Mitgefühl als bedingter Gerechtigkeitsaspekt

Überlegung zu: Pazifismus

Zum Schutz von Leben hat Mitgefühl erst dann einen effektiven Sinn, wenn die Gerechtigkeit als Inhalt und Ziel dabei nicht aus den Augen verloren wird.

(HUMANITY) Im rechtlich durch Menschenrechtskonventionen abgesichterten Bereich, braucht das sensible Gleichgewicht des „Friedens“ eine gewisse Absicherung durch Maßnahmen, die „schützende Gewalt“ nicht immer und nicht gänzlich ausschließen.

(ANIMALITY) Im Falle oppressiver Gewalt gegen Nichtmenschen erwarten wir von Menschen die Freiwilligkeit und appellieren an das Mitgefühl, weil wir die Nichtmenschen in einer speziesistischen Gesellschaft und Welt gegenwärtig auf keiner gesellschaftlich und politisch konstituierten rechtlichen Grundlage schützen können.

Mitgefühl allein reicht in der Konfrontation mit nakter Gewalt aber in keiner Form aus.

Die einzige Grundlage, die eine Chance auf das Recht des Schutzes vor Gewalt (systemischer oder individueller Natur) bietet, ist die grundlegende Einforderung von Gerechtigkeit.

(Pazifismus im Kontext mit‚Humanity’ und ‚Animality’ als politisch definitorische Bereiche.)

TIERAUTONOMIE / Gruppe Messel

Kritisches Weißsein, Rassismus und Veganismus

Kritisches Weißsein / kritische Weißseinstudien / kritische Weißseinsforschung und Rassismus sind immernoch unbearbeites Gebiet im akademischen und aktivistischen Bereich in der Tierbefreungsbewegung / Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum. Wir haben zum Thema einige Texte und Autor_innen vorgestellt. Hier soll nochmal darauf hingewiesen werden, und wir möchen den Lesern zum Themengebiet “vegane Intersektionalität unter dem Gesichtspunkt kritischer Weißseinsforschung” empfehlen:

Dr. A. Breeze Harper: Die Sistah Vegan Anthologie.Eine Buchvorstellung Vortrag: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren.

 

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

Wenn Nichtmenschen nicht autonom wären, und nur der Mensch es wäre, wann in der Evolution und womit hätte diese menschliche Autonomie dann angesetzt, und warum sollte tierliches Handeln und Denken nicht als vom Menschen und seiner Objektivitätswahrnehmung autonom anerkannt werden?

„Seinen eigenen Gesetzen folgend / early 17th cent.: from Greek autonomia, from autonomos ‘having its own laws,’ fromautos ‘self’ + nomos ‘law.’“ – Zoe Autonomos

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

(Fragment)

Wir sprechen eher den Tieren ihre tierliche evolutionäre Autonomie ab, statt dass wir an totalitäre Strukturen in der Menschheit im Bezug auf Nichtmenschen und die natürliche Umwelt glauben. Unser Blick auf Nichtmenschen und die „Natur“ ist in einer Art verstellt, dass unsere Abwertungen vor uns selber akzeptabel erscheinen.

Der Missstand der Ungerechtigkeit ist, dass wir versuchen die tierliche Autonomie zu zerstören (physische Eingriffe und Maßnahmen) und mittels Speziesismus (geistig ideologisch) zu unterminieren.

„Besitz“ ist die Folge der Absprache tierlicher Autonomie.

„Tierverteidiger“ die für die physische Unversehrtheit von Nichtmenschen plädieren, den Nichtmenschen aber weiterhin ihre eigene tierliche Autonimie (vom Menschen und an und für sich) absprechen, betreiben eine unbewusste radikale Form des Anthropozentrismus und des Speziesismus.

Wir verbinden den Würdebegriff mit der Fähigkeit eines eigenen, unabhängigen Daseins (Autonomie).

Durch speziesistische Kunstgriffe bereiten wir den geistigen Boden in einer Gesellschaft vor, um den Besitzstatus eines Lebewesens zu legitimieren und als vertretbar erscheinen zu lassen.

Was ist unserem allgemeinen Verständnis nach Autonomie, siehe z.B. Wikipedia (für den vielleicht breitesten Allgemeinplatz) http://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie?

Wenn Nichtmenschen etwas haben – „the wild and tamed beast“ – dann ist es Autonomie. Sie leben „von Natur aus“ in der Natur autonom – wenn wir sie nicht ihrer Freiheit berauben. Wir behaupten, Nichtmenschen seien Instinktbestimmt, und genau da setzt die Besitznahme durch arbitäre Abwertungsmechanismen ein: Wir machen uns Tiere nutzbar und „Untertan“, indem wir sie ihrer Existenzautonomie mit der Behauptung des Instinktverhaltens (kausaltiätsbestimmtes Verhalten) zu berauben versuchen.

Die Abhängigkeit von Lebensnotwendigkeiten als Instinktgeleitetheit zu interpretieren, ist eine Form der Minderbewertung der Angreifbarheit, der Verletzlichkeit und Bedingtkeit des Lebens – jedes Lebens. Jedes Lebewesen ist abhängig und bedingt, aber gleichzeitig auch autonom. Autonomie ist der zarte Keim der Verletzlichkeit tierlicher und menschliche Würde … .

Da ein Tier autonom handelt und denkt, ist es autotom. Der Vesuch der Eingrenzung tierlichen Denkens in anthopozentrisch definierte Parameter, ist eine Besitznahme durch die definitorische Interpretation tierlichen Denkens und Handelns.

Tierautonomie – tierliche Autonomie; ein paar eklektisch ausgewählte interessante Aspekte

Animal Autonomy:

In Veterenary Care:

Here I would simply suggest that “animal autonomy” is worthy of careful attention from philosophers and scientists and veterinarians. Animals are self-governing and make meaningful choices, in ways very similar to humans. As with our fellow humans, we should strive to understand and respect the preferences of other creatures. Research in ethology is continuing to explore how to understand animal preferences and how these preferences are expressed in observable behaviors. It is worth noting, too, that although the language of “autonomy” has not yet been strongly present in the veterinary literature, the concept has been important in the animal ethics literature more broadly. Tom Regan, for example, talked in his ground-breaking The Case for Animal Rights(1983) about animals as autonomous beings, with their own interests and desires. Regan even includes a very interesting discussion of what he calls “preference autonomy” and explores some of the ways in which autonomy in animals is different from autonomy in humans.

Animals and Autonomy. Can this vitally important ethical concept be meaningfully applied to animals? Jessica Pierce, Ph.D. in All Dogs Go to Heaven

http://www.psychologytoday.com/blog/all-dogs-go-heaven/201303/animals-and-autonomy

 

Animal Sanctitiy and Animal Sacrifice: How Post-Dawinian Fiction Treats Animal Victosm by Marian Scholtmeyer, Dissertation, 1989, pp. 57.

