes Lebewesen ist abhängig und bedingt, aber gleichzeitig auch autonom. Autonomie ist der zarte Keim der Verletzlichkeit tierlicher und menschliche Würde … .

Da ein Tier autonom handelt und denkt, ist es autotom. Der Vesuch der Eingrenzung tierlichen Denkens in anthopozentrisch definierte Parameter, ist eine Besitznahme durch die definitorische Interpretation tierlichen Denkens und Handelns.

Tierautonomie – tierliche Autonomie; ein paar eklektisch ausgewählte interessante Aspekte

Animal Autonomy:

In Veterenary Care:

Here I would simply suggest that “animal autonomy” is worthy of careful attention from philosophers and scientists and veterinarians. Animals are self-governing and make meaningful choices, in ways very similar to humans. As with our fellow humans, we should strive to understand and respect the preferences of other creatures. Research in ethology is continuing to explore how to understand animal preferences and how these preferences are expressed in observable behaviors. It is worth noting, too, that although the language of “autonomy” has not yet been strongly present in the veterinary literature, the concept has been important in the animal ethics literature more broadly. Tom Regan, for example, talked in his ground-breaking The Case for Animal Rights(1983) about animals as autonomous beings, with their own interests and desires. Regan even includes a very interesting discussion of what he calls “preference autonomy” and explores some of the ways in which autonomy in animals is different from autonomy in humans.

Animals and Autonomy. Can this vitally important ethical concept be meaningfully applied to animals? Jessica Pierce, Ph.D. in All Dogs Go to Heaven

http://www.psychologytoday.com/blog/all-dogs-go-heaven/201303/animals-and-autonomy

 

Animal Sanctitiy and Animal Sacrifice: How Post-Dawinian Fiction Treats Animal Victosm by Marian Scholtmeyer, Dissertation, 1989, pp. 57.

Animal Ethics:

Kantian ethics is normally not the place to look for an account of  direct moral obligations towards animals, as Kant claimed that we only owe animals indirect moral duties, out of respect towards the rest of  humanity. In chapter four, I consider modern reinterpretations of Kant’s arguments to provide support for the claim that animals should be  considered ends-in-themselves. I argue that despite the strength of these accounts, the concept of agency and selfhood that I support provides a better foundation for claiming animals as ends-in-themselves, and that respect for animal autonomy can be grounded on a Kantian argument for the respect of autonomy more broadly. I claim that in virtue of their agency and selfhood, animals should be considered ends-in-themselves, thereby including them in the moral community. My view is novel in that it includes agency, selfhood and autonomy as those features which make anyone, human or nonhuman, morally considerable.

Agency and Autonomy: A New Direction for Animal Ethics by Natalie Evans. Dissertation.

https://uwspace.uwaterloo.ca/bitstream/handle/10012/8158/evans_natalie.pdf?sequence=1

Animal Rights / Animal Liberation

How can I save an Animal today or stop these atrocities now? Even for just a few critters. Because that’s the context we so often miss. It’s about Animal autonomy, not about how the government turns on the people that care about the Animals. But while I’m on the subject, it’s nothing new!

Walter Bond, Green is the New Rage, http://supportwalter.org/SW/index.php/2011/06/24/green-is-the-new-rage/

Animal Caregiving

Kerulos Center Caring for the Caregiver  Project. The project’s overarching goal is to foster awareness and support for animal care organizations and caregiver wellbeing to help achieve the vision of a compassionate, ethical, trans-species society founded on mutual wellbeing.

http://kerulos.org/wp-content/uploads/2013/12/Kerulos-Caring-for-Caregiver-Report-Final.pdf

Alle Links: 25. März 2014.

 

Neue Texte zur Tierethik, Tierrechten und veganer intersektionaler Theorie und Praxis

Hier sind einige unserer letzten Tätigkeiten im Bereich Tierethik, Tierrechte und Theorie (abgesehen von der Teilnahme an einem spannenden neuen TR-Projekt der Gruppe Messel, das uns auch dazu anregte unseren RoundAbout-Blog umzubetiteln zu: “In neuen Territorien denken.” Aber mehr dazu später.)

Unsere Gäste waren in den letzten Wochen:

Eigene Texte auf Deutsch waren:

Zum Thema vegane Pädagogik, Ein Tierrechts-FAQ anlegen, und eine Fortsetzung dessen. Zudem ein philosophisches Essay: Wert und Willkür – kontrastierend gegen „das Naturhafte“.

Der Scan oben stammt aus einer Illustation der Geschichte “Moosh va Gorbeh” von Obayd Zakani.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

Ein Auszug aus:

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren, Präsentation anlässlich der Sistah Vegan Conference 2013.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

Die ganze Präsentation können Sie hier im PDF Format lesen: http://simorgh.de/yarbrough/yarbrough_weisssein_patriarchat_tiere.pdf

Anastasia Yarbrough ist in beratender und aktivistischer Form in der Tierrechtsarbeit tätig, http://animalvisions.wordpress.comhttp://inneractivism.com.

Klarerweise auf der Grundlage der Würde verteidigen

Klarerweise auf der Grundlage der Würde verteidigen

Ein Fragment von Thorm pk

Für die Mehrheit der Tierrechtsbewegung ist leider immernoch klar, dass sie mit dem vorherrschenden naturwissenschaftlichen Weltbild paktieren wollen: Tiere werden von den mehrheitlichen Teilen der Tierrechtsbewegung als primär unter Bezugnahme auf die Kriterien einer biologischer Beweisfüh­rung verteidigbar geschildert. Das heißt, es wird suggeriert, dass der Schlüssel zur Befreiung der Tiere in der Verbindung der Erkenntnis über Tier-Biologie, Tier-Psychologie und deren Verbindung zum menschlichen Ethikverständnis liegt. Die Brücke zwischen dem biologisch verstandenen Tiersein und unseren anthropozentrisch geprägten Moralvorstellungen soll eine bio-ethische Beantwortbarkeit gerantieren, weil man meint, man würde sonst gar keinen Anspruch auf eine Befreiung erheben können.

Die Frage nach der Identität der Tiere wird nicht aus einem Punkt der Einmaligkeit der Tiere heraus beantwortet; die Tieridentität soll im Vergleich zur menschlichen Identität von unauffälligerer Bedeutung sein; allein die Verallgemeinerung soll genügen um eine Faszination, die von der Einmaligkeit der Tiere ausgeht, zu begrei­fen. Die einzelnen Tiere verschmelzen zu Teilen einer Spezies die man verteidigen will.

Solange Menschen aber nicht bereit sind offen anzuerkennen, dass das einzelne Wesen von einmali­ger und vollständiger Bedeutung ist (auch in seiner Einzelheit), solange wird man sich immer auf den Kompromiss des Protektionismus einlassen müssen, denn Recht, und nicht bloß Pro­tektion, wird erst dort relevant wo die Frage nach der Würde auftaucht, und die Frage der Würde ist unmittelbar an die Einmaligkeit eines Wesens gebunden, d.h. damit auch an das praktische Anerkennen der Unantastbarkeit dieser Würde der Einmaligkeit des indi­viduellen Lebens.

Aber der Gedanke der Unantastbarkeit des einzelnen Lebens ist im gegenwärtigen Diskurs über Tierethik noch zu weit gegriffen. Die Forderung für viele Tierrechtler ist nicht die Anerkennung von Einmalig­keit, sondern die Tiere werden in einem eher bio-ethischen Schema dem menschlichen Verständnis von Lebenssinn untergeordnet.

Wenn die Tierwesen als Gruppe über den Zeitraum ihrer Evolution aus sich selbst im Gesamtweltkontext er­wachsen sind, auch in ihrer jeweils individuellen Einmaligkeit, dann kann die Begründung ihrer Bedeutung nicht auf eine biologische Kausalitätskette zurückgeführt werden. Und wenn Tiere nicht einem menschlichen Weltverständnis untergeordnet werden, kann eingesehen werden, dass Tierrechte eigentlich dem Menschenrecht nicht so fern sind, und zwar genau aus dem Grund, weil das einzelne Wesen niemals Subjekt einer äußeren Definition werden darf, denn das Wesen ergibt seine Sinnhaftigkeit aus sich selbst.

Kein Mensch darf einem Menschen vorschreiben was er oder sie ist, oder zu sein hat. Der Mensch ist frei, das ist sein ursächliches Recht und wird als seine ursächliche Ei­genschaft anerkannt (die Freiheit). Genauso darf kein Mensch einem Tier eine Definition direkt und indirekt aufzwingen, durch die ein Tier einer Seinsbegründung untergeordnet wird. Das Tier ist frei. Wir müssen die Dimensionen unseres engen Horizonts erweitern um zu begreifen, dass Anerkennung des Anderen bedeutet, den Anderen genau für das, was er selbst ist und das, wie er ist, Wert zu schätzen.

 

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

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Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

Anastasia Yarbrough, http://animalvisions.wordpress.com/http://inneractivism.com/

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Eine Präsentation von Anastasia Yarbrough anlässlich der ersten Sistah Vegan Konferenz, die am 14. September als Webkonferenz, organisiert von Dr. Amie Breeze Harper, stattfand. Siehe dazu: http://simorgh.de/niceswine/tag/sistah-vegan. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von A. Yarbrough.

In dieser Präsentation geht es um die Narrative, die wir über die Unterdrückung von Tieren weitervermitteln. Als Tierrechtaktivist_Innen steht uns die Möglichkeit zu, in unseren Schilderungen tiefer zu gehen und uns nicht allein auf die Tokenisierung der Kämpfe farbiger Menschen und Frauen zu verlassen. Auch müssen wir keine Tokenisierung von Tieren als romantischen Symbolen, die der menschlichen Identität dienlich sein sollen, betreiben. Stattdessen können wir über den tatsächlichen Kampf reden, den Tiere durchfechten müssen, und wir können über ihre Leben sprechen, so gut wir das eben nur können. Wir können ans Licht befördern genau wie sie mit den Bemühungen um Freiheit usw. anderer, menschlicher Gruppen in Verbindung stehen, und zwar indem wir die Geschichten derjenigen Kräfte (und der Identitätsgruppen, die hinter diesen Kräften stecken) schildern, die das Ganze letztendlich miteinander verbinden.

I. Wer ich bin?

Mein Name ist Anastasia Yargrough. Ich arbeite als facilitator consultant, community educator und bin nebenbei auch Musikerin. Ich arbeite nunmehr seit 15 Jahren im tierschützerischen Bereich, und zuletzt, seit etwa 5 Jahren, bin ich im als Sprecherin und organisatorisch in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Ich war im Vorstand des Institute for Critical Animal Studies und bin gegenwärtig im Beirat des Food Empowerment Projects.

Bedanken möchte ich mich ganz besonders bei A. Breeze Harper, die diese Online-Konferenz ermöglicht hat. Bei Adam Weitzenfeld und pattrice jones dafür, dass sie wunderbare inspirierende Gelehrte/Aktivist_Innen sind, die sich auch als gute Zuhörer erwiesen haben wenn es um die Themen ging, mit denen ich mich zurzeit auseinandersetze. Und mein Dank gilt auch all den Aktivist_Innen dort draußen, die sich für eine totale Befreiung einsetzen, selbst unter den enorm schwierigen herrschenden Bedingungen.

II. Warum ich spezifisch über weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat spreche?

► Diese alles durchdringenden und miteinander verwobenen Kräfte stellen in der Tierrechtsbewegung eine tragende Säule dar. Die TR-Bewegung ist auf die eurozentrischen Länder konzentriert und innerhalb dieser Länder ist die Mehrheit ihrer Mitglieder weiß und die Mehrzahl ihrer Führungspersönlichkeiten besteht aus weißen Männern. Folge dessen ist eine Tendenz zum Eurozentrismus, was die ideologische Grundlage für Fragen der Mensch-Tier-Beziehung anbetrifft. Auch ist es nicht selten, tierschützerischen und veganen Kampagnen zu begegnen, die ein europäisches Ideal vermitteln (beispielsweise die Kampagne gegen das Hunde-Essen in China). Der Eurozentrismus macht es Menschen, die nicht weiß sind, schwer zu meinen sie hätten einen Platz innerhalb der Bewegung, insbesondere auch dann wenn deren Tierethik nicht unbedingt dem vorherrschenden „Mainstream“ der Bewegung entspricht. Der Einfluss des Patriarchats wiederum wird besonders dann sichtbar, wenn wir betrachten, dass die Mehrheit der Bewegung zwar aus weiblichen Aktivistinnen besteht, dennoch aber 50% der Führungskräfte in den großen aktiven Tierschutz-Nonprofits allesamt männlichen Geschlechts sind. Wenn es bei den großen Veranstaltungen und Tagungen der Bewegung, wie beispielsweise bei der National Conference in Washington DC, nicht möglich ist diese Themen ernsthaft anzusprechen, und solche Themen sogar als trivial und als nicht wesentlich zur Stärkung der Bewegung abgetan werden, dann haben wir ernsthaft ein Problem.

► Die große Mehrheit von Tierrechtsorganisationen und ihrer Sprecher_Innen vergleichen die moderne Tierrechtsbewegung und zitieren Beispiele aus der antirassistischen und der antisexistischen Bewegung in den USA, ohne wirklich zu verstehen wie Rassismus und Sexismus in Amerika eigentlich funktionieren. Sie nehmen einfach an, dass sie es wüssten, weil sie sich als Aktivist_Innen für eine gleichermaßen unterdrückte Gruppe (die diverse Vielzahl von Lebewesen, die wir gemeinhin subsumierend als „Tiere“ bezeichnen) einsetzen.

◌ Bei der Nationalen Tierrechtskonferenz von 2013 in Washington DC, sagte Norm Phelps [ein bekannter Tierrechtsautor in den USA] in der eröffnenden Plenarversammlung zu den Teilnehmer_Innen, dass die Tierrechtsaktivist_Innen heute die Frederick Douglasse und Harriet Tubmans unserer Zeit sind. Nathan Runkle [der Sprecher der Organisation Mercy for Animals] sagte bei derselben Versammlung, dass die Tierrechtsbewegung der nächste evolutionäre Schritt sei im Vorwärtskommen sozialer Gerechtigkeitsbewegungen; die Tierrechte seien die neue große soziale Gerechtigkeitsbewegung.

► Dieses sich vollständig auf die Lektionen der Kämpfe aus der antirassistischen und den antisexistischen Menschenrechtsbewegungen der Vergangenheit verlassen, ist an sich in keinerlei Hinsicht ein Problem. Beide Bewegungen sind Teile unseres Erbes und wir kommen nicht umhin im Schatten ihrer Geschichte weiterzumachen. Nicht zuletzt sind die hervorragenden Persönlichkeiten dieser Bewegungen unsere Vorfahren und einflussreiche Pioniere für die Bemühungen weltweit um soziale Gerechtigkeit und in Umweltschutzbelangen gewesen. Doch wenn Führungspersönlichkeiten innerhalb der Tierrechtsbewegung bequeme Analysen betreiben, um sie als einen Hebel einzusetzen zur fortgeschrittenen Legitimierung der Tierrechtsbewegung, dann dient das unserer Bewegung nicht, und der entscheidende Punkt wird hier einfach verpasst. Es gibt einen Grund weshalb die Kämpfe der Farbigen, der Frauen und der Tiere sich ähnlich genug sehen, dass der Vergleich zulässig ist. Und diese Gemeinsamkeit liegt in der Verbindung, die gegeben ist durch die systemischen Kräfte, die ihrer aller Unterdrückung nährt und am Fortbestehen erhält. Ein weiterer Redner könnte einmal eine Analyse von jeglichem Winkel innerhalb dieser Matrix betreiben. Heute fokussiere ich auf die Punkte weißen Überlegenheitsdenkens und Patriarchat.

