Tierintelligenzen und ein häufiger anthropozentrischer Fehlschluss


“Who are you little insect … what about the dragon flies that lived in prehistoric times, you are just like them.” – love justice

Tierintelligenzen und ein häufiger anthropozentrischer Fehlschluss der bei Tierrechtler_innen immer wieder vorkommt

Anthropozentrismus ist…:

Wenn Tierrechtler_innen, Tierethiker_innen etc. meinen der Maßstab für Intelligenz sei eine vermeintlich mehr oder weniger normativ festlegbare menschliche Form von Intelligenz. Wenn sie ohne weitere Diskussionen durchgehen lassen, dass unterschiedliche nichtmenschliche Spezies oder alle Nichtmenschen als weniger Intelligent bezeichnet werden. Und wenn sie dann wie Jeremy Bentham im 19.Jhdt mutig äußern, dass das Leid und die Leidensfähigkeit alleine zählen.

  1. Gibt es unterschiedliche Intelligenzen, keine ist weniger wert, keine ist weniger komplex. [1]
  2. Wird der Bezugsrahmen bei solchen Faux pas an genau den menschlichen Idealen von Intelligenz ausgerichtet, die unsere Welt letztendlich auf den besten Weg zur totalen Zerstörung befördert haben.

Tierintelligenzen seien nicht so relevant für die Anerkennung der nichtmenschlichen Würde und derer Lebensrechte. Und Homo sapiens sei der Maßstab für relevante Intelligenz/en überhaupt.

Aber nochmal zu Benthams Erkenntnis über die Relevanz der Leidensfähigkeit aller tierlichen Lebewesen – so auch des Menschen:

Er begründete selbst die Rechte unterdrückter ‚nichtweisser’ Menschen auf deren Leid und deren Zustand der Unterdrücktheit und nicht primär aufgrund derer kultureller Stärken, eventueller Andersartigkeit und ihres eigenen Identitätsbewusstseins, so sagt er:

The French have already discovered that the blackness of skin is no reason why a human being should be abandoned without redress to the caprice of a tormentor.” [2]

Und fährt in einem Atemzug fort:

It may come one day to be recognized, that the number of legs, the villosity of the skin, or the termination of the os sacrum, are reasons equally insufficient for abandoning a sensitive being to the same fate. What else is it that should trace the insuperable line?

Was gehört aber zu einem senstitive being? Dazu äußert er sich nicht positiv. Sensitiv ist fühlend im eher biologisch, physiologischen Sinne, aber selbst dies ist ein slippery slope.

Im Bezug auf nichtmenschliche Tiere stehen wir also noch an ähnlicher Stelle wir die Utilitaristen. Wir begründen Rechte negativ, denn wir sprechen nicht von Besonderheiten, Einmaligkeiten, individuellen Stärken und vor allem von autonomer, eigenwertiger Bedeutsamkeit als Ausgangslage für die Anerkennung von Rechten. Wir sprechen von Leid, von fühlenden Wesen die Leiden können, der Rest bleibt erstmal zweitrangig in der Frage über Rechte. Dabei sind genau die Besonderheiten und die Autonomie des anderen Lebewesens, das woran Recht sich bemessen können muss.

Würde man Jeremy Benthams berühmtes Zitat über die Relevanz der Leidensfähigkeit von Tieren neu formulieren, würde der Fokus aber eben nicht weg von der Menge der Beine und der Beschaffenheit des Fells/Haut und der unbeantworteten Frage ihrer Vernunft hin zur Frage der Leidensfähigkeit geführt werden dürfen, ohne den anthropozentrischen Faux pas zu begehen, sondern wir würden genau an der Stelle anzetzen, wo das andere Individuum wegen seiner Besonderheit und Einmaligkeit anerkannt wird und der Mensch sich selbst neu genau daran ausrichtet, statt Definitionsmacht gegen das Leben anderer anzusetzen.

Benthams Schlüsselaussage, an der die Einklagung der Rechte scheitern muss, liegt eben an dem Punkt: “Is it the faculty of reason, or perhaps, the faculty for discourse?…the question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer? Why should the law refuse its protection to any sensitive being? The time will come when humanity will extend its mantle over everything which breathes…” Die Frage sei nicht ob Nichtmenschen über Vernunft verfügten oder einen Diskurs führen könnten, … auch nicht ob sie sprechen könnten, sondern ob sie leiden würden, denn warum sollte das Recht einem fühlenden Wesen den Schutz verwähren. Die Zeit werde kommen in der die Menschlichkeit ihren Mantel über alles was atmen kann schützend ausbreiten wird.