Animal Ethics:

Kantian ethics is normally not the place to look for an account of  direct moral obligations towards animals, as Kant claimed that we only owe animals indirect moral duties, out of respect towards the rest of  humanity. In chapter four, I consider modern reinterpretations of Kant’s arguments to provide support for the claim that animals should be  considered ends-in-themselves. I argue that despite the strength of these accounts, the concept of agency and selfhood that I support provides a better foundation for claiming animals as ends-in-themselves, and that respect for animal autonomy can be grounded on a Kantian argument for the respect of autonomy more broadly. I claim that in virtue of their agency and selfhood, animals should be considered ends-in-themselves, thereby including them in the moral community. My view is novel in that it includes agency, selfhood and autonomy as those features which make anyone, human or nonhuman, morally considerable.

Agency and Autonomy: A New Direction for Animal Ethics by Natalie Evans. Dissertation.

https://uwspace.uwaterloo.ca/bitstream/handle/10012/8158/evans_natalie.pdf?sequence=1

Animal Rights / Animal Liberation

How can I save an Animal today or stop these atrocities now? Even for just a few critters. Because that’s the context we so often miss. It’s about Animal autonomy, not about how the government turns on the people that care about the Animals. But while I’m on the subject, it’s nothing new!

Walter Bond, Green is the New Rage, http://supportwalter.org/SW/index.php/2011/06/24/green-is-the-new-rage/

Animal Caregiving

Kerulos Center Caring for the Caregiver  Project. The project’s overarching goal is to foster awareness and support for animal care organizations and caregiver wellbeing to help achieve the vision of a compassionate, ethical, trans-species society founded on mutual wellbeing.

http://kerulos.org/wp-content/uploads/2013/12/Kerulos-Caring-for-Caregiver-Report-Final.pdf

Alle Links: 25. März 2014.

 

Neue Texte zur Tierethik, Tierrechten und veganer intersektionaler Theorie und Praxis

Hier sind einige unserer letzten Tätigkeiten im Bereich Tierethik, Tierrechte und Theorie (abgesehen von der Teilnahme an einem spannenden neuen TR-Projekt der Gruppe Messel, das uns auch dazu anregte unseren RoundAbout-Blog umzubetiteln zu: “In neuen Territorien denken.” Aber mehr dazu später.)

Unsere Gäste waren in den letzten Wochen:

Eigene Texte auf Deutsch waren:

Zum Thema vegane Pädagogik, Ein Tierrechts-FAQ anlegen, und eine Fortsetzung dessen. Zudem ein philosophisches Essay: Wert und Willkür – kontrastierend gegen „das Naturhafte“.

Der Scan oben stammt aus einer Illustation der Geschichte “Moosh va Gorbeh” von Obayd Zakani.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

Ein Auszug aus:

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren, Präsentation anlässlich der Sistah Vegan Conference 2013.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

Die ganze Präsentation können Sie hier im PDF Format lesen: http://simorgh.de/yarbrough/yarbrough_weisssein_patriarchat_tiere.pdf

Anastasia Yarbrough ist in beratender und aktivistischer Form in der Tierrechtsarbeit tätig, http://animalvisions.wordpress.comhttp://inneractivism.com.

Klarerweise auf der Grundlage der Würde verteidigen

Klarerweise auf der Grundlage der Würde verteidigen

Ein Fragment von Thorm pk

Für die Mehrheit der Tierrechtsbewegung ist leider immernoch klar, dass sie mit dem vorherrschenden naturwissenschaftlichen Weltbild paktieren wollen: Tiere werden von den mehrheitlichen Teilen der Tierrechtsbewegung als primär unter Bezugnahme auf die Kriterien einer biologischer Beweisfüh­rung verteidigbar geschildert. Das heißt, es wird suggeriert, dass der Schlüssel zur Befreiung der Tiere in der Verbindung der Erkenntnis über Tier-Biologie, Tier-Psychologie und deren Verbindung zum menschlichen Ethikverständnis liegt. Die Brücke zwischen dem biologisch verstandenen Tiersein und unseren anthropozentrisch geprägten Moralvorstellungen soll eine bio-ethische Beantwortbarkeit gerantieren, weil man meint, man würde sonst gar keinen Anspruch auf eine Befreiung erheben können.

Die Frage nach der Identität der Tiere wird nicht aus einem Punkt der Einmaligkeit der Tiere heraus beantwortet; die Tieridentität soll im Vergleich zur menschlichen Identität von unauffälligerer Bedeutung sein; allein die Verallgemeinerung soll genügen um eine Faszination, die von der Einmaligkeit der Tiere ausgeht, zu begrei­fen. Die einzelnen Tiere verschmelzen zu Teilen einer Spezies die man verteidigen will.

Solange Menschen aber nicht bereit sind offen anzuerkennen, dass das einzelne Wesen von einmali­ger und vollständiger Bedeutung ist (auch in seiner Einzelheit), solange wird man sich immer auf den Kompromiss des Protektionismus einlassen müssen, denn Recht, und nicht bloß Pro­tektion, wird erst dort relevant wo die Frage nach der Würde auftaucht, und die Frage der Würde ist unmittelbar an die Einmaligkeit eines Wesens gebunden, d.h. damit auch an das praktische Anerkennen der Unantastbarkeit dieser Würde der Einmaligkeit des indi­viduellen Lebens.

Aber der Gedanke der Unantastbarkeit des einzelnen Lebens ist im gegenwärtigen Diskurs über Tierethik noch zu weit gegriffen. Die Forderung für viele Tierrechtler ist nicht die Anerkennung von Einmalig­keit, sondern die Tiere werden in einem eher bio-ethischen Schema dem menschlichen Verständnis von Lebenssinn untergeordnet.

Wenn die Tierwesen als Gruppe über den Zeitraum ihrer Evolution aus sich selbst im Gesamtweltkontext er­wachsen sind, auch in ihrer jeweils individuellen Einmaligkeit, dann kann die Begründung ihrer Bedeutung nicht auf eine biologische Kausalitätskette zurückgeführt werden. Und wenn Tiere nicht einem menschlichen Weltverständnis untergeordnet werden, kann eingesehen werden, dass Tierrechte eigentlich dem Menschenrecht nicht so fern sind, und zwar genau aus dem Grund, weil das einzelne Wesen niemals Subjekt einer äußeren Definition werden darf, denn das Wesen ergibt seine Sinnhaftigkeit aus sich selbst.

Kein Mensch darf einem Menschen vorschreiben was er oder sie ist, oder zu sein hat. Der Mensch ist frei, das ist sein ursächliches Recht und wird als seine ursächliche Ei­genschaft anerkannt (die Freiheit). Genauso darf kein Mensch einem Tier eine Definition direkt und indirekt aufzwingen, durch die ein Tier einer Seinsbegründung untergeordnet wird. Das Tier ist frei. Wir müssen die Dimensionen unseres engen Horizonts erweitern um zu begreifen, dass Anerkennung des Anderen bedeutet, den Anderen genau für das, was er selbst ist und das, wie er ist, Wert zu schätzen.