III. Wie weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat Tiere in direkter Weise betreffen.

► Die gleichen Kräften, unterschiedliche Gruppen.

◌ Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat (die ich von hier ab als „weißes Patriarchat“ bezeichnen werde) wurden von Theoretikern aus den Bereichen kritischer Rassenstudien und respektive des Feminismus in den USA seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Farbige Menschen mussten sich mit dem Weißsein und Frauen mit dem Patriarchat detailliert auseinandersetzen um überleben zu können. Das Weißsein und das Patriarchat werden kollektiv begriffen als Konstrukte sozialer Identitäten, die sich strukturell über die Zeit hinweg verstärken. Das bedeutet, dass ihre initiale Erschaffung beabsichtigt war, und dass Menschen sich zur Annahme der Identitäten aus freien Stücken entschieden haben. In einer neueren Studie über die Theorie des Privilegs durch den Anarchist Federation’s Women Caucus (den Frauenausschuss der Anarchistischen Föderation) wurde betont, dass Identitätsgruppen wie Männer und Weiße nicht wirklich ihr Privileg aufgeben können, gleich wie sehr Individuen dieser Gruppen das auch möchten. Sie sind in diese Identitäten hineingeboren, in diesen Identitätsgruppen großgezogen worden und sie sind eingetaucht in ein System, aus dem sie nicht aussteigen können oder in dem sie sich überhaupt dazu entscheiden könnten, nicht mehr von diesem zu profitieren. „Du bist für das System, das dir dein Privileg erteilt nicht verantwortlich, nur dafür, wie du darauf reagierst.“ bell hooks hat das weiße Patriarchat häufig assoziiert mit Akten des Terrorismus (nämlich der Sklaverei, der Vergewaltigung, der Folter und den Mord) gerichtet spezifisch gegen schwarze Menschen und schwarze Frauen. Diese Akte des Terrorismus – Sklaverei, Vergewaltigung, Folter und Mord – sind auch das, was auch wir in der Tierrechtsbewegung versuchen wollen abzuschaffen. Es ist keinerlei Überraschung, dass diese Akte allesamt aus dem gleichen System entwachsen. Wie können wir in einer Gesellschaft leben, in der all das geschieht, ohne dass es uns überhaupt etwas ausmacht? Nun ja, zum einen macht sich das weiße Patriarchat nicht sichtbar. Wie irgendein anderes Konstrukt einer sozialen Identität, die ein sozioökonomisches System auf der Basis der Ausbeutung der schwächeren und verletzlicheren Individuen und Gemeinschaften erhält, indem es diejenigen marginalisiert, die den Status quo des „Mainstreams“ stören, in dem systematische Gewalt zum Vorteil privilegierter Gruppen begangen wird, in dem die Gedanken, Körper, Räume und die Reproduktion anderer Gruppen dominiert wird, so ist das weiße Patriarchat eine Institution, die es schafft all dies aufrecht zu halten während es selbst unsichtbar bleibt. Wir müssen uns in ganz bewusster Weise darum bemühen es sichtbar zu machen. In der Tierrechtsbewegung haben wir, wenn wir über die Unterdrückung der Tiere durch Menschen sprechen, Gelegenheiten um weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat hinter der Ausbeutung, der Dominierung, der Reproduktionskontrolle, der Marginalisierung und der systematischen Tötung sichtbar zu machen. Wir können die Tokenisierung von Tieren als Maskottchen, die tatsächlich dem Zwecke ihrer Ausbeutung und Ermordung dient, benennen. Wir können auf die Tötungen von Tieren, in den Tierheimen und halbwilder und verwilderter Tiere, als Schuldzuweisung auf das Opfer hinweisen. Wir können darüber sprechen, wie wildlebende Tiere marginalisiert werden durch den Verlust ihres Habitats, verursacht durch die Agrarkultur und den sich ausdehnenden Städtebau, und wie „invasive/schädliche“ Spezies ein bequemes Ziel der Schuldzuweisung werden, wobei bei ihnen tatsächlich weder Hauptgrund und –ursache zu suchen sind. Wir können die Reproduktionskontrolle, die Zwangszucht, genetische Manipulation und die in die Sexualität eingreifende Gewalt sichtbar machen, die Institutionen am Leben erhalten wie die Tierversuchslaboratorien, die Tiere involvierende Agrarkultur, die Haustierhaltung, Zoos und Aquarien, Jagdreviere, Aquakultur und die Unterhaltungsindustrien die Tiere einbeschließen. Die Tokenisierung, die Schuldzuweisung auf das Opfer, die Marginalisierung und die Reproduktionskontrolle, sind die Grundpfeiler des weißen Patriarchats. Innerhalb des weißen Überlegenheitsdenkens in Amerika tendiert der Mainstream dazu, sich mit Tieren und farbigen Menschen dann zu identifizieren, wenn sie tot oder auf eine Fast-Unsichtbarkeit reduziert sind. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass wir diese Gruppen tatsächlich respektieren, indem wir sie romantisieren, und die, die sie in Wirklichkeit sind, für uns in unserer Vorstellungswelt in der Weise passend für unsere eigene Identität modulieren, nun wo unsere Vorfahren und Zeitgenossen sie bereits als eine Bedrohung außer Kraft gesetzt haben. Ein wesentlicher Grundpfeiler des weißen Patriarchats ist aber auch die Frage der Bürgerschaft. Die einzig legitimen Stimmen sind diejenigen, die „echte Bürger“ der Gruppe darstellen. Und in der Tierrechtsbewegung stellt dies ein enormes Hindernis dar in den Bemühungen um eine Bewirkung der Anerkennung der Interessen von Tieren durch die Gesellschaft.

►Das weiße Patriarchat als treibende Kraft in Tierverteidigungskampagnen.

◌ Die Kampagnen von PETA sind berüchtigt wegen ihrer rassistischen und sexistischen Komponenten. Ich werde hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, da eine andere Sprecherin bei dieser Konferenz ihre Analyse der Organisation PETA vorstellen wird. PETA sind jedenfalls ein sehr offensichtliches Beispiel für das weiße Patriarchat als treibende Kraft hinter ihren Zielen und Strategien. Nicht allein in den Öffentlichkeitsstunts der Organisation, sondern auch in ihren Politiken und Praktiken, die Tiere in ganz unmittelbarer Weise anbetreffen. PETA hat eine Geschichte zu verzeichnen, in denen sie mehr ihrer vermeintlich geretteten Hunde und Katzen getötet haben, als sie an ein neues Zuhause vermittelten. Nathan Winograd hat PETA seit Jahren wegen ihrer desaströsen Tierheimunterbringungspraktiken und Vorgehensweisen kritisiert. PETAs Unterstützer_Innen haben daraufhin entgegnet, dass Winograd nicht erwähnt habe, wie viele Tiere man aus den Gefahren, die für sie in überfüllten Tierheimen drohten, extra herausadoptiert habe, und dass es besser für diese Tiere sei einen „gnadenvollen“ Tod zu erleiden, als ein Leben in einen Tierheim zu verbringen, oder was noch schlimmer sei, als ein Leben ohne ein echtes Zuhause. Was mir dies sagt ist, dass für PETA die beste Art einer ethischen Beziehung zu Tieren, auf die wir unter PETAs Richtlinien hoffen könnten, diejenige ist mit toten Tiere, da es ja keine Möglichkeit gibt, alle diese Tiere unter einer kompletten institutionellen Kontrolle zu halten, und es dann effizienter wäre die Tiere einfach zu töten um sich dann auf die Schulter zu klopfen, dass man ja das richtige getan habe, denn man weiß ja schließlich auch genau, was das Beste ist. Das ist weißes Patriarchat.

◌ Verdeckte Nachforschungen bildeten die wesentliche Taktik zur Aufdeckung einiger der schlimmsten Gewaltakte gegen Tiere. Was oft nicht betont wird in solchen Ermittlungen von Tiermissbrauch in Fabrik-Farmen oder bei Kampagnen gegen den Hundekampf oder gegen Hahnenkämpfe oder bei Aufdeckungen des illegalen Handels mit wildlebenden Tierarten, sind die rassifizierten Komponenten die bei diesen Gräueltaten mitschwingen. Die große Mehrzahl derjeniger Menschen, die die niederen Arbeiten verrichten und die illegalen Taten begehen, denen wir immer wieder in den Nachrichten begegnen, und auf die der Zorn und die Empörung der Aktivist_Innen niederprasselt, sind farbige Menschen.

◦ Fremdarbeiter aus Ländern wie Mexiko und Guatemala machen ein Fünftel der Arbeiterschaft in den Agrarindustrien aus. Sie haben typischerweise keinen High School Abschluss und ihre Optionen bei der Arbeitssuche sind daher gering, auch haben sie normalerweise wenig in der Leitung dieser Farmbetriebe zu sagen. Sie sind einfach Hände – oft die blutigen Hände – die 10 bis 12-stündige Schichtdienste verrichten. Der US-amerikanische Imperialismus und Rassismus stößt sie in Jobs wie diese, wo die Möglichkeiten der Wahl dessen, wie man seine Einkünfte bestreitet, gering sind. Sie werden häufiger wegen Grausamkeit gegen Tiere belangt als die Betreiber der Farmen, die die echten Profite aus der Sache schlagen. Und Tierverteidigungsorganisation wissen das, wenn sie Klagen erheben; sie versuchen einfach jeden „Erfolg“, gleich welchen, zu erlangen, wenn er denn nur erlangbar ist. Zum Schluss hilft das den Tieren weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, denn es erlaubt es den Shareholdern einer Verantwortlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es erlaubt den Geschäftsbetreibern die Sündenbockfunktion den verarmten und oft analphabetischen Wanderarbeitern zuzuschieben, die kaum juristischen Schutz haben, und es sendet eine für die Öffentlichkeit irreführende Botschaft aus, dass man was gegen die „schlimmen Typen“ getan habe, wobei sie in Wirklichkeit einfach nur durch andere Immigranten gleichen Hintergrunds ausgetauscht werden, die dann ebenso den Verstand verlieren werden, mit der Gewalt, die sie stundenlang täglich ausführen müssen.

◦ Hundekämpfe sind so alt wie die zivilisierte Welt selbst. Und Hahnenkämpfe begannen in Europa etwa um das 15. Jahrhundert herum aufzutauchen. Beide dieser Blutsportarten zählten gewöhnlicherweise zu den Aktivitäten wohlhabender Landbesitzer, Handeltreibender und Aristokraten; in anderen Worten: Leute die Geld hatten. Heute werden diese Blutsportarten mit armen farbigen Menschen in Verbindung gebracht. So sehen die Kampagnen gegen diese grausamen Bräuche oft aus wie eine spezifische Strafung Farbiger, nun wo weiße Menschen der Mittel- und Oberschicht kulturell „jenseits“ von solch einem Barbarismus stehen.

◦ Der illegale Handel wildlebender Tierarten ist ein Thema, das nicht allein die Tierverteidigungsbewegung beschäftigt, dieses Thema ist auch bestimmend in Bereichen umweltschützerischer Tätigkeiten. Kampagnen und Berichte betonen die Prozentzahl des illegalen Handels, so dass man sich auf CITES und damit auf juristische und politische Richtlinien berufen kann. Soweit hat das allerdings keinen besonders großen Unterschied erbracht, was die Anzahl von Tieren, lebend oder tot, anbetrifft, die aus ihrem gebürtigen Land oder Wasser herausgeschmuggelt werden. Die Gegenden wo die meisten dieser Aktivitäten stattfinden, liegen in Südostasien und in Subsahara-Afrika. Nachrichtenmedien, Dokumentationen und Kampagnen fokussieren zumeist extensiv auf die Seite der „Wilderei“ im Handel mit wildlebenden Tierarten, die ausschließlich von den farbigen Menschen in den Regionen betrieben wird. Obgleich das Geschäft des Handels wildlebender Tierarten Teile großer krimineller Syndikate bildet, sind die Leute, die wir überall in Bildern und in den Nachrichtenartikeln sehen, diejenigen mit wenig Ressourcen und mit weniger Sagen in den großen Syndikaten – Leute die einfach ausgetauscht werden können, die man einfach zu Sündenböcken machen kann. Es ist weitaus schwieriger die wohlhabenden Konsumenten von Produkten aus wilden Tieren sichtbar zu machen, und es ist schwieriger Reiche in Frage zu stellen, Jagdsitze in Privatbesitz, die vom Geschäft mit dem Handel „exotischer“ Tierarten profitieren, es ist schwieriger amerikanische und europäische Privatinvestoren von Milizen und kriminellen Syndikaten in diesen Regionen anzugreifen, also tut es auch niemand. Es ist weitaus einfacher, arme farbige Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die die tatsächliche Gewalt und die tatsächliche Straftat begehen, denn das sind die Plakatkriminellen, und das weiße Überlegenheitsdenken und der Kolonialismus können ungehindert weitermachen, unbemerkt, in ihren systemerhaltenden Funktionen.

◦ Rassismus, Klassismus und Kolonialismus treiben farbige Menschen dazu, sich übermäßig auf die Ausbeutung von Tieren zu verlassen, und weil sie nicht den Schutz durch Wohlstand und Weißsein genießen, tragen diese Leute die Last der Konsequenzen, während die Schwergewichte in Sachen Ermöglichung, ihr Geschäft weiter und wie gehabt betreiben können.

IV. Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

V. Schlussfolgerung

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat sichtbar zu machen, ist wichtig um die Unterdrückung von Tieren sichtbar zu machen. Oft stecken diese hinter den Gräueltaten die gegen Tiere begangen werde, wogegen wir schließlich kämpfen.

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat beeinflussen die Ziele der Bewegung und der angewendeten Strategien. Wir können evaluieren, wie unsere Ziele und Strategien weitervermittelt werden, und indem wir die Intention hegen diese Kräfte sichtbar zu machen, anzuerkennen was wirklich los ist, indem wir uns unsere eigene Rolle in all dem bewusst machen, können wir die Verantwortung für eingeschlagene Richtungen in der Bewegung übernehmen.

► Nun wo andere Aktivist_Innen Analysen über den Abelismus, Heterosexismus, Cissexismus und Queerness mit einbeziehen, haben wir die Möglichkeit, dass die Tierrechte sich zu einer echten Pioniersfront der intersektionalen Bewegung entwickeln können. Schaffen wir es diese Herausforderung anzunehmen?

