Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt


Vom guten Menschen

Ein Essay von mir von lange her von Palang L. Punks oben sind von Farangis G. Yegane.

Die Vorstellung, dass Menschen als Menschen gut sein müssen, wegen ihrer Mit­menschlichkeit, weil sie ein Netz humaner Kontextualität in Bewusstsein und Praxis auf­gebaut haben – all die Errungenschaften des Menschen im Dienste und im Interesse des Menschen, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Denkweise des Men­schen über sein Environment eine vernünftige Denkweise sein muss. Der Mensch kann überhaupt nur dann böse sein, wenn er in den alten Zustand des Tieres verfällt, so behauptet man. Alles brutale sei auf tierische Triebhaftigkeit zurückzuführen – auf ein Fehlen eines spezifisch menschlichen Reifegrades.

Die Form der abwertenden Abgrenzung gegenüber Tieren, legt eine Beurteilung nichtmenschlicher Tiere unter bestimmten Kriterien fest. Tiere werden nicht mit einem ihnen eigenwertigen Maßstab gemessen, was vielleicht aber auch keinen Sinn machen würde, denn das Messen setzt immer einen Ver­gleich mit einer Norm voraus. Und wozu brauchte es eine Norm, wenn man die Tiere mit sich selbst bemessen würde. Der Maßstab aber, mit dem Tiere gemessen und verglichen werden, ist der Maßstab, den Menschen zum Ermessen von Bedeutung und Wert nichtmenschlicher Tiere entworfen haben. Wie intelligent ist das Tier nach unserem Ver­ständnis, kann es dies, macht es das, warum macht es das. Und auf all das haben wir bereits im Vorhinein eine Antwort parat, die nurnoch fallgerecht ausgekleidet werden muss, nach biologischem Muster.

Endzweck und letztendlicher Sinn aller Existenz auf der Welt sind, nach der Meinung des Menschen, bestimmte menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die menschli­che Vernunft und der menschliche Wille. Alles auf dieser Welt darf den menschlichen Erkenntnissen und Wünschen untergeordnet werden. Letztendliche Legitimation ist die Fähigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit mittels Gewalt zu schaffen. Es gibt im menschlichen Bereich keinen Belang, der nicht durch Gewalt in seinem Wert festgelegt sein darf; alles hat einen Wert oder einen Nicht-Wert, alles darf, zusammenhängend mit den er­teilten Werten oder Nicht-Werten, behandelt werden. Der menschliche Bereich lässt keine neutrale Zone zu.

Die gewaltsame Abgrenzung gegenüber dem Andersartigen, in jeweils all den ganz verschiedenen Fällen (dem Fall der Diskriminierung nichtmenschlicher Tiere, der Zerstö­rung und Entwertung des naturhaften Raumes, etc.) scheint ganz simpel. Der Mensch kann nach außen nur auf das reagieren, was möglich ist: er kann Tiere und Pflanzen nicht in jeweils ent­sprechender Form respektieren, weil, der Mensch hat eingesehen, dass Tiere zum Beispiel, ja reine Instinktwesen sind, dass die Frage des Respekts vor ihnen eigentlich gar keine Rolle spielen kann; so etwa der emotionale Standpunkt vieler. Die Beurteilung des Menschen über sich selbst (so wie sie ist), zieht automatisch eine schattenhafte Beurteilung über den Rest des Universums mit sich.

Das Gute des Menschen ist kein Gutes, das nur für sich schon gut wäre; das Gute des Menschen ist gut, weil der Mensch behauptet, dass das Tierische dem Menschlichen gegen­überzustellen sei, als das Schlechte oder das Bösartige, als das negative Gegen­über anhand dessen sich das Gute des Menschen postulieren will. Man kann auch eine Vorstellung über das Gute haben, in der das Gute an sich gut ist, unabhängig von ir­gendeinem vermeintlich Bösen oder Schlechten.

Nun werfen sich in Hinsicht auf den guten Menschen zwei elementare Probleme auf. Und zwar, auf der einen Seite ist die Einbindung in die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Guten an sich streben würde – ohne jegliche konkrete Hinterfragung im Zu­sammenhang mit der Umwelt des Menschen – so eine starke Einbindung, die sich aus dem Kontext des menschlich Sozialen ergibt, dass es für einen einzelnen Menschen fast unmöglich ist, diese Vorstellung aufzugeben, ohne dabei den gesellschaftlichen Halt und die Einbindung zu verlieren. Wer nicht mehr an das gute Streben der Menschheit glaubt, d.h. wer sieht, dass sich der Mensch ungerecht und grausam gegenüber seiner nichtmenschlichen Umwelt verhält, der ist im Kreise des menschlich Guten nicht mehr willkommen. So ein Mensch findet keine Korrespondenz und keine konstruktive Kommunikationsmöglichkeit mehr im gesellschaftli­chen Raum.