 

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

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Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

Anastasia Yarbrough, http://animalvisions.wordpress.com/http://inneractivism.com/

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Eine Präsentation von Anastasia Yarbrough anlässlich der ersten Sistah Vegan Konferenz, die am 14. September als Webkonferenz, organisiert von Dr. Amie Breeze Harper, stattfand. Siehe dazu: http://simorgh.de/niceswine/tag/sistah-vegan. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von A. Yarbrough.

In dieser Präsentation geht es um die Narrative, die wir über die Unterdrückung von Tieren weitervermitteln. Als Tierrechtaktivist_Innen steht uns die Möglichkeit zu, in unseren Schilderungen tiefer zu gehen und uns nicht allein auf die Tokenisierung der Kämpfe farbiger Menschen und Frauen zu verlassen. Auch müssen wir keine Tokenisierung von Tieren als romantischen Symbolen, die der menschlichen Identität dienlich sein sollen, betreiben. Stattdessen können wir über den tatsächlichen Kampf reden, den Tiere durchfechten müssen, und wir können über ihre Leben sprechen, so gut wir das eben nur können. Wir können ans Licht befördern genau wie sie mit den Bemühungen um Freiheit usw. anderer, menschlicher Gruppen in Verbindung stehen, und zwar indem wir die Geschichten derjenigen Kräfte (und der Identitätsgruppen, die hinter diesen Kräften stecken) schildern, die das Ganze letztendlich miteinander verbinden.

I. Wer ich bin?

Mein Name ist Anastasia Yargrough. Ich arbeite als facilitator consultant, community educator und bin nebenbei auch Musikerin. Ich arbeite nunmehr seit 15 Jahren im tierschützerischen Bereich, und zuletzt, seit etwa 5 Jahren, bin ich im als Sprecherin und organisatorisch in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Ich war im Vorstand des Institute for Critical Animal Studies und bin gegenwärtig im Beirat des Food Empowerment Projects.

Bedanken möchte ich mich ganz besonders bei A. Breeze Harper, die diese Online-Konferenz ermöglicht hat. Bei Adam Weitzenfeld und pattrice jones dafür, dass sie wunderbare inspirierende Gelehrte/Aktivist_Innen sind, die sich auch als gute Zuhörer erwiesen haben wenn es um die Themen ging, mit denen ich mich zurzeit auseinandersetze. Und mein Dank gilt auch all den Aktivist_Innen dort draußen, die sich für eine totale Befreiung einsetzen, selbst unter den enorm schwierigen herrschenden Bedingungen.

II. Warum ich spezifisch über weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat spreche?

► Diese alles durchdringenden und miteinander verwobenen Kräfte stellen in der Tierrechtsbewegung eine tragende Säule dar. Die TR-Bewegung ist auf die eurozentrischen Länder konzentriert und innerhalb dieser Länder ist die Mehrheit ihrer Mitglieder weiß und die Mehrzahl ihrer Führungspersönlichkeiten besteht aus weißen Männern. Folge dessen ist eine Tendenz zum Eurozentrismus, was die ideologische Grundlage für Fragen der Mensch-Tier-Beziehung anbetrifft. Auch ist es nicht selten, tierschützerischen und veganen Kampagnen zu begegnen, die ein europäisches Ideal vermitteln (beispielsweise die Kampagne gegen das Hunde-Essen in China). Der Eurozentrismus macht es Menschen, die nicht weiß sind, schwer zu meinen sie hätten einen Platz innerhalb der Bewegung, insbesondere auch dann wenn deren Tierethik nicht unbedingt dem vorherrschenden „Mainstream“ der Bewegung entspricht. Der Einfluss des Patriarchats wiederum wird besonders dann sichtbar, wenn wir betrachten, dass die Mehrheit der Bewegung zwar aus weiblichen Aktivistinnen besteht, dennoch aber 50% der Führungskräfte in den großen aktiven Tierschutz-Nonprofits allesamt männlichen Geschlechts sind. Wenn es bei den großen Veranstaltungen und Tagungen der Bewegung, wie beispielsweise bei der National Conference in Washington DC, nicht möglich ist diese Themen ernsthaft anzusprechen, und solche Themen sogar als trivial und als nicht wesentlich zur Stärkung der Bewegung abgetan werden, dann haben wir ernsthaft ein Problem.

► Die große Mehrheit von Tierrechtsorganisationen und ihrer Sprecher_Innen vergleichen die moderne Tierrechtsbewegung und zitieren Beispiele aus der antirassistischen und der antisexistischen Bewegung in den USA, ohne wirklich zu verstehen wie Rassismus und Sexismus in Amerika eigentlich funktionieren. Sie nehmen einfach an, dass sie es wüssten, weil sie sich als Aktivist_Innen für eine gleichermaßen unterdrückte Gruppe (die diverse Vielzahl von Lebewesen, die wir gemeinhin subsumierend als „Tiere“ bezeichnen) einsetzen.

◌ Bei der Nationalen Tierrechtskonferenz von 2013 in Washington DC, sagte Norm Phelps [ein bekannter Tierrechtsautor in den USA] in der eröffnenden Plenarversammlung zu den Teilnehmer_Innen, dass die Tierrechtsaktivist_Innen heute die Frederick Douglasse und Harriet Tubmans unserer Zeit sind. Nathan Runkle [der Sprecher der Organisation Mercy for Animals] sagte bei derselben Versammlung, dass die Tierrechtsbewegung der nächste evolutionäre Schritt sei im Vorwärtskommen sozialer Gerechtigkeitsbewegungen; die Tierrechte seien die neue große soziale Gerechtigkeitsbewegung.

► Dieses sich vollständig auf die Lektionen der Kämpfe aus der antirassistischen und den antisexistischen Menschenrechtsbewegungen der Vergangenheit verlassen, ist an sich in keinerlei Hinsicht ein Problem. Beide Bewegungen sind Teile unseres Erbes und wir kommen nicht umhin im Schatten ihrer Geschichte weiterzumachen. Nicht zuletzt sind die hervorragenden Persönlichkeiten dieser Bewegungen unsere Vorfahren und einflussreiche Pioniere für die Bemühungen weltweit um soziale Gerechtigkeit und in Umweltschutzbelangen gewesen. Doch wenn Führungspersönlichkeiten innerhalb der Tierrechtsbewegung bequeme Analysen betreiben, um sie als einen Hebel einzusetzen zur fortgeschrittenen Legitimierung der Tierrechtsbewegung, dann dient das unserer Bewegung nicht, und der entscheidende Punkt wird hier einfach verpasst. Es gibt einen Grund weshalb die Kämpfe der Farbigen, der Frauen und der Tiere sich ähnlich genug sehen, dass der Vergleich zulässig ist. Und diese Gemeinsamkeit liegt in der Verbindung, die gegeben ist durch die systemischen Kräfte, die ihrer aller Unterdrückung nährt und am Fortbestehen erhält. Ein weiterer Redner könnte einmal eine Analyse von jeglichem Winkel innerhalb dieser Matrix betreiben. Heute fokussiere ich auf die Punkte weißen Überlegenheitsdenkens und Patriarchat.