Weitere Beispiele weißen Patriarchalismusses:

„Ich hab ihm gerade einen Nasenring angebracht … , so dass er nicht mehr bei seiner Mutter saugt. Er braucht es einfach nicht mehr … . Er wird sich dran gewöhnen. Wir haben es mit den anderen Kälbern auch so gemacht. An dem Ring sind nur einige Zacken, und das ist damit es die Kuh an ihrem Euter stört wenn er versucht zu saugen, sie wird ihn dann wegtreten … . Tja, das ist halt noch so eine weitere spaßige Sache, die du so auf einer Farm machen kannst.“

http://www.youtube.com/watch?v=mOMYfrFKHyE&feature=youtu.be

Malerei: © Farangis G. Yegane

(Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.)

Copyright © 2013, Anastasia Yarbrough, Gita Y. Arani-May / Palang LY. Alle Rechte vorbehalten.

 

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

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Quelle: ‘Engaging with the idea that interrogations of race, gender, and whiteness in veganism is not pointless: Reflections on the Sistah Vegan Conference’ http://sistahvegan.com/2013/09/18/sistah-vegan-conference-recordings-now-available/. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Die Sistah Vegan Webkonferenz fand am 14. September 2013 statt. Sie trug den Titel „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten.“ (Was, du hast die Konferenz verpasst? Keine Sorge, die ganze Konferenz wurde aufgezeichnet und du kannst die Aufzeichnungen erwerben, indem du auf der Webseite zur Konferenz ‚CLICK HERE TO REGISTER’ drückst. Auch wenn die Konferenz nun vorbei ist, so führt dich dieser Link doch zu der Seite, über die man die Sistah Vegan Conference-Aufnahmen erwerben kann: http://sistahveganconference.com/.)

Es waren beeindruckende 8 Stunden. Hier ist ein kleiner Einblick in das, was wir dabei lernten, wörüber wir sprachen und uns gemeinsam austauschten:

–         Wie Veganismus die Reproduktionsgesundheit schwarzer Frauen heilt.
–         Schwarze Frauen, Veganismus und die Herausforderungen durch diskriminatorische Haltungen gegenüber Körpergröße und –masse [‚Sizeism’].
–         Das Patriarchat als Problem in der US-amerikanischen Tierbefreiungsbewegung.
–         PETAs rassifiziert-sexualisierter Einsatz weiblicher Körper, um zum ‚Veganwerden, für die Tiere’ zu ermutigen.
–         Wie der ‚weisse Retterkomplex’ Schwierigkeiten und Stress verursacht für schwarze Frauen innerhalb bestimmter gemeinschaftlicher Veganismus- und Yogapraktiziernder-Räume in den USA.
–         Die Politk industrialisierter und verarbeiteter Babynahrung und die Schaffung einer indigenen veganen Mutterleibsökologie.
–         Die Art und Weise, in der die Sistah Vegan Anthologie so viele von uns dahigehend ermutigt hat, den Weg des Veganismus zu beschreiten.

Ich denke, dass diese Konferenz wichtig ist für eine ganze Anzahl von Leuten, die an kritischen Nahrungsmittelstudien, kritischen Tierstuduen und/oder schwarzen Studien interssiert sind. Dennoch empfehle ich diese Konferenz der beachtlichen Anzahl ‚postrassisch’ denkener Leute (fast immer sind dies weiß-identifizierte Menschen), die mich witerhin mit einer klaren (entweder direkten oder passiv-aggresiven) Wut im Bauch kontaktieren, dass sie es kaum fassen könnten, wie ich behaupten könne, dass Rasse, Geschlecht und Weißsein die vegane Praxis, das vegane Rational und Bewusstsein beeinflussen könnten. Und solche Messages kommen in den Kommertarsektionen meines Blogs, meiner Facebookseiten oder in meiner persönlichen Emailbox an, mit dem Zugeständnis Vieler, niemals etwas über kritische Studien bezüglich Rasse, schwarzer feministischer Theorie oder kritische Weißseinsstudien gelesen zu haben – aber diese Leute sind sich SICHER und ÜBERZEUGT davon, dass bestimmte Fragen im Bezug auf Rasse, Gender und Weißsein im Bereich Veganismus nicht hinterfragt werden sollten. Es mag ihnen nicht bewusst sein, aber man nennt dies (weiße) Selbstberechtigung [(white) entitlement] wenn sie in einer solchen Weise an mich herantreten. Es ist ein Akt diskursiver Gewalt, und es ist das perfekte Beispiel davon, wie Weißsein als ein Kommunikations- und rhetorisches System funktioniert. Diese Kommunikationsmethode ist einfach wirklich nicht harmonisch, nicht heilend und sie steht antithetisch zur Nicht-Gewalt (Ahimsa), die der Veganismus für so viele von uns verkörpert.

Ich kann nur anbieten, dass wenn Leute mit dem oben beschriebenen Kommunikationsverhalten, eine aufrichtige und offene Diskussion über den „Sinn“ dieser Webkonferenz, die Sistah Vegan Anthologie und meine andere auf das Soziologische gründende Forschungsarbeit führen möchten, dass diese Leute sich mal dran setzen sollten Beiträgen der Sistah Vegan Konferenz zuzuhören; vielleicht die Sistah Vegan Anthologie mal lesen sollten und auch meine Masters- und Disserationsarbeit, die in klarer Weise die Relevanz und die Wichtigkeit dessen artikulieren, sich mit kritischen Rassenstudien, schwarzen feministischen-, dekolonialen- und kritischen Weißseinsstudien innerhalb des Veganismus in den USA zu befassen. Ich versichere euch, dass sowohl Harvard (meine Masters These) als auch die University of California (meine Disserationsarbeit), meine Arbeiten nicht als Bestanden abgesegnet hätten, wenn ich sozialwissenschaftliche und rigorose Forschungmethoden und methodologische Herangehensweisen bei meiner intersektionalen Arbeit über Veganismus, Kultur und systemische Unterdrückung, nicht in richtiger Weise angewendet hätte. Ich hätte den begehrten Dean’s Award von Harvard für meine Masters-Thesenarbeit (die jeweils nur einem Kanditaten pro Fachbereich verliehen wird) nicht erhalten, und auch kein zweijähriges Stipendium, um meine Dissertationsarbeit an der Universtiy of California abzuschließen, wenn die entscheidungstragenden Kommitees beider Institutionen der Meinung gewesen wären, dass meine akademischen Untersuchungen über den Veganismus ‚sinnlos’ oder ‚rassenhetzerisch’ (wie von vielen [mis]interpretiert) seien. Bitte emailt mir unter sistahvegan (at) gmail (dot) com wenn ihr Auszüge und/oder Kopien meiner veröffentlichten Arbeiten, meiner Thesenarbeit und/oder meiner Dissertation haben möchtet, um euch mal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und vor diesem Hintergrund …

gilt ein ausgesprochener Dank all denen, die dies zu einem unwahrscheinlich beeindruckenden Event gemacht haben. Ich freue mich auf das, nächsten Jahres!

Wenn ihr an der Veranstaltung teilgenommen habt und/oder euch die Aufszeichnungen angehört habt, dann postet bitte wie ihr die Konferenz und das Gelernte empfunden habt, und das, womit ihr vielleicht Probleme hattet, oder was euch eventuell überrraschte, usw.

***

A.d.Ü.: Und Sinn und Zweck dieser Übersetzung ist es, das Sistah Vegan Projekt wegen seiner internationalen und globalen Wichtigkeit im deutschsprachigen Raum noch weiter bekannt zu machen, und um einige Aktionen des Projekts auch innerhalb des deutschen Sprachraums zu dokumetieren:

Siehe in diesem Zusammenhang …

Eine Info über die Sistah Vegan Anthologie (2010):
http://simorgh.de/harper/die_sistah_vegan_anthologie_2010_s.pdf

Die Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge der Sistah Vegan Webconference 2013:
http://simorgh.de/harper/sistahvegan_conference_2013_8bs.pdf

Und in aller Kürze die Programmübersicht der Webkonferenz 2013:
http://simorgh.de/niceswine/wp-content/uploads/2013/09/sistahvegan_conference_programm_1.pdf

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Palang LY

Tiere als Nummern

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Das kontroverse israelische Projekt http://269life.com emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend für das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht. Während solch ein Kunst- / Designprojekt wie das „Pig 05049“ der Niederländerin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert.

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Der Guardian veröffentliche am 27. März 2010 ein Essay des amerikanischen Autoren und Journalisten Bill Buford [1] über eine Arbeit der niederländischen Designerin Christien Meindertsma, in der sie Fotografien von Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, als all das, was aus einem Schwein so gemacht wird, zentriert auf ein Tier: „Pig 05049“, als Rohstoffquelle, darstellte.

Aus Tierrechtssicht halte ich die Arbeit von Meindertsma für bedenklich, aus Gründen, die ich weiter unten anreißen will. Der Artikel aus dem Guardian jedoch, sowie auch ein Artikel aus dem Stern über eine Ausstellung Meindertsmas im Jahr 2008 zum „Pig 05049“ [2], machen aber bereits klar, warum die Arbeit der Designerin eine zweischneidige Angelegenheit ist, wenn sie problemlos in der Weise, wie in diesen beiden Artikeln, rezipiert werden kann, als eine willkommen geheißene Ermutierung zur Objektifizierung von nichtmenschlichen Tieren im agraindustriellen Komplex.

Der Tierrechtler und Vorstand des europäischen Zweigs des Animals and Society Institute (http://www.animalsandsociety.org/) Kim Stallwood, hält zum Artikel Bufords aus dem Guardian fest:

Das kleine Schweinchen beim Guardian

Ein interssanter Artikel im samstags erscheinenden farbigen Wochendmagazin des Guardians. Er bestand aus einem Fotoessay als Auszug aus dem Buch Pig 05049 von Christien Meindertsma und einem Essay des Autoren Bill Buford. Interessant aus zweierlei Hinsicht.

Zuerst: Das Fotoessay dokumentiert 185 (naja, einige) Produkte, die aus einem geschlachteten Schwein hergestellt werden, einschließlich Apfelsaft (Gelatine), Puzzleteilen (Knochenleim) und Sandpapier (nochmals Knochenleim). Was immerhin beweist welche Herausforderung es darstellt, vegan zu leben. Einige würden behaupten es ist eine sinnlose Übung. Eine Unmöglichkeit. Ich würde sagen, dass der Weg zum Veganismus wichtiger ist, als die Ankunft am seinem Ziel.

Der zweite interessage Punkt ist dieser: warum müssen Menschen, die darüber schreiben, dass sie bei der Schlachtung eines Tiere teilgenommen haben, den Akt immer romantisieren? Und das Ganze mit sentimentalem Quatsch aufladen, um den Anschein der Profundität zu erwecken? Buford schreibt zum Beispiel: „Das Blut sammelt sich in einem Eimer. Ich rührte es damit es nicht koaguliert. Man gab mir eine Kelle und sagte ich solle mal probieren. Ich war vom Geschmack überracht, der vital, energisierend und glücklich war.“ Was genau ist glücklich am Probieren des Blutes eines Schweins, das man gerade getötet hat? Und dann folgt diese pseudo-moralisierende und nichtssagende Entschuldigung für die Missetat. [3]

„Der Aufwand benötigte vier Mann. Das Schwein wusste was geschah. Sie war stark. Sie kämpfte. Da gab es kein Schweinequieksen. Es war ein weit offener Schrei. Sie schrie laut und hörte nicht auf, bis nachdem für einige Sekunden, und nicht mehr als einige Sekunden, in ihr Herz gestochen war. Der Schrei ging bis in die höheren Klangregister; ein hochstimmiges, bellendes Klagen, das mein Gehirn nicht als normal herausrastern oder empfinden konnte. Dann, gerade als ich das Seil am Bein des Tieres festmachte, schaute sie mich an, ganz genau, und sah mir in die Augen. Warum mir? Vermittelte mein Gesicht unter den andern Gesichtern dieser abghärteten Traditionalisten etwa Unbehagen? Der Halt funktionierte wie eine Klampe. Ich wollte mich abwenden. Ich tat es nicht.“ [4]

— — —

Wie konnten die Fotografien aus der Designarbeit von Meindertsma so problemlos in diesem Zusammenhang ihren Platz finden? Ist eine Auflistung und Darstellung von Tierkörperteilen und der Stoffe, die aus ihnen gewommen werden bereits eine Stellungnahme in der einen oder anderen Weise?

Meindertsma sieht in ihrer Arbeit „grundsätzlich den Produktkatalog [eines] Schweins“. Das „schönste“ findet sie, in einer TED Rede unter dem Titel: „Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen“ (vom Juli 2010), ist die Verwendung der Herzklappe des Tieres, die eine Operation am menschlichen Herzen unter nur minimalstem Eingriff ermöglicht. Abschließend sagt sie, dass sie am meisten an Rohmaterialien insgesamt intersssiert sei, und ein bisschen auch an Schweinen. [5]

Die Ästhetik der Objektifizierung

Randy Malamud, Fellow am Institut für Tierthik der Uni Oxford, formuliert ein wichtiges Argument im Kontext mit einem Werkzyklus der türkischen Künstlerin Pinar Yolacan (Titel: „Perihables“), in der Hühnerkörper als künstlerisches Ausdrucksmittel und Accessoire verwendet werden:

„Ich frage mich, wenn ich durch Yolacans Linse auf eine Frau und ein Huhn blicke, eine Frau in einem Huhn: Wo ist das Huhn? Ja, das Tier ist da, aber da gibt es kein „da“. Das einzige huhnhhafte in diesen Bildern ist ein Negativum: die Abwesenheit eines Huhns, die Verhöhnung eines Huhns, die Zerstörung eines Huhns, die perverse menschliche Transformation eines Huhns.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es die Last jedes Kunstwerks sein müsse, das huhnhafte des Huhns zu hinterfragen, aber ich bin ökologisch empört über das durchdringliche Versagen menschlicher Kultur […] dabei, die Intergrität, das Bewusstsein, die echte Gegenwart anderer Tiere in unserer Welt ernsthaft anzuerkennen.“ [6]

Wie weit darf eine ästhetisierende Objektifizierung gehen, insbesodere auch dann, wenn sie unter anderem der Veranschaulichung dient, wie im Fall des Buches Pig 05049 von Christien Meindertsma und bei anderen Designern, Künstlern und deren Arbeiten, im Allgemeinen.

Was Meindertsma anbetrifft: Als Veganer kennen wir Alle, Listen tierlicher Inhaltstoffe und ihrer Derivate. Eine partielle Liste im schöngemachten Format ist eigentlich nicht zweckdienlich, auch wenn sich über Ästhetik streiten lässt.

Das Buch Pig 05049 wird aber für 44 Euro bei enem veganen Onlinehandel feilgetobten. Aufmerksam wurde ich, nachdem ich sah, dass die VGD es auf ihrer FB-Seite bewarb und keine Veganer_In dort Anstoß am Ganzen nahm. [7]

[1] Bill Buford: From one pig: 185 products, The Guardian, Saturday 27 March 2010 http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products. Der Text wurde inzwischen wegen Ablauf der Nutzungsrechte von der Webseite des Guardian entfernt.

