Casey Taft: Psychologische Gewalt in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung

Psychologische Gewalt in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung

Dr. phil. Casey Taft, http://veganpublishers.com/

Originaltitel: Psychological Abuse in Animal Advocacy, http://veganpublishers.com/abuse/, Übersetzung: Palang LY, (VeganSwines.de) mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Casey Taft.

Dieser Text als PDF

Viele Menschen in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung haben Berichte über sexuelle Übergriffigkeiten und Missbrauch gehört, einschließlich solcher Situationen, bei denen Männer in machtvolleren Positionen (häufig jüngere) Frauen, die die Mehrheit der Teilnehmer_innen dieser Bewegung ausmachen, versuchen zu manipulieren und zu Opfern machen.

Worüber in unserer Bewegung seltener gesprochen wird, ist das Thema psychologischer Gewalt. Psychologische Gewalt zählt zu den subtilsten Formen von Gewaltausübung und ist häufig schwer zu erkennen. Man geht auch davon aus, dass sie für die betroffenen Opfer die schädlichste Form des Missbrauchs, relativ zur physischen Gewalt, darstellt (Follingstad, Rutledge, Berg, Hause und Polek, 1990), und dass resultierende Langzeitfolgen, über den psychisch-gesundheitlichen Zustand hinaus (Taft, Murphy, King, Dedeyn und Musser, 2005), Auswirkungen auf den physischen Gesundheitszustand zeigen (Coker et al., 2002). Es ist wichtig, andere über Formen psychologischer Gewalt aufzuklären, da es denjenigen, die diese Gewaltform erleben, häufig an Kenntnissen darüber fehlt.

Psychologische Gewalt tritt in verschiedenen Formen auf und kann unterschieden werden anhand der Funktionen, denen dieses Verhalten dient. Verunglimpfende Verhaltensweisen beispielsweise schließen eine direkte Herabsetzung des Gegenübers mit ein, sowie auch andere Methoden, durch die versucht wird, das Selbstwertgefühl des anderen zu schädigen. Eine weitere Form psychologischer Gewalt beinhaltet aufzwingende und kontrollierende Verhaltensweisen, durch die versucht wird, dem anderen Vorzuschreiben, was er/sie zu tun und zu lassen hat, indem Manipulation und Mobbing zum Einsatz kommen um basale Rechte und Freiheiten der anderen Person einzugrenzen und Abhängigkeit und soziale Isolation zu schaffen. Eine weitaus subtilere, aber im gleichen Maße schädigende Form psychologischer Gewalt beinhaltet ein feindlich ablehnendes Verhalten, das darauf abzielt, die andere Person abzustrafen oder ihr in der Beziehung Unsicherheit zu vermitteln. Auch dominante und einschüchternde Verhaltensweisen zielen darauf ab, Angst im Anderen herbeizuführen und Anpassung zu erzwingen.

Psychologische Gewalt ist in der allgemeinen Gesellschaft bedauerlicherweise ein nur allzu verbreitetes Phänomen. Die Hälfte der US-Bevölkerung hat mit solchen Formen der Gewalt Erfahrungen gemacht (Briedung, Chen und Black, 2014). Diese Verhaltensweisen können aber auch leider innerhalb der Tierschutz- und der Tierrechtsbewegung beobachtet werden.

Hier sind einige Beispiele psychologischer Gewalt in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung, die ich allesamt selbst beobachtet habe und von denen ich einige sogar auch selbst erlebt habe:

