Ein Interview mit Syl Ko

kts8

Jahrgang 6, Nr. 1, Art. 1, ISSN 2363-6513, Februar 2019

Ein Interview mit Syl Ko

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Aktivismus im Sinne einer epistemologischen Revolution

Palang: Aph und Du Ihr habt in Eurem Buch Aphro-ism eine sehr umfassende philosophisch-soziologische Herangehensweise an wichtige Fragen nichtmenschlicher und menschlicher Unterdrückung (einschließlich der des natürlichen Raumes) entworfen und formuliert. Diese fundamentale Herangehendweise unterstützt eine, wie Ihr sie bezeichnet, epistemologische Revolution. Wie denkst Du kann jede_r von uns sich selber in Aktion versetzen, in die Diskurse einbringen und sichtbar werden, im Kontext mit den neueren Herangehensweisen, die anscheinend bislang nicht in die derzeitigen vorherrschenden Diskussionsmuster hinein passen? Nicht jede_r fühlt sich imstande, das niederzuschreiben, was er/sie denkt und dennoch haben Einzelne beeindruckende kritische und konstruktive Herangehensweisen … in anderen Worten, ich habe den Eindruck, dass Leute, die einen grundlegenden revolutionären Akt befürworten würden, unsichtbar bleiben, insbesondere in Hinsicht auf die Tierbefreiungsfrage (im Zusammenhang mit den Komplexen „Mensch“ und „Natur“), da die Mehrheit der Tierrechts- und der Tierbefreiungsbewegung weiterhin eine Sichtweise eines Mensch-Tier-Binärs hochhält, und nötige, entscheidende ethische Sprünge und geistige Beweglichlichkeit meidet. Wie können wir der Unsichtbarkeit innerhalb dieser Hauptströmen begegnen oder wie könnten wird erkennbarer werden, anders gesagt, welche Herangehensweisen im Aktivismus denkst Du sind hilfreich, um den Weg einer EPISTEMOLOGISCHEN REVOLUTION zu beschreiten?

Syl: Danke Dir, palang, für Deine beeindruckenden und einsichtsvollen Fragen. Den Lesenden sollte bewusst sein, dass wir hier in zwei verschiedenen Sprachen kommunizieren, so dass sich eventuell einige Übersetzungsfehler ergeben könnten. Ich habe soweit aber keine entdeckt, die die Kernaussagen unserer Konversation verzerren würden. Auch sollte ich im Vorab sagen, dass ich all Deine Fragen in meinem eigenen Sinne beantworten werde, da ich hier für Aph ja nicht sprechen kann. [1] Wie Du in Aphro-ism sehen kannst, teilen wir nicht in allen Punkten eine Meinung, und so sollten meine Aussagen hier nur als stellvertretend für meine eigenen Ansichten im Bezug auf diese Fragen verstanden werden. Und, indem ich dies geklärt habe, sollten wir nun ein wenig über die epistemologische Revolution sprechen. Epistemologie ist ein Begriff der umgangssprachlich kaum verwendet wird, ich möchte daher einen Schritt zurück gehen und kurz das Bild etwas füllen.

Jeder ist zu einem gewissen Grad mit Epistemologien vertraut, selbst wenn er/sie diesen Begriff zuvor niemals gehört oder gebraucht hat. Jeder hat sich zum Beispiel irgendwann einmal gefragt: Woher weiß ich, ob ich nicht gerade träume? Gibt es einen unbezweifelbaren Test, der mir zeigen würde, ob ich wach bin oder träume? Dies ist eine der bekanntesten und bewährtesten epistemologischen Fragen, die jemals gefragt wurde, in prominentester Weise durch den Philosophen René Descartes. Descartes hat diese Frage nicht als eine bloße mentale Übung gestellt. Er versuchte damit die Wissenschaft zu retten! Zu seiner Zeit war die vorherrschende wissenschaftliche Sicht die der Scholastiker, einer Schule von Denkern, die durch die Ideen des Aristoteles beeinflusst waren. Sehr grob gesagt glaubten die Scholastiker, dass eine Erklärung des Verhaltens physikalischer Phänomene – so wie das Herabfallen eines Apfels vom Baume – mehr als das beinhalten würde, was wir heute mit physikalischen Gesetzen bezeichnen würden. Sie dachten, der Apfel verfüge über eine eigene seelenartige Substanz, die den Apfel dazu „bewegen“ würde, auf den Boden zu fallen.

Descartes war zurecht in Sorge über solche Behauptungen. Er glaubte, dass es albern sei zu denken, der Apfel fiele zu Boden, weil er über eine mit einem Willen ausgestattete Seele verfüge, und, was noch weitaus wichtiger war, er war besorgt darüber, dass solch eine Behauptung auf Spekulationen basierte, statt auf etwas Wahrem und Erklärbarem. Die Art der Behauptungen, die die Scholastiker anstellten, waren nicht sicher, und unsichere Behauptungen taugen in den Wissenschaften wenig. (Nebenbei bemerkt, das Wort „Wissenschaft, im Englischen ‚science‘, stammt vom Lateinischen ‚scientia‘, dass eine ‚unbezweifelbare Wahrheit‘ bezeichnet. Die Naturwissenschaften und die Philosophie entstanden als geeintes Projekt.) Wir wollen keine wissenschaftlichen Gesetze auf wackeligen Fundamenten errichten, und zwar aus demselben Grunde nicht, aus dem wir unser eigenes Haus auch nicht auf Sand bauen würden. So machte sich Descartes daran, festzustellen, ob es etwas gäbe, was man wirklich wissen könne und von dem aus man einen Beginn machen könnte. Wenn wir immerhin ein Ding finden würden, von dem wir annehmen könnten, dass es eine wahre und gerechtfertigte Aussage ist, dann könnten wie diesen Fall dazu verwenden, um zu bestimmen, was die Kriterien für wahre und rechtfertigbare Aussagen – Wissen – im generellen sind. Aus diesem Grund begann er damit, die ganz grundsätzliche Behauptung zu hinterfragen, die wir jeden Tag als selbstverständlich voraussetzen. Die Annahme nämlich, dass die normale wahrgenommene Erfahrung auch wirklich wahr ist! [2]

Ein anderes einfaches Beispiel unserer Vertrautheit mit Epistemologie ist folgendes, denkt einfach mal an einen Moment, indem ihr euch mit jemandem in einem Streit befandet und die Person zu euch sagte, naja, das ist deine Meinung! Und ihr antwortetet mit: ist nicht einfach meine Meinung, sondern ich weiß, dass es wahr ist! Hier begegnen wir einem klaren epistemologischen Unterschied, der, trotz der offensichtlichen Uneinigkeit für beide Parteien klar sein sollte: erstens, er existiert ein erkennbarer Unterschied dazwischen, eine Meinung zu haben, und etwas zu wissen, und zweitens, etwas zu wissen ist dem gegenüber überlegen, bloß eine Meinung über etwas zu haben. Jedes Mal wenn du mit dieser Art grundsätzlicher Fragen zu tun hast und mit Diskussionen über die Eigenschaften von Wissen, dann hast du es mit Epistemologie zu tun, selbst wenn allein informell. Ich bemühe mich dies detailliert zu schildern, denn ich möchte damit klarmachen, dass epistemologische Fragen kein sinnloses mental mastrubatives Futter sind. Sie tragen ein ganz besonderes Gewicht, und bildeten die informierenden Grundlagen für die meisten wenn nicht alle großen kognitiven Wandel durch die Menschheitsgeschichte hindurch. Mir ist daher wichtig, das eure Leser_innen verstehen, worum es hierbei geht.

Doch viele Dinge die erfassbar sind, sind in der Tat eigene Fiktionen. Und infolgedessen sind diese Dinge nicht über die Zeit hinweg fixierbar oder statisch. Wir neigen dazu, Realität als das zu erfassen, worüber uns die Naturwissenschaften ihre Informationen liefern. Viele Denker_innen haben in diesem Punkt jedoch eine andere Auffassung. Etwas über die Realität zu wissen oder zu verstehen, lässt sich zusammenfassen als eine Sammlung von Informationen, nicht allein über die physische Welt sondern auch über die soziale Welt, die vollständig fiktional ist, aber, da wir alle an ihr teilnehmen ist sie auch wirklich, jedoch in einer anderen Art und Weise. Einige Denker_innen, insbesondere im Bereich dekolonialer Traditionen, betonen, dass wenn es wahr ist, dass die physische und die soziale Realität in Wirklichkeit zusammen wirken und so zusammen die objektive Welt konstituieren, dann erzeugen unterschiedliche soziale Realitäten innerhalb der gleichen physischen Welt auch andere objektive Welten. Das heißt, Dinge verhalten sich kontingent zur eigenen sozialen Welt. Das heißt auch, dass das, was als eine wahre und gerechtfertigte Auffassung gilt, keiner individuellen, sondern einer kollektiven Leistung geschuldet ist. [3]

Man betrachte das folgende Beispiel. Der Soziologe Ramon Grosfoguel beschreibt in seinem Artikel „The Structure of Knowledge in Westernized Universities: Epistemic Racism/Sexism and the Four Genocides/Epistemicides of the Long 16th Century”, dass innerhalb von Stunden, nach der Ankunft in dem Land, das der Entdecker Christopher Columbus für Indien hielt, dieser schlussfolgerte, dass die indigene Bevölkerung die dort lebte, über keine Religion verfügen könne. [4][5] Columbus kam nicht aus Boshaftigkeit zu dieser Schlussfolgerung; was er stattdessen tat, ist das, was wir alle die ganze Zeit machen: wir denken innerhalb von Begriffen der sozialen Welt, die uns vertraut ist. Innerhalb der sozialen Realität von Columbus (die aus der spezifischen Fiktion seiner eigenen Religion bestand) musste das, was Religion war, in spezifischer Weise erkennbar sein. Zum Beispiel musste Religion wahrscheinlich monotheistisch sein, in Verbindung stehen mit besonderen Ritualen, die man mit Gottesdiensten in Verbindung bringen würde, mit bestimmten Bekleidungsregeln einhergehen und so weiter. Die genaue Konzeption, die Kolumbus im Sinne hatte, war sehr provinziell. Und wenn die Menschen, die er auf dem amerikanischen Kontinent antraf, eine Religion gehabt haben, dann hätte er diese nicht einmal erkannt, außer er hätte sich die Zeit genommen einen internen Zugang zu ihren Praktiken zu erhalten.

Und da ist noch etwas, das erwähnt werden sollte. Weshalb spielte es eine Rolle, ob die indigene Bevölkerung eine Religion hätte oder nicht? In Kolumbus‘ sozialer Welt mussten alle Menschen eine Religion haben, weil alle Menschen eine Seele haben. (Man beachte, dies ist ein anderer, ganz großer epistemologischer Sprung. Aber aus der internen Perspektive, in der Kolumbus‘ Welt funktionierte, war dies völlig logisch.) Vielleicht waren einige der Religionen die falschen Religionen (zu jener Zeit waren das Judentum und der Islam falsche, und das Christentum die richtige Religion), aber Religion musste überall dort erscheinen, wo Menschen sind. Als Kolumbus und seine Leute nun also schlussfolgerten, dass die Menschen, die sie dort antrafen, über keine Religion verfügten, ergab es Sinn und es war dann auch in der Tat logisch, weiter zu schlussfolgern, dass an diesen Menschen irgendetwas nicht-menschliches war. Gemäß seiner sozialen Welt und der Epistemologie, die seine Welt formte, war das eine wahre und gerechtfertigte Annahme. Und wisst ihr, was die erste philosophische Debatte in der „neuen Welt“ war? Ihr werdet es wohl erraten können, es war die Frage, ob man davon ausgehen könne, dass die indigene Bevölkerung eine Seele habe oder ob nicht. In anderen Worten, ob diese Menschen wirklich richtig „menschlich“ waren oder nicht. Und aus diesem Grund war – und das wird wirklich sehr komisch klingen – Kolumbus für seine Zeit sehr progressiv: er ging davon aus, dass jedes Mitglied unserer Spezies zum Christentum konvertiert werden könne, was bedeutet dass er, ungleich vieler seiner Zeitgenossen, der Meinung war, dass alle Menschen richtige „Menschen“ wären. [6]

Grosfoguel verfolgt den unterschwelligen aber zerstörerischen epistemologischen Wechsel, der während dieser Debatten stattfand: Fakten über den eigenen religiösen Glauben oder die Ermangelung dessen, wandelten sich zu Fakten über den Grad der eigenen Menschlichkeit. Seht ihr was hier geschehen ist? Was einst die Haltung gegenüber, sagen wir dem Status des Judaismus oder des Islam im 15. Jahrhundert gewesen war – nämlich das dies „minderwertige“ Religionen wären – ist nun im 16. Jahrhundert die Einstellung, mit der den Menschen begegnet wurde, die diese Religionen praktizierten, nämlich, dass Juden und Muslime im Grade ihres ‚Menschseins‘ minderwertig seien. Grosfoguel bezieht sich auf diesen epistemologischen Wandel als denjenigen, in dem vom theologischen Modus zum anthropologischen Modus gewechselt wurde.

Und, um somit zu dem Kontext zurückzukehren im Bezug auf das, was eine epistemologische Revolution ist, haben wir hier die erste *epistemologische Revolution*, die in der „neuen Welt“ stattfand. Den westlichen europäischen Erforschern ging es nicht einfach nur darum, Land auf dem ganzen Planeten zu besetzen. Noch weitaus wichtiger war ihnen, alle Völker in der Welt epistemologisch zu erobern. Das übersetzt sich zu: was für die indigenen Völker wahr zu sein hat, ist das, was für die Menschen in Kolumbus‘ Welt wahr ist. (Kolumbus hat in dieser Hinsicht kein Blatt vor den Mund genommen: er wollte, dass die ganze Welt christlich würde. Er war in dem Punkt in der Tat fanatisch.) Ihr könnt erkennen, worin hier das Problem besteht. Das was für Spanien wahr gewesen ist, ist nicht für die indigene Bevölkerung wahr gewesen. Wie der dekoloniale Literaturwissenschaftler Walter Mignolo bemerkt, verstand die indigene Bevölkerung sich gewiss nicht als Untermenschen an dem Tage, an dem Kolumbus mit seinen Leuten eintraf. [7] Ihre Welt, und somit deren Epistemologie, unterschied sich schlichtweg grundsätzlich. Um Völker zu erobern, reicht es nicht allein ihnen das Land zu nehmen. Du musst ihnen dazu auch ihre Sichtweise über die Welt, über sich selbst und über andere unter den Füße wegziehen. Und du misst sicherstellen, dass auch die zukünftigen Generationen dahingehend indoktriniert werden, die Welt, sich selbst und die anderen, so wie du [es willst] zu verstehen und zu sehen. Das ist warum Grosfoguel und so viele andere Gelehrte/Aktivist_innen die immer gegenwärtige Praxis der Bücherverbrennung in der Eroberung von Land und Menschen betonen, die sie als Epistemizid bezeichnen. (Und dazu gehört auch, wie die Philosophin Silvia Federici es beschreibt, die Verbrennung von Frauen, die Wissen eher mündlich statt über Bücher vermittelten, so wurden ihre Körper/ihr Geist als Stätten dieses Wissen verbrannt.) Der Epistemizid geht mit dem Genozid einher. Wenn du kontrollieren kannst, wie ein Volk die Welt und sich selbst (und Dich!) begreift, und du sicherstellen kannst, dass diese Kontrolle in der Zukunft ad infinitum fortgesetzt wird, dann hast du es besiegt. [8]

Wir sind nun in der Lage die Diskussion mit der den allgemeinen Inhalten unseres Buches Aphro-ism zu verbinden, in dem eine mikro-epistemische Revolution dargelegt wird. Wir betonen nicht einfach, dass unterschiedliche Leute in der Diskussion über die Lage nichtmenschlicher Tiere nicht wahrgenommen werden. Das ist ein Erscheinung von Unsichtbarkeit, aber nicht die auf die ich fokussiere. Sondern, es existiert eine Unsichtbarkeit, die in der Konversation über Unsichtbarkeit selber nicht vorkommt. Der ganzen Diskussion über ‚Menschen‘ und ‚Tiere‘, die wir als so selbstverständlich voraussetzen, wenn wir über den Horror dessen sprechen, was nichtmenschlichen Tieren geschieht, geht von einer besonderen Formulierung der Realität aus, die nur auf eine sehr kleine Gruppe von Menschen zutrifft. Nach ihrer Sichtweise werden „Mensch“, „Tier“ und andere verwandte Begriffe, nur im Bezug auf faktisch biologische menschliche Wesen und biologisch nichtmenschliche Wesen verwendet. Bestenfalls sind solche Begriffe zudem noch von einer symbolischen Wichtigkeit. Und so ist, gemäß dieser Weltsicht, die „richtige“ Art und Weise, die Unterdrückung von Tieren und die fortwährende Missachtung von Tierkörpern und -leben zu sehen, allein eine Frage von „Speziesismus“ und davon, dass unsere Spezies ein Überlegenheitsgebaren in Hinsicht auf die eigene Spezies praktiziert.

Für diejenigen von uns aber, die sozial in einer radikal anderen Welt beheimatet sind, bei denen die meisten von uns Geschichten aufweisen, in denen unsere Angehörigen nicht als „Menschen“ sondern eher als „Tiere“ betrachtet wurden/werden, wo wir nicht wirklich als „Menschen“ sondern als „Tiere“ gesehen werden, uns erscheint diese reine biologische Auffassungsweise falsch. Wir wissen, dass Begriffe wie „Mensch“, „Tier“ und damit verbundenen Begriffe, jenseits biologischer Spezifikationen liegen, und dass die moderne Verwendungsweise dieser Begriffe Bestandteile eines globalen Projekts darstellen, das versucht hat zu behaupten, dass das Menschsein in Graden stattfindet. [9] Das heißt, dass wenn wir uns an dem Mainstream der Kritik am Tiermissbrauch beteiligen wollen, wir uns erstmal vorstellen müssen, dass die Welt so wie wir sie kennen, nicht existiert. Wir müssen uns vorstellen, dass wir nicht wüssten, dass als „Mensch“ betrachtet zu werden, selbst für Lebewesen, die Mitglieder der Spezies Homo sapiens sind, moralisch relevant ist. Wir müssen uns vorstellen, dass der Ausschluss vieler Gruppen von Menschen, mit der Bezeichnung „Untermensch“ oder „Unmensch“, in Wirklichkeit nicht so schlimm ist, weil, hey, ein Mensch zu sein ist sowieso nichts Besonderes…und sich an die „Menschheit“ anbiedern zu wollen, ist speziesistisch. Sehr ihr was hier geschieht? Unsere Art die Welt zu betrachten ist völlig unsichtbar, so dass wir das Problem noch nicht einmal mit unseren eigenen Begriffen benennen können, ohne dass jeder gleich in die Offensive geht und fragt, was hat das denn nun mit Tieren zu tun??? Sie fragen das nicht aus Interesse. Sie fragen, weil wir die epistemischen Linien verlassen, die hier gezeichnet wurden, die parallel zu deren Weltsicht verläuft. So wie sie es sehen, kann etwas nicht wahr sein, wenn sie selbst die Welt nicht in dieser Art und Weise verstehen.

Die epistemische Revolution bedeutet dann, diese Unsichtbarkeit als Stätte produktiven Wissens zu begreifen. Das heißt, statt unsere Art die Welt zu verstehen und über sie Bescheid zu wissen, aus Scheu zu verbergen oder zu unterdrücken – und damit auch uns selbst und die anderen in dieser Welt – damit wir in die „normale“ Vorstellung dessen hineinpassen, wie die Dinge verstanden werden sollen und wie etwas getan werden soll, verwenden wir die Unsichtbarkeit um eine Fassung jeglichen Phänomens das uns interessiert zu generieren, um so einen Aspekt der Realität zu vermitteln, den die „normale“ Art Dinge zu tun nicht ermöglicht und den sie nicht in Erscheinung treten lässt. Ich beschreibe diese Art der Unsichtbarkeit daher auch als eine ‚superpower‘. Wir haben den Zugang zu einem Teil der objektiven Welt aufgrund der Position die wir in ihr inne haben, die andere, gleich wie privilegiert sie sind, nicht haben und überhaupt nicht haben können. Wir haben somit etwas neues zu sagen, aufgrund der Art und Weise wie diese Worte – Mensch, Tier, usw. – in der Welt wie wir sie erlebt haben, funktionieren.

Mein Ratschlag ist somit, sich nicht von seiner eigenen Weltsicht zu trennen. [*] Was würde passieren, wenn wir einen Bericht über die Tierfolter und den Tiermord – nämlich unsere Nahrungsmittel/medizinische/Schönheits/usw.-Industrien – erstellen würden, indem wir die Quellen nutzen, die uns zur Hand liegen? Was wäre, wenn wir als schwarze oder braune Menschen, eine Tierethik schaffen würden, die aus unserer Erfahrung entstehen würde, was es bedeutet als Antithese zum menschlichen Ideal („dem Menschen“) zu gelten? Was wäre, wenn wir dem Narrativ des „Menschen“ widerstehen würden, mit dem zusätzlichen Vorteil dessen, dass wir sowieso bereits am weitesten entfernt von dem sind, was in unserer sozialen Welt als „Mensch“ gilt? Wir haben ein sehr anderes Verständnis von den Dingen, um die es sich hier dreht und wir haben den Zugang zur subjektiven Erfahrung des ‚Animalisiertwerdens‘. Was geschieht, wenn wir dies als positive Werkzeuge, nicht allein zu unserer eigenen Befreiung, sondern zur gleichen Zeit auch zur Hilfe einer anderen Gruppe von Lebewesen einsetzen würden, in einer Art und Weise, die sich von dem unterscheidet, was die Mainstreamroute zu bieten hat? Der schwarze Veganismus ist mein Versuch eine Antwort auf diese Fragen zu liefern…(ich kehre in einer späteren Antwort zum schwarzen Veganismus zurück) ich bin mir zugleich aber auch sicher, dass es da auch andere Wege gibt. Mir sind die verschiedenen Leute, die den Veganismus repräsentieren nicht so wichtig, wie die verschiedenen Arten von Veganismus.

Wenn du eine_r der wenigen bist, die sich in einer Position der Mitgliedschaft zur Norm zählen können, dann bist du bei uns willkommen. Am schwarzen Veganismus ist nichts, dass allein schwarzen oder braunen Menschen vorbehalten wäre. [10] Es geht hier nicht um eine Identitätsbewegung. Wir sprechen von „schwarz“ um damit die Struktur anti-schwarzen Rassismus hervorzuheben, da Rasse eine Struktur darstellt und nicht schlichtweg die Hautfarbe oder die Identität. Aber wenn es dir sinnvoll erscheint, bei der Mainstreamweise wie die Dinge gemacht werden zu bleiben, dann ist das ebenso in Ordnung. Die Mainstreamherangehensweise an das Thema Tierunterdrückung ist in Ordnung und gut. Ich hebe nur hervor, dass sie nicht jeden Aspekt dessen umfasst, warum „das Tier“ eine abwertende Vorstellung zum Ausdruck bringt. Es geht darum, den nichtmenschlichen Tieren in dem Sinne zu helfen, dass die Entwicklung von mehr Sichtweisen gefördert wird, die das Ziel verfolgen, weitere Seiten der Tierunterdrückung herauszuarbeiten und somit auch andere Verständnisse von Tierunterdrückung, diejenigen nämlich, die bislang noch nicht sichtbar gemacht wurden. Einige unserer Leser_innen haben die sonderbare Vorstellung, dass wir der Meinung seien, die Leute sollten aufhören Peter Singer zu lesen, oder dass wir Tierverteidiger_innen, die sich auf traditionelleren Wegen befinden, und die für die Erlangung legaler Rechte für nichtmenschliche Tiere kämpfen, etc. , in ein schlechtes Licht rücken wollten. Ich schlage nichts dergleichen vor. Ich habe einen immensen Respekt für jede_n, der/die, welch Mittel auch immer zu seiner/ihrer Verfügung stehen mögen, einsetzt, um das Problem zu adressieren. Wie ich in Aphro-ism betone, müssen wir uns von der Idee verabschieden, dass es nur einen Weg, wie Dinge gemacht werden sollten, gäbe, oder dass wir uns jedes Mal, auf entweder der philosophischen oder der praktischen Ebene, darüber einig sein müssten, was die beste Art ist unseren Mitlebewesen zu helfen. Das Problem erstreckt sich über jeden Bereich unserer Gesellschaft, d.h. wir brauchen also Leute, die an jeder Ecke kämpfen.

Als Aktivist_in „hineinzupassen“ oder nicht

Palang: Pluralität und Empowerment haben viel mit der Emanzipation des Denkens zu tun, das heißt mit der Tatsache, dass wir weder von Intellektuellen, noch von anderen Gruppen von Menschen, die innerhalb unserer Gesellschaften augenscheinlich als Denkeliten betrachtet werden, abhängig sind. Wir allesamt müssen das Denken selber übernehmen und wir stellen die kraftvollste Quelle eines pluralen fruchtbaren Diskurses dar. Eine umfassende Art des Empowerments von uns allen (als Aktivist_innen) scheint in den Strukturen vieler Gruppen und Organisationen aber kaum erwünscht zu sein, immerhin wird einander wenig Raum für eigene Standpunkte, Beobachtungen und Erfahrungen gelassen. Viele Aktivist_innen geben ihre Aktivitäten sogar auf, weil sie den Eindruck haben, dass kaum einer an ihren individuellen Beiträgen interessiert ist. Denkt Du, dass die „klassischen“ Gruppendynamiken (beispielweise das hierarchische Denken) ein Problem im Aktivismus darstellen können, und ergäbe es Deiner Meinung nach Sinn, eigene Wege zu verfolgen, die auch immerhin zum Teil alleine gegangen werden müssen? Und schließlich: ist der individuelle Aktivismus Deiner Ansicht nach gleichermaßen wertvoll, wenn jemand keine konstruktive Basis mir seinen/ihren Mitaktivist_innen finden kann?

Syl: Ich empfehle die eigenen Überzeugungen und Lebensprojekte nicht in Abhängigkeit dazu zu setzen, ob andere sie schätzen oder nicht. Wenn man sich die Geschichte anschaut, so sieht man, dass die meisten weltverändernden Ideen in ihrer Zeit nicht gewürdigt wurden, und dass aber die Leute hinter diesen Ideen einfach weiter machten. Sie glaubten wirklich an das, was sie da taten. Kein Grad and Lächerlichkeit oder Erniedrigung, von gleich welchem ihrer Zeitgenossen oder derjenigen, deren Denken sie versuchten zu verändern, hielt sie auf. Es ist sogar so, dass um so revolutionärer dein Projekt ist und um so mehr potenzial es hat, Dinge wirklich zu verändern, um so geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass du viele Freunde oder Unterstützer_innen finden wirst. Und das ergibt Sinn. Menschen haben Angst vor Veränderung, selbst diejenigen, die sagen, dass sie die Veränderung wollen. Viele Leute begreifen nicht, dass eine kleine Veränderung die sie wünschen, nicht zustande kommen kann, ohne dass viele große Veränderungen ebenso geschehen müssen, und sie fühlen sich dadurch unbehaglich. Sie tun also so, als würden sie Dinge verändern, wenn in Wirklichkeit alles beim Alten bleibt. Aber natürlich werden diese Leute gefeiert, weil sie es vermieden haben, dass irgendjemand irgendetwas über sich selbst oder deren Welt in Frage stellen müsste. Vor allen haben diese_e Aktivist_innen sich nicht selbst verändert. Jeder kann somit in seiner Bequemlichkeit verharren.

Auch denken die meisten Leute in den gleichen Mustern oder beziehen sich auf die selben Gedanken. Hervorragende Menschen die Veränderung anstoßen, selbst wenn in unauffälliger Weise, tendieren dazu, sich im Denken außerhalb von Schemen zu bewegen. Die meisten Leute empfinden das als merkwürdig oder irrelevant, weil sie es nicht verstehen. Es ist zu anders. Du kannst so tun, als wärst du beeindruckt von dem was jede_r so sagt, so dass du in deren Projekte mit einbezogen wirst. Oder du hast zu akzeptieren, dass du mit aller Wahrscheinlichkeit alleine arbeiten musst, wenn du deine eigenen Gedanken nicht aufgeben willst oder wenn du neue Ideen, jenseits von denen auf die sich deine Gruppe bereits stützt, annehmen willst.

Wenn du wirklich große Veränderungen anstoßen willst und eifrig bemüht darum bist, dann denken Leute vielleicht sogar du seist verrückt. Du kannst dadurch deine Freunde oder deinen Arbeitsplatz verlieren. Du wanderst eventuell sogar ins Gefängnis. Sokrates, den man heute als Beispiel eines großen kritischen Denkers betrachtet, wurde ins Gefängnis gesteckt und zum Tode verurteilt. Es ist in der Tat so: Sokrates war ein krimineller. Weshalb? Weil er „die Jugend verdarb“. Er dachte anders und wollte, dass andere Menschen ihr denken ebenfalls veränderten. Er beeinflusste junge Männer, denen es eigentlich darum gehen sollte, in die Fußstapfen ihrer Väter zu treten um angesehene Laufbahnen zu verfolgen und so zum Wohlstand ihrer Familie beizutragen, und nicht darum, gute Menschen zu sein. Also wurde Sokrates zum Tode verurteilt. Es war im egal. Er hielt einen Vortrag über genau die Dinge, die zu diesen strafrechtlichen Maßnahmen führten während seines Verteidigunsprozesses. Selbst als er in der Todeszelle saß und seinen letzten Tag erwartete, hielt er für seine Schüler Vorträge, die kamen um ihn zu besuchen. Er lehrte tatsächlich bis zu dem Moment als er das Gift zu trinken hatte.

Sokrates hat zu seiner Zeit niemals eine materielle Entlohnungen oder eine positive Anerkennung dafür erhalten, dass er seine Mitbürger unbeirrt dahingehend versuchte zu beeinflussen, ihre Leben im Sinne einer Suche nach dem Guten zu verändern. Sokrates trug jeden Tag die gleiche Kleidung, wurde von allen berühmten Denkern seiner Zeit als Ärgernis empfunden, und außer einer Handvoll Anhängern (dem Äquivalent einer kleinen Gefolgschaft von Studenten im Grundstudium!) existierte niemand, der sich mit seinen Ideen befassen wollte. Sein Projekt war es, Wissen über das Gute zu erlangen und dies wurde ein Merkmal seines besonderen Charakters, und so war ihm sein Ruf, oder die Frage dessen, ob er irgendwo hineinpasst, gleichgültig.

Ich glaube das ist ein nützlicheres Bild von Aktivismus, als das, was gegenwärtig so im Umlauf ist. So wie ich es sehe, sollte Aktivismus – wenn wir das Wort schon gebrauchen müssen – eine Art Leidenschaft dessen sein, ein guter Mensch zu sein, was wenig zu tun hat mit deinem Image, wie andere dich wahrnehmen, ob du dich zu einer Gruppe zählen kannst oder ob du irgendwelche Veränderung, die aus deinen Bemühungen resultieren, bezeugen kannst. Es ist ein autarkes Unterfangen. Alles was du dazu benötigst, ist der Wunsch gut zu sein, und wenn du zulässt, das dies dich bestimmt, dann wird dir zunehmend egaler werden, ob du anerkannt oder respektiert wirst oder ob dir irgendjemand überhaupt zuhört. Das gleiche gilt übrigens auch für das Lebens außerhalb des Aktivismus.