[2] Albert Eikenaar: Eine tierisch versaute Idee, Der Stern 23. Juli 2008, http://www.stern.de/kultur/kunst/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html

[3] Kim Stallwood: Little Piggy at The Guardian, http://www.kimstallwood.com/2010/03/29/the-little-piggy-at-the-guardian/. Übersetzung der Blogeintrags (ohne dem Zitat aus dem Guardian) Palang Y. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von Kim Stallwood. Siehe hierzu auch: This little piggy… Christien Meindertsma photographs the 185 products that came from one pig, The Guardian, Saturday 27 March 2010, http://www.theguardian.com/theguardian/gallery/2010/mar/27/185-products-one-pig-gallery

[4] Bill Buford: From one pig: 185 products, a.a.O. http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products

[5] TED, Christien Meindertsma: Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen http://www.ted.com/talks/christien_meindertsma_on_pig_05049.html

[6] Randy Malamud: Vengeful Tiger, Glowing Rabbit, in: The Chronicle of Higher Education, July 23, 2012, http://chronicle.com/article/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit/132951/?cid=cr&utm_source=cr&utm_medium=en

[7] Vegane Gesellschaft Deutschland, der betreffende Eintrag auf ihrer Facebookpage https://www.facebook.com/photo.php?fbid=589879337720155&set=a.159698390738254.28272.154920631216030&type=1&theater

Alle Zugriffe vom 17. September 2013.

Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.

 

Programmübersicht: Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien

Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Die Programmübersicht auf  Deutsch als PDF

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Datum: 14. September 2013

Zeit: 10:00 AM – 6:00 PM PST (pazifische Standardzeit). Die mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist der pazifischen Standardzeit 9 Stunden voraus.

Ort: Online-Webkonferenz über Anymeeting.com

Die Sprecherinnen und das Programm

10:00 AM: „Einführung: Wie bildet der Veganismus für schwarze Frauen und ihre Verbündeten einen kritischen Eingangspunkt zur Diskussion über Themen sozialer Gerechtigkeit und von Gerechtigkeitsfragen betreffend nichtmenschlicher Tiere und der Umwelt.“ Dr. A Breeze Harper, University of California-Davis.

10:15 AM: „Wie Weißsein und das Patriarchat Tieren schaden.“ Anastasia Yabrough, Inner Activism Services.

10:50 AM: „PETA und der Tropus des „Aktivismus“: Die Naturalisierung postfeministischer und postrassischer Einstellungen durch Proteste sexualisierter Körper.“ Aphrodite Kocięda, University of South Florida.

11:25 AM: „Eine verkörperte Perspektive auf die Redefinierung von ‚Gesundheit’ in einem kulturellen Kontext und die Betrachtung der Rolle von ‚Sizeism’ [der diskriminatorischen Vorurteilshaltung gegenüber ‚Körpergröße u. -masse’] im Paradigma veganer schwarzer Frauen.“ Nicole Norman.

12:25 PM: „Kosmetische Marginalisierung: Status, Zugänge und vegane Schönheitslektionen unserer Urmütter.“ Pilar Harris, Pilar in Motion.

1:00 PM: Offene Diskussion: „Warum ich das ‚Hühnchen am Sonntag’ aufgegeben habe und vegan geworden bin. Mädchen und Frauen afrikanischer Herkunft diskutieren ihre Gründe dafür, warum sie sich für den Veganismus entschieden haben.“

1:50 PM: „Hebammentum, Medizin und die Babynahrungs-Politik: Untergrundfeminismus, indigene pflanzlich-basierende ‚Foodways’ [Versorgungswege] und Ernährung.“ Claudia Serrato, University of Washington.

2:30 PM PST: „Die Konstruktion von Quellen zusätzlich zur elterlichen Kompetenz als schwarze Veganerin: Eine Diskussion über Geografie und Theologie und derer inneren Widersprüche.“ Candace M. Laughinghouse, Regent University.

3:05 PM: Podiumsdiskussion: „Yoga für die stressfreie Soul Sista und Lehre radikaler Selbstfürsorge: Erforschung von Privileg im Yoga und Veganismus für Girls of Color [farbige Mädchen].“ Sari Leigh und Kayla Bitten.

4:20 PM: Offen Diskussion: Reflektionen über die Sistah Vegan Anthologie.

5:00 PM: „Ist eine schwarze Dekolonialisierung in einer moralischen Ökonomie neoliberalen Weißseins möglich? Wie in den USA eine schwarze vegane Befreiungsrhetorik oft die Grundsätze kolonialen Weißseins verlängert.“ Dr. A. Breeze Harper, University of California Davis.

Information zur Konferenz und Registration: http://sistahveganconference.com 

Organisation: Dr. phil. A. Breeze Harper, breezehaper [at] gmail [dot] com

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Und für die, die das Sistah Vegan Projekt noch nicht kennen: Infos über die Sistah Vegan Anthologie 2010 auf Deutsch

 

Sistah Vegan Conference: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Anfang August hatten wird die Sistah Vegan Anthology (2010), herausgegeben von Dr. A. Breeze Harper, vorgestellt: ‚Sistah Vegan: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’.

Dieses Jahr findet die erste jährliche Sistah Vegan Conference am 14. September statt.

Wir haben das Programm mit den Kurzbeschreibungen der Vortrags- und Diskussionsthemen übersetzt, um Denkanstöße, die dort gegeben werden, an eine ins Deutsche erweiterte Blog-Leserschaft weiterzugeben:

Sistah Vegan Web Conference: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Veganismus und Intersektionalität


Warum intersektional ethisch vegan?

Palang LY

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Intersektionalität ist dem Veganismus eigentlich inhärent. Der Veganismus berührt unterschiedliche ethische Felder, wobei am zentralsten die Gebiete unmittelbar um das Mensch-Tier-Verhältnis sind. An tierethische Fragen binden sich dann weiter die ökologischen Themen und diejenigen Fragen, die all das, was ‚Menschen ausschließlich’ anbetrifft, mit einbeschließen.

Ökologie und Gesundheit, die beiden Säulen des Veganismus, sind selbstverständlich genauso politische Themen. Im Zusammenhang mit dem Veganismus ergeben sich also Tangenten, die wir als die Intersektionen zweier perspektivischer Herkunftsorte (der Veganismus und soziale/politische Positionen) bezeichnen können.

Zur Zeit existieren einige vegane Projekte, die sich besonders solchen Schnittstellen zuwenden. Wichtige Themen sind dabei die Nahrungsmittelgerechtigkeit, Rassismus, Feminismus, Sexismus, Homophobie, Ableismus (die Diskriminierung behinderter Menschen), usw. Alle diese Themen werden in solchen Projekten mit dem Veganismus und aus veganer Sicht kontextualisiert.

Organisationen, Gruppen und Initiativen wie beispielweise das Food Empowerment Project, Sistahvegan, Vegans of Color, vegan-feministische Gruppen und Blogs, oder ein neueres Buchprojekt, das sich dem Thema ‘Behinderung und ethischer Veganismus’ zuwendet (The Disabled Vegan Reader), sind vegane Projekte dieser Art; hier finden wir erweiterte Perspektivmöglichkeiten der veganen Ethik auf verschiedene Weise durch verschiedene Schwerpunkte adressiert.

Vermieden werden soll durch die Kontextualisierung (und da sind sich alle einig), dass der Veganismus die Chance verpassen könnte sein politisches Potential dazu zu nutzen, erweiterte Ansätze zu schaffen, durch die nichtmenschliche Tiere und die natürliche Umwelt verstärkt mit in den Mittelpunkt der ethischen Hauptbelange gesetzt werden können. In allen uns bekannten intersektionalen veganen Projekten spiegelt sich der Gedanke wieder, dass  ethischer Veganismus und Demokratie komplentäre Spieler sind und hier müssen noch zahlreiche neue Wege beschritten und Möglichkeiten erschlossen werden.

Intersektionalität wirkt manchmal wie ein Umweg, um die spezifisch tierrechtsbezogenen Fragen herum und nicht direkt auf sie zugehend. Das Gleichgewicht beizubehalten ist in Diskussionen wichtig, besonders wenn alle Themen zeitgleich und dringlich in ihren Zusammenhängen behandelt werden müssen. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass sich zwar eine Richtung abzeichnet, in der sich das gemeinsame Übel befindet: Ursachen von Unterdrückung, Diskriminierung, Gewalt, Zerstörung – aber es gibt keine Allzwecklösungen für diese Unzahl komplexer Probleme, denen sich also auch ein pluralistischer veganer Aktivismus gegenübergestellt sieht.

Eines ist natürlich klar: wenn eine Aktivitstin hauptsächlich oder auch ausschließlich über ihr Gebiet spricht, seien es Tierrechts-, Menschenrechts- oder Umweltschutzbelange, heißt das nicht immer zwingenderweise, dass das Gesagte auch massiv weiter führt: Vieles an Output, den wir von anderen Aktivist_Innen erhalten, sind Dinge, die wir schon oft gehört haben, Dinge die leider nicht wieder neu auf ihre aktuelle Gültigkeiten hin überprüft werden oder upgedated werden um sich an neuere Erkenntnisse im Bereich Aktivismus zu orientieren.

Auch stellt die Methodik, wie von Fragen, die sich in intersektionalen Themenbereichen (z.B. Feminismus und Antirassismus) bewegen, hingeführt werden kann zur Tierethik und zum Umweltschutz, immer wieder eine starke Herausforderung und wichtige Aufgabe dar (der man sicherlich mit einiger kritischer Selbstreflektion gerecht werden könnte).

Wie weit sind wir bereit dazu, die Rahmen so zu stecken, die sich nicht allein auf die begangenen einseitigen Wege beziehen?

Gemeint ist: Dort wo Sexismus oder Rassismus stattfindet, sehen wir unter Bezugnahme auf Tierrechte und Ökologie, dass Gründe/Hintergründe von sowohl Unterdrückung als auch Zerstörung ja tatsächlich noch weiter zu fassen sind, als wir das bislang mit unseren Erklärungsmodellen getan haben. Rahmen müssen neu gesteckt werden und solche intersektionalen Projekte helfen dabei immens.

Wir wollen uns im Rahmen unseres veganen Selbsverständisses nach neuen, interessanten Antworten umschauen, wie der Veganismus sich von seinen Verfechtern her als ein junges demokratisches Element einer (soweit noch) Minderheitsbewegung mit einbringt: Wie werden Menschenrechte, Umweltfragen und selbstverständlich vor allen Dingen Tierfragen heute aus ihrer Box derer Konzepte rausgeholt, die ein neues Denken bislang noch zu hindern scheinen?

Zusammenhänge aufzuzeigen führt zu umfassenderen Fragen / Antworten.

Links

Food Empowerment Project: http://www.foodispower.org/
The Disabled Vegan Reader: http://www.disabledveganreader.com/
The Sistah Vegan Project: http://sistahvegan.com/
Vegans of Color: http://vegansofcolor.wordpress.com/

Die Sistah Vegan Anthologie 2010

Die Sistah Vegan Anthologie

Eine Buchvorstellung der Sistah Vegan Anthologie. Von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Sistah Vegan: Black Female Vegans Speak on Food, Identity, Health, and Society. Erschienen 2010 bei Lantern Books. Herausgegeben von Dr. phil. A. Breeze Harper. http://sistahvegan.com.

Originaltext: Sistah Vegan Anthology, http://sistahvegan.com/sistah-vegan-anthology/. Übersetzung: Palang L. Arani-May. Mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

‚Sistah Vegan: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’ wirft einen Blick auf Nahrungsmittelpolitik, Identität, Sexualität, Gesundheit, Womanismus, Feminismus, Dekolonisierung, Antirassismus, ökologische Nachhaltigkeit und Tierrechte aus einem Blickwinkel schwarzer veganer Erfahrungshintergründe in den USA.

Es ist der erste Band dieser Art, der sich mit Rassen- und Gender-Erfahrungen von Veganer_Innen in den USA befasst.

Das Sistah Vegan Project befasst sich mit dem Leben schwarzer Veganerinnen. Das Projekt geht dabei aber über die Grenze von „nur Veganismus“ hinaus und fokussiert sowohl auf den Veganismus als auch auf andere holistisch-gesundheitliche Praktiken … sowie auf die Intersektionen von Rasse, Klasse, Religion, Gender, sexueller Orientierung, Behinderung/Nicht-Behinderung usw.

Worum es genau geht:

Wir wollen unsere Körper, unseren Geist und unsere Seele auf allen Ebenen versorgen – doch ausgehend von einer Philosophie die geleitet ist vom Veganismus, Menschenrechten, den Rechten nichtmenschlicher Tiere, dem Mitgefühl gegenüber Allem, durch alternative Wege gesundheitlichen Ungleichheiten zu begegnen und ökologisch nachhaltigen Praktiken.

Stell Dir vor schwarzer Feminismus trifft Vollwertveganimsus, trifft Öko-Nahchaltigkeits-Philosophie, trifft antirassistische Philosophie, trifft Dekolonialisierungstheorie, trifft Gesundheits- und Ernährungsaktivismus.

Einflüsse & Hintergründe des Projektgedankens

Während eines Abends im Sommer 2005 schaute ich mich in den neusten Foren auf der Seite BlackPlanet.com um und stieß dort auf ein Diskussionsforum, indem man sich mit einer umstrittenen Werbung der Organisation PETA befasste.

Als ich die Inhalte dieses Forums las, erfuhr ich, dass die NAACP [1] sich darum bemüht hatte PETAs Werbekampagne zu zensieren, wegen den Anstoß errengenden Inhalten, die, wie sie meinten, in der Werbung zum Ausdruck kämen. Ich fand die PETA-Seite auch gleich und schaute mir dieses „anstößige“  Kampagnen-Video an (http://www.peta.org/animalliberation/, A.d.Ü. Link am 09.08.2013 nicht mehr aktiv). Es scheint, dass PETA aufsehen erregen und eine Betätigung in „kritischem Bewusstsein“ in den Rezipienten anregen wollten, damit die Rezipienten ihre eigenen normativen Praktiken hinterfragen sollten. Das ist selbstverständlich meine Interpretation dieser Bildsequenzen.

Meine Augen blieben fixiert auf den Gebrauch von Bildern menschlichen Leids, dass dem Leid von Tieren gegenübergestellt wurde. Eine Malerei nordamerikanischer Indianer auf dem ‚Pfad der Tränen’ neben einem Foto von Herden nichtmenschlicher Tiere, die in ihr Verderben geführt werden; die Gräueltat an einem Schwarzen, der gelyncht und dessen Körper verbrannt wurde neben dem Bild eines Tieres, das verbrannt wurde; ein Schwarzweißfoto vom jüdischen Holocaust neben Tieren in den beengten, vollgepackten Strukturen einer agrarwirtschaftlichen Fleischproduktionsstätte. Beim Anschauen dieser Bilder stellte ich fest, dass die meisten Bilder Schwarze zeigten und aus der schäbigen Vergangenheit der Versklavung von Afroamerikanern und der Jim-Crow-Gesetze in den USA stammten.

