Die Abwertung des Tierlichen auf allen Ebenen hinterfragen

Die Abwertung des Tierlichen auf allen Ebenen hinterfragen

Speziesismus im Sinne einer Abwertung der verschiedenen Tierarten in hierarchisierender Weise, mit dem Menschen On-Top, ist nicht etwas das allein oder primär nur in den Stätten und Einrichtungen stattfindet, wo es am eklatantesten zu gewaltsamen Eingriffen in die körperliche und seelische Integrität von Tieren kommt, wie in der Tötung zum Verzehr des Opfers, zur Experimentation an dem Opfer, zur öffentlichen Schaustellung … .

Die Abwertung anderer tierlicher Lebewesen findet prinzipiell überall in unseren Gesellschaften statt: verbal, auf der Verhaltensebene, un-sozial, im Kollektiven sowie auf individueller Ebene.

Es reicht somit nicht allein die Institutionen oder die direkt Agierenden zu attackieren. Es braucht Aufklärung, Dialog, Gespräch, Denkanstösse um den tagtäglichen Monolith an Abwertung und Entwertung tierlichen Lebens und tierlicher Bedeutsamkeit aufzubrechen.

Gruppe Messel / Tierautonomie / Animal Autonomy

Haben wir einen Kanon in der Tierbefreiungsbewegung?

Podcast: Haben wir einen Kanon in der Tierbefreiungsbewegung? (MP3)

Existiert ein brauchbarer, grundlegender und auch weiterführender Kanon über Tierrechte, Tierbefreiung und Tierethik?

Tierrechtstheoretiker_innen: reicht es in einem tierrechtsrelevanten Kanon Name-Dropping zu betreiben, im Sinne dessen primär auf einzelne prominente Positionen einiger weniger Autoren zu fokussieren statt einer primären Auseinandersetzung und dem kritischen Diskurs über unterschiedliche inhaltsbezogene Begrifflichkeiten?

Zu welchem Zeitpunkt im Laufe der jungen Geschichte der Tierrechtsbewegung und innerhalb welcher Rahmen haben Singer, Regan, Francione und Adams beispielsweise ihre Thesen formuliert und wer hat sie rezipiert? Sind die Kernaussagen von Singer, Regan und Francione, als den Tierrechtstheoretikern, die am häufigsten herangeführt werden um grundlegende Positionen der TR-Bewegung zu schildern, wirklich zur Zeit noch als repräsentativ für die aktuelle TR-Bewegung anzusehen? Bedarf es einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Autoren?

Feministische Ansätze, Begrifflichkeiten und Positionen in den kritischen Tierstudien, Tierbefreiungspositionen in der schwarzen ethisch-veganen Bewegung und andere in der TR-Bewegung in Erscheinung tretende tierethische Ansätze werden in dem was zumeist als Tierrechtskanon zitiert wird, als sekundär und marginalisiert behandelt. Inhaltspluralität wird abgewürgt.

Podcast: Unwort “artgerecht”

Podcast: Unwort “artgerecht” (MP3)

Warum wir uns an dem Wort und unterschiedlichen Gedanken, die hinter dem Begriff “artgerecht” stehen, stoßen. Wer schreibt einer Gruppe von Tierindividuen zu, was deren grundlegende Bedürfnisse sind und an welcher Stelle sollten grundlegende Bedürfnisse im Leben eines Lebewesens eingrenzbar sein? Provokativ könnte man auch fragen ob man auch Menschen artgerecht behandeln kann.

Artgerechtigkeit bezieht sich auf das ganze Leben, den ganzen Lebenskontext eines Tieres. Wenn man also nur nichtmenschliche Tiere “artgerecht” behandeln kann, Menschen aber nicht, dann legt man damit fest, dass im Leben eines Menschen weit mehr fließende Übergänge im Lebensablauf und in seinen Lebenskontexten stattfinden als bei nichtmenschlichen Tieren. “Artgerecht” – sprich: die Eingrenzung und Bestimmung von Bedürfnissen und wo diese ihre Grenzen und Prioritäten haben – ist zu einfach um die Lebenskontexte von Tierindividuen zu beschreiben. Derer jeglicher Tierindividuen.

