Lebensdeutung

Wenn Menschen aus ihren eigens beanspruchten Deutungshoheitsansprüchen heraus das Leben anderer Tiere definieren, definieren sie dabei das Leben an sich. Sie lokalisieren sich dann deutungsgebend über dem Rest (und somit die Mehrheit) der Tierheit und meinen zu wissen, was die Wahrheit/die Welt der anderen Lebewesen ist. Lebewesen können sich aber nur begegnen und in Beziehung setzen und diese Beziehungen sind wechselseitig und können nicht von einer Seite her vorbestimmt werden.

Tierautonomie

Ein Fragment über Insektenmythologien und Darstellungen von Insekten, und weshalb Erklärungen mittels Symbolismus nicht ausreichen um bestehende Korrelationen zu erklären

Ein Fragment über Insektenmythologien und Darstellungen von Insekten, und weshalb Erklärungen mittels Symbolismus nicht ausreichen um bestehende Korrelationen zu erklären

Soweit wir zu diesem Zeitpunkt herausfinden konnten, handeln die bekanntesten Mythologien über Insekten und ähnliche Invertebraten von: Bienen, Schmetterlingen, Spinnen, Skorpionen, Zikaden und den Skarabäus-Käfern … . Welches Ansehen welche Insekten wann genossen und warum, steht offen. In einigen Zeiten, Kulturen und Geographien wurden die Tiere oder einige Gruppen dieser, zumindest freundschaftlich, in anderen feindlich dargestellt.

Insekten in Mythologien werden zumeist als ein Phänomen gedeutet, das sich primär über einen „Symbolismus“ erschließen soll. Es scheint, dass Autoren / Forscher meinen, es sei schwer vorstellbar, dass beispielsweise der Skarabäus (der im ägyptischen Pantheon dem Gott Kheper zugeordnet wurde), ein ‚Mistkäfer’ also, für mehr als allein das geschätzt wurde, was Menschen ihm, im Sinne ihrer eigenen anthropozentrischen Konzepte der Welt, derer Bedeutung und des Universums zuschrieben. Was, wenn aber die frühen Ägypter beispielsweise eine Welt mit einem einzigartigen Wert im Leben und in den Aktivitäten der Skarabäus-Käfer gesehen hätten?

Es wäre doch möglich, dass es faszinierend war zu beobachten, wie die Käfer dieses Rund aus Erde und Dung gerollt haben, und dabei dahingehend Überlegungen anzustellen, welche Art des Sinnempfindens die Käfer der Existenz und dem Sein auf der Erde überhaupt selbst ‚lebten’. Tiere haben Vernuft, Tiere haben Sinn. Tiere denken. Vielleicht verfügten manche alten Zivilisationen und Kulturen noch über die Fähigkeit und über ein Interesse daran, nichtmenschliche Tiere als tierliche Kulturen zu betrachten. Ein kleiner Käfer, der einen Ball gleich einem Planeten rollt, aus dem ein neues Insektenleben schlüpfen würde … . Das ist mehr als ein Symbol.

Ein typischer Gedanke, den man im Bezug auf nichtmenschliche Tiere und die Natur im Bezug auf Mythologien antrifft, ist, dass Menschen der Natur immer nur im indirekten Sinne eine Bedeutung zugeordnet hätten. Menschen können aber doch auch gedacht und gefühlt haben, dass die Natur tatsächlich eine Bedeutung hatte, und dass Natur (und somit Existenz) überhaupt Bedeutung sei.

Zusätzlich sollte bedacht werden, dass wenn wir solch einer Beziehung in der Mythologie das Gewicht unserer heutigen Definition von „Symbolismus“ aufbürden wollen – das heißt wenn wir beispielsweise sagen, dass Insekten bloße Symbole anthropomorpher Attributisierungen gewesen seien – dann sollten wir doch immerhin die epistemologische Geschichte des „Symbols“ und die Etymologie dieses Begriffes näher betrachten, um Licht auf das Konstrukt zu werfen, von dem wir damit Gebrauch machen.

Interessant ist, dass selbst im Bezug auf unsere Gegenwart wir die Verwendung von Tierbildern in mehr oder weniger ähnlicher Weise deuten. Wir sehen das Tier als nicht viel mehr als einen Symbolismus.

Die Beziehung zur faktischen Gegenwart des ‚Tieres als Subjekt’, das unser sozialethisches Miteinander relevant werden ließe, spielt seitens des Künstlers sowie auch seitens des Betrachters für Kunstkritiker, Kunstwissenschaftler und Kunsthistoriker zumeist noch eine untergeordnete und eher indirekte Rolle, bei der in erster Linie die Subjektivität des Menschenlichen in Bezugnahme auf das Menschliche im Zirkelschlüssen zum Gegenstand des Sinnes von Kunst wird (und bleiben soll).

Der Bezug auf das dargestellte Tier und das Tierliche wird als indirekt gedeutet, auch wenn ein direkter Bezug intentioniert oder zumindest auch mit enthalten ist. Die alleinige Direktheit, die zugelassen wird, ist die objektifizierte Haltung zum Tier und zum Tierlichen. Die Direktheit wird Instrumentalisiert.

Die Tendenz zur Verzwecklichung bei Anthropomorphismen in Tierdarstellungen macht die Beziehung noch unsichtbarer. So können wir kaum mehr von einer Micky Maus auf eine echte Maus schließen, da hier die Maus in der Art Darstellung nur noch ein dem Menschen gefälliges Bild verkörpern soll. Der Bezug zum Tier bleibt aber relevant, denn sonst hätte man ebenso eine nicht zoomorphe Gestalt wählen können als zentralen ästhetischen Bildnisfaktor. Wir sollten uns die Beziehungen zwischen darstellenden und dargestellten Subjekten viel genauer und tiefgreifender betrachten.

Insekten, unsere und ihre Kultur. Ein Interview mit Inox Kapell.

kts8

Jahrgang 5, Nr. 2, Art. 1, ISSN 2363-6513, April 2018

Insekten, unsere und ihre Kultur. Ein Interview mit Inox Kapell.

Dieser Text als PDF

Einleitend: Inox Kapell ist ein berliner bildender Künstler, Musiker und Entomologe. Aus der Biologie her kommend hat er mit aufgespießten Insekten zwar leider kein völlig fundamentales Problem, doch inzwischen, so lesen wir auf seinen Seiten, sammelt er keine lebenden Tiere mehr, „nur ab und zu ein totes Exemplar zu dokumentarischen Zwecken oder für die Kunst.“ [2]

Was Inox Kapells Arbeit für uns so interessant macht ist, dass es als Künstler und Entomologe die Insekten als eine ganzheitliche Welt konstituierend begreift, so spricht er beispielsweise von den Insekten als demokratisch sich organisierenden Lebewesen. Und mittels künstlerischer Darstellung lässt sich solch eine umfassendere Sichtweise auf die Invertebraten noch ganz anders ausdrücken, als allein über biologische Beobachtungs- und Erfassungsmodelle tierlichen Lebens.

Unsere Gesellschaft richtet sich immer noch zumeist nach denjenigen Auffassungen über Nichtmenschen, die ihnen aus den Naturwissenschaften übermittelt werden. Langsam beginnt die Gesellschaft sich aber von weniger humanzentrischen Perspektiven her mit Nichtmenschen und dem natürlichen Raum auseinanderzusetzen.

Die Kunst als Medium der Beobachtung, Reflexion und des gestaltenden Ausdrucks, kann in Verbindung mit einer interessierten Empathie gegenüber Nichtmenschen und ihren Lebenswelten, auf ihre Weise erweiterte Verständnisse darlegen. Unsere zeitgenössische Kunst ist gegenwärtig oftmals noch speziesistisch, indem sie sich tierlicher Körperlichkeit und dem Tiersein in einer weitgehend objektifizierenden Art und Weise annähert. So werden häufig taxonomische Präparate verwendet, die Narrative nichtmenschlicher Perspektiven bleiben sekundarisiert. Eine künstlerische Annäherung an das Tiersein kann aber auch auf gleicher Augenhöhe mit den anderen Lebenswelten stattfinden. Genau hierin liegt eine besondere Freiheitsmöglichkeit schöpferischer Kreativität.

Bei Inox Kapell ist ein künstlerisch-entomologischer Grenzgang zu beobachten, bei dem sich der Rezipient aus dem rein anthropozentrischen Konzeptualisieren der Welt herausbewegen kann und anarchischer Phantasie Raum geschaffen wird, in der tierliches Anderssein Gestalt annimmt und einen unmissverständlichen Platz einnimmt, jenseits einer Dominierung durch Zeitgeist und anthropozän-erstarrter menschlicher Hybris.

Wir haben Inox im Rahmen seiner Arbeit auf Schloss Freudenberg in Wiesbaden besucht. Das Schloss und der Schlossgarten als museumspädagogisches Kunstprojekt, das ein Kollektivwerk darstellt und das sich als ein im-fortwähenden-Prozess befindendes Gesamtkunstwerk verstehen lässt, verfolgt insbesondere auch einen Ansatz, der die Gedankenwelten von Maria Montessori, bis Rudolf Steiner, Hugo Kükelhaus und Josef Beuys (und Weiteren) umgreift [3]. Die Verbindung von Sinneswahrnehmung und Kunst mit der natürlichen Umwelt, bildet dort den inhaltlichen Schwerpunkt kreativen Schaffens und künstlerischer Didaktik.

Schlagworte: Interview, Inox Kapell, Insekten, Invertebraten, Entomologie, Kunst, Post-Anthropozentrismus

TIERAUTONOMIE, Jg. 5 (2018), Heft 2.

Insekten, unsere und ihre Kultur. Ein Interview mit Inox Kapell.

Eine Übersicht über Aspekte des Insektenlebens von Inox Kapell. [1]

Mikrosensationalismus und taxonomische Sammlung

Tierautonomie: Insekten, die in Dekoartikeln eingebaut werden, wie lebende Käfer als Broschen und Ameisen in Uhren [1]. Was denkst Du, warum einige Menschen so etwas kaufen und manche andere so etwas als ‚witzig’ oder ‚okay’ tolerieren?

Inox Kapell: Ja, da wird so eine menschliche Reaktion angeregt. Wenn man so will, wie ‚Schock und spannend und interessant und farbenfroh oder komische Gestalt die eingegossen ist’. Dann kann man das auch noch kaufen, weil es ja sicher ist. Das hast du dann ja gegossen. Die Insekten sind meistens, wenn sie von der Industrie kommen, gezüchtet dafür. Ganz viele. Das ist sehr traurig. Wenn man dann überlegt, da ist ne ganze Industrie, z.B. in Thailand. Da gibt es eine ganze Industrie, die diese Rosenkäfer züchtet. Ich weiß nicht genau, ob sie sie dann direkt umbringen, ob sie sie sogar lebendig eingießen oder sterben lassen. Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass der Umgang da nicht so gut ist. Also, allein zu züchten deswegen ist doof. Es gibt auch das andere, das sind Wildfänge, also dass man wild fängt und dann eingießt.

Tierautonomie: Wenn man die Tiere lebendig oder als Teile von Objekten – als Objekt – verwendet?

Inox Kapell: Ja es gibt ja auch diese Wanderausstellungen. Das ist auch ganz fürchterlich. Die Züchter sind eigentlich nur interessiert am fertigen Käfer oder an dem, was er dann wird wenn er geschlüpft ist, dass man dann verkaufen kann. Es ist eigentlich immer was wie ‚Aliens’, einfach interessant weil fremd, und das ist mit Spinnen auch so, weil sie so anders sind als wir.

Tierautonomie: Du selbst sammelst nur noch ausschließlich von selbst gestorbene Insekten. Könnte es eine Entomologie geben, die nur noch bereits existierende Präparate verwendet oder mit der Beobachtung der Tiere im natürlichen Lebensraum auskommt?

Inox Kapell: Genau, ich sammel nur tote, auf der Wiese. Ich nehm dann das Tablett und die Schönen werden dann zu Ringen oder zu Broschen … .

Tierautonomie: und für die Entomologie?

Inox Kapell: Sie werden Aufgespießt und die werden ja auch geklebt. Also ganz kleine Insekten werden aufgeklebt auf Papier. Sie werden umgebracht und dann aufgeklebt, weil dann sind die Beine noch beweglich, dann kann man sie schön gestalten, in die Form bringen, weil wenn ein Käfer stirbt, dann zieht es sich zusammen. Das heißt aber, wenn er dann gestorben ist, kannst du ihn noch auseinandernehmen. Das ist wie auch beim Menschen. Der kriegt ja auch eine Leichenstarre und dann kannst du ihn nicht mehr bewegen. Bei Insekten ist das ähnlich.