Ich navigierte meinen Webbrowser zurück auf das BlackPlanet.com Forum und las all die Beiträge in dem Forum über PETA. 28 schwarz-identifizierte Personen hatten ihre Meinung über die Kampagne dort geäußert. Interessanterweise hatte von den 28 nur ein Teilnehmer der Intention dessen zugestimmt, was PETA mit der neuen Werbekampagne versucht hatte zu erreichen. Alle anderen Teilnehmer stimmten darüber miteinander ein, das PETA eine Organisation sei, die voll „weißer Rassisten“ sei, die meinten, dass Schwarze sich „auf dem gleichen Level wie Tiere befinden“.

Aufgrund meiner Vertrautheit mit Literatur über die Verbindungen, die zwischen Menschen- und Tierrechten bestehen (Dreaded Comparison von Marjorie Spiegel, Eternal Treblinka [2] von Charles Patterson) verstand ich, dass es PETA nicht darum ging die Versklavung Schwarzer mit nichtmenschlichen Tieren in einer derogativen, herabsetzenden Weise gleichzusetzen. Im Kontext der Arbeiten von Spiegel und Patterson schlussfolgerte ich, dass PETA implizierten, dass die Ausbeutung von und Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere von der gleichen Herrscher/Unterdrücker-Ideologie herrühren, die auch die Gräueltaten der Versklavung von Afrikanern, den Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern und den jüdischen Holocaust hervorgebracht hat. Marjorie Spiegel, die Verfasserin von The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery merkt an:

“Der Vergleich des Leids von Tieren mit dem Schwarzer (oder irgendeiner anderen unterdrückten Gruppe), erscheint nur dem Speziesisten als provokativ: Einem, der falsche Annahmen darüber wie Tiere sind für sich angenommen hat. Diejenigen, die sich entsetzt zeigen über den Vergleich mit einem Mit-Leidenden, haben zweifellos die voreingenommene Weltsicht übernommen, die ihnen von den Herrschenden vorgestellt wurde. Unsere Gemeinsamkeiten mit Tieren zu verneinen, heißt unsere eigene Kraft zu verneinen und zu unterminieren. Es läuft darauf hinaus sich aktiv um den Beweis gegenüber unseren Herrschern zu bemühen – denen aus der Vergangenheit oder den Gegenwärtigen –, dass wir so sind wie die, die uns misshandelt haben, eher, statt so zu sein wie unsere Mit-Opfer, also denen, die unsere Herrschenden auch zu Opfern gemacht haben.

Es geht nicht darum Begebenheiten zu vereinfachen und damit zu sagen, dass die Formen der Unterdrückung, die Schwarze und Tiere erfahren, identische Züge tragen – sondern, so verschieden die Grausamkeiten und die sie unterstützenden Unterdrückungssysteme auch sein mögen, es bestehen doch gemeinsame Züge zwischen ihnen. Sie teilen die gleiche grundlegende Beziehung: die zwischen Unterdrücker und Unterdrücktem.“ [3]

Als ich mir das Profil der einen Diskussionsteilnehmerin, die PETAs Kampagne befürwortete, anschaute, bemerkte ich, dass sie sich als schwarz und lesbisch identifizierte. Meine erste Frage war: Sympathisieren ‚Women of Color’ [A.d.Ü. nicht-weiße Frauen] die innerhalb ihrer Gemeinschaft marginalisiert sind, sich häufiger mit einem ethischen Ernährungsverhalten [4] als Minderheitszugehörige die nicht marginalisiert sind? Sind die Reaktionen der Mitglieder auf dem BlackPlanet.com Forum als repräsentativ dafür zu betrachten, wie die meisten Schwarzen in Amerika PETA sehen? Gibt es weniger kulturell provokative aufklärerische Modelle die Afroamerikanern Veganismus und Tierrechte kommunizieren?

Es ist nun über zwei Jahre her, dass ich mir diese Fragen gestellt habe. Ich habe mir inzwischen tiefgründigere Gedanken über die Problematik gemacht und bin dabei auf weitere Fragen gestoßen über die westlichen (vorwiegend Weißen), in der Mittelschicht angesiedelten Fundamente des Mainstream-Veganismus und der Philosophie ethischer Ernährung, wie sie sich in den USA ausgeprägt hatten. Ich schaute mir den US-amerikanischen Mainstream-Veganismus, die alternative Gesundheits- und Heilbewegung und die Bewegungen rund um die ökologische Nachhaltigkeit noch einmal genauer an; diesmal aus einer schwarz-feministischen, dekolonialen Perspektive vor dem Hintergrund kritischer Rassentheorie [5].

Wie gebrauchen schwarze Veganerinnen den Veganismus und andere ganzheitliche Gesundheitspraktiken zur Dekolonialisierung ihrer Körper und um sich in einem Gesundheitsaktivismus zu betätigen der institutionalisiertem und systemischen Rassismus entgegentritt?

Dr. Rachel Slocum fragt: „Was für eine ‚rassische’ Geographie (‚racial geography’) bringt das Weißsein im Zusammenhang mit der Lebensmittelgemeinschaft hervor? Wie schafft die Nahrungsmittelpolitik der Gemeinschaft eine rassifizierte Landschaft oder inskribiert Rasse in das Nahrungsmittelsystem und in alternative Nahrungsmittelsysteme [so wie den Veganismus]? [6] Was bedeutet das im Rahmen des Sistah Vegan Projekts für schwarz-identifizierte Veganerinnen?

Wie formt das weiße rassifizierte Bewusstsein den Mainstream-Veganismus als Konzept und als Praxis? Und was bedeutet das für schwarz-identifizierte Frauen?

– Beispielsweise sind Darstellungen von Körpern für vegetarische / vegane Lebensmittelwerbung, innerhalb der USA, meistens weiß und schlank, was ein zugrundeliegendes Thema vermittelt, dass Veganismus gleichzusetzen ist mit Weißsein, was wiederum mit dem „perfekten vegetarischen/veganen schlanken Körper“ gleichzusetzen ist. In welcher Weise affiziert das die Bereitschaft schwarzer Frauen, den Vegetarismus/Veganismus für sich zu entdecken, wenn der vollschlanke Körpertypus typischerweise in der schwarzen Gemeinschaft als gesund und schön anerkannt wird?

– Wie wirkt sich ein Mangel an Wahrnehmung weißen rassifizierten Bewusstseins innerhalb des Mainstreams der veganen-Tierrechts- und Ernährungsbewegung auf die Erfahrungen schwarzer Veganerinnen aus?

– Ist es, wie es sich im BlackPlanet.com Forum andeutete, eher so, dass die meisten schwarzen Amerikaner eine westliche mittelschichtbasierende Philosophie ethischer Ernährung nicht für sich annhehmen wollen weil es ihnen „einfach egal“ ist, oder wird dieses allein als Teil systemischen Weißseins und Klassimusses wahrgenommen? Systeme, die Schwarze geschichtlich betrachtet betrogen haben und die deren Werte, Sprechweise und Überzeugungen über Ernährung lächerlich gemacht und entwertet haben als „minderwertig“ und „mangelhaft“. […]

– Es gab die seltenen Begebenheiten in denen ich erlebt habe wie vegane Tierrechtler etwas vermittelten, was ich als eine Vorurteilshaltung gegenüber bestimmten Gruppen nicht-weißer Menschen betrachte. Solch ein interessanter Fall findet sich hier auf meinem Sistah Vegan Gemeinschafts-Forum, in dem das Beispiel zitiert wird:
http://breezeharper.tripod.com/sistahveganblog/index.blog?topic_id=1062287

– Wenn eine Mehrzahl Schwarzer eine negative Auffassung vom Weißsein haben, wegen des Rassismus/Klassismus den sie 400 Jahre lang erlebt haben, und wenn sie daher glauben, dass der Veganismus oder eine ethische Ernährungsphilosophie eine „weiße Sache“ sei, die in keiner Weise mit der Dekonstruktion von systemischem Rassismus/Klassismus in Zusammenhang steht, wie kann man dann ein Model schaffen und präsentieren, das den Vegetarismus/Veganimus als ein Werkzeug vorstellt, das simultan 1. dem Erbe der Sklaverei, so wie institutionalisiertem Rassismus/Klassismus, 2. der Degradation der Umwelt 3. den hohen Raten an Erkrankungen, die die schwarze Gemeinschaft betreffen, Widerstand und Lösungen entgegen setzt?

Alka Chandna, eine ‚Woman of Color [Nicht-Weiße] aus Kanada und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei PETA, schrieb einen Kommentar über die Reaktion der NAACP auf die Werbekampagne. Sie schilderte rassistische Übergriffe auf das Haus ihrer Familie, die sie erlebt hatte. Eine ihrer Erinnerungen war wie Eier gegen das Haus geworfen wurden, weil man ihre Familie nicht in der Nachbarschaft haben wollte. Dennoch war sie von der Kritik der NAACP an der PETA-Kampagne überrascht:

„Hier in den USA stellen die NAACP und Andere Tierrechtsaktivisten nun als weiße Rassisten dar um uns zu marginalisieren und abzutun. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Art der „Analyse“, die darin besteht unsere Bewegung in derart groben Zügen darzustellen, genau die Art der Herabsetzung ist, auf die Leute zurückgreifen wenn ihnen die Wahrheit zu unbequem wird. Rassisten haben Martin Luther King als Womanizer beschimpft. Kolonialisten haben Gandhi als einen kleinen braunen Mann in Leinen abgetan. Sexisten tun Feministinnen als hässliche wütende Frauen ab.

Nun arbeiten viele ‚People of Color’ [Nicht-Weiße] täglich daran, dass sich Einstellungen im Bezug auf Tiere ändern. Meine eigenen Überzeugungen, und die vieler meiner Kollegen, ensprangen einem Verständnis von Recht versus Unrecht. Uns inspiriert nicht der Rassismus, sondern die Gerechtigkeit. Ich bitte andere ‚People of Color’ [Nicht-Weiße], die erlebt haben wie Eier gegen ihre Fenster geworfen wurden, oder die anderen Formen von Rassismus begegnet sind, darum, einen Moment lang nicht mehr zu verurteilen und zu bedenken, dass das, was sie da nun über Tiere sagen – dass Tiere geringere Lebewesen sind deren Leid abgetan werden kann – einst über sie gesagt wurde und als Vorwand diente, sie in Fesseln zu halten“.

Es ist Dr. Chandnas letzter Satz der mich auch besonders interessiert und einer der vielen Fokalpunkte im Sistah Vegan Anthologie-Projekt ist. Ich hoffe, dass die Sistah Vegan Anthologie ein wirksames literarisches Modell zum Lehren alternativer Gesundheit und anti-rassistischer Strategien sein wird, die zur persönlichen Gesundheit und zum Umweltschutz betragen können, während gleichzeitig Widerstand geleistet wird gegen institutionalisierten Rassismus, Umweltbelastung und andere Folgen des Kolonialismus.

Warum das Sistah Vegan Projekt nur die Stimmen schwarz-identifizierter Frauen befragt?

Ich kann ehrlich sagen, dass mein Wechsel zum Veganismus keine „Entscheidung über Nacht“ war. Das Ganze entwickelte sich anfänglich aus meinen Kindheitserfahrungen mit institutionalisiertem Rassismus, Heterosexismus und Sexismus. Viele Leute, die zum Veganismus übergegangen sind, beschreiben Tierrechte als den wichtigsten Grund für ihren initialen Schritt. Ich schätze alles Leben und respektiere und praktiziere Mitfühlsamkeit und die auf den Prinzipien des Ahimsa [7] basierende Philosophie im Bezug auf Menschen und auf nichtmenschliche Tiere. Doch die Erfahrung des Lebens als eine „nicht-heterosexuelle schwarz-identifizierte Frau aus der Arbeiterklasse“ führte mich dazu den Ahimsa basierenden Veganismus schließlich von einem anderen Eingangspunkt aus zu betreten, der Tierrechte anfänglich nicht als Auslöser für mein „Erwachen“ mit einbeschloss.

Als ich 12 Jahre alt war und die Flure der Lyman Memorial Junior High School am ersten Tag der 7. Klasse betrat, war die erste Begrüßung die ich hörte „Schau dir die kleine dünne Niggerin an. Renn, kleine dünne Niggerin, renn.“ Von diesem Punk an wurde ich mir meiner historisch und sozial konstruierten Position in den USA sehr bewusst, in der speziellen Verbindung von schwarz und Mädchensein; ‚rassisch’ sozialisiert und gendergeprägt durch eine Euro-Anglozentrische heteropatriarchal- und kapitalistisch-basierende Gesellschaft.

Einige Jahre später fing ich an mich intensiv mit Büchern zu befassen, die mich darin weiterbringen würden die Wurzeln von oppressiven Akten dieser Art – denen ich während meines ganzen Besuchs in der High School und im College begegnete – zu verstehen. Ich las mich in die Literatur schwarzer feministischer Schriftstellerinnen wie bell hooks, Audre Lorde und Patricia Hill Collins, und dehnte mein Spektrum dann aus zu auf dem Ahimsa gründenden Philosophien von Autoren wie Jiddu Krishnamurti.

Was mich wirklich dazu BEWEGT hat den Veganismus als Praxis zu übernehmen, war als ich etwas über Dick Gregory (in Doris Witts Buch Black Hunger) las, und von den Zusammenhängen erfuhr, die er aufzeigte zwischen institutionalisiertem Rassismus/Klassismus/Sexismus, schwarzer Befreiung, der „Gesundheitskrise“ innerhalb der schwarzen Gemeinschaft und Ernährungsüberzeugungen und -praktiken. Dick Gregory erklärt in Black Hunger:

„In den letzten Jahren habe ich persönlich erfahren, inwiefern die Reinheit der Ernährung und die des Denkens miteinander in Verbindung stehen. Und wenn Amerikaner sich wirklich einmal mit der Reinheit der Nahrung, die in ihr eigenes persönliches System tritt, befassen, wenn sie lernen sich richtig zu ernähren, dann werden wir wesentliche Veränderungen erwarten können, die dadurch im sozialen und politischen System dieser Nation in Gang gesetzt werden. Die beiden Systeme sind voneinander untrennbar.

Ich selbst würde sagen, dass der schnellste Weg, wie man eine Gruppe von Menschen austilgen kann, der ist, sie auf eine Soul Food Diät [8] zu setzen. Eine der Tragödien ist, dass genau die Leute in der schwarzen Gemeinschaft, die am differenziertesten sind was die politischen Realitäten dieses Landes betreffen, nichtsdestoweniger überzeugt sind vom „Soul Food“. Sie sprechen in allen Details vom amerikanischen Genozid an den Schwarzen, gehen dann in ein Soul Food Restaurant und helfen dem Genozid weiter.“ [9]

In der Zeit als ich Dick Gregorys Gedanken kennenlernte, las ich auch Queen Afua, eine Rohköstlerin, die sich insbesondere mit der Gesundheit der Gebärmutter und der Harmonie durch den Veganismus befasst. Mit Hilfe dieser beiden wichtigen Denker sah ich schließlich die Verbindung zwischen meiner eigenen „in Disharmonie liegenen Reproduktivgesundheit“ (bei mir wurde damals ein Gebärmutter-Myom festgestellt und ich suchte in der nicht-westlichen Medizin nach Möglichkeiten des Umgangs mit der Diagnose) als einem Symptom von stukturellem Rassismus, Sexismus, der Ausbeutung nichtmenschlicher Tiere (später erfuhr ich mehr über den Begriff des „Spezisismus“), usw. So stelle ich meine Lebensweise umgehend auf einen auf Ahimsa-basierenden Veganismus um.

