Sterben ist erstmal kein Thema

Sterben ist erstmal kein Thema in der Ausbildung zur Pflegefachkraft mit der Spezialisierung auf die Altenpflege. Dies war auch der Grund, weshalb ich meine Ausbildung in dem Bereich nach 1 1/2 Jahren abgebrochen habe. In der Praxis ist man im Pflegeheim vom ersten Moment an mit dem sterbenden Menschen konfrontiert und dann auch damit folglich, wie in dem jeweiligen institutionellen Rahmen mit dem Sterbeprozess umgegangen wird.

Ich habe 20 Menschen in den 1 1/2 Jahren Ausbildung direkt oder eher indirekt beim Sterben begleitet oder bzw. ihren Sterbeprozess mitverfolgt. Diese 20 Tode sind sehr unschön verlaufen. Ich habe festgestellt, dass das Sterben ein sehr unzureichend adressiertes pflegeethisches Thema in der Praxis darstellt. Das Thema wird in der Gesellschaft zu wenig diskutiert und wenn auf häufig oberflächlicher Ebene.

Es finden in der Tat zahlreiche Widerlichkeiten in der Pflegepraxis statt: Menschen wird selten ein entsprechender Rahmen der Behaglichkeit und der emotionalen Sicherheit verschafft. Wird das Problem in der Pflegepraxis der Ausbildungsstätte oder der Schule thematisiert, erntet man wenig Verständnis und in meinem Falle wurde ich milde belächelt und als Unruhestifter abgetan.

Das Thema muss angegangen werden, aber wie? wo? von wem?

Es gibt Angebote > z.B. in FFM https://www.buergerinstitut.de/hospizdienst-und-palliativberatung/

aber sie werden zu wenig genutzt.

Antidiskriminierung und demenzielle Veränderung

Antidiskriminierung und demenzielle Veränderung
(Entwurf)

Die Behinderung ‘demenzielle Veränderung’ wird zur außergewöhnlichen und tragischen Belastung für den Betroffenen, wenn es zu Diskriminierungsmomenten kommt. Aber was ist diskriminierend für einen Menschen, dessen Kognition sich in der Art starker Form der Veränderung und vermeintlichen “Disfunktionalität” befindet?

Die Behinderung ‘demenzielle Veränderung’ stellt den betroffenen Menschen vor enorme Herausforderungen. Der Verlust oder eher die Veränderung kognitiver Vorgänge heißt eine komplette prozesshafte Umorientierung, eine Veränderung, die vom sozialen Umfeld als Abbau gewertet und wahrgenommen wird und die das gewohnte “Funktionieren” im Alltag zunehmend unmöglicher macht.

Aber ist es nur ein Verlust oder birgt die kognitive Behinderung auch Gewinne für den Betroffenen* in sich? Entwickelt der Betroffene neue, andere Perspektiven und treten andere Aspekte des Lebens in den Vordergrund, die wenig durch strikte Rationalität, dafür aber zunehmend durch sensiblere Nuancierungen kognitiver Wahrnehmung gekennzeichnet sind?

* Die maskuline Form bezieht sich hier auf alle Gender.

Demenz als Behinderung, Kurzfassung

Im Wesentlichen sind es drei Punkte, die mir in meiner ersten Auseinandersetzung mit dem Thema ‘demenzielle Veränderung’ und Momenten und Risiken der Diskriminierung eingangs besonders wichtig erscheinen:

1. Unterschiedlichen Vor- und Nachteile verschiedener Pflegetheoretischer Ansätze in diesem Kontext.

2. Fragen der Kommunikationskultur oder Unkultur. Ein Faktor, der in dieser ersten intensiven Erfahrung in der Pflege demenziell veränderter Menschen begleitend war, schien mir das Problem des Bildes, das wir uns vom Menschen mit Demenz machen, zu sein [I] , das bei Pflegern wie Angehörigen immer ein individuell unterschiedliches zu sein schien. Die Auswahl der Kommunikationsebene oder –art schien sich nach solch einem Bild zu richten. Die Frage die in der Pfleger-Pflegebedürftigen-Interaktion zumeist im Raum stand, war: „bekommt die pflegebedürftige Person im Prinzip alles mit“, „was bekommt sie mit“, „was versteht sie“ und „wie versteht sie was“. Lebt der dementiell veränderte Mensch „in einer eigenen Welt“ oder befindet sich diese Welt auch noch in einer gemeinsamen, geteilten, umfassenden großen Welt, in der verschiedene Realitätsempfindungen ihr Zuhause haben? [II; III]