Also es gibt auf jeden Fall Familien, da muss man Präparate haben. Familien von Käfern z.B. oder Familien von Insekten, weil die so selten sind, und an einem lebenden Insekt – das hält nicht still, bei dem kannst du dann nicht die Fühler, die Glieder, die Beingliederungen, die Gelenke oder die Tarsen zählen. Das ist alles ganz wichtig, das kannst du bei einem lebenden dann nicht, und da ist natürlich ein Biologe geschult drauf das das schnell zu machen, ins Reagenzglas und umbringen, tot. Das ist ganz normal, das ist seit sagen wir mal 100 Jahren normal, das man das so macht. Da ist auch scheißegal, ob es dann weniger davon gibt, sondern da gehts dann darum, ist das ne neue Art? Und da gehts dann auch darum, dass sich Studenten auch einen Namen machen wollen. Es gibt aber ganz viele Insektenarten da muss man das nicht, weil, die kannst du so erkennen. Gibts auch.

Ein Miteinander von Insekt und Mensch zum ersten Mal entdecken

Tierautonomie: Kann man über Gedankenwellen oder -impulse, Gestik, Verhalten und aber auch das Einrichten von geschützten Lebensräumen und Kleinstbiotopen, usw. – also über eine eigene Art der ganzheitlichen Interaktion – mit Insekten in einen reziproken kommunikativen Akt treten?

Inox Kapell: Ja, das Wichtigste dabei ist, dass man es zulassen kann, dass man auf so ne Ebene kommt, wie es bei anderen Haustieren oder bei anderen Tieren überhaupt schneller der Fall ist, weil sie, domestiziert, schon lange beim Menschen leben oder eine ganz andere Prägung da ist. Wie wenn bei einem Kind eine Katze da liegt, dann erzählen die Eltern ja: ‚Katzen sind so und so’ und ja die Katze ist wuschelig, das ist beim Menschen dann natürlich ein ganz anderer Umgang.

Wenn jetzt das Menschenkind zum Beispiel bei einem Imker sieht – der ja schon grundsätzlich einen Zugang zu Insekten hat, nämlich zu den Bienen – dann ist das für ein Kind schon mal ein ganz anderer Zugang. Es kann dann schneller lernen, dass erstmal zu den Bienen, aber vielleicht dann aber auch zu den anderen Insekten, ein Zugang möglich ist. Weil der Imker-Onkel, oder wer auch immer das dann macht, schon diesen Zugang erfahren hat. Und wenn der dann noch weiter geht und vielleicht Anthroposoph ist bzw. ein anthroposophisches Denken hat, dann sieht der die Bienen auch nicht nur als Honigbringer, sondern auch als Bestäuber und eben auch als Freund des Menschen. Weil das passiert automatisch, wenn du zum Beispiel mal ne ganze Gruppe auf deiner Hand hast, eine Biene auf deiner Hand komplett sitzt oder es gibt diese Bilder von Imkern, deren ganzen Gesicht bedeckt ist mit Bienen. Dann kennen die deinen Geruch, das Bienenvolk kennt deinen Geruch und dann hast du einen anderen Zugang. Dann werden die dich auch nicht mehr stechen.

Und wenn das ein Kind sieht – ich sag jetzt mal Kind, weil beim Kind ist noch so viel möglich – dann kann das Kind, so wie ich selber mal so ein Kind war, sich dabei entwickeln. Und dann merkt es vielleicht, was noch alles möglich ist. Und genau dann passieren Dinge, die eben viele erzählen, die sie erleben mit ihren normalen Haustieren – mit Hunden, Katzen sowieso, Meerschweinchen, Hamstern, Schildkröten – die auch möglich sind beim Insekt.

Zum Beispiel, jetzt sitzen hier zwei Fliegen. Und jetzt ist die Frage: warum sitzen sie hier und nicht dort, dort oder da? Und für mich ist das, über meine jahrelange Erfahrung, über dieses Jahrelange Leben mit Insekten, heute schon so [wenn sie um mich herum sind], als wenn sie wüssten, dass ich von ihnen erzähle. Ich kann mir das nicht anders erklären. Ich meine über Hunde und Katzen wird nicht so viel geredet, da wir dann immer so: ‚ah du bist ein süßer Hund’ oder ‚du bist einer süße Katze’ oder ‚komm mal her’ und so … .

Tierautonomie: Also wir machen das auch, dass wir mit den Insekten bei uns im Haus z.B. auch reden.

Inox Kapell:  Ja in eine andere Dimension geht das. Das können wir noch gar nicht wissen, was da alles passiert. Auf jeden Fall passiert da was. Und das macht ja auch was mit dir.

Tierautonomie: Ja, dieser Zugang. Das ist ja auch immer das Experimentieren in der Kommunikation mit einem anderen Lebewesen, ein soziales Annäherungsexperimentieren.

Inox Kapell: Genau. Und es geht auch um Schwingungen, also man strahlt ja was aus sozusagen, man schwingt ja, da schwingt ja was, wer weiß was da passiert! Ich ruf dann irgendein Tier und das kommt dann. Das passiert mir auch bei Führungen, gerade wenn jetzt zum Beispiel der Frühling dann anfängt und die Tiere noch rar sind. Dann steh ich da mal – wie ein Ritual mache ich das dann – und ruf ein Tier und dann kommt das Tier. Und ich glaube das ist einfach über Jahrzehnte so entstanden.

Tierautonomie: Und das heißt ja auch nicht, dass so ein Tier nicht auch mal stechen kann oder beißen kann, das gehört ja auch mit dazu … .

Inox Kapell: Genau, das gehört dazu.

Perspektiven, Beobachtungen

Tierautonomie: Ich glaube manche Menschen sehen Insekten als so eine Art Kleinstroboter und nicht wirklich als fühlende Wesen. Warum sollte ein Lebewesen mit Außenskelett nicht ebenso komplettes fühlendes Lebewesen in seiner eigenen Art sein?

Inox Kapell: Auch da gibt es ja Aufklärung. Also, es gibt einfach wenig Menschen, die so Erlebnisse haben können, dass sie sagen ‚ja’ – das wird dann immer in andere Ecken gepackt. [Ein Insekt fliegt weg vom Tisch] Ja, es musste da jetzt weg fliegen, weil ich da jetzt drauf gehaun habe [an einer anderen Stelle, indirekt, nicht absichtlich auf den Tisch]. Insekten reagieren, glaube ich, sehr feinfühlig auf alles was sie umgibt. Das können wir nicht wirklich nachvollziehen, weil wir ja auch nicht eine Millionen Mal so stark riechen wie wir riechen, wie ein Insekt riecht. Für ein Insekt ist jetzt vielleicht hier in der Luft alles voller Spuren von irgendwelchen Stoffen, Kaffee, Zucker, Blut … und das beeinflusst das Insekt. Deshalb fliegt es eben so, deshalb fliegt es vielleicht merkwürdig für uns, weil wir uns anders bewegen. Und das Fremde wird immer gesehen als fremd. Und so ein Insekt, was ja nicht schreien kann, nicht reden kann, was auch noch stechen kann – und wo dann auch noch das ganze andere menschliche Gedenke dazu kommt, was oft ja gar nicht stimmt – das ist dann automatisch ein ‚Roboter’. Weil, das ist ja irgendwie klar und das ist auch ein Schutzmechanismus. Das heißt aber gar nichts.

Tierautonomie: Canetti hat das ja auch mal beschrieben, dass die Insekten in so einer anderer Lebenswelt sind, in einer anderen Dimension sind, dass der Mensch sie dann dadurch ganz leicht fälschlicherweise abwertet.

Inox Kapell: Fabre musst Du unbedingt erwähren, Jean-Henri Fabre. Der ist ein großes Vorbild für mich, weil, er hat vor hundert Jahren schon sein Haus geöffnet für Insekten. Er hatte Terrarien, und zwar hatte er ein Ameisennest in einem Terrarium, das Terrarium war aber oben auf, das heißt die Ameisen konnten raus und liefen dann überall rum. Sammelten sich aber in dem Terrarium. Das Nest war also nicht eingegrenzt und trotzdem beobachtbar. Fabre hat über Insekten ganz viele Kinderbücher geschrieben, die aber in Europa nicht bekannt sind, bis in die 1950er Jahre vielleicht schon, aber danach nicht mehr. In Japan sind seine Bücher aber Bestseller.

Räume wahrnehmen, Plätze schaffen

Tierautonomie: Wie kann man selber in unterschiedlicher Weise Lebensräume für Insekten schaffen? Mit, beziehungsweise aber auch ohne eigenen Garten?

Inox Kapell: Du kannst ganz klein anfangen. Wenn man sich vorstellt es gibt Ameisennester, die leben in einer Eichel, ein Ameisennest in einer Eichel. Auf deinem Balkon kannst du schon richtige Biotope schaffen, weil, viele Insekten sind nur wenig sichtbar, also viele Insekten sind ja auch klein.

Tierautonomie: Aber wichtig ist dann, dass man immer schöne Pflanzen fest da hat, so einen Mini-Dschungel.

Inox Kapell: Am besten heimische Pflanzen – muss nicht sein aber ist besser, weil du kannst ja auch einfach irgendwo hingehen, wo ein guter Garten ist und nimmst dir da die Erde und dann beobachtest du mal was passiert. Du gießt das ein bisschen, da ist auch genug Samen drin und Sonne hast du auch. So habe ich das auch als Kind gemacht.

Tierautonomie: Also auch die Pflanzen, die man hier auch oft als Unkraut bezeichnet, gerade auch die stehen lassen, weil die Insekten sich da auch zuhause fühlen.

Inox Kapell: Genau, Unkraut gibts nicht, das ist so wie Ungeziefer. Wenn wir jetzt diese Fliege da beschimpfen würden als Ungeziefer. Wie wichtig die Stubenfliege aber für uns Menschen ist. Die tanzen da auch noch so schön im Licht. Da kannst Du davon ausgehen, dass sie sich richtig gefreut haben, dass man das gerade gesagt hat. Also ich glaub ja an sowas. Nur dass wir das eigentlich nicht wahrnehmen, weil wir ja nicht in diese Dimensionen gucken können.

Tierautonomie: Ja ich denke auch das ist eine soziale Interspezies-Interaktion.

Inox Kapell: Ich will es jetzt auch nicht zu weit treiben damit, aber da ist auf jeden Fall ganz stark was vorhanden. Bei den meisten Menschen ist gar kein Bewusstsein entwickelt. Wir reden von Intelligenz: so, was ist Intelligenz? Nachhaltig denkend? Ist das der Mensch? Fragezeichen! Was bilden wir uns eigentlich ein, uns fehlt die Demut, das Mitgefühl. Hätten wir das, dann würde sich vieles auch sofort ändern.

Tierautonomie: Oder bei der Intelligenz ist ja auch die Frage, in welchem Rahmen ist was intelligent. In einem Land empfindet man vielleicht das eine als intelligent, in nem anderen Kontext ist das und das intelligent.

Inox Kapell: Genau, weil ne ganz andere Natur da herrscht usw.

Graswurzelpolitische Kunst

Tierautonomie: Stichwort ökologische Balance im Mikro- und Makrokosmos: Kunst kann ökopolitisch sein, wenn sie die Gesellschaft und den einzelnen Menschen dazu anregt, mehr Aufmerksamkeit und Respekt zu entwickeln für die wichtige und meist übersehene, komplexe Lebenswelt der Insekten. Im Bezug auf Bienen ist uns unsere Mit-Existenz mit der Insektenwelt, durch deren gefährdeten Status, inzwischen mehr ins Bewusstsein gerückt. Mit Deiner Kunst triffst Du auch eine graswurzel-ökopolitische Aussage, die sich gegen Pestizide, gegen die Zerstörung von Lebensräumen richtet, ohne dass man Dir aber vorwerfen würde, das wärest moralinsauer.

Inox Kapell: Wenn man Menschen hat, die da mit dem Gefühl arbeiten, da kommst du automatisch auf ne andere Ebene, wenn du mit diesem Gefühl arbeitest. Das glaub ich schon. Das ist meine Erfahrung. Wenn ich zu Kindern geh und den Kindern erzähle: ‚Guckt mal die Bienen, wie die sozial zueinander sind, wie die sich gegenseitig helfen, unterstützen, wie die sich füttern. Ja und jetzt überlegt mal, wie es wäre wenn wir das auch so machen würden’ – und schon machts klick.