  • Herabsetzende Kommentare im Bezug auf andere Tierverteidiger_innen, so wie der Gebrauch abwertender Namensgebungen oder ein Infragestellen derer mentalen Gesundheit.
  • Das Entwerfen falscher und übertriebener Narrative über andere Tierverteidiger_innen, in einem Versuch ihnen persönlich und beruflich zu schaden.
  • Der Versuch zu bewirken, dass andere Tierverteidiger_innen von Konferenzen und Vorträgen ausgeladen werden, aufgrund persönlicher Uneinigkeiten mit ihnen.
  • Manipulative Versuche Autor_innen dazu zu bringen, Referenzen auf andere Tierverteidiger_innen aus Veröffentlichungen herauszustreichen, aus persönlichen Beweggründen, so dass andere die betroffenen Personen nicht als zuverlässige Quelle betrachten sollen.
  • Klassisches aufzwängendes und kontrollierendes Verhalten, so wie anderen Tierverteidiger_innen in konstanter Weise zu kommunizieren, mit wem und mit wem man sich nicht assoziieren oder zusammen arbeiten solle.
  • Andere dazu aufzustacheln an einem mobbendem Verhalten gegenüber bestimmen Tierverteidiger_innen teilzunehmen.

Stellen Sie sich eine Beziehung vor, in der Ihnen jemand sagt mit wem sie sich austauschen dürfen, was Sie sagen dürfen oder sogar welche Webseiten Sie besuchen dürfen, und in der Ihnen gedroht wird, dass sie ansonsten verunglimpft würden oder Ihnen die gemeinschaftliche Unterstützung entzogen wird, wenn eine vollständige Anpassung nicht erfolgen sollte. Wir würden jemanden, der solche ein missachtendes Verhalten erfährt, empfehlen, diese Art der Beziehung zu beenden, sich selbst zu behaupten und Grenzen für ein richtiges Verhalten abzustecken. Unsere Beziehungen innerhalb der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung nehmen sich da nicht aus. Niemand sollte Misshandlung erfahren – sei sie physischer, sexueller oder psychologischer Natur, und wir sind dazu verpflichtet, uns gegen solche Ungerechtigkeiten auszusprechen – in der gleichen Weise wie wir uns auch gegen die Ungerechtigkeit gegen nichtmenschliche Tiere aussprechen. Zudem sollten wir deren, die sich dagegen aussprechen, Aufmerksamkeit und Unterstützung zuteil werden lassen.

Als Tierverteidiger_innen haben wir es selbstverständlich häufig mit fundamentalen Verschiedenheiten in unseren Ansichten und Meinungen untereinander zu tun, und wir mögen uns vielleicht manchmal dazu geneigt fühlen Hiebe auszuteilen oder zu versuchen, Kontrolle auszuüben. Wir müssen lernen die gegenseitigen Ansichten zu kritisieren, ohne dabei ins Manipulative zu verfallen, verunglimpfend zu sein und drohend zu agieren, denn nicht nur sind solche Verhaltensweisen eine Form psychischer Gewalt/seelischen Missbrauchs, sondern solche Verhaltensweisen sind auch nicht zielführend und stark kontraproduktiv, insbesondere wenn wir möchten, dass andere unsere eigene Position verstehen und annehmen lernen. Wir müssen die Wahrheit selbstverständlich auch dann sagen, wenn es den anderen schwerfallen mag sie zu hören. Aber wenn wir lernen dies in selbstbewusster Weise tun und nicht in einer übergriffigen Art und Weise, dann ist das weitaus effektiver und weitaus weniger schädlich.

Wie ich in meinem Buch (Motivational Methods for Vegan Advocacy: A Clinical Psychology Perspective, 2016) bespreche, haben Tierverteidiger_innen oft eigene Erfahrungen mit Trauma und Gewalt/Missbrauch gemacht. Diese Erfahrungen mit einem Trauma machen viele für uns sensibler für die Ungerechtigkeiten, die nichtmenschlichen Tieren widerfahren. Es ist belastend genug, täglich mit den Gräueltaten unseres kollektiven Tiergebrauchs konfrontiert zu sein, und mit der Gleichgültigkeit dem gegenüber, die so viele Menschen an den Tag legen. Wenn wir Gewalt und Missbrauch in unserem Verhalten gegenüber einander fortsetzen, schaden wir dadurch nicht allein dem menschlichen Tier, sondern wir machen es damit auch für diese Menschen schwerer, sich in ihrem Einsatz für nichtmenschliche Tiere voll zu entfalten. Unser Ziel sollte es sein, jegliches vermeidbare Trauma und jede Form unnötiger Gewalt zu beendigen, da dies letztendlich den Kern des Veganismus bildet.

Quellen

Breiding, M. J., Chen, J. & Black, M. C. (2014). Intimate partner violence in the United States – 2010. http://www.cdc.gov/violenceprevention/pdf/cdc_nisvs_ipv_report_2013_v17_single_a.pdf.

Coker, A. L., Davis, K. E., Arias, I., Desai, S., Sanderson, M., Brandt, H. M., & Smith, P. H. (2002). Physical and mental health effects of intimate partner violence for men and women. American Journal of Preventive Medicine, 23, 260–268.

Follingstad, D. R., Rutledge, L. L., Berg, B. J., Hause, E. S., & Polek, D. S. (1990). The role of emotional abuse in physically abusive relationships. Journal of Family Violence, 5, 107–120.

Taft, C. T., Murphy, C. M., King, L. A., Dedeyn, J. M., & Musser, P. H. (2005). Post-traumatic stress disorder symptomatology among partners of men in treatment for relationship abuse. Journal of Abnormal Psychology, 114, 259-268.

Zum Autor:

Zusätzlich zu seiner Arbeit als Leiter der Vegan Publishers ist Casey Taft Professor für Psychiatrie an der Boston University School of Medicine. Er ist ein international anerkannter Forscher in den Bereichen Trauma und Familie und hat zahlreiche renommierte Preise für seine Arbeit von der International Society for Traumatic Stress Studies, dem Institute on Violence, Abuse and Traumaund den Centers for Disease Control and Prevention erhalten. Er hat über 100 Journalartikel, Buchkapitel und wissenschaftliche Berichte verfasst, ist Mitherausgeber des Jorunals „Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy“ und Vorstandsmitglied der „War Writers’ Campaign.“ Casey arbeitete auch als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe der American Psychological Association für Traumaverarbeitung im Militär und ist als Berater zur globalen Gewaltprävention bei den Vereinten Nationen tätig gewesen. Er sieht die Prävention der Gewalt gegen Tiere als eine logische Erweiterung seiner Arbeit. Zuletzt erschienen ist von Prof. Taft der Titel: Motivational Methods for Animal Advicacvy: A Clinical Psychology Perspective. Zur Zeit arbeitet er an einem Buch über traumabewusste Gewaltpräventation, das von der American Psychological Association herausgegeben wird.

Alle Links: 24.04.2016

Weitere Texte von Casey Taft bei simorgh.de: http://simorgh.de/about/tag/casey-taft/

Casey Taft: Tierverteidigung und wissenschaftliche Methodik: Die Studie des Humane Research Council

Tierverteidigung und wissenschaftliche Methodik: Die Studie des Humane Research Council

Casey Taft, Vegan Publishers

Originaltitel: Animal Advocacy and The Scientific Method: The Humane Research Council Study. Übersetzung: Palang LY (VeganSwines.de) mit der freundlichen Genehmigung von Prof. Casey Taft.

Dieser Text als PDF

Als jemand, der sein Berufsleben lang der wissenschaftlichen Methode gefolgt ist und sie stets vertreten hat, und als Autor und Redakteur, der eine Verantwortung dafür trägt, über die Annahme oder Ablehnung von Publikationen zu entscheiden, hat mich der Mangel an Einhaltung wissenschaftlicher Methoden in der Tierschutz- und Tierrechtsarbeit erstaunt. Und dies geschieht in einer Generation der Strategieentwicklung in der Tierverteidigung, der Evaluierung und der Interpretation solcher Strategien. Und zwar möchte ich hier eine neuere, breit veröffentlichte Studie des Humane Research Council über gegenwärtige und ehemalige Vegetarier und Veganer besprechen und in welcher Weise diese Studie anerkannte wissenschaftliche Methoden außer Acht lässt.