Hier sind auch einige Snippets, die mit der Materie zu tun haben und die Euch hoffentlich ebenfalls zum Denken anregen können. Uns geht es darum, dass die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung wirklich eigene sinnvollere Terminologien (insbesondere Schlüsselterminologien) entwickeln sollte, statt sich der Sprache der bedingt objektiven Wissenschaften und derjenigen gesellschaftlichen Mehrheitssegmente zu bedienen, die effektive keine tierbefreierischen Ansätze verfolgen und die kaum ursächlich motiviert sind Nichtmenschen unter freieren, autonomie-respektierenden Gesichtspunkten zu betrachten.

Der Begriff “artgerecht” stammt primär aus der Agrarindustrie, den Tierhaltungsystemen, den Zoos, auch den zoologischen Programmen zur Nachzucht gefährdeter Spezies … weniger den Schutzreservaten, denn ich glaube um so freier und “wilder” der erhaltene Lebensraum, um so absurder und überflüssiger wird die Eingrenzung einer Spezies in einen bestimmten, eingrenzbaren Bedürfnisrahmen. Außer es geht um den “Artenerhalt” in Form einer Sortierung bestimmter Spezies, die als ökologisch erwünscht oder die bzw. als “fremd” und “schädigend” für ein ökologisches System klassifiziert werden, wo der Mensch die unerwünschte Spezies zur gewaltsamen Eliminierung freigibt. Die Tötungsmechanismen werden dann häufig wiederum unter “artgerechten” Gesichtspunkten ausgewählt.

Gruppe Messel: Freiheit, insbesondere Tierfreiheit, hat nichts mit „artgerecht“ zu tun

Das Wort „Freiheit“ im Zusammenhang mit „Artgerecht“ ist problematisch, denn Freiheit wird von Tierrechtler_innen selbst tatsächlich oft „artspezifisch“ definiert, und ist somit also überhaupt keine Freiheit mehr. Wäre man konsequent, müsste das Wort „Freiheit“ den Begriff „artspezifisch” logischerweise aufheben. Wäre die Freiheit „artgerecht“, dann wäre sie keine Freiheit mehr. Die Freiheit wird nicht einer Art gerecht, sondern das Individuum ist frei.

Anastasia Yarbrough: Rassismus und Speziesismus. Sind beide miteinander austauschbar?

Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“

Barbara Noske: Die Tierfrage in der Anthropologie

Im besten Falle wird unsere „Animalität“ (unser Körper) als materielle Basis betrachtet, aus der sich unser echtes „Menschsein“ (Verstand, Sozialität, Kultur, Sprache) entwickeln konnte. Ironischerweise gravitieren viele Wissenschaftler um essenzialistische Positionen (wie Rasse und Geschlecht), die sie selbst in Hinsicht auf den Menschen ablehnen, sobald aber eine andere biologische Kategorie in Sicht kommt, und zwar unsere Speziesbarriere, wird eine biobehavioristische wissenschaftliche Charakterisierung in den Begriffen beobachtbarer Verhaltensweisen und Mechanismen dargestellt, von denen ausgegangen wird, dass diese im genetischen Aufbau der Tiere eincodiert sind. Biologie und Ethologie sind irgendwie zu den Wissenschaften über die Tierheit (animalkind) geworden. Es ist von diesen Wissenschaften woher die Sozialwissenschaftler (die Wissenschaften über die Menschheit) ihr eigenes Bild von Tieren und Tiersein unkritisch und zum größten Teil unbeabsichtigt beziehen. Tiere sind an biologische und genetische Erklärungen gebunden worden.