Tierautonomie: Ja, dass man auch nicht immer so einen Schnitt macht und das ganz anders beurteilt, bei den Tieren oder Kleinstlebewesen, als bei den Menschen. Sondern dass man einfach mal guckt: ‚vergleicht das doch mal, lasst das doch mal zu, ohne es weiter zu bewerten’.

Inox Kapell: Genau. Und die haben auch ne Brutpflege. Die menschlichen Worte sind oft ganz doof. Brutpflege, dass würden wir ja nicht sagen zu unserem Kleinkind: ‚Das ist eine Brutpflege’ wenn wir ein Baby haben. Aber das nennen wir bei den Tieren so. Das ist eigentlich dämlich. Das ist aber das, was auch durch Prägungen entstanden ist, nämlich damit man die Tiere dann auch besser ausbeuten kann. Heute ist es ganz schlimm, weil heute hat  das, was du isst, kein Aussehen mehr von dem, wo es herkommt. Das macht es leichter [die Ausbeutung].

Tierautonomie: Ja, diese Reduzierung dann immer auf das Futtersuchverhalten oder die Brunft usw. Alles was Tiere anbetrifft wird dann immer eingegrenzt auf so gewisse Schwerpunkte, die für uns dann von Interesse sind.

Inox Kapell: Und die Kunst allgemein … ich glaube es liegt immer an dem Künstler.

Tierautonomie: Also da hat man eigentlich schon eine Möglichkeit ganz andere Zugänge zu schaffen.

Inox Kapell: Dass ein Künstler auch Visionär ist und eigentlich auch in der Pflicht steht, dem Volk was Gutes zu tun, dass er auch eine Meinung hat – das Politische, das haben viele vergessen.

Tierautonomie: Genau. Ich glaube Brecht hat auch mal gesagt, dass Künstler die Gesellschaft nicht nur spiegeln, sondern auch formen, mitgestalten sollten.

Inox Kapell: Ganz genau.

Tierautonomie: Also insofern auch so was Graswurzelpolitisches.

Inox Kapell: Genau, also ein Bodenanfang.

Wie sieht die Kunst den Künstler und dessen Sicht auf nichtmenschliche Tiere?

Tierautonomie: Wenn Du Kunst im Bezug auf Insekten machst, sind die Insekten für Dich dabei etwas rein Symbolisches? Sind sie sozusagen ‚Kunst-Nutzlebewesen’ für Dich? Es wird immer wieder von Kunstkritikern behauptet, dass viele Künstler nichtmenschliche Tiere in ihrer Kunst allein in einer symbolischen oder letztendlich metaphorischen Art und Weise verkörpert haben oder einsetzen, aber nicht um ihrer selbst willen. Kann man als Künstler auch einen ganz direkten Bezug zu Nichtmenschen haben, indem diese anderen Lebewesen nicht bloß als ästhetische „Medien“ dargestellt und portraitiert werden?

Inox Kapell: Ich glaub schon, dass das möglich ist. Das ist vielleicht eine sehr schöne Forschungsfrage fast, also das dahin zu wirken. Aber so Zeitgeist ist ja gerade ein anderer. Doch es bildet sich ja im Zeitgeist, der so stark ist jetzt, so einförmig, da bildet sich automatisch wieder Anderes. Also es gibt immer auch was, wo etwas im Sterben ist, ist auch schon das neue Leben, das kommt schon wieder, es ist schon da. Und das ist bei uns auch so.

Und jetzt könnt ihr mal da hoch gucken. Jetzt seht ihr da oben so eine Ameiseninstallation […]. Es ist eine Darstellung von etwas fast Feindlichem. Es geht aber darum, sich die Ameisen mal richtig anzugucken. Das passiert bei Kindern dann auch, wenn die hier sitzen [im Museumscafé]. Wenn du hier sitzt und Kaffee trinkst und dann da hoch guckst, da bist du erst mal so ‚Hu’?! Und dann macht es aber auch, dass man sich es dann anguckt und genauer anguckt.

Ameisengestalten an der Decke im Museumscafé.

 Tierautonomie: Also, dass man diese Tiere dann erstmal zeigt, es sind ja künstliche Figuren, die in einem Kontext als agierende Wesen dargestellt werden, um dadurch den Zugang zu den echten Lebewesen zu schaffen, um diese mit in den Raum und ins Denken mit einzubringen.

Inox Kapell: Und wenn du dann auch noch einen Menschen hast, der die Menschen nimmt und auf die Wiese bringt, dann ist natürlich was passiert!

Tierautonomie: Ohne den Tieren aber auch was anzutun. Ohne da einzugreifen, sondern einfach nur beobachten.

Inox Kapell: Einfach nur beobachten. Genau. Das ist ne Kunst und das ist auch wie eine Entschleunigung. Es ist eigentlich auch was Schönes für die Gesellschaft, weil du, sobald du dich da irgendwo hinhockst da draußen, und einfach mal auf ne Stelle guckst und dann läuft da was durchs Bild, dann ist das fast wie eine Meditation – für mich persönlich. Ich hab es auch auch von vielen anderen gehört, dass ich sie dahin bewogen habe, das zu tun und es wurde eine Art Meditation für sie. Also wie eine Entschleunigung, so ich zieh mich zurück, ich hab gerade viel im Kopf, jetzt geh ich einfach zum Ameisennest, setzt mich mal daneben und … .

Tierautonomie: Du lebst das ja auch wirklich vor. Wenn jemand Interesse hat und sieht, ‚oh da ist jemand, der einem so etwas tatsächlich auch vorlebt’, man sieht, man kann etwas auch so machen, dieser Weg ist gangbar.

Sehen, denken, handeln

Inox Kapell: Ja, genau. Es gibt in Filmen – und das ist ja auch ein großes Problem – im Film ist ja alles da, jede Idee wird zum Film, jede Lebensgeschichte, wenn sie interessant ist, wird zu einem Film. So, und dann guckt man das im Film, und ‚ah ja, hm hm’. Das muss alles wieder ins Leben rein, das muss alles wieder in die Realität. Es ist traurig, so was kann was bewirken, aber du kannst auch drin stecken bleiben, in dem: ‚ich habs ja gesehen, ich habs gesehen, das muss ich ja selber nicht tun.’ Und das ist genau der Schritt, den brauchen wir gerade. Es ist soviel Kraft da, aber es muss wieder dazu führen, dass wir uns bewegen, wir müssen handeln. Wir handeln nicht nur für uns, wir handeln auch für die anderen, für die Kinder, für die neuen Generationen, für die Umwelt. Und da kann Kunst schon viel machen. [Inox macht an dieser Stelle einen kleinen Exkurs zu Beuys und seinen lehrenden Tätigkeiten.] Es ist immer wichtig, wenn Du Menschen hast die die Dinge tun, die Dinge leben. Dann kannst du vieles besser verstehen. Rudolf Steiner hat ja auch immer gesagt, ich schreibe keine Bücher, ich halte Vorträge und zeichne meine Grafiken und nach jedem Vortrag könnt ihr mich fragen. Das ist mir lieber als ein Buch zu schreiben, das hier Fragezeichen hinterlässt und niemand kann sie beantworten. Also halte ich lieber tausend Vorträge und nach dem Vortrag sag ich: jetzt fragt mich und ich kann es direkt beantworten, dann versteht man es auch.

Tierautonomie: Eher sokratisch also.

Inox Kapell: Ganz genau und so ist es fast wieder schamanisch und indianisch, deswegen nannte sich auch Beuys dann irgendwann Schamane, weil er eben auch das tat. Er hat sich versammelt mit seinen Studenten und hat erzählt und dann war da Diskussion, dann konnt man reden. Daraus ist ja dann sowas entstanden wie die Grünen, wir brauchen ne Partei, die was ändert.

Tierautonomie: Das ist dann wirklich lebensverändernd.

Inox Kapell: [Inox schildert kurz einige Überlappungen von Kunst und der Punkbewegung in den frühen achzigern.] Das sind diese Beispiele von Bewegungen, wie sie entstehen. Sieh entstehen ja meist nur durch zwei, drei, vier, fünf Leute. Und das bräuchten wir mal wieder. Auch zu dem Thema.

Tierautonomie: Und dabei auch die Vernetzung und den Austausch mit Leute aus andern Ländern.

Inox Kapell: Genau. Aber da wird noch viel festgehalten an Altem. Ja und je länger du festhältst … du musst loslassen. Loslassen ist ein großes Thema. Je länger du festhältst, umso schwerer wird das Loslassen. Es fühlt sich dann so hart an, wenn auf einmal das Auto nicht mehr anspringt, wenn das Haus nicht mehr bezahlbar ist, weil du es ja eingeredet bekommst: wenn du kein Geld mehr verdienst, dann landest du auf der Straße. Es ist ja gar nicht alles so.

Tierautonomie: Genau, da muss man Öffnungen schaffen, damit man in diesem System nicht gleich einem Circulus vitiosus gefangen ist. Da muss man Aufbrüche schaffen.

Inox Kapell: Genau, und das macht man ja erstmal für sich selbst. Und wenn du dann sagen kannst, es hat funktioniert, dann können es andere auch angehen.

In der Welt Sein

Tierautonomie: Du sagst Insekten sind Musiker und Künstler. Eine ganz wichtige Aussage wie wir finden. Meinst Du das in ihrer Bedeutung für den Menschen alleine oder in ihrer Bedeutung an und für sich, für ihre Umwelt und für die Welt? (Das ist vielleicht eine suggestive Frage.)

Inox Kapell: Ja, auch für die Welt und auch für die Welt der Insekten. Weil, ich kanns ja nicht beweisen, aber ich glaube auch, dass in so einem Ameisennest, wenn man sich das mal anguckt, wie kunstvoll das gestaltet ist, allein die Klimaanlagen, wie kunstvoll die da sind bei unterschiedlichen Ameisenarten oder auch die Gebäude, die sie bauen – die die ja auch betrachten irgendwo.

Tierautonomie: Ja, dass die auch ihre Erlebniswelt haben.

Inox Kapell: Ja genau … weil das ja hat einen Sinn.

Tierautonomie: Ja, aber das ist merkwürdig, dass der Mensch da so einen totalen Cut macht zwischen „Mensch ist kulturschaffend, ist Geisteswesen und Tier ist das nicht“.

Inox Kapell: Genau, aber das ist jetzt der zivilisierte kapitalistisch denkende Mensch. Gehen wir jetzt zu den Indianern, zu den Urvölkern, da isses, gabs oder gibts immernoch auch das andere Verhalten, das mit der Natur. Und da seh ich so Bilder vor mir: kleine indigene Kinder mit großen Stabheuschrecken auf der Schulter oder mit ganz großen Schmetterlingen auch auf der Schulter oder auf der Hand, fast sprechend miteinander. Ja, also solche Bilder gibt es auch. Das liegt einfach daran, dass da der Zusammenhang, der Zugang – das alles ist da noch viel stärker vorhanden, zu dem Planeten auf dem wir leben, Planet Erde.

Insekten sind Bodengestalter und Baumgärtner

Tierautonomie: Es gibt bislang keine wirkliche Lobby für die Insektenwelt – als nichtmenschliche Tiere die sie sind, z.B. nehmen sich Tierrechtler ihrer Problematik bislang kaum an, weil selbst in den Tierrechten zumeist immer noch eine hierarchisierende Unterscheidung in „komplexere“ und „weniger komplexe“ Lebensformen betrieben wird, da wird immer noch von einem mensch-zentrierten Bild ausgehen im Bezug auf Wichtigkeit und Relevanz von Leben. Verstehst Du Deine Botschaft auch als eine Art Kritik an der ‚Hierarchisierung von tierischem Leben’ – sprich Homo sapiens = ganz oben und Invertebraten = ganz unten? Das würde zumindest auch beweisen, dass tieretisches Denken nicht unbedingt immer nur aus den Ecken stammt, von denen man es erwarten würde.

Inox Kapell: Das steht jetzt nicht so im Vordergrund bei mir, aber ich glaube das passiert dann automatisch. Ich kann durchaus ne Biene oder ne Ameise in ihrem sozialen Verhalten – also was ich jetzt selber erfahren habe über die ganze Zeit, kann ich das durchaus vergleichen mit dem Verhalten von Säugetieren. Und da komm ich auch dahin, dass ich sage, wenn man das jetzt hierarchisch sieht, dann müsste die Biene auch ganz oben sein und die Ameise auch und auch die Termite und auch die Wespe und die Hummel.