III. Wie weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat Tiere in direkter Weise betreffen.

► Die gleichen Kräften, unterschiedliche Gruppen.

◌ Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat (die ich von hier ab als „weißes Patriarchat“ bezeichnen werde) wurden von Theoretikern aus den Bereichen kritischer Rassenstudien und respektive des Feminismus in den USA seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Farbige Menschen mussten sich mit dem Weißsein und Frauen mit dem Patriarchat detailliert auseinandersetzen um überleben zu können. Das Weißsein und das Patriarchat werden kollektiv begriffen als Konstrukte sozialer Identitäten, die sich strukturell über die Zeit hinweg verstärken. Das bedeutet, dass ihre initiale Erschaffung beabsichtigt war, und dass Menschen sich zur Annahme der Identitäten aus freien Stücken entschieden haben. In einer neueren Studie über die Theorie des Privilegs durch den Anarchist Federation’s Women Caucus (den Frauenausschuss der Anarchistischen Föderation) wurde betont, dass Identitätsgruppen wie Männer und Weiße nicht wirklich ihr Privileg aufgeben können, gleich wie sehr Individuen dieser Gruppen das auch möchten. Sie sind in diese Identitäten hineingeboren, in diesen Identitätsgruppen großgezogen worden und sie sind eingetaucht in ein System, aus dem sie nicht aussteigen können oder in dem sie sich überhaupt dazu entscheiden könnten, nicht mehr von diesem zu profitieren. „Du bist für das System, das dir dein Privileg erteilt nicht verantwortlich, nur dafür, wie du darauf reagierst.“ bell hooks hat das weiße Patriarchat häufig assoziiert mit Akten des Terrorismus (nämlich der Sklaverei, der Vergewaltigung, der Folter und den Mord) gerichtet spezifisch gegen schwarze Menschen und schwarze Frauen. Diese Akte des Terrorismus – Sklaverei, Vergewaltigung, Folter und Mord – sind auch das, was auch wir in der Tierrechtsbewegung versuchen wollen abzuschaffen. Es ist keinerlei Überraschung, dass diese Akte allesamt aus dem gleichen System entwachsen. Wie können wir in einer Gesellschaft leben, in der all das geschieht, ohne dass es uns überhaupt etwas ausmacht? Nun ja, zum einen macht sich das weiße Patriarchat nicht sichtbar. Wie irgendein anderes Konstrukt einer sozialen Identität, die ein sozioökonomisches System auf der Basis der Ausbeutung der schwächeren und verletzlicheren Individuen und Gemeinschaften erhält, indem es diejenigen marginalisiert, die den Status quo des „Mainstreams“ stören, in dem systematische Gewalt zum Vorteil privilegierter Gruppen begangen wird, in dem die Gedanken, Körper, Räume und die Reproduktion anderer Gruppen dominiert wird, so ist das weiße Patriarchat eine Institution, die es schafft all dies aufrecht zu halten während es selbst unsichtbar bleibt. Wir müssen uns in ganz bewusster Weise darum bemühen es sichtbar zu machen. In der Tierrechtsbewegung haben wir, wenn wir über die Unterdrückung der Tiere durch Menschen sprechen, Gelegenheiten um weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat hinter der Ausbeutung, der Dominierung, der Reproduktionskontrolle, der Marginalisierung und der systematischen Tötung sichtbar zu machen. Wir können die Tokenisierung von Tieren als Maskottchen, die tatsächlich dem Zwecke ihrer Ausbeutung und Ermordung dient, benennen. Wir können auf die Tötungen von Tieren, in den Tierheimen und halbwilder und verwilderter Tiere, als Schuldzuweisung auf das Opfer hinweisen. Wir können darüber sprechen, wie wildlebende Tiere marginalisiert werden durch den Verlust ihres Habitats, verursacht durch die Agrarkultur und den sich ausdehnenden Städtebau, und wie „invasive/schädliche“ Spezies ein bequemes Ziel der Schuldzuweisung werden, wobei bei ihnen tatsächlich weder Hauptgrund und –ursache zu suchen sind. Wir können die Reproduktionskontrolle, die Zwangszucht, genetische Manipulation und die in die Sexualität eingreifende Gewalt sichtbar machen, die Institutionen am Leben erhalten wie die Tierversuchslaboratorien, die Tiere involvierende Agrarkultur, die Haustierhaltung, Zoos und Aquarien, Jagdreviere, Aquakultur und die Unterhaltungsindustrien die Tiere einbeschließen. Die Tokenisierung, die Schuldzuweisung auf das Opfer, die Marginalisierung und die Reproduktionskontrolle, sind die Grundpfeiler des weißen Patriarchats. Innerhalb des weißen Überlegenheitsdenkens in Amerika tendiert der Mainstream dazu, sich mit Tieren und farbigen Menschen dann zu identifizieren, wenn sie tot oder auf eine Fast-Unsichtbarkeit reduziert sind. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass wir diese Gruppen tatsächlich respektieren, indem wir sie romantisieren, und die, die sie in Wirklichkeit sind, für uns in unserer Vorstellungswelt in der Weise passend für unsere eigene Identität modulieren, nun wo unsere Vorfahren und Zeitgenossen sie bereits als eine Bedrohung außer Kraft gesetzt haben. Ein wesentlicher Grundpfeiler des weißen Patriarchats ist aber auch die Frage der Bürgerschaft. Die einzig legitimen Stimmen sind diejenigen, die „echte Bürger“ der Gruppe darstellen. Und in der Tierrechtsbewegung stellt dies ein enormes Hindernis dar in den Bemühungen um eine Bewirkung der Anerkennung der Interessen von Tieren durch die Gesellschaft.

►Das weiße Patriarchat als treibende Kraft in Tierverteidigungskampagnen.

◌ Die Kampagnen von PETA sind berüchtigt wegen ihrer rassistischen und sexistischen Komponenten. Ich werde hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, da eine andere Sprecherin bei dieser Konferenz ihre Analyse der Organisation PETA vorstellen wird. PETA sind jedenfalls ein sehr offensichtliches Beispiel für das weiße Patriarchat als treibende Kraft hinter ihren Zielen und Strategien. Nicht allein in den Öffentlichkeitsstunts der Organisation, sondern auch in ihren Politiken und Praktiken, die Tiere in ganz unmittelbarer Weise anbetreffen. PETA hat eine Geschichte zu verzeichnen, in denen sie mehr ihrer vermeintlich geretteten Hunde und Katzen getötet haben, als sie an ein neues Zuhause vermittelten. Nathan Winograd hat PETA seit Jahren wegen ihrer desaströsen Tierheimunterbringungspraktiken und Vorgehensweisen kritisiert. PETAs Unterstützer_Innen haben daraufhin entgegnet, dass Winograd nicht erwähnt habe, wie viele Tiere man aus den Gefahren, die für sie in überfüllten Tierheimen drohten, extra herausadoptiert habe, und dass es besser für diese Tiere sei einen „gnadenvollen“ Tod zu erleiden, als ein Leben in einen Tierheim zu verbringen, oder was noch schlimmer sei, als ein Leben ohne ein echtes Zuhause. Was mir dies sagt ist, dass für PETA die beste Art einer ethischen Beziehung zu Tieren, auf die wir unter PETAs Richtlinien hoffen könnten, diejenige ist mit toten Tiere, da es ja keine Möglichkeit gibt, alle diese Tiere unter einer kompletten institutionellen Kontrolle zu halten, und es dann effizienter wäre die Tiere einfach zu töten um sich dann auf die Schulter zu klopfen, dass man ja das richtige getan habe, denn man weiß ja schließlich auch genau, was das Beste ist. Das ist weißes Patriarchat.