Ich schaue also nicht auf den Output als Kriterium eines guten Aktivismus, gleich ob dieser Output von einer individuellen Person oder von einer Gruppe/Organisation produziert wurde. Selbst wenn ein_e Aktivist_in oder eine Gruppe von Aktivist_innen in einer Mission erfolgreich sind, so kann diese Mission, ohne gute Herzen und Seelen in der Gesellschaft, doch innerhalb von kürzester Zeit wieder in ihr Gegenteil verkehrt werden. Der Nachdruck sollte darauf liegen, dass sichergestellt wird, dass wir auf der richtigen Seite stehen, dass wir die moralische Sensibilität nähren, die für eine bedeutungsvolle Existenz entscheidend ist, und dass wir zulassen, dass diese Energie in die Welt hineinfließt und sie gleichsam formt, gleich welches Resultat dies auch immer hervorbringen mag. Was heute wie ein Fortschritt aussehen mag, kann sich langfristig gesehen als ein Albtraum erweisen und anders herum. Wir wissen nicht was funktionieren wird oder was das Beste ist. Wir können nur aus der guten Intention heraus handeln und es genau an diesem Punkte belassen.

Und wenn du wegen deiner Mission dein ganzes Leben lang als Verlierer_in betrachtet wirst, selbst von den „perfekteren“ Aktivist_innen deiner Zeit, wenngleich du auch keinerlei finanzielle Unterstützung generieren kannst, und wenn auch niemand irgendeine Aufmerksamkeit auf Dich richtet, man sollte sich deswegen nicht schlecht fühlen. Sokrates war auch ein Verlierer. Du bist also in guter Gesellschaft. Bleibt deinem Kurs einfach treu!

Der neue Diskurs selbst in der allgemeinen Öffentlichkeit

Palang: Deine und Aphs Gedanken, Eure Herangehensweise ist tiefgreifend in ihrer ethischen, politischen und sozialen Klarheit, und ihr vollzieht die epistemologische Revolution von der ihr sprecht in der Realität, durch den Diskurs den ihr dabei initiiert. Als Aktivist_in, die von Euren Thesen und Gedanken inspiriert ist, habe ich den Eindruck, dass Eure Ideen von großer Relevanz für den Diskurs mit den Menschen außerhalb der Tierrechts-/Tierbefreiungs- und der veganen Bewegung sind. Könntest Du Dir vorstellen, dass eine Pluralität in der Diskussion über Tierbefreiung usw. in der allgemeinen Öffentlichkeit angestoßen werden kann, unabhängig von den Dynamiken einer ‚Mainstream-Rezeption‘ innerhalb der Tierrechts-/Tierbefreiungs- und veganen Bewegungen selbst? Ist die Bewegung selbst wirklich immer der informierteste und aufgeschlossenste Ort wenn es darum geht, engstirnige Sichtweisen über die Tierheit und die Menschheit zu dekonstruieren?

Syl: Ich bin der festen Überzeugung, dass die mit nichtmenschlichen Tieren zusammenhängenden Diskussionen, insbesondere die ethischen/politischen/sozialen, mit jeder ethischen, politischen und/oder sozialen Diskussion gekoppelt werden können, und somit ist die Frage, ob diese Diskussionen innerhalb eines Raum stattfinden, der explizit nichtmenschlichen Tiere gewidmet ist oder nicht, oder ob selbst-identifizierte „Tierrechtler_innen“ mit diesen Diskussionen einverstanden sind oder nicht, irrelevant. Es geht nicht um sie. Es geht darum, wie wir die Öffentlichkeit in erfolgreicher Weise dazu zu bringen, als erstes anzuerkennen, dass das was Tieren geschieht ein legitimes Problem für die Tiere (und für uns) darstellt, und zweitens, dass die Anerkennung dessen sich in dramatischer Weise in Handlung umsetzen muss, die die Situation verändert unter der Tiere gezwungen sind zu existieren.

Aphro-ism legt dar, dass die Diskussion über Tierbefreiung innerhalb der Grenzen, der durch „die Bewegung“ gesetzten Begriffe, sinnlos ist. Die Bewegung begrenzt sich auf einen kleinen Ausschnitt des weiten Spektrums an Gedanken, die die Misshandlung von Tieren stützen. Das gesamte Denken über die Menschheit und die Tierheit, so sehr es auch auf Konstrukten basiert, befindet sich jedoch im Zentrum jeder gegenwärtigen Form der Tierunterdrückung. Und ebenso ist das Denken, das die Fragen umgibt, die wir normalerweise als die Unterdrückung von Menschen bezeichnen, auch gleichermaßen gegenwärtig in der Unterdrückung von Tieren. All diese Dinge sind miteinander verbunden. Wenn wir also das große Bild jeglicher dieser Unterdrückungsformen verstehen wollen – die in der Tat das gleiche Bild aus unterschiedlichen Perspektiven darstellen – dann ist es vernünftig, wenn wir die Punkte miteinander in Verbindung setzen.

Wir verbinden diese Punkte in Aphro-ism indem wir aufzeigen, dass alles auf die Konstruktion „des Menschen“ hinausläuft. Nicht Menschen aber der Mensch, die angenommene „ideale“ Manifestation dessen, was es heißt ein Mensch zu sein – dessen letzte Iteration, die im Spanien des 16. Jahrhunderts geschaffen wurde. Einige der besten Literatur, die ich in den letzten Jahren gelesen habe, von der ich den Eindruck habe, dass sie viel für die Seite der Tiere bewirken kann, stammt nicht von Leuten oder aus Bereichen die sich schwerpunktmäßig mit nichtmenschlichen Tieren befassen. Wir müssen uns weiter aus den engen Rahmen hinaus bewegen, wenn wir jemals begreifen wollen, was wirklich geschieht. Es geht um weitaus mehr als allein das Vorurteil auf Grundlage einer Spezieszugehörigkeit. Es geht um etwas Enormes.

Ich finde, dass schwarze Studien und andere Programme ethnischer Studien der Ort sind, an dem ich das meiste Potenzial sehe um die Diskussion zu erweitern. Man muss sich dabei vor Augen halten, dass schwarze und braune Menschen zu dem wurden, was als „Gegenteil“ des Menschseins aufgefasst wurde, man betrachtete sie als Untermenschen. Für eine lange Zeit war dies etwas unsägliches. „Mensch“ zu sein, sollte den Gipfel aller Existenz darstellen, während „Untermensch“ zu sein, dir zum Nachteil gereichte. Aber nach Jahren über Jahren, die wir uns aus der Grube, die man für uns gegraben hatte, hinausschaufelten, hat das weiße westliche Herrschaftsgebiet angefangen seine Kontrolle zu verlieren, vor allem befindet sich der Planet in Gefahr wegen dieses Herrschaftsgebietes und seines Einflussbereichs rund um den Globus. Heute sehe ich es als etwas Gutes, das wir – als schwarze Menschen – so lange dazu gezwungen wurden als Gegensatz zum „Menschsein“ zu verharren. Wir wurden nicht zu ihnen, weil wir nicht sie sein konnten. Wir waren per Definition als Gegenteil aus der Kategorie ausgeschlossen. Wir sind definitionsmäßig anti-Menschen. Es ist also keine Überraschung, dass die spannendsten Sachen, die ein unwahrscheinliches Potential besitzen um unsere Gedanken über Menschen und Tiere und den Widerstand gegenüber dem toxischen Narrativ „des Menschen“ zirkeln zu lassen, aus dieser contra-humanen Psyche stammen. Diejenigen von uns, die auf der Seite der nichtmenschlichen Tiere stehen, sollten ein offenes Denken bewahren und aus dieser Literatur schöpfen, um sie in unsere aktivistische Arbeit einzubeziehen, statt anzunehmen, dass die einzigen Arbeiten, die verwendbar wären, nur diejenigen sind, die explizit nichtmenschliche Tiere benennen oder die aus der Tradition des „menschlichen“ Mainstreams stammen.

Unterdrückung und Geschichte

Palang: Ist das „Problem mit der Menschheit“ eine Konsequenz von Kolonisation, unserer inneren Kolonisation und des weißen Überlegenheitsdenkens? Welche Rolle spielen unterdrückerische Kulturen in der Antike und in der Frühzeit in dem Kontext? In welcher Verbindung steht die weiter zurück datierende Geschichte von Unterdrückung mit dem System weißen Überlegenheitsdenkens, weißer Arroganz und weißer Ignoranz; in anderen Worten können wir unterdrückerische Formen in verschiedenen Kulturen kontextualisieren um verschiedene Mechanismen von Unterdrückung zu verstehen?

Syl: Ist das Problem der Menschheit die Konsequenz von Kolonisation/weißem Überlegenheitsdenken? Ja und nein. Offensichtlich stellte die weiße Kolonisierung nicht den Ausgangspunkt für den Einsatz und den Missbrauch nichtmenschlichen Lebens dar, und auch ist die westliche Kolonisierung nicht für eine besonders ausschließende moralische Auffassung über den Menschen verantwortlich. Jede_r der/die behauptet, dass die westliche Kolonisierung die Unterdrückung von Tieren verursacht hat oder zum ersten Male ein moralisch ausschließendes Denken über ‚den Menschen‘ eingeführt hat, kennt die Geschichte unserer Spezies nicht und sollte sofort aufhören zu reden und sich erstmal ein Geschichtsbuch vornehmen. Er/sie sollte erstmal ein wenig bei Aristoteles nachlesen wenn er/sie mir nicht glaubt … und Aristoteles existierte lange bevor Spanien entschied sein Imperium zu erweitern.

Aber, wie ich es sehe, hat die westliche Kolonisation das Problem der Menschheit determiniert und so auch die Misshandlung nichtmenschlicher Tiere. Wir müssen jetzt ein wenig vorsichtig voranschreiten, da diese Behauptung zu suggerieren scheint, dass ein späteres Ereignis (die westliche Kolonisierung) ein früheres Ereignis (die Unterdrückung nichtmenschlicher Tiere) verursacht hat, was selbstverständlich unmöglich ist. Ich erforsche die Situation der westlichen Kolonisierung nicht um Einstellungen und Handlungsweisen zu erklären und zu interpretieren, die zeitlich vor der westlichen Kolonisierung lagen. Stattdessen möchte ich erklären, dass Einstellungen und Handlungsweisen vor der westlichen Kolonisierung, sich im Zuge der Kolonisation zu drastisch anderen Dingen veränderten, trotz ihrer (oberflächlich betrachteten) identischen Manifestationen.

Eine Verfolgung von Juden und Muslimen fand bereits statt, bevor Kolumbus und seine Leute in Amerika eintrafen. Die folgende Kolonisierung Amerikas, die zu einer epistemologischen Ordnung führte, die die eingeborene Bevölkerung „unter“ dem westlichen europäischen Menschen auf der Skala der Menschseins einordnete, hätte die Verfolgung von Juden und Muslimen nicht verursachen können. Ein späteres Ereignis kann kein früheres verursacht haben. Jedoch die neue epistemologische Ordnung, deren Hauptaufgabe es war, die Menschheit in Ränge einzuteilen, verursachte nun zu determinieren, zu welcher Bedeutung die Verfolgung von Juden und Muslime gelangen würde, und was es bedeuten würde eine Jude oder Moslem zu sein. Das heißt, wie jemand Juden oder Muslime sehen würde, wurde unmittelbar durch das neue Erkenntnissystem, das man in der „neuen Welt“ entwarf, geformt und informiert. Wie ich in meiner Antwort auf Deine erste Frage beantwortet hatte, sah man, nach Angaben von Grosfoguel, die Verfolgung von Juden und Muslimen ursprünglich als eine Frage der Ausübung des falschen Glaubens. Juden und Muslime wurden ermordet, ausgebeutet und aus ihren Heimatländern in fremde Länder vertrieben, wenn sie nicht zum Christentum konvertierten, aufgrund dessen, dass man ihre Religion als Minderwertig erachtete. Doch nach Kolumbus und den Debatten rund im die Menschlichkeit der indigenen Völker, ging es bei den Uneinigkeiten über Religion (oder einer Ermangelung dieser) nicht mehr allein um Theologie. Nun ging es darum, ob du ein „vollständiger“ Mensch bist oder nicht! Natürlich wurden Juden und Muslime immer noch verfolgt, aber nun ging es bei ihrer Verfolgung darum, dass sie Untermenschen aufgrund ihrer Religion seien. Oberflächlich betrachtet sah die Ausbeutung, die Vertreibung und der Mord dieser Gruppen vor und nach der „neuen Welt“ gleich aus. Aber es fanden zwei unterschiedliche Dinge statt. Juden und Muslime waren nun nichtmehr einfach Menschen, die einem falschen Glauben anhingen. Sie waren keine Menschen. Und *das* war nun der Grund für ihre Unterwerfung. Grosfoguel beschreibt diese Ereignisse als einen „Bumerang-Effekt“. Obgleich also diese Geschehnisse, die in der „neuen Welt“ stattfanden, nicht zur Unterdrückung von Juden und Muslimen führten, so bestimmten sie doch, woraus sich deren Unterdrückung zusammensetzen würde und sie determinierten die neue Identität von „Juden“ und „Muslimen“ fortan. Was es hieß ein Jude oder ein Moslem zu sein, würde nach der Eroberung der neuen Welt insgesamt eine ganz andere Geschichte sein.

Und wiederum, indem wie die Geschehnisse in der „neuen Welt“ analysieren, die den Beginn der sozialen Welt die wie geerbt haben darstellen, können wir die Verfolgung von Juden und Muslimen nicht per se, sagen wir des 15. Jahrhunderts, erklären. Das ist ja auch nicht das Ziel der Analyse. Stattdessen hilft uns das Analysieren dieser Geschehnisse, zu erörtern weshalb deren Verfolgung heutzutage sich grundlegend vom 15. Jahrhundert unterscheidet, und somit erhalten wir die Werkzeuge, die wir benötigen, um ihre Verfolgung, den Antisemitismus und Islamophobie generell gesprochen heute zu adressieren. Eine nützliche Unterscheidung ist hier also die der logischen und die der zeitlichen Abfolge oder die der Priorität. Es besteht kein Zweifel darüber, dass die Unterwerfung einer Gruppe von Lebewesen über die Zeit hinweg, durch die Bedingungen von Unterwerfung, wie sie sie in der davor gelegenen Zeitperiode erlitten haben, beeinflusst ist. Aber das heißt nicht, dass die Unterwerfung einer Gruppe von Lebewesen über eine Zeitspanne hinweg, durch die Logik der Unterwerfung, die sie in einer zuvor gelegenen Zeitperiode prägte, beeinflusst ist.

Hiermit ist auch der Hintergrund für meine Position über den schwarzen Veganismus gegeben, der argumentiert, dass nichtmenschliche Tiere rassifiziert werden, und dass wir ihre Unterordnung als ein rassisches Phänomen begreifen sollten. Wie ich bereits sagte, versuche ich hier keine Erklärung über die Gesamtgeschichte menschlicher Misshandlung nichtmenschlicher Tiere anzugeben. Hierin liegt ein entscheidender Unterschied zwischen der Ethik von der ich spreche, zu Sichtweisen, die Dir mit aller Wahrscheinlichkeit geläufiger sind. Meine Position ist recht heterodox und leider häufig Gegenstand von Missinterpretation. Ich negiere nicht, dass es notwendig ist, die Geschichte menschlichen Missbrauchs nichtmenschlicher Tiere zu betrachten, aber um ihre gegenwärtige Lage zu konzeptualisieren und zur Entwicklung eines Leitplans dessen, wie diese prekäre Situation verlassen werden kann, müssen wir die Tatsache anerkennen, dass ihre Gegenwartssituation Teil der Logik der heutigen modernen Welt ist, die der Logik von Rasse folgt. Alles andere käme einer Verunklarung der Sicht auf ihre Lage im Nebel der Geschichte gleich.

Noch einmal: die Logik der heutigen modernen Welt entsteht mit der Debatte über das Menschsein der indigenen Völker Amerikas und sie konkretisiert sich in dem Moment, in dem afrikanische Sklaven mit in der Situation auftauchen. „Rasse“ wurde „epidermalisiert“, wie Franz Fanon es beschreibt, zugleich ist Rasse grundlegend ein global eingeführtes System, das  Grade an Menschlichkeit unterscheidet, und das sich in der institutionellen Beschaffenheit der Welt wiederspiegelt. Es ist nicht wahr, das Rasse und Rassismus immer existiert hätten. Vorurteile aufgrund von Identität gab es immer und eine Diskriminierung auf solch einer Grundlage ebenfalls, aber Rasse ist eine neue Idee. Sie ist ein sehr spezifisches System, das nicht existierte und nicht existieren hätte können, bevor nicht eine kleine Gruppe von Menschen erklärte, dass sie tatsächlich die ganze Welt beherrschen und in der Form ihres Eigenbildes homogenisieren wollten. Und hierin liegt der Schlüssel: Das Rasse-Denken ist die globale Aufoktroyierung einer lokalen Eigenkonzeption, und um in solch einem Ziel erfolgreich sein zu können, muss das Konzept des ‚Menschseins‘ selbst, zu den eigenen Gunsten kolonialisiert werden.

Was geschieht nun wenn eine recht kleine Gruppe von Menschen erklärt, dass allein sie die wahren Menschen („Menschen“) wären? Zur Beantwortung dieser Frage sind einige Arbeiten von Sylvia Wynter sehr hilfreich und ich stütze mich auf ihre Darlegungen, indem ich Gedanken über das Tier hinzufüge. [11] Es müssen analoge Gruppen existieren, die das verkörpern können, was es bedeutet kein Mensch zu sein, damit das Banner „wahrer Menschlichkeit“ zu einer leeren Doktrin geführt werden kann. Jedoch kein Mensch zu sein ist nicht nicht gleichbedeutend mit dem, ein nichtmenschliches Tier zu sein. Das ist so aus zweierlei Gründen. Als erstes können Nichtmenschen nicht das Versagen „Mensch“ zu sein verkörpern, weil sie an aller erster Stelle gar keine Menschen sind. Sie können daher also niemals die wirklichen Anderen sein. Sie können die demonstrative Rolle, die benötigt wird um den Status „des Menschen“ aufzublähen, nicht erfüllen. Nichtmenschen können im Bestfall nur sekundäre Andere sein. [12]

Was aber noch wichtiger ist, nichtmenschliche Tiere können subjektiv keine Ermangelung des Menschseins erfahren, gleich was dies ist. Nichtmenschliche Tiere sind epistemisch resilient und epistemisch uns gegenüber verschlossen, so dass wir ihre subjektiven Perspektiven insofern nicht überschreiben könnten um sie dahingehen zu programmieren, zu erfühlen, wie es sich anfühlt weniger als ein Mensch zu sein. Wynter beschreibt diesen Aspekt in Fanons Werk, dass die subjektive Erfahrung des Schwarzseins, oder die, ein kolonialisierter Mensch zu sein, genau wegen des Selbsthasses und anderer „autophober“ negativer Beschaffenheiten des internalisierten Rassismus, von zentraler Bedeutung sind, um die Erfindung „des Menschen“ am Platze zu halten. „Der Mensch“ existiert nicht allein parasitär auf der Grundlage der Kategorie des anti-Menschen, sondern insbesondre auf der gefühlten Minderwertigkeit des anti-Menschen. [13]

Das Versagen darin Menschsein zu erlangen muss also in einem anderen menschlichen Wesen verortet werden, dem mit aller Wahrscheinlichkeit das fehlt, über das wahre Menschen („Menschen“) verfügen. Und dies ist der zweite entscheidende Punkt, der den schwarzen Veganismus von gängigen Sichtweisen unterscheidet. Nach meiner Sichtweise bezieht sich das Mensch-Tier-Binär oder der Mensch-Tier-Kluft nicht auf faktische menschliche Wesen und faktische nichtmenschliche Tiere. Nach meiner Auffassung bezieht sich das Mensch-Tier-Binär auf „den Menschen“ und „das Tier“, die allerdings keine biologischen Abstraktionen darstellen, die allgemein „alle Menschen“ und korrespondierend „alle nichtmenschlichen Tiere“ repräsentieren. Wir haben es hier stattdessen mit sozialen Kategorien zu tun, die dafür stehen, was es heißt ein wahrer Mensch („Mensch“) zu sein und was es respektive bedeutet das „Gegenteil“ dessen zu sein. Und wiederum ist das Gegenteil eines wahren Menschen („Menschen“) nicht ein nichtmenschliches Tier, sondern es sind andere Menschen, die Figur „des Anti-Menschen“. [14] „Das Tier“ und der Anti-Mensch sollten also als identische Figuren verstanden werden, was uns zur verblüffenden Erkenntnis dessen führt, das nichtmenschliche Tiere so unsichtbar sind, dass sie nicht einmal die Basis dessen bilden, auf der wir die allgemeine Kategorie „des Tieres“ errichten. Die allgemeine Kategorie „des Tieres“ ist ein Akt des „menschlichen“ Verschwindenlassens.

Viele finden meine Sichtweise empörend. Sie gehen von folgendem aus:

  1. Dass ich versuchen würde, Tiere aus dem Geschehen auszublenden, indem es in meinem Binär nur um Menschen ginge.
  2. Dass ganz gleich auf wen sich „der Mensch“ und „das Tier“ in dem Binär bezieht, „der Mensch“ immer die überlegene Kategorie darstellt, und „das Tier“ immer die unterlegene Kategorie, und dass dies mit der menschlichen Tradition von Speziesismus zu tun hat.
  3. Diese radikale Fassung des Mensch-Tier-Binärs scheint nicht auf die echten nichtmenschlichen Tiere anwendbar zu sein. Sollte es bei einem Standpunkt, der eine Art des Veganismus repräsentiert, nicht um die tatsächlichen nichtmenschlichen Tiere gehen?

Alle diese Einwände sind völlig vernünftig und berühren Teile Deiner Fragen und so sollten wir sie auch adressieren. Ich werde dies aber in einer anderen Reihenfolge tun.

Um anzufangen: die rassische Auffassung vom Mensch-Tier-Binär („der Mensch“/“das Tier“ [oder „der Anti-Mensch“]) kann unmittelbar auf nichtmenschliche Tiere bezogen werden. Es ist wichtig, dass wir ihre Situation einfassen in den Begriffen des allgemeinen Projekts „den Menschen“ zu erfinden, so dass wir dadurch feststellen können, wer sie sind und worin ihr Sein vor der „neuen Welt“ besteht. Wie Manche richtig feststellen (und sich äußern wie oben in Punkt 2 beschrieben), wurden die Gestalten ‚des Menschen‘ und ‚des Tieres‘ historisch nicht einfach als sich voneinander unterscheidend, sondern als Gegensätze positioniert. Es ist also naheliegend, dass wenn wir eine Logik generieren, die rekonfiguriert was der Mensch ist (jetzt „der Mensch“), dann müssen wir auch mit der nötigen Rekonfiguration dessen befasst sein, was das Tier ist (jetzt „das Tier/der Anti-Mensch“). Bevor Kolumbus in den Amerikas eintraf, ist es unmöglich gewesen, die Vielfalt sozialer Welten die existierten – in ihren eigenen Begriffen – zusammenzufassen, die nichtmenschliche Tiere (oder immerhin einige nichtmenschliche Tiere) zu ihren Opfern machten. Wir würden viele von ihnen wahrscheinlich überhaupt niemals verstehen, aufgrund der Tatsache, dass wir über keinen internen Zugang zu ihren Sprachen, ihren Arten Dinge zu erfassen, ihren Glaubenssysteme, Kosmologien, usw. verfügen, und wir somit auch ihre Rituale, die nichtmenschliche Tiere sowie andere Menschen beinhalteten, nicht kennen können. Was wir jedoch sicher sagen können, ist, dass Kolumbus und seine Gefolgsleute immerhin aus einer sozialen Welt stammten, in der nichtmenschliche Tiere als moralisch untergeordnet betrachtet wurden, da man glaubte, dass sie keine Seele hätten. Dies wurde immer wieder deutlich kommuniziert, und, die Schlussfolgerung, die in Hinsicht auf die Ähnlichkeit der Ureinwohner mit Tieren gezogen wurde, leitete sich in der Tat von der Annahme ab, dass Tiere keine Seele hätten und somit auch keine Religion praktizieren könnten. Es stimmt, dass in moralischer Hinsicht eine biologische Trennung zwischen Menschen und allen anderen Tieren getroffen wurde, und das nicht nur in Westeuropa. Einige Autoren würde soweit gehen zu sagen, dass das menschliche moralische Leben entstand als Folge der Selbstbetrachtung des Menschen, indem er sich als anders im Vergleich zu allen anderen Tiere empfand und ein spezifisch menschliches Leben kultivierte. Mein ehemaliger Berater Douglas Maclean umreißt solche einen Punkt in seiner Publikation Is „Being Human“ a Moral Concept? obgleich man davon ausgehen könnte, dass sowohl „Mensch“ als auch „Tier“, beide moralische Konzepte darstellen, so wie dies Cora Diamond vorschlägt oder wie vor kurzem beschrieben von Alice Crary in ihrem wunderbaren Buch Inside Ethics [15] (sie alle sind Philosoph_innen). Wie ich bereits zuvor sagte, ich versuche hier nicht zu verneinen, dass nichtmenschliche Tiere durch die Geschichte unserer Spezies hindurch unterdrückt wurden, und dies anscheinend so lange wie unsere Spezies überhaupt existiert hat.

Was zum Kern des Rasse-Denkens geworden ist, das „Mensch“/“Tier“ (bzw. „Anti-Mensch“)-Binär, hat seine Wurzeln also mit Sicherheit in der biologischen Trennung, die wir zwischen uns zu allen anderen Tiere erfahren, und die durch die meisten menschlichen Systeme moralisch interpretiert wurde. Leute haben recht, wenn sie dies hervorheben. Der schwarze Veganismus jedoch geht davon aus, dass das nur die halbe Geschichte ist. Ich glaube, dass eine Feedback-Scheife dazu geführt hat, dass das „Mensch“/“Tier“ („Anti-Mensch“)-Binär genau die Annahmen erweitert hat, durch die es überhaupt ursprünglich zustande gekommen war.

[Grafik: Schwarzer Veganismus: #1 die biologische Mensch-Tier-Spaltung; #2 die soziale Mensch-Tier-Spaltung]

In anderen Worten, wir denken über Lebewesen – viele davon zugehörig zu unserer eigenen Spezies, und über alle Mitglieder anderer Spezies – durch das Konzept „der Tieres/des Anti-Menschen“. Nichtmenschliche Tiere werden nicht mehr einfach unterdrückt, allein weil sie keine Seele hätten. Sie werde stattdessen zu anderen Arten von Wesen und ihre Unterwerfung wird die einer anderer Art, selbst wenn ihre Unterwerfung sich (oberflächlich betrachtet) immer noch in der gleichen Weise manifestiert wie zuvor.

Wir sind insofern auch an eine Art Begrenzung der Erklärbarkeit gelangt, weil wie soll man die Inhalte einen Konzepts beschreiben? Es ist die gleiche Art erklärerischer Begrenzung auf die du stößt, wenn du irgendein anderes moralisch beladenes Konzept versuchst zu beschreiben, so wie „Mutter“ oder „Haustier“. Es wäre vielleicht möglich, aber das Interview ist wohl nicht der Ort, an dem ich es versuchen sollte!

Stattdessen sage ich einfach: die Abwesenheit nichtmenschlicher Tiere in unserem sozialen und moralischen Denken wird viel erklärbarer wenn ich sie durch die Perspektive des schwarzen Veganismus betrachte. Der schwarze Veganismus verdeutlicht das Binär als ein Prinzip, in dem es tatsächlich um Menschen geht, und verdeutlicht die zwei Pole, die die Präsenz des Menschseins (artikuliert durch seine ideale Manifestation, als „den Menschen“) darstellt und die Desintegration und somit die Abwesenheit des Menschseins, des tatsächlichen Zustands des „Anti-Menschseins“ (artikuliert durch „das Tier“). Der Raum des Anti-Menschen ist der Raum, in dem Moralität seine Struktur und seinen Sinn verliert, da kein Wesen mit ihm verhaftet wird. Das Paradox wird somit unvermeidbar: du benötigst Menschen, die keine „Menschen“ sind, damit diese Konzepte ihr moralisches Gewicht erhalten, in der Art wie sie es heute tun. Wir betrachten nichtmenschliche Tiere durch dieses Paradox hindurch – und die Struktur ihres Seins folgt genau dem Muster des Anti-Menschseins. Wenn Du Dir vor Augen hältst was hier wirklich geschieht, so ist dies wirklich beängstigend. Der schwarze Veganismus verdeutlicht, dass die Situation der nichtmenschlichen Tiere in der Tat noch schlimmer ist, als wir vermuteten, zumindest auf der konzeptuellen Ebene. Unser Handeln legt nicht nur die Annahme zugrunde, dass nichtmenschliche Tiere moralisch unwichtig sind, …. wir machen sie unsichtbar, genau in dem Moment, in dem wir sie als Tiere betrachten.

Zuvor immerhin, in der Welt die unsere gegenwärtige Welt informierte – in der Welt des Kolumbus, waren nichtmenschliche Tiere Lebewesen, die über keine Seele verfügten (oder wenn sie Seelen hätten, dann wären diese „minderwertige“, nichtrationale Seelen). Doch das Erscheinen „des Menschen“ verwandelte Tiere von Wesen, die über keine Seele verfügten, zu Wesen die eigentlich nur ein abgeleitetes Gegenteil „des Menschen“ (**) waren. Wir haben es hier also mit einem monumentalen Wandel zu tun. [16] Nichtmenschliche Tiere wurden in ein Setting hinein katapultiert, in dem es alleine darum ging, Behauptungen über die Beschaffenheit des Menschseins anzustellen. [17] Nichtmenschliche Tiere wurden dadurch *humanisiert*. Davor sah man sie als minderwertige aber als grundlegend verschiedenartige Lebewesen. Nun stellten sie eine Grenze auf der Skala von Menschlichkeit dar. Sie musste nun in unserem Spiel mitspielen. Die Feedback-Schleife übernahm die Information der biologischen Spaltung zwischen Menschen und Tieren, in der Art, in der sie unter moralischen Begriffen verortet war, und filtrierte diese Information durch das „Mensch“/“Tier“ („Anti-Mensch“) -Binär, das es in der „Neuen Welt“ schuf, allein um die beklagenswerte Unterlegenheit und Unsichtbarkeit nichtmenschlicher Tiere in neuer und weitaus tragischerer Weise zu bestärken.

Im Bezug also auf die genannten Einwände im Punkt #1 und #3 sage ich nein, ich versuche hier also nicht nichtmenschliche Tiere aus dem Bild herauszunehmen. Im Gegenteil. Außer wir besprechen die ganz praktischen Dinge, können wir nicht über nichtmenschliche Tiere sprechen, wenn wir nicht zugleich auch über Rasse sprechen. Und wir können nicht über Rasse sprechen, wenn wir nicht auch über nichtmenschliche Tiere sprechen. Ich glaube nicht, dass Antirassismus effektiv mobilisiert wird, wenn wir dabei Milliarden von Lebewesen ausklammern, die wir durch ein rassisches Denken hindurch betrachten. Dies zu tun hieße einen beachtlichen Anteil des Narrativs von Rasse zu ignorieren. Das hieße, wir würden Rasse nicht wirklich analysieren. Der Schwarze (Anti-Mensch) ist die Vorlage, über die wir die moderne Auffassung über das Tier denken können. Wenn wir mit Rassismus umgehen wollen und uns von rassischem Denken befreien wollen, was gleichzusetzen ist mit der Aufhebung dieser sozialen Welt, dann müssen wir alle Bereiche betrachten, in denen ein Rasse-Denken vorherrscht und einer dieser Bereiche liegt direkt vor uns auf unseren Tellern.

Hier verdeutlicht sich auch die besondere Zurkenntnisnahme des Mechanismus, der unserer Gesellschaft gestattet, durch die stattfindende Folter und den Mord an den nichtmenschlichen Tieren, die gewöhnlicherweise zur Nahrungsmittelerzeugung verwendet werden, unberührt zu bleiben. Dieser Mechanismus ist möglich durch genau denselben Mechanismus, der uns gleichgültig gegenüber den fortwährenden Angriffen auf schwarzes oder braunes Leben sein lässt. Die Menschen erkennen nicht, dass ihr Mangel an Bereitschaft, sich in Hinsicht auf nichtmenschliche Tiere zu hinterfragen, ein Zeichen des gigantischen Loches ist, welches das Rassedenken in unsere Seelen eingegraben hat. Wir wissen, dass nichtmenschliche Tiere verletzt werden. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, das sie durch dieses Loch hindurch fallen und ihr Schmerz nicht gefühlt wird. Wir sind tatsächlich unberührt.

Der Veganismus soll sich nicht nur mit den tatsächlichen nicht-menschlichen Tieren befassen, sondern er soll sich auch und insbesondere mit dem Narrativ von Tierlichkeit [animality] auseinandersetzen, das verantwortlich für all das Denken, das wir über alles bilden, was wir als Tier auffassen. Seit dem 16. Jahrhundert wurde das Narrativ von Tierlichkeit (oder eher „Tierlichkeit“) direkt als ein analog zum Narrativ vom Menschsein konstruiert – der Inszenierung des westlichen weißen Mannes als idealer Manifestation des menschlichen Wesens. Die Stapel an Literatur, die sich mit der Situation der Tieres befassen und zugleich aber diese offensichtliche Tatsache übersehen, spricht Bände darüber, wie ignorant die meisten Menschen den weitreichenden Auswirkungen von Rasse gegenüberstehen.

Wie auf praktischer Ebene in neuen Räumen zusammengefunden werden kann

Palang: Der Gewinn durch eine Dekonstruktion der Mensch-Tier-Binäre, im Sinne einer das ganze Spektrum abdeckenden Dekolonisierung, ist so grundlegend, dass vollständig neue Einsichten über Tierlichkeit und Menschlichkeit hinsichtlich aller relevanten Variablen und beeinflussenden Faktoren entstehen können. Denkst Du, dass die Gesellschaft bereits imstande ist, Inseln eines neuen Verständnisses von sozialer Gerechtigkeit zu entwickeln, das alles Nichtmenschsein umfasst, im Sinne einer Dekonstruierung kolonialer Ansprüche und Definitionen. Sind wir bereits imstande, Räume als Menschen zu schaffen, in radikal ‚geklärter‘ Art und Weise, in denen wir das Nichtmenschliche anders einbeziehen und es für seine eigenen – die nichtmenschlichen – kulturellen Kontexte schätzen? Ist die Zeit reif um die Mensch-Tier-Antagonismen zu brechen, und wenn nicht, was hindert uns daran, und was könnte dazu beitragen, die dominanten toxischen Einflüsse von Kolonisation und anderen blockierenden unterdrückerischen Faktoren zu enthebeln?

Syl: Ich denke Teile meiner anderen Antworten beziehen sich auch auf diese Frage. Schwarzer Veganismus ist eine posthumanistische Theorie. In Anlehnung an die Wissenschaftlerin Zakiyyah Iman Jackson, identifiziere ich eine bestimmte Vorstellung des vom Menschen als die schuldige in der Geschichte, nicht aber das Konzept des Menschseins an sich. [18] Wenn irgendetwas, dann hoffe ich das Menschsein zu rehabilitieren, indem ich es von dem Narrativ „des Menschen“ befreie. Daraus folgt auch, dass meine Diagnose der Lage nichtmenschlicher Tiere um 180 Grad anders liegt, als die Diagnosen die wir normalerweise hören. Die gewöhnliche Diagnose lautet, dass wir uns selbst mythologisiert haben auf Grundlage unserer Spezieszugehörigkeit. Diese Mythologisierung ist den „Fakten“ in den Weg geraten, was so viel heißt wie, wir sind alle Tiere und wir sind in keiner Weise etwas Besonderes. Die Neigung besteht also, dass eine Dekonstruktion des Mensch/Tier-Binäres eine Herabsetzung der Menschen zugunsten einer Erhöhung der Tiere bedeuten muss. Das ist weshalb Peter Singer von der „Entheiligung“ des Menschen spricht. Viel davon speist sich natürlich aus einem Hang zu den naturwissenschaftlichen Standpunkten. Wenn du dir die Naturwissenschaften anschaust, dann wird klar, dass Menschen über nichts verfügen, über was nicht immerhin eine andere nichtmenschliche Spezies auch verfügt.

Doch wie ich in meinem Kapitel über „Revaluing the Human as a Way to Revalue the Animal” [‚Eine Neubewertung des Menschen, um zu einer Neubewertung des Tieres zu gelangen‘] erkläre, bin ich von dieser Denkweise nicht wirklich überzeugt. Wenn der Mensch (als biologische Kategorie betrachtet) moralisch gewichtet wurde um das Tier (wiederum die biologisch Kategorie) zu benachteiligen, dann ist die Herabsetzung des Menschen zum Zwecke einer Erhöhung des Tiere nicht das passende Korrektiv. Denn das wäre immer noch binäres Denken, außer dass du das Gewicht auf beiden Seiten angepasst hast. Eine Dekonstruktion des Binäres müsste mehr beinhalten als eine Verlagerung der Gewichte. Eine Dekonstruktion erfordert eine Disambiguierung der moralischen Konnotation des einen Begriffes von dem anderen. Vielleicht meinen sie, sie wollten das Gewicht auf unsere geteilte tierische „Natur“ lenken, wobei ich mir niemals sicher bin, was damit genau gemeint ist.

Es geht weiter. Theoretisch gesprochen könnte man, wenn man das Binär wirklich dekonstruiert, immer noch eine moralisch bedeutsame Auffassung vom Menschen haben … man würde einfach nicht die Tiere dafür benötigen, um dieser Auffassung ihr Gewicht zu verleihen! Familienmitglieder funktionieren in dieser Art und Weise. Ich würde Dinge für meine Schwester machen, die ich für meinen Nachbarn nicht tun würden, aber das bedeutet nicht, dass meine Schwester irgendwelche Fähigkeiten besitzt oder über irgendwelche Eigenschaften verfügt, auf die ich hier reagiere, die mein Nachbar nicht hätte. Allein dass ich sie als meine „Schwester“ auffasse, verleiht ihren Interessen ein moralisches Gewicht. Das heißt, einfach zu sagen sie ist meine Schwester, führt diesen Zustand für mich herbei. Ich muss das nicht weiter erklären und jede_r versteht es. Das heißt aber nicht, dass ich mit meinem Nachbarn machen kann was ich will. Ich habe ihm/ihr gegenüber immer noch ebenso moralische Verpflichtungen gegenüber, nur einer anderen Art. Dies ist ein einfaches Beispiel einer moralisch beladenen Auffassung die vertretbar ist, da sie nicht innerhalb eines Binärs besteht. Wenn sie innerhalb eines Binärs bestehen würde, hieße das, dass die Privilegierung meiner Schwester zu Lasten jedes Individuums käme, das nicht meine Schwester ist (oder aber, was auch immer als das „Gegenteil“ meiner Schwester konstruiert wäre).

Dieses Beispiel verdeutlich eine Unterbrechung in genau der Art und Weise, wie die Mainstream-Tierverteidiger_innen die Kategorie von Spezies begreifen, und der Art wie ich diese Kategorie sehe und wie sie auch in der von mir bevorzugten dekolonialen Literatur beschrieben wird. Mainstream Tierverteidiger_innen ziehen eine Parallele zwischen Spezies und Kategorien wie Rasse und Sex, während hingegen die dekolonialen Denker_innen, auf die ich mich beziehe, die Kategorie von Spezies als eine Kategorie von Familie darstellen. Die ersteren denken, dass eine Parallele zwischen all den Fällen besteht, da sie sagen, dass hier identische Mechanismen am Werke sind. Nämlich, eine moralisch beliebig gewählte Eigenschaft wird dazu bestimmt, eine moralische Relevanz zu besitzen: Rasse, Geschlecht und Spezies, respektive. Diese Parallele funktioniert für viele dekoloniale Denker_innen einer bestimmten Richtung nicht (geschweige denn für die meisten gewöhnlichen Leute!). Was für diese Denker_innen das Schlimme an Rassismus und Sexismus ist, ist dass die Mitglieder der Gemeinschaft nicht als Mitglieder der Gemeinschaft betrachtet werden, wobei die Gemeinschaft die Menschheit ist. Und dies ist allein so, da hier die Kategorie „Mensch“ als ein Begriff von Familie gedacht wird, und so moralisch beladen ist, dass wir dadurch sagen können, weshalb Rassismus und Sexismus etwas Schlechtes sind. Die Gewichtung des Menschseins wird nicht durch das Nachzeichnen einer Eigenschaft oder Fähigkeit, die allein Menschen zuzuschreiben wären, abgeleistet. Es ist nichts, das in den Naturwissenschaften beheimatet wäre. Das Gewicht rührt stattdessen von einem sozialen Aspekt des Realität, der eine Funktion unserer subjektiven Eigenerfahrung damit darstellt, dass wir als eine bestimmte Spezies existieren.

In einem Essay an dem ich seit den letzten zwei Jahren arbeite, spreche ich über diesen Unterschied in Hinsicht auf „Spezies-Objektivismus“ und „Spezies-Subjektivismus“. (Der schwarze Veganismus läuft unter dem spezies-subjektivistischen Label. Ich untersuche ihn als einen „Subspezies Subjektivismus“.) Beide Perspektiven stellen Annahmen über die objektive Welt dar und beide Annahmen beziehen sich auf die Seite der nichtmenschlichen Tiere, doch von verschiedenen Blickwinkeln. Spezies-Objektivist_innen beschreiben das Menschsein, indem sie die Menschen von außen betrachten. Aus dieser Perspektive betrachtet, existiert kein moralisch relevanter Unterschied zwischen uns und beispielweise Fledermäusen. Die Anführung dieser Kategorie ist das Gleiche, wie die Anführung einer Kategorie wie Rasse oder Geschlecht. Um ein alltägliches Beispiel zu gebrauchen, würde diese Methodologie einfach besagen, dass der Mann, den ich meinen „Vater“ nenne schlichtweg ein Mann unter Milliarden ist, und dass an ihm, von einer Außenperspektive her gesehen, nichts wirklich besonderes ist. Oder ein anderes hilfreiches Beispiel wäre, das „Lebendigsein“ einfach als eine feststellende Aussage über die Atmung, einen Herzschlag zu haben und so weiter, zu betrachten.

Spezies-Subjektivist_innen hingegen beschreiben einen Menschen aus der Eigenperspektive des Menschen. Von diesem Blickwinkel aus betrachtet, unterscheidet sich der Mensch definitiv von der Fledermaus, allein aufgrund der Tatsache, dass er ein Mensch ist und keine Fledermaus. Während es wahr ist, dass mein Vater einer von Milliarden ist, empfinde ich ihm gegenüber anders als im Bezug auf Milliarden andere Männer. …weil er mein Vater ist. Es ist nicht weil ich denke, dass an ihm etwas anders wäre. Und es wäre albern, wenn mich jemand versuchte davon zu überzeugen, dass mein Gefühl im Bezug auf ihn falsch wäre, auf der Grundlage dessen, dass er im Vergleich zu Milliarden anderen Männern auf dieser Welt nichts besonderes ist. Oder, um ein anderes sinnvolles Beispiel anzuführen: „lebendig zu sein“ ist nicht einfach bloß eine Aussage über den Akt des Atmens, darüber ein schlagendes Herz zu haben und so weiter, sondern darüber, eine bestimmte Begeisterung im Leben zu empfinden oder mit Schwung zu leben. (Man könnte also „leben“ aber nicht wirklich lebendig sein.)

Spezies-Objektivismus und Spezies-Subjektivismus unterscheiden sich im Grad der Distanz: die eine Position spricht über eine Welt die weit entfernt liegt, und die andere von eine lokal gelegenen Welt. Da wir zumeist nach Antworten schauen, wie wir unser nahegelegenes Leben meistern können, können wir die spezies-subjektivistische Perspektive nicht als „speziesistisch“ verwerfen, noch sollten wir sie als eine die-Welt-erklärende-Sicht abtun. Es wäre als würde man ein Foto der Erde, das aus der Voyager heraus aufgenommen wurde, verwenden, um eine Busroute zu seinem neuen Job zu finden. Die Voyager wurde nicht entworfen um uns Informationen darüber zu liefern, wie man am besten durch die Innenstadt kommt. Wenn du durch die Innenstadt fahren willst, benötigst du Google Maps stattdessen. Während es nützlich ist, die Perspektive des „blassen blauen Punktes“ der Erde zu haben, wie Carl Sagan das wunderschön formulierte, dürfen wir nicht vergessen, dass wir nicht im Universum herumtreiben und die Welt in dieser Art und Weise verstehen. Unsere Füße sind fest auf der Erde verwurzelt.

Wenn eine Darlegung nicht erkennt, dass die Kategorie der Mitgliedschaft zu einer Spezies auch als ein lokaler, familiärer Begriff funktionieren kann, dann kann solch eine Darlegung keine hinreichende und definitiv keine sehr überzeugende sein. Ich betone den Unterschied zwischen „Mensch/menschlichem Wesen“ und „den Menschen“ im schwarzen Veganismus um diesen dualen Aspekt hervorzuheben. Wir wissen, dass „der Mensch“ eine schlechte Idee ist, den er löscht den Aspekt des Menschseins aus, der ein großes Potential hätte eine positiv bindende Rolle zu spielen. Wir sollten „den Menschen“ aufgegeben, und ich bin in diesem Punkte mit Wynter einig, dass wenn solch eine Meistertat erlangt wäre, wir uns am Horizont eines neuen Modus menschlicher Existenz befinden würden, einer, die nicht eines „Anderen“ bedürfen würde. [19] [20]

Ich glaube nicht, dass Menschen, die aufgrund ihres Menschseins zusammenkommen, in einem Spannungsverhältnis zur Tierbefreiung stehen. Ich denke, dass beide Projekte zusammen laufen. Es tut mir also leid sagen zu müssen, dass ich in dem Punkt nicht mit den Mainstream-Tierbefreier_innen übereinstimme, wie eine Dekonstruktion des Antagonismus zwischen Mitgliedern des Binärs (wie Du das gut bezeichnet hast) aussehen würde, immerhin nicht im Punkte der Logik dessen. Sie arbeiten mit einer tatsächlich anderen Sichtweise auf das moralische Leben insgesamt, eines, das ich als etwas verarmt empfinde. Ich denke wir werden immer eine soziale Auffassung darüber haben, was es bedeutet ein Mensch zu sein, neben der bloßen empirischen Auffassung. Ich glaube die soziale Auffassung dessen ein Mensch zu sein, gleicht einem indexikalischen Zeichen, einer Gruppenbezeichnung eines Namens. Indexikalische Zeichen sind unserer Psychologie ureigen und ich sehe kein in ihnen liegendes oder auf ihnen heraus resultierendes Problem. Wir werden immer eine soziale Auffassung über das Menschsein in moralischer Hinsicht haben können, was aber nicht bedeutet, dass hier ein Mensch-Tier-Binär vorliegen muss, auch bedeutet es nicht, dass wird objektiv betrachtet moralisch bedeutsamer wären. Verschiedene Denker_innen habe die Denkrichtungen in der Tierbefreiung dominiert, und es sind ihre Theorien, durch die wir uns hier in unnötigen Knoten verwirren. Wie der Philosoph Bernard Williams sagte, ist es eines zu behaupten, dass Menschen für das Universum wichtig seien, aber es ist eine andere Sache einfach zu sagen, das Menschen im Bezug aufeinander wichtig sind. [21] Ich frage mich weshalb so wenig Menschen diese Wahrnehmung zulassen.

Jedoch all das steht der Möglichkeit der sofortigen Veränderung auf der praktischen Ebene nicht im Wege, über die wir uns alle, die wir auf der Seite der nichtmenschliche Tiere stehen, einig sein können, selbst wenn wir uns nicht über die dahinter stehende Logik einig sind. Eine_r meiner Freund_innen der/die Stadtplanung studiert macht eine interessante Arbeit, bei der sie sich damit befasst, die Bedürfnisse verschiedener Tiere, die allesamt in der Gemeinde und den benachbarten Gemeinden leben, zu berücksichtigen. Die unabhängige Wissenschaftlerin Sue Donaldson und der Philosoph Will Kymlicka haben vor einigen Jahren das Buch Zoopolis: Eine politische Theorie der Tierrechte veröffentlicht, in dem sie verschiedene Arten von Tieren, die in unterschiedlichen Beziehungen zu uns stehen, betrachten, und diskutieren welche Tiere sich in gerechtfertigter Weise als Bürger_innen qualifizieren könnten, usw. Das Buch ist sehr schön verfasst, kreativ und respektvoll gegenüber all den Myriaden an Unterschieden zwischen uns und verschiedenen Arten von Tieren, ihren Bedürfnissen und ihren potenziellen Beiträgen [zur Gesellschaft, usw.]. Im Bereich des Rechts haben wir hier in den Vereinigten Staaten das Nonhuman Rights Project, das sich aus einer Gruppe engagierter Juristen zusammensetzt, die praktisch die Auffassung von Personenschaft wie sie in der Rechtgebäuden operiert, hinterfragen. Sie haben soweit im Sinne von Schimpansen, Delphinen und Elefanten prozessiert. Was allgemeine Veränderungen in der Lebensweise anbetrifft, so kenne ich viele Leute, die verschiedene Arten von Tieren in ihren Häusern/Wohnungen und Gärten aufgenommen haben um Mikroschutzrefugien [Microsanctuaries] zu schaffen, wie der Aktivist und Autor Justin van Kleeck diese Orte bezeichnet. [22] Das spannendste, dem ich begegnet bin, ist eine Arbeit der Medienwissenschaftlerin Anat Pick, die sich im „veganen Kino“ betätigt. [23] Beim veganen Kino geht es nicht, wie man vielleicht denken möge, um Überzeugungsarbeit um Leute zum Veganwerden zu bewegen. Nein, Pick zeigt den zugrunde liegenden Ethos von Gewalt und Konsum auf, der im Blick des Publikums auf einen Film generell liegt. Sie tritt an den Gedanken des Veganismus aus einer wirklich interessanten, abstrakten Perspektive heran. Du erwähntest in einer Frage, die in diesem Interview nicht aufgeführt ist, den Mangel an guten Arbeiten im Bereich Speziesismus in den Medien. Pick ist eine Person, die eine definitiv interessante Arbeit in diesem Felde leistet. Sie hinterfragt, was es heißt mit nichtmenschlichen Tieren zusammenzuleben (mit nichtmenschlichem Leben generell), betrachtet genau vom Punkte des Blickes aus. All dies sind gute Beispiele für die Art und Weisen in denen wir langsam voranstoßen können, um das Leben mit nichtmenschlichen Tieren in einer nicht-ausbeuterischen und gegenseitig vorteilhaften Weise realisierbar zu machen.

Ich bin mir jedoch nicht sicher, was ich über die schwierigen Fälle sagen soll, in denen wir es mit nichtmenschlichen Tieren, mit denen es schwierig oder gar unmöglich ist zu leben, zu tun haben. Der Fall von Schadnagern verwirrt mich besonders. Die Philosophin Elizabeth Anderson, die sich für einen ethischen Pluralismus ausspricht, wenn es um unterschiedliche Arten von Tieren geht, so wie Donaldsons und Kymlickas politischer Pluralismus, erklärt, dass die Tiere, mit denen wir uns irgendeine Art des Lebens vorstellen können, sowohl als nahe also auch als ferne Nachbarn, ein größeres Gewicht an moralischer Berücksichtigung verdienen, als diejenigen, mit denen wir uns nicht vorstellen können zu leben. [24] Schadnager wären solch ein Beispiel. Lindgren (Johnson), eine der Autorinnen, die ich bereits vorher erwähnte habe, äußerte mir gegenüber kürzlich, dass man für einige Schadnager eine Geburtenkontrolle entwickelt habe, um ihre Populationen in befallenen Gegenden zu verringern. Das ist offensichtlich eine mitfühlsamere Methode mit solch einem Befall umzugehen, sie wirft aber nichtsdestotrotz ein moralisches Dilemma auf. Ich sympathisiere also mit Andersons Argument, dass zwischen Kategorien wie Rasse/Geschlecht und Spezies keine Parallele gezogen werden sollte, da Rasse/Geschlecht Unterschiede kreieren wo keine sind (wir könnten theoretisch alle lernen miteinander in Frieden zu leben), während die Spezieszugehörigkeit einen echten Unterschied nachzeichnet (es ist unwahrscheinlich, dass wir mit jeder anderen Spezies, selbst als ferne Nachbarn, zusammenleben können).

Mit Asterisk gekennzeichneter Inhalt:

[*] Ich würde diesen Rat nicht geben, wenn jemand in eine fremde soziale Welt eintritt. Denn das ist ein anderer Fall. Ich gebe der Rat aber in dem Fall, in dem du in deiner eigenen Welt lebst und deine Sichtweise übersehen oder als minderwertig betrachtet wird aufgrund deiner sozialen Verortung in dieser Welt. Wenn man die Realität sozialer Persönlichkeit  beleuchtet, sollte macht dabei achtsam sein, nicht nur die externen/institutionellen/strukturellen Arten zu betrachten, in denen jemand positioniert ist, sondern auch die subjektive Erfahrung dessen, was es bedeutet in einer bestimmten Art positioniert zu sein.

[**] Man sollte darauf achten, den Prozess, durch den alle nichtmenschliche Tiere verändert betrachtet wurden, nicht mit der Veränderung der spezifischen Rolle, die den Menschenaffen zugesprochen wird, zu verwechseln. Im Mittelalter begann man Affen als Abbild des degenerierten Menschen zu sehen, besonders aufgrund irgendwelcher begangenen Sünden für die jemand bestraft werden müsse (siehe das berühmte Werk De Mundi Universtitate des Philosophen und Dichters Bernardus Silvestris aus dem 12. Jahrhundert). Der Affe spielte bereits die Rolle, die er später in der postdarwinistischen sozialen Vorstellungswelt spielen würde, nur nicht in naturwissenschaftlichen sondern auch in theologischen Begriffen. Sylvia Wynter bespricht die Ikonografie des Affen-als-degenerierten-Menschen in “Unsettling the Coloniality of Being/Power/Truth/Freedom: Towards the Human, After Man, It’s Overrepresenation–An Argument” CR: The New Centennial Review, Volume 3, Number 3, Fall 2003, S. 257-337, das an dieser Stelle eingesehen werden kann: https://law.unimelb.edu.au/__data/assets/pdf_file/0010/2432989/Wynter-2003-Unsettling-the-Coloniality-of-Being.pdf [Stand 24.04.2019]. Die Rolle des Affen ist ein sehr frühes Beispiel der Humanisierung eines bestimmten nichtmenschlichen Tieres. Es sollte beachtet werden, dass ich mich eher auf die Humanisierung nichtmenschlicher Tiere auf Ebene des grundlegenden Konzeptes des ‚Tieres‘ beziehe.

Endnoten:

[1] Siehe Aphs Kapitel “Why Animal Liberation Requires an Epistemological Revolution” und “Creating New Conceptual Architecture: On Afrofuturism, Animality, and Unlearning/Rewriting Ourselves” in Aphro-ism im Bezug auf Aphs eigene Gedanken über das Thema.

[2] Wer seine Meditationen bislang nicht gelesen hat, dem empfehle ich dies dringend zu tun, nun wo ihr wisst um was es ihm ging. Es ist eines meiner Lieblingsbücher.

[3] Ich vereinfache hier, aber an dieser Stelle sollte dies genügen.

[4] Veröffentlicht in Human Architecture: Journal of the Sociology of Self- Knowledge: Vol. 11: Iss.1, Article 8.

[5] Man halte einen Moment lang inne und denke darüber nach. Was für eine Denkweise muss jemand haben, um solch eine Schlussfolgerung zu ziehen, bevor er überhaupt jegliche Interaktion mit dieser Bevölkerung gehabt hat, und zudem ohne die geringsten Hemmungen anzunehmen, dass diesen Land (und seine Bevölkerung) nun zur eigenen freien Verfügung stünde! In dem Kapitel seines berühmten Werkes Sapiens: A Brief History of Mankind schildert der Historiker Noah Yuval Harari die Erkundungsreisen des Admirals Zheng He aus der chinesischen Ming Dynastie, die er im Jahr 1405 antrat und etwa dreißig Jahre später beendete. Eine einzige Armada beförderte in der Tat um die dreißigtausend Leute. Zheng He jedoch besuchte schlichtweg verschiedene Länder, er wollte diese nicht „erobern“. Harari bemerkt, dass die Römer und Perser ebenso die über die technologischen Möglichkeiten verfügt hatten, andere Länder zu erobern, es aber nicht taten. Es lohnt sich ihn an dieser Stelle im vollen Wortlaut zu zitieren: „Daran war nichts besonderes. Das Merkwürdige ist gewesen, dass die frühen modernen Europäer das Fieber befiel, in ferne völlig unbekannte Länder fahren zu müssen, in denen ihnen gänzlich fremde Kulturen begegnen würden, und dass sie dort einen Fuß an Land setzten und umgehend behaupteten: ‚Ich beanspruche diese Territorien für meinen König!‘“ Siehe Seite 291. Ich bin dem Philosophen Martin Gibert zu dank verpflichtet, dass er mich so enthusiastisch dazu ermutigte dieses Buch zu lesen. Siehe auch sein Interview mit dem Autor: https://lamorce.co/dou-vient-la-domination-humaine-entretien-avec-yuval-noah-harari/ [Stand 25.04.2019].

Und: die Ermangelung von jeglichem, das einer Religion ähneln könnte seitens einer Gruppe von Menschen, ist im Prinzip keine. Es kann einfach bedeuten, dass sie über etwas anderes verfügen, das die eigene Welt nicht aufweist. Walter Mignolo bespricht diese philosophische Frage in seinem Kapitel „Philosophy and the Colonial Difference“ in Latin American Philosophy: Currents, issues, Debates, Hg. Mendieta, Eduardo (2003).

[6] Damit soll nicht gesagt sein, dass die christliche Missionsarbeit selbst progressiv sei. Ich kommentiere nur die Denkart von Kolumbus im Vergleich zu seinen Zeitgenossen bezüglich dessen, wie die Vereinigung der Welt hätte aussehen können: „Ich – damit wir eine tiefe Freundschaft aufbauen können, denn ich wusste, dass sie ein Volk waren die durch Liebe viel einfacher befreit und von unserem heiligen Glauben überzeugt werden könnten, als durch Gewalt – ich gab ihnen rote Kappen und Glasperlen, die sie um den Hals tragen konnten und viel anderes von geringem Wert, was ihnen große Freude bereitete und sie so sehr zu unseren Freunden machte, dass es erstaunlich war. [110] und „Sie kennen keine Religion und ich glaube man kann sie sehr einfach zum Christentum konvertieren, denn sie sind sehr intelligent gewesen.“ [119] Siehe Journal of the First Voyage of Columbus in der Wisconsin Historical Society Digital Library and Archives http://www.americanjourneys.org/pdf/AJ-062.pdf [Stand 25.04.2019]. Die gleichzeitige Gegenwart von Schönheit und Schrecken bei diesen ersten Interaktionen zwischen Columbus‘ Gruppe und der eingeborenen Bevölkerung kann kaum verneint werden, wenn man such Auszüge aus seinem Bericht durchliest.

[7] Siehe ihr Kapitel „What does it mean to be Human?” in Sylvia Wynter: On Being Human as Praxis. Hg. Katherine McKittrick. Duke University Press (2015).

[8] Es gibt viele interessante Dinge, die man an dieser Stelle über wesentliche Unterschiede zwischen der Unterwerfung von Menschen und der Unterwerfung nichtmenschlicher Tiere sagen könnte. Meine gute Freundin, die finnische Künstlerin Terike Haapoja, die zusammen mit Laura Gustafsson verantwortlich ist für The Museum of Nonhumanity [ http://www.museumofnonhumanity.org/ Stand 25.04.2019], bemerkte, dass der Widerstand nichtmenschlicher Tiere gegenüber der Unterdrückung durch Menschen, immer stärker sein wird als unsere eigene gegenseitige Unterdrückung, genau aufgrund unserer Unfähigkeit vollständig zu kontrollieren wie sie die Welt betrachten, sich selbst und wie sie uns sehen. Das heißt sie verfügen über eine epistemische Resilienz.

[9] Als der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, Latinos als „Tiere“ bezeichnete, war er keine guter Biologe, sondern er machte eine sozialrelavante Behauptung.

[10] Siehe beispielsweise Lindgren Johnsons Race Matters, Animal Matters: Fugitive Humanism in African America (1840-1930) Routledge (2017). Lindgren und ich sehen ihren Text als auf der Linie des schwarzen Veganismus liegend.

[11] Siehe Wynters Artikel „Towards the Sociogenic Principle: Fanon, The Puzzle of Conscious Experience, of ‘Identity’ and What it’s Like to be ‘Black’” für ihre Diskussion über menschliche Andere: http://coribe.org/PDF/wynter_socio.pdf [Stand 25.03.2019]. Das ist unter anderem auch der beste Artikel, den ich in den letzten zehn Jahren gelesen habe. Ich glaube es ist auch der Artikel, den man lesen muss um Wynters Arbeiten kennenzulernen, denn sie erklärt hier warum Fanon so wichtig ist, und ihre Begeisterung über Fanon und das schwierige Problem des Bewusstseins zu verstehen, versetzt ihre Arbeit, das Gesamtbild dessen, in Perspektive.

[12] Manchmal machen People of Color den Witz, dass es wahrscheinlicher ist, dass nichtmenschliche Tiere moralisch anerkannt werden, bevor sie es werden. Ich glaube nicht, dass das stimmt, doch von einem theoretischen Standpunkt aus gesehen ist es wahr, dass „der Mensch“ die nichtmenschlichen Tiere nicht braucht um das Andere zu konstituieren – er benötigt dazu nur andere Menschen.

[13] Ich borge die Terminologie des „Anti-Menschen“ von der afropessimistischen Tradition, obgleich ich nicht behaupten würde diese Tradition zu repräsentieren.

[14] Eine alternative Sichtweise bietet Claire Jean Kim, die stattdessen davon ausgeht, dass wir den Menschen, das Tier und Schwarzsein als eine Triade eher statt als einem Binär sehen sollten. Ich stimme dem nicht zu, denn ich denke, dass die Herangehensweise der-gesamten-Tradition-des-Einsatzes-von-Tieren mit der Herangehensweise der heutigen-neuen-Welt dadurch zusammengepackt wird, und dass durch die Auflistung von beidem, des Tieres und des Schwarzen, die Redundanz dessen übersehen wird. In anderer Hinsicht entspringt unsere Arbeit aber den gleichen Geiste. Siehe ihren Artikel „Murder and Mattering in Harambe’s House“ in Politics and Animals, Vol.3 (2017).

[15] Siehe Macleans Artikel in Philosophy and Public Policy Quarterly 30 (3/4):16-20 (2010); für Diamond, siehe “Eating Meat and Eating People.” Philosophy, Vol. 53, No. 206 (Oct., 1978), pp. 465-479.; für Crary, siehe Inside Ethics, Harvard University Press (2016).

[16] Wie Mark S. Roberts bemerkt „[ist] das Tiere direkt im Menschen platziert.“ Siehe The Mark of the Beast: Animality and Human Oppression (New Directions in the Human-Animal Bond), Purdie University Press (2008): 20.

[17] Die Evolutionstheorie war bei diesem wesentlichen taxonomischen Wechsel unverzichtbar. Sie war für den Wechsel nicht verantwortlich, jedoch die vorherrschenden Sozialdynamiken stellten sicher, dass sobald Darwin einen überzeugenden Beweis für die Aufhebung eines Unterschiedes zwischen Mensch und Tier liefern würde, die Tiere im Bezug auf Attribute des Menschen eine Rolle spielen würde.

[18] Siehe ihre Veröffentlichung “Animal:  New Directions in the Theorization of Race and Posthumanism”, Feminist Studies 39, no.3 (2013).

[19] Einige unserer Leser_innen meinten, dies würde bedeuten, dass wir uns selbst überhaupt nicht mehr als Menschen bezeichnen sollten. Das denke ich aber überhaupt nicht. Ich finde nur wir sollten aber weder danach streben oder noch von uns selbst als „den Menschen“ denken.

[20] Die Geschichte ist komplizierter als ich sie schildere. Was uns gestattet aus der Schleife eines weiteren, aber gleichermaßen schadvollen „Menschseins“, das sich auf einem Anderen begründet, zu entkommen, ist die Vertrautheit mit dem Gesetz, das unser Bewusstsein steuert, von dem Wynter ausgeht, dass es das soziogenetische Prinzip sei – ihre Interpretation von Fanons Vorstellung von Soziogenität. Sie beschreibt, dass unsere Entdeckung dessen, woraus dieses Gesetz besteht, uns die Kraft gibt es in unserem Sinne zu nutzen, so etwa wie die Entdeckung physikalischer Gesetze. Siehe den Artikel von Wynter, den ich zuvor angeführt habe. Ich werde dieses Thema in dem Interview nicht weiter besprechen, das soziogenetische Prinzip bildet jedoch den Mittelpunkt des Essays, das ich zur Zeit verfasse.

[21] Siehe sein Kapitel “Theory and Prejudice” in Ethics and the Limits of Philosophy. Harvard University Press (1985): 118.

[22] Siehe seinen Text “Microsanctuaries: A Micro-Manifesto”: https://strivingwithsystems.com/2016/08/06/microsanctuaries-a-micro-manifesto/ (Stand 25.04.2019).

[23] ‘Vegan Cinema’, Thinking Veganism in Literature and Culture, ed. by Emelia Quinn and Benjamin Westwood. Oxford: Palgrave, 2018, S. 125-146. Ich danke Lindgren dafür, mich auf Picks Arbeiten vor kurzem aufmerksam gemacht zu haben.

[24] Siehe “Animal Rights and the Values of Nonhuman Life” in C. Sunstein & M. Nussbaum (Eds.), Animal Rights. Oxford: Oxford University Press. (2004a).

Kontakt

Syl Ko kann kontaktiert warden unter ‘sylko [at] protonmail [dot] com’.

Tierautonomie

Herausgeber_in: Gita Yegane Arani, www.simorgh.de – ‚Open Access in der Tier-, Menschen und Erdbefreiung’. Revised 05/2019.

Zitation

Ein Interview mit Syl Ko (2019). TIERAUTONOMIE, 6(2), http://simorgh.de/tierautonomie/JG6_2019_2.pdf.

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

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An Interview with Syl Ko

kts8

Jahrgang 6, Nr. 1, Art. 1, ISSN 2363-6513, Februar 2019

An Interview with Syl Ko

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Activism in terms of an epistemological revolution

Palang: You have phrased and drafted a comprehensive philosophical and sociological approach to crucial questions of nonhuman animal and human oppression and the oppression of the natural in Aphro-ism. The fundamental approach supports an, as you call it epistemological revolution. How do you think can each one of us bring ourselves into action and discourse an become visible in context with newer approaches that seem to not be fitting the predominant patterns of the discussions so far? Not everyone feels able to write what she/he thinks and yet the individuals have awesome critical and constructive approaches, in other words I feel people who would endorse a fundamental revolution stay invisible particularly in terms of Animal Liberation (in context with the human and nature complex) since the majority the AR/AL movement still hold up the humanity-animality-binary view by not (yet) making the very epistemological ethical leaps or moves that are necessary. How could we tackle invisibility in these mainstreams or how could we become more distinct, in other words which approaches in activism do you think seem helpful to go the path of an EPISTEMOLOGICAL REVOLUTION?

Syl: Thank you, palang, for your incredible and insightful questions. The reader should be aware that you and I are corresponding in two different languages so there may be a few minor translation errors. I haven’t noticed any that disrupt the core content of our conversation. Also,  I should mention from the start that I’ll address each of your questions on my own behalf as I cannot speak for Aph. (1)  As you can see in Aphro-ism, we don’t agree on a few points, so my words here should be taken to represent only my own views on these matters. With that being said, let’s talk a little about the epistemological revolution.  Epistemology is a word not used in ordinary talk, so I’d like to take a step back and briefly fill out the picture a bit.

Everyone has some familiarity with epistemology even if you’ve never heard or used that word before.  For instance, everyone has wondered at some point:  how do I really know if I’m not dreaming right now?  Is there some infallible test that would tell me whether I am awake or dreaming?  That is one of the most famous and enduring epistemological questions ever asked, most famously by the philosopher Rene Descartes. Descartes did not pose this question as an empty exercise in mental flexing. Rather, he was trying to save science! In his time, the prevailing scientific view was that of the Scholastics, a school of thinkers influenced by Aristotelian thinking. Very crudely put, the Scholastics believed that explaining the behavior of physical phenomena, such as an apple falling to the ground, involved something more than what we now call physical laws. They thought the apple possessed its own soul-like substance that “willed” the apple to the ground.

Descartes was rightly concerned about such claims. He believed it was silly to think the apple moves toward the ground due to its having a willing soul and, more importantly, was concerned that such a claim was grounded in speculation as opposed to something that is true and justifiable. The kind of claims the Scholastics were making were not certain, and uncertain claims make for a bad science. (By the way, the word ‘science’ comes from the Latin ‘scientia,’ which means an indubitable truth. The natural sciences and philosophy emerged as one project.) We don’t want to build scientific laws on shaky foundations for the same reason we don’t want to build our homes on sand. So, Descartes set out to determine whether there was anything one could really ever know and start from there. If we can find at least one thing for which we can say we have true and justified belief, we can use that case to determine what are the criteria for having true and justified beliefs – knowledge- in general. And that is why he started with questioning the very foundational claim we take for granted every day that is the assumption that ordinary, perceptual experience is real! (2)

For another easy example of our familiarity with epistemology, just think of a time you’ve been in a squabble with someone and they told you, well, that’s just your opinion!  And you responded with, it is not just my opinion- I know it to be true! Here we have a clear epistemological distinction being set out that, despite the disagreement at hand, both participants will clearly agree on: first, there is a discernible difference between having an opinion and knowing something and, second, knowing something is superior to merely having an opinion about it. Every time you are dealing with these kinds of fundamental questions and discussions about the very nature of knowledge, you are doing some epistemology, even if only informally. I take great pains to go into these details because I want to impress that epistemological questions are not pointless, mental masturbatory fodder. Rather, they carry immense weight and have informed most, if not all, major cognitive shifts throughout human history.  So, I want your reader to understand why that is.

But many things that can be known are actually fictions of our own making. As a result, they are not fixed or static over time.  We tend to think of reality as that which the natural sciences give us information about. But many thinkers disagree. Understanding or knowing something about reality boils down to gathering information not only about the physical world but also the social world, which is purely fictional but, because we all participate in it, it is also real in a different way. Some thinkers, especially in the decolonial tradition,  stress that if it is true that physical and social reality work together to give us the objective world, then different social realities in the same physical world give us different objective worlds. What is it know something is contingent upon one’s social world. Therefore, what it is for something to be a true and justified belief is not an individual achievement, but a collective one.(3)

Consider the following example. The scholar Ramon Grosfoguel notes in his article “The Structure of Knowledge in Westernized Universities:  Epistemic Racism/ Sexism and the Four Genocides/ Epistemicides of the Long 16th Century”, within hours of arriving at what he thought was India, the explorer Christopher Columbus concluded that the indigenous people living there lacked a religion.(4)(5) Columbus was not evil to draw this conclusion; rather, he did what we do all of the time: we think within the terms of the social world that we know. In Columbus’ social reality (which was a fiction specific to his region), what it was to possess a religion looked a specific way. For instance, religion was probably monotheistic, associated with particular rituals that would call to mind worship, having certain codes of dress, and so on.  The very conception of religion Columbus was working with in general was very provincial. If the people he encountered in the Americas had a religion, he would not have even known it, unless he would have taken the time to gain internal access to their practices.

There’s another thing worth mentioning. Why did it matter whether the indigenous people had a religion? Well, in Columbus’ social world, all humans had a religion because all humans had a soul. (Notice this is another huge epistemological leap. But from the internal perspective of his world’s way of knowing it was completely logical.) Maybe some of the religions were the wrong religions (in those days, Judaism and Islam were wrong religions and Christianity was the right religion) but religion must appear wherever humans appear. So, when Columbus and his team concluded that the people he encountered were without a religion, it made sense- it was truly logical- to draw the further conclusion that there is something not human about these people. According to his social world, and the epistemology that molded it, it was a true and justified belief. Do you know what the very first philosophical debate was in the “new world”? You probably guessed it: whether or not the indigenous people should be thought of as having souls, or, in other words, whether or not they were properly “human.”  For this reason- and this is going to sound strange- Columbus was extremely progressive for his time: he thought anyone in our species could be converted to Christianity, which means that, unlike many of his peers, he thought all humans were properly “human.” (6)

Grosfoguel tracks the subtle but disastrous epistemological shift that occurred during these debates: facts about one’s religious beliefs, or lack thereof, were transformed into facts about the degree of one’s humanity. Do you see what happened there? What was once knowledge about, say, the status of Judaism or Islam in the 15th century- namely, that they are “inferior” religions- now, in the 16th century, was knowledge about the people who practiced those religions– namely, Jews and Muslims are inferior degrees of ‘human.’  He refers to this epistemological shift as one that moves from the theological mode to the anthropological mode.

Thus, for context as to what is an epistemological revolution, here we have the first *epistemological revolution* that occurred in the “new world.” The western European explorers were not merely seeking to conquer land all over the planet. More importantly, they wanted to epistemologically conquer all people in the world. That translates to: what will be true for the indigenous people is what is true for people in Columbus’ world.  (Columbus was explicit about this: he wanted the whole world to practice Christianity. In fact, he was fanatical about it.) You can see why this is a problem. What was true for Spain was not true for the indigenous people. As decolonial scholar Walter Mignolo notes, the indigenous people surely did not understand themselves as subhumans on the day that Columbus and his team arrived.(7) Their world, and so their epistemology, was starkly different. To conquer people, you cannot just take away their land. You must also rip from underneath them their very ways of knowing the world, themselves, and others. And you must ensure that people’s future generations are indoctrinated into your way of understanding and knowing the world, themselves, and others. This is why Grosfoguel and so many other scholars/activists emphasize the always-present practice of book burning in the conquest of lands and people, or, as they call it epistemicide. (And for scholar Silvia Federici, the burning of women, who transmitted knowledge orally rather than through books, so their bodies/minds, as the houses of that knowledge, were burned.) With genocide comes epistemicide. If you can control how a people understand the world and themselves (and you!), and you ensure that control is replicated in the future ad infinitum, you have conquered them.(8)

We’re now in a position to connect the discussion to the general agenda in Aphro-ism in which a micro- epistemic revolution is spelled out. We’re not simply pointing out that different kinds of people are missing in the conversation about what’s happening to nonhuman animals. That is one construal of invisibility, but it is not one I focus on. There is an invisibility missing from the conversation about invisibility. All of this talk about ‘humans’ and ‘animals’ that we take for granted in discussing the horror of what is happening to nonhuman animals assumes a particular formulation of reality that is specific to only a very small group of people. According to their worldview, “human,” “animal,” and related terms are assumed to refer to literally biological human beings and biological nonhuman beings. At most, such terms may have some symbolic import as well. And, so, according to this worldview, the “right” way to understand animal oppression and the constant disregard for animal bodies and lives is simply a matter of “speciesism,” or our species exercising species-supremacy.

But for those of us positioned in the social world radically differently, most of us with histories in which our kin was/are not considered “human” or were/are considered “animals,” in which we are not really considered “human” or are considered “animals,” this mere biological rendering of these terms rings false. We know that terms like “human, “”animal,” and related terms are above and beyond biological specifications and that our modern usage of these terms are internal to a global project that sought to claim human beings exist in degrees.(9) That means, if we want to participate with the mainstream criticism of animal a/buse, we have to pretend the world as we know it does not exist. We have to pretend that we don’t know being considered “human” matters morally even for beings who are members of the species homo sapiens. We have to pretend that outgrouping many groups of human beings as “subhumans” or “nonhuman” is not really that bad because, hey, being “human” isn’t special anyway. . . and appealing to “humanity” is speciesist. Do you see what’s going on here? Our way of understanding the world is completely invisible such that we cannot even discuss this issue in our own terms without everyone taking up arms to ask, what does this have to do with animals??  They are not asking this question out of interest. They are asking because we are stepping outside of the epistemic lines that have been drawn that parallel their worldview. As they see it, if they do not understand the world in such a way, it cannot be true.

The epistemic revolution, then, is taking this invisibility to be a site of productive knowledge. That is, instead of shying away from or suppressing our way of understanding and knowing the world- and ourselves and others in it- to fit in with the “normal” way of understanding and doing things, we use this invisibility to produce an account of whatever phenomenon we’re interested in to convey an aspect of reality that the “normal” way of doing things has not and cannot reveal. That is why I describe this kind of invisibility as a superpower. We have access to a part of the objective world by way of our position in it that others, no matter how privileged, do not and cannot have. So, we have something novel to say because of the way these words- human, animal, etc.,- operate in the world as we have experienced them.

My advice, then, is don’t divorce yourself from your own worldview. (*) What would happen if we constructed an account of animal torture and murder- which is our food/ medical/ beauty/ etc. industries- using the resources at our disposal? What if we, as black and brown people, constructed an animal ethic generated from our experience of being cast as the antithesis of the ideal human, (“the Human”)? What would it look like to resist the narrative of the “Human” with the added advantage that we are already the farthest thing from “Human” there is in our social world? We have a very different understanding of the terms at play here and we have access to the subjective experience of being ‘animalized’. What would happen if we took those as positive tools to not only liberate ourselves but also to lend our aid to another group of beings at the same time in a way different than what the mainstream route can offer? Black Veganism is my way of trying to provide an answer to these kinds of  questions. . . (I return to Black Veganism in a later answer below) but I’m sure there are other approaches too. I don’t care so much about there being different kinds of people representing veganism as much as I care about there being different kinds of veganism.

If you happen to be one of the few that is positioned as a member of the norm, you are welcome to join us. There is nothing about Black Veganism that is exclusive to black or brown people.(10)  It is not an identity movement. We use “Black” to signify the structure of anti-black racism since race is a structure, not a mere skin color or identity. But if it makes sense to you to stick with the mainstream way of doing things, that is fine too. The mainstream grasp of animal oppression is fine and good. I am only pointing out that it does not capture every aspect of why “the Animal” is an inferior notion, and so it helps nonhuman animals to encourage the development of more and more views that aim to highlight other sides of animal oppression, and so other ways of understanding animal oppression, that have not yet been made visible. Some of our readers have the ridiculous idea that we want people to stop reading Peter Singer or that we want to denounce advocates who are going down a more traditional route, such as fighting to gain legal rights for nonhuman animals, etc. I suggest no such thing. I have immense respect for anyone using whatever means at their disposal to address this problem. As I stress in Aphro-ism, we have to get over the idea that there is only one way of doing things or that we will agree every time on either a philosophical or practical level about what is the best way to lend our aid to our fellow beings. This problem stretches across every aspect of our society so we need people fighting from every corner.

How to “fit in” or “not fit in” as an activist

Palang: Plurality and empowerment have a lot to do with the emancipation of thought, i.e. with the fact that we are not dependent on intellectuals or any groups of people who seem to be regarded as thinking elites within our societies. We all need to think for ourselves and we are the most powerful resource for a plural fruitful discourse. Yet a comprehensive empowerment of each one of us (as activists) seems not to be asked for in the structures of many groups and organizations, at least there seems to be little space that people grant each other for standpoints, observations and experiences. Many activists even give up on their activism, because they feel no one is interested their individual contributions. Do you think the “classical” group dynamics (hierarchical thinking, for example) can pose a problem in activism and does it make sense in your point of view to go one’s paths at least partly alone too? And finally: is individual activism equally valuable in your eyes, when someone doesn’t find a constructive basis with fellow activists?

Syl:  I’d advise against basing your beliefs and life projects on whether others value it. If you look at history, most world-changing ideas were not appreciated in their time and the people behind those ideas kept on trucking anyway. They really believed in what they were doing. No amount of derision or humiliation from either their peers or those whose minds they were trying to change could stop them. In fact, the more revolutionary your project is, and the more potential it has to really change things, the less likely you’ll find many friends or supporters. That makes sense. People are scared of change, even those who say they want it. Many people do not realize that one minor change they want cannot occur unless lots of major changes are made too, and that makes them uncomfortable. So, they will make a pretense of making change when really things stay the same. But of course they are celebrated because they didn’t make anyone challenge anything about themselves or their world. Most of all, the activist did not challenge him/herself. Everyone gets to stay comfortable.

Also most people think in the same patterns or they draw on the same ideas. Great people who make change, even in just small ways, tend to think outside the box. Such thinking usually strikes others as weird or irrelevant because they don’t understand it. It’s too different. You can pretend to be excited by what everyone is saying so that you are included in their projects. Or you have to accept that you’ll probably have to work mostly alone if you don’t want to abandon your ideas or if you want to adopt new ideas outside of the ones the group already relies on.

If you want to make big change and you’re zealous about it, people might even think you’re crazy. You could lose your friends or your job. You may even go to jail. Socrates, who is now considered the exemplar of a great critical thinker, was imprisoned and given the death penalty. That’s right: Socrates was a criminal. Why? Because he “corrupted the youth.” He thought in a different way and wanted other people to change how they think too. He influenced young men who were supposed to care about continuing in their father’s footsteps in prestigious careers and adding to their family’s wealth to care instead about being good people. So, Socrates was sentenced to death. He didn’t care. He gave a lecture about the very things that brought about his criminal charges during his defense trial. Even when he was on death row waiting for his final day, he gave lectures to his students who came to visit him. He lectured literally up until he had to drink the poison.

Socrates never received material rewards or positive recognition in his day for relentlessly trying to influence his fellow citizens to change their lives toward the search for the good. Socrates wore the same clothes every day, was considered annoying by all of the eminent thinkers of his time, and with the exception of a handful of followers (the equivalent of a small entourage of undergraduate students!) had no one who wanted to engage with his ideas. His project was to gain knowledge of the good and this became a very of his very character so his reputation or fitting in did not matter to him.

I think that is a more useful image of activism to follow than what we have floating around today. As I see it, activism- if you must use the word-  should be a kind of obsession with trying to be a good person, which has little to with your image, how anyone receives you, or if you belong to a group, or whether you witness any change from your efforts. It is a self-sufficient enterprise. All you need is the desire to be good and if you allow that to consume you, you will not care anymore about whether or not you are recognized, respected, or if anyone listens to you. That goes for life outside of activism as well, by the way.

So, I do not look at the output as what is reflective of good activism, whether that output is from the individual or from a group/organization. Even if an activist or group of activists succeed in accomplishing a mission, without good hearts and souls in society that mission can easily be reversed in  a short amount of time. The emphasis should be on making sure we are right on the inside, nurture the moral sensibility that is vital for a meaningful existence, and allow that energy to flow into and shape the world, whatever that will result in. What may resemble progress now may really be a nightmare in the long-term and vice versa. We don’t know what’s going to work or what is best. We can only operate from good intentions and leave it at that.

And if you’re considered a loser throughout your lifetime because of your mission, even by your more “accomplished” activist peers, you can’t get funding, and no one pays attention to you, don’t feel bad. Socrates was considered a loser too. You’re in good company. Just stay the course!

The new discourse itself in the general public

Palang: Your and Aph’s thoughts, your approach is full of deep insight in ethical, political and social clarity and you are making the epistemical revolution that you speak about reality with the discourse you initiated. As an activist inspired by your theses and thoughts I gather the impression that your ideas bear great relevancy for the discourse with people outside of the Animal Right/Animal Liberation and vegan movement. Could you imagine that a plurality in the discussion about Animal Liberation etc. can be inspired in the general public independent of dynamics of a ‘mainstream reception’ in the AR/AL vegan movements itself? Is the movement itself always really the best informed and most open minded place when it comes to dismantle narrowminded views about animality and humanity?

Syl: I firmly believe discussions surrounding nonhuman animals, particularly ethically/ politically/socially, can be paired with any ethical, political, and/or social discussion, and so whether those discussions occur within a space devoted explicitly to nonhuman animals or whether self-identified “animal advocates” approve of such discussions is irrelevant. This isn’t about them. This is about how do we successfully get the public to, first of all, acknowledge that what animals face is a legitimate problem for animals (and for us), and second, have that acknowledgment somehow dramatically materialize into action that changes the conditions in which animals are forced to exist.

Aphro-ism proposes that discussing animal liberation within the confines of the terms of “the movement” is nonsensical. The movement is focused on a small sliver of the wide range of ideas that sustain animal ab/use. Ideas of humanity and animality, however they are construed, are central to literally every present human oppression. And, in turn, ideas surrounding what we ordinarily take to be human oppressions are present in animal oppression. All of these things are linked. So, it stands to reason that if we want to see the big picture in any of these oppressions, which is really the same picture from different angles, we will need to connect these dots.

The way we connect the dots in Aphro-ism is by showing everything leads to the construction of the Human. Not humans, but the Human, the presumed “ideal” manifestation of what it is to be a human being, its most recent iteration being that invented in 16th century Spain. Some of the best literature I’ve read in the last few years that I think can work on the side of animals is not coming from people or fields focused on nonhuman animals. We must continue branching out of the box if we will ever wrap our minds around what is really going on. It is beyond a mere species prejudice. This is huge.

I think Black Studies and other ethnic studies programs are where I see the most potential in terms of expanding the discussion. You have to remember that black and brown people came to represent the “opposite” of that which is Human, subhumans. For a long time, that was a bad thing. Being “Human” was supposed to be the pinnacle of existence while being “subhuman” was to your disadvantage. But after years and years of clawing our way out of the hole that was dug for us, the white western empire is starting to lose hold of its control, not to mention the planet is in peril because of that empire and its influence across the globe. Now I see it as a good thing that we- as black people- were forced for so long to stand in opposition to the Human. We did not become them because we could not be them. By definition, we were excluded from the category as its contrary. We are by definition already anti-Human. So, it is no surprise that the most exciting stuff coming out that has incredible potential for pivoting our ideas about humans and animals and resisting the toxic narrative of the Human will come from works born from that contra-Human psyche. For those of us on the side of nonhuman animals, we need to keep our minds open and draw on that literature to apply to our advocacy instead of assuming the only works that are applicable are those that explicitly mention nonhuman animals or come from the mainstream “Human” tradition.

Oppression and History

Palang: Is the “problem with humanity” a consequence of colonization and our inner colonization and of white supremacism? What role do oppressive cultures in the antique and ancient times play in context? How does the history of oppression that dates back connect with the system of white supremacy, arrogance and ignorance; in other words can we contextualize oppressive forms in cultures to understand different mechanisms of oppression?

Syl: Is the problem of humanity the consequence of colonization/ white supremacy? Yes and no. Obviously, western colonization did not cause human beings to start using and abusing nonhuman life nor is western colonization responsible for a particularly exclusive moral conception of being human. Anyone who asserts that western colonization caused animal oppression or introduced for the first time a morally exclusive idea of ‘the human’ is completely oblivious to the history of our species and should stop talking immediately and read more history. Go read some Aristotle if you don’t believe me. . . he existed long before Spain decided to expand its empire.

But, as I see it, western colonization did determine the problem of humanity, and so, the a/buse of nonhuman animals. We must tread the water carefully now because this assertion seems to suggest that a later event (western colonization) is bringing about an earlier event (nonhuman animal subjugation), which is impossible. I do not investigate the situation of western colonization for the purpose of explaining or interpreting attitudes and actions that occurred prior to western colonization. Rather, I wish to explain that attitudes and actions prior to western colonization transformed into drastically different things with the onset of colonization, despite their (superficially) identical manifestations.

The persecution of Jews and Muslims occurred before Columbus and his team arrived in the Americas. So, the subsequent colonization of the Americas, which gave rise to an epistemological order that submerged the native “beneath” the western European man on the scale of Humanity could not have caused the persecution of Jews and Muslims. A later event cannot cause a prior event. However, the new epistemological order whose chief operation was to rank degrees of Humanity, in turn, came to determine what the persecution of Jews and Muslims would come to mean and what being a Jew or a Muslim would become. That is, how one would come to understand Jews and Muslims was directly shaped and informed by the new knowledge system being crafted in the “new world.” As I mentioned in my answer to your first question, following Grosfoguel, the persecution of Jews and Muslims was initially understood to be a matter about practicing the wrong faith. Jews and Muslims were murdered, exploited, and pushed from their homes to foreign lands if they did not convert to Christianity because of the presumed inferiority of their religion. But after Columbus and the debates surrounding the Humanity of the indigenous people, disagreements about religion (or the lack therof) were no longer simply about theology. Now, this was about whether or not you were a “full” human!  Of course, Jews and Muslims were still being persecuted but now it was a matter of their being persecuted because they were subhumans on account of their religion. On the surface, the exploitation, expulsion, and murder of these groups looked the same pre- and post- “new world.” But really they were substantially two different things. Jews and Muslims were no longer simply people who practiced the wrong faith. They were not people. And *that* then was the ground for their subjugation. Grosfoguel describes these events as a “boomerang effect.” So, even though the events occurring in the “new world” did not cause the subjugation of Jews and Muslims, they determined what the subjugation of Jews and Muslims consisted in and determined the new identity of “Jew” and “Muslim” moving forward. What it is to be a Jew or a Muslim is, post-new world, to be a different sort of being altogether.

So, again, analyzing the events in the “new world,” which is the starting point of the social world we inherited, cannot explain the persecution of Jews and Muslims, say, in the 15th century per se. That is not the object of the analysis anyway. Rather, analyzing these events helps us glean why their persecution today differs substantially from the 15th century and, thus, gives us the tools we need to address their persecution, and anti-semitism and Islamophobia generally speaking, today. Thus, a useful distinction here is that between logical and temporal order or priority. There is no doubt that the subjugation of a group of beings over time is informed by the conditions of the subjugation they suffered in the prior time period. But that is not to say the subjugation of a group of beings over time is necessarily informed by the logic of the subjugation they incurred in the prior time period.

This sets the stage for my view, Black Veganism, which argues that nonhuman animals are raced and we should understand their subordination as a racial phenomenon. As I said, I am not trying to take stock of the entire history of human beings ab/using nonhuman animals. That is one crucial difference between the ethic I propose and views you’re probably more familiar with, which makes my position quite heterodox and- unfortunately- subject to massive misinterpretation. I don’t deny it is necessary to look at the history of human beings ab/using nonhuman animals, but to conceptualize their current condition and a roadmap leading to an escape from that condition, demands recognizing that their current condition is a property of the logic of the current, modern world, which is the logic of race. To think otherwise is to dilute their condition in the haze of history.

Again, the logic of the current, modern world emerges when the debate about the humanity of the indigenous people in the Americas starts and is concretized when African slaves appear on the scene. Race came to be “epidermalized,” as Franz Fanon puts it, but race is fundamentally a globally instituted system that tracks degrees of Humanity and is necessarily reflected in the institutional makeup of the world. It is not true then that race and racism have always existed. Prejudices based on identity have always existed. Discrimination based on the same has always existed. But race is a novel idea.  Race is a very specific system that did not and could not exist prior to a small group of people declaring they wanted to literally take over the whole planet and homogenize it under their self-image. That is key. Race-thinking is the global foisting of a local self-conception, for in order to succeed at such an aim, one must colonize the very concept of ‘human’ in one’s favor.

Now, what happens when you have a very small group of people declare they are the true humans (“Humans”)? This is where some work by Sylvia Wynter is crucial and I build on her account by adding considerations about the animal. (11) One must have analogous groups that come to embody what it is to fail to be Human, lest the banner of “true humanity” leads to a vacuous doctrine. But to fail to be Human is not to be a nonhuman animal. There are two reasons for this. First, nonhumans cannot successfully embody the failure of the Human to deploy because they are not human beings to begin with. So, they can never be proper Others. They can’t fulfill the demonstrative role needed to puff up the status of the Human. Nonhumans can be, at most, derivative Others. (12)

But more importantly, nonhuman animals cannot subjectively experience a lack of humanity, whatever that is. Again, nonhuman animals are epistemically resilient and epistemically closed to us so we cannot override their subjective perspectives such that we could program them to suffer what it is like to feel less than human. Wynter cleverly homes in on that aspect of Fanon’s work, the subjective experience of being black, or of being a colonized person, precisely because self-hating and other “autophobic”, negative features of internal racism are central to keeping in place the invention of the Human. The Human is parasitic on not just the category of the anti-Human, but especially on the felt inferiority of the anti-Human. (13)

The failure to achieve Humanness, then, must be found in another human being that presumably lacks what true humans (“Humans”) possess. This is the second key point that will distance Black Veganism from ordinary views. On my view, the human-animal binary or divide does not refer to literal human beings and literal nonhuman animals. My position is that the beings in the human-animal binary refer to “The Human” and “The Animal”, which are not biological abstractions that represent, in general, “all humans,” and correspondingly “all nonhuman animals.” Rather, they are social categories that represent what it is to be a “true” human and what it is to be the “opposite” of that, respectively. And, again, the opposite of a true human (“Human”) is not a nonhuman animal but other humans, the figure of “the anti-Human.” (14) So, the the Animal and the anti-Human should be understood as identical figures, which leads us to the astounding revelation that nonhuman animals are so invisible, they do not even form the basis on which we represent the general category of The Animal.  The general category of the Animal is a Human disappearing act.

Many find my view upsetting. They believe:

  1.  I am trying to cut animals out of the scene by making the binary about only  human beings.
  2. Regardless of who “Human” and “Animal” refer to in the binary, that “Human” is the superior category and “Animal” is the inferior category has to do with the human tradition of speciesism.
  3. This racial construal of the human- animal binary seems to have no application to actual nonhuman animals. Shouldn’t an account that purports to be a kind of veganism be *about* actual nonhuman animals?

All of these objections are perfectly reasonable and touch on parts of your questions so they are worth addressing, though I’ll do so out of order.

To begin with, this racial construal of the human-animal binary (the Human/ the Animal (a.k.a anti-Human)) is immediately applicable to non-human animals. It’s important that we frame their struggle within the terms of the general project to invent the Human, so that we can identify who they are and in what their condition consists post- “new world.” As people rightly point out (and set forth in objection #2 immediately above) the figures of ‘the human’ and ‘the animal’ have historically been positioned as not merely different but as contraries, so it stands to reason that if we invent a logic that reconfigures what the human is (now, “the Human”), we must also attend to the necessary reconfiguration of what the animal is (now, “the Animal/ anti-Human.”) Prior to Columbus’s arrival to the Americas, it is impossible to summarize the multitude of social worlds that existed that – under their own terms- made nonhuman animals (or at least some nonhuman animals) their victims. Many of those worlds we may never understand given we do not have internal access to those languages, ways of knowing, belief systems, cosmologies, etc., and so cannot know the rituals that involved nonhuman animals as well as other human beings. However, we can safely say that at least Columbus and his team came from a social world in which nonhuman animals were deemed morally inferior due to the belief that they lacked souls. This was explicitly communicated time and time again and, in fact, the conclusion they drew regarding the native people’s likeness to animals was derived from the premise that animals do not have souls and, so, cannot practice religion. It’s true that there has been a biological separation between human beings and all other animals conceived in moral terms, and not just in western Europe. Some scholars will go so far as to argue that human moral life emerged in virtue of conceiving ourselves as separate from all other animals and cultivating a specifically human life. For instance, my former adviser, Douglas Maclean, makes a point along these lines in his Is “Being Human” a Moral Concept?, though one could think both “human” and “animal” are moral concepts, such as Cora Diamond suggests, or more recently Alice Crary in her wonderful book Inside Ethics. (15) (They are all philosophers.) As I said before, I am not trying to deny the reality that nonhuman animals have been subjugated throughout the history of our species and seemingly for as long as our species has existed.

What was to become the core of race-thinking, the Human/Animal (a.k.a anti-Human) binary, then, certainly owes its roots to the biological separation we experience between us and all other animals that most human systems have interpreted morally. People are right to highlight this. But Black Veganism asserts that that is only one half of the story. I hold that a feedback loop has led the Human/Animal (Anti-Human) binary to amplify the very assumptions that brought it into existence.

In other words, we think of beings- many in our own species and all members of other species- through the concept “the Animal/ anti-Human.” Nonhuman animals are no longer subjugated beings simply because they lack souls. Rather, they have become different kinds of beings and their subjugation is of a different kind, even if their subjugation manifests itself as (superficially) identical to what existed before.

We’ve arrived at a sort of explanatory limit because how does one describe the contents of a concept? It’s the same kind of explanatory wall you hit if you try to describe any other morally loaded concept, such as “mother” or “pet.” I think it can be done but this interview is probably not the place to try!

Instead I’ll just say this: the absence of nonhuman animals in our social and moral imagination makes much more sense to me when I think of it through Black Veganism. Black Veganism presents the binary as a principle that is really about human beings and represents two poles which signify the presence of being human (articulated through its ideal manifestation, “the Human) and the disintegration and thus absence of being human, of literally being anti-Human (articulated through “the Animal.”) So, the space of the anti-Human is the space where morality loses its structure and sense since there is no being there sutured to it. The paradox is indispensable: you need humans who are not Human for these concepts to gain their moral purchase in the way they possess today. We conceive nonhuman animals through that paradox- the very structure of their being is patterned on anti-Humanness. If you think about what’s really going, it’s quite horrifying. Black Veganism reveals that the situation of nonhuman animals is, in fact, worse than we might have thought, at least on the conceptual level. We don’t simply operate on the assumption that nonhuman animals are morally negligible. .. We disappear them the very moment we conceive of them as animals.

Before, at least in the world that informed our current world- Columbus’ world, nonhuman animals were beings that lacked souls (or if they have souls, they have “lower,” non-rational souls). But the emergence of the Human transformed animals from beings that lacked souls to beings that just were essentially a derivative opposite of the Human. (**) So, what we have here is a monumental move.(16) Nonhuman animals were catapulted onto a scene that was invested in making claims about the nature of humanity. (17) Thus, nonhuman animals were *humanized*. Before they were inferior but altogether different beings. Now they came to represent a limit in the scale of humanity.  They were now playing in our game. The feedback loop took the information from the biological divide between human beings and animals conceived in moral terms and filtered that information through the Human/ Animal (anti-Human) binary it helped to create in the “new world”, only to now reinforce the abject inferiority and invisibility of nonhuman animals but in new, and more tragic, terms.

So, to objections #1 and #3, no, I am not trying to cut nonhuman animals out of the picture. On the contrary. Unless we are discussing very practical matters, we cannot talk about nonhuman animals if we do not also talk about race. And we cannot talk about race if we do not talk about nonhuman animals. I do not think anti-racism is effectively mobilized if we leave out billions of beings who we view through racial thinking. To do so is to dismiss a significant portion of the narrative of race. Thus, you are not really analyzing race. The black (anti-Human) is the template through which we think the modern conception of the animal. If we want to tackle racism and rid ourselves of racial thinking, which means disposing of this social world, we have to look at all areas in which race thinking operates, and one of those areas is right there in front of us on our plates.

It also brings to light the stark recognition that the mechanism that allows for our society to remain unperturbed by the widespread torture and murder of nonhuman animals, usually used to make food, is made possible through the very same mechanism that makes us shrug at the persistent assault on black and brown Life and life. People do not realize their unwillingness to challenge themselves about nonhuman animals is a mark of the gigantic hole that race-thinking burrows into our souls. We know that nonhuman animals are being harmed. That’s not the issue. The issue is that they fall through the hole so their pain is not felt. We are literally untouched.

Veganism ought to address not just literal non-human animals, but also and especially the narrative of animality that is responsible for all of the ideas we form about anything we think of as an animal. Since the 16th century, the narrative of animality (or rather, “Animality”) has been directly constructed as an analog to the narrative of Humanity- the propping up of the western white man as the ideal manifestation of a human being. That stacks of literature has been investigating the situation of the animal while overlooking this obvious fact speaks volumes about how oblivious most people are to the far reaches of race.

Ways of coming together practically in new spaces

Palang: The gain of deconstructing the human-nonhuman animal binaries in terms of a full-spectral decolonization will be so fundamental, that a complete new insight about animality and humanity will result in terms of all the relevant variables and influencing factors. Do you think society can already develop islands of new understandings of social justice, involving annonhumanity in terms of dismantling colonial claims and definitions. Can we already built spaces being human in radically ‘clarified’ ways were we includingly encounter nonhumanity differently and appreciatively for their – the nonhuman – cultural contexts? Is the time there for breaking up the human-animal antagonism, if not what hinders us still and what could we contribute to really change the dominant toxicities of colonization and of other blocking oppressive factors?

Syl: I think some parts of my other answers speak to this question. Black Veganism is a post-Humanist theory. Following the work of scholar Zakkiyah Iman Jackson, I identify a particular conception of human to be the culprit in this story, not the concept of human. (18) If anything, I am hoping to recuperate begin human by saving us from the Human narrative. It follows that my diagnosis of the condition of nonhuman animals is 180 degrees away from the kind of diagnosis we’re used to hearing. The ordinary diagnosis is that we have been mythologizing ourselves on the basis of our species. This mythologizing has gotten in the way of the “facts”; namely, we too are animals and we are not special in any way. So, the inclination is that dismantling the human/animal binary must mean deflating the human for the sake of elevating the animal. That’s why Peter Singer talks about “desanctifying” the human. A lot of this is fueled by an appeal to science, of course. If you look at science, humans don’t possess anything at least one other nonhuman species doesn’t also possess.

But, as I argued in my chapter on “Revaluing the Human as a Way to Revalue the Animal,” I’m not convinced by that reasoning. If the human (conceived as a biological category) has been morally weighted to disadvantage the animal (again, as a biological category), then deflating the human in order to elevate the animal is not a suitable corrective. This is still binary thinking, except you’ve adjusted the weight on each side. What it would be to dismantle the binary has to be more than shifting the weights. Dismantling requires disambiguating the moral connotation of one term from the other. Perhaps they mean they want to shift the emphasis to our shared animal “nature,” though I am never sure what such a phrase means.

There’s more. Theoretically speaking if the binary were truly dismantled, you could still have a morally weighted conception of human. . . you just wouldn’t need animals to give that conception its weight! Family terms operate that way. I would do things for my sister that I would not do for my neighbor but it is not because my sister has certain capacities or properties to which I am responding that my neighbor lacks. That I think of her as my “sister” alone lends moral weight to her interests. That is, just saying she is my sister does the work for me. I don’t need to go further and everyone gets it. But that doesn’t mean I can just do what I want to my neighbor. I still have moral obligations to him too, just of a different sort. That is one easy example of a morally loaded conception that is okay since it does not exist within a binary. If it existed within a binary, that would mean my privileging my sister must come at the expense of any one that is not my sister (or rather, whatever is constructed as the “opposite” of my sister).

The example illuminates a disconnect in the very way mainstream advocates understand the category of species and the way I see the category represented in my favorite decolonial literature. Mainstream advocates draw a parallel between species and categories like race and sex whereas the decolonial thinkers I draw on present the category of species as a family category. The former thinks a parallel exists between all of the cases because they think an identical mechanism brings them about. Namely, a morally arbitrary trait is being made to have moral relevance: race, sex, and species, respectively. This parallel doesn’t work for many decolonial thinkers of a certain strand (not to mention most ordinary people!). What makes racism and sexism bad for these thinkers is that members of the community are not considered members of their community, the community being humankind. It is only by thinking of the category ‘human’ as a family term, and so morally loaded,  that we can say what gives racism and sexism its badness. The weight of humanness isn’t derived by tracing a trait or capacity that is exclusive to human beings. It is not a thing you find with the natural sciences. Rather, its weight comes from the aspect of reality that is social, that is a function of our subjectively experiencing ourselves existing as a specific species.

In an essay I’ve been working on for the past two years I elaborate on this difference in terms of “species-objectivism” and “species-subjectivism.” (Black Veganism is under the species-subjectivist label. I explore it as a “subspecies subjectivism.”) Both views are claims about the objective world, and both claims are on the side of nonhuman animals, but from two different vantage points. Species-objectivists sketch out being human by looking at human beings from the outside. From this vantage point, there is no morally relevant difference between us or, say, bats. To invoke this category is no different than to invoke a category like race or sex. To use an everyday example, this methodology would similarly reveal that the man I called my “dad” is actually just one man among billions and there is nothing really distinct about him from an outside perspective. Or another useful example is to consider “being alive” to simply be a statement about breathing, having a beating heart, and so on.

But species-subjectivists describe being human from standing in the shoes of the human. From this vantage point, being human is definitely different than being a bat because you are the human, not a bat. While it is true that my dad is one man among billions, I feel a different sort of way about him than I do the billions of other men. .. because he’s my dad. It’s not because I think there is something different about him. And it would be silly for you to try to convince me I am wrong in my feeling about him based on the fact that there is nothing discernible about him compared to the billions of other men in the world. Or, for another useful example, to “be alive” is not simply a statement about breathing, having a beating heart, and so on but is about having a particular gusto or to live with oompf. (So, one could be “alive” but not really be alive.)

Species-objectivism and species-subjectivism differ in degrees of distance: one is talking about a world that is far and the other is talking about a world that is local. Since we are usually looking for answers as to how to navigate our local lives, we cannot dismiss the species-subjectivist perspective as “speciesist” nor should we dismiss it as a world-guiding view. It would be like looking at the Voyager image of the Earth to figure out a bus route to your new job. The Voyager was not designed to give us information to get around the streets of downtown. If you want to get around downtown, you need to go on Google maps instead.  While it is useful to have the “pale blue dot” perspective of Earth, as Carl Sagan beautifully put it, one must always remember we do not float in the universe and understand the Earth that way. We have our feet planted firmly on Earth.

If an account misses that the category of species membership can function as a local, family term, then it won’t be a good account, and it certainly won’t be very convincing. I emphasize the distinction between “human/ human being” and “Human” in Black Veganism to capture that dual aspect. We know that the Human is a bad idea because it eclipses that aspect of humanness that has great potential to play a positive bonding role. The Human needs to be disposed of and I agree with Wynter that if such a feat can be achieved, we are on the horizon of a new mode of human existence, one that would not require an Other. (19) (20)

I don’t think humans coming together on account of their humanity is in tension with animal liberation. I see the two projects going together. So, I’m afraid I don’t agree with mainstream advocates about what it will look like to dismantle the antagonism between the members of the binary, as you nicely phrased it, at least not the logic of it. They’re working with a really different view of moral life altogether, one I find impoverished. I think we will always have a social conception of what it is to be human along with a bare empirical conception. I believe the social conception of being human is like an indexical marker, a group version of a name. Indexical markers are native to our psychology and I don’t see them as problems in and of themselves. We may always hold the social conception of being human in moral regard and that does not mean there must be a human-animal binary in place, nor does it mean that we have more moral weight objectively speaking. Several thinkers have dominated the direction of thought in animal advocacy and it is their theories that get us twisted into unnecessary knots. As philosopher Bernard Williams said, it’s one thing to say humans are important to the universe but it’s quite another thing to simply say humans are important to each other. (21) I am confused why so few people will grant that sentiment.

But all of that doesn’t get in the way of the possibility of immediate practical change that all of us on the side of nonhuman animals can probably agree on even if we don’t agree on the logic. I have a friend who is studying urban planning doing exciting work in design with a mind on designing the space around the needs of several different kinds of animals that exist in the community and neighboring communities. The independent researcher Sue Donaldson and philosopher Will Kymlicka published Zoopolis: A Political Theory of Animal Rights a few years ago, which considers different kinds of animals positioned in different kinds of relationships with us and discusses which animals could rightfully qualify as citizens, etc. It’s beautiful and creative and respects all of the myriad differences between us and different kinds of animals and their needs and potential contributions. In the legal realm, here in the U.S. we have the Nonhuman Rights Project, which is comprised of a group of dedicated lawyers who literally challenge the conception of personhood operational in the courts. They have argued on behalf of chimpanzees, dolphins, and elephants thus far. In terms of general changes in lifestyle, I know lots of people who welcome different kinds of animals into their homes and yards to create micro-sanctuaries, as the activist and writer Justin van Kleeck describes it. (22)The most exciting thing I’ve come across is work by the scholar Anat Pick, who does work in “vegan cinema.” (23) Contrary to what you might think,  vegan cinema is not propaganda to get people to go vegan. Rather, Pick demonstrates the very ethos of violence and consumption present in an audience’s gaze of a film in general.  So, she is approaching the idea of veganism from a really interesting, abstract perspective. You mentioned in a question not listed in this interview the lack of good work being done on speciesism in the media. Well, Pick is one person definitely doing interesting work in that field. She is challenging what it is to coexist with nonhuman animals (and nonhuman life in general) from the very point of the gaze. All of these are good examples of ways we can slowly push forward to make life with nonhuman animals realizable in a non-exploitative, and mutually beneficial fashion.

However, I’m not sure what to say about difficult cases in which we are dealing with nonhuman animals that are not easy to live with or even impossible to live with. The case of rodents strike me as particularly perplexing. The philosopher Elizabeth Anderson, who promotes an ethical pluralism when it comes to different kinds of animals, much like Donaldson and Kymlicka’s political pluralism, suggests animals with whom we can imagine some sort of life, either together or as close/distant neighbors, deserve heavier moral consideration than those with whom we cannot imagine such a life. (24) Rodents count as one such an example. Lindgren (Johnson), one of the authors I mentioned earlier, recently told me birth control for some rodents has been developed to lower their population in infested areas. That’s obviously a more compassionate method of handling infestation but raises a moral quandary nonetheless. So, I’m sympathetic to Anderson’s argument that a parallel should not be drawn between categories like race/sex and species because race/sex create differences where there are none (theoretically, we could all learn to live in peace with one another) while species membership tracks a real difference (it is not likely that we can live in peace with every other species, even as distant neighbors).

 

Starred content:

(*) I would not give this advice when you are encountering a foreign social world. That is a different case. But I give this advice when you are in your own world and your vantage point is overlooked or inferiorized because of your social location in that world. When highlighting the reality of social positionality, one should be careful to highlight not just the external/ institutional/ structural ways in which one is positioned, but also the subjective experience of what it is to be positioned a certain way.

(**) Be careful not to confuse the process through which all nonhuman animals were changed with the change in the particular role attributed to the ape. In the medieval period, apes came to represent the image of the degenerate human, especially due to committing some sin for which they must be punished  (see the famous De Mundi Universitate by 12th century writer Bernardus Silvestris). The ape already played the role that it would later come to play in the post-Darwin social imagination, except in natural scientific rather than theological terms. Sylvia Wynter discusses the iconography of the ape-as-degenerate-human in “Unsettling the Coloniality of Being/ Power/ Truth/ Freedom: Towards the Human, After Man, It’s Overrepresenation–An Argument” CR: The New Centennial Review, Volume 3, Number 3, Fall 2003, pp. 257-337, which can be found here: https://law.unimelb.edu.au/__data/assets/pdf_file/0010/2432989/Wynter-2003-Unsettling-the-Coloniality-of-Being.pdf. The role of the ape is a very early example of the humanization of a particular nonhuman animal. Note that I focus more on the humanization of nonhuman animals at the level of the very concept of ‘Animal.’

Endnotes:

Endnotes:
(1) See Aph’s chapters “Why Animal Liberation Requires an Epistemological Revolution” and “Creating New Conceptual Architecture: On Afrofuturism, Animality, and Unlearning/ Rewriting Ourselves” in Aphro-ism for Aph’s direct thoughts on the subject.
(2) If you’ve never read his Meditations, I highly recommend doing so now that you know what he was up to. It’s one of my favorite books.
(3) I’m oversimplifying but the oversimplification will suffice.
(4) Published in Human Architecture: Journal of the Sociology of Self- Knowledge: Vol. 11: Iss.1, Article 8.
(5) Just stop for a moment and think about that. Think about what kind of mindset one must have to draw such a conclusion before having any substantive interactions with this population and, further, to then assume with no qualms that now this land (and these people) are yours for the picking! In a chapter of his popular Sapiens: A Brief History of Humankind, the historian Noah Yuval Harari recounts the exploratory voyages of Admiral Zheng He of the Chinese Ming dynasty, which started in 1405 and ended around thirty years later. In fact, one of the armadas carried around thirty thousand people. Yet, Zheng He merely visited different countries, he did not attempt to “conquer” them. Harari notes that the Romans and the Persians too had the technological ability to attempt to conquer foreign lands but did not do so. It’s worth quoting him in full: “There was nothing peculiar about that. The oddity is that early modern Europeans caught a fever that drove them to sail to distant and completely unknown lands full of alien cultures, take one step on to their beaches, and immediately declare, ‘I claim all these territories for my king!’” See page 291. I have to thank philosopher Martin Gibert for enthusiastically encouraging me to read this book. See his interview with the author: https://lamorce.co/dou-vient-la-domination-humaine-entretien-avec-yuval-noah-harari/

Also: the lack of anything resembling religion among a group of people is not a lack in general. It may just mean they have something else that your own world does not have. Walter Mignolo argues this point about philosophy in his chapter “Philosophy and the Colonial Difference” in Latin American Philosophy: Currents, Issues, Debates, ed. Mendieta, Eduardo (2003).
(6) That’s not to say Christian missionary itself is progressive. I am just commenting on Columbus’ mindset compared to his peers regarding what the unification of the globe could look like: “I, that we might form great friendship, for I knew that they were a people who could be more easily freed and converted to our holy faith by love than by force, gave to some of them red caps, and glass beads to put round their necks and many other things of little value, which gave them great pleasure, and made them so much our friends that it was a marvel to see. (110) and “They do not know any religion, and I believe they could easily be converted to Christianity, for they were very intelligent. “ (119) See Journal of the First Voyage of Columbus from the Wisconsin Historical Society Digital Library and Archives here: http://www.americanjourneys.org/pdf/AJ-062.pdf. The simultaneous presence of beauty and horror in these first interactions between Columbus’ team and the native people cannot be denied when reading excerpts from his journal.
(7) See his chapter “What does it mean to be Human?” in Sylvia Wynter: On Being Human as Praxis. Ed. Katherine McKittrick.Duke University Press (2015)
(8) There are lots of interesting things to say here about one major difference between the subjugation of human beings and the subjugation of nonhuman animals. My good friend, the Finnish artist Terike Haapoja, who, along with Laura Gustafsson, is responsible for The Museum of Nonhumanity, noted that nonhuman animal resistance to human subjugation might always be stronger than our own subjugation to one another precisely due to our inability to exhaustively control how they perceive the world, themselves, and their perception of us. That is, they have epistemic resilience.
(9) When U.S. President Trump described Latinos as “animals,” he was not being a good biologist. He was making a social claim.
(10) For instance, see Lindgren Johnson’s Race Matter, Animal Matters: Fugitive Humanism in African America (1840-1930) Routledge (2017). Lindgren and I consider her text to be in line with the spirit of Black Veganism.
(11) See Wynter’s article “Towards the Sociogenic Principle: Fanon, The Puzzle of Conscious Experience, of “Identity” and What it’s Like to be “Black”” for her discussion on human Others: http://coribe.org/PDF/wynter_socio.pdf. By the way, this is the greatest article I’ve read in the past ten years. I think this is the article to read if you want to get into Wynter because she explains why Fanon is so important and understanding her obsession with Fanon and the hard problem of consciousness puts her work, big picture, into perspective.
(12) Occasionally people of color joke that it is more likely that nonhuman animals will be morally recognized before they are. I don’t think that’s correct but from a theoretical standpoint it is true that the Human doesn’t need nonhuman animals to constitute its Other- it needs only other human beings to do so.
(13) I borrow the terminology of the ‘anti-Human’ from the Afropessimist tradition, though I don’t claim to represent the tradition.
(14) For an alternative view, see Claire Jean Kim, who argues instead that we should think of the Human, Animal, and Black as a triad instead of a binary. I don’t agree because I think this is forcing the entire-tradition-of-using-animals approach with the current-modern-world approach, and so overlooks the redundancy in listing the Animal and the Black. Otherwise, though, our work is in the same spirit. See her article “Murder and Mattering in Harambe’s House” in Politics and Animals, Vol 3. (2017).
(15) For Maclean’s article, see Philosophy and Public Policy Quarterly 30 (3/4):16-20 (2010); For Diamond see “Eating Meat and Eating People.” Philosophy, Vol. 53, No. 206 (Oct., 1978), pp. 465-479.; For Crary see Inside Ethics, Harvard University Press (2016).
(16) As Mark S. Roberts notes, “the animal is placed squarely within the human.” See his The Mark of the Beast: Animality and Human Oppression (New Directions in the Human-Animal Bond), Purdue University Press (2008): 20.
(17) The theory of evolution was indispensable to this major taxonomic shift. The theory of evolution was not responsible for the shift, but the governing social dynamics guaranteed that once Darwin gave compelling evidence to collapse the distinction of human and animal, animals would play a role in establishing a point about humans.
(18) See her “Animal: New Directions in the Theorization of Race and Posthumanism.” Feminist Studies 39, no.3 (2013)
(19) Some of our readers assumed this means we should stop referring to ourselves as humans. I don’t think that at all. I just meant I don’t think we should strive to be or think of ourselves as “Human.”
(20) The story is more complicated than how I put it. What will allow us to escape the loop of yet another but new an equally harmful “Human” premised on an Other is familiarity with the law that governs our consciousness, which she believes is the sociogenic principle, her interpretation of Fanon’s notion of sociogeny. She argues that our discovering what this law is gives us the power to use it to our advantage, much like discovery of physical laws. See the article I cited earlier by Wynter. I will not discuss the matter further in this interview, but the sociogenic principle is the heart of my essay in progress.
(21) See his chapter “Theory and Prejudice” in Ethics and the Limits of Philosophy. Harvard University Press (1985): 118.
(22) See his “Microsanctuaries: A Micro-Manifesto”: https://strivingwithsystems.com/2016/08/06/microsanctuaries-a-micro-manifesto/
(23) ‘Vegan Cinema’, Thinking Veganism in Literature and Culture, ed. by Emelia Quinn and Benjamin Westwood. Oxford: Palgrave, 2018, pp. 125-146. I’m grateful to Lindgren for bringing Pick’s work to my attention recently.
(24) See “Animal Rights and the Values of Nonhuman Life.” in C. Sunstein & M. Nussbaum (Eds.), Animal Rights. Oxford: Oxford University Press. (2004a)

Contact

Syl Ko can be contacted at ‘sylko [at] protonmail [dot] com’.

Tierautonomie

Editor-in-chief: Gita Yegane Arani, www.simorgh.de – ‚Open Access in der Tier-, Menschen und Erdbefreiung’. Revised 02/2019.

Citation

An Interview with Syl Ko (2019). TIERAUTONOMIE, 6(1), http://simorgh.de/tierautonomie/JG6_2019_1.pdf.

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

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Weiße Ignoranz bremst die Pluralität im Tierbefreiungsaktivismus aus

Weiße Ignoranz bremst die Pluralität im Tierbefreiungsaktivismus aus

Aktivismus auf bestimmte Wege und Mittel zu reduzieren, halten wir nicht für zielführend. Wenn wir sagen, jede Form des Aktivismus besitzt ihre eigene Legitimität, heißt das auch, dass bestimmte Methoden nicht unter- oder überbewertet sollten. Die meisten Aktivist_innen in der BRD wählen den kollektivistischen und körperpräsenten Aktivismus, sie blenden dabei aber andere mögliche Diskurswege und kommunikative Möglichkeiten erstmal und letztendlich aus.

Dabei wird die Gesellschaft-als-solche wiedergegeben als homogenes Gebilde, in dem der Einzelne sich konform einfügen kann um effizientes Mitglied der Menge zu sein. Der/die einzelne muss sich Akzeptanz in einer wenig pluralen Menge erarbeiten, wenn er/sie mit seinen/ihren Beiträgen denn wahrgenommen werden wollte. Um so mehr er/sie selbst denkt, um so weniger Akzeptanz findet er/sie jedoch.

Herangehensweisen sind von der überwiegend weißdefinierten Menge vorgegeben, diese sind das Maß dessen, was akzeptabel, relevant und der Anerkennung würdig ist. Ein weißdominierter Objektivitätsfilter findet dabei seinen intentionierten vollen Einsatz.

Der Aktivismus spiegelt dabei die Makroebenen gesellschaftlicher Organisationsformen wieder (Rassismus). In anderen Worten: es wird strukturell das wiederholt, was methodisch ebenso im Großen und Ganzen fungiert. Andere Herangehensweisen, die individualistischer sind, weniger massengesellschaftlich, weniger machtorientiert. die von anderen kulturellen Ansätzen her Tierrechte und Tierbefreiung adressieren, bleiben als bestehende Pluralität unsichtbar und die klassischen Elemente weißer Ignoranz kommen zum Tragen.

Wir… hingegen wollen nicht einbezogen werden in diese gesellschaftlichen Konstrukte, selbst wenn das vermeintliche Ziel das gleiche ist. Doch ist es eigentlich wirklich das gleiche?

Kosmetische kulturelle Vielfalt, wie wir sie hier wenn überhaupt haben, ist noch kein intersektionaler Weg. Wenn die weiß-identifizierte Menge entscheidet, welche Thesen die richtigen sind, dann haben wir ein Problem aber keine kulturelle Pluralität in der Sicht auf die Thematiken.

Die Tierthematik mutiert so zum Gegenstand eines weiß-identifiziertem vorgegebenen Denkens, die Nichtmenschen selbst sind dort ein entkulturalisierter Gegenstand des Rettungskomplexes weißer Arroganz.

In der Vorderfront stellt man den einen oder die andere VOC als Führungspersönlichkeit um die weiße Menge als bloße Anhänger in diffuse Machtbereiche verschwinden zu lassen. Pluralität im Denken findet dort ebensowenig ihren Platz, denn die Strukturen, die Hierarchiebedürfnisse sind die Gleichen, wie wenn der kosmetische Antirassismus ausgeblieben wäre.

Wir… bügeln diese Fehler im weiß-dominierten Denken nicht heraus. Die Leute werden weitermachen, wie sie es eben tun.

Das Thema wächst dank eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses. Die Körperpräsenz weiß-identifizierter Menschen und kosmetische kulturelle Pluralität sind nicht mehr, als ein Zerrspiegelbild global-kultureller Veränderungen, die gemeinschaftlich durch einzelne und in Minderheiten adressiert werden ( – das Prinzip herrschender Minderheiten könnte hier erkennbar sein).

Konstruktive Beziehungen sind nicht eurozentrisch monopolisierbar.

Die Definition von Nichtmenschen bleibt Definition. „Das Tier“ bleibt in seiner speziesistischen Definition erhalten, wenn nun auch geliebt und geachtet – als „das Tier“, nicht aber als weitere Kulturen. Der Ansatz von Tierkulturen zu sprechen findet nicht statt, sowenig wie die Anerkennung menschlicher kultureller Pluralität.

Das Herrschaftskonstrukt Speziesismus in seiner Komplexität wird nicht demontiert, es wird weder der Bezug zu innermenschlichen Konflikten noch zu nichtmenschlich-tierlicher kultureller Vielfalt ausgedrückt.

@neovegan / https://derarchimedischepunkt.wordpress.com > https://derarchimedischepunkt.wordpress.com/2018/11/06/white-ignorance-stifles-animal-liberation-plurality/

Wir können uns nicht leisten, unterschiedliche Diskurse über Menschen- und Tierrechte zu führen.
Antispeciesist Animal Sociology

Nivea Mullings: Rassismus und Speziesismus im Zeitalter von Black Lives Matter konfrontieren

Rassismus und Speziesismus im Zeitalter von Black Lives Matter konfrontieren

Nivea Mullings

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Originaltitel: Confronting Racism & Speciesism In The Age of Black Lives Matter, http://www.blackvegandiaries.com/blog/confronting-racism-speciesism-in-the-age-of-black-lives-matter , Stand 12.04.2018. Übersetzung: Gita Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung der Verfasserin.

In den letzten paar Monaten seitdem ich vegan bin, habe ich erkannt, dass beides, sowohl schwarz als auch vegan zu sein, bedeutet einen sehr einmaligen sozialen Raum einzunehmen. Ehrlich gesagt kann das ein sehr frustrierender, angst-erzeugender Ort sein, an dem man sich dabei befindet. Schwarz zu sein bedeutet auf der einen Seite, rassistischen Diskriminierungen auf zahlreichen Ebenen ausgesetzt zu sein. Das ist ein Punkt, den ich nicht bereit bin als Streitfrage zu behandeln, denn es ist einfach eine Tatsache. Es ist meine gelebte Erfahrung und es ist die gelebte Erfahrung derer, die ich liebe und zahlloser schwarzer Menschen auf der ganzen Welt. Dies wurde analysiert, erforscht, ist Studiengegenstand und darüber wurde und wird immer wieder geschrieben. Ich betrachte also jedes Argument, das dem widerspricht, als eine willkürliche Ignoranz, die von einem tiefen Mangel an Empathie zeugt.

Es ist emotional belastend immer wieder klar zu stellen, dass mein Leben etwas bedeutet. Es ist schmerzvoll, gleichzeitig schier endlose Reihen von Menschen zu betrauern, die durch die inhärent rassistischen Systeme unseres Landes zu Opfern werden, während du im gleichen Moment dazu gezwungen bist, die Existenz eben dieser Systeme an aller erster Stelle überhaupt zu beweisen. So etwas nagt an dir, jeden Tag in Angst zu leben, dass du oder jemand den du liebst der Nächste sein könnte. Aus diesen Gefühlen ist die Black Lives Matter Bewegung entstanden. Sie ist ein notwendiger Protestaufruf angesichts massenhafter Inhaftierungen, der Anwendung systemisch-institutioneller Gewalt, bewusster Vernachlässigung und sinnloser Tode. Wenn Leute dem nun entgegenhalten „Nein, es sind nicht nur die Leben Schwarzer, die zählen, sondern ALLE Leben zählen“ ist es sehr schwer nicht wütend zu werden. Denn lasst uns ehrlich sein, das ist eine leere, beschränkte, willkürlich ignorante und mitgefühlslose Reaktion auf einen versichernden Nachdruck auf den Wert des Lebens Schwarzer. Um ehrlich zu sein, es ist es ein Schlag ins Gesicht.

Wenn ich dieser Haltung in der veganen Bewegung begegne, dann fühle ich mich schlichtweg zornig, tief frustriert, verärgert und verletzt. Und es sind nicht einfach die zahllosen Tiermemes mit „All Lives Matter“, mit denen sich jemand umgibt – es ist die anti-schwarze Gesinnung, aus dem dieser Satz plötzlich herrührte. Es ist die Tatsache, dass die Leute die diese Memes posten, auch glauben, dass Schwarze Menschen eigentlich über nichts herumheulen, und dass die wahren Opfer die armen, hilflosen Tiere sind, denen wegen der Nahrungsmittelproduktion und dem Profit Gewalt angetan wird.

Das ist eine direkte Zurückweisung und Verurteilung einer Bewegung, die aus einer Situation echter Unterdrückung entstand, und diese Reaktion verblüfft mich. Es erstaunt mich, dass es Menschen gibt, die dir die Funktionsweisen der Systeme, die Gewalt gegen Tiere ausüben, genaustens erklären können, die aber keine zwei Schritte weiter denken können um zu erkennen, wie genau dieselben Systeme auch das Leben von Menschen anbetrifft. Weitaus schlimmer, eine echte Kenntnis der Geschichte zeigt, dass diese Systeme, die barbarische Art und Weise, mit der Tiere zur Generierung von Profit behandelt werden, an den Körpern meiner Vorfahren perfektioniert wurden.

Tatsächlich wurden versklavte Frauen dazu gezwungen, weitere Sklaven für den Sklavenhalter zu gebären. Die Körper meiner Vorfahren wurden benutzt, misshandelt und man hat sich ihrer entledigt, alles unter Berücksichtigung dessen, wie viel Ernte und somit wie viel Geld man durch ihre Arbeit generieren konnte. Es ist witzig, denn viele vegane Mainstreamorganisationen wie PETA, sind sich dieser Geschichte sehr bewusst, denn sie verwenden die Vergleiche um ihre Argumente zu stützen, weshalb Menschen – und insbesondere farbige Menschen/People of Color – vegan werden sollten. Doch hier ist das Problem: Genau sie sollten diese Vergleiche nicht machen. [1]

Es gibt einen Grund, warum Schwarze Menschen immer noch sehr empfindlich darauf reagieren, mit Tieren verglichen zu werden. Zum einen, ist der direkte Vergleich mit Affen [2] eine besonders furchtbare Art gewesen, mit der Rassisten uns entmenschlichen wollten. Aber mehr noch als das, entgegen dem was viele Amerikaner gerne glauben wollen, existieren die Verheerungen von Sklaverei nicht einfach in einer fernen Vergangenheit, die keinerlei Folgen für unsere Gegenwart hätten. Wir sehen die Spuren in unserem Masseninhaftierungssystem, wir sehen sie jedes Mal, wenn ein unbewaffneter Mann, eine Frau oder ein Kind von Staatsdienern getötet werden, die eigentlich bezahlt werden, um Menschen zu schützen. Und selbst wenn wir nicht immernoch gegen rassistische Diskriminierungen an unseren Schulen, unseren Arbeitsplätzen, bei der Wohnungssuche, in den Banken und innerhalb so vieler Bereichen unseres Lebens kämpfen müssten – der Schmerz, das Leid und das Trauma, das von unseren Vorfahren durchgemacht wurde, ist tatsächlich in unsere DNA übergegangen. [3]

Wir sehen auch wie es den Leuten ganz egal ist, wie sie uns klarmachen, dass sie mehr Mitgefühl bei dem Tod von Tieren empfinden, als bei dem Tod Schwarzer Menschen. Wir haben mehr Empörung beim Tod von Harambe bezeugen dürfen, als beim Tod der siebenjährigen Aiyana Stanley-Jones oder beim zwölfjährigen Tamir Rice. Ungeachtet von Videobeweisen, findet Gerechtigkeit beim Tod unbewaffneter Bürger – deren einziges Verbrechen es war dem falschen Polizisten über den Weg gelaufen zu sein – ganz selten satt. Wir trauern seit Jahrhunderten, und unsere Trauer geht immer weiter.

Gleichzeitig wäre es unaufrichtig einfach zu behaupten, dass die Vergleiche nicht berechtigt wären. Denn es ist wahr, so wie es Firmen gibt, die auf großen Geldbergen sitzen, die sie durch die Zwangsversklavung Schwarzer Menschen erworben haben, so sind da die Unternehmen, die das Geld sammeln unter dem Gebrauch derselben Taktiken und der gleichen Art der inhumanen Behandlung im Bezug auf Tiere. Das erste Mal, als ich hörte wie Kühe zwangsgeschwängert werden, musste ich sofort an das Buch „Killing The Black Body“ der Juraprofessorin Dorothy Roberts denken, in dem sie schreibt:

„Einige Sklavenbesitzer praktizierten auch Sklavenzucht, indem sie Sklaven, die sie als ‚erste Güte’ einstuften, zwangen sich gemeinsam fortzupflanzen, in der Hoffnung, dass diese besonders geeignete Kinder für die Arbeit oder für den Verkauf produzieren würden.“

Auch schreibt sie,

„Da eine gebärfähige Frau für ihren Herren mehr Wert hatte, wurden diese Frauen seltener an einen neuen Besitzer verkauft … Frauen die keine Kinder bekommen konnten, wurden hingegen häufig verkauft – oder schlimmeres. Sklavenbesitzer, die sich über den Verlust ihrer Investition ärgerten, rächten sich auf grausame physische und psychische Weise an ihren unfruchtbaren weiblichen Sklaven.“

Dieser gründlich recherchierte, ergreifende Text beschreibt weiter wie Schwarze Körper, und dabei insbesondere weibliche Schwarze Körper, immer wieder staatlicher Kontrolle ausgeliefert waren, durch erzwungene und auferlegte Geburtenkontrolle, die erzwungene Trennung von ihren Kindern und weiteres. Als Schwarze Frau weiß ich, was mein Körper und die anderen Körper Schwarzer Frauen vor mir für dieses Land bedeutet haben. Es ist eine erschreckende Geschichte der Ausbeutung, der Gewalt und der Ausübung von Kontrolle.

Aber unter Berücksichtigung all des Gesagten, muss ich doch auch sagen, ich fühlte mich wirklich zutiefst erschüttert, als ich das erste Mal ein Video sah, in dem eine Kuh verzweifelt ihren neugeborenen Jungen hinterherläuft, die Abtransportiert wurden zum Schlachthof. Ich fühle mich völlig angewidert von der Vorstellung, dass Kühe zur Produktion von Milch fortwährend künstlich besamt werden, da logischerweise nur die Kühe, die gerade ein Junges geboren haben, Milch produzieren. Wenn ich die magenumdrehenden beengten, unhygienischen Zustände sehe, in den denen die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten werden, kann ich mir nicht nur nicht vorstellen sie als Nahrungsmittel zu verzehren, sondern ich bin auch zornig darüber, dass sie überhaupt so behandelt werden. Es fühlt sich für mich als völlig entgegengesetzt zu meinen Werten an, diese Art des systemischen Umgangs mit marginalisierten menschlichen Bevölkerungsgruppen zu verurteilen und gleichzeitig so etwas zu unterstützen, allein damit ich Speck essen kann.

Zu sagen, dass mich das veganwerden verändert hätte ist ein Understatement, denn auch ich habe einst gedacht, dass Tiere unter mir stünden und ich habe wenig Aufmerksamkeit auf die Schrecken der heutigen Tieragrarkultur gelenkt. Aber nun habe ich bereits zu viel gesehen und ich weiß zu viel. Mein Bauchgefühl, Vergleiche zwischen der Behandlung von Tieren und der historischen und kontinuierlichen Misshandlung meiner eigenen Leute zu machen, rührt nicht aus einem Winkel der Entmenschlichung oder der Verharmlosung. Es rührt aus einem Raum echter Empathie für andere Lebewesen, die ganz genauso imstande sind Angst, Schmerz und Verzweiflung zu empfinden. Es rührt aus einem Wissen über die inhumanen Systeme, die mit Körpern handeln, mit menschlichen sowie mit tierlichen Körpern gleichermaßen, zum alleinigen Zweck der Generierung unternehmerischer Profite. Der Vergleich steht, weil das System uns damals wie heute wie Tiere behandelt und weil keine dieser Formen von Gewalt okay sind.

Schlussfolgernd muss ich sagen, dass wenn PETA und andere bekannte vegane Organisationen und Personen sich das Leid von Schwarzen, von nordamerikanischen Indianern und anderen historisch unterdrückten Menschen dienlich machen, um so ihre Agenda voranzutreiben (und so ehrenwert wie dies sein mag, aber eine Agenda bleibt eine Agenda), fühlt sich das ausbeuterisch und respektlos an, weil es nicht die Konsequenz eines echten Mitgefühls darstellt. Der Quelle dieses Mitgefühls für Tiere läuft auf Kosten von Menschen, die immernoch jeden Tag darum zu kämpfen haben, dass ihr Leben überhaupt etwas zählt. Sowas kann kein Fundament für einen echten Fortschritt darstellen, sondern es ist eine Weiterführung der Minimierung unseres Schmerzes. So etwas ist fehlgeleitet und scheinheilig. Wenn das Ziel ist, dass Menschen ihr Mitgefühl auf andere Spezies erweitern, dann sollte man erstmal versuchen, für seine eigenen Mitmenschen etwas Mitgefühl zu entwickeln.

Links:

[1] A.d.Ü.: Koch Socha diskutiert in ihrem Text: Die “gefürchteten Vergleiche” und der Speziesismus: eine Ausgleichung der Leidenshierarchie , http://simorgh.de/socha/socha_the_dreaded_comparisons_and_speciesism.pdf , genau diese Problematik, dass die eigene Position in der Anwendung von Vergleichen und der Beschreibung von Parallelen glaubwürdig begründet werden muss. Werden Vergleiche eher als Mittel zum Zweck eingebracht, ist weder der Diskussion um Gerechtigkeit innerhalb der menschlichen Gesellschaft noch den Nichtmenschen in ihrer Problematik damit gedient, Ursachen bleiben unsichtbar, usw.

[2] Rachel Herron: Michelle Obama Says Racist Attacks Like Being Called an Ape ‘Cut the Deepest’ as First Lady, https://www.bet.com/news/national/2017/07/26/michelle-obama-speaks-on-being-a-black-first-lady.html , Stand 17.04.2018.

[3] Lincoln Anthony Blades: Trauma From Slavery Can Actually Be Passed Down Through Your Genes , https://www.teenvogue.com/story/slavery-trauma-inherited-genetics , Stand 17.04.2018.

Rev. 17.04.2018

Podcast: Unwort “artgerecht”

Podcast: Unwort “artgerecht” (MP3)

Warum wir uns an dem Wort und unterschiedlichen Gedanken, die hinter dem Begriff “artgerecht” stehen, stoßen. Wer schreibt einer Gruppe von Tierindividuen zu, was deren grundlegende Bedürfnisse sind und an welcher Stelle sollten grundlegende Bedürfnisse im Leben eines Lebewesens eingrenzbar sein? Provokativ könnte man auch fragen ob man auch Menschen artgerecht behandeln kann.

Artgerechtigkeit bezieht sich auf das ganze Leben, den ganzen Lebenskontext eines Tieres. Wenn man also nur nichtmenschliche Tiere “artgerecht” behandeln kann, Menschen aber nicht, dann legt man damit fest, dass im Leben eines Menschen weit mehr fließende Übergänge im Lebensablauf und in seinen Lebenskontexten stattfinden als bei nichtmenschlichen Tieren. “Artgerecht” – sprich: die Eingrenzung und Bestimmung von Bedürfnissen und wo diese ihre Grenzen und Prioritäten haben – ist zu einfach um die Lebenskontexte von Tierindividuen zu beschreiben. Derer jeglicher Tierindividuen.

Hier sind auch einige Snippets, die mit der Materie zu tun haben und die Euch hoffentlich ebenfalls zum Denken anregen können. Uns geht es darum, dass die Tierrechts-/Tierbefreiungsbewegung wirklich eigene sinnvollere Terminologien (insbesondere Schlüsselterminologien) entwickeln sollte, statt sich der Sprache der bedingt objektiven Wissenschaften und derjenigen gesellschaftlichen Mehrheitssegmente zu bedienen, die effektive keine tierbefreierischen Ansätze verfolgen und die kaum ursächlich motiviert sind Nichtmenschen unter freieren, autonomie-respektierenden Gesichtspunkten zu betrachten.

Der Begriff “artgerecht” stammt primär aus der Agrarindustrie, den Tierhaltungsystemen, den Zoos, auch den zoologischen Programmen zur Nachzucht gefährdeter Spezies … weniger den Schutzreservaten, denn ich glaube um so freier und “wilder” der erhaltene Lebensraum, um so absurder und überflüssiger wird die Eingrenzung einer Spezies in einen bestimmten, eingrenzbaren Bedürfnisrahmen. Außer es geht um den “Artenerhalt” in Form einer Sortierung bestimmter Spezies, die als ökologisch erwünscht oder die bzw. als “fremd” und “schädigend” für ein ökologisches System klassifiziert werden, wo der Mensch die unerwünschte Spezies zur gewaltsamen Eliminierung freigibt. Die Tötungsmechanismen werden dann häufig wiederum unter “artgerechten” Gesichtspunkten ausgewählt.

Gruppe Messel: Freiheit, insbesondere Tierfreiheit, hat nichts mit „artgerecht“ zu tun

Das Wort „Freiheit“ im Zusammenhang mit „Artgerecht“ ist problematisch, denn Freiheit wird von Tierrechtler_innen selbst tatsächlich oft „artspezifisch“ definiert, und ist somit also überhaupt keine Freiheit mehr. Wäre man konsequent, müsste das Wort „Freiheit“ den Begriff „artspezifisch” logischerweise aufheben. Wäre die Freiheit „artgerecht“, dann wäre sie keine Freiheit mehr. Die Freiheit wird nicht einer Art gerecht, sondern das Individuum ist frei.

Anastasia Yarbrough: Rassismus und Speziesismus. Sind beide miteinander austauschbar?

Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“

Barbara Noske: Die Tierfrage in der Anthropologie

Im besten Falle wird unsere „Animalität“ (unser Körper) als materielle Basis betrachtet, aus der sich unser echtes „Menschsein“ (Verstand, Sozialität, Kultur, Sprache) entwickeln konnte. Ironischerweise gravitieren viele Wissenschaftler um essenzialistische Positionen (wie Rasse und Geschlecht), die sie selbst in Hinsicht auf den Menschen ablehnen, sobald aber eine andere biologische Kategorie in Sicht kommt, und zwar unsere Speziesbarriere, wird eine biobehavioristische wissenschaftliche Charakterisierung in den Begriffen beobachtbarer Verhaltensweisen und Mechanismen dargestellt, von denen ausgegangen wird, dass diese im genetischen Aufbau der Tiere eincodiert sind. Biologie und Ethologie sind irgendwie zu den Wissenschaften über die Tierheit (animalkind) geworden. Es ist von diesen Wissenschaften woher die Sozialwissenschaftler (die Wissenschaften über die Menschheit) ihr eigenes Bild von Tieren und Tiersein unkritisch und zum größten Teil unbeabsichtigt beziehen. Tiere sind an biologische und genetische Erklärungen gebunden worden.

Chris von Olde Ghost: Ein Statement zu veganer Intersektionalität

Eine der Situationen, die mich immer wieder perplex machen, verwirren und oft auch erschüttern, ist wie Leute, die sich so dem Schutz, dem Erhalt und der Wiederherstellung der natürlichen Umwelt widmen, ein so geringes echtes Verständnis haben von der Verbindung zwischen dem Veganismus und den Auswirkungen, die eine auf Fleisch basierende Ernährung auf die Umwelt hat. In solchen Diskussionen wurde mir häufig entgegenet „naja, das Fleisch, dass ich esse ist von Tieren aus artgerechter Haltung, und daher ist es ok“ oder man kam mir mit dem blinden Versuch das Thema abzutun, indem man mir von den Negativauswirkungen von Sojabohnenprodukten etzählte, oder von der Tatsache, dass die vegane Lebensweise einfach „extrem“ sei.

Steven Bartlett: Menschlicher Widerstand gegen Tierrechte, psychologische und konzeptuelle Blockaden

Unabhängig vom religiösen Dogma, aber ebenfalls den homozentrischen Stempel tragend, hat der zweite, spezies-zentrierte Anspruch menschliche Interaktionen mit Tieren durchdrungen, in dem die Tiere vergleichsweise zur menschlichen Spezies als in vielen Weisen minderwertig befunden wurden. Nach dieser Ansicht wird behauptet, dass Tiere Eigenschaften ermangeln oder komplett fehlen, auf die Menschen bei sich selbst stolz sind: Der Besitz von Vernunft, Sprach- und Symbolverwendung, Fähigkeit zur Reflektion, Bewusstsein des Selbst und so weiter. Historisch haben Befürworter dieser Sichtweise eine extreme Agilität gezeigt in der Verschiebung ihrer territorialen Ansprüche von einer putativ speziell den Menschen unterscheidenden Eigenschaft zur nächsten, während Biologie und Ethologie weiterhin vorangeschritten sind und empirisch beweisen, dass eine einzigartig menschliche Eigenschaft nach der anderen von Mitgliedern anderer Spezies geteilt wird.

In der Zusammenhang noch einen Auszug aus Bartletts Text den ich hier noch gerne anführen möchte, in allgemeiner Hinsicht im Bezug auf diskriminierende Eingrenzungen von Nichtmenschen aufgrund ihnen zugeordneter biologischer Parameter.

[…] Der homozentrische Peter Singer schlägt eine welfaristisch-utilitaristische Theorie vor, die Menschen dazu auffordert, ihre eigenen Bedürfnisse mit den Bedürfnissen nichtmenschlicher Tiere auszubalancieren, in der Form, dass dadurch unnötiges Tierleid vermieden wird ohne dabei die Priorität menschlicher Interessen zu kompromittieren. Für Singer kann das Vorhandensein von Unterschieden in der kognitiven Fähigkeit korrespondierende Unterschiede im Grad moralischer Wichtigkeit mit sich bringen, und indem er dies sagt, schlägt er implizit eine Position vor, die karikiert werden kann als insistierend: um so mehr sie wie wir sind, um so wertvoller sind sie. In anderen Worten, die Spezies-Barriere ist aufgeweicht – aber nur bis zu dem Punkt, an dem die Ähnlichkeit zur menschlichen Spezies deutlich bleibt. Diese Position ist voller Probleme: zum Beispiel, es mag einige Leser erstaunen, dass Singer bezweifelt, dass für Tiere auf dem Weg zur Schlachtung, ihr schmerzloser Tod wirklich überhaupt eine Beraubung um etwas ist.

Vasile Stanescu: Warum Tiere zu lieben nicht reicht, eine feministische Kritik

In meiner Präsentation heute möchte ich die Aussagen von Kathy Rudy und die Praktiken von Catherine Friend kritisieren, als emblematisch für eine größere Bewegung, die den Feminismus mit Rechtfertigungen für einen fortgesetzten Konsum von Tierprodukten zusammenführen will. Ganz in Gegenteil dazu glaube ich, dass gerade aus der Position sowohl der feministischen als auch der queeren Epistemologie heraus, wir die Aufzucht und die Tötung ganz gleich welcher Tiere kritisieren müssen, auch wenn solche Praktiken als „human“ oder „artgerecht“ gekennzeichnet werden.

[…]

Über das Falsche am ländlichen Bild vom „Happy Meat“ [„glücklichen Fleisch“], hat Alice Walker in ihrem Essay „Bin ich Blue? sagen meine Augen dir dies denn nicht?“ geschrieben [im Englischen bedeutet ‚blue’ sowohl blau als auch traurig]. In dieser Kurzgeschichte erzählt Walker von der Begegnung mit einem Pferd, das jedes der Kriterien aufweisen würde, die Rudy für eine humane, „artgerechte“ Tierhaltung voraussetzt. So trägt dieses Pferd beispielsweise einen Namen, es ist gut genährt, es wurde nicht geschlagen oder „misshandelt“ und es verfügt sogar über zweitausend Quadratmeter an „schöner“ Fläche Land, in denen es umher galoppieren kann.

Dennoch lehnt Walker (die auch glaubt, dass Tiere lieben können und Emotionen haben) die Behandlung von Blue ab, weil das weibliche Pferd, in das Blue sich verliebt hat, von ihm getrennt wurde […].

Vasile Stanescu: Das Judas-Schwein, wie wir “invasive Spezies” unter Vorgabe des “Naturschutzes” töten

[…] So stellt auch seine Kritik an „Fabrikfarmen“ keinen Aufruf zur Beendigung allen Fleischverzehrs dar, sondern es ist nur ein Aufruf dazu, den Mangel an „Fürsorge“ für die Tiere zu beheben. Sein zugrunde liegendes Argument und die Art und Weise in der er imstande ist von den verwilderten Tieren zur artgerechten landwirtschaftlichen Tierhaltung überzuleiten, basiert auf der zweiten Idee, die, so meine ich, seinen beiden Argumenten unterliegt: der Biopolitik, dem Argument also, dass die Menschen das Leben selbst verwalten müssten. Das heißt, der Grundgedanke scheint zu sein, dass die „Natur“ sich nicht um sich selbst kümmern kann, ohne ständige menschliche „Intervention“. Und trotzdem muss genau zur gleichen Zeit diese „Intervention“ kontinuierlich im Verborgenen gehalten werden. Gleich den unsichtbaren Händen der Märkte, die der fortwährenden menschlichen Regulation bedürfen, scheint dieser Aufruf – sowohl zur Entfernung der verwilderten Tiere als auch zur Aufzucht artgerechten Fleisches – in simultaner Weise die ständige Einmischung der Menschen innerhalb des sogenannten „Natürlichen“ zu fordern und zugleich zu leugnen.

[…]

Ich möchte also diesen Diskurs bezüglich der Tötung verwilderter Tiere im Zusammenhang mit dem Diskurs über die artgerechte Viehwirtschaft betrachten. In Wirklichkeit werden Tiere aus vermeintlich humaneren, sog. artgerechten Haltungsbedingungen immer noch genetisch manipuliert, grob misshandelt und im Babyalter in industriellen Schlachthäusern getötet (Stanscu, „Green Eggs and Ham“; „Why Loving Animals in Not Enough“; „Crocodile Tears“). Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre, so wäre diese Praxis immer noch praktisch irrelevant, da 99,9 Prozent aller Tiere, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden, unter den Bedingungen von Fabrikfarmen bzw. in der Massentierhaltung aufgezogen werden (Farm Forward). Ich habe daher auch zuvor argumentiert (Stanescu und Pedersen, „The Future of Critical Animal Studies“), dass der ganze Reiz oder die ganze Nützlichkeit eines locavoren Produkts darin liegt, die beinahe universelle Realität des Fabrikfarmensystems zu maskieren, und, was noch wichtiger ist, die Realität der harten Wahl, die getroffen werden muss, zu maskieren – dass es im Wesentlichen nämlich unmöglich ist, Fleisch und Ethik, beides zu haben. In anderen Worten: das, was die Verbraucher zu einem erhöhten Preis kaufen, ist nicht das Fleisch per se, sondern das Vergessen, dass eine Wahl getroffen werden musste. Und als solche dienen diese wenigen Vorzeigetiere, die auf den vermeintlich humaner oder artgerecht betriebenen Höfen leben, in einer Art symbolischer Stellvertretung der Wiedergutmachung, vergleichbar mit der sonderbaren Praxis der Präsidenten der Vereinigten Staaten einen Truthahn vor Thanksgiving, zu dem in den USA Millionen Truthähne getötet werden, zu begnadigen (Fiskesjö). In ähnlicher Weise agieren diese Höfe, als begnadigten sie symbolisch einige wenige Tiere, um eine Wiedergutmachung für die schätzungsweise 70 Milliarden Tiere zu betreiben, die nun bald weltweit fast ausschließlich unter Farbrikfarmbedingungen getötet werden.

Podcast: Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen

Podcast: Die Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen (MP3)

Oft haben wir in den sozialen Feeds von uns intersektionalen Tierrechtlern nur dieses Ping-Pong zwischen einem Tweet für Tierrechte und einem für Menschenrechte … , aber kaum diskutieren wir die tatsächlichen Verbindungsstellen zwischen Unterdrückungsformen wie Rassismus und Speziesismus. Ich habe einige sehr interessante intersektionale Texte von englischsprachigen Autor_innen übersetzt, in denen klar wird, wo Unterdrückungsformen sich berühren und wie wir die Verbindung in logischer und vernünftiger Weise herstellen können: siehe einige Texte hier.

In Zeiten, in denen die Menschenrechte zunehmend zur Farce wegschrumpfen, Lebensräume für Menschen wie Tiere weltweit nurnoch dominiert werden von machtvollen Menschengruppen, wo Rassismus, Sexismus, Ableismus … und die Gewalt gegen Nichtmenschen in Form von Speziesismen und Gewalt gegen die natürlichen Lebensräume von Nichtmenschen sich zur totalen Zerstörung verdichten, können wir nicht sagen, wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, sondern wir sollten Kritik üben und Kritik überhaupt üben können in den täglichen Diskussionen mit Mitmenschen und bei unserem Output in sozialen Netzwerken zum Beispiel.

Dies ist ein Aufruf die Verbindung zwischen Menschen- und Tierrechten vermehrt zu verbalisieren, und nicht nur bei dem Nebeneinander der Tragödien zu verharren.

P.S. Es reicht meiner Meinung nach nicht für die Argumentation für die Schnittstellen von Menschen- und Tierrechten von der sensuellen Empfindsamkeit beider “Klassen” von Lebewesen (….) auf biologischer Grundlage zu sprechen. Ich weiß, dies tat Jeremy Bentham Ende des 18. Jahrhunderts schon als Utilitartist der er war sehr überzeugend, aber genau da ist der Knackpunkt: wir sollten uns seit der Diskussion über Tierethik und/oder Tierwürde, etc. seit dem 18. Jhdt. doch inzwischen ein bisschen weiter voraus wagen.

Sebastian McJetters: Queere Menschen haben ein Problem mit den Republikanern … und Tieren geht es da nicht anders

Headline: „Republikanischer Abgeordneter: „Es exisitert ein ‚Unterschied’ zwischen Schwulen und Menschen“

Christopher McJetters: Queere Menschen haben ein Problem mit den Republikanern … und Tieren geht es da nicht anders

Titel des Textes im Original: , Queer people have a republican problem…but animals have one toohttps://strivingwithsystems.com/2017/06/28/queer-people-have-a-republican-problembut-animals-have-one-too/. Übersetzung: Gita Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung von Crhistopher McJetters.

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Während einer Debatte vom letzten Monat über ein Gesetz zum Schutz von LGBT-Menschen hat der republikanische Politiker Rick Brattin folgendes erklärt: „Wenn man sich die Grundlagen der Religionen anschaut, der der Bibel, des Korans und anderer Religionen, so gibt es einen Unterschied zwischen Homosexualität und dem schlichten Menschsein.“

Ich wiederhole den letzten Teil des Satzes nochmal für die Leute in den hinteren Reihen: Es existiert ein Unterschied zwischen Homosexualität und der schlichten Tatsache ein Mensch zu sein. Tatsächlich. Brattin glaubt, dass Homosexualität einen Menschen unmenschlich macht. Und er ist mit seiner Überzeugung nicht alleine.

Ich war natürlich entsetzt angesichts solch einer bemerkenswerten Aussage. Aber dann erinnerte ich mich, dass diese Worte nur die letzten sind in einer langen und stolzen Geschichte von konservativen US-amerikanischen Politikern, die Erklärungen mit einer Qualität geistiger Brandstiftung über queere Menschen von sich gegeben haben. Doch diese Überlegung überraschte mich noch nicht einmal.

Der einstige Präsidentschaftskandidat (und jedermanns liebstes komplettes Desaster) Dr. Ben Carson erklärte im Jahr 2014, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu Pädophilie und Zoophilie führen würden. Und Rick Santormum [A.d.Ü. ein weiterer republikanischer Politiker und Kongressmann, ehem. Senator des Bundesstaates Pennsylvania] hat solche Thesen mindestens seit dem Jahre 2003 verbreitet.

Wenn man nun mal davon absieht, dass dieses waghalsige Argument jeglicher Logik entbehrt (und völlig bekloppt ist) … und wenn man auch einmal davon absieht, dass die meisten pädophilen und zoophilen Akte von Leute begangen werden die „straight“ sind [A.d.Ü. d.h. der völligen heteronormativen ‚Normalität’ entsprechen], zeugen Brattins Worte von einem immer wiederkehrenden Argumentationsstrang, den wir schon zuvor hier diskutiert habe, und zwar die Erfindung des Menschseins als einer politischen Identität.

Wie wir sehen ist „der Mensch“ ist ein kodierter Ausdruck, der für normatives Weißsein [A.d.Ü. siehe Erklärung zum Begriff ‚Weißsein’ unten] steht. Der Zugang zu diesem Weißsein wird nur durch die Sprünge mehrerer brennender Reifen gestattet. Und ratet mal was. Dieser Zugang ist flüchtig und er kann jederzeit widerrufen werden. Jeder der nicht im Sinne der Standards normativen Weißseins als ‚menschlich’/’Mensch’ gilt ist nicht mehr als entweder eine Kollateralschaden, minderwertig oder er stell eine ausbeutbare Ressource dar (und dieser letzte Punkt kann nichtmenschliche Tiere einbeschließen, Schwarze, so ziemlich jedes Wesen mit einem funktionierenden Uterus, Geringverdienende oder diejenigen auf die all dies gleichzeitig zutrifft!).

Weiße schwule Männer dürfen dem Club beitreten … aber auch nur manchmal. Der Schutz durch das Weißsein gilt für sie nur begrenzt, basierend auf ihrer Fähigkeit heterosexuelle Maskulinität darzustellen. Und, wie wir in Brattins Kommentar feststellen können, der Poposex kann sie manchmal direkt vor den Bus werfen.

Und wenn die Kommentare im Pink News Artikel uns dies irgendwie aufzeigen können, so sind sie nicht allzu glücklich darüber.

Natürlich, animalisiert zu werden stellt für jede farbige Person unter den Blicken normativen Weißseins nichts wirklich Neues dar. Leute haben schwarze Menschen schon ewig mit Tieren verglichen. Fragt Serena William oder Michelle Obama, Es gibt unzählige Beispiele. Und wenn Du eine queere schwarze Frau bist, dann hast Du in jeglicher Hinsicht Probleme, denn Du stehst genau mitten in der Kreuzung von „Rasse“ [A.d.Ü. siehe Anmerkung zum Begriff „Rasse“ unten], Gender und Sexualität. Und der Bus ist SCHNELL da. Und bitte, denkt nicht einmal darüber nach auch zusätzlich noch trans zu sein, denn … (verstummt in Erschöpfung bei dem Gedanken mehr als 14,000 weitere Worte niederschreiben zu müssen).

Die Falle in die wir natürlich treten, ist die, dem Weißsein weiterhin die Vorteile dieser Hierarchie zu gestatten. Der Mensch (lies: Weißsein) kann nicht oben auf dem Hügel sitzen wenn wir den Hügel insgesamt abschaffen. Als ich damit aufhörte zu versuchen mein Menschsein in den Augen des Weißseins beweisen zu wollen, und mich stattdessen mit den marginalisierten Personen zusammentat in einem Sinne der Tiere mit einbezog, gelangte ich zu einem bindenderen Sinne von Solidarität. Die langjährige vegane und queere Aktivistin pattrice jones befasst sich mit diesem Thema in ihrem Vortrag über die Gemeinsamkeiten von Unterdrückung, der für mich eine maßgebliche Rolle bei der Veränderung meines Rahmenkonzepts spielte.

Als schwarze queere femme-of-center Person der Menschenrechte etwas bedeuten meine ich, dass unser gemeinschaftliches Verständnis dessen was diese Rechte bedeuten, einen Drall in die Richtung erhalten hat, dass wir dadurch einen eigenen Zugang zum Weißsein [A.d.Ü. siehe Erklärung zum Begriff „Weißsein“ unten] erhalten würden, statt wirklich nach Gerechtigkeit zu suchen. Und da dies immer noch die Hierarchie von Unterdrückung aufrecht erhält, bin ich daran nicht interessiert. Das heißt zum Teil fokussiere ich aus diesem Grund stattdessen meinen Aktivismus auf Tiere. Wir wissen inzwischen bereits, dass Unterdrückung in Isolation am besten gedeiht. Unser Privileg also dazu zu nutzen um uns selbst auf eine Linie mit den marginalisierten Gruppen zu bringen, stellt also eine direkte Bedrohung für die Institution weißen Überlegenheitsdenkens dar.

Obwohl, wenn man es realistisch betrachtet schaffen es weiße queere Leute (insbesondere Männer) kaum ihre Solidarität farbigen queeren Menschen gegenüber zu bekunden, das letzte Beispiel war die Menge an boshaft rassistischer Kritik an queeren Leuten in Philadelphia die eine neue Variante der Pride-Flagge in ihrer Community vorgestellt hatten. Vielleicht bete ich also bloß für ein Wunder.