Tierautnomie: Also das würdest Du klar so postulieren, das könntest Du als Entomologe völlig unterschreiben?

Inox Kapell: Ja, auch in ner Abgrenzung zu andern Völkern, also das machen ja auch die Löwen oder die Wölfe und so weiter … auch Ameisen haben Wächter, auch Ameisen haben Kundschafter, das ist alles bei Säugetieren auch der Fall. Nur es ist vielleicht alles ein bisschen einfacher – das weiss ich ja nicht mal, weil ich das ja nur beobachte und weil die Tiere natürlich kleiner sind und alles was kleiner ist, wird immer weniger beachtet. Wir haben ja noch nicht mal gemerkt oder wissen ja heute noch nicht mal richtig … wir sagen ja es ist ne Darmflora und es ist eigentlich ne Darmfauna. Es sind ja Tiere, die in uns sind. Wir wollen das gar nicht wissen. Da hat der Mensch irgendwo ne Schramme. Ich kanns jetzt nicht anders sagen, weil ich das jetzt nicht so hart fühle, aber ich kann das nachvollziehen. Ich bin ja auch so aufgewachsen, drumrum sind ja auch alle heute ängstlich und haben dieses Denken. Und das Kleine ist immer das, das man einfach ausstellen und niedermachen kann.

Tieautonomie: Genau, man kann das leicht zerdrücken und zertreten, es ist verletzlich. Wir sind ja in einer mächtigen Position.

Inox Kapell: Und auch die Angst. Einmal gehört die Insekten, da gibt es Stechende dabei, oh ja, dann ist das schon der Feind, ‚ja also wenn das mich sticht’.

Tierautonomie: Oder wenn es mich auch nicht anlächelt, dann weiß ich nicht, was denkt ‚es’ überhaupt.

Inox Kapell: Genau, weil lächelnde Gesichter sind bei Insekten nicht so ausgeprägt.

Tierautonomie: Ne, und ‚das’ ist nicht so kuschelig.

Inox Kapell: Und das auch nicht, obwohl viele Insekten ja auch viele Haare haben, aber es sind ja fast alles Sinnesorgane.

Tierautonomie: Es sind sehr autonome Lebewesen, es gibt ja auch viel mehr Insekten, glaube ich, als es andere Tierlebewesen überhaupt gibt?

Inox Kapell: Ja, die Biomasse der Ameisen ist stärker als die aller Menschen zusammen. Also wenn du alle Mensch auf ne Waage tun würdest, auf die eine Seite, die Ameisen auf die andere, dann wiegen die Ameisen mehr als alle Menschen zusammen. Und da ist dann auch für mich klar, welch ein wichtiges Element eigentlich Insekten sind, also außer Feuer, Erde, Wasser, Luft, sind die Insekten eigentlich ein Element, weil aller Boden ist durchwoben von Chitinen, Proteinen, Eiweißstoffen, von allem eben, was die Insekten auch zurückgeben in die Erde, wenn sie sterben.

Tierautonomie: Die Gemeinschaft der Insekten ist also völlig untrennbar von der Natur, von der intakten Natur.

Inox Kapell: Ganz genau, und wir sind jetzt, genau jetzt zum ersten Mal menschheitstechnisch oder überhaupt, evolutionstechnisch vielleicht – ich meine vor 130 Millionen Jahren ist da mal ein Komet … das weiß man jetzt nicht, was es genau bewirkt hat – aber heute sind wir genau an so Punkten, wo jetzt die Insekten sehr stark sterben und wir die Folgen spüren werden. Wir haben schon Länder, da ist es schon soweit, da gibts schon ganz viele Vergiftungen, da ist schon alles Wüste sozusagen. In Amerika, die Japaner, die Chinesen haben riesen Probleme. Am Kirschblütenfest hat mans dann gemerkt, dass die Kirsche leidet, die Bienen sterben, ‚wir müssen das mit dem Finger machen, wir wollen dieses Blütenfest, das ist unsere Tradition’. Ja dann merkt der Mensch plötzlich, ‚ach so, die Biene ist ausgestorben, oh. Ja wie kann das denn passiert sein … .’

Tierautonomie: Völlig beängstigende Vorstellung.

Inox Kapell: Und es ist nicht nur die Biene, die bestäubt, sondern auch die ganzen Hummelarten, also vielleicht nicht ganz so stark oder konzentriert wie die Honigbiene, aber die tun das auch, und Wespen auch, aber eher zufällig. Ja Hummeln sind ja auch echte Bienen, gehören ja dazu zu den Bienen. Die machen das also alle. Und alle anderen Insekten, wie Schmetterlinge oder Ameisen, Käfer, die machen das eher zufällig, passiert aber auch. Und das Bestäuben ist eine wichtige Sache, die Bodengestaltung ist zum Beispiel eine andere und was weiß ich was da noch … so zum Beispiel Wasservorrat [bei den Bäumen] … .

Tierautonomie: Das ist ja wirklich auch eine gesamte Kultur, ne ganze Kulturlandschaft zwischen Fauna und Flora.

Inox Kapell: Regenwürmer sind so, so wichtig. Die siehst Du nirgendwo mehr. Wir machen Regenwurmführungen hier, da laufen wir nur rum und zeigen die Arbeit der Regenwürmer, dass die gerade mit ihrem Mund das Laub verarbeiten. Und die Kinder denken, ja das Laub fällt und dann vergammelt das. Nein, wenn es vergammeln würde, würde es überall stinken. Also das ist ein richtiger Prozess, dass das wieder Erboden wird. Wenn die das Laub nun alles rausziehen aus den Kulturwäldern, dann bildet sich nichts Neues. Und wenn wir uns in der Stadt die Bäume angucken, wie die da wachsen, da haben die gerade noch so viel drumrum, alles andere ist betoniert, die werden einfach … . Ich hab schon ne Performance gemacht bei umgehackten Bäumen, weil, die sind alle von innen verrottet. Die Städte werden alle irgendwann völlig uninteressant sein, vielleicht auf den Dächern wird sich was abspielen, aber den Beton muss man rausreißen … um Bäume zu pflanzen … . Es ist ganz furchtbar, das tun wir einfach so.

Tierautonomie: Ja und es wird kaum ein Bewusstsein dafür geschaffen und wenn, immer nur in Hinsicht auf die Nützlichkeit für den Menschen. aber nicht für die Natur selber.

Inox Kapell: Genau, und irgendwann haben wir auch in Deutschland, dass alles gleich aussieht.

Tierautonomie: Bodenversieglung.

Inox Kapell: Bodenversieglung, ja genau, und dann sind solche Wiesen wie hier die totalen Oasen.

Den Freiraum der Insekten in der Natur achten lernen, Anstöße vermitteln

Tierautonomie: Auf welcher Grundlage könnten Menschen akzeptieren, dass Insekten nicht nur wegen ihrer Nützlichkeit für die Menschen wichtig sind, sondern dass sie an und für sich eine besondere Rolle in der Welt einnehmen, indem sie selbst weltgestaltend und Lebensräume gestaltend sind?

Inox Kapell: Also ich geh jetzt mal wieder davon aus, dass, am meisten präge ich ja Kinder und Jugendliche, und wenn ich mit denen arbeite, dann passiert auch immer was, also ich mach Insektenmusicals, Theaterstücke, ich mach Hörspiele, usw. und das auch mit Kindern. Ich erarbeite Dinge, die die Kinder dann mit nachhause nehmen können, also, ob das dann kleine Insektenhotels sind oder Insektenhotels an deren Schulen oder ob das „nur“ Insektenführungen sind – „nur“  – da lernst Du auch was. Alles was Du mit denen machst, hat da auf jeden Fall ne Wirkung. Ansonsten ist ja in der Gesellschaft gerade ein großes Sterben in der Natur [Thema], und das ist natürlich auch wie ein: ja da leuchtet ja schon was, da kommt ja was zurück. Also wenn Du merkst ‚oh ich hab ja jetzt gerade gehört die Bienen sterben und es gibt schon diese Pflanze nicht mehr’ und so – dann macht das was bei Dir. Das kann dann weiterführen, je nachdem. Wie in einer Matrix sag ich jetzt mal wieder, weil viele sind ja nun mal ganz stark in ihrer Matrix, wie da gehandelt wird. Und da sind wir eigentlich – jeder ist da gefragt, jeder kann da handeln, jeder kann was erzählen. Der das natürlich mit Leidenschaft macht, ist der, der dann eher gehört wird, wie der Wissenschaftler, der halt nur sagt ‚Insekten haben sechs Beine, die haben ein Ausscheidungsorgan und sie haben Facettenaugen, die können fliegen und die machen auch das und das’ und das alles auch noch mit wissenschaftlichen Wörtern; da kommt nichts an. Das tolle bei Beuys war auch seine Sprache, weil, er konnte auf der einen Seite natürlich akademisch reden, aber er konnte auf der anderen Seite auch sehr einfach sprechen und dadurch hat er viele Menschen erreicht und das ist eben die Kunst.

Tierautonomie: Also auch das kreative, lebendige Kommunizieren, dass man z.B. nicht nur ne Petition weiterschickt, sondern auch noch ein paar eigene Gedanken dazu ausdrückt.

Inox Kapell: Genau, damit man es versteht … und so ist das eben mit den ganzen Insektenthemen auch. Also Hauptthema ist ja die Biene gerade, weil die Biene ja einfach so wichtig ist, nicht nur zur Bestäubung von Obst und Gemüse, sondern auch von Baumarten.

Tierautonomie: Ja und das ist ja brutal, was man mit Bienen in der Züchtung macht, dass man den Königinnen die Flügel abschneidet oder künstliche Besamung [5]. Das wissen viele Leute garnicht, was sich da hinter den Kulissen so abspielt.

Inox Kapell: das macht ein Demeter-Imker nicht, ein anthroposophischer Imker, wie wir ihn hier auf dem Schloss haben, macht das null, der ist da ganz anders drauf. Aber die Langnese, die ganzen großen Marken, das sind einfach Fabriken, das ist wie Massentierhaltung.

Tierautonomie: Wie auch bei den Seidenraupen [6].

Inox Kapell: Ganz genau.

Kreativ für Insekten Dinge schaffen

Tierautonomie: Kann Kunst nicht-anthropozentrisch sein, auch wenn der Kunstbetrachter ein Mensch ist. Anders gesagt, könntest Du Kunst für Insekten machen?

Inox Kapell: Ja, mach ich. Ich zeig es Euch wenn ihr wollt, hinten auf der Wiese gibt es Insektenhotels. Das ist Kunst für Insekten.

Tierautonomie: Das ist nicht einfach nur so lieblos, wie die Insektenhotels, die beim Gartenbedarf angeboten werden?

Inox Kapell: Also die in den Bauhäusern kaufbaren Insektenhotels, die sind häufig imprägniert, das ist gar nicht erforscht … [nach dem Motto] ‚so sehen also Insektenhotels aus, also dann machen wir die mal nach, da bohren wir ein paar Löcher rein’, das Holz ist häufig imprägniert, das heißt Du stellst das auf und da kommen gar keine Insekten rein. Das gibts nämlich auch, da ist im Kopf nur: ‚ich will mit nem Insektenhotel Geld verdienen, wie bau ich denn eins’, trotzdem werden sie gekauft, Da gibts noch dieses blöde – ja die Deutschen sind auch manchmal zu sarkastisch find ich – diese Hornbach-Werbung, da ist doch dieser Typ da im Garten und da fährt so einer mit nem Insektenhotel durch und dann: ‚muss denn das jetzt sein’ oder irgendsowat. Und ich hab mich so gefreut, ich denk irgendwie müsst man eigentlich dazu schreiben: ‚yeah endlich wieder Insekten, die an mir mal vorbei fahren’. Aber es ist wieder dieses ‚äh – da hat er ja recht wenn er sich beschwert, weil Insekten sind einfach scheiße’.

Tierautonomie: Ja genau.

Inox Kapell: Die kann man im Hotel haben, aber mehr nicht. Die Insektenhotel-Idee ist eigentlich ein Naturklassenzimmer zu machen, also das ist neben dem Gedanken ‚ich will dass Insekten gefördert werden’, auch dieses ‚ich guck sie mir dann an’. Das ist zum Beispiel die Vermittlung, die ich an Schulen mache. Wir bauen jetzt nicht nur nen Insektenhotel damit ihr dann dort eine Bestäubung habt, weil ihr habt nen Obstgarten und so, sondern ihr habt ein Naturklassenzimmer, ihr müsst jetzt nicht da in den Wald fahren mit dem Bus … .