◌ Verdeckte Nachforschungen bildeten die wesentliche Taktik zur Aufdeckung einiger der schlimmsten Gewaltakte gegen Tiere. Was oft nicht betont wird in solchen Ermittlungen von Tiermissbrauch in Fabrik-Farmen oder bei Kampagnen gegen den Hundekampf oder gegen Hahnenkämpfe oder bei Aufdeckungen des illegalen Handels mit wildlebenden Tierarten, sind die rassifizierten Komponenten die bei diesen Gräueltaten mitschwingen. Die große Mehrzahl derjeniger Menschen, die die niederen Arbeiten verrichten und die illegalen Taten begehen, denen wir immer wieder in den Nachrichten begegnen, und auf die der Zorn und die Empörung der Aktivist_Innen niederprasselt, sind farbige Menschen.

◦ Fremdarbeiter aus Ländern wie Mexiko und Guatemala machen ein Fünftel der Arbeiterschaft in den Agrarindustrien aus. Sie haben typischerweise keinen High School Abschluss und ihre Optionen bei der Arbeitssuche sind daher gering, auch haben sie normalerweise wenig in der Leitung dieser Farmbetriebe zu sagen. Sie sind einfach Hände – oft die blutigen Hände – die 10 bis 12-stündige Schichtdienste verrichten. Der US-amerikanische Imperialismus und Rassismus stößt sie in Jobs wie diese, wo die Möglichkeiten der Wahl dessen, wie man seine Einkünfte bestreitet, gering sind. Sie werden häufiger wegen Grausamkeit gegen Tiere belangt als die Betreiber der Farmen, die die echten Profite aus der Sache schlagen. Und Tierverteidigungsorganisation wissen das, wenn sie Klagen erheben; sie versuchen einfach jeden „Erfolg“, gleich welchen, zu erlangen, wenn er denn nur erlangbar ist. Zum Schluss hilft das den Tieren weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, denn es erlaubt es den Shareholdern einer Verantwortlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es erlaubt den Geschäftsbetreibern die Sündenbockfunktion den verarmten und oft analphabetischen Wanderarbeitern zuzuschieben, die kaum juristischen Schutz haben, und es sendet eine für die Öffentlichkeit irreführende Botschaft aus, dass man was gegen die „schlimmen Typen“ getan habe, wobei sie in Wirklichkeit einfach nur durch andere Immigranten gleichen Hintergrunds ausgetauscht werden, die dann ebenso den Verstand verlieren werden, mit der Gewalt, die sie stundenlang täglich ausführen müssen.

◦ Hundekämpfe sind so alt wie die zivilisierte Welt selbst. Und Hahnenkämpfe begannen in Europa etwa um das 15. Jahrhundert herum aufzutauchen. Beide dieser Blutsportarten zählten gewöhnlicherweise zu den Aktivitäten wohlhabender Landbesitzer, Handeltreibender und Aristokraten; in anderen Worten: Leute die Geld hatten. Heute werden diese Blutsportarten mit armen farbigen Menschen in Verbindung gebracht. So sehen die Kampagnen gegen diese grausamen Bräuche oft aus wie eine spezifische Strafung Farbiger, nun wo weiße Menschen der Mittel- und Oberschicht kulturell „jenseits“ von solch einem Barbarismus stehen.

◦ Der illegale Handel wildlebender Tierarten ist ein Thema, das nicht allein die Tierverteidigungsbewegung beschäftigt, dieses Thema ist auch bestimmend in Bereichen umweltschützerischer Tätigkeiten. Kampagnen und Berichte betonen die Prozentzahl des illegalen Handels, so dass man sich auf CITES und damit auf juristische und politische Richtlinien berufen kann. Soweit hat das allerdings keinen besonders großen Unterschied erbracht, was die Anzahl von Tieren, lebend oder tot, anbetrifft, die aus ihrem gebürtigen Land oder Wasser herausgeschmuggelt werden. Die Gegenden wo die meisten dieser Aktivitäten stattfinden, liegen in Südostasien und in Subsahara-Afrika. Nachrichtenmedien, Dokumentationen und Kampagnen fokussieren zumeist extensiv auf die Seite der „Wilderei“ im Handel mit wildlebenden Tierarten, die ausschließlich von den farbigen Menschen in den Regionen betrieben wird. Obgleich das Geschäft des Handels wildlebender Tierarten Teile großer krimineller Syndikate bildet, sind die Leute, die wir überall in Bildern und in den Nachrichtenartikeln sehen, diejenigen mit wenig Ressourcen und mit weniger Sagen in den großen Syndikaten – Leute die einfach ausgetauscht werden können, die man einfach zu Sündenböcken machen kann. Es ist weitaus schwieriger die wohlhabenden Konsumenten von Produkten aus wilden Tieren sichtbar zu machen, und es ist schwieriger Reiche in Frage zu stellen, Jagdsitze in Privatbesitz, die vom Geschäft mit dem Handel „exotischer“ Tierarten profitieren, es ist schwieriger amerikanische und europäische Privatinvestoren von Milizen und kriminellen Syndikaten in diesen Regionen anzugreifen, also tut es auch niemand. Es ist weitaus einfacher, arme farbige Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die die tatsächliche Gewalt und die tatsächliche Straftat begehen, denn das sind die Plakatkriminellen, und das weiße Überlegenheitsdenken und der Kolonialismus können ungehindert weitermachen, unbemerkt, in ihren systemerhaltenden Funktionen.

◦ Rassismus, Klassismus und Kolonialismus treiben farbige Menschen dazu, sich übermäßig auf die Ausbeutung von Tieren zu verlassen, und weil sie nicht den Schutz durch Wohlstand und Weißsein genießen, tragen diese Leute die Last der Konsequenzen, während die Schwergewichte in Sachen Ermöglichung, ihr Geschäft weiter und wie gehabt betreiben können.

IV. Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

V. Schlussfolgerung

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat sichtbar zu machen, ist wichtig um die Unterdrückung von Tieren sichtbar zu machen. Oft stecken diese hinter den Gräueltaten die gegen Tiere begangen werde, wogegen wir schließlich kämpfen.