Chris von Olde Ghost: Ein Statement zu veganer Intersektionalität

Eine der Situationen, die mich immer wieder perplex machen, verwirren und oft auch erschüttern, ist wie Leute, die sich so dem Schutz, dem Erhalt und der Wiederherstellung der natürlichen Umwelt widmen, ein so geringes echtes Verständnis haben von der Verbindung zwischen dem Veganismus und den Auswirkungen, die eine auf Fleisch basierende Ernährung auf die Umwelt hat. In solchen Diskussionen wurde mir häufig entgegenet „naja, das Fleisch, dass ich esse ist von Tieren aus artgerechter Haltung, und daher ist es ok“ oder man kam mir mit dem blinden Versuch das Thema abzutun, indem man mir von den Negativauswirkungen von Sojabohnenprodukten etzählte, oder von der Tatsache, dass die vegane Lebensweise einfach „extrem“ sei.

Steven Bartlett: Menschlicher Widerstand gegen Tierrechte, psychologische und konzeptuelle Blockaden

Unabhängig vom religiösen Dogma, aber ebenfalls den homozentrischen Stempel tragend, hat der zweite, spezies-zentrierte Anspruch menschliche Interaktionen mit Tieren durchdrungen, in dem die Tiere vergleichsweise zur menschlichen Spezies als in vielen Weisen minderwertig befunden wurden. Nach dieser Ansicht wird behauptet, dass Tiere Eigenschaften ermangeln oder komplett fehlen, auf die Menschen bei sich selbst stolz sind: Der Besitz von Vernunft, Sprach- und Symbolverwendung, Fähigkeit zur Reflektion, Bewusstsein des Selbst und so weiter. Historisch haben Befürworter dieser Sichtweise eine extreme Agilität gezeigt in der Verschiebung ihrer territorialen Ansprüche von einer putativ speziell den Menschen unterscheidenden Eigenschaft zur nächsten, während Biologie und Ethologie weiterhin vorangeschritten sind und empirisch beweisen, dass eine einzigartig menschliche Eigenschaft nach der anderen von Mitgliedern anderer Spezies geteilt wird.

In der Zusammenhang noch einen Auszug aus Bartletts Text den ich hier noch gerne anführen möchte, in allgemeiner Hinsicht im Bezug auf diskriminierende Eingrenzungen von Nichtmenschen aufgrund ihnen zugeordneter biologischer Parameter.

[…] Der homozentrische Peter Singer schlägt eine welfaristisch-utilitaristische Theorie vor, die Menschen dazu auffordert, ihre eigenen Bedürfnisse mit den Bedürfnissen nichtmenschlicher Tiere auszubalancieren, in der Form, dass dadurch unnötiges Tierleid vermieden wird ohne dabei die Priorität menschlicher Interessen zu kompromittieren. Für Singer kann das Vorhandensein von Unterschieden in der kognitiven Fähigkeit korrespondierende Unterschiede im Grad moralischer Wichtigkeit mit sich bringen, und indem er dies sagt, schlägt er implizit eine Position vor, die karikiert werden kann als insistierend: um so mehr sie wie wir sind, um so wertvoller sind sie. In anderen Worten, die Spezies-Barriere ist aufgeweicht – aber nur bis zu dem Punkt, an dem die Ähnlichkeit zur menschlichen Spezies deutlich bleibt. Diese Position ist voller Probleme: zum Beispiel, es mag einige Leser erstaunen, dass Singer bezweifelt, dass für Tiere auf dem Weg zur Schlachtung, ihr schmerzloser Tod wirklich überhaupt eine Beraubung um etwas ist.

Vasile Stanescu: Warum Tiere zu lieben nicht reicht, eine feministische Kritik

In meiner Präsentation heute möchte ich die Aussagen von Kathy Rudy und die Praktiken von Catherine Friend kritisieren, als emblematisch für eine größere Bewegung, die den Feminismus mit Rechtfertigungen für einen fortgesetzten Konsum von Tierprodukten zusammenführen will. Ganz in Gegenteil dazu glaube ich, dass gerade aus der Position sowohl der feministischen als auch der queeren Epistemologie heraus, wir die Aufzucht und die Tötung ganz gleich welcher Tiere kritisieren müssen, auch wenn solche Praktiken als „human“ oder „artgerecht“ gekennzeichnet werden.