Tierautonomie: Vielen Dank für das Gespräch lieber Inox!

Wir gingen dann hinaus zu den hinteren Wiesen des Schlossparks, die ein wahres Ökotop sind. Inox zeigte uns irre kunstvolle Insektenhotels, viel behüteten Lebensraum für die kleinen Invertebraten. Die Wiesen liegen direkt an einem Teil des Gartens, der eher einem Mischwaldstück gleicht … und siehe da die ganze Wiese war belebt von Insektendiversität!

In unseren Händen: Ordungsamt et la Politesse: Ameisen und Politik, Album von Inox Kapell und Pater Rene von Döll, ein Release von 2017. [7]

Verweise

[1] Inox Kapell, Grafik Quelle: http://www.schlossfreudenberg.de/typo3temp/dbgallery/75c0a73a5f.jpg , Stand 20.04.2018.

[2] Inox liebt die Insekten, http://www.inoxkapell.de/insekt.htm , Stand 20.04.2018.

[3] Schloss Freudenberg, Der U(h)rzeigerSinn, https://www.schlossfreudenberg.de/wir-ueber-uns/freudenberger-ursprung/vorbilder-und-anregung.html , Stand 20.04.2018.

[4] Voctorie Jaggard: Meet the Makech, the Bedazzled Beetles Worn as Living Jewelry. Käfer als Broschen: Der Artikel beschreibt die Herstellung von mit Gold und Edelsteinen verzierten Käfern, die bereits seit Jahrtausenden als lebendiger Schmuck getragen worden sein. http://www.smithsonianmag.com/smithsonian-institution/meet-makech-bedazzled-beetles-worn-living-jewelry-180955081/?no-ist, Stand 21.04.2018. Dass nicht alles, was von indigenen Kulturen stammt, automatisch eine sozialere Einstellung zu nichtmenschlich-tierlichen Lebewesen beinhaltet, beschreibt Noske (1997) aus anthropologischer Sicht. Speziesismus und Anthropozentrismus bestimmen auch in indigenen Kulturen oftmals die Mensch-Tier-Beziehung, vgl. Barbara Noske, Speziesismus, Anthropozentrismus und Nichtwestliche Kulturen, http://simorgh.de/noske/noske_3-15.pdf , Stand 21.04.2018. Und Ameisen in Uhren, Stephen Messenger, New Watch Holds Little Live Animals Captive On Your Wristhttps://www.thedodo.com/watch-holds-captive-ants-1057364913.html , Stand 21.04.2018.

[5] Die Informationen sind in zwei Features aus ‚The Vegan’ (1992) über die Honigbiene von Amanda Rofe zu finden: Die Honigbiene http://www.simorgh.de/vegan/bienen_v_S92.pdf , die Honigbiene II http://www.simorgh.de/vegan/bienen_v_H92.pdf , Stand 22.04.2018.

[6] Informationen über die Seidenproduktion sind nachlesbar z.B. in diesem Artikel vom ‚The Vegan’, von Robin Webb: Seidener Faden: Seidenraupentod (1990), http://www.simorgh.de/vegan/bombyx_S90.pdf , Stand 22.04.2018.

[7] Ordungsamt et la Politesse, Ameisen und Politik, Hafenschlamm Rekords, 2017, http://www.cargo-records.de/de/item/116671/katalog_art.75.html , Stand 22.04.2018.

Auswahl, Links zum Künstler

Die Webseite von Inox Kapell http://www.inoxkapell.de/
Schloss Freudenberg: https://www.schlossfreudenberg.de

Videos:
Pipinox Konfetti im Sinn: https://www.youtube.com/watch?v=lIzq-av0yhU , Stand 22.04.2018.
Phänomenica: https://www.youtube.com/watch?v=PsurclD9zuY , Stand 22.04.2018.
Arte Sendung über Insekten und Inox: http://cinema.arte.tv/de/artikel/zoom-insekten-im-kurzfilm , Stand 22.04.2018.

Artikel:
Im Universum von Inox Kapell: https://merkurist.de/wiesbaden/insektenforscher-im-universum-von-inox-kapell_dXI , Stand 22.04.2018.

Musik:
APJIK – berlinberlinberlin: https://soundcloud.com/laurent-rauner/apjik-berlin-please-validate-your-ticket , Stand 22.04.2018.
Love Dimension: https://www.youtube.com/watch?v=zkJY0hWLBg4 , Stand 22.04.2018.

Das Interview führte
Palang LY Prenzel, www.simorgh.de – ‚Open Access in der Tier-, Menschen- und Erdbefreiung’. Revised 4/2018.

Zitation
Tierautonomie Interview mit Inox Kapell (2018). Insekten, unsere und ihre Kultur. TIERAUTONOMIE, 5(2), http://simorgh.de/tierautonomie/JG5_2018_2.pdf.

__

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

by-nc-nd.eu

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Leser_innen dürfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschließlich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschränkt und es dürfen keine Veränderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/. Alle anderen Verwendungszwecke müssen von dem/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.

 

Nivea Mullings: Rassismus und Speziesismus im Zeitalter von Black Lives Matter konfrontieren

Rassismus und Speziesismus im Zeitalter von Black Lives Matter konfrontieren

Nivea Mullings

Dieser Text als PDF

Originaltitel: Confronting Racism & Speciesism In The Age of Black Lives Matter, http://www.blackvegandiaries.com/blog/confronting-racism-speciesism-in-the-age-of-black-lives-matter , Stand 12.04.2018. Übersetzung: Gita Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung der Verfasserin.

In den letzten paar Monaten seitdem ich vegan bin, habe ich erkannt, dass beides, sowohl schwarz als auch vegan zu sein, bedeutet einen sehr einmaligen sozialen Raum einzunehmen. Ehrlich gesagt kann das ein sehr frustrierender, angst-erzeugender Ort sein, an dem man sich dabei befindet. Schwarz zu sein bedeutet auf der einen Seite, rassistischen Diskriminierungen auf zahlreichen Ebenen ausgesetzt zu sein. Das ist ein Punkt, den ich nicht bereit bin als Streitfrage zu behandeln, denn es ist einfach eine Tatsache. Es ist meine gelebte Erfahrung und es ist die gelebte Erfahrung derer, die ich liebe und zahlloser schwarzer Menschen auf der ganzen Welt. Dies wurde analysiert, erforscht, ist Studiengegenstand und darüber wurde und wird immer wieder geschrieben. Ich betrachte also jedes Argument, das dem widerspricht, als eine willkürliche Ignoranz, die von einem tiefen Mangel an Empathie zeugt.

Es ist emotional belastend immer wieder klar zu stellen, dass mein Leben etwas bedeutet. Es ist schmerzvoll, gleichzeitig schier endlose Reihen von Menschen zu betrauern, die durch die inhärent rassistischen Systeme unseres Landes zu Opfern werden, während du im gleichen Moment dazu gezwungen bist, die Existenz eben dieser Systeme an aller erster Stelle überhaupt zu beweisen. So etwas nagt an dir, jeden Tag in Angst zu leben, dass du oder jemand den du liebst der Nächste sein könnte. Aus diesen Gefühlen ist die Black Lives Matter Bewegung entstanden. Sie ist ein notwendiger Protestaufruf angesichts massenhafter Inhaftierungen, der Anwendung systemisch-institutioneller Gewalt, bewusster Vernachlässigung und sinnloser Tode. Wenn Leute dem nun entgegenhalten „Nein, es sind nicht nur die Leben Schwarzer, die zählen, sondern ALLE Leben zählen“ ist es sehr schwer nicht wütend zu werden. Denn lasst uns ehrlich sein, das ist eine leere, beschränkte, willkürlich ignorante und mitgefühlslose Reaktion auf einen versichernden Nachdruck auf den Wert des Lebens Schwarzer. Um ehrlich zu sein, es ist es ein Schlag ins Gesicht.

Wenn ich dieser Haltung in der veganen Bewegung begegne, dann fühle ich mich schlichtweg zornig, tief frustriert, verärgert und verletzt. Und es sind nicht einfach die zahllosen Tiermemes mit „All Lives Matter“, mit denen sich jemand umgibt – es ist die anti-schwarze Gesinnung, aus dem dieser Satz plötzlich herrührte. Es ist die Tatsache, dass die Leute die diese Memes posten, auch glauben, dass Schwarze Menschen eigentlich über nichts herumheulen, und dass die wahren Opfer die armen, hilflosen Tiere sind, denen wegen der Nahrungsmittelproduktion und dem Profit Gewalt angetan wird.

Das ist eine direkte Zurückweisung und Verurteilung einer Bewegung, die aus einer Situation echter Unterdrückung entstand, und diese Reaktion verblüfft mich. Es erstaunt mich, dass es Menschen gibt, die dir die Funktionsweisen der Systeme, die Gewalt gegen Tiere ausüben, genaustens erklären können, die aber keine zwei Schritte weiter denken können um zu erkennen, wie genau dieselben Systeme auch das Leben von Menschen anbetrifft. Weitaus schlimmer, eine echte Kenntnis der Geschichte zeigt, dass diese Systeme, die barbarische Art und Weise, mit der Tiere zur Generierung von Profit behandelt werden, an den Körpern meiner Vorfahren perfektioniert wurden.

Tatsächlich wurden versklavte Frauen dazu gezwungen, weitere Sklaven für den Sklavenhalter zu gebären. Die Körper meiner Vorfahren wurden benutzt, misshandelt und man hat sich ihrer entledigt, alles unter Berücksichtigung dessen, wie viel Ernte und somit wie viel Geld man durch ihre Arbeit generieren konnte. Es ist witzig, denn viele vegane Mainstreamorganisationen wie PETA, sind sich dieser Geschichte sehr bewusst, denn sie verwenden die Vergleiche um ihre Argumente zu stützen, weshalb Menschen – und insbesondere farbige Menschen/People of Color – vegan werden sollten. Doch hier ist das Problem: Genau sie sollten diese Vergleiche nicht machen. [1]

Es gibt einen Grund, warum Schwarze Menschen immer noch sehr empfindlich darauf reagieren, mit Tieren verglichen zu werden. Zum einen, ist der direkte Vergleich mit Affen [2] eine besonders furchtbare Art gewesen, mit der Rassisten uns entmenschlichen wollten. Aber mehr noch als das, entgegen dem was viele Amerikaner gerne glauben wollen, existieren die Verheerungen von Sklaverei nicht einfach in einer fernen Vergangenheit, die keinerlei Folgen für unsere Gegenwart hätten. Wir sehen die Spuren in unserem Masseninhaftierungssystem, wir sehen sie jedes Mal, wenn ein unbewaffneter Mann, eine Frau oder ein Kind von Staatsdienern getötet werden, die eigentlich bezahlt werden, um Menschen zu schützen. Und selbst wenn wir nicht immernoch gegen rassistische Diskriminierungen an unseren Schulen, unseren Arbeitsplätzen, bei der Wohnungssuche, in den Banken und innerhalb so vieler Bereichen unseres Lebens kämpfen müssten – der Schmerz, das Leid und das Trauma, das von unseren Vorfahren durchgemacht wurde, ist tatsächlich in unsere DNA übergegangen. [3]

Wir sehen auch wie es den Leuten ganz egal ist, wie sie uns klarmachen, dass sie mehr Mitgefühl bei dem Tod von Tieren empfinden, als bei dem Tod Schwarzer Menschen. Wir haben mehr Empörung beim Tod von Harambe bezeugen dürfen, als beim Tod der siebenjährigen Aiyana Stanley-Jones oder beim zwölfjährigen Tamir Rice. Ungeachtet von Videobeweisen, findet Gerechtigkeit beim Tod unbewaffneter Bürger – deren einziges Verbrechen es war dem falschen Polizisten über den Weg gelaufen zu sein – ganz selten satt. Wir trauern seit Jahrhunderten, und unsere Trauer geht immer weiter.