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat beeinflussen die Ziele der Bewegung und der angewendeten Strategien. Wir können evaluieren, wie unsere Ziele und Strategien weitervermittelt werden, und indem wir die Intention hegen diese Kräfte sichtbar zu machen, anzuerkennen was wirklich los ist, indem wir uns unsere eigene Rolle in all dem bewusst machen, können wir die Verantwortung für eingeschlagene Richtungen in der Bewegung übernehmen.

► Nun wo andere Aktivist_Innen Analysen über den Abelismus, Heterosexismus, Cissexismus und Queerness mit einbeziehen, haben wir die Möglichkeit, dass die Tierrechte sich zu einer echten Pioniersfront der intersektionalen Bewegung entwickeln können. Schaffen wir es diese Herausforderung anzunehmen?

Weitere Beispiele weißen Patriarchalismusses:

„Ich hab ihm gerade einen Nasenring angebracht … , so dass er nicht mehr bei seiner Mutter saugt. Er braucht es einfach nicht mehr … . Er wird sich dran gewöhnen. Wir haben es mit den anderen Kälbern auch so gemacht. An dem Ring sind nur einige Zacken, und das ist damit es die Kuh an ihrem Euter stört wenn er versucht zu saugen, sie wird ihn dann wegtreten … . Tja, das ist halt noch so eine weitere spaßige Sache, die du so auf einer Farm machen kannst.“

http://www.youtube.com/watch?v=mOMYfrFKHyE&feature=youtu.be

Malerei: © Farangis G. Yegane

(Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.)

Copyright © 2013, Anastasia Yarbrough, Gita Y. Arani-May / Palang LY. Alle Rechte vorbehalten.

 

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

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Quelle: ‘Engaging with the idea that interrogations of race, gender, and whiteness in veganism is not pointless: Reflections on the Sistah Vegan Conference’ http://sistahvegan.com/2013/09/18/sistah-vegan-conference-recordings-now-available/. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Die Sistah Vegan Webkonferenz fand am 14. September 2013 statt. Sie trug den Titel „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten.“ (Was, du hast die Konferenz verpasst? Keine Sorge, die ganze Konferenz wurde aufgezeichnet und du kannst die Aufzeichnungen erwerben, indem du auf der Webseite zur Konferenz ‚CLICK HERE TO REGISTER’ drückst. Auch wenn die Konferenz nun vorbei ist, so führt dich dieser Link doch zu der Seite, über die man die Sistah Vegan Conference-Aufnahmen erwerben kann: http://sistahveganconference.com/.)

Es waren beeindruckende 8 Stunden. Hier ist ein kleiner Einblick in das, was wir dabei lernten, wörüber wir sprachen und uns gemeinsam austauschten:

–         Wie Veganismus die Reproduktionsgesundheit schwarzer Frauen heilt.
–         Schwarze Frauen, Veganismus und die Herausforderungen durch diskriminatorische Haltungen gegenüber Körpergröße und –masse [‚Sizeism’].
–         Das Patriarchat als Problem in der US-amerikanischen Tierbefreiungsbewegung.
–         PETAs rassifiziert-sexualisierter Einsatz weiblicher Körper, um zum ‚Veganwerden, für die Tiere’ zu ermutigen.
–         Wie der ‚weisse Retterkomplex’ Schwierigkeiten und Stress verursacht für schwarze Frauen innerhalb bestimmter gemeinschaftlicher Veganismus- und Yogapraktiziernder-Räume in den USA.
–         Die Politk industrialisierter und verarbeiteter Babynahrung und die Schaffung einer indigenen veganen Mutterleibsökologie.
–         Die Art und Weise, in der die Sistah Vegan Anthologie so viele von uns dahigehend ermutigt hat, den Weg des Veganismus zu beschreiten.

Ich denke, dass diese Konferenz wichtig ist für eine ganze Anzahl von Leuten, die an kritischen Nahrungsmittelstudien, kritischen Tierstuduen und/oder schwarzen Studien interssiert sind. Dennoch empfehle ich diese Konferenz der beachtlichen Anzahl ‚postrassisch’ denkener Leute (fast immer sind dies weiß-identifizierte Menschen), die mich witerhin mit einer klaren (entweder direkten oder passiv-aggresiven) Wut im Bauch kontaktieren, dass sie es kaum fassen könnten, wie ich behaupten könne, dass Rasse, Geschlecht und Weißsein die vegane Praxis, das vegane Rational und Bewusstsein beeinflussen könnten. Und solche Messages kommen in den Kommertarsektionen meines Blogs, meiner Facebookseiten oder in meiner persönlichen Emailbox an, mit dem Zugeständnis Vieler, niemals etwas über kritische Studien bezüglich Rasse, schwarzer feministischer Theorie oder kritische Weißseinsstudien gelesen zu haben – aber diese Leute sind sich SICHER und ÜBERZEUGT davon, dass bestimmte Fragen im Bezug auf Rasse, Gender und Weißsein im Bereich Veganismus nicht hinterfragt werden sollten. Es mag ihnen nicht bewusst sein, aber man nennt dies (weiße) Selbstberechtigung [(white) entitlement] wenn sie in einer solchen Weise an mich herantreten. Es ist ein Akt diskursiver Gewalt, und es ist das perfekte Beispiel davon, wie Weißsein als ein Kommunikations- und rhetorisches System funktioniert. Diese Kommunikationsmethode ist einfach wirklich nicht harmonisch, nicht heilend und sie steht antithetisch zur Nicht-Gewalt (Ahimsa), die der Veganismus für so viele von uns verkörpert.

Ich kann nur anbieten, dass wenn Leute mit dem oben beschriebenen Kommunikationsverhalten, eine aufrichtige und offene Diskussion über den „Sinn“ dieser Webkonferenz, die Sistah Vegan Anthologie und meine andere auf das Soziologische gründende Forschungsarbeit führen möchten, dass diese Leute sich mal dran setzen sollten Beiträgen der Sistah Vegan Konferenz zuzuhören; vielleicht die Sistah Vegan Anthologie mal lesen sollten und auch meine Masters- und Disserationsarbeit, die in klarer Weise die Relevanz und die Wichtigkeit dessen artikulieren, sich mit kritischen Rassenstudien, schwarzen feministischen-, dekolonialen- und kritischen Weißseinsstudien innerhalb des Veganismus in den USA zu befassen. Ich versichere euch, dass sowohl Harvard (meine Masters These) als auch die University of California (meine Disserationsarbeit), meine Arbeiten nicht als Bestanden abgesegnet hätten, wenn ich sozialwissenschaftliche und rigorose Forschungmethoden und methodologische Herangehensweisen bei meiner intersektionalen Arbeit über Veganismus, Kultur und systemische Unterdrückung, nicht in richtiger Weise angewendet hätte. Ich hätte den begehrten Dean’s Award von Harvard für meine Masters-Thesenarbeit (die jeweils nur einem Kanditaten pro Fachbereich verliehen wird) nicht erhalten, und auch kein zweijähriges Stipendium, um meine Dissertationsarbeit an der Universtiy of California abzuschließen, wenn die entscheidungstragenden Kommitees beider Institutionen der Meinung gewesen wären, dass meine akademischen Untersuchungen über den Veganismus ‚sinnlos’ oder ‚rassenhetzerisch’ (wie von vielen [mis]interpretiert) seien. Bitte emailt mir unter sistahvegan (at) gmail (dot) com wenn ihr Auszüge und/oder Kopien meiner veröffentlichten Arbeiten, meiner Thesenarbeit und/oder meiner Dissertation haben möchtet, um euch mal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und vor diesem Hintergrund …

gilt ein ausgesprochener Dank all denen, die dies zu einem unwahrscheinlich beeindruckenden Event gemacht haben. Ich freue mich auf das, nächsten Jahres!