Und auf der anderen Seite steht da, was den guten Menschen anbetrifft, der gute Mensch sel­ber, der sagen wird, dass es total gleichgültig ist wie sich ein Mensch gegenüber seiner anderen natürlichen Umwelt verhält, weil was sollte die ungünstige Konse­quenz für den Men­schen sein, die sich aus so einem Verhalten ergeben würde. Der Mensch ist Selbstzweck an sich selbst; alles auf Erden soll seinem Glanz und seiner Würde dienen, und diese seine Würde ergibt sich genau aus diesem weltlichen Allmachts­anspruch heraus. Wenn der gute Mensch die geschundenen Leichen irgend­welcher geschlachteten Tiere isst, wer sollte ihn dafür tadeln? Ist er nicht selbst der Maßstab dafür was gut und was schlecht und böse ist?

Die Deformierung seines eigenen Charakters ist kein Grund zur Beunruhigung, denn alle guten Menschen haben diese gleiche Deformierung, und diese Deformierung erhält ganz ein­fach die Stempel: gut, vernünftig, tugenhaft, schlau, usw.! Die Frage ist aber trotzdem wie die Welt dieser guten Menschen es schaffen wird, die externe Wahrheit des nichtmenschlichen Envi­ronments und derer eigenen Bedeutung als ethisch irrelevant auf dauer abzutun.

Was ist dieses Gute an das der Mensch im anderen Menschen und in sich glaubt? Sind es Dinge, die sich an die grundlegenden Notwendigkeiten des Lebens binden? Wenn dein Mitmensch wichtig für dich sein kann um zu überleben, um zu leben, setzt dich das dem Zwang aus, dasjenige Andere, das dir keine Dankbarkeiten entlocken kann, zu verachten? Gehört es einfach zum menschli­chen Kontrakt, alles außenstehende, dessen Eigen­bedeutung für den Menschen bloß eine Sekundärbedeutung habe, zu versklaven und zu objektifizieren?

Das Gute am Menschen besteht aus vielen Eigenschaften, die konkret betrachtet nicht das Gute sein müssen, was sich an universal als gültig betrachtbare sinnvole Eigenschaften bindet. Es kann sein, dass das, was einem Gutes bedeutet, generell unter den Menschen aber nicht als gut betrachtet wird und anders herum. Das Gute im Menschen ist, so wie es sich derzeit gestaltet, das Schlechte für das Environment, und es ist daher legitim, den Menschen vom Außen her betrachtet als schlecht zu bezeichnen. Das Gute im Menschen ist – was das außerhalb des mensch­lichen Bereichs Liegende anbetrifft – immer der Freibrief für Zerstörung und Tötung gewesen. Zumindest dasjenige Gute, über das kollektive Einigung herrschte.

Das Gute im Menschen hätte (wenn man solche Phrasen der Verallgemeinerung über­haupt braucht) meiner Meinung nach dann als Gedanke einen Sinn, wenn 1.) “das Gute” sich an­hand seiner Bezüglichkeit spezifiziert würde, d.h. wie sieht das konkret mit dem Guten aus im Bezug auf all das, was nicht dem menschlich kollektiven Selbstzweck (und damit dem Homozentrismus) dient, und 2.) wenn “der Mensch” als verallgemeinerte Form nicht die Hauptfigur einer Ideologie wäre, die immer nur eben diesen Menschen (als biologische Spezies) als Endzweck über alle Individualität (und deren Wert und Sinn) hinwegsetzen würde.

Nachtrag:

Ich denke das Problem, dass menschliches Gutsein immer auf dem Rücken eines vermeintlich Schlechten von etwas anderem aufbaut, besteht immer noch in diesem Bezug obwohl wir den Belang von Nichtmenschen und der Umwelt inzwischen stark in die ethische Debatte mit einbeziehen. Auf welchem Level aber wird der Anthropozentrismus diskutiert? Es geht meines Wissens nach weiterhin darum, dass Nichtmenschen mit der Definitionsmacht des Menschen beschrieben werden, es werden keine theoretischen und praktischen Freiräume geschaffen, die eine tierliche und natürliche Autonomie gewähren würden … .

Inzwischen frage ich mich auch, inwieweit selbst anderen Menschen gegenüber die guten sich über die Schlechtigkeit der schlechten definieren, statt etwas gutes in sich, auch ohne das schlechte, in das Gefüge mit einbringen zu können. Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt. Im Bezug auf inner-zwischenmenschliche und gesellschaftliche Probleme haben wir eine weniger tiefe Kluft der ‘Fremd-Abgrenzung’ als betreffend nichtmenschlicher Tiere und der ‘Natur’. Hier haben wir die Nähe, die spaltet. Lange Themen, nur ein kurzer Nachtrag an dieser Stelle … .

 

Leben und Erleben den anderen Tierindividuen zugestehen

Die Reduzierung eines nichtmenschlichen Tieres auf seine/ihre „biologischen Fähigkeiten“ ist so wenig kreativ wie zu behaupten ein „Faultier ist faul“. Nichtmenschen befinden sich nicht nur auf der Futtersuche und pflanzen sich auch nicht nur fort. Ihr tatsächliches komplexes Verhalten mag für uns nicht unbedingt nach den Parametern die wir ihnen angedenken bemessbar sein, das heißt aber noch lange nicht, dass ihre Lebenswelt so schön funktionalistisch rein auf einen Evolutionierungsakt eingestellt ist wie wir das immer wieder insistierend behaupten.
Leben und das Er-Leben ist komplex. Nicht nur für menschliche Individuen.

Being antispeciesist, GRUPPE MESSEL

Wenn ich einem nichtmenschlichen Tier gegenüber trete

Wenn ich einem nichtmenschlichen Tier gegenüber trete, überlege ich dann erst inwieweit meine unmittelbare Begegnung positiv von philosophischer Seite her abgesegnet sein sollte?

Unter welchen Kriterien lässt sich die ‚Ich-Du/Ihr-Begegnung zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren vordefinieren?

‚Wie sind nichtmenschliche Tiere zu definieren?’ Eine Fragestellung dieser Art ist extrem speziesistisch, da sie voraussetzt, dass ein Mensch ein Tier beurteilen müsste und dessen Sein definieren müsste. Im „Guten“ wie im „Bösen“ ist das eine Absprache von Seins-Autonomie.

Gruppe Messel / Tierautonomie

Warum wird destruktive Gewalt je nach Opfer und Objekt der Gewaltausübung unterschiedlich bewertet?

Warum wird destruktive Gewalt je nach Opfer und Objekt der Gewaltausübung unterschiedlich bewertet?

Destruktive Gewalt produziert Opfer. Der Kontext von Gewalt ist immer fallspezifisch. Es macht aber keinen Unterschied in der Problematik an sich, ob ein Nichtmensch, ein Mensch oder das gesamte Ökosystem durch gewalttätiges Handeln und Agieren getötet oder zerstört werden. Die destruktive Gewalt selbst ist gemeinsamer Nenner aller systemischen Untedrückungsformen und Zerstörungsmechanismen.

Gruppe Messel / Tierautonomie

Da drängen sich Vögel und Tiere herbei …

Der Musikmeister Kue und die Macht der Musik

Kue sprach:
Ich schlage den Klingstein leicht und stark.
ich rühre die Harfe und Zither zart
zum Gesang.
Da kommen die Väter und Ahnen herbei,
sie sitzen als Gäste beim Königsmahl,
und die Fürsten voll höfischer Tugend all.
Vor dem Saal im Hof die Flöte ertönt,
mit der Trommel zusammen im Takt.
Sie fallen ein, sie hören auf,
wenn die Klapper, die Rassel schnarrt.
Pansflöten und Glocken mit ihrem Schall,
sie wechseln mit dem Gesang.
Da drängen sich Vögel und Tiere herbei,
und zum Klang der heiligen Musik
schwebt feierlich das Phönixpaar umher.

(Aus dem Schu-Djing, zwischen 12. u. 7. Jhd. v. Chr.)

Man findet das Gedicht in Deutschland in dem Buch: “Lyrik des Ostens”, München 1965, S.231 .

Im Kommentar zum Gedicht wird erwähnt:
… – Phönixpaar: Männchen Feng (auf das e kommen zwei Punkte wie bei deutschen Umlauten!), Weibchen Huang, göttliches Königspaar der Vogelwelt, fünffarbig gefiedert, singt nach Fünftonleiter, bringt Frieden und Glück.

Der Übersetzer ist Richard Wilhelm, einer der beeindruckensten deutschen Sinologen überhaupt

Die enge Verwandtschaft dieses chinesischen “Phönixpaares” mit der persischen “Simorgh” ist wohl eindeutig!!!

Mit Dank für das Aufmerksam machen und den Hinweis an Bea Bungwinkel!

METAMORPHOSE

METAMORPHOSE / /

Es schmerzen mich
die geschlossenen Gesichter
die geschlossenen Hände
die geschlossenen Herzen

Im Blättergewirr
einer hochragenden Birke
sah ich den grossen braunen Vogel
sich schüttelnd entfalten
spreizend die linke Schwinge
spreizend die rechte Schwinge
wippend sich reckend

Ein Wind ergreift meinen Körper
erhebt mich und trägt mich
unter das geöffnete Federkleid
des braunen Vogels

Seine Flügel und meine Flügel
wir proben den Aufschwung
wir öffnen und spreizen uns
wir fühlen die Kraft des Windes
an jeder unserer leichten Federn

Wir lösen uns aus dem Blättergewirr
und schwimmen
mit kraftvollem Flügelschlag
auf den Wellen des Luftmeeres

Unter uns die geschlossenen Gesichter
die geschlossenen Hände
die geschlossenen Herzen
versinkend im Dunstkreis
der schmerzhaften Verschlossenheit.

FARANGIS

Der artgerechte Bio-Speziesismus

Ein kurzes Narrativ …

Leute, die ich kenne, die sagen: „Und wir essen gar kein Fleisch mehr!“

Die selbigen sagen vielleicht einen Monat später: „Bio ist einfach besser. Neulich sind wir zu unserem Bio-Bauern gegangen und die Leute da sind so lieb und wie gut die ihre Kühe behandeln, … das war auch das erste Mal, dass wir wieder Rind gegessen haben.“

Speziesismus ist nicht nur ein Indikator für einen Mangel an grundlegender basaler menschlicher Empathie, sondern zeugt zugleich auch von einem defizitärem rationalen Gemeinsinn. Um exakt nachzuvollziehen weshalb das so ist, solltet Ihr Euch mal diesen Text von Vasile Stanescu durchlesen:

Warum es nicht genügt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik. Ein Vortrag, der die Ethik der „Tierliebe“ kritisiert, basierend auf feministischer und queerer Theorie (PDF), als HTML.

 

Was ist schlimmer: religiöser Fanatismus oder Speziesismus?

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Was ist schlimmer: religiöser Fanatismus oder Speziesismus?

Palang LY

Die Antwort ist beileibe nicht eindeutig, denn beides sind Ausrichtungen auf ideologische Rahmenwerke, bei denen ein Opfer als Geisel genommen wird und mittels Gewalt Angst erzeugt wird.

Woher kommt das Opfer im religiösen Kontext und woher nimmt sich der Speziesismus die Berechtigung, die Tierheit als Geisel seiner Lüste, Bräuche und Definitionen zu halten?

Der religiöse Fanatismus scheint mir eine krude Form einer „Wahrheitsfindung“ zu sein (oder sein zu wollen), bei der sich die Antworten auf „Gott“ ausrichten, und wo derjenige, der an diesen Gott glaubt, eine Rechtfertigung für jede gottgegebene Regel findet, egal wie grausam oder unlogisch sie sein mag. Meiner Meinung nach funktioniert der Speziesismus in ähnlicher Weise, indem eine Gruppe von Lebewesen, aufgrund einer arbiträren Vorstellung über allgemeingültige „Objektivität“, per definitionem über andere Lebewesen gestellt wird.

Die Parallelen beider Ideologien zeigen sich in der Gewalt, die als wesentliches Mittel zur Eigen- und Fremddefinition eingesetzt wird. Indem ich ein Opfer schaffe, das leidet und das mir nicht entkommen kann, dessen Freiheit ich somit negiere, schaffe ich mir als „Stärkerer“/„Überlegener“ einen Raum der Herrschaftsausübung über die Existenz des anderen. Ich eigne mir über die Angst meines Opfers den Raum seiner Freiheit an, und wandle ihn zum Raum der Angst und Unterdrückung. Das Gebilde, das ich auf diesem Fundament errichten kann, ist schier endlos ausbaubar; ich kann ganze Philosophien und Technologien auf Basis dieser Unterdrückung errichten und mir vormachen, ich verfügte über eine endgültige Definitionsmacht.

Ich glaube tiefenpsychologisch finden wir tatsächlich viele Ähnlichkeiten in allen Systemen, die sich über die Zerstörung des anderen als „sinnstiftendes Moment“ definieren können, wollen oder müssen. Es fragt sich, was wir an dem Punkt, an dem sich Ideologien dieser Art kreuzen, erkennen können – wenn, wie in diesem Falle, Menschenmord und Tiermord eine gleiche „Qualität“ erlangen? Kollabieren solche hierarchisch-ideologischen Gewaltsysteme, wie eine „gottgegebene Legitimität zur Alleinherrschaft“ und das kollektivistische Prinzip der Objektivitätsbehauptung des „Menschseins-als-dem-Tiersein-überlegen“ in dem Moment, in dem erkennbar wird, dass

1.) Geistig-spirituelle Herrschaftsansrprüche einen Hang zu Selbstvernichtung haben,
und 2.) die Objektivität des Tierseins die Objektivität des Menschseins relativieren könnte?

Tod ist nicht verhandelbar

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Es geht nicht um „Fleisch“, es geht um Tiermord

Manche wollen die Tötungsmaschinerie „realpolitisch“ reformieren, mit der Formulierung des Langzeitziels: Tierrechte und Veganismus.

„Töten oder nicht töten“ ist aber keine Grundsatzfrage, die wir längerfristig miteinander verhandeln können. Töten ist das Verdikt des fundamentalsten existierenden Unrechts.

Der Zoozid kann nur durch klare Positionierungen, eine konsequente Hinterfragung und durch Dekonstruktion eine den Tatsachen gerecht werdende breite gesellschaftliche Ächtung finden.

Gegenwärtig gilt in der Gesellschaft noch die Vorstellung: „Töten ist weiterhin gestattet, nur die ‚Haltungsbedingungen’ sollen sich ändern.“

Es braucht eine klare Distanzierung von der Rhetorik, die versucht den Tiermord als ethisch verhandelbar darzustellen.

Freiheit, insbesondere Tierfreiheit, hat nichts mit „artgerecht“ zu tun

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Freiheit, insbesondere Tierfreiheit, hat nichts mit „artgerecht“ zu tun.

Artgerecht ist nur die Freiheit? Eine Kritik an diesem Slogan.

Die Aussage, dass „artgerecht“ nur die Freiheit sei, die in der Tierrechtsbewegung ihren Ursprung hat, ist unserer Meinung nach nicht 100% tierrechtskompatibel.

Das Wort „artgerecht“ ist prinzipiell speziesistisch. Der Begriff tauchte eingangs überhaupt zur vermeintlichen Legitimierung von Speziesismus auf, und zwar zur Legitimierung der vermeintlich „humaneren Haltungsbedinungen“ in der Bio-Agrarindustrie.

„Artgerecht“ hieße – würde man den Begriff als Antispeziesist_in überhaupt ernst nehmen wollen – jeder Art stünden spezielle Notwendigkeiten und Bedingungen zu. Faktisch ist das eine Aufsplitterung der zwischen Tieren und Natur herrschenden ökologischen Kontextualitäten und subjektiv erlebten Interdependenzen.

Man kann die Arten nicht aufsplittern in viele kleine Einheiten, denen man gerecht wird. Wer oder was sollte den einzelnen Individuen dieser „Art“ denn überhaupt gerecht werden können, wenn nicht die eigene Integrität des Tierindividuums im natürlichen Ganzen, das es als Tierrechler_in ja letzendlich zu schützen und zu verteidigen gilt?

Man könnte nun sagen, deswegen besagt dieser Slogal ja, dass eben nir die „Freiheit“ artgerecht sei, jedoch …

Das Wort „Freiheit“ im Zusammenhang mit „Artgerecht“ ist problematisch, denn Freiheit wird von Tierrechtler_innen selbst tatsächlich oft „artspezifisch“ definiert, und ist somit also überhaupt keine Freiheit mehr.

Wäre man konsequent, müsste das Wort „Freiheit“ müsste den Begriff “artspezifisch” logischerweise aufheben.

Wäre die Freiheit „artgerecht“, dann wäre sie keine Freiheit mehr. Die Freiheit wird nicht einer Art gerecht, sondern das Individuum ist frei.

Freiheit ist ein viel zu weiter Begriff, als dass man seine Gültigkeit für das Individuum durch den Terminus „artgerecht“ wieder aufheben und relativieren sollte.

Wir sehen in der Praxis, dass dieser Slogan von Aktivist_innen eher dazu eingesetzt wird, „verbesserte Haltungsbedingungen“ einzuklagen, die „artgerechter“ wären, statt zur weiterführenden Klärung über z.B. Tieridentität und speziesistische und biologistische Zuschreibungen und Fragen, wie z.B. Intersektionen zwischen allen Lebensrechten (Natur/nichtmenschliche Tiere/Menschen) effektive Freiheit bedeuten können.

Gruppe Messel / Tierautonomie

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