Nach meiner Bekanntschaft mit Queen Afua und Dick Gregory erfuhr ich durch Bücher wie Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery von Marjorie Spiegel und Eternal Treblinka: Our Treatment of Animals and the Holocaust von Charles Patterson eine Erweiterung in meines Verständnisses über die Wurzeln von systemischem Rassismus, Nationalismus und Sexismus, und ich entwickelte ein achtsameres Bewusstseit über die Misshandlung nichtmenschlicher Tiere und im Bezug auf die natürlichen Ressourcen des Planeten. Schließlich sah ich nun, seit dem Anfang meines Weges (an diesem ersten Tag der 7. Klasse), die Verbindungen, die institutionalisierte Unterdrückung und Verzehr [A.d.Ü.: auch Konsum] mit dem hatten, was es bedeutet „sozial konstruiert“ zu sein als eine „schwarze Frau“, in einer Gesellschaft, die sich immernoch durch ihr Erbe der Sklaverei kämpft. Es ist diese Art einer besonderen Erfahrung – die sozialen Implikationen und der historische Kontext des sowohl Schwarz- als auch Weiblich-Seins in einer neokolonialistischen globalen Gesellschaft, die mich dazu veranlasst hat nach den Stimmen von Frauen der afrikanischen Diaspora zu fragen.

Gegen was die Sistah Vegans kämpfen

Wenn ich über Gesundheit im Katalog der Harvard Online Bibliothek forsche, stoße ich auf eine Flut von Artikeln die fortlaufend aufzeichnen wie furchtbar der Gesundheitszustand innerhalb der schwarzen weiblichen Population ist, dass wir zu viel Junk Food und zu wenig Obst und Gemüse essen, dass wir süchtig sind, bis zur Selbstzerstörung durch Junk- und Soul Food. Die Artikel und Berichte zeichnen das düstere Bild, dass schwarze Frauen nicht wüssten was sie gegen diese Unterschiede im Gesundheitszustand tun sollten, oder wissen wir es nicht doch? Diese Anthologie wird eine Sammlung von Erzählungen, Dichtungen, kritischen Essays und von Reflektionen einer sehr starken Gruppe schwarzer Frauen sein, die sich darin engagieren der Populärkultur amerikanischen Junk Foods und der Ernährung mit auf Fleisch basierenden Lebensmitteln etwas entgegenzusetzen. Diese Frauen dekolonialisieren ihre Körper und ihren Geist über Vollwert-Veganismus und/oder Rohkost, sie werden nicht zur Statistik, da sie die Junk Food Gewohnheit durchbrechen, sie hinterfragen die ‚Seele’ des Mainstream Soul Foods und haben Fleischprodukte aus ihrer Ernährung verbannt.

Sistah Vegans sind ein Beispiel schwarzer Frauen die sich der systemischen Unterdrückung, die sich als Diabetes, Gebärmutter-Myomen, Fettleibigkeit, Depression, Umweltverschmutzung, der inhumanen Behandlung nichtmenschlicher Tiere usw. widersetzen und/oder auch bekämpfen. Beim Lesen der eingereichten Materialien für diese Anthologie habe ich gemerkt, dass die Sistah Vegans kollektiv wissen, dass das Verständnis von optimaler Gesundheit (für sich selbst und den Planeten) und Befreiung erreicht werden müssen, durch a.) die Dekolonialisierung der Ernährung b.) eine kritische und genaue Betrachtung der mainstream westlich-insdustrialisiert-basierenden Nahrungsmittel und der Gesundheitsindustrie und/oder c) der Annahme von Nahrungsmitteln, Ernährungspraktiken und Heilungssystemen, denen eine eher afrikanische oder afrozentrische Basis zugrunde liegt.

Dem Sistah Vegan Projekt geht es nicht darum den Veganismus zu predigen.  Es geht darum zu schauen, wie eine spezifische Gruppe schwarzer Frauen radikale Diätere- und Heilungsphilosophien praktizieren. In welcher Art tragen die Texte der Sistah Vegan Anthologie zu einem breiteren Verständnis von Gesundheit, Nahrungsmitteln und globalem Aktivismus bei? Wie kann das Projekt mehr Diversität und Verständnis in die Forschung über öffentliche Gesundheit, Gesundheitspolitk, der Lehrplanentwicklung in der Gesundheitserziehung, der Bildung antirassistischer Modelle, der Tierrechtsphilosophie, Studien über Nahrungsmittel, Weißseins-Studien, Frauenforschung und der Forschung über die Afrikanische Diaspora beitragen?

Ich hoffe, dass Sistah Vegan eine Quelle „kritischen Bewusstseins“ sein wird für alle Leute, die eine aufrichtige Motivation haben menschliches Leid zu beenden, indem sie ihre Ernährungsgewohnheiten hinterfragen und die Verbindung kritisch durchleuchten, die die Nahrungsmittelproduktion hat mit entweder der Dekonstruierung oder dem Erhalt von environmentalen Rassismus, Homophobie, Rassismus, Sexismus, ökologischer Zerstörung, Klassismus, Krieg, usw.

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Begriffe:

Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige, Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft. Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness asMetaprivilege,Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

Speziesismus: eine Überzeugung, dass unterschiedliche Tierspezies sich wesentlich voneinander unterscheiden in ihren Fähigkeiten Freude und Schmerz zu erfahren und eine autonome Existenz führen zu können. Normalerweise schließt der Speziesismus den Gedanken mit ein, dass die eigene Spezies das Recht hat die anderen zu beherrschen und den eigenen Zwecken zu unterwerfen. Aus: Spiegel, Marjorie. The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery. New York: NY. Mirror Books, 1996.

Endnoten:

[1] A.d.Ü.: Die National Association for the Adcancement of Colored People (NAACP) ist die größte afroamerikanische Bürgerrechtsorganisation in den USA, die sich insbesondere auf institutioneller Ebene für die Gewährleistung sozialer Gleichstellung und für die Aufklärung über Rassismus einsetzt.

[2] A.d.Ü.: Der Titel der Ausgabe in deutscher Übersetzung lautet: ‚Für die Tiere ist jeden Tag Treblinka: Über die Ursprünge des industrialisierten Tötens’ (2004).

[3] Spiegel, Marjorie. The Dreaded Comparison: Human and Animal Slavery. New York: NY. Mirror Books. 1996. pages 27, 28 and 30.

[4] Ethische Ernährung ist der Ausdruck der eigenen Überzeugung moralischer Gerechtigkeit mittels einer Ernährungspraxis, die das geringste Maß an ökologischem und sozialem Schaden bzw. Leiden erzeugt. So ist beispielsweise der Kauf von fair gehandeltem Kaffee statt des handelsüblichen Kaffees, zur direkten Unterstützung der Anti-Armutsbewegung von Kaffeebauern der Dritten Welt, eine Form ethischer Ernährung. Der Konsum von ökologisch nachhaltig erzeugten („Bio-“) und Fair-Trade-Nahrungsmitteln, das Essen von Bio-Freiland Hühnern, so wie auch der Veganismus sind Typen „ethischer Ernährungsformen“. (A.d.Ü.: Hier wird nur ein Beispiel dessen gegeben, was allgemein unter dem Begriff „ethischer Ernährung“ verstanden wird. Damit nicht gemeint ist, dass der Konsum und Verzehr von „Bio-Freiland“-Hühnern aus Tierrechtsperspektive mit einer nicht-anthropozentrischen Ethik kompatibel sein könnte.)

[5] A.d.Ü.: Die ‚Critical race theory’ (CRT) ist obgleich insbesondere soziologisch relevant, im juristsischen Bereich (und dort in den Menschen- und Bürgerrechten) beheimatet. Die CRT analysiert die gesellschaftlichen und kulturellen Intersektionen von ‚Rasse’, Gesetz und Machtstrukturen. Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Critical_race_theory.

[6] Diese Formulierung dessen, was auch mein Interesse am Thema Weißsein, Nahrungsmitteln und Geographie ausdrückt, stammt von Dr. phil. Rachel Slocum (http://www.rslocum.com/)

[7] A.d.Ü.: Die Definition von Ahimsa der Organisation American Vegan: Ahimsa ist ein Wort aus dem Sanskrit, das das Nicht-Töten und das Nicht-Verletzen bezeichnet. Es bedeutet nicht einfache Passivität, sondern bezieht sich auf positive Methoden die Dilemmas und Entscheidungen des Alltags zu bewältigen. http://www.americanvegan.org/ahimsa.htm

[8] A.d.Ü.: Als Soul Food werden traditionelle afroamerikanische Speisen aus den Südstaaten der USA bezeichnet.

[9] Witt, Doris. Black Hunger: Soul Food andAmerica.Minneapolis,MN.UniversityofMinnesotaPress, 2004, S. 133.134.

Letzte Zugriffe auf alle Links: 11. August 2013.

 

Der Lebenshof für Tiere Stellichte und das ein Taler Projekt

würde jeder einzelne auf nur einen einzigen Euro verzichten

Einen “Taler” hat wohl jeder hier in seiner Börse und statt sich dies oder das zu kaufen kann man durch einen Euro eine effektive Hilfe leisten!

Auf den Lebenshof für Tiere Stellichte in Walsrode sind wir über Twitter aufmerksam geworden.  Der Hof hat eine vegane holistische Philosophie und dort leben 130 gerettete Tiere. Der Einklang mit der Natur steht im Vordergrund, das heißt die Tiere finden hier einen wirklich geschützen Raum. Stellichte braucht unsere Untersützung für jetzt und für die Zukunft. Solche Projekte stehen für die Grundpfeiler des Veganismus, an solchen Orten findet Hilfe seine realste Form.

Der Lebenshof für Tiere, die Tierschutzgemeinschaft Stellichte e.V.

Besonders beeindruckend ist auch: Zur Finanzierung des Lebenshofes führt der Lebenshof Stellichte ein veganes Mittelalter-Restaurant: http://www.zauberkessel-walsrode.de

Der Begriff ‚Karnismus’ ist verwirrend, sagt Corey Wrenn

‚Karnismus’ ist verwirrend

Corey Lee Wrenn

Dieser Artikel ist im Examiner im Dezember 2012 erschienen: Carnism is Confusing.

Corey Lee Wrenns Uni-Profil http://central.colostate.edu/people/cwrenn/, Blog http://academicabolitionistvegan.blogspot.de/ und bei Twitter https://twitter.com/CoreyLeeWrenn

Übersetzung: Palang LY

Dieser Text als PDF (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

In einem Interview auf der Seite Tierrechtseite ARZone hat Dr. Melanie Joy ihre „Karnismus“-Theorie besprochen, die sie definiert als eine unsichtbare Ideoligie des Fleischessens (im Orig. „meat“-eating). Einer der Gastgeber fragte Dr. Joy weshalb sie das logischere Konzept des Speziesismus ablehne. Ihre Antwort war, dass der Begriff Speziesismus „zu abstrakt“ sei und zu „verwirrend“, dass die meisten Leute hingegen verstehen würden wobei es beim „Karnismus“ ginge.

Ich muss sagen, dass mich diese Antwort vollständig verblüfft hat. Warum die Fixierung auf das Fleisch (im Orig. flesh)? Das Fleisch herauszupicken als das Problematischere ergibt schlichtweg keinen Sinn und es läuft auf nicht mehr hinaus als eine verbesserte Kampage für den Reduktionismus/Vegetarismus. Joy insistiert, dass der Begriff „Karnismus“ alle Tier-Produkte mit einbeschließe. Ich muss aber sagen, dass ich beim Lesen ihres Buches feststellen musste, dass dies an keiner Stelle klargemacht wird. Zudem gibt sie selbst in dem Interview zu, dass sie sich wenig auf die Themen Leder oder Wolle einlässt. Der Begriff „Karnismus“ schließt darüber hinaus Tierversuche, Haustiere und Tiere die zu Unterhaltungszwecken missbraucht werden aus.

Einer der Gastgeber fragte Joy ob sie meine, dass die Leute, die aus ihrer Vorträgen hinausgingen, das Konzept eher verstehen würden oder doch irgendwie verwirrt seien. (das war natürlich ein gezieltes Nachhaken – welcher Autor würde zugeben, dass seine Zuhörer durch seinen Vortrag konfus würden?) Joy antwortete, dass sie kein Problem damit habe wenn Leute verwirrt wären, die meisten Leute würde aber begreifen worum es ihr ginge. Ich bin mir sicher damit hat sie recht, denn der Vegetarismus wird als Konzept nun schon seit geraumer Zeit in unseren Kulturen weitläufig akzeptiert. Ihre These enthält nichts Radikales oder Neues.

Joy startete vor kurzem das „Carnism Awareness and Action Network“ – eine weitere welfaristische (1) Organisation die den Veganismus ins Abseits rückt, willkürlich definierten Reduktionismus fördert und von einer Webseite mit nicht zu übersehenden Spende-Buttons begleitet wird. Klare antispezisistische Botschaften lehnen Spenden grundsätzlich ab – sobald eine Organisation sich proffesionalisieren will, werden die Spenden für sie überlebensnotwendig. Der Veganimsus wird auf der Seite des Netzwerks wenig erwähnt – aber Joy versichert uns, dass er das implizierte Gegenteil zum Karnismus darstelle.

Joys Argument ist, dass der Begriff „Karnismus“ es für Leute „so einfach wie möglich“ machen würde, selbst für den Dümmsten. Sie behauptet, dass der Begriff Speziesisimus (das Korrelativ zu Rassismus, Sexismus, Heterosexismus, Abelismus [Behindertenfeindlichkeit], Ageismus [Altenfeindlichkeit] und Ethnozentrismus) einfach zu verwirrend sei. Zugleich macht sie aber auch nur selten die Wichtigkeit des Veganismus klar … oder warum die Ausbeutung von Tieren zu anderen als zu Lebensmittelzwecken probelmatisch ist … oder auch warum die Ausbeutung von Tieren zur Verwendung ihrer Haut, Milch oder Eier in inheränter Weise mit der Tiertötung für das Fleisch verbunden ist.

Ich kann mir kaum vorstellen wie ihr „Karnismus“-Gedanke verwirrender sein könnte. Sich mit dem Leiden von Tieren zu befassen, während man gleichzeitig an ihrer Ausbeutung teilnimmt, braucht kein neues Label. In der Sozialpsychologie bezeichnet man dies als kognitive Dissonanz und es ist eine Folge von Speziesismus und Oppression.