Dazu:

[I] Kategorische Unterschiede in der Sichtweise über Demenz sind klassischerweise in einer rein medizinischen Sichtweise im Vergleich zu einer personenzentrierten psychologischen Sichtweise wie der von Tom Kitwood zu erkennen, siehe Möllering, Nina: Der person-zentrierte Ansatz von Tom Kitwood, https://bit.ly/2ubnuYOhttps://www.dgpalliativmedizin.de/images/
stories/M%C3%B6llering_Personenzentrierter%20Ansatz%20nach%20Kidwood_
Hausarbeit_%2019.04.2012.pdf
, 2012, S. 13, Stand 12.09.2017.

[II] Der Umgang mit demenziell Veränderten Menschen stellt Menschen vor viele Fragen. Wie ein Mensch mit Demenz sich fühlt und wie er das Leben erlebt hängt von weitaus mehr ab als von der Erkrankung bzw. Behinderung. Auf diesen Umstand wird immer wieder in Ratgebern über Demenz hingewiesen, so beispielsweise in Alzheimer’s Society (o.V.): Understanding and supporting a person with dementia, https://bit.ly/2qBqQBx
https://www.alzheimers.org.uk/info/20046/
help_with_dementia_care/31/understanding_and_supporting_a_person_with_dementia
, Stand 12.09.2017.

[III] Lunge, Angela: See the person, not the disease, with Alzheimer’s caregiving, 2014, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/alzheimers-disease/expert-blog/in-dementia-caregiving-avoid-labeling/bgp-20096344 , Stand 12.09.2017. Siehe in diesem Zusammenhang auch eine Information der britischen Alzheimergesellschaft zum Thema: Gleichberechtigung, Diskriminierung und Menschenrechte: Equality, discrimination, and human rights (o.V.) , https://bit.ly/2zp0cnB , https://www.alzheimers.org.uk/info/20091/
what_we_think/141/equality_discrimination_and_human_rights
, Stand 24.09.2017.

3. Diskriminierung und Antidiskriminierung. Die Begleitung und die pflegerische Fürsorge für Menschen mit Demenz ist ein Bereich in der Pflege in dem die Überschneidungen seelisch-psychischer, physiologischer und sozialer Fragen ganz besonders in den Vordergrund treten. So fällt der dementiell veränderte Mensch im Zuge seiner Behinderung [IV][V] zunehmend aus der sozialen Rolle, die er vorher im Leben eingenommen hat, heraus und sieht sich mit einer Situation konfrontiert in der er ab einem gewissen Grad der Behinderung eine teilweise Lenkung seines Verhaltens von Außen zum Schutze seiner selbst erfährt. Es ist eine Gratwanderung für den Pfleger sowie für die Angehörigen, dass sich ein Abhängigkeitsverhältnis welches über das rein physische hinaus bis in seelisch-psychische Belange hineinreichen kann, nicht als eine Art der Bevormundung oder Fremdbeeinflussung anfühlt. Die britische Alzheimer Gesellschaft führt als mit den Menschenrechten unvereinbare Diskriminierungsmomente, die Menschen mit Demenz häufig erfahren, folgende Faktoren an:

– Altersdiskriminierung (Ageism)
– das Stigma und die Diskriminierung die häufig mit der Erkrankung bzw. Behinderung im Zusammenhang steht
– und der Mangel an Möglichkeit für Betroffene sich selbst gegen derart Vorfälle zu wehren und solche zu melden. [VI]

Die Wichtigkeit der Autonomiewahrung von Demenz betroffener Menschen und die damit verbundenen Problematiken müssen gesellschaftlich, pflegerisch und individuell eine besondere Beachtung unter dem Gesichtspunkt der Berücksichtigung der Menschen- und Behindertenrechte erfahren. Durch ein verbessertes Bewusstsein über die Situation dementiell veränderter Menschen kann auch der unbeabsichtigten oder fehlinformierten Diskriminierung entgegengewirkt werden.