Dieser ethische Pfeiler erscheint edel, großartig, seiner Zeit und Kultur entsprechen mutig, scheint uns aber zugleich auch unzureichend. Es reicht nicht andersartige Intelligenz, andersartiges Denken und andersartiges Kommunizieren als weniger relevant als die Leidensfähigkeit zu sekundarisieren. Denn selbst die Leidensfähigkeit umfasst ein Netz an Ganzheitlichkeit. Und wir können den/die anderen nur in ihrer gegebenen Andersartigkeit und Besonderheit anerkennen und ihnen somit würdige Rechte zum Schutz vor Homo sapiens zugestehen, wenn wir deren Einmaligkeit als ebenso bedeutsam und gleichwertig wichtig in unser Rechtsverständnis mit einbeziehen können. Dazu müssen wir den anderen aber in seiner Ganzheit sehen wollen.

Das wäre letztendlich ein fortschrittlicheres umweltethisches und tierethisches Denken.

[1] Die Evolution nichtmenschliche Lebens ist nicht irgendwie stehen geblieben, http://simorgh.de/about/evolution_oder_stagnationen/

[2] Jeremy Bentham (1748 – 1832); Introduction to the Principles of Morals and Legislation, Zitate: https://www.utilitarianism.com/jeremybentham.html , Stand 03.11.17.

Gruppe Messel / Tierautonomie / Animal Autonomie

Angerungen für ein selbstdurchdachtes Tierrechts-FAQ: Anthropozentrismus – vom Wert menschlicher Intelligenzvorstellungen in der Beurteilung tierlicher Intelligenzen.

Mein Tierrechts-FAQ, Punkt 5: Brauchen Tierrechtsgedanken eine historische Präzedenz

1099_1b_15pr

Zusatz zum eigenen Tierrechts-FAQ. Siehe: Vegane Pädagogik: Ein Tierrechts-FAQ anlegen.

Punkt 5.

Frage: Muss ich nicht erstmal wissen, welcher Tierrechtsthese ich mich anschließen würde um Tierrechtler zu sein?

Das heißt, in anderen Worten: Muss ich mich auf eine Theorie berufen können, um meine eigene Position in Sachen Tierrechten zu vertreten?

Dies ist im wesentlichen die Frage der historischen Präzedenz.

Brauchen wir für eine Befreiungsbewegung (Tierbefreiung / Animal Liberation) Vordenker oder Theorien, von denen wir eine Legitimation unserer Haltung ableiten könnten?

Weshalb sollten wir das brauchen? Wenn die eigene Vernunft mir sagt, dies ist richtig und das ist verkehrt, und ich in meinem Denken und Handeln selbst genauer abwäge, dann verstehe ich nicht, wieso ich meine eigenen Schlussfolgerungen noch einmal in dem Denken anderer in der Art und Weise verifizieren sollte, dass deren Thesen dann meine eigenen Überlegungen so überlagern, dass ich mich auf sie schließlich “berufen” müsste.

Eine Revolution braucht den Schritt hinüber in das Neue. Es ist gut wenn wir sehen, dass auch andere denkende Menschen (ob Gelehrte oder aber auch ganz gleich wer) konstruktive und inspirierende Gedanken zum Thema Tierrechte (und dem was sich an dieses Thema anschließt) formuliert haben (oder auch in irgendeiner anderen Weise zum Ausdruck gebracht haben, so wie auch durch Kunst, usw.), aber dies ist keine zwingende Voraussetzung für einen sich bewegenden Denkfluss innerhalb einer Gesellschaft; weil auch nicht im eigenen Denken.

Sich anschließende Fragen: Brauchen Tierrechte, im eher legal- und politischen Sinne, zu ihrer konkreten Formulierung andere Vordenker u. Vorformulierer? Das würde (ebenso) die Frage der Grundsätzlichkeit in der Begründung von Tierrechten betreffen. Dies ist abhängig davon, ob ich einen ganz grundsätzlichen Ansatz wähle, der sich über den allgemeinen Gemeinsinn erschließen lässt, oder ob ich eher Detailfragen formulieren möchte, die im Kontext eines akademischen Dirskurses eher Sinn machen.

 

 

Vegane Pädagogik: Ein Tierrechts-FAQ anlegen

spanish_dog_1

Zum Thema: Vegane Pädagogik.

Skizze: Ein Tierrechts-FAQ anlegen um sich der eigenen Positionen noch bewußter zu werden.

Sei Dein eigener Tierrechtsexperte! Man muss andere nicht immer erst Fragen und nachschlagen, um sich in Sachen Pro-Tierrechte eine eigene vernünftige Meinung bilden zu können. Wir wissen über die Gesellschaft einerseits und über Tiere andererseits genug um uns eine Meinung zumindest so gut bilden zu können, wie wir das auch über unser eigenes „Menschenrecht“ tun können.

Findet Ihr solch eine Idee anmaßend? Probiert es doch mal. Vielleicht endeckt ihr, dass Euch manches in Sachen Tierrechten wichtig und relevant erscheint, was von anderen gängigeren Haltungen abweichen mag. Was  Tierrechte anbetrifft, muss man nämlich eines festhalten: Es gibt kein Nonplusultra an Antworten. Vieles hängt einfach von individuellen Positionen und Meinungen ab, und letztendlich von der Standfestigkeit die man dabei aufweist für die eigene Betrachtungsweise gerade stehen zu können.