[…]

Über das Falsche am ländlichen Bild vom „Happy Meat“ [„glücklichen Fleisch“], hat Alice Walker in ihrem Essay „Bin ich Blue? sagen meine Augen dir dies denn nicht?“ geschrieben [im Englischen bedeutet ‚blue’ sowohl blau als auch traurig]. In dieser Kurzgeschichte erzählt Walker von der Begegnung mit einem Pferd, das jedes der Kriterien aufweisen würde, die Rudy für eine humane, „artgerechte“ Tierhaltung voraussetzt. So trägt dieses Pferd beispielsweise einen Namen, es ist gut genährt, es wurde nicht geschlagen oder „misshandelt“ und es verfügt sogar über zweitausend Quadratmeter an „schöner“ Fläche Land, in denen es umher galoppieren kann.

Dennoch lehnt Walker (die auch glaubt, dass Tiere lieben können und Emotionen haben) die Behandlung von Blue ab, weil das weibliche Pferd, in das Blue sich verliebt hat, von ihm getrennt wurde […].

Vasile Stanescu: Das Judas-Schwein, wie wir “invasive Spezies” unter Vorgabe des “Naturschutzes” töten

[…] So stellt auch seine Kritik an „Fabrikfarmen“ keinen Aufruf zur Beendigung allen Fleischverzehrs dar, sondern es ist nur ein Aufruf dazu, den Mangel an „Fürsorge“ für die Tiere zu beheben. Sein zugrunde liegendes Argument und die Art und Weise in der er imstande ist von den verwilderten Tieren zur artgerechten landwirtschaftlichen Tierhaltung überzuleiten, basiert auf der zweiten Idee, die, so meine ich, seinen beiden Argumenten unterliegt: der Biopolitik, dem Argument also, dass die Menschen das Leben selbst verwalten müssten. Das heißt, der Grundgedanke scheint zu sein, dass die „Natur“ sich nicht um sich selbst kümmern kann, ohne ständige menschliche „Intervention“. Und trotzdem muss genau zur gleichen Zeit diese „Intervention“ kontinuierlich im Verborgenen gehalten werden. Gleich den unsichtbaren Händen der Märkte, die der fortwährenden menschlichen Regulation bedürfen, scheint dieser Aufruf – sowohl zur Entfernung der verwilderten Tiere als auch zur Aufzucht artgerechten Fleisches – in simultaner Weise die ständige Einmischung der Menschen innerhalb des sogenannten „Natürlichen“ zu fordern und zugleich zu leugnen.

[…]

Ich möchte also diesen Diskurs bezüglich der Tötung verwilderter Tiere im Zusammenhang mit dem Diskurs über die artgerechte Viehwirtschaft betrachten. In Wirklichkeit werden Tiere aus vermeintlich humaneren, sog. artgerechten Haltungsbedingungen immer noch genetisch manipuliert, grob misshandelt und im Babyalter in industriellen Schlachthäusern getötet (Stanscu, „Green Eggs and Ham“; „Why Loving Animals in Not Enough“; „Crocodile Tears“). Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, so wäre diese Praxis immer noch praktisch irrelevant, da 99,9 Prozent aller Tiere, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden, unter den Bedingungen von Fabrikfarmen bzw. in der Massentierhaltung aufgezogen werden (Farm Forward). Ich habe daher auch zuvor argumentiert (Stanescu und Pedersen, „The Future of Critical Animal Studies“), dass der ganze Reiz oder die ganze Nützlichkeit eines locavoren Produkts darin liegt, die beinahe universelle Realität des Fabrikfarmensystems zu maskieren, und, was noch wichtiger ist, die Realität der harten Wahl, die getroffen werden muss, zu maskieren – dass es im Wesentlichen nämlich unmöglich ist, Fleisch und Ethik, beides zu haben. In anderen Worten: das, was die Verbraucher zu einem erhöhten Preis kaufen, ist nicht das Fleisch per se, sondern das Vergessen, dass eine Wahl getroffen werden musste. Und als solche dienen diese wenigen Vorzeigetiere, die auf den vermeintlich humaner oder artgerecht betriebenen Höfen leben, in einer Art symbolischer Stellvertretung der Wiedergutmachung, vergleichbar mit der sonderbaren Praxis der Präsidenten der Vereinigten Staaten einen Truthahn vor Thanksgiving, zu dem in den USA Millionen Truthähne getötet werden, zu begnadigen (Fiskesjö). In ähnlicher Weise agieren diese Höfe, als begnadigten sie symbolisch einige wenige Tiere, um eine Wiedergutmachung für die schätzungsweise 70 Milliarden Tiere zu betreiben, die nun bald weltweit fast ausschließlich unter Farbrikfarmbedingungen getötet werden.