Gleichzeitig wäre es unaufrichtig einfach zu behaupten, dass die Vergleiche nicht berechtigt wären. Denn es ist wahr, so wie es Firmen gibt, die auf großen Geldbergen sitzen, die sie durch die Zwangsversklavung Schwarzer Menschen erworben haben, so sind da die Unternehmen, die das Geld sammeln unter dem Gebrauch derselben Taktiken und der gleichen Art der inhumanen Behandlung im Bezug auf Tiere. Das erste Mal, als ich hörte wie Kühe zwangsgeschwängert werden, musste ich sofort an das Buch „Killing The Black Body“ der Juraprofessorin Dorothy Roberts denken, in dem sie schreibt:

„Einige Sklavenbesitzer praktizierten auch Sklavenzucht, indem sie Sklaven, die sie als ‚erste Güte’ einstuften, zwangen sich gemeinsam fortzupflanzen, in der Hoffnung, dass diese besonders geeignete Kinder für die Arbeit oder für den Verkauf produzieren würden.“

Auch schreibt sie,

„Da eine gebärfähige Frau für ihren Herren mehr Wert hatte, wurden diese Frauen seltener an einen neuen Besitzer verkauft … Frauen die keine Kinder bekommen konnten, wurden hingegen häufig verkauft – oder schlimmeres. Sklavenbesitzer, die sich über den Verlust ihrer Investition ärgerten, rächten sich auf grausame physische und psychische Weise an ihren unfruchtbaren weiblichen Sklaven.“

Dieser gründlich recherchierte, ergreifende Text beschreibt weiter wie Schwarze Körper, und dabei insbesondere weibliche Schwarze Körper, immer wieder staatlicher Kontrolle ausgeliefert waren, durch erzwungene und auferlegte Geburtenkontrolle, die erzwungene Trennung von ihren Kindern und weiteres. Als Schwarze Frau weiß ich, was mein Körper und die anderen Körper Schwarzer Frauen vor mir für dieses Land bedeutet haben. Es ist eine erschreckende Geschichte der Ausbeutung, der Gewalt und der Ausübung von Kontrolle.

Aber unter Berücksichtigung all des Gesagten, muss ich doch auch sagen, ich fühlte mich wirklich zutiefst erschüttert, als ich das erste Mal ein Video sah, in dem eine Kuh verzweifelt ihren neugeborenen Jungen hinterherläuft, die Abtransportiert wurden zum Schlachthof. Ich fühle mich völlig angewidert von der Vorstellung, dass Kühe zur Produktion von Milch fortwährend künstlich besamt werden, da logischerweise nur die Kühe, die gerade ein Junges geboren haben, Milch produzieren. Wenn ich die magenumdrehenden beengten, unhygienischen Zustände sehe, in den denen die Tiere vor ihrer Schlachtung gehalten werden, kann ich mir nicht nur nicht vorstellen sie als Nahrungsmittel zu verzehren, sondern ich bin auch zornig darüber, dass sie überhaupt so behandelt werden. Es fühlt sich für mich als völlig entgegengesetzt zu meinen Werten an, diese Art des systemischen Umgangs mit marginalisierten menschlichen Bevölkerungsgruppen zu verurteilen und gleichzeitig so etwas zu unterstützen, allein damit ich Speck essen kann.

Zu sagen, dass mich das veganwerden verändert hätte ist ein Understatement, denn auch ich habe einst gedacht, dass Tiere unter mir stünden und ich habe wenig Aufmerksamkeit auf die Schrecken der heutigen Tieragrarkultur gelenkt. Aber nun habe ich bereits zu viel gesehen und ich weiß zu viel. Mein Bauchgefühl, Vergleiche zwischen der Behandlung von Tieren und der historischen und kontinuierlichen Misshandlung meiner eigenen Leute zu machen, rührt nicht aus einem Winkel der Entmenschlichung oder der Verharmlosung. Es rührt aus einem Raum echter Empathie für andere Lebewesen, die ganz genauso imstande sind Angst, Schmerz und Verzweiflung zu empfinden. Es rührt aus einem Wissen über die inhumanen Systeme, die mit Körpern handeln, mit menschlichen sowie mit tierlichen Körpern gleichermaßen, zum alleinigen Zweck der Generierung unternehmerischer Profite. Der Vergleich steht, weil das System uns damals wie heute wie Tiere behandelt und weil keine dieser Formen von Gewalt okay sind.

Schlussfolgernd muss ich sagen, dass wenn PETA und andere bekannte vegane Organisationen und Personen sich das Leid von Schwarzen, von nordamerikanischen Indianern und anderen historisch unterdrückten Menschen dienlich machen, um so ihre Agenda voranzutreiben (und so ehrenwert wie dies sein mag, aber eine Agenda bleibt eine Agenda), fühlt sich das ausbeuterisch und respektlos an, weil es nicht die Konsequenz eines echten Mitgefühls darstellt. Der Quelle dieses Mitgefühls für Tiere läuft auf Kosten von Menschen, die immernoch jeden Tag darum zu kämpfen haben, dass ihr Leben überhaupt etwas zählt. Sowas kann kein Fundament für einen echten Fortschritt darstellen, sondern es ist eine Weiterführung der Minimierung unseres Schmerzes. So etwas ist fehlgeleitet und scheinheilig. Wenn das Ziel ist, dass Menschen ihr Mitgefühl auf andere Spezies erweitern, dann sollte man erstmal versuchen, für seine eigenen Mitmenschen etwas Mitgefühl zu entwickeln.

Links:

[1] A.d.Ü.: Koch Socha diskutiert in ihrem Text: Die “gefürchteten Vergleiche” und der Speziesismus: eine Ausgleichung der Leidenshierarchie , http://simorgh.de/socha/socha_the_dreaded_comparisons_and_speciesism.pdf , genau diese Problematik, dass die eigene Position in der Anwendung von Vergleichen und der Beschreibung von Parallelen glaubwürdig begründet werden muss. Werden Vergleiche eher als Mittel zum Zweck eingebracht, ist weder der Diskussion um Gerechtigkeit innerhalb der menschlichen Gesellschaft noch den Nichtmenschen in ihrer Problematik damit gedient, Ursachen bleiben unsichtbar, usw.

[2] Rachel Herron: Michelle Obama Says Racist Attacks Like Being Called an Ape ‘Cut the Deepest’ as First Lady, https://www.bet.com/news/national/2017/07/26/michelle-obama-speaks-on-being-a-black-first-lady.html , Stand 17.04.2018.

[3] Lincoln Anthony Blades: Trauma From Slavery Can Actually Be Passed Down Through Your Genes , https://www.teenvogue.com/story/slavery-trauma-inherited-genetics , Stand 17.04.2018.

Rev. 17.04.2018

Christopher Sebastian McJetters: Radikaler Veganismus und die Sprache über Vergewaltigung in den Tierverteidigenden Bewegungen

Radikaler Veganismus und die Sprache über Vergewaltigung in den Tierverteidigenden Bewegungen

Christopher Sebastian McJetters

Dieser Text als PDF

Originaltext: Radical Veganism and Rape Language in Animal Advocacy https://strivingwithsystems.com/2017/08/10/radical-veganism-and-rape-language-in-animal-advocacy/. Übersetzung: Gita Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung des Autoren.

Anmerkung des Autoren: Ich habe hierüber bei meiner Rede im Oktober beim VegFestUK über ‚Das Queering der Tierbefreung’ [1, https://www.youtube.com/watch?v=SkRke88QKPs ] gesprochen. Diesen folgenden Beitrag habe ich aber für all diejenigen geschrieben, die keine Zeit haben einer 30-minütigen Präsentation zuzuhören und ich wolle einfach einen leicht lesbaren Text verfassen, der spezifisch auf dieses Thema fokussiert. Ich pensönlich verwende das Thema Vergewaltigung in meiner eigenen Tierbefreiungsarbeit nicht (vielleicht nicht unbedingt aus den Gründen, von denen Ihr unter Umständen ausgehen würdet), auch wenn einige ökofeministische Veganer_innen es in der Vergangenheit taten und es auch noch immer tun. Meine Ansichten sollen aber auch niemanden zum Schweigen bringen oder Lesenden vorschreiben, wie er/sie ihre Arbeit zu tun hätte. Dies sind allein MEINE EIGENEN Reflexionen über MEINE EIGENE Herangehensweise und warum ICH diese für mich gewählt habe.

Wenn es um die Diskussionen über Vergewaltigung geht, beobachte ich meistens zwei Hauptpositionen. Die intersektionale vegane Position argumentiert, dass der Gebrauch einer schwerwiegenden Sprache über Vergewaltigung die menschlichen Opfer herabsetze und Frauen zumeist triggern würde. Auf der anderen Seite argumentiert die Mainstreamgemeinschaft, es sein speziesistisch gegenüber Tieren, die sexuelle Gewalt gegen sie thematisch auszusparen. Indem ich eine radikale Position im Bezug auf dieses Thema einnehme, erscheinen mir beide Argumente weder als ganz richtig noch als produktiv. Und das ist der Grund warum:

Der Diskurs über Vergewaltigung findet meist vor dem Hintergrund unseres Wissens über die Milchindustrie statt.

Und warum sollte das auch nicht so sein? Die Milchproduktion für den menschlichen Verzehr ist eine emotional traumatisierende Erfahrung für Eltern und eine ökologische Katastrophe für den Planeten. Und auch wenn es manche als emotional manipulativ bezeichnen würden, so ist ein stillendes Elternteil doch ein kraftvolles Bild, zu dem man sich in Bezug setzen kann. Doch wenn wir Milch als oberstes Symbol von Elternschaft in den Mittelpunkt setzten im Zusammenhang mit der Ausbeutung reproduktiver Autonomie, dann riskieren wir dabei ungewollt die Erfahrungen von Eltern aus den Gruppen der Nicht-Säugetiere herabzuspielen, denen ebenso ihre reproduktive Autonomie geraubt wird – und das ausschließlich aus dem Grund, weil bei ihnen die gleiche Art der schmerzvollen Penetration zum großen Teil nicht stattfindet. Und zwar spreche ich hier von Hühnern und Fischen, die zudem zu einer weitaus höheren Anzahl ausgebeutet werden. Und wenn wir hier von Penetration sprechen …

Der Diskurs über Vergewaltigung fokussiert auf die Penetration, was inhärent reduktiv scheint.

Wenn wir von der strengsten Definition von Vergewaltigung ausgehen (und wir alle lieben ja die Definitionen aus den Wörterbüchern), so wird die Vergewaltigung als eine unrechtmäßige und bei fehlender Übereinkunft stattfindende Penetration bezeichnet. Ausgehend von diesem Standard, würde es absolut kein Argument dafür geben, dass die Milchindustrie das Kriterium einer Vergewaltigung von Tieren erfüllt (und tatsächlich, würde sich dies nicht allein auf die weiblichen Tiere, die in der Milchindustrie ausgebeutet werden, beziehen, sondern auf alle Säugetiere, die eine übereinkunftslose Penetration zum Zwecke menschlicher Interessen durchmachen). Doch wenn wir die größeren sozialen Konstrukte betrachten, welche die Vergewaltigung umgeben, würde ich die strikte Definition sowieso eher nicht anwenden.

Wenn wir von dem sozialen Faktor ausgehen, geht es bei einer Vergewaltigung weniger um den penetrativen Sex als mehr um die Ausübung von Macht und Dominierung gegenüber einem vulnerablen Individuum, die in einem 1-zu1-Verhältnis geschieht. Was die Milchindustrie anbetrifft, so findet dies häufig nicht statt. Die Beraubung reproduktiver Autonomie wird aufgrund ökonomischer Interessen durchgeführt. Ist das sexuelle Gewalt? GANZ DEFINITIV. Und wir sollten sie als solche auch kompromisslos bezeichnen. Aber ich denke, dass Vergewaltigung nicht einmal das Maß und den Horror dieser Form sexueller Gewalt abdeckt. Und, die Zentrierung der Penetration ist ebenso reduktiv im Bezug auf diejenigen Körper, die missbraucht werden zum Zwecke der Gewinnung des Spermas, das zur Schwängerung verwendet wird. Und übrigens, beachtet dass ich den Begriff ‚Körper’ (bodies) verwende, statt weiblich (female) oder männlich (male). Weshalb? Weil …

Unsere Diskussionen über Vergewaltigung gendern Körper unnötigerweise, was die Gender-Konformität fördert.