In letzter Zeit wurden mehrere solcher Studien vorgestellt und ich habe beobachtet, dass Tierverteidiger die Andeutung machten, sie würden in Reaktion darauf ihre Herangehensweise verändern wollen. Ich warne davor, sich zur Abgleichung mit der Tierrechts- und Tierschutzarbeit zu sehr auf diese Studien zu verlassen, da sie sich häufig nicht an die wesentlichen Grundsätze wissenschaftlicher Methodik halten, und somit die Schlussfolgerungen, die wir aus ihnen ziehen können, begrenzter Natur sind.

Bevor ich nun zu den Details der HRC-Studie komme, möchte ich einige der Grundlagen wissenschaftlicher Methodik beschreiben, die in der Forschung zur Tierschutz-/Tierrechtsarbeit häufig vernachlässigt werden:

  1. Die Aufstellung eines Sets zu prüfender Hypothesen, die auf einer spezifischen Theorie oder einem konzeptuellen Modell basieren. Wenn bei einer Studie keinerlei zu erwartenden Ergebnisse vorliegen, die aus der Datenanalyse resultieren würden, dann können die Hypothesen nicht geprüft werden und die Studie muss als explorativ eingestuft werden.
  2. Die Konstrukte, die untersucht werden sollen, müssen unter Anwendung gemeinhin anerkannter Definitionen festlegbar und bemessbar sein.
  3. Die Schlussfolgerungen müssen durch die Datenanalyse gestützt werden, und sie dürfen sich nicht jenseits der Befundlage bewegen.
  4. Die Untersuchung muss im Peer-Review-Verfahren geprüft werden, so dass andere Experten in dem Gebiet ihre Meinung äußern können, um sicherzustellen, dass die Studie wissenschaftlich einwandfrei und unbefangen ist.

Für diejenigen, die nicht mit der Studie des Humane Research Council vertraut sind, dies war eine epidemiologische Befragung von mehr als 11.000 Personen, deren Ziel gewesen ist, die Faktoren besser zu verstehen, die diese Menschen zu einer langfristigen Annahme einer „veganen“ oder vegetarischen Ernährungsweise führten. Zum Zwecke der statistischen Analyse wurden die „Veganer“ (definiert als diejenigen, die eine pflanzlich-basierende Ernährungsweise für sich annahmen) und die Vegetarier als eine gemeinsame Gruppe behandelt. Ein zentrales Ergebnis der Studie war, dass es mehr als fünfmal so viel ehemalige Vegetarier/Veganer gab, wie Menschen die gegenwärtig vegetarisch/vegan lebten, was darauf hindeutete, dass die Wahrung einer solchen Ernährungsweise nur von einer Minderheit der Gruppe betrieben wird und generell problematisch ist.

Gründend auf einer Reihe von Analysen, in denen gegenwärtige mit ehemalige Veganer/Vegetarier verglichen werden, ziehen die Autoren mehrere Schlüsse, einschließlich der Schlussfolgerung, dass wir eine größere Betonung auf die Reduzierung der Verzehrs von Tierprodukten (relativ zur vollständigen Aufgabe) legen sollten, und dass wir uns mehr auf das „Wie“ des Vegetarismus/Veganismus (wahrscheinlich relativ zum „Warum“ des Vegetarismus/Veganismus) konzentrieren sollten.

Schauen wir uns also an, wie die Grundlagen wissenschaftlicher Methodik, die ich oben aufgelistet habe, auf diese Studie anzuwenden sind.