Podcast: Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen

Podcast: Die Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen (MP3)

Oft haben wir in den sozialen Feeds von uns intersektionalen Tierrechtlern nur dieses Ping-Pong zwischen einem Tweet für Tierrechte und einem für Menschenrechte … , aber kaum diskutieren wir die tatsächlichen Verbindungsstellen zwischen Unterdrückungsformen wie Rassismus und Speziesismus. Ich habe einige sehr interessante intersektionale Texte von englischsprachigen Autor_innen übersetzt, in denen klar wird, wo Unterdrückungsformen sich berühren und wie wir die Verbindung in logischer und vernünftiger Weise herstellen können: siehe einige Texte hier.

In Zeiten, in denen die Menschenrechte zunehmend zur Farce wegschrumpfen, Lebensräume für Menschen wie Tiere weltweit nurnoch dominiert werden von machtvollen Menschengruppen, wo Rassismus, Sexismus, Ableismus … und die Gewalt gegen Nichtmenschen in Form von Speziesismen und Gewalt gegen die natürlichen Lebensräume von Nichtmenschen sich zur totalen Zerstörung verdichten, können wir nicht sagen, wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, sondern wir sollten Kritik üben und Kritik überhaupt üben können in den täglichen Diskussionen mit Mitmenschen und bei unserem Output in sozialen Netzwerken zum Beispiel.

Dies ist ein Aufruf die Verbindung zwischen Menschen- und Tierrechten vermehrt zu verbalisieren, und nicht nur bei dem Nebeneinander der Tragödien zu verharren.

P.S. Es reicht meiner Meinung nach nicht für die Argumentation für die Schnittstellen von Menschen- und Tierrechten von der sensuellen Empfindsamkeit beider “Klassen” von Lebewesen (….) auf biologischer Grundlage zu sprechen. Ich weiß, dies tat Jeremy Bentham Ende des 18. Jahrhunderts schon als Utilitartist der er war sehr überzeugend, aber genau da ist der Knackpunkt: wir sollten uns seit der Diskussion über Tierethik und/oder Tierwürde, etc. seit dem 18. Jhdt. doch inzwischen ein bisschen weiter voraus wagen.

Was ist Speziesismus – für Kids erklärt

Für Kids, die sich für Tierrechte und die Autonomie von Tieren einsetzen möchten :-)

Ein Wort dass Du lernen solltest, wenn Du Tiere verteidigen möchtest: Speziesismus

Diese Info zum Ausdrucken

Was ist Speziesismus? Dieses Wort beschreibt eine Herabsetzung und Abwertung von Tieren aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Spezies, also einer Gattung.

Oft sieht der Speziesismus so aus wie eine Pyramide, dass die Menschen ganz oben alleine an der Spitze stehen und die Tiere alle weiter unten kommen, je nach Sortierung: manche Tiere werden als etwas wertvoller betrachtet als andere, aber der Mensch steht auf jeden Fall alleine ganz oben.

Ego: Auf sich selbst zentriert – Eco: auf die ganze Umwelt fokussiert

Wenn man so einen Aufbau verkehrt findet, so ist das meist deshalb so, weil man der Meinung ist, dass Tiere auch ebenso wichtig sein können, und dass nicht nur eine Art oder Gattung alleine wichtig sein kann. Der Mensch, so meint man dann, kann nicht alleine Spitze sein und alle Lebewesen sind einfach unterschiedlich aber keines ist besser oder schlechter. Solch eine Meinung wäre gegen den Speziesismus gerichtet. Sie wäre anti-speziesistisch, „anti“ ist Latein und bedeutet ‚gegen’.

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Verortung des tierlichen Gegenübers

Die Biologie kann keine fundamentalen, sondern nur kausalitätsabhängige Ursächlichkeiten beobachten. Ein vernünftiges Herantasten an das Thema ‘nichtmenschliche Tiere’ kann also nicht in der Biologie beheimatet sein: Es braucht neue Ansätze aus allen Himmelsrichtungen perspektvischer Ansätze, die einem zur Betrachtung des Phänomens Leben zur Verfügung stehen.

Spanish dog, by Farangis G- Yegane

Hat das Essen von Tierkörperteilen mehr mit Glauben oder eher etwas mit ideologischem Denken zu tun?

Ist das selbstbewusste Bekenntnis zum Fleischverzehr Ausdruck eines ideologischen Speziesismus oder selbst schon ein „Glaubensakt“?

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Man könnte den Verzehr des Fleisches nichtmenschlicher Tiere als der Evolution geschuldet bezeichnen, also auf der naturwissenschaftlichen Ebene argumentieren: aber die Evolution ist etwas in-sich-selbst im wandelbaren Begriffenes.

Vielleicht reicht es, dass Götter oder ein Gott das Opfer durch den Menschen von Nichtmenschen verlangen, aber vielleicht ist der Fleischverzehr selbst schon ein Glaube, denn Glaube und Ideologie liegen doch so nah beieinander und der Speziesismus ist gewiss ein ideologischer Akt.

Warum empfinden Menschen mit nichtmenschlichen Tieren nur nach eigenem Gutdünken Empathie? Warum sieht unser Mehrheitsethikbegriff Empathie mit dem Mitmenschen vor, aber nicht mit den Mittieren?

Es gilt sich eigene Ethikbegriffe zu schaffen, die in das Puzzle authentischer ethischer Realitätsbezüge mit hineinpassen; und diese kommen – wenn wir nicht-anthropozentrisch denken – aus allen Teilen der Realität, also nicht nur von den von anderen Menschen beschriebenen Perspektiven. Auch Dinge, die wir selbst unmittelbar erleben, in unserem individuellen Realitätsbegriff innerhalb des natürlichen Raumes, bilden ebenso relevante und ethisch gültige Realitätsbezüge.

Yet another fragment by the Gruppe Messel

Leben und Erleben den anderen Tierindividuen zugestehen

Die Reduzierung eines nichtmenschlichen Tieres auf seine/ihre „biologischen Fähigkeiten“ ist so wenig kreativ wie zu behaupten ein „Faultier ist faul“. Nichtmenschen befinden sich nicht nur auf der Futtersuche und pflanzen sich auch nicht nur fort. Ihr tatsächliches komplexes Verhalten mag für uns nicht unbedingt nach den Parametern die wir ihnen angedenken bemessbar sein, das heißt aber noch lange nicht, dass ihre Lebenswelt so schön funktionalistisch rein auf einen Evolutionierungsakt eingestellt ist wie wir das immer wieder insistierend behaupten.
Leben und das Er-Leben ist komplex. Nicht nur für menschliche Individuen.

Being antispeciesist, GRUPPE MESSEL

Warum wird destruktive Gewalt je nach Opfer und Objekt der Gewaltausübung unterschiedlich bewertet?

Warum wird destruktive Gewalt je nach Opfer und Objekt der Gewaltausübung unterschiedlich bewertet?

Destruktive Gewalt produziert Opfer. Der Kontext von Gewalt ist immer fallspezifisch. Es macht aber keinen Unterschied in der Problematik an sich, ob ein Nichtmensch, ein Mensch oder das gesamte Ökosystem durch gewalttätiges Handeln und Agieren getötet oder zerstört werden. Die destruktive Gewalt selbst ist gemeinsamer Nenner aller systemischen Untedrückungsformen und Zerstörungsmechanismen.

Gruppe Messel / Tierautonomie