Diese intentionierte Verwirrung wird durch einen Artikel den Joy kürzlich im Online-Magazin One Green Planet veröffentlichte verschlimmert. Dort spielte sie die wachsende Kluft zwischen dem abolitionistischen Veganismus (2) und dem redukionistischen Welfarismus herunter. In ihrer Arbeit lehnt sie natürlich den Abolitionismus Gary Franciones ab und sie blendet den Veganismus aus. Die wichtigen Kritikpunkte, die der Abolitionismus gegen ihr welfaristisches Werk einzubringen hat anzuerkennen, würde ja schließlich auch ihre überflüßige „Karnismus“-Theorie unterminieren. Wie viele Welfaristen verteidigt sie vehement die kontraproduktive und letztendlich grauenhafte Arbeit der Reformen (A.d.Ü. in der Tierhaltung) und das Vegan-Bashing und sie porträtiert Abolitionisten in negativen Zügen um uns abzutun. Und das züchtigende Label des „Spaltertums“ wird nun wirklich auch langsam alt, muss man dem hinzufügen. Wir sind polarisierend, aber nicht in dem Sinne wie Joy es behauptet. Die Abolitionisten sehen Joy, und andere wie sie, als Zahnräder im Machinengetriebe der Industrie welfaristischen Tierschutzes, der von den Tierrechten fundamental zu unterschieden ist. Unsere Spaltung von derer Korruptheit tut und in keinster Weise leid.

Lasst den Jargon hinter Euch, gebt den Vegetarismus auf und streitet in einer einer klaren, ehrlichen und geradlinigen Weise für den Veganismus. Vermanschte Herangehensweisen auf einen Reduktionimus helfen unserer Bewegung nicht. Und bitte, wenn ihr Tieren helfen wollt, dann braucht ihr dazu nicht zu spenden, sondern werdet vegan und engagiert euch.

Leseempfehlungen der Autorin:

(1) A.d.Ü. der Welfalismus bezeichnet im Tierschutz eine „Verbesserung“ von Tierhaltungsbedingungen in den Agrarindustrien, ohne einen rechtlich veränderten Status der Tiere mit Hinsicht auf deren Rechte auf Leben, Freiheit usw.

(2) A.d.Ü. Die abolutionistische Tierrechtsbewegung, die durch die Rechtstheorien des Juraprofessors Gary L. Francione angestoßen wurde, setzt sich als Ziel durch Aufklärung und die praktizierte vegane Lebensweise zur Abschaffung des Status nichtmenschlicher Tiere als „verwendbarem Besitz“ in unseren Gesellschaften zu gelangen.

Corey Lee Wrenns Rezension von ‚Warum wir Hunde lieben, Schweine essen und Kühe anziehen’ von Melanie Joy:

Why We Love Dogs, Eat Pigs, and Wear Cows: A critical review

http://www.examiner.com/article/why-we-love-dogs-eat-pigs-and-wear-cows-a-critical-review

An der Ideologie von Tierausbeutung gibt es nicht “unsichtbares“ – Gary Francione diskutiert über die Probleme, die sich an den Begriff des Karnismus anbinden:

There Is Nothing “Invisible” About The Ideology Of Animal Exploitation

http://www.abolitionistapproach.com/there-is-nothing-invisible-about-the-ideology-of-animal-exploitation/#.UY-99bX-He8

Mit der freundlichen Genehmigung der Autorin. Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen. Stichworte: Karnismus Kritik

Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 4

Palang LY

Biodiversität schützen

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Die rote Liste gefährdeter Arten der International Union for Conservation of Nature (IUCN auch World Conservation Union genannt, http://www.iucnredlist.org/) zeigt, dass 18% aller Vertebraten (Wirbeltiere), die im Jahr 2002 in deren Unteruchungen mit einbezogen wurden, vom Aussteben bedroht sind. Betroffen sind 24% der Säugetiere und 30% der Fische. Auch gelten 49% der erfassten Pflanzenarten als vom Aussterben bedroht. Man geht davon aus, dass die gegenwärtige Rate des Artensterbens 1.000 bis 10.000 mal höher liegt als sie das unter natürlichen Umständen wäre, d.h. ohne den zerstörerischen Enfluss der Menschheit auf die Biospäre [1].

Statistiken wie diese lassen viele Umweltexperten zu der Folgerung kommen, dass wir hier der Problematik eines präzedenzlosen Massenausterbens gegenüberstehen. Man kann in der Tat von einem Speziezid sprechen, von einer massenhaften Annihilierung von Leben auf einer Grundlage biologisitischer Argumentationen. Die Vernichtung anderer Arten hat eine ganz eigene und andere Tragweite als innermenschliche Konflikte, aber auch das Töten oder das provozierte Aussterbenlassen von Arten ist eine Frage der Verletzung von Lebensrechten, seien dieser Lebensrechte auch Gegenstand von nicht endenwollenden Anfechtungen. Hier geht es um schieres ethisches Versagen.

Was uns aus veganer Sicht an dieser Stelle auch Sorgen machen muss, ist die Auswirkung des Artensterbens, d.h. des Verlusts genetischer Diversität, in der Pflanzenwelt, die die Nahrungsmittelsicherheit und den Welthunger, die Nachhaltigkeitsplanung insgesamt also indirekt mitanbetrifft. Das durch den Menschen verursachte Aussterben biologischer Diversität verursacht Parallelprobeme, deren Ausmaß wir heute noch kaum abschätzen können.

Nur eins ist klar, dass wir als VeganerInnen in wirklich jedem Punkt dazu aufgerufen sind, den Prozessen von Naturvernichtung entgegenzuwirken. Durch unsere Lebensweise tun wir den wesentlichsten Schritt dazu.

Menschen zerstören Lebensraum

Die Zerstörung von Lebensraum ist der Faktor, der als Hauptverursacher gilt für das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten. Entwaldung, Landdegradation und die Intensivbewirtschaftung zu Argarzwecken sind die Vernichter der Ökosysteme, und gerät ein  Ökosystem einmal aus seinem Gleichgewicht, so ist auch in sekundärer Folge mit einem massiven Verlust von Biodiversität zu rechnen.

Ein von der FAO der UN, dem USAID (United States Agency for International Development) und der Weltbank in Auftrag gegebener Bericht zum Stand der Umweltzestörung durch die Tieragrarkultur zog den Schluss, dass die industrielle Viehzucht zum Verschwinden der Artenvielfalt beiträgt durch die „dafür gebrauchte Versorgung mit konzentrieren Futtermitteln, der die Verwendung von Land angepasst werden muss und Ernteertäge erhöht werden müssen. Die Produktion von Getreidefutter insbesondere ist Ursache für eine zusätzliche erhöhte Belastung der Biodiversität, durch den damit einhergehenden Lebensraumverlust und die Schäden an der Funktionsweise der Ökosysteme.“ [2]

Tropische Regenwälder, obgleich sie bloß 10% der Erdoberfläche bedecken, beherbergen fast 90% aller Tier- und Pflanzenarten von denen viele bislang unerforscht sind. Die Zerstörung von bewaldeten Gebieten zum Zwecke der Futtermittelversorgung für Farmtiere ist der Grund für den Verlust tropischer Artenvielfalt. Zu anderen Faktoren, die das Artensterben mitverursachen gehören die Umweltverschmutzung, der Klimawandel (Veränderungen in den Charakteristiken regionaler Klimata, der Temperatur, Feuchtigkeit, Regenfälle, Wind und Extremwetterlagen), die globale Erwärmung (die Gesamterwärmung des Planeten) und die durch den Menschen verursachten biologischen Verschiebungen durch transgeographisch eingeführte Arten.

„Die Viehzucht spielt eine wesentliche Rolle in der gegenwärtigen Krise für die Biodiversität. Sie ist verantwortlich sowohl direkt wie auch indirekt für die Verursachung von Biodiversitätsverlust, auf lokaler wie auch auf globaler Ebene“, so der United Nations FAO Bericht von 2006. [3]

Die vegane Lebensweise bricht die wesentlichen Ursachen des circulus vitiosus der herrscht zwischen der Zerstörung der Artenvielfalt auf der einen Seite und der Negierung der Lebenswürde und der Tötung domestizierter Tierarten auf der anderen Seite. Der Veganismus schafft das durch die Betätigung des mit Sicherheit wirksamsten Hebels: durch den Verzicht auf den Konsum tierischer Produkte und die Absage an den Speziesmus. In ihrem Gesamtpotenzial beinhaltet die vegane Lebensweise eine gigantische Palette an Chancen eine ökologisch verträglichere Gesellschaft zu gestalten.

Biodiversität ist keine pure Funktionserfüllung

Wir sollten nicht vergessen, dass es beim Schutz von Biodiversität nicht einfach um ökologische Funktionen geht, die durch Arten in der natürlichen Welt eingenommen werden. Artenvielfalt ist „Natur“ selbst in ihrer intaken Form. Die Lebewesen haben ihre Heimat und ihren eigenen uns vielleicht niemals wirklich ergründlichen Sinn und so auch ihre eigenen Rechte innerhalb ihrer Welt, die die Natur für sie darstellt.

Das Gleichgewicht eines Ökosystems mit seinen Tieren und Pflanzen, und das eines ganzen natürlichen geographischen Gefüges, mitsamt eines dort herrschenden Klimas, hat sich über einen unvorstellbar langen Zeitraum entwickelt, in einer Facettenhaftigkeit, die Menschen künstlich nicht nacherzeugen können. Die natürliche Welt ist unfassbar komplex.

In jedem Lebensraum sollte die Komplexität der natürlichen Welt zugelassen werden, und diese Komplexität muss in jeder nur machbaren Weise geschützt werden.

Hortikultur als Lebens- und Naturraum

Ein tiefgreifendes Problem ist das der Gestaltung neuer Lebensräume. Gebraucht werden die großen Reservate, die Schutzhöfe / Lebenshöfe, in denen Tiere und die Pflanzenwelt ihren Platz zurückgewinnen. Wenn es um den normalerweise Flächenmäßig kleineren Privatbesitz von Land geht, dann stellt sich die Frage nach der Möglichkeit Gartenkultur zur Lebensraumkultur für Fauna und Flora als Option im Umweltschutz zu entdecken; selbst Kleinstlebensräume können Platz bieten für Diversität.

Solche Lebensräume müsssen Naturräume sein in denen nicht alles der Nutzbarkeit für den Menschen untergeordnet wird, sondern Freiraum für tierliche und pflanzliche „Wildnis“ herrscht.

Die Permakultur bietet hier nicht ganz die optimale Lösung, denn sie ist, auch im Falle dass die vegan betrieben wird, eine Anbauvariante und fällt dann in den Bereich veganer Landwirtschaft (also in ein anderes separat zu behandelndes und auch komplexes Kapitel).

Wovon hier die Rede ist, ist die Suche nach der richtigen Einstellung zur Notwendigkeit Naturfläche zur Verfügung zu stellen und adäquat zu pflegen: Naturfläche in der Tiere und pflanzliche Natur Platz haben für sich selbst. Und der einzige Zugriff, den der Mensch hier ausüben würde ist der, das Ganze zu erhalten.

Fortsetzung folgt …

[1] European Commission, Environment, Nature & Biodiversity, What is Biodiversity? http://ec.europa.eu/environment/nature/biodiversity/intro/index_en.htm, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

[2] C. de Haan, H. Steinfeld, H. Blackburn, Livestock & the environment: Finding a balance, Report of Study by the Commission of the European Communities, the World Bank and the governments of Denmark, France, Germany, The Netherlands, United Kingdom and The United States of America, Chapter 4: Industrial livestock systems & the environment, http://www.fao.org/docrep/x5303e/x5303e0c.htm, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

[3]Food and Agriculture Organization of the United Nations, Livestock’s Long Shadow, Environmental Issues and Options,Rome, 2006, S. 182, http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.HTM, letzter Zugriff vom 15. Dez. 2012.

 

Jost Hermand zu Richard Wagner und dem Vegetarismus als Motiv in seiner letzten Oper Parsifal

 

Aus: Jost Hermand, Glanz und Elend: der deutschen Oper, 2008, S. 139.
Richard Wagner: Parsifal (1882), Die vegetarische Botschaft seiner letzten Bekenntnisoper, “Ich schreibe Misik mit einem Ausrufezeichen!” – Richard Wagner

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Weil es Menschen ermutigt wenn sie von anderen Menschen hören, die vor sich, chronologisch gesehen bereits in einer Zeit vor ihnen, über ähnliche Themenkomplxe Gedanken gemacht haben … . Vor allem, wenn so ein Thema ein ethisch so wichtiges aber auch so schwierig zu behandelndes ist, wie das tierethischen Denkens.

Der vegane ökologische Fussabdruck. Teil 3

Palang LY

Tierrechte, der Schutz der Artenvielfalt und Schutzhöfe für unsere „domestizierten“ Tierfreunde

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Unser Veganismus hat vor allem eines zum Ziel: den Schutz von Tierindividuen und den Erhalt von Tierpopulationen in der Freiheit. Mit Hinsicht auf diese beiden Tiergruppen werfen sich zweierlei Fragen auf. Einerseits besteht die dringende Frage danach, wie die natürlichen Lebensräume von Tierpopulationen erhalten werden können und andererseits muss Lebensraum wiederhergestellt oder tatsächlich neu geschaffen werden. Was ist nun die beste Herangehensweise um solchen Problemen konstruktiv und effektiv zu begegnen?

Lebensräume erhalten, Lebensräume schaffen

Eine genaue Zahl wieviel Tierspezies es auf der Erde eigentlich gibt ist nicht zu ermitteln. Diese Unzählbarkeit ist auch gegeben durch die unterschiedlichen Habitate in denen Tiere leben und die wir noch nicht alle bis in jeden Winkel durchkämmt oder aber auch zerstört haben. Die faszinierende Artenvielfalt geht bis hin zu den Kleinstlebewesen, so macht die Insektenwelt allein den mit Abstand größten Teil der von uns unendeckten Tierwelt aus. Und so klein ein Wesen in seinem Lebensraum auch sein mag, so wichtig ist die Beziehung eines jeden Tieres mit seiner natürlichen Umwelt, denn all das Leben gemeinsam bildet ein in sich geschlossenes und funktionierendes Ökosystem.

Die durchschnittliche Schätzung über die Zahl verschiedener Tierarten liegt bei etwa 10 Millionen. Davon sind etwa 1,4 Millionen erfasst, und nur eine kleine Prozentzahl der erfassten Arten wurde bislang auch erforscht und genauer klassifiziert. Für die Tierindividuen ist es oft besser unentdeckt zu bleiben, denn die Erforschung einer Art bringt immer noch mit sich, dass das Tier als ein biologisches Objekt untersucht wird, in seiner Anatomie, seinem Verhalten, dem, was man an seiner Gattung als stereotypes Verhalten (z.B. Brut- und Fressverhalten, seine kognitiven Fähigkeiten) ethologisch beschreiben kann.