Wir sind so daran gewöhnt Tierkörper zu gendern, dass wir die einzelnen Identitäten der Tiere im Namen ihres Schutzes völlig unsichtbar machen. Aber wir müssten dies nicht tun. Körper mit Uteri werden ausgebeutet. Körper mit Penissen werden ausgebeutet. Auf sie Bezug zu nehmen, als männlich oder weiblich, verstärkt unnötigerweise eine veraltete Sprechweise rund um Männlichkeit und Weiblichkeit. Wir können über sexuelle Gewalt sprechen, ohne die Diversität von Sexualität und das innerhalb des gesamten Tierreichs vorkommende Gender-Sein auszublenden. Sexuelle Gewalt gegen Tiere zerstört Familien und schafft Traumata, unabhängig vom Geschlecht. Und welche Körperteile sie haben, ändert nichts an der Tatsache, dass es alles furchtbar ist. Und …

Reproduktive Autonomie und sexuelle Autonomie sind miteinander verwandt aber nichtsdestotrotz auch unterschiedlich.

Wenn wir davon sprechen, dass Tieren ihre reproduktive Autonomie genommen wird, dann werfen wir dies häufig mit sexueller Autonomie durcheinander. Aber der Raub von sexueller Autonomie ist eine andere Form der sexuellen Gewalt und verdient als solche eigenständig zur Kennntis genommen zu werden. Zum Beispiel werden Tierfreunde [animal companions] (am häufigsten Hunde und Katzen) gewaltsam sterilisiert. Dies raubt diesen Individuen ihre sexuellen Identitäten und nimmt ihnen die Spanne ihrer sexuellen Ausdrucksweise. Und wenn ihr meint, die erzwungenen Sterilisationen anderer Tiere beeinflussten nicht unsere Einstellungen gegenüber anderen Menschen: sie werden gleichermaßen fortwährend an vulnerablen Menschen vollzogen. Man schaue sich den industriellen Gefängniskomplex [2] an, die Zwangssterilisation nordamerikanischer indianischer Frauen in der Vereinigten Staaten [3] und weitere solcher Beispiele.

Sexuelle Gewalt manifestiert sind in mehr Formen als allein der penetrativen Vergewaltigung.

Wenn wir uns das schiere Ausmaß und die Spanne an sexueller Gewalt anschauen, die wir gegen andere Spezies auf diesem Planeten ausüben, dann stellt die Vergewaltigung nur einen Teil eines wahrhaft beängstigenden Systems dar. In den Vereinigten Staaten allein werden praktisch alle männlichen Schweinebabies auf routinärer Basis ohne Betäubung kastriert [4]. Wir jedoch diskutieren dies aber nicht als einen Akt genitaler Verstümmlung, was wir jedoch tun sollten. Und man denke an die anale Elektrekution [5]. Sie stellt eine häufig angewendete Methode der Tötung von Tieren auf Pelzfarmen dar.

Nun durch diese ganze Rede über Vergewaltigung hinweg, habe ich, so werden die Leser vielleicht bemerkt haben, nicht ein einziges Mal eine einzige Trigger-Warnung ausgesprochen. Und das mag den streitbarsten Teil dieses Blogeintrages darstellen. Doch hier …

Die gemeinläufige Verwendung emotionaler Trigger in Online-Räumen wird nicht durch Daten unterstützt.

Nachdem ich einen besonders spannungsreichen Online-Austausch bezeugt habe, bei dem eine Person gegen die Verwendung der Wortes „Entführen“ zur Beschreibung im Bezug auf Tieropfer argumentiere, da diese Person selbst entführt wurde (und menschliche Opfer von Entführungsfällen eine unterdrückte Minderheit darstellen, wie ich annehme), habe ich mich entschlossen, dass ich mich genauer mit emotionalen Triggern befassen wollte. Immerhin verhinderte das Potential dieser Person getriggert zu werden, jegliche weitere Diskussion.

Komplette Offenlegung: Ich bin ein zweimaliges Opfer von Vergewaltigung und bei mir wurden eine klinische Depression und eine soziale Phobie diagnostiziert. Ich weiß was meine emotionalen Trigger sind und ich weiß, wie ich sie zu handeln habe. Dies trifft offenbar nicht auf alle Menschen zu, doch das sind meine Erfahrungen. Als ich nun aber nach wissenschaftlichen Quellen über emotionalen Trigger suchte, konnte ich nur sehr wenige zugreifbare Quellen ausmachen.

Unbeirrt habe ich mich von zwei veganen Psychiatern beraten lassen, die sich auf verschiedene Formen von Traumata spezialisiert haben. Einer weiß und männlich und die andere schwarz und weiblich – beide sind Doktoren und beide schauen zurück auf mehr als 10 Jahre Berufserfahrung. Unter der Bedingung der Anonymität (ach kommt, keiner will, dass sein beruflicher Name mit einen obskuren Blog, der einige entschieden liberale Ansichten über den veganen Aktivismus vertritt, in Verbindung gebracht wird), beide haben jeweils bejaht, dass die Vermeidung von emotionalen Triggern das absolut Schlimmste ist, was man beim eigenen Gesundungsprozess tun kann, und dass Trigger von Laien häufig überverwendet und falsch dargestellt werden. Zu allermindest exisitert kein Konsens innerhalb der Berufsgemeinschaft. Ich habe mich dafür entschieden sie, als solche, nicht zu verwenden und damit unbeabsichtigt zu riskieren Leute zu befähigen, die sie missbrauchen.

Und natürlich, wenn alles gesagt und getan ist….

Nichts von dem Gesagten soll implizieren, dass Vergewaltigungen anderer Tiere NICHT stattfinden.

Nicht einvernehmlicher sexueller Kontakt mit anderen Tieren ist nicht nur real sondern auch weit verbreitet. Zu den Zeitpunkt zu dem ich dieses Text verfasse, hat der oberste Gerichtshof Kanadas entschieden, dass die gegenwärtige Definition von Bestialität [6] ausschließlich penetrative Handlungen mit einbeschliesst und ein VICE-Artikel über einen Orang-Utan, der rasiert wurde und als ein Sexsklave missbraucht wurde [7] kursiert nun schon seit längerer Zeit in den sozialen Netzwerken. Die Vergewaltigung von anderen Spezies findet also unbezweifelbar satt. Ich denke nur, dass der Begriff zu großzügig verwendet wird und stattdessen in einem viel weiteren Kontext diskutiert werden sollte. Einem nämlich der anerkennt, dass sexuelle Gewalt eine grundlegende Tatsache der industriellen Tieragrarkultur darstellt. Und alleine auf einen Aspekt sexueller Gewalt zu fokussieren ist so, als würdest du den Teppich staubsaugen während gerade dein ganzes Haus abbrennt. Ganz gleich, ob sie wegen dem Profit oder wegen sexueller Befriedigung stattfindet, diese Form der Gewalt muss abgeschafft werden.

Links:

[1] Christopher-Sebastian McJetters, Queering Animal Liberation: Why Animal Rights is a Queer Issue, https://www.youtube.com/watch?v=SkRke88QKPs , Stand 7.4.2018.

[2] Hunter Schwarz, Following reports of forced sterilization of female prison inmates, California passes ban, https://www.washingtonpost.com/blogs/govbeat/wp/2014/09/26/following-reports-of-forced-sterilization-of-female-prison-inmates-california-passes-ban/?utm_term=.e3ef87204a0d , Stand 7.4.2018.

[3] Native Voices: 1976, Government admits forced sterilization of Indian Women, https://www.nlm.nih.gov/nativevoices/timeline/543.html , Stand 7.4.2018.

[4] Laboratory of Animal Behavior, Physiology and Welfare, Pig Castration, http://www.depts.ttu.edu/animalwelfare/Research/PigCastration/ , Stand 7.4.2018.

[5] Sandra Lweis Elisabeth Swart, Nothing Humane About Fur Farms, https://www.nytimes.com/1991/02/20/opinion/l-nothing-humane-about-fur-farms-956191.html , Stand 7.4.2018.

[6] Feliks Garcia, Most bestiality is legal, declares Canada‘s Supreme Court, https://www.independent.co.uk/news/world/americas/bestiality-legal-canada-supreme-court-a7073196.html , Stand 7.4.2018.

[7] Jack Adams, Conclusive Proof That There Is No God and Humans Are Essentially Evil, https://www.vice.com/en_us/article/dpdnp7/yo1-v14n10 , Stand 7.4.2018.

Grafik: Palang LY, Moving beyond the horizon of humancentrism.

Ein Auszug aus Tom Regans The Case for Animal Rights

kts8

Tierautonomie, Jahrgang 5, Nr. 1, Art. 1, ISSN 2363-6513, April 2018. Edition Farangis: Animalistic Issue 80.

Eine Übersetzung eines gekürzten Auszugs aus: Tom Regan, The case for animal rights und ein Interview der Advocates for Animals mit Tom Regan

Dieser Text als PDF

Ein Auszugs aus: Tom Regan, The case for animal rights, in Peter Singer (ed.), In Defense of Animals, Basil Blackwell, Oxford, 1985.

[…] Zu den Zielen der Tierrechtsbewegung gehören:

Die völlige Abschaffung der Verwendung von Tieren in der Wissenschaft; Die völlige Auflösung der kommerziellen Tieragrarkultur; Die völlige Eliminierung kommerziellen Jagens, Jagens als Sport und der Fallenlegung.

Es gibt Leute, die angeben sie würden an Tierrechte glauben, die aber diese Ziele ausschließen. Diese Leute sagen, dass die Fabriktierhaltung falsch ist – sie verstößt gegen die Rechte von Tieren – aber traditionelle Tieragrarkultur sei akzeptabel. Toxizitätstests von kosmetischen Produkten an Tieren verstoßen gegen deren Rechte, aber „wichtige“ medizinische Forschung – z.B. die Krebsforschung – täte das nicht. Das Totschlagen von kleinen Seehunden ist grauenhaft, aber nicht die Tötung erwachsener Seehunde. Ich dachte ich könnte diese Denkweise verstehen. Ich kann es aber nicht mehr. Man ändert ungerechte ‚Institutionen’, d.h. ungerechte Systeme nicht indem man sie aufräumt.

Was falsch ist – fundamental falsch – mit der Art in der Tiere behandelt werden, sind nicht allein die Details, die von Fall zu Fall verschieden sind. Es ist das ganze System. Die Situation des Kalbes, das für Kalbfleisch gehalten wird ist erbärmlich, herzzerreißend; der pulsierende Schmerz des Schimpansen in dessen Gehirn Elektroden tief implantiert wurden, ist abstoßend; der langsame, grausame Tod eines Waschbären, der in einer Beinfalle gefangen ist, ist unfassbar schlimm. Aber was falsch ist daran ist nicht der Schmerz, das Leid, die Situation der Tiere selbst in denen ihnen alles aberkannt wird. Aus all diesen Dingen setzt sich das zusammen was falsch ist. Manchmal – häufig – machen diese Dinge es viel schlimmer. Aber sie sind nicht das fundamental Falsche.

Das was fundamental falsch ist, ist das System, das zulässt, dass wir Tiere als unsere Ressourcen betrachten können, dass sie für uns da seien – um gegessen zu werden, chirurgisch manipuliert zu werden oder um für Sportzwecke oder Geld ausgebeutet zu werden. Sobald wir diese Sichtweise über Tiere akzeptieren – Tiere als unsere Ressourcen zu sehen – ist der Rest so vorhersehbar wie erschütternd. Warum sollte man sich über ihre Einsamkeit, ihre Schmerzen, ihren Tod Gedanken machen? Da sie für uns existieren, um uns in der einen oder anderen Weise einen Vorteil zu bringen, bedeutet das was sie verletzt wirklich nichts – oder es bedeutet nur etwas, wenn es anfängt uns etwas auszumachen, wenn wir uns ein bisschen unwohl dabei fühlen wenn wir unser Kalbsschnitzel essen zum Beispiel. So, lasst uns die Kalbfleisch-Kälber raus aus der Einzelhaltung bringen, gebt ihnen mehr Platz, ein bisschen Streu, ein paar Artgenossen. Aber lasst uns unser Kalbsschnitzel beibehalten.

Aber ein bisschen Stroh, mehr Raum und ein paar Artgenossen eliminieren nicht das grundsätzlich Falsche, das verhaftet ist mit unserer Sichtweise und Behandlung dieser Tiere als unserer Ressourcen – diese Dinge berühren überhaupt noch nicht einmal das grundsätzlich Falsche. Ein Kalbsfleisch-Kalb (veal calf), das getötet wird um gegessen zu werden, nachdem es in einer extrem beengenden Haltung gehalten worden ist, wird in dieser Art gesehen und behandelt; aber genau so wird es ein anderes, das (wie sie sagen) „humaner/artgerechter“ gehalten worden ist. Um das Falsche an unserer Behandlung von Farmtieren richtig zu machen, braucht es mehr als die Aufzuchtsmethoden ‚humaner’ oder ‚artgerechter’ zu machen; es braucht die völlige Auflösung der kommerziellen Tieragrarkultur.