Dazu:

[IV] Demenz sollte als Behinderung statt als Krankheit betrachtet werden, so fordert ein neuer Bericht der Mental Health Foundation: “Dementia should be considered a disability rather than a disease, maintains a new report from the Mental Health Foundation.” Dementia: Disability or Disease? (o.V.), 2015, http://www.mcknightsseniorliving.com/news/dementia-disability-or-disease/article/441747/ , Stand 24.09.2017. Der Autor bezieht sich dabei auf die Schlussfolgerungen dieses Diskussionspapiers der britischen Mental Health Foundation: Dementia, rights, and the social model of disability: A new direction for policy and practice?
https://www.mentalhealth.org.uk/file/1342/download?token=v-HKaVVi bzw. https://www.mentalhealth.org.uk/publications/dementia-rights-and-social-model-disability Stand 24.09.2017.

[V] Heidenreich, Ulrike: Demenz als Behinderung, Barrierefreiheit im Kopf, 2015, http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/demenz-als-behinderung-barrierefreiheit-im-kopf-1.2402536 , Stand 24.09.2017.

[VI] Equality, discrimination, and human rights (o.V.) , https://bit.ly/2zp0cnB , https://www.alzheimers.org.uk/info/20091/
what_we_think/141/equality_discrimination_and_human_rights
, Stand 24.09.2017.

 

Demenz als Behinderung I

Im Zuge einer pflegerischen Ausbildung hatte ich erste Berührungen mit demenziell veränderten Menschen und mit Herangehensweisen an die Thematik. Meine anfängliche Auseinandersetzung mit dem Thema lässt sich am besten anhand eines Lernerfahrungsberichts verdeutlichen, den ich zu dem Zeitpunkt erstellt hatte. Im nächsten Eintrag werde ich die wesentlichen Punkte aus dieser kurzen Arbeit herausfiltern, die auch den Einstieg in den Versuch einer antidiskriminatorischen Arbeit mit und für demenziell veränderte Menschen markieren sollen.

Hier also meine kleine Hausarbeit zum Thema:

  1. Einleitung

In dieser Hausarbeit geht es um die Begleitung und Pflege demenziell veränderter älterer Menschen. Im Rahmen der Praxisaufgabe wurden im Bezug auf zwei pflegebedürftige Personen die relevanten pflegerisch-medizinischen und biografischen Daten gesichtet um Rückschlüsse auf eine förderliche individuelle Herangehensweise an den pflegebedürftigen Menschen zu ziehen. Die daraus entwickelten Überlegungen zum eigenen pflegerischen Handeln konnten daraufhin in Rücksprache mit der Praxisanleitung im Ausbildungsbetrieb zum Teil eine praktische Umsetzung finden. Hier wird allein die daraus gewonnene Lernerfahrung beschrieben.

  1. Lernerfahrungen bezogen auf Aufgabe 3

In beiden Fällen – beide Bewohnerinnen leiden unter einer Alzheimer-Erkrankung in unterschiedlichen Stadien – konnte ich feststellen, dass abgesehen von den medizinischen Erfordernissen stetiger Durchführung der ärztlich angeordneten Behandlung vorliegender Krankheitssymptome, die ganzheitliche Pflege beim dementiell veränderten Menschen ein besonderes Maß an Aufmerksamkeit in der Betreuung erfordert. Die Pflegemodelle die sich speziell der Demenz zuwenden finden hier einen unumgänglichen Einsatz. In meinem Ausbildungsbetrieb wird mit dem psychobiografischen Pflegemodell nach Erwin Böhm gearbeitet. Ich habe die vom Pflegeteam erarbeiteten Einschätzungen der Bewohnerinnen nach Böhm gesichtet und soweit es mir nach meinem momentanen Kenntnisstand möglich war interpretiert. Durch die Kenntnisse aus der Berufsschule habe ich auch die Einschätzungsparameter von Kora van der Kooji und Naomi Feil in der eigenen Beobachtung hinzugezogen und mit den Parametern des Böhmschen Modells im Bezug auf die Pflegepersonen verglichen: Ein besseres Verständnis im Zugang zu beiden Bewohnerinnen haben mir alle drei Modelle ermöglicht und alle drei Modelle bieten dem Pflegenden wichtige Möglichkeiten der Einschätzung.

Die Anwendbarkeit praktischer Herangehensweisen in der Pflege und der damit einhergehende kommunikative Austausch mit den Pflegebedürftigen schien mir bei den drei Modellen verschieden leicht oder schwerer umsetzbar zu sein. So ist das Modell von Böhm komplexer in der empfohlenen Dokumentation und mehr auf das Ziel der Verbesserung des Zustands gerichtet [1], Naomi Feil fokussiert auf den direkten interagierenden Austausch der vorwiegend verbalen Kommunikation zwischen Patient und Pfleger [2] und van der Kooji gibt ganz konkrete Empfehlungen in der Interpretation des Handelns des Pflegebedürftigen um möglichen Spannungen zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden in herausfordernden Situationen entgegenzuwirken [3].

Ein Faktor, der in dieser ersten intensiven Erfahrung in der Pflege demenziell veränderter Menschen begleitend war, schien mir das Problem des Bildes, das wir uns vom Menschen mit Demenz machen, zu sein [4], das bei Pflegern wie Angehörigen immer ein individuell unterschiedliches zu sein schien. Die Auswahl der Kommunikationsebene oder –art schien sich nach solch einem Bild zu richten. Die Frage die in der Pfleger-Pflegebedürftigen-Interaktion zumeist im Raum stand, war: „bekommt die pflegebedürftige Person im Prinzip alles mit“, „was bekommt sie mit“, „was versteht sie“ und „wie versteht sie was“. Lebt der dementiell veränderte Mensch „in einer eigenen Welt“ oder befindet sich diese Welt auch noch in einer gemeinsamen, geteilten, umfassenden großen Welt, in der verschiedene Realitätsempfindungen ihr Zuhause haben? [5][6]

Betreffend der Schwierigkeiten in der Kommunikation, die immer wieder auftreten konnten in den individuellen pflegerischen Situationen, habe ich bei den interagierenden Parteien – seitens des Pflegepersonals, der Angehörigen und der Demenzbetroffenen selbst – mehr oder weniger starke Spannungsfelder beobachten können. Ich hatte dabei nicht den Eindruck, dass die Pflegebedürftigen sich kommunikativer Spannungen emotional nicht oder weniger gewahr gewesen wären; ganz im Gegenteil ließ sich auf ihrer Seite häufig eine emotional hilflose Reaktion in Situationen gemeinsamer kommunikativer Schwierigkeiten innerhalb von Interaktionsmomenten beobachten.

Eine häufige Problemsituation scheint die von Böhm beschriebene Wichtigkeit in der Beachtung der Adaptionszeit des Pflegebedürftigen zu sein [7]. Ein Impuls wird seitens des Pflegenden gegeben und der Impuls muss nun auf der Seite des demenziell veränderten Pflegebedürftigen verstanden und in eine Reaktion umgesetzt werden. Der Pflegebedürftige soll beispielsweise essen, trinken, sich setzten, etwas greifen, laufen und ist durch seine Erkrankung bzw. Behinderung in seinem Handeln aber unsicher und mehr oder weniger desorientiert oder „anders orientiert“; solche Momente stellen Situationen dar die das Risiko von Spannungsfeldern mit sich bringen.

Die Lösung der Problematik in der pflegerischen Interaktion mit dementiell veränderten Menschen liegt in der Anwendung pflegerischer Modelle wie der von Böhm, Feil, van der Kooji, u.a. da hier ein professioneller pflegerischer Rahmen für das Verständnis über das „dementiell Verändertsein“ beim Menschen gesteckt wird. Aber nichtsdestotrotz bleibt die menschliche Konfrontation und der Umgang mit der Demenz für Pfleger und Betroffene eine Grenzsituation, in der der Pfleger sich im Zuge seiner Verantwortungsübernahme immer wieder neu nach dem Befinden und den Bedürfnissen des Pflegebedürftigen ausrichten muss um der Situation individuell gerecht zu werden. Dies ist nicht nur häufig schwierig wegen der Knappheit an personalen Ressourcen und dem daraus resultierenden Zeitmangel, sondern die Herausforderung ist ein der Situation immanenter Aspekt.

  1. Kompetenzentwicklung bezogen auf die Lernziele

Während dieses Praxiseinsatzes fand meine dritte praktische Benotung seitens des Ausbildungsträgers statt. Die Beurteilung der mich benotenden Praxisanleiterinnen legte den Schwerpunkt besonders auf die sozialen Kompetenzen im Umgang mit den Bewohnerinnen. Ich habe in diesem Punkt ein sehr positives Feedback von den Praxisanleiterinnen erfahren. Meine Lernerfahrung zeigte mir, dass sich Methoden- und Fachkompetenz über Herangehensweisen im pflegerischen Umgang mit dementiell veränderten Menschen auf der Ebene der sozialen Interaktion zwischen Bewohner und Pfleger bewähren müssen, und dass dies seitens des Pflegenden eine fortwährende Offenheit für zwischenmenschliche Erfahrungsprozesse erfordert. Die Umsetzung pflegerischer Theorie in Praxis und die Entwicklung der persönlichen sozialen Kompetenz müssen dabei immer in Übereinstimmung miteinander gebracht werden.

Zugleich habe ich aber auch gelernt wie wesentlich es ist den physiologischen Zustand der Bewohnerinnen stets im Auge zu behalten, mittels der Übersicht über die ärztlichen Diagnosen und die verordnete Medikation, Assessmenttools zur Einschätzung und Erfassung des physiologisch erforderlichen Pflegebedarfs und die tägliche Beobachtung des Allgemeinzustands des pflegebedürftigen Menschen.

  1. Offene Fragen und weiterer Lernbedarf

Die Umsetzung aller wirklich nötigen Pflegehandlungen und eine ausreichend förderliche soziale Komponente innerhalb eines engen Zeitrahmens in den Griff zu bekommen scheint mir persönlich noch ein schwer erreichbares Ziel zu sein. Ich sehe bei Kollegen wie sie dies teils besser oder in manchen Situationen auch mal schlechter bewältigen, und merke, dass ich selbst im Zeitmanagement in der Pflege noch einen großen Lernbedarf habe.

Eine Frage, die sich mir bereits im letzten praktischen Ausbildungsabschnitt gestellt hat und die für mich auch immer noch relevant ist, ist die Frage wie Kommunikation mit Kollegen besser konfliktfrei stattfinden kann, an Punkten in denen unterschiedliche Standpunkte zu Pflegethemen zur Diskussion stehen. Auch hier sehe ich bei mir einen weiteren Lernbedarf. Und schließlich noch in der Praxis verschiedener pflegerischer Handlungen, wie bei der Positionierung und dem Umgang mit Kontrakturen beispielsweise.

  1. Fazit

Die Begleitung und die pflegerische Fürsorge für Menschen mit Demenz ist ein Bereich in der Pflege in dem die Überschneidungen seelisch-psychischer, physiologischer und sozialer Fragen ganz besonders in den Vordergrund treten. So fällt der dementiell veränderte Mensch im Zuge seiner Behinderung [8][9] zunehmend aus der sozialen Rolle, die er vorher im Leben eingenommen hat, heraus und sieht sich mit einer Situation konfrontiert in der er ab einem gewissen Grad der Behinderung eine teilweise Lenkung seines Verhaltens von Außen zum Schutze seiner selbst erfährt. Es ist eine Gratwanderung für den Pfleger sowie für die Angehörigen, dass sich ein Abhängigkeitsverhältnis welches über das rein physische hinaus bis in seelisch-psychische Belange hineinreichen kann, nicht als eine Art der Bevormundung oder Fremdbeeinflussung anfühlt. Die britische Alzheimer Gesellschaft führt als mit den Menschenrechten unvereinbare Diskriminierungsmomente, die Menschen mit Demenz häufig erfahren, folgende Faktoren an:

  • Altersdiskriminierung (Ageism)
  • das Stigma und die Diskriminierung die häufig mit der Erkrankung bzw. Behinderung im Zusammenhang steht
  • und der Mangel an Möglichkeit für Betroffene sich selbst gegen derart Vorfälle zu wehren und solche zu melden. [10]

Die Wichtigkeit der Autonomiewahrung von Demenz betroffener Menschen und die damit verbundenen Problematiken müssen gesellschaftlich, pflegerisch und individuell eine besondere Beachtung unter dem Gesichtspunkt der Berücksichtigung der Menschen- und Behindertenrechte erfahren. Durch ein verbessertes Bewusstsein über die Situation dementiell veränderter Menschen kann auch der unbeabsichtigten oder fehlinformierten Diskriminierung entgegengewirkt werden.