Ich persönlich glaube es ist sinnvoll, sich einmal schriftlich über die eigene Position ganz bewußt zu werden und die eigenen Prioritäten damit zu setzen, um bei der Argumentation oder in einem Streitgespäch auch klar hinter seiner eigenen Betrachtungsweise stehen zu können und um nicht ins Schleudern zu geraten. In einer Gesellschaft in der Speziesismus ganz „normal“ ist, wird man von anderen oft ein eine defensive Haltung gedrängt.

Notiert Euch doch mal probeweise Euer eigenes Tierrechts FAQ. Was sind die Punkte, die ihr zurzeit am wichtigsten findet, wenn es um Tierrechtsfragen geht? Wie würdet Ihr Euren ethischen Veganismus begründen was den Punkt TIERRECHTE anbetrifft?

Hier ist mein eigener Versuch. Diese Punkte nun sind mir besonders wichtig:

Frage: “Haben Tiere eine Würde?”

  1. Die Frage Nach der Würde. Die Würde der Tiere. Viele Menschen verneinen Tieren eine eigene Würde. Insbesondere drückt sich dies in dem bewußt und unbewußt gelebten Speziesismus aus, dem wir jeden Tag in der Gesellschaft begegnen können. Manche Menschen gestehen Tiere zwar theoretische eine „Würde“ zu, aber nur im Sinne einer reduzierten, immernoch herabsetzenden Pseudo-Würde, in der ein Tier gleichwohl nach seiner Nütztlichkeit für den Menschen und vom Menschen vordefiniert betrachtet wird. (Sich anschließende Themen sind hier: Würde > Freiheitsbegriff Mensch/Tier > Konventionen / Die Frage nach menschlicher Objektivität.)

Frage: “Ist es realistisch an eine Zukunft der Tierrechte zu glauben?”

  1. Paradigmenwechsel sind nötig. Eine Befreiung der Tiere kann nur vollzogen werden, wenn bestehende Paradigmen in der Gesellschaft (d.h. im Denken der Einzelnen) in Frage gestellt und aufgelöst werden. Beispiel: Nichtmenschliche Tiere werden primär als über das Biologische erklärbare Lebewesen betrachtet. Der Mensch wendet auf die eigene Existenz ein Spektrum an Erklärungsmöglichkeiten für sein subjektives und objektives Sein an. Das Paradigma dieser Art Überbewertung menschlicher Eigensubjektivität und –objektivität (Anthropozentrismus) ist in einer Welt, in der wir Tiere ethisch mit einbeziehen wollen, nicht mehr adequat. Im Praktischen heißt das, in der Diskussion über Tierrechte, muss meine Position als Tierrechtler nicht immer deckungsgleich sein mit der vorgegebenen Norm des Rahmenwerks in dem Tiere bislang gesehen wurden, sondern ich kann eigene ethische Positionen postulieren als neue Standpunkte. Paradigmenwechsel haben auch stattgefunden in anderen Befreiungsbewegungen.

Frage: “Was haben Rassismus, Sexismus und Speziesismus miteinander zu tun?”

spanish_dogs_1

  1. Tierrechte als eigenständiger Belang von moralischer Dringlichkeit. Anologien zu anderen Befreiungsbewegungen braucht man (aber) nicht als Hebel um die Wichtigkeit von Tierrechten hervorzuheben. Wichtige Schnittstellen gibt es in den Fragen von Unterdrückungsmechanismen, das ist klar: Verschiedenen unterdrückten Gruppen werden bestimmte Rechte aberkannt. Diese Gruppen sind völlig unterschiedlicher Natur, aber der Mechanismus der unterdrückerisch auf die Gruppen jeweils angewendet wird, ähnelt sich zu einem gewissen Grad. Eine analoge Gleichsetzung der Gründe warum Unterdrückung stattdindet, vernebelt aber die Sicht auf die Besonderheiten der Fälle. Gefragt werden muss nach der „Politik“ die vom Unterdrücker in den Fällen jeweils eigentlich betrieben wird.

Frage: “Welche Rechte für Tiere forderst Du?”

  1. Welche Tierrechte sind sie Wichtigsten (die wir einklagen müssen und die demokratisch im tierpolitischen Sinne vorstellbar wären)? Territoriumsrechte (hier treffen Umweltschutz und Tierrechte zusammen) und Lebensrechte (Paradigmenwechsel von einer anthropozentrischen zu einer ‚zoo-ethischen’/tierethisch und ökologisch gerechteren Welt). Immer wieder gibt es Debatten darüber, was für Rechte Tiere eigentlich haben sollen, und daran bindet sich meist eine Menge an Zynismus von der Gegnerseite. Bei der Frage der Rechte geht es mehr um die Qualität und um die Fundamentalität eines Rechts, als um die Frage in wieweit ein Tierrecht einem Menschenrecht definitorisch ähneln soll.

Soweit.