Was die Tiere – ob erfasst oder unerfasst – wirklich ausmacht ist das, was sie in ihrem  Lebenskontext mit einer natürlichen und freien Umwelt sind. So müssten wir sie um sie wirklich zu verstehen weitestgehendst in Ruhe lassen, uns ihnen mit unseren menschlichen Erfassungwünschen nicht aufzwängen und vor allen Dingen die Umwelt überhaupt erst einmal gar nicht zerstören. Wir müssen die Umwelt schützen oder wiederherstellen soweit das möglich ist und gegen all die Wiederstände die bestehen.

Für eine Tierspezies als Tiergruppe kann es allerdings auch von Vorteil sein wenn sie erfasst ist und erforscht wird, und zwar allein dem einen Sinne, dass sie unter Umständen als gefährdet gilt und so einen Schutzstatus erhält. Schwierig wird es wenn die Tiere die geschützt werden sollen in die Captive Breeding Programme zur arterhaltenden Nachzucht geraten, denn das heißt auch, dass sie damit der Handhabe durch zoologische Projekte ausgeliefert sind und ihre tierliche gänzlich Autonomie verlieren [1].

Die sogenannten „Nutztiere“ – die Tiere denen per Definition angehängt wird sie seien dazu geboren um ausgebeutet zu werden –, machen etwa 20 % der gesamten „Tier-Biomasse“ der Welt aus (so die biopolitische Bezeichnung von Organisationen wie der FAO, der Food and Agriculture Organization der UN). Das Land, das die „Tier-Biomasse“ der „Nutztiere“ nun zwangläufig besetzt, ist selbstverständlich das Land, das zuvor von wildlebenden Tieren als deren Lebensraum genutzt wurde. [2]

Der Veganimus kann im Bezug auf die Problematik beider Tiergruppen (der wildlebenden und der „domestizierten“ Tiere) Lösungen bieten

Die grüne Bewegung konzentriert sich eher auf die Biodiversität wildlebender Tiere und den Schutz ihrer Lebensräume, während die ethischen Belange „domestizierter Nutztiere“ konzeptuell den Vorstellungen agrarwirtschaftlicher Interessen und den Interessen von „Verbrauchern“ untergeordnet bleiben sollen. Dahinter verbirgt sich, wenn auch nicht unbedingt in einer offen vorgetragenen oder sogar ganz bewussten Weise, Der Gedanke des Menschen als „Jäger und Sammler“ und der Wunsch nach einer Neuerweckung dieses nostalgischen Ideals eines vermeintlichen Einklangs mit der Natur nach altertümlicher Vorstellungsweise, die in der amerikanischen ‚Deep Ecology’-Bewegung, dem Vorgänger der Grünen Bewegung, ihre Wurzeln hatte.

Der Veganismus hingegen setzt sich außer mit dem konsequenten Schutz wildlebender Tiere (einschließlich der Ablehnung der Jagd) und ihrer Lebensräume, auch mit dem Schutz und den notwendigen Rechten der sog. „Nutztiere“ auseinander. Also auch mit den Rechten der Tierindividuen und Spezies, deren Repoduktivsystem kotinuierlich missbraucht wird, allein damit der Mensch die tierliche körperliche Existenz herabwerten und das Tiersein überhaupt herabwürdigen kann.

Die allgemeine Ethik des Veganismus etabliert ein Bewusstsein, sowohl für die Rechte wildlebender- als auch „domestizierter“ (versklavter) Tierindividuen und Tierarten, und der Weg, der zur effektiven Einflussnahme begangen wird, liegt in der Ablehnung des Konsums tierischer Produkte und Nebenerzeugnisse. Darüber hinaus wird alles was Tieren schadet und ihnen schaden könnte in kritischer Form erkannt und zum Gegenstand aufklärerischer ‚infomation flows’.

Schutz! Realisierbare Schritte und ferne Utopien

Schutzräume zu schafffen, die weitesgehendst frei und wo nötig auch bewacht sind, und die den Tieren gewährleisten, dass Menschen keinen intrusiven Zugang auf ihre körperliche Integrität haben, sind ein Baustein in der veganen Vision, die sich heute in der Form von ‚Animal Sanctuaries’ / Schutzhöfen oder Lebenshöfen zunehmends etabliert. Die Umweltfrage beinhaltet aus veganer Sicht politisch auch die Frage der Tierrechte.

Festzuhalten als Ziele des ethischen Veganismus sind:

1.) Gefährtete Tierarten, Tier-Diversität, muss in der Freiheit geschützt werden, und die freien Lebensräumen müssen erhalten und wiederhergestellt werden.

2.) Domestizierte Tiere dürfen nicht zu den Sündenböcken der Biopolitik spezisitischer Unterdrücker gemacht werden. Ihnen müssen Schutzhöfe geschaffen werden, mit dem letzendlichen Ziel der Auswilderung oder der permanenten Beheimatung in Schutzgebieten der in ferner Zukunft „übrigen“ Tierindividuen und Tiergruppen.

3.) Zoos müssen durch Rehhabilitationszentren und den Schutz in freien Reservaten ersetzt werden.

Dies nun sind implizite Punkte des Veganismus, die sich explizit so nicht auf irgeneiner Liste zusammengestellt finden, aber in den verschiedenen ideellen Botschaften und Zielsetzungen veganer Projekte als angenommene ethische Selbstverständlichkeiten hervorgehen.

Fortsetzung:

Wie groß ist Dein ökologischer Fussabdruck wenn Du vegan lebst? Teil 4. Biodiversität schützen.

http://simorgh.de/vegan/wie_gross_ist_dein_oekologischer_fussabdruck_4.pdf

[1] Zoos geben einen lebensbejahenden Sinn vor indem die Präsentationen der verschiedenen Tierarten als Kontrast dienen sollen zu einer anthropozentrisch homogenen und monokulturhaften Welt. Siehe: R. Acampora, Off the Ark: Restoring Biophilia, Metamorphoses of the Zoo: Animal Encounter After Noah, ed. Ralph R. Acampora, 2010, S. 1. Zur Diskussion der ethischen Problematik zoologischer Gärten siehe auch: Ralph R. Acampora, Extinction by Exhibition: Looking at and in the Zoo, Human Ecology Review, Volume 5, Summer 1998, Number 1, 1998. http://www.humanecologyreview.org/pastissues/her51/51acampora.pdf letzter Zugriff vom 7. Dezember 2012.

[2] FAO, Agriculture and Consumer Protection Department, Spotlight / 2006, Livestock impacts on the environment, http://www.fao.org/ag/magazine/0612sp1.htm, letzter Zugriff vom 7. Dezember 2012.

 

PETA und die Tiereuthanasie

PETA und die Tiereuthanasie … Forsetzung (3)

(2) Was ist los mit PETA? PETA und der Vorwurf der unnötigen Tiereuthanasie
http://simorgh.de/niceswine/was_ist_los_mit_peta
(1) Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Position und die Aktivitäten der Organisation PETA im Bezug auf Tierheime und Euthanasie … PETAs gute kleine Soldaten
http://simorgh.de/niceswine/peta_und_tiereuthanasie

Warum töten PETA Tiere? Warum fällt so wenig Kritik an dieser Art der Vorgehensweise im Tierheimmanagement, auch von Seiten der Tierrechtler?

Nach Jahren der Bemühungen darum, PETA zu einer anderen Herangehensweise an das Problem heimatloser und streunender Tiere zu bewegen, zeichnet sich ab, dass PETA nicht dazu bereit sind ihre eingefleische Vorstellung, Euthanasie sei eine gute Lösung, zu ändern.

PETA können sich diesen Standpunkt allerdings nur leisten, weil einerseits die anderen großen Tierschutzorganisationen in den USA (wie die ASPCA und die HSUS) den gleichen Standpunkt einnehmen und Tiere routinemäßig einschläfern, und weil andererseits – und das ist ein viel wichtigerer Grund – Euthanasie im Bezug auf Tiere bereits von den Veterinärmedizinern als eine humane Allroundlösung für Tiere „im Notfall“ betrachtet wird: Für die Tiere, die in unserer Gesellschaft zum Problem werden, weil sie nicht mehr in unser System passen, ohne einen Menschen bei seiner täglichen Routine zu stören.

Der gegenwärtige Trend in der Sterbehilfe-Debatte humanmedizinischer Ethik darf uns nicht darüber hinwegtäuschen, dass die „Endlösung Euthanasie“ beim Tier hingegen im Durschnitt nicht mehr bedeutet als das: „Ich kann das Tier nicht leiden sehen.“ Das heißt die Verweigerung des Einsaztes von Palliativa in der Veterinärmedizin. Und, wie im Falle der sinnlosen Einschläferungen in so vielen Tierheimen weltweit: „Ein totes Tier ist ein gutes Tier.“ Denn es gibt keinen Platz in der Grasswurzelpolitikebene für des Menschen beste Freunde (als die wir, die Menschen, unsere „Haustiere“ ja eingentlich betrachten).

Es finden sich kaum Veterinärmediziner die zögerlich an das Einschläfern herangehen. Jeder, der einmal ein Haustier „besessen“ hat kennt das Problem: der Gang zum Tierarzt mit einem erkrankten Tier, ist eigentlich wie ein Gang zum Hänker. Denn wenn der Tierarzt das Verdikt fällt, dass sich eine Weiterbehandlung hier nicht mehr lohnt, dann sind sowohl Tierpatient als auch das Herrchen oder Frauchen in einer final tragischen Sackgasse gelandet. Wenn Sie die Frage nach lebenserhaltenden und schmerzstillenden, angstnehmeden Alternativen stellen, dann sind sie damit in der Veterinärmedizin bislang noch fehlt am Platz.

Man müsste nun auf die Mitverantwortung der Philosophie, das heißt der Ethiker, und der Biologie, als der Wissenschaft des organischen Lebens, zu sprechen kommen, denn genau hier endet man in der Suche nach dem Grund für diesen Unterschied, der so grundlegend zwischen der Humanmedizin, die lebenserhaltend agiert, und in der Tiermedizin liegt, die sich eingentlich nur um das Nötigste kümmern kann.

Ein Tier, so die führenden Philosophen und Bio-Ethiker, verliere weniger als ein Mensch, wenn es stirbt.

Diese Grundhaltung im Denken der Experten und derjenigen Menschen die diese Experten nicht kritisch hinterfragen möchten, bringt nun auch mit sich, dass sich bei PETA in der absehbaren Zukunft kaum etwas ändern wird, und dass Gruppen, wie der No Kill Adovcacy Center noch viele, viele Steine aus dem Weg zu rollen haben. Aber auch wir müssen in diesem Punkt aktiv werden, um ein Umdenken in der zugrundeliegenden Ethik mit anzustoßen.

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Würden Sie wegen Ihres Veganismus auch auf Gott und Glauben verzichten?

Palang LY

„Macht Euch die Erde untertan“ 1. Mose (1)

Würden Sie wegen Ihres Veganismus auch auf Gott und Glauben verzichten?

Wenn wir Tiere nicht als Produkte, als Ware betrachten, als Besitz mit dem man machen kann was man will, wieso sind wir dann bereit hinzunehmen, dass Tiere auf dem Altar der Religionen oder traditioneller Bräuche geopfert werden? Wir schließen Zirkusse und Pelz aus, obgleich auch sie Bestandteile unserer spezisistischen „Kulturen“ sind. Aber wenn es um den Glauben geht, dann ist uns unser Gott wichtiger als das Recht, das wir nichtmenschlichen Tiere zuteil werden lassen müssten, um als Menschen wirklich gerecht/er zu werden.

Sollten wir nicht von vegan lebenden Menschen erwarten können, dass sie wissen, dass ein Tier nicht nur im Bezug auf Kommerz und Großindustrie verdinglicht und objektifiziert werden darf?

Manche sprechen vom Respekt gegenüber Tieren, der ausreiche um der Tierrechtsfrage gerecht zu werden. Und sie sagen es sei akzeptabel Tiere aus religiösen (sprich aus „geheiligten“) Gründen zu töten, wenn man dem Tier nur ausreichend Respekt gegenüber brächte. Und man soll das Tier, das zum Opfer wird, „human“ Töten. Das ist kein veganer Standpunkt, denn der Veganimus fordert, dass kein Tier zum menschlichen Nutzen eingesetzt werden darf. Die Religion kann hier keine Sonderregelung schaffen, denn es geht im Veganimus um Tiere und nicht um Gott.

Es geht um Lebewesen und das Leben. Wenn ich ein Tier meinen Zwecken unterwerfe, um es zu benutzen, zu verletzen und zu töten, dann lässt sich das nicht mit einer veganen Ethik auf sinnvolle Weise verbinden, auch wenn eine Religion solches von mir fordern möchte.

Manche sagen, das möge schon stimmen, aber so schnell könnten wir mit einem Umdenken bei religiös denkenden Menschen nicht rechnen, wenn überhaupt. Wir seien mit der veganen Bewegung ja überhaupt erst am Anfang und Religion und auf ihnen fußende traditionelle Bräuche könne man nicht von heute auf morgen abschaffen.

Solch eine Denkrichtung ist nicht ganz richtig. Denn auch wenn Gesellschaften – die im Westen oder die in der östlichen Hemisphäre gelegene Gesellschaften – bislang weit entfernt davon sind sich in Richtung eines Bewusstseins zu bewegen, dass Tiere auf ethische und affirmative Weise mit einbeschließen würde, nichtsdestotrotz richten sich unsere Vorstellungen über die vegane Lebensweise nicht nach dem „wie es in diesem Moment ist“ oder dem „wie es in der Vergangenheit war“, sondern nach dem „wie es sein sollte“!

Eine Utopie hat es bis hierher geschafft, und eine Utopie kann es, wenn sie nur konsequent durchgeführt wird, auch noch weiter schaffen.

So gravierende Lücken, wie die Inkaufnahme des Tieropfers in Religionen – d. h. rituelle und traditionelle Bräuche unangetastet zu lassen – bergen, außer dem Unrecht das sie aus Tierrechtssicht darstellen, die Gefahr der Verwässerung in sich für die, die meinen dass beides ging: konsequenter Veganismus und das Festhalten an einem Glauben, der das Gehorsam über die Vernunft setzt.

Der Sinn des Veganismus als das bislang effizienteste Mittel um der Tierausbeutung mit Widerstand zu begegnen, erscheint im Kontext von Religiosität fragwürdig, wenn die Religion den Menschen sowieso an die obeste Stelle der Schöpfung setzt. Eine Ergänzug im ethischen Codex wäre dann nowendig, kann in einem religiösen Denksystem aber nicht wirklich vollzogen werden, weil hier ja nur Gott und die von ihm auserkorenen solche gravierenden Entscheidungen über Sein und nicht sein und den Wert des Seins fällen dürfen.

Tiere sind keine Gegenstände, weder zum profanen Handel, noch im “erhabenen” Geiste – weder als Konsumgut, noch für einen Gott dessen menschliche Schöpfung.

(1) „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht.“
http://bibel-online.net/buch/luther_1912/1_mose/1/ (letzter Zugriff vom 19. Nov. 2012)