Und, eine Ausschlussklausel: Bevor es Dir vielleicht einfällt zu sagen, dass auch einige schwarze Leute diesen Firlefanz mit unterzeichnen würden, so wissen wir dies bereits. Und das ist auch warum ich den Begriff des normativen Weißseins so betone. Du musst nicht tatsächlich weiß SEIN um dich damit zu identifizieren oder das normative Weißsein fortzusetzen. Eine anti-schwarze Haltung ist so schlimm wie eine Droge. Und ironischerweise beschränkt sich die Sucht danach nicht auf irgendeine Hautfarbe.

Und wenn wir schon gerade davon sprechen, können wir nochmal kurz zurück zu Ben Carson gehen? Ich denke wir müssen wirklich etwas tun. Dieser Mann ist ein Hirnchirurg. Ein echter GEHIRNCHIRURG. Ich glaube ihr solltet Euch alle mehr fürchten als ich glaube dass ihr es tut.

Anmerkungen des Übersetzters:

Zum Begriff des Weißseins: „Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige. Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft.“ Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness as Metaprivilege, Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

Der Begriff ‚race’ wird in der kritischen Diskussion über Rassismus im Amerikanischen in seiner politisierten Bedeutung verwendet und ist klar abgegrenzt zu verstehen von einem rassenbiologistischen Begriff, wenn er sich im westlichen Denken auch ursprünglich darauf begründet hat. Ich setze den Begriff „Rasse“ der Übersetzung in Anführungszeichen, da der Begriff im deutschen Sprachgerbauch vorwiegend durch seinen geschichtlichen Hintergrund der rassistischen Propaganda des NS-Regimes gekennzeichnet ist. In einigen anderen rassismuskritischen Überserzungstexten habe ich nichtdestotrotz bei der Verwendung des Begriffes auf die Anführungszeichen verzichtet, da der Unterschied zwischen politisiertem und rassenbiologistischem Sprachgebrauch aus solchen Texten prinzipiell klar hervorgeht. Da dieser Text einen weitläufig einführenden Charakter hat, habe ich mich hier für die Setzung in Anführungszeichen entschieden.

Alle Links: Stand 15.07.2017.

Introspektionen und Distanz. Eine Eigenkritik am Vegansein, denn es umfasst noch nicht genug.

Was mich interessiert ist der Grund, warum die ‘vegane Bewegung’ im deutschsprachigen Raum so kaum kritisch mit sich selbst umgehen will. Das fällt mir besonders auf, bei der Kluft zwischen Wunsch und Realität in Sachen ‘wir sind moralisch ja doch überlegen – weil wir die Tiere in unsere Ethik mit einbeziehen’.

Meine lieben veganen Kolleg_innen werden ihrem Anspruch in einer eingegrenzten und praxisorientierten Ebene gerecht, aber die Ursachen von Speziesismus (als den Veganismus notwendig machende Unterdrückungsform) werden nicht weiter hinterfragt und ‘veganisiert’. Und so und anders ist der Veganismus noch lange nicht die letzte Station in Sachen intersektionaler Gerechtigkeit, die wir jemals erlangen könnten.

Man denke an folgende offensichtliche Defizite:

Wie geht man mit dem veganen Konsumerismus um?

Das schlimme ist, dass immer nur ein Weg als der gangbare untereinander gefördert wird. So haben wir es auf der einen Seite mit der Gruppe Veganer_innen zu tun, die sagen, jeder Konsum ist gut, solange vegan… und mit der andere Seite, die da sagt, wir müssen alles in Richtung Postwachstum ausbauen und eine biovegane Landwirtschaft (1) als gemeinsame Utopie verfolgen. Die reell existierende Schnittmenge (denn wir alle sind gezwungen irgendwie zu konsumieren) und die bislang kaum wahrgenommenen Ruderalerscheinungen (andere, vielleicht auch weniger spektakuläre vegane Lebensmodelle) ringsherum fallen in der Selbstwahrnehmung der ‘veganen Bewegung’ generell unter den Tisch.

Wie geht man mit der veganen Entpolitisiertheit um?

a.) in Sachen Menschenrechten: die Veganer_innen in unseren Gefilden halten sich zumeist für interessiert an globalen Menschenrechten. Die Warte, die aber immer vorwiegend eingenommen wird, ist eine weiß-zentrische, patriarchal-freundliche, die die Folgen von Rassismus und (Post-)Kolonialisierung und das Ineinandergreifen unterschiedlicher Herrschaftsstrukturen und hegemonialer Unterdrückungsmechanismen als ‘Minderheitsprobleme’ (2) abtut. So kannst Du kaum erwarten, dass ein_e Veganer_in hierzulande sich dafür interessiert, was tatsächlich in einem anderen Land an Menschenrechtsverstößen los ist. Ein Mensch, der die Privilegien unserer neoliberalen Demokratien genießt, braucht sich nur nach dem Soll zu richten, dass die Medien und ein allgemeines soziales Unwohlsein und schlechtes Gewissen in der Gesellschaft ihm vorgibt.

b.) auf welcher Ebene wird der Veganismus eigentlich beworben? Es gibt die Veganer_innen, die die gesundheitlichen Aspekte betonen, und diejenigen, die mit der ethischen Seite werben und primär argumentieren… soweit, dass Nichtmenschen ja auch fühlende Wesen sind; aber viel mehr wird auch nicht am anthropozentrischen Gerüst gekratzt … und das waren wohl auch schon beide Hauptströmungen im Veganismus. Beide sind in dem Punkt miteinander d’accord, dass sie auf die Ernsthaftigkeit der Tierunterdrückung nur mit einer Tierethik hinweisen, die Tiere immer noch als Objekte der Definitionshoheitsgebiete einer anthropozentrischen Naturwissenschaft, eines anthropozentrischen Rechts, solcher Religionen und Kulturen und Kulturverständnisse betrachten. Der eigentliche Unterdrückungsmoment ist also im weiß-zentrischen Veganismus immer noch nicht behoben.

Der Lösungsweg zur veganen Gesundheit und die Vorstellung von veganer Konsequenz liegt zumeist einerseits in der Propagierung eines konsumabhängigen Hebels (3) und Lifestyles, und andererseits haben wird den Anspruch auf vegane Kompetenz im kollektiven Aktivismus bei Demos, in sozialen Netzwerken, in Vereinen, bei Konferenzen, in der Obhut des Kulturindustriellen- und Bildungsindustriellen-Komplex… , wobei immer wieder Mehrheitsprinzipien begünstigt werden und dabei wenig pluralistisches Denken und Handeln zugelassen und/oder hervorgebracht wird. (4)

Der intersektionale Anspruch der ‘aufgeklärten’ Variante des weiß-zentrischen Veganismus klammert immer noch aus, den Tieren im politischen und soziologischen Zusammenhang als ‘animal bodies’ eine Autonomie zuzugestehen und die Menschen in einem weitaus größeren Geflecht zu betrachten als unter dem Gesichtspunkt weiß-zentrischer Narrative. Dies mag an den stagnanten Vorgehensweisen liegen die man wählt, oder daran, dass das Konzept des Veganismus selbst immer noch zu vage ist und in seinen politisch/ethischen/sozialen Forderungen nicht wirklich weit genug geht.

Ich denke immer noch man könne den Veganismus ausbauen, aber vielleicht muss man auch an neuen konkreteren Konzepten basteln. Und das Bewusstsein, dass Tiere mit in den ethischen und politischen Raum hineingehören, ist vielleicht einfach eines, das eh, ganz selbstverständlich im Zuge menschlicher Emanzipation fällig war.

(1) Die biovegane Landwirtschaft interessiert sich für die nichtmenschlichen Tiere, denen Raum zurückgegeben müsste, auch nur als ‘abwesenden Referenten”, indem ihnen in der Lebensgemeinschaft, für die man ‘Land’ in veganer Weise in Anspruch nimmt, keine tierliche Teilhabe zugestanden wird und man ihrer Problematik nur als indirekt adressierbar begegnet. Das Problem des Lebensraumes wird den Lebenshöfen überlassen, die als ‘Utopie’ und Lebensform weit weniger seitens des Veganismus durchformuliert werden. Siehe für eine Kritik an dieser Handlungsweise: Vegan Mergers: Sanctuaries, Veganic Land ‘use’ and Biotopes.

(2) Zur Unsichtbarkeit neoliberalen Post-Rassismus: Neoliberal Racism’s Post-Racial Playbook, wobei der ‘Unsichtbarkeit’ als soziales Problem der Unterdrückungsmechanismen überhaupt fortwährend und übergreifend begegnet werden muss.

(3)  “Bei vielem der Rhetorik, die sich um das koloniale Weißsein windet, geht es um Ängste bezüglich des Körpers und um Reinheit. Und dann schließlich, ein Konzept das nun eher neu dazukommt: Neoliberalismus: dass eine Veränderung effektiv nur durch die individuelle Macht der Konsumenten herbeigeführt werden kann, nicht aber durch strukturelle Veränderungen. Alles was du zu tun hast, ist ein veganes Produkt zu kaufen um damit einen gesunden Körper zu erlangen.” – A. Breeze Harper: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive.

(4) Das Denken, als Notwendigkeit und Chance im Aktivismus, fällt im Veganismus noch zu viel unter den Tisch, und so wird kein zugrunde liegendes Konzept, kein Rahmenwerk einer ‘veganen’ Ethik entwickelt. Die antirassistische Tierbefreiungs-Aktivistin Aph Ko äußert dazu folgende Kritik:

“Viele Leute bereifen nicht, dass das Denken tatsächlich einen Teil unseres Aktivismus ausmachen sollte. Das Denken wurde schon viel zu lange von der akademischen Welt vereinnahmt und so meinen wir, dass wir Theorie und Gedankenentwicklung eben ‚diesen’ elitistischen Menschen überlassen sollten … wenn genau aber dies doch einen Teil der öffentlichen Domäne ausmachen sollte.
[…]
Da zahlreiche unkritische Menschen Führungspositionen in den Bewegungen einnehmen, verlässt man sich auf sehr einfache, an der Oberfläche verharrende Taktiken um Menschen zu einem politischen Lebensstil hingehend zu „schocken“. Daher hat der Veganismus auch einen entsprechend schlechten Namen erhalten … er bleibt an der Oberfläche und ist sensationalistisch. Bildlichkeit kann funktionieren, insbesondere wenn sie an ein neues Rahmenwerk gebunden wird … aber die Schaffung neuer konzeptueller Rahmenwerke ist generell genau der Teil, der übersehen wird.”

Siehe: Eine antirassitische Aktivistin, die für die Tierbefreiung kämpft. Ein Interview von Mark Hawthorne mit Aph Ko.

Krokodil @veganerbund

Eine antirassitische Aktivistin, die für die Tierbefreiung kämpft. Ein Interview von Mark Hawthorne mit Aph Ko.

Ein Interview von Mark Hawthorne mit Aph Ko

Aph Ko: Eine antirassitische Aktivistin, die für die Tierbefreiung kämpft

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Quelle dieses Interviews mit Aph Ko ist Mark Hawthornes Blog ‚Striking at the Roots: Animal activism around the world’: Aph Ko: Anti-Racist Activist Fighting for Animal Liberation, https://strikingattheroots.wordpress.com/2016/05/31/aph-ko-anti-racist-activist-fighting-for-animal-liberation/. Übersetzung: Gita Yegane Arani-Prenzel, mit der freundlichen Genehmigung von Aph Ko und Mark Hawthorne.

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Wer sich im letzten Jahr aktiv in der veganen Bewegung engagiert hat, der hat bestimmt bereits schon etwas von Aph Ko gehört. Aph ist im Bereich sozialer Gerechtigkeit aktiv und setzt dazu in effektiver Weise die sozialen Medien ein. Sie hat 2015 das Projekt ‚Black Vegans Rock’ gegründet, nachdem sie als vegane Aktivistin einen Bericht mit einer erstmaligen Auflistung 100 schwarzer Veganer_innen verfasste, und, sie ist die Gründerin von Aphro-ism – einer Webseite, die sich der schwarzen veganen feministischen Analyse widmet, und die sie gemeinsam mit ihrer Schwester Syl Ko betreibt. Beide fordern dort das, was sie als eine „epistemologische Revolution“ bezeichnen, indem sie über die Unterdrückung von Tieren und rassifizierte Unterdrückung schreiben. „Wir glauben, dass wir mitunter mehr für die Tiere und uns selbst tun können, indem wir die Art und Weise ändern, wie wir tatsächlich begreifen, warum Unterdrückung überhaupt geschieht,“ erklärt Aph in dieser beeindruckenden Rede, die sie anlässlich der Intersectional Justice Conference im Staate Washington gehalten hat, und bei der ich die Ehre hatte Aph und einige andere beachtenswerte Aktivist_innen im März dieses Jahres kennen zu lernen.

Aph ist auch eine Produzentin unabhängiger Medien und die Schöpferin der Comedy-Webserie ‚Black Feminist Blogger’. Man braucht wohl kaum erwähnen, dass Aph außerordentlich beschäftigt ist, ich bin ihr daher also besonders dankbar, dass sie sich die Zeit genommen hat, mir auf einige Fragen über ihren Aktivismus per Email zu antworten. Ich denke Ihr werdet von ihren Denkanstoß gebenden Antworten sehr begeistert sein.

Aph, du bist im Punkte digitaler Medien unheimlich bewandert – bloggen, Videos, die sozialen Medien, Online-Artikel. Bist Du der Meinung, dass es eine Form gibt, die sich für den Aktivismus für soziale Gerechtigkeit in ihrer Effizienz ganz besonders eignet?

Ich denke all diese Formen dienen einem einmaligen und spezifischen Zweck. Videos sind hilfreich dabei, bestimmte Narrative voranzutreiben, in einer Weise wie es das Bloggen nicht kann; Bloggen hingegen ist eher persönlich. Es hilft mir dabei, meine eigene Stimme auszutesten, während ich anderen dabei zugleich gute Ressourcen empfehlen kann. Ich denke deine Stärken geben dir vor, welches Medium du am besten verwenden solltest. Wenn du mehr Fähigkeiten darin besitzt, deine Gedanken expressiv zu artikulieren und Zusammenhänge eher über das Sprechen herleitest, dann ist es wahrscheinlich besser wenn du ein Video machst. Wenn du deine Gedanken aber besser über das Schreiben organisieren kannst, dann ist es von Vorteil, wenn du ein Blogposting verfasst.

Ich glaube viele Veganer_innen sind sich in dem Punkt einig, dass die digitalen Medien dabei geholfen haben, die vegane Botschaft voranzubringen. Denkst Du, dass die digitalen Medien auch dabei hilfreich waren, Fortschritte bei den Themen zu erwirken, die die marginalisierten Gruppen anbetreffen?

Ich würde sagen ja und nein. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich realisiert habe, wie ich die digitalen Medien dazu gebrauchen wollte, um meine Stimme zu verstärken, während ich mir aber gleichzeitig mein Gefühl für die Gemeinschaft bewahrt habe. Ich denke, dass die digitalen Medien und das Internet insgesamt bloß eine Erweiterung der realen Welt, in der wir leben, darstellten, und so beherrschen Rassismus und Sexismus selbst auch diese digitalen Räume. Aus diesem Grund erhalten auch bestimmte Stimmen mehr Aufmerksamkeit als andere. Bestimmte Versionen der Realität werden verbreitet, während andere zur Seite gedrängt werden.

Und das ist auch warum das eurozentrische Denken und das Weißsein [1] beinahe alle Bewegungen sozialer Gerechtigkeit befallen – selbst online. Weiße Menschen schreiben zum größten Teil die Literatur, die verbreitet wird. Ihre Sichtweise über Unterdrückung und Befreiung wird als einzige oder als die maßgebliche Perspektive betrachtet. Und, da sie die über die meisten Ressourcen verfügen, sind sie auch imstande dazu, zu den bestimmenden Autor_innen in den Forderungen nach sozialem Wandel und im Aktivismus zu werden, was allerdings verheerende Konsequenzen mit sich gebracht hat.

In der Vergangenheit habe ich Stunden damit verbracht, die Art zu bekämpfen wie Weiße ihre Arbeiten erledigen, bis ich eines Tages gemerkt habe, dass mich das Ganze einfach nur noch langweilte. Die weiße Realität fortwährend zu bekämpfen, lässt einen zu dem Eindruck gelangen, als sei deren Realität tatsächlich die einzige die existiert. Ich musste meine eigenen Erfahrungen validieren indem mit People of Color [2] sprach, indem ich für und an People of Color schrieb und indem ich Texte von People of Color las. Und hierbei halfen mir die digitalen Medien. Ich habe meine Herangehensweise an die Themen Unterdrückung und Befreiung dabei absolut revolutionieren können und bin dafür vielen schwarzen radikalen Autor_innen dankbar, die unermüdlich online arbeiten um qualitativ hochwertige und wegweisende Analysen zu bieten.

Für minorisierte Menschen ist es schwer online miteinander zu kommunizieren, ohne einem weißen, sich einmischenden Kontrollblick ausgesetzt zu sein und ohne Appropriationen. Sobald einige Minderheiten bemerken, dass Weiße ihnen zuschauen, ändern sie ihr Verhalten oder fangen an ihre Artikel auf ein weißes Publikum zuzuschneiden.

Ich kann dir nicht sagen wie viele Vegans of Color Essays und Artikel FÜR Weiße schreiben, während sie dabei die farbige Leserschaft total außer Acht lassen.

Und daher denke ich, dass abhängig davon wo man sich gerade in seinem Aktivismus befindet, die digitalen Medien entweder ein Werkzeug zur Befreiung sein können, dass einem dabei hilft sich mit Leuten zu verbinden, die ebenso dabei engagiert sind sich für einen positiven Wechsel in der Welt einzusetzen, oder sie können dir dabei helfen, die weiße Version der Realität (ungeachtet deiner Hautfarbe) zu reproduzieren.

Es ist (wirklich) schwer einen echten Wechsel online zu erleben, wenn das digitale Terrain auf dem wir stehen, sich im Besitz Weißer befindet.

Welchen Rat hast du für Leute, die damit beginnen wollen, die digitalen Medien für ihren Aktivismus zu gebrauchen?

Meine Antwort hängt zum größten Teil davon ab, wer mir solch eine Frage stellt. Der Kontext spielt hier definitiv eine Rolle. Wenn du eine weiße Person bist, die eine Webseite oder ein digitales Projekt über Tierrechte oder Feminismus oder Antirassismus starten will, dann halte inne und überlege mal, warum du meinst du müsstest dies tun wenn es bereits so viele Räume gibt, die von Weißen geschaffen worden sind. Bietest du wirklich eine Perspektive die es nicht schon da draußen gibt, oder willst du einfach ein wenig digitales Land für dich einnehmen?

Wenn du eine Person of Color bist, würde ich dir zuerst einmal zur Vorsicht raten, bevor du damit beginnst, deine Ideen kostenfrei dort in die Welt zu tragen. Es gibt vermehrt Belege dafür, dass Ideen und Gedanken, die von People of Color online gestellt werden, immer öfter gestohlen werden. Das heißt, dass eine Urheberschaft von People of Color nicht gekennzeichnet wird, oder auch, dass sie für ihre Ideen nicht kompensiert werden, was wiederum bedeutet, dass farbige Aktivist_innen wirklich vorsichtig sein sollten, wenn sie die digitalen Medien verwenden um andern ihre Gedanken mitzuteilen.

Ich würde sagen, dass man nicht all sein Vertrauen in das Internet oder die sozialen Medien stecken sollte. Zum Beispiel ist es kein Zufall, dass weiße Männer einige der erfolgreichsten Plattformen sozialer Medien, die wir heute verwenden, geschaffen haben. Dies sollte Activists of Color, die diese Räume gebrauchen um antirassistische Befreiungsprojekte [3] zu schaffen, etwas signalisieren. Das Rohmaterial, das wir in unserem Aktivismus gebrauchen, spielt eine Rolle.

Ich musste das in einer unliebsamen Weise herausfinden. Meine Ideen wurden gestohlen, neu verpackt, und ich habe zusehen müssen wie andere dafür Gelder einstrichen – für genau die Dinge, die ich zuvor geschrieben hatte (selbst Activists of Color haben meine Arbeiten verwendet). Ich bin dadurch viel vorsichtiger damit geworden, meine Texte online zu veröffentlichen. Wenn man etwas Neues oder Interessantes zu sagen hat, dann haben Leute häufig die Neigung, sich in deine Richtung zu bewegen und dann tatsächlich Dinge zu übernehmen, die du geschrieben hast. Um ehrlich zu sein, betrachte ich das Bloggen insgesamt durch diese Erfahrung in einem ganz andern Licht.

Ich denke People of Color müssen lernen die geschäftliche Seite des Aktivismus zu begreifen, bevor sie sich der digitalen Welt anschließen und beginnen, ihr zu vertrauen … denn nicht zuletzt ist der Aktivismus selbst zum größten Teil ein Geschäft. Im überwiegenden Maße besitzen Weiße die größten Non-Profits und die korporativen Aktivist_innen-Seiten und -Räume. Den People of Color ist dies nicht ganz so bewusst, da wir eher dazu tendieren an den Aktivismus aus Gründen des Überlebens zu kommen und nicht so sehr wegen des Geschäfts (dies trifft allerdings nicht auf alle Fälle zu).

Wenn marginalisierte Menschen also die digitalen Medien für ihr Überleben einsetzen, und man die Leute der dominanten Klasse hat, die digitale Medien für Geschäftszwecke nutzen, dann kannst du dir wohl ausmalen als wie predatorisch und brutal sich das digitale Territorium für einige von uns entpuppen kann.

Ich entwickle ein zunehmendes Misstrauen der Onlinewelt gegenüber als ein Vehikel für den sozialen Wechsel. Und deshalb erkunde ich zusätzliche Möglichkeiten was zum Beispiel die Printmedien anbetrifft. Minorisierte Aktivist_innen sollten meiner Meinung nach viel mehr Kraft in das Verfassen von Buchpublikationen oder in die Schöpfung eine Zines stecken … als etwas haptisches, das man besitzen kann, statt das weiße digitale Land einzusetzen um ihre intellektuellen Gedanken zu kultivieren.

Existieren neben BlackVegansRock.com und Aphro-ism.com weitere schwarz-zentrische Online-Räume die du Aktivist_innen empfehlen würdest – insbesondere welche, die dich beeinflusst haben?

Defnitiv. Mich haben Seiten wie das Sistah Vegan Project und Striving with Systems sehr beeinflusst. Ich schaue mir auch gerne digitale Räume an, die nicht unbedingt über Tierrechte sprechen, jedoch aber über andere ebenfalls systemische Probleme. Ich liebe For Harriet, Black Girl Dangerous, Crunk Feminist Collective, alles von Dr. Brittney Cooper und Autostraddle (bei denen man einige großartige queere schwarze Autor_innen findet).

Du hast an anderer Stelle gesagt, dass die Tierrrechts-/vegane Bewegung sich zu sehr auf Bilder verlässt und zu wenig auf das kritische Denken. Kannst du uns das ein wenig erklären?

Ich bin bekannt für meine Aussage: Menschen sind nicht durch einen Schock zum Fleischessen gekommen und sie werden sich auch nicht durch einen Schock wieder davon wegbringen lassen.

Ich will das ein wenig erklären: das größte Problem, das die weiße Tierrechtsbewegung hat, ist, dass sie es nicht wirklich schaffen zu orten WARUM Tierunterdrückung stattfindet. Sie sehen die Unterdrückungsfolgen – die sehen die Opfer – aber die meisten dieser Aktivist_innen haben konzeptuell keine Ahnung weshalb Tiere systematisch verletzt werden. Manchmal tut es einem weh Aktivist_innen der dominanten Klasse dabei zu beobachten, wie sie versuchen Kampagnen zu entwerfen, die die Unterdrückung von Tieren beenden sollen (ohne zu begreifen, dass sie sie in Wirklichkeit fortsetzen) und andere Male ist es beinahe lachhaft.

Weiße Leute scheinen nicht zu versehen, dass das weiße Überlegenheitsdenken Tieren systematisch schadet [4]. Weiße möchten nicht aus ihrer Führungsrolle hinaustreten, sie wollen aber die Tierunterdrückung beenden, was soviel heißt wie, sie wollen Verhaltensweisen, die Tiere diskursiv verletzen, nicht verändern.

Da zahlreiche unkritische Menschen Führungspositionen in den Bewegungen einnehmen, verlässt man sich auf sehr einfache, an der Oberfläche verharrende Taktiken um Menschen zu einem politischen Lebensstil hingehend zu „schocken“. Daher hat der Veganismus auch einen entsprechend schlechten Namen erhalten … er bleibt an der Oberfläche und ist sensationalistisch. Bildlichkeit kann funktionieren, insbesondere wenn sie an ein neues Rahmenwerk gebunden wird … aber die Schaffung neuer konzeptueller Rahmenwerke ist generell genau der Teil, der übersehen wird.

Taktiken die primär Bilder nutzen, erinnern mich an so manche Feminist_innen, die sich auf eine sexualisierte Bildmetaphorik, in der Frauen dargestellt werden, stützen, um Menschen dahingehend zu schockieren, damit sie beginnen sich gegen Sexismus einzusetzen … es ist so … wenn du Menschen kein neues Rahmenwerk bietest, mit dem sie problematische Verhaltensweisen begreifen lernen können, dann ist alles was sie da sehen, einfach noch mehr Bebilderung von jeweiligen Objekten die hier objektifiziert werden.

Ich will damit nicht sagen, dass Leute ihr Verhalten nicht ändern könnten, wenn sie solche Bilder gesehen hätten; was ich sagen möchte ist, dass ich nicht gezwungenermaßen davon ausgehe, dass dadurch ein langfristiger Wechsel stattfinden wird. In unseren Bewegungen konzentrieren wir uns zu sehr auf die Opfer, ohne dabei zu verstehen, weshalb diese Körper eingangs überhaupt zu Opfern geworden sind. Sie sind schließlich nicht über Nacht zu Opfern geworden und wir müssen ebenso konzeptuell arbeiten um dieses Problem zu lösen. Viele Leute begreifen nicht, dass das Denken tatsächlich einen Teil unseres Aktivismus ausmachen sollte. Das Denken wurde schon viel zu lange von der akademischen Welt vereinnahmt und so meinen wir, dass wir Theorie und Gedankenentwicklung eben ‚diesen’ elitistischen Menschen überlassen sollten … wenn genau aber dies doch einen Teil der öffentlichen Domäne ausmachen sollte.

Zu einem großen Anteil ist die Tierunterdrückung nicht allein eine Problematik, die ausschließlich die Tiere anbetrifft. Das Problem liegt vielmehr im weißen menschlichen Überlegenheitsdenken, und so müssen wir den entsprechenden Punkt auch mitsamt seiner Wurzeln ans Tageslicht befördern, bevor wir kontextlos auf die Opfer hyperfokussieren. Doch genau das ist was geschieht: wir sollen die Bildquellen von Tierunterdrückung, ohne irgendeinen Kontext hinsichtlich dessen, wer der echte Unterdrücker ist, anschauen, was aber letztendlich zu so viel Verwirrung im Punkte der Strategien zur Beendigung der Tierunterdrückung führt.

In der Tierrrechts-/veganen Bewegung existieren zahlreiche innere Zwistigkeiten, und es scheint, dass es in den letzten Jahren eher noch schlimmer geworden ist. Hast Du irgendeinen Rat für einen Neuling in der Bewegung, der durch diese Zwiste vielleicht verwirrt ist?

Ich habe eigentlich nicht den Eindruck, dass die internen Streitereien schlimmer werden … ich denke das weiße Überlegenheitsdenken in der Bewegung wird einfach leichter erkennbar. Ich glaube, dass die Menschen in der dominanten Klasse, die sich niemals über marginalisierte Menschen und deren Perspektiven den Kopf zerbrechen mussten (einfach weil das Spiel immer abgekartet war), inzwischen begreifen, dass minorisierte Menschen ihre eigenen Bewegungen betreiben, und dass das bei ihnen ein gewisses Unwohlsein verbreitet.

Viele weiße Menschen beanspruchen einen nicht zu hinterfragenden Besitzstatus über Tierrechte (und Tiere generell). In dem Moment aber, in dem schwarze Menschen Tierkörper (‚animal bodies’) mit in ihre antirassitsichen Bewegungen mit einbeschließen, lassen Weiße ihre soziale Kraft in Erscheinung treten, indem sie unsere Räume kommentieren und unsere Intentionen hinterfragen.

Viele Aktivist_innen in der dominanten Klasse setzen ihre Privilegien dazu ein, andere Aktivist_innen, die abweichende Meinungen haben, zu ignorieren, was furchtbar ist, da eine echte Veränderung nur stattfinden kann, wenn wir plurale Bewegungen und Stimmen zulassen. Wir müssen alle Ideen auf den Tisch bringen, denn die Tierunterdrückung ist ein derart ernsthaftes Problem.

Der Akt dessen, andere, die abweichende Meinungen haben oder andere Strategien verfolgen, zum Schweigen zu bringen, hat einfach nichts mir der Befreiung von Tieren zu tun, sondern dient stattdessen dem Erhalt der gleichen Systeme, die Tiere unterdrückt halten.

Jedem/r, der/die neu ist in der Tierrechtsbewegung, würde ich empfehlen sie gleich wieder zu verlassen (haha). Man braucht diese verkörperschaftlichte, weißgewaschene Bewegung nicht um Tieren zu helfen. Die Vorstellung man müsse sich durch die großen Bewegungen und Organisationen hindurch bewegen um Veränderungen zu bewirken, ist ein kapitalistischer Nonsens. Wenn Du eine Person of Color bist, würde ich dir empfehlen in deiner antirassitsichen Bewegung zu bleiben und nach Wegen zu schauen, wie du die Tierkörper (‚animal bodies’) in deine Analyse mit einbeziehen kannst … versuche nicht dich der weißen Mainstream-Tierrechtsbewegung anzuschließen, denn du wirst dadurch letztendlich nur frustriert und verwirrt.

Teil des inhärenten Problems der Tierrechtsbewegung ist tatsächlich, dass das Weißsein das Rahmenwerk dieser Bewegung bildet. Was wir brauchen, sind Leute, die den Aktivismus für Tiere mit in die anderen Ziele sozialer Gerechtigkeit einbeziehen, statt sich in die nebulöse Blase der Tierrechtsbewegung mit einzubringen. Deshalb bezeichne ich mich auch selbst nicht als Tierrechtsaktivistin. Ich bin eine antirassistische Aktivistin, die für die Tierbefreiung kämpft. Ich wüsste nicht wie ich sonst für Tiere kämpfen sollte, außer aus meiner Sichtweise als schwarzer Frau … ich weiß nicht wie weiße Menschen sich für eine andere Gruppe einsetzen können, ohne ihre eigene Position mitzuberücksichtigen … und das ist weshalb ihre Bewegungen problembehaftet sind.

Was tust Du um ein Burnout zu vermeiden?

Ein Erschöpfungszustand trifft dich in dem Moment, indem du eine bewusst-denkende politische Woman of Color bist, gleich ob du Aktivistin bist oder nicht. Ich bin hauptsächlich deshalb Aktivistin geworden, weil ich die Unterdrückung leid war, und es satt hatte, dass die dominante Klasse mir mein Narrativ und meine Geschichte vorschreiben will. Das war ein Burnout. Ich bin also nicht freiwillig zur Aktivistin geworden, sondern es war ein Akt des Überlebens; ich wurde zur Aktivistin weil ich unter einem Burnout durch den Rassismus und Sexismus in meinem täglichen Leben gelitten habe.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob überhaupt eine funktionierende Methode existiert um ein Burnout zu verhindern, solange das weiße, die Überlegenheit in Anspruch nehmende Patriarchat weiter existiert. Um ehrlich zu sein hilft mir oft, aus dem Internet rauszugehen.  Ein Raum außerhalb der digitalen Welt hilft, was die Prioritäten anbelangt, denn man wird dort leicht eingesogen von Dingen die im Prinzip total irrelevant sind. Ich stelle also immer sicher, dass ich viel Zeit offline verbringe.

Noch etwas, das ich gelernt habe um ein Burnout zu verhindern, ist es, nicht davon beeindruckt zu sein, dass weiße Leute meine Arbeit mögen. Wenn Du in einem System einer weißen Überlegenheitsgläubigkeit lebst, dann kann eine Menge an Aufmerksamkeit (seitens dieses Systems) als ein_e Minderheitsangegörige_r sich anfühlen, als seist du nun ganz oben auf … als hättest du das Richtige getan. Ich würde aber jedem Menschen, der einer Minderheit angehört, empfehlen sehr vorsichtig mit solch einem Gefühl umzugehen, weil es dich in eine Situation der Ausbeutung hinein katapultieren kann und du beginnst Dinge umsonst für weiße Leute zu tun. Ich musste wirklich lernen „nein“ zu sagen wenn mir weiße Leute Möglichkeiten in Aussichten stellten, mir aber keinerlei finanzielle Kompensation für meine Arbeit boten. Der leere Ruhm und die Möglichkeit in Erscheinung zu treten, sind immer wieder instrumentalisiert worden um farbige Menschen glauben zu machen, dass die Arbeit die du umsonst tust, eines Tages zu einem Gewinn führt, und normalerweise tut es das nicht.

Als Woman of Color habe ich auch gelernt nicht mehr auf Menschen in der dominanten Klasse zu hören und mich mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn sie meine Arbeit und mich kritisieren. Ich habe gelernt den Kanal zu switchen und meine Arbeit einfach weiterzumachen. Wie Toni Morrison gesagt hat, macht Ablenkung einen großen Teil im Rassismus aus, und so lerne ich, Ablenkung zu meiden. Statt auf jede Person, die einen verleumderischen, unwahren Artikel über meine Arbeit oder mich schreibt, zu reagieren, mache ich einfach mit meiner Sache weiter. Ich muss mich ja nicht auf jeden überflüssigen Quatsch einlassen.

Und schließlich ist es wichtig wenn man seine gegenwärtige Arbeit erledigt, über Arbeit, die in der Zukunft getan werden muss, nachzudenken. Es geschieht so leicht, dass man vergisst warum man jeden Tag so hart arbeitet. Und das ist auch warum ich den Afrofuturismus so sehr liebe. Er hat mir dabei geholfen zu verstehen, dass es einen Tag geben wird, an dem ich durchatmen und entspannen kann. Aber der Preis, der dafür gezahlt werden muss, ist der Kampf heute, den ich auch weiter führen werde.

Ich danke Aph sehr für dieses Interview. Schaut euch ihre Seite/Arbeit an bei Black Vegans Rock und Aphro-ism und besucht auch ihre Facebook-Seite.

Anmerkungen zur Übersetzung:

[1] Zur Bedeutung des kanonischen Begriffs des Weißseins: „Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige. Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft.“ Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness as Metaprivilege, Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

[2] People of Color, siehe Definition bei Wikipedia.de: https://de.wikipedia.org/wiki/Person_of_color

[3] Habe ‚racial liberation projects’ übersetzt mit ‚antirassistische Befreiungsprojekte’; diese abweichende Übersetzungsweise ergibt sich aus der anderen Verwendung des Begriffs „Rasse“ als politisiertem Begriff in der Diskussion über soziale Gerechtigkeit in den USA.

[4] Siehe auch folgende Präsentation von Anastasia Yarbrough bei der Sistah Vegan Conference 2013: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren, http://simorgh.de/about/yarbrough_weisssein_patriarchat_tiere/

Alle Links: 21.06.2016

Breeze Harper: Ein Toolkit für Anfänger zum Verständnis über den „Rasse“-Begriff im ethischen Konsum

Dr. A. Breeze Harper, The Sistah Vegan Project: A Critical Race Feminists’s Journey Through the ‘Post-Racial’ Ethical Foodscape … and Beyond.

Das Sistah Vegan Projekt: die Reise einer sich mit den kritischen Rassestudien befassenden Feministin durch die ‚post-rassische’ Landschaft ethischer Nahrungsmittel … und darüber hinaus.

Realitstisch werden was den „Rasse“[1]-Begriff anbetrifft: Ein Toolkit für Anfänger zum Verständnis über den „Rasse“-Begriff im ethischen Konsum (beim Veganismus, in den Tierrechten, usw.)

Dieser Text als PDF

Originaltext: Getting Real about Race: A Starter Toolkit for Understanding Race in Ethical Consumption (Veganism, Animal Rights, and More). Übersetzung: Gita Yegane Arani-Prenzel, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. A. Breeze Harper.

Quelle: http://www.sistahvegan.com/2015/11/11/getting-real-about-race-a-toolkit-for-ethical-consumption-veganism-animal-rights-and-more/

If-Race-is-Just-a-Skin-Color...

Wenn es bei „Rasse“ nur um ‚Hautfarbe’ geht, wieso wurde mir dann immer wieder gesagt, ich würde ‚weiß’ klingen? Wie kann man denn jemandes Hautfarbe ‚hören’?
– Dr. A. Breeze Harper, The Sistah Vegan Project.

Ich habe die letzten zehn Jahre darüber publiziert und Vorträge darüber gehalten, wie das Weißsein [2] in den USA den ethischen Konsum und weitere darüber hinaus im Zusammenhang stehende Dinge anbetrifft. Das Hauptthema der Verwirrung, dem ich im Bezug auf die Problematik von „Rasse“ und Weißsein begegnet bin, stammt meistens von weiß-identifizierten Menschen, die tatsächlich nicht verstehen, wie „Rasse“ und Rassifizierung sich geschichtlich, sozial, physisch, geographisch und rechtlich konstituieren. Die meisten weiß-identifizierten Menschen, die ihre prägenden Jahre in den USA oder anderen weiß-dominierten Gesellschaften verbracht haben, scheinen davon auszugehen, dass „Rasse“ einfach eine Frage der „Hautfarbe“ sei, bei der bestimmte Phänotypen wie ‚blondes Haar’ oder ‚schmale Lippen’ die Kennzeichnungen für die jeweilige „Rasse“ ausmachen; darüber hinaus denken die meisten, Rassismus sei kein bedeutendes Hindernis zur Gleichheit und Inklusion, trotz der erschütternden Daten, die noch nach dem Jahr 2000 das Gegenteil beweisen. Für diese Demographie heißt „Rasse“ schlichtweg ‚Hautfarbe’ und ist ein ‚Ding der Vergangenheit’…

… aber nichts könnte den Tatsachen weniger entsprechen.

Einige wesentliche Fragen, die ich in Reaktion auf [weiße] Konstruktionen darüber, dass „Rasse“ eine Frage der ‚Hautfarbe’ sei, gestellt habe, sind folgende gewesen:

Wenn es bei „Rasse“ nur um ‚Hautfarbe’ geht, warum wurde mir dann immer wieder gesagt, ich würde ‚weiß’ klingen? Wie kann man denn jemeades Hautfarbe ‚hören’?

Wenn es bei „Rasse“ nur um Hautfarbe geht, warum hat man die Iren in den Vereinigten Staaten trotz gleicher Hautfarbe bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht gleichermaßen als Weiße wie die weißen angelsächsischen Protestanten betrachtet? Wodurch waren sie und andere hellhäutige europäischen Immigranten in der Lage auf das „Weißsein“ hinzuarbeiten?

Wenn es bei „Rasse“ nur um Hautfarbe geht, warum wurde mein neugeborenes Baby im Jahr 2009, das mit einer sehr hellen Hautfarbe, hellblauen Augen und glattem braunen Haar geboren wurde, von manchen als ‚schwarz’ und von anderen als ‚weiß’ eingeordnet?

In dem letzten Teaching-Tolerance-Rundbrief des Southern Poverty Law Centers (SPLC) wurde H. Richard Milner IV zitiert. Ich habe einen Screenshot [3] davon gemacht, wie der SPLC Menschen darüber aufklärt, wie das Konzept von „Rasse“ jenseits des Hautfarben-Mythos funktioniert (siehe folgende Liste):

  1. Physisch konstruiert. Bezugnehmend auf die Pigmentierung der Haut, konstruieren Menschen in der Gesellschaft Vorstellungen, Charakteristiken, Bilder und Glaubenssysteme über sich selbst und andere. Diese physischen Konstruktionen sind manchmal falsch, bleiben aber dennoch in den Köpfen bestehen. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass sich physische Konstruktionen über „Rasse“ von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden. So sind zum Beispiel die Konstruktionen von „Rasse“ in Afrika und Asien andere als die auf dem Phänotyp basierenden Konstruktionen von „Rasse“ in Nordamerika.
  2. Sozial konstruiert. Basierend auf einer Reihe von gesellschaftlichen Botschaften und Informationen, kategorisieren Menschen sich selbst und andere. Diese gesellschaftlichen Konstruktionen verbinden sich mit Präferenzen, sind weltanschaulich und haben mit der Art und Weise zu tun, wie Gruppen von Menschen vermeintlich funktionieren. Sie gründen auf unterschiedlichen Perspektiven, die sich aus den Interpretationen der Menschen von Geschichte und Recht speisen, und sie prägen unser Denken im Bezug auf Einzelne und auf Gruppen von Menschen.
  3. Rechtlich konstruiert. Die Gesetzgebung in den USA hat ihren Beitrag zum Rassebegriff geleistet. Rechtspolitik und Grundsatzfälle, wie das Naturalisationsgesetz (1790), Plessy gegen Ferguson (1896), Takao Ozawa gegen die Vereinigten Staaten (1922), Brown gegen das US-Bildungsministerium (1954) und Milliken gegen Bradley (1974) haben allesamt Konstruktionen und Definitionen von „Rasse“ innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft mitbestimmt.
  4. Historisch konstruiert. Die geschichtlichen Realitäten dessen, wie Menschen in einer Gesellschaft, die durch Rassismus und Unterdrückung geprägt war, behandelt wurden und wie es ihnen in dieser Gesellschaft erging, formten auch die Art und Weise, wie Menschen „Rasse“ verstehen, kommunizieren und konzeptualisieren. So beeinflussen beispielsweise die Jim-Crow-Gesetze [4], die Sklaverei und rassistische Diskriminierung, wie Menschen „Rasse“ konzeptualisieren und begreifen.

Die Annahmen von Menschen über „Rasse“, die durch die oben beschriebenen Aspekte beeinflusst sind, prägen deren Handeln und Nicht-Handeln auf praktischer Ebene. Und obgleich „Rasse“ ein zentrales Konstrukt darstellt in der Untersuchung bildungstechnischer Ergebnisse, Verfahrensweisen und Praktiken, so sind Umfang und Ausmaß gewonnener Erkenntnisse über verbesserte Handlungspraktiken im öffentlichen sowie akademischen Diskurs zumeist begrenzt. Es wird beispielsweise häufig über die „Bildungskluft“ und die Disparitäten zwischen weißen und schwarzen/farbigen Student_innen diskutiert, „Rasse“ [A.d.Ü.: im Sinne von ‚Rassismusproblematik’] wird aber dennoch nicht in grundlegender Weise adressiert, außer dass man die Ergebnisse aus Datenerhebungen veröffentlicht. Die Gründe dafür, warum das Thema „Rasse“ so schwierig zu thematisieren ist, sprengen den Rahmen dieses Buches, aber auch meine Erfahrungen über die Jahre, in der Arbeit mit mehr als tausend Pädagog_innen, haben mir gezeigt, dass „Rasse“ ein in „gemischter“ Gesellschaft schwierig zu diskutierendes Problem ist.

Quelle: http://www.tolerance.org/magazine/number-51-fall-2015/feature/excerpt-getting-real-about-race, 01.05.2016.

Das Toolkit zum Verständnis für den Auszug: „Realistisch werden über den ‚Rasse’-Begriff“ im Rahmen einer Welt des ethischen Konsums

Anmerkung: dies ist ein Entwurf, der sich in Arbeit befindet und über die Zeit ergänzt wird …

Der Mainstream in den USA hat Schwierigkeiten damit, sich einen reellen Begriff von der Komplexität von „Rasse“ und Machtverhältnissen, derer Geschichte, Politik, usw. zu machen. Das betrifft insbesondere diejenigen, die rassisch privilegiert sind und sich niemals mit der Problematik auseinandersetzen mussten.

Dieses Toolkit habe ich aus dem Original: „Ein Auszug aus: realistisch werden über den ‚Rasse’-Begriff“ herausgearbeitet, das sich mehr auf Erfahrungen und Praxis im schulischen Bereich bezieht. Ich werde dieses Toolkit verwenden um damit Fragestellungen zu leisten, zur Begleitung der Reflexion und Diskussion darüber, wie die physischen, sozialen, juristischen und historischen Konstruktionen von „Rasse“ Menschen beeinflusst, die sich in den Bereichen des ethischen Konsums bewegen – rangierend vom Veganismus über Tierrechte bis hin zu ‚guter Ernährung’.

Einfühung

In Rac(e)ing to Class: Confronting Poverty and Race in Schools and Classrooms schreibt H. Richard Milner IV: „Pädagogen haben häufig Schwierigkeiten damit, das Thema ‚Rasse’ [A.d.Ü. die Rassismusproblematik] zu adressieren, und damit auch die Frage, in wieweit ihre Arbeit mit den Schülern, den Eltern, mit der Gemeinschaft und mit den Kollegen durch diese Problematik beeinflusst ist.“ Milner empfiehlt eine nuancierte Herangehensweise zur Konzeptualisierung von „Rasse“ als physische, soziale, juristische und historische Konstruktionen. Was folgt sind kurze Auszüge aus Rac(e)ing to Class und sich daran anknüpfende Fragestellungen, die ich für den Bereich des ethischen Konsums adaptiert habe. Diese Tools können von euch, eurer Gruppe oder bei eurem Arbeitsplatz gerne verwendet werden.

Die wesentliche Frage

1. In welcher Weise ist die Gemeinschaft ethischen Konsums, in der ich aktiv bin, durch die physischen, sozialen, juristisch-rechtlichen und geschichtlichen Konstruktionen von „Rasse“ betroffen?

Vorgehensweise

Diese vier Fragen können als Stichpunkte beim Verfassen eines Tagebucheintrags oder in der stillen Reflexion verwendet werden, sie können auch unterstützend bei einer Gruppendiskussion mit Kollegen über das Thema „Rasse“ [Rassismus] zur Hilfe genommen werden, oder beides.

„Rasse“ ist physisch konstruiert.

In seinem Buch Rac(e)ing to Class schreibt Milner:

Bezugnehmend auf die Pigmentierung der Haut, konstruieren Menschen in der Gesellschaft Vorstellungen, Charakteristiken, Bilder und Glaubenssysteme über sich selbst und andere. Diese physischen Konstruktionen sind manchmal falsch, bleiben aber dennoch in den Köpfen bestehen. Es ist wichtig, sich klar zu machen, dass sich physische Konstruktionen über „Rasse“ von Gesellschaft zu Gesellschaft unterscheiden. So sind zum Beispiel die Konstruktionen von „Rasse“ in Afrika und Asien andere als die auf dem Phänotyp basierenden Konstruktionen von „Rasse“ in Nordamerika.

  1. Nenne ein Beispiel dessen, wie „Rasse“ in der Bewegung ethischen Konsums physisch konstruiert ist.
  2. In welcher Weise betrifft die physische Konstruktion von „Rasse“ dich persönlich oder dein Engagement im ethischen Konsum?

Beispielsweise sind ‚normale’ gesunde Körper in der Werbung ethischen Konsums beinahe immer ‚weiße’ und schlanke Personen. Warum sehen wir dunkelhäutigere Menschen und/oder ‚dicke’ Menschen fast nie, wenn überhaupt, als ‚Maßstab’ für normal und gesund? In welcher Weise betreffen sowohl Hautfarbe als auch Körpergröße die Rassifizierung als ein ‚maßgebliches’ Weißsein? In welchen anderen Formen hat ein Verständnis ‚richtigen’ Weißseins einen Einfluss auf den ethischen Konsum?

  1. In welcher Weise betrifft die physische Konstruktion von „Rasse“ die Demographien denen du deine Dienstleistungen anbietest und/oder die du über ethischen Konsum informierst?

Warum werden dunkelhäutigere Menschen die ‚fett’ sind, eher adressiert als Menschen, die man über den ethischen Konsum ‚aufklären’ sollte, als weiße dünne Menschen? Wie und weshalb spielen Rassifizierung in den Intersektionen von Hautfarbe, Körpergröße und Ethik eine Rolle?

  1. Wie beeinflusst die physische Konstruktion von „Rasse“ den Bereich ethischen Konsums in dem Du aktiv bist?

Rasse ist sozial konstruiert.

In Rac(e)ing to Class schreibt Milner:

Basierend auf einer Reihe von gesellschaftlichen Botschaften und Informationen, kategorisieren Menschen sich selbst und andere. Diese gesellschaftlichen Konstruktionen verbinden sich mit Präferenzen, sind weltanschaulich und haben mit der Art und Weise zu tun, wie Gruppen von Menschen vermeintlich funktionieren. Sie gründen auf unterschiedlichen Perspektiven, die sich aus den Interpretationen der Menschen von Geschichte und Recht speisen, und sie prägen unser Denken im Bezug auf Einzelne und auf Gruppen von Menschen.

Ich würde dem hinzufügen, dass die meisten Menschen sich dessen völlig unbewusst sind, inwiefern ihre Auffassungen und Wahrnehmungen eine Voreingenommenheit hinsichtlich „Rasse“ aufweisen.

  1. Nenne ein Beispiel dessen, in welcher Weise „Rasse“ im ethischen Konsum sozial konstruiert ist.
  2. In welcher Weise bist du durch die soziale Konstruktion von „Rasse“ betroffen und wie wirkt sich das auf dein Engagement im Bereich des ethischen Konsums aus, und darauf, wie du die Inhalte wahrnimmst.
  3. In welcher Form sind die Menschen, mit denen du innerhalb deines Sektors des ethischen Konsums zusammenarbeitest oder denen du deine Leistungen anbietest, durch die soziale Konstruktion von „Rasse“ betroffen?
  4. Ich welcher Form ist deine Gruppe oder dein Betrieb durch die soziale Konstruktion von „Rasse“ betroffen?

„Rasse“ ist rechtlich konstruiert.

In Rac(e)ing to Class schreibt Millner:

Die Gesetzgebung in den USA hat ihren Beitrag zum Rassebegriff geleistet. Rechtspolitik und Grundsatzfälle, wie das Naturalisationsgesetz (1790), Plessy gegen Ferguson (1896), Takao Ozawa gegen die Vereinigten Staaten (1922), Brown gegen das US-Bildungsministerium (1954) und Milliken gegen Bradley (1974) haben allesamt Konstruktionen und Definitionen von „Rasse“ innerhalb der US-amerikanischen Gesellschaft mitbestimmt.

  1. Nenne ein Beispiel dessen, wie „Rasse“ in deinem Leben/deiner Kultur/deiner Gesellschaft rechtlich konstruiert ist.
  2. Ich welcher Weise ist dein Engagement im Bereich des ethischen Konsums durch die juristisch-rechtliche Konstruktion von „Rasse“ betroffen?
  3. In welcher Weise betrifft die juristisch-rechtliche Konstruktion von „Rasse“ die Demographien, die du vornehmlich adressierst, denen du deine Leistungen anbietest oder mit denen du zusammen arbeitest (z.B. Auftraggeber_innen, Kund_innen, Schüler_innen und Student_innen, Patient_innen, usw.)?
  4. Wie betrifft die juristisch-rechtliche Konstruktion von „Rasse“ die Konstruktion ethischen Konsums deiner Gruppe oder deines Betriebs?

vegansoso

(Quelle: http://mic.com/articles/127821/the-surprising-way-these-activists-are-using-veganism-to-fight-white-supremacy)

Wenn Du in der Tierrechts- und/oder der veganen Bewegung aktiv bist, verwendest Du solche Bilder, wie das oben abgebildete, ohne Dir dabei bewusst zu sein, dass schwarze Menschen vom rechtlichen Standpunkt her nicht als Menschen, sondern in der Tat als Tiere (in der eurozentrischen speziesistischen und kolonialistisch-rassistischen Art und Weise) betrachtet wurden, während man die Gesamtheit weißer Menschen rechtlich als vollwertige Menschen konstituierte?

Bist Du Dir dessen bewusst, dass, obwohl es heutzutage in den USA verboten ist, schwarze Menschen mit Stricken und Bäumen zu lynchen, immer noch legale Wege existieren um schwarze Menschen zu „lynchen“ – insbesondere mittels Racial Profiling und tödliche Übergriffe durch Polizeibeamte, die immer noch durch die geschichtlichen und rechtlich tolerierten Praktiken des traditionellen Lynchens schwarzer Menschen beeinflusst sind?

Dieses Bild impliziert auch, dass „Rasse“ und Rassismus keine weiteren bedeutsamen Hindernisse in Gesundheitsfragen, in dem Streben nach Glück und nach Sicherheit im Leben schwarzer Menschen darstellen würden. Und, es impliziert auch, dass diejenigen, die dieses Bild verwenden, nicht mit den nach dem Jahre 2000 entstandenen umfassenden Kanon in den Sozial- und Rechtswissenschaften vertraut sind, der aufzeigt, dass der weiße Mainstream in den USA schwarze Menschen immer noch als Tiere konzeptualisiert, und der Meinung ist, dass sie es verdienten „gelyncht“ zu werden – wenn auch nicht mit Stricken und Bäumen, so aber doch dafür, sich ‚hochnäsig’ gegenüber der Polizei zu gebärden, wie Sandra Bland es angeblich tat; oder indem Du als 12-jähriger Junge (Tamir Rice) erschossen wirst, weil eine systemische Negrophobie ein [un]bewusstes rassifiziertes Vorurteil im Denken des Mainstreams in der Bevölkerung geschafften hat, die die Menschen glauben macht, dass ein kleiner schwarzer Junge wie ein „großer angsteinflößender“ schwarzer Mann aussehen kann.

Es existieren eine Unzahl von Formen, in denen systemischer Rassismus das Rechtssystem in negativer Weise beeinflusst. Und, man bedenke, dass Systeme miteinander verbunden sind: das Rechtssystem hat seinen Einfluss auf das Gesundheitssystem, auf das Bildungssystem, auf das Lebensmittelsystem, usw.

„Rasse“ ist geschichtlich und geographisch* konstruiert.

(Anmerkung: in dem originalen Toolkit wird die Geographie nicht mit als ein Teil von Rassifizierung aufgeführt, aber als Cultural Food Geographer [Lebensmittelkulturgeographin] komme ich nicht umhin die Geographie hier mit einzubeziehen.)

In Rac(e)ing to Class schreibt Milner:

Die geschichtlichen Realitäten dessen, wie Menschen in einer Gesellschaft, die durch Rassismus und Unterdrückung geprägt war, behandelt wurden und wie es ihnen in dieser Gesellschaft erging, formten auch die Art und Weise, wie Menschen „Rasse“ verstehen, kommunizieren und konzeptualisieren. So beeinflussen beispielsweise die Jim-Crow-Gesetze [4], die Sklaverei und rassistische Diskriminierung, wie Menschen „Rasse“ konzeptualisieren und begreifen.

  1. Nenne ein Beispiel dessen, wie „Rasse“ in deinem Leben/deiner Kultur/deiner Gesellschaft geschichtlich konstruiert ist.
  2. In welcher Weise bist du und ist dein Engagement in der Bewegung für den ethischen Konsum durch die geschichtliche Konstruktion von „Rasse“ betroffen? Hast Du beispielsweise jemals über die Geschichte der Sundown Towns [5] nachgedacht und in welcher Weise dies die geographische Lokalisierung beispielsweise einer Permakultur-Veranstaltung betreffen kann?
  3. In welcher Form sind dein Arbeitsplatz und/oder die Dynamiken zwischen den Aktivist_innengruppen rund um den ethischen Konsum durch die geschichtlichen, physischen und geographischen Konstruktionen von „Rasse“ anbetroffen?

Für was stehen eigentlich die Vorstellungen rund um den ‚weißen männlichen Farmer’ als die unhinterfragte ‚Norm’ in den gegenwärtigen Mainstream-Abbildungen von Lebensmitteln, Nachhaltigkeit und Landwirtschaft? In welcher Form spielen Geschichte und ländliche Geographien eine Rolle in den Vorstellungen von „Rasse“, und davon, wie man sich ein physisch annehmbares Vorbild des ethischen Konsums vorstellt?

  1. In welcher Weise ist die Auffassung über ethischen Konsum in deiner Gruppe oder im Geschäftsmodel deines Betriebs durch die historische Konstruktion von „Rasse“ betroffen? Wie wirkt sich das auf eure aufklärerische Öffentlichkeitsarbeit und eure Kommunikation aus?

So ist beispielsweise der geschichtliche Hintergrund der US-Agrargesetze und dessen Auswirkungen bis in die Gegenwart hinein stark durch eine systemische Rassifizierung beeinflusst. Die Art und Weise wie rassifizierte Minderheiten in den unterschiedlichen Sektoren des landwirtschaftlichen Systems in den USA behandelt wurden, beeinflusst die Funktionsweisen des heutigen Mainstream-Nahrungsmittelsystems … und erhält die in dem System gegebenen „rassischen“- und sozioökonomischen Ungleichheiten. Geht es um ethische Lebensmittel, wie ‚Grünkohl’ oder ‚Erdbeeren’, muss man die sich die Geschichte der Rassifizierung und seiner Auswirkungen auf die Agrargesetze vergegenwärtigen … die den Weg vom Anbau bis zum Vertrieb und Handel dieser Nahrungsmittel bis hin auf unsere Teller mit beeinflusst hat … . Die individuellen Auffassungen derer, die sich im Bereich des ethischen Konsums engagieren, sind hinsichtlich dessen, wie ein ‚gerechtes’ Lebensmittelsystem aussehen sollte, vor solch einem Hintergrund zu verstehen.

Wenn weiße Menschen in den USA, in der Vergangenheit bis in die Gegenwart, aufgrund rechtlich-juristischer Institutionen des Rassismus, einen sichereren, gesünderen und einfacheren Zugang zu Nahrungsmitteln und medizinischen Ressourcen hatten, in welcher Weise ist deine Konstruktion dessen, wie Menschen Nahrungsmittel in ‚ethischer’ Weise konsumieren sollten, durch diesen geschichtlichen Hintergrund mit beeinflusst? Inwiefern richtet sich Dein Kommunikationsmodel an der Berücksichtigung solcher Fragen mit aus?

Wenn du magst, so kannst du auf einige der oben gestellten Fragen im Kommentarbereich antworten. Ich möchte dies hier zu einem fortlaufenden Dialog umwandeln, statt es bei einem Monolog zu belassen. [6]

Das System „rassischer“ Ungleichheit in dem der ethische Konsum existiert, kann durch eine Vielzahl von Ressourcen besser verstanden werden, so wie durch das vielbeachtete Video Cracking the Codes, das hier eingesehen werden kann: http://crackingthecodes.org/. Kein Mensch der, so wie ich, im Anti-Rassismus arbeitet, hat alle Antworten auf all die Fragen die sich in unserem Kontext stellen; diese Arbeit hier bildet ein Kontinuum und niemand schafft es, bei solch schwerwiegenden Themen von sich zu behaupten ein_e 100% Expert_in zu sein. Ich habe mich nunmehr seit 20 Jahren mit Systemen „rassischer“ Ungleichheit beschäftigt (was meine formale Bildung anbetrifft) und lerne immer noch hinzu.

Zum Schluss will ich noch hinzufügen, dass ich über die oben diskutierten Fragen detailliert in meinem neuen Buch schreiben werde, das Ende 2016 / Anfang 2017 erscheinen wird (siehe folgenden Link):

recipes-for-racial-tension-headcover

http://www.sistahvegan.com/2015/07/10/recipes-for-racial-tension-headaches-a-critical-race-feminists-journey-through-post-racial-usas-ethical-foodscape-2016/

Schau dir mal die Teaching Tolerance-Textsammlung des SPLC an, dort findest du viele Materialien, die du für deinen Aktivismus im ethischen Konsum, für deine Studien in dem Bereich, usw. adaptieren kannst.

Alle Links: letzter Zugriff am 25.05.2016.

Ergänzugen zur Übersetzung:

[1] Der Begriff ‚race’ wird in der kritischen Diskussion über Rassismus im Amerikanischen in seiner politisierten Bedeutung verwendet und ist klar abgegrenzt zu verstehen von einem rassenbiologistischen Begriff, wenn er sich im westlichen Denken auch ursprünglich darauf begründet hat. Ich setze den Begriff „Rasse“ in dieser Übersetzung in Anführungszeichen, da der Begriff im deutschen Sprachgerbauch vorwiegend durch seinen geschichtlichen Hintergrund der rassistischen Propaganda des NS-Regimes gekennzeichnet ist. (In einigen anderen rassismuskritischen Überserzungstexten habe ich nichtdestotrotz bei der Verwendung des Begriffes auf die Anführungszeichen verzichtet, da der Unterschied zwischen politisiertem und rassenbiologistischem Sprachgebrauch aus solchen Texten prinzipiell klar hervorgeht. Da dieser Text einen einführenden Charakter hat, habe ich mich hier für die Setzung in Anfürhungszeichen entschieden.)

[2] Zum Begriff des Weißseins: „Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige. Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft.“ Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness as Metaprivilege, Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

[3] Ich füge den Screenshot aus Gründen der Übersichtlichkeit an dieser Stelle ein:

GettingRealAboutRace

[4] Die Jim-Crow-Gesetze nannte man in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Reihe von Gesetzten, die eine „rassische“ Segregation erzwangen. Sie galten in den Südstaaten zwischen dem Ende der Rekonstruktion 1877 bis zum Anfang der Bürgerrechtswegegung in den 1950ern. ‚Jim Crow’ (eigentlich ‚Jump Jim Crow’) bezeichnete eine der damals typischen rassistischen „Minstrel“-Darstellungen, bei der schwarze Menschen in herabsetzender Weise von Weißen „karikiert“ wurden. Der Name ‚Jim Crow’ („Jim die Krähe“) wurde zu einem Schimpfwort für alle Afro-Amerikaner_innen und designierte ihre Segregiertheit in der Nation.

[5] Als ‚Sundown Towns’ bezeichnete man eine Form der Segregation, bei der in den USA eine Stadt, eine Ortschaft oder eine Nachbarschaft bewusst nur Weiße ansiedeln ließ und alle ‚People of Color’ (POC, farbige Menschen) ausgeschlossen wurden. Diese Art der rassistischen Einschränkung erwirkte man durch eine Kombination regionaler diskriminatorischer Gesetze, durch Einschüchterung und Erniedrigung und letztendlich auch durch physische Gewalt. Die Benennung stammt von den Schildern, die zum Zwecke der Ausgrenzung errichtet wurden, auf denen die weißen Anwohner kundgaben, dass ‚POC’ die jeweilige Ortschaft bis zum Einbruch der Dunkelheit zu verlassen hätten. Man nannte diese Ortschaften auch ‚Sunset Towns’ oder ‚Gray Towns’. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von 1917 im Falle Buchanan gegen Warley ist die „rassische“ Diskriminierung beim Verkauf von Immobilien verboten. Die Rassismusproblematik zeigt ihre Auswirkungen auf die Siedlungslandschaft in den USA aber noch bis in die Gegenwart hinein.

Dr. A. Breeze Harper ist die Gründerin von Critical Diversity Solutions und leitet zurzeit das Staff Diversity Initiative’s Multicultural Education Program des UC Berkeley. Im Oktober dieses Jahres wird Dr. Harper bei der Pro-intersectional Vegan Conference zu Gast sein, die vom VegfestUK in Brighton organisiert wird.

Sie finden auf unserem Blog auch weitere Textmaterialien von Dr. A. Breeze Harper zu den Themen kritische Rasse- und Weißseinsstudien, Veganismus und Tierrechte.