Wenn ihr an der Veranstaltung teilgenommen habt und/oder euch die Aufszeichnungen angehört habt, dann postet bitte wie ihr die Konferenz und das Gelernte empfunden habt, und das, womit ihr vielleicht Probleme hattet, oder was euch eventuell überrraschte, usw.

***

A.d.Ü.: Und Sinn und Zweck dieser Übersetzung ist es, das Sistah Vegan Projekt wegen seiner internationalen und globalen Wichtigkeit im deutschsprachigen Raum noch weiter bekannt zu machen, und um einige Aktionen des Projekts auch innerhalb des deutschen Sprachraums zu dokumetieren:

Siehe in diesem Zusammenhang …

Eine Info über die Sistah Vegan Anthologie (2010):
http://simorgh.de/harper/die_sistah_vegan_anthologie_2010_s.pdf

Die Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge der Sistah Vegan Webconference 2013:
http://simorgh.de/harper/sistahvegan_conference_2013_8bs.pdf

Und in aller Kürze die Programmübersicht der Webkonferenz 2013:
http://simorgh.de/niceswine/wp-content/uploads/2013/09/sistahvegan_conference_programm_1.pdf

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Palang LY

Tiere als Nummern

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Das kontroverse israelische Projekt http://269life.com emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend für das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht. Während solch ein Kunst- / Designprojekt wie das „Pig 05049“ der Niederländerin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert.

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Der Guardian veröffentliche am 27. März 2010 ein Essay des amerikanischen Autoren und Journalisten Bill Buford [1] über eine Arbeit der niederländischen Designerin Christien Meindertsma, in der sie Fotografien von Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, als all das, was aus einem Schwein so gemacht wird, zentriert auf ein Tier: „Pig 05049“, als Rohstoffquelle, darstellte.

Aus Tierrechtssicht halte ich die Arbeit von Meindertsma für bedenklich, aus Gründen, die ich weiter unten anreißen will. Der Artikel aus dem Guardian jedoch, sowie auch ein Artikel aus dem Stern über eine Ausstellung Meindertsmas im Jahr 2008 zum „Pig 05049“ [2], machen aber bereits klar, warum die Arbeit der Designerin eine zweischneidige Angelegenheit ist, wenn sie problemlos in der Weise, wie in diesen beiden Artikeln, rezipiert werden kann, als eine willkommen geheißene Ermutierung zur Objektifizierung von nichtmenschlichen Tieren im agraindustriellen Komplex.

Der Tierrechtler und Vorstand des europäischen Zweigs des Animals and Society Institute (http://www.animalsandsociety.org/) Kim Stallwood, hält zum Artikel Bufords aus dem Guardian fest:

Das kleine Schweinchen beim Guardian

Ein interssanter Artikel im samstags erscheinenden farbigen Wochendmagazin des Guardians. Er bestand aus einem Fotoessay als Auszug aus dem Buch Pig 05049 von Christien Meindertsma und einem Essay des Autoren Bill Buford. Interessant aus zweierlei Hinsicht.

Zuerst: Das Fotoessay dokumentiert 185 (naja, einige) Produkte, die aus einem geschlachteten Schwein hergestellt werden, einschließlich Apfelsaft (Gelatine), Puzzleteilen (Knochenleim) und Sandpapier (nochmals Knochenleim). Was immerhin beweist welche Herausforderung es darstellt, vegan zu leben. Einige würden behaupten es ist eine sinnlose Übung. Eine Unmöglichkeit. Ich würde sagen, dass der Weg zum Veganismus wichtiger ist, als die Ankunft am seinem Ziel.

Der zweite interessage Punkt ist dieser: warum müssen Menschen, die darüber schreiben, dass sie bei der Schlachtung eines Tiere teilgenommen haben, den Akt immer romantisieren? Und das Ganze mit sentimentalem Quatsch aufladen, um den Anschein der Profundität zu erwecken? Buford schreibt zum Beispiel: „Das Blut sammelt sich in einem Eimer. Ich rührte es damit es nicht koaguliert. Man gab mir eine Kelle und sagte ich solle mal probieren. Ich war vom Geschmack überracht, der vital, energisierend und glücklich war.“ Was genau ist glücklich am Probieren des Blutes eines Schweins, das man gerade getötet hat? Und dann folgt diese pseudo-moralisierende und nichtssagende Entschuldigung für die Missetat. [3]

„Der Aufwand benötigte vier Mann. Das Schwein wusste was geschah. Sie war stark. Sie kämpfte. Da gab es kein Schweinequieksen. Es war ein weit offener Schrei. Sie schrie laut und hörte nicht auf, bis nachdem für einige Sekunden, und nicht mehr als einige Sekunden, in ihr Herz gestochen war. Der Schrei ging bis in die höheren Klangregister; ein hochstimmiges, bellendes Klagen, das mein Gehirn nicht als normal herausrastern oder empfinden konnte. Dann, gerade als ich das Seil am Bein des Tieres festmachte, schaute sie mich an, ganz genau, und sah mir in die Augen. Warum mir? Vermittelte mein Gesicht unter den andern Gesichtern dieser abghärteten Traditionalisten etwa Unbehagen? Der Halt funktionierte wie eine Klampe. Ich wollte mich abwenden. Ich tat es nicht.“ [4]

— — —

Wie konnten die Fotografien aus der Designarbeit von Meindertsma so problemlos in diesem Zusammenhang ihren Platz finden? Ist eine Auflistung und Darstellung von Tierkörperteilen und der Stoffe, die aus ihnen gewommen werden bereits eine Stellungnahme in der einen oder anderen Weise?