Es benötigt der Aufstellung eines Sets zu prüfender Hypothesen, die auf einer Theorie oder einem konzeptuellen Modell basieren. Die Autoren haben keine spezifischen Hypothesen vorgelegt und sie haben ihre Erwartungen vor der Durchführung der Analyse nicht geschildert. Wir wissen somit nicht wovon sie ausgegangen sind, als sie die Studie durchführten; die Interpretation der Resultate muss daher mit einer gewissen Vorsicht vorgenommen werden.

Die Konstrukte, die untersucht werden sollen, müssen unter Anwendung gemeinhin anerkannter Definitionen festlegbar und bemessbar sein. Der „Veganismus“ wurde in der Studie nicht im Sinne der anerkannten ursprünglichen Definition der Vegan Society definiert: „Der Veganismus ist eine Lebensweise, die sich darum bemüht, alle Formen der Ausbeutung und der Gewalt gegenüber Tieren, für Nahrungszwecke, Bekleidung oder jegliche anderen Zwecke, so weit wie möglich und praktizierbar, auszuschließen.“ Die Autoren haben den Veganismus als eine Ernährungsweise definiert, was er aber nicht ausschließlich ist. Zudem wurden Vegetarier und Veganer als eine gemeinsame Gruppe behandelt, ungeachtet der Tatsache, dass diese beiden Gruppen sich im Bezug auf ihre Motivationen zur Ablehnung des Gebrauchs von Tierprodukten stark unterscheiden.

Wenn die richtigen Definitionen von „Veganer“ und „Vegetarier“ in der vergleichenden Analyse des Beibehalts einer fleischlosen Ernährungsweise eingesetzt worden wären, dann, so bin ich mir sicher, hätten wir bei den Veganern extrem hohe Raten in der Kontinuität ihrer fleischlosen Ernährungen relativ zu den Vegetariern. Die Schlussfolgerung der Analyse würde wahrscheinlich eher lauten, dass wir direkt für den Veganismus werben sollten, statt für stufenweise Schritte auf dieses Ziel hin.

Die Schlussfolgerungen müssen durch die Datenanalyse gestützt werden.   Interessanterweise scheinen die Schlussfolgerungen der Autoren – dass wir uns mehr auf die Reduktion des Fleischverzehrs konzentrieren sollten (relativ zur Beendigung des Fleischverzehrs) und auf das „Wie“ bei der Durchführung des Wechsels zum fleischlosen Leben (relativ zu dem „Warum“) – konträr zu dem zu stehen, was uns die Resultate tatsächlich zeigen. Die wichtigsten Variablen, die bestimmten, ob jemand vegan/vegetarisch blieb, bestanden darin, ob die Ernährung aus Gründen der Tierrechte, des Umweltschutzes oder der Fragen sozialer Gerechtigkeit beibehalten wurde. Genauer gesagt lag die Wahrscheinlichkeit bei denjenigen weit höher ihre fleischlose Ernährung beizubehalten, die angaben, dass sie sich aus „Tierschutzgründen“, „dem Gefühl des Ekels vor Fleisch/Tierprodukten“, „der Sorge um die Umwelt“ und wegen „Fragen sozialer Gerechtigkeit und des Welthungers“ vegan/vegetarisch ernährten. Eine separate Analyse zeigte, dass die Hauptschwierigkeit bei der Beibehaltung einer fleischlosen Ernährung bei den Teilnehmern der Studie darin lag, dass sie den Vegetarismus/Veganismus nicht als Teil ihrer Identität empfanden.