Wie wir dies machen, ob wir es machen, oder wie, in dem Fall von Tieren in der Wissenschaft, ob und wie wir ihre Verwendung abschaffen – dies sind vor allen Dingen politische Fragen. Menschen müssen ihre Sichtweisen ändern, bevor sie ihre Gewohnheiten verändern. Genügend Menschen, vor allen Dingen die in öffentliche Ämter gewählt sind, müssen an Veränderung glauben – müssen es wollen – bevor wir Gesetze haben werden, die die Rechte von Tieren schützen. Dieser Prozess der Veränderung ist sehr kompliziert, fordert sehr viel, ist sehr erschöpfend, benötigt die Bemühungen und viel Arbeit in Erziehung, Publicity, politischer Organisation und Aktivität, bis hin zum Eintüten und frankieren von Briefen … […].

[…] Manche Leute glauben, dass wir keine direkten Pflichten gegenüber Tieren haben, dass wir ihnen nichts schuldig sind, dass wir nichts tun könnten was ungerecht ihnen gegenüber wäre. Sie meinen stattdessen, dass wir falsche Handlungen machen können, die Tiere beinhalten, dass wir somit schon Pflichten bezüglich von Tieen hätten, aber nicht ihnen selbst gegenüber. Solche Sichtweisen werden als Standpunkte indirekter Pflichten bezeichnet. Um dies noch einmal zu illustrieren: nehmen Sie an Ihr Nachbar tritt Ihren Hund. Dann hat Ihr Nachbar etwas Falsches gemacht. Aber nicht etwas Falsches an Ihrem Hund. Das Falsche was er gemacht hat, ist das, was falsch Ihnen gegenüber ist. Immerhin sieht man es als falsch an Leute zu empören, und dass Ihr Nachbar Ihren Hund getreten hat empört Sie. Also sind Sie der, dem gegenüber etwas falsch gemacht worden ist, nicht Ihr Hund. Oder wiederum: indem Ihr Nachbar Ihren Hund tritt, beschädigt er Ihr Eigentum. Und da es falsch ist das Eigentum einer anderen Person zu beschädigen, hat Ihr Nachbar etwas falsches gemacht – Ihnen gegenüber natürlich, aber nicht gegenüber Ihrem Hund. Ihr Nachbar tut Ihrem Hund gegenüber nicht mehr an Falschem als Ihrem Auto etwas Falsches angetan werden könnte, wenn die Windschutzscheibe zerschlagen worden wäre. Die Pflichten Ihres Nachbarn bezüglich Ihres Hundes sind indirekte Pflichten Ihnen gegenüber. Allgemeiner: alle unsere Pflichten bezüglich von Tieren sind indirekte Pflichten gegenüber jemandem anderen – der Menschheit gegenüber.

Wie könnte jemand eine solche Sichtweise rechtfertigen? Jemand könnte sagen, dass Ihr Hund nichts fühlt und folglich durch den Tritt Ihres Nachbarn nicht verletzt wird, ihm der Schmerz egal ist, weil kein Schmerz gefühlt wird, er so unbewusst über Dinge ist, wie Ihre Windschutzscheibe. Jemand könnte dies sagen, aber keine vernpnftige Person würde das sagen, da, neben anderen Dingen die unter Berücksichtigung stehen würden, solch eine Sichtweise zwangläufig dazu führen würde, dass jemand die Position beziehen müsste, dass auch kein Mensch Schmerz fühlt – dass es Menschen auch egal ist, was ihnen passiert. Eine zweite Möglichkeit ist, dass obwohl Menschen und Ihr Hund verletzt werden, wenn sie getreten werden, es nur der menschliche Schmerz ist der zählt. Aber nochmal, keine vernpnftige Person kann das glauben. Schmerz ist Schmerz, wo auch immer er auftritt. Wenn es falsch ist, wenn Ihr Nachbar Ihnen Schmerz zufügt, wegen des zugefügten Schmerzes, können wir die moralische Relevanz des Schmerzes, den ihr Hund fühlt, nicht rational ignorieren oder ablehnen.

Philosophen die Sichtweisen indirekter Pflichten annehmen – viele tun dies immernoch – sind zu der Einsicht gekommen, dass sie die beiden gerade beschriebenen Mängel vermeiden müssen, und zwar, sowohl die Sichtweise, dass Tiere nichts fühlen, als auch den Gedanken, dass nur menschlicher Schmerz moralisch relevant sein könne. Unter solchen Denkern ist die Sichtweise die jetzt bevorzugt wird, die eine oder andere Form von dem was Kontraktualismus genannt wird.

Dies ist sehr grob umrissen die Idee, die dem Kontraktualismus zugrunde liegt: Moralität besteht aus einem Set von Regeln, dem Personen freiwillig zustimmen diese für sich anzunehmen, so wie wenn wir einen Kontrakt also einen ertrag unterzeichnen (daher der Name Kontraktualismus). Diejenigen, die die Begriffe des Kontraktes verstehen und akzeptieren, sind direkt durch ihn abgedeckt; sie haben Rechte, die durch den Kontrakt geschaffen werden und durch ihn anerkannt und geschützt werden. Diese Kontraktoren können auch bewirken, dass ein Schutz für andere ausgesprochen wird. Andere von denen ausgegangen wird, als dass sie nicht dazu imstande sind Moralität zu verstehen, und die somit den Kontrakt selbst ‚nicht unterzeichnen’ können, die aber geliebt werden oder für die gesorgt wird, von denen die es können, können ebenso von solch einem Kontakt abgedeckt werden. So sind zum Beispiel kleine Kinder nicht imstande den Kontrakt ‚zu unterzeichenen’ und haben ersmal keine unmittelbaren [selbst erwirkten] Rechte. Aber sie werden trotzdem geschützt durch den Kontrakt, wegen des emotionalen Interesses anderer, vor allen Dingen ihrer Eltern. Wir haben dann also Pflichten in bezug auf diese Kinder, aber keine Pflichten ihnen direkt gegenüber, sondern unsere Pflichten sind indirekte Pflichten gegenüber anderen Menschen, normalerweise deren Eltern.

Was Tiere anbetrifft, da sie Verträge nicht verstehen können, können sie klarerweise nicht ‚unterzeichnen’; und da sie nicht unterzeichen können, haben sie keine Rechte. Wie Kinder, sind aber manche Tiere die Objekte des emotionalen Interesses anderer. Sie, oder jemand anderes, lieben zum Beispiel Ihre Katze oder Ihren Hund. So werden die Tiere, die genügend Leuten etwas bedeuten (Haustiere, Wale, Baby-Robben, der amerikanische Weißkopfadler z.B.), obwohl sie selbst keine Rechte haben, geschützt, wegen des emotionalen Interesses anderer. Ich habe somit dem Kontraktualismus zufolge, keine direkte Pflicht Ihrem Hund gegenüber oder gegenüber irgendeinem anderen Tier, noch nicht einmal die Pflicht ihnen keine Schmerzen oder kein Leid zuzufügen; meine Pflicht diese Tiere nicht zu verletzen, ist eine Pflicht die ich den Leuten gegenüber habe, denen es etwas bedeutet was mit ihnen geschieht. Bei Tieren, denen kein oder fast kein emotionales Interesse gegenüber bestehet – wie im Fall von Farmtieren zum Beispiel oder Laborratten – werden die Pflichten ihnen gegenüber immer weniger und weniger, vielleicht bis zu dem Punkt, wo gar keine mehr bestehen. Der Schmerz und den Tod den sie durchleiden, ist, obwohl er reell ist, nicht falsch, wenn er niemanden etwas bedeutet.

Was den moralischen Status von Tieren anbetrifft, könnte Kontraktualismus einen schwierigen Standpunkt darstellen, was die Infragestellung anbetrifft, wenn er eine adäquate theoretische Herangehensweise and den moralischen Status von Menschen darstellen würde. Er ist aber nicht adäquat als Herangehensweise in diesem Punkt, dadurch wird seine Adäquatheit in bezug auf Tiere auch streitbar. Zum Beispiel ist zu bedenken, dass Moralität, nach der (groben) kontraktualistischen Position, die uns hier vorliegt, aus Regeln besteht, denen Leute zustimmen, dass diese für sie Gültigkeit besitzen. Welche Leute? Immerhin so viele, dass sie bestimmend sind – so viele, dass sie kollektiv die Macht haben, die Regeln in Kraft zu setzen, die durch den Kontrakt festgelegt werden. Das ist sehr angenehm und zum Vorteil der ‚Unterzeichnenden’, aber nicht so vorteilhaft für jemanden, der dabei nicht gefragt wird ‚zu unterzeichnen’. Und es gibt nichts im Kontraktualismus der Art die wir gerade diskutieren, das garantieren oder erfordern würde, dass jeder eine gleichberechtigte Chance hätte bei der Schaffung des Rahmens für die Regeln von Moralität mit teilzunehmen. Das Resultat ist, dass diese Herangehensweise an Ethik die blatantesten Formen sozialer, ökonomischer, moralischer und politischer Ungerechtigkeit sanktionieren könnte, was von einem repressiven Kastensystem bis hin zu systematischer rassischer oder sexueller Diskriminierung reichen könnte. Macht schafft – nacht dieser Theorie – Rechte. Die, die die Opfer von Ungerechtigkeit sind, werden leiden gelassen wie sie leiden werden. Es bedeutet nichts, so lange es keinem anderen – keinem Kontraktor oder zu wenigen von ihnen – etwas bedeutet. Solch eine Theorie raubt einem den moralischer Atem … zum Beispiel wäre nichts falsch an der Apartheid in Südafrika gewesen, wenn wenige Südafrikaner dadurch empört wären. Eine Theorie die so wenig enthält was für sie spricht, in Hinsicht auf die Ethik dessen wie wir andere Menschen behandeln, kann nicht mehr bieten was für sie spräche, wenn es zu der Ethik dessen kommt wie wir mit Tieren umgehen.

Die Version des Kontraktualismus die wir gerade betrachtet haben, ist, wie ich bereits gesagt habe, eine grobe Ausgabe, und in Hinsicht auf das Potenzial an Überzeugungsfähigkeit von Kontraktualismus muss gesagt werden, dass viel detailliertere, subtilere und einfallsreichere Varianten möglich sind. Zum Beispiel hat John Rawls in seinem Buch ‚A Theory of Justice’ eine Version des Kontraktualismus niedergelegt, in dem zufällige Eigenschaften eines Menschen ignoriert werden sollen – zum Beispiel ob er schwarz oder weiß ist, weiblich oder männlich, genial oder einen bescheidenen Intellekt hat. Nur indem solche Eigenschaften ignoriert werden, glaubt Rawls, können wir sicherstellen, dass die Prinzipien von Ungerechtigkeit, auf die die Kontraktoren sich einigen würden, nicht auf Vorurteilen oder Voreingenommenheit basieren würden. Trotz der Verbesserung solch eines Standpunktes, im Vergleich zu den groberen Formen des Kontraktualismus, bleibt er mangelhaft; er verneint systematisch, dass wir direkte Pflichten gegenüber Menschen haben, die beispielweise kein [a.d.Ü.: von der Gesellschaft wahrgenommenes] Gerechtigkeitsempfinden haben – zum Beispiel kleine Kinder und viele geistig behinderte Menschen. Doch zugleich scheint es wohl ziemlich klar, dass wenn wir ein kleines Kind oder einen geistig behinderten Erwachsenen foltern würden, wir etwas täten, was falsch ihm oder ihr gegenüber wäre, und nicht etwas das falsch wäre, wenn (und nur wenn) andere Menschen mit einem Gerechtigkeitsempfinden dadurch empört wären. Und da dies wahr ist im Fall dieser Menschen, können wir dasselbe nicht rational verneinen im Fall von Tieren.

Standpunkte indirekter Pflichten, einschließlich der besten unter ihnen, versagen somit dabei unsere rationale Zustimmung zu erhalten. Um welche ethische Theorie es auch immer geht, wir sollten Rationalität und Vernunft akzeptieren, daher muss eine ethische Theorie zumindest davon ausgehen, dass wir einige Pflichten Tieren direkt gegenüber haben, so wie wir einige Pflichten direkt gegenüber einander haben. Die nächsten zwei Theorien die ich umreiße, versuