Was ist schlimmer: religiöser Fanatismus oder Speziesismus?

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Was ist schlimmer: religiöser Fanatismus oder Speziesismus?

Palang LY

Die Antwort ist beileibe nicht eindeutig, denn beides sind Ausrichtungen auf ideologische Rahmenwerke, bei denen ein Opfer als Geisel genommen wird und mittels Gewalt Angst erzeugt wird.

Woher kommt das Opfer im religiösen Kontext und woher nimmt sich der Speziesismus die Berechtigung, die Tierheit als Geisel seiner Lüste, Bräuche und Definitionen zu halten?

Der religiöse Fanatismus scheint mir eine krude Form einer „Wahrheitsfindung“ zu sein (oder sein zu wollen), bei der sich die Antworten auf „Gott“ ausrichten, und wo derjenige, der an diesen Gott glaubt, eine Rechtfertigung für jede gottgegebene Regel findet, egal wie grausam oder unlogisch sie sein mag. Meiner Meinung nach funktioniert der Speziesismus in ähnlicher Weise, indem eine Gruppe von Lebewesen, aufgrund einer arbiträren Vorstellung über allgemeingültige „Objektivität“, per definitionem über andere Lebewesen gestellt wird.

Die Parallelen beider Ideologien zeigen sich in der Gewalt, die als wesentliches Mittel zur Eigen- und Fremddefinition eingesetzt wird. Indem ich ein Opfer schaffe, das leidet und das mir nicht entkommen kann, dessen Freiheit ich somit negiere, schaffe ich mir als „Stärkerer“/„Überlegener“ einen Raum der Herrschaftsausübung über die Existenz des anderen. Ich eigne mir über die Angst meines Opfers den Raum seiner Freiheit an, und wandle ihn zum Raum der Angst und Unterdrückung. Das Gebilde, das ich auf diesem Fundament errichten kann, ist schier endlos ausbaubar; ich kann ganze Philosophien und Technologien auf Basis dieser Unterdrückung errichten und mir vormachen, ich verfügte über eine endgültige Definitionsmacht.

Ich glaube tiefenpsychologisch finden wir tatsächlich viele Ähnlichkeiten in allen Systemen, die sich über die Zerstörung des anderen als „sinnstiftendes Moment“ definieren können, wollen oder müssen. Es fragt sich, was wir an dem Punkt, an dem sich Ideologien dieser Art kreuzen, erkennen können – wenn, wie in diesem Falle, Menschenmord und Tiermord eine gleiche „Qualität“ erlangen? Kollabieren solche hierarchisch-ideologischen Gewaltsysteme, wie eine „gottgegebene Legitimität zur Alleinherrschaft“ und das kollektivistische Prinzip der Objektivitätsbehauptung des „Menschseins-als-dem-Tiersein-überlegen“ in dem Moment, in dem erkennbar wird, dass

1.) Geistig-spirituelle Herrschaftsansrprüche einen Hang zu Selbstvernichtung haben,
und 2.) die Objektivität des Tierseins die Objektivität des Menschseins relativieren könnte?

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