  1. Literaturverzeichnis

[1] Siehe Assessmentbögen zum psychobiografischen Pflegemodell nach Erwin Böhm im Anhang (nicht online zugänglich).

[2] Validation Training Institute (o.V.): What is Validation? https://vfvalidation.org/what-is-validation/ , Stand 12.09.2017.

[3] van Rooijen, Eva Maria: Implementierung des mäeutischen Pflege- und Betreuungsmodells nach Dr. Cora van der Kooij im Sozialzentrum Altach, 2012, S. 13, https://sozialzentrum.altach.at/pflegeheim/pflege/pflegemodell/abschlussarbeit-maeeutik.pdf , Stand 12.09.2017.

[4] Kategorische Unterschiede in der Sichtweise über Demenz sind klassischerweise in einer rein medizinischen Sichtweise im Vergleich zu einer personenzentrierten psychologischen Sichtweise wie der von Tom Kitwood zu erkennen, siehe Möllering, Nina: Der person-zentrierte Ansatz von Tom Kitwood, https://www.dgpalliativmedizin.de/images/stories/
M%C3%B6llering_Personenzentrierter%20
Ansatz%20nach%20Kidwood_Hausarbeit_%2019.04.2012.pdf
, 2012, S. 13, Stand 12.09.2017.

[5] Der Umgang mit demenziell Veränderten Menschen stellt Menschen vor viele Fragen. Wie ein Mensch mit Demenz sich fühlt und wie er das Leben erlebt hängt von weitaus mehr ab als von der Erkankung bzw. Behinderung. Auf diesen Umstand wird immer wieder in Ratgebern über Demenz hingewiesen, so beispielsweise in Alzheimer’s Society (o.V.): Understanding and supporting a person with dementia,
https://www.alzheimers.org.uk/info/20046/help_with_dementia_care/
31/understanding_and_supporting_a_person_with_dementia
, Stand 12.09.2017.

[6] Lunge, Angela: See the person, not the disease, with Alzheimer’s caregiving, 2014, http://www.mayoclinic.org/diseases-conditions/alzheimers-disease/expert-blog/in-dementia-caregiving-avoid-labeling/bgp-20096344 , Stand 12.09.2017. Siehe in diesem Zusammenhang auch eine Information der britischen Alzheimergesellschaft zum Thema: Gleichberechtigung, Diskriminierung und Menschenrechte: Equality, discrimination, and human rights (o.V.) https://www.alzheimers.org.uk/info/20091/
what_we_think/141/equality_discrimination_and_human_rights
, Stand 24.09.2017.

[7] Prell, Markus: Psychobiographisches Pflegemodell nach Prof. Böhm, S.3, (o.D.), https://brueckenzurdemenz.files.wordpress.com/2010/03/
artikel_prell_2005.pdf
, Stand 12.09.2017.

[8] Demenz sollte als Behinderung statt als Krankheit betrachtet werden, so fordert ein neuer Bericht der Mental Health Foundation: “Dementia should be considered a disability rather than a disease, maintains a new report from the Mental Health Foundation.” Dementia: Disability or disease? (o.V.), 2015, http://www.mcknightsseniorliving.com/news/dementia-disability-or-disease/article/441747/ , Stand 24.09.2017. Der Autor bezieht sich dabei auf die Schlussfolgerungen dieses Diskussionspapiers der britischen Mental Health Foundation: Dementia, rights, and the social model of disability: A new direction for policy and practice?

https://www.mentalhealth.org.uk/file/1342/download?token=v-HKaVVi bzw. https://www.mentalhealth.org.uk/publications/dementia-rights-and-social-model-disability Stand 24.09.2017.

[9] Heidenreich, Ulrike: Demenz als Behinderung, Barrierefreiheit im Kopf, 2015, http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/demenz-als-behinderung-barrierefreiheit-im-kopf-1.2402536 , Stand 24.09.2017.

[10] Equality, discrimination, and human rights (o.V.) https://www.alzheimers.org.uk/info/20091/
what_we_think/141/equality_discrimination_and_human_rights
, Stand 24.09.2017.