Durch all diese Analysepunkte hindurch waren die Variablen, die sich auf die Empathie für andere beziehen, stärker mit der Beibehaltung einer fleischlosen Ernährung verknüpft, als die selbstbezogenen Gründe, wie Gesundheit, Kosten, Geschmack, sozialer Einfluss, religiöse/spirituelle Überzeugungen, Mode oder Lust/Genuss. Wenn wir es wegen der anderen Tiere tun, dann ist die Chance geringer, dass wir den Schritt zurück zum Konsum tierischer Produkte gehen. In anderen Worten zeigt diese Studie, dass wir für den Veganismus gemäß seiner ursprünglichen Definition der Minimierung des Schadens anderer werben sollten. Und wir sollten Menschen dahingehend ermutigen, sich stolz mit dem Vegansein identifizieren und Tierprodukte ohne Hemmungen aus ihrem Leben verbannen zu können. Kurzum die Resultate zeigen, dass wir einen größeren Fokus auf das „Warum“ des Veganismus (die Beendigung der Grausamkeit gegenüber Tieren) richten sollten, dass wir die Ermutigung anderer, zur Beendigung aller Verletzungen der anderen Tiere, stärker betonen sollten (also nicht bloß die Reduzierung des Fleischkonsums), und dass wir daraufhin arbeiten sollten, die Identifizierung mit dem Veganismus zu verstärken (statt sie zu schwächen).

Die Untersuchung muss im Peer-Review-Verfahren geprüft werden. Wenn die HRC-Studie einer zweiten wissenschaftlichen Prüfung unterzogen worden wäre, dann wären immerhin einige der Problempunkte, die ich oben erwähnte, thematisiert worden, und die Autoren hätte sich zu diesen Bedenkenspunkten in einem überarbeiteten Manuskript (bei Vereinbarung einer weiteren Besprechung) äußern müssen, damit die Studie veröffentlicht werden könnte. Das Peer-Review-Verfahren gibt einer Studie Legitimität, und zeigt, dass man über die Schwelle wissenschaftlichen Verdienstes hinaustreten kann. Das Verfahren hilft, den Einfluss, den eine Voreingenommenheit des Forschers auf die Interpretation der Resultate haben kann, zu beseitigen, und es bringt die Wissenschaft insgesamt voran. Ich sehe ein, dass für eine Studie dieser Art begrenzte Optionen der Publikation in wissenschaftlichen Journalen vorliegen, wir müssen aber einen Weg finden, solche Arbeiten rigoroseren wissenschaftlichen Prüfungen zu unterziehen, damit sie wirklich bedeutsam sein können.

Es ist eindeutig, dass die Daten, die hier gesammelt wurden, potenziell wertvoll sind, und sie können bei der Beantwortung wichtiger Fragen helfen. Der Wert dieser Bemühungen kann aber enorm gesteigert werden, wenn die Fragen und Interpretationen einer gründlichen Überprüfung unterzogen werden und das Feedback anderer aus der wissenschaftlichen und der veganen Gemeinschaft erhalten. Zudem ist der wichtig für uns, die wir uns in der Verteidigung der Tiere einsetzten, Forschung mit dem grundlegenden Verständnis zu aufzunehmen, dass sie immer ein menschlicher Prozess ist und wir uns ihrer Begrenztheit bewusst sein müssen.

Zum Autor:

Zusätzlich zu seiner Arbeit als Leiter der Vegan Publishers ist Casey Taft Professor für Psychiatrie an der Boston University School of Medicine. Er ist ein international anerkannter Forscher in den Bereichen Trauma und Familie und hat zahlreiche renommierte Preise für seine Arbeit von der International Society for Traumatic Stress Studies, dem Institute on Violence, Abuse and Trauma und den Centers for Disease Control and Prevention erhalten. Er hat über 100 Journalartikel, Buchkapitel und wissenschaftliche Berichte verfasst, ist Mitherausgeber des Jorunals „Psychological Trauma: Theory, Research, Practice, and Policy“ und Vorstandsmitglied der „War Writers’ Campaign.“ Casey arbeitete auch als Vorsitzender einer Arbeitsgruppe der American Psychological Association für Traumaverarbeitung im Militär und ist als Berater zur globalen Gewaltprävention bei den Vereinten Nationen tätig gewesen. Er sieht die Prävention der Gewalt gegen Tiere als eine logische Erweiterung seiner Arbeit.

Alle Links: 19.12.2014