Meindertsma sieht in ihrer Arbeit „grundsätzlich den Produktkatalog [eines] Schweins“. Das „schönste“ findet sie, in einer TED Rede unter dem Titel: „Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen“ (vom Juli 2010), ist die Verwendung der Herzklappe des Tieres, die eine Operation am menschlichen Herzen unter nur minimalstem Eingriff ermöglicht. Abschließend sagt sie, dass sie am meisten an Rohmaterialien insgesamt intersssiert sei, und ein bisschen auch an Schweinen. [5]

Die Ästhetik der Objektifizierung

Randy Malamud, Fellow am Institut für Tierthik der Uni Oxford, formuliert ein wichtiges Argument im Kontext mit einem Werkzyklus der türkischen Künstlerin Pinar Yolacan (Titel: „Perihables“), in der Hühnerkörper als künstlerisches Ausdrucksmittel und Accessoire verwendet werden:

„Ich frage mich, wenn ich durch Yolacans Linse auf eine Frau und ein Huhn blicke, eine Frau in einem Huhn: Wo ist das Huhn? Ja, das Tier ist da, aber da gibt es kein „da“. Das einzige huhnhhafte in diesen Bildern ist ein Negativum: die Abwesenheit eines Huhns, die Verhöhnung eines Huhns, die Zerstörung eines Huhns, die perverse menschliche Transformation eines Huhns.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es die Last jedes Kunstwerks sein müsse, das huhnhafte des Huhns zu hinterfragen, aber ich bin ökologisch empört über das durchdringliche Versagen menschlicher Kultur […] dabei, die Intergrität, das Bewusstsein, die echte Gegenwart anderer Tiere in unserer Welt ernsthaft anzuerkennen.“ [6]

Wie weit darf eine ästhetisierende Objektifizierung gehen, insbesodere auch dann, wenn sie unter anderem der Veranschaulichung dient, wie im Fall des Buches Pig 05049 von Christien Meindertsma und bei anderen Designern, Künstlern und deren Arbeiten, im Allgemeinen.

Was Meindertsma anbetrifft: Als Veganer kennen wir Alle, Listen tierlicher Inhaltstoffe und ihrer Derivate. Eine partielle Liste im schöngemachten Format ist eigentlich nicht zweckdienlich, auch wenn sich über Ästhetik streiten lässt.

Das Buch Pig 05049 wird aber für 44 Euro bei enem veganen Onlinehandel feilgetobten. Aufmerksam wurde ich, nachdem ich sah, dass die VGD es auf ihrer FB-Seite bewarb und keine Veganer_In dort Anstoß am Ganzen nahm. [7]

[1] Bill Buford: From one pig: 185 products, The Guardian, Saturday 27 March 2010 http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products. Der Text wurde inzwischen wegen Ablauf der Nutzungsrechte von der Webseite des Guardian entfernt.

[2] Albert Eikenaar: Eine tierisch versaute Idee, Der Stern 23. Juli 2008, http://www.stern.de/kultur/kunst/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html

[3] Kim Stallwood: Little Piggy at The Guardian, http://www.kimstallwood.com/2010/03/29/the-little-piggy-at-the-guardian/. Übersetzung der Blogeintrags (ohne dem Zitat aus dem Guardian) Palang Y. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von Kim Stallwood. Siehe hierzu auch: This little piggy… Christien Meindertsma photographs the 185 products that came from one pig, The Guardian, Saturday 27 March 2010, http://www.theguardian.com/theguardian/gallery/2010/mar/27/185-products-one-pig-gallery

[4] Bill Buford: From one pig: 185 products, a.a.O. http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products

[5] TED, Christien Meindertsma: Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen http://www.ted.com/talks/christien_meindertsma_on_pig_05049.html

[6] Randy Malamud: Vengeful Tiger, Glowing Rabbit, in: The Chronicle of Higher Education, July 23, 2012, http://chronicle.com/article/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit/132951/?cid=cr&utm_source=cr&utm_medium=en

[7] Vegane Gesellschaft Deutschland, der betreffende Eintrag auf ihrer Facebookpage https://www.facebook.com/photo.php?fbid=589879337720155&set=a.159698390738254.28272.154920631216030&type=1&theater

Alle Zugriffe vom 17. September 2013.

Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.

 

Programmübersicht: Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Kritische Nahrungsmittel- und Gesundheitsstudien

Webkonferenz: „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten“

Die Programmübersicht auf  Deutsch als PDF

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Datum: 14. September 2013

Zeit: 10:00 AM – 6:00 PM PST (pazifische Standardzeit). Die mitteleuropäische Zeit (MEZ) ist der pazifischen Standardzeit 9 Stunden voraus.

Ort: Online-Webkonferenz über Anymeeting.com

Die Sprecherinnen und das Programm

10:00 AM: „Einführung: Wie bildet der Veganismus für schwarze Frauen und ihre Verbündeten einen kritischen Eingangspunkt zur Diskussion über Themen sozialer Gerechtigkeit und von Gerechtigkeitsfragen betreffend nichtmenschlicher Tiere und der Umwelt.“ Dr. A Breeze Harper, University of California-Davis.

10:15 AM: „Wie Weißsein und das Patriarchat Tieren schaden.“ Anastasia Yabrough, Inner Activism Services.

10:50 AM: „PETA und der Tropus des „Aktivismus“: Die Naturalisierung postfeministischer und postrassischer Einstellungen durch Proteste sexualisierter Körper.“ Aphrodite Kocięda, University of South Florida.

11:25 AM: „Eine verkörperte Perspektive auf die Redefinierung von ‚Gesundheit’ in einem kulturellen Kontext und die Betrachtung der Rolle von ‚Sizeism’ [der diskriminatorischen Vorurteilshaltung gegenüber ‚Körpergröße u. -masse’] im Paradigma veganer schwarzer Frauen.“ Nicole Norman.

12:25 PM: „Kosmetische Marginalisierung: Status, Zugänge und vegane Schönheitslektionen unserer Urmütter.“ Pilar Harris, Pilar in Motion.

1:00 PM: Offene Diskussion: „Warum ich das ‚Hühnchen am Sonntag’ aufgegeben habe und vegan geworden bin. Mädchen und Frauen afrikanischer Herkunft diskutieren ihre Gründe dafür, warum sie sich für den Veganismus entschieden haben.“

1:50 PM: „Hebammentum, Medizin und die Babynahrungs-Politik: Untergrundfeminismus, indigene pflanzlich-basierende ‚Foodways’ [Versorgungswege] und Ernährung.“ Claudia Serrato, University of Washington.

2:30 PM PST: „Die Konstruktion von Quellen zusätzlich zur elterlichen Kompetenz als schwarze Veganerin: Eine Diskussion über Geografie und Theologie und derer inneren Widersprüche.“ Candace M. Laughinghouse, Regent University.

3:05 PM: Podiumsdiskussion: „Yoga für die stressfreie Soul Sista und Lehre radikaler Selbstfürsorge: Erforschung von Privileg im Yoga und Veganismus für Girls of Color [farbige Mädchen].“ Sari Leigh und Kayla Bitten.

4:20 PM: Offen Diskussion: Reflektionen über die Sistah Vegan Anthologie.

5:00 PM: „Ist eine schwarze Dekolonialisierung in einer moralischen Ökonomie neoliberalen Weißseins möglich? Wie in den USA eine schwarze vegane Befreiungsrhetorik oft die Grundsätze kolonialen Weißseins verlängert.“ Dr. A. Breeze Harper, University of California Davis.

Information zur Konferenz und Registration: http://sistahveganconference.com 

Organisation: Dr. phil. A. Breeze Harper, breezehaper [at] gmail [dot] com

Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge auf Deutsch

Und für die, die das Sistah Vegan Projekt noch nicht kennen: Infos über die Sistah Vegan Anthologie 2010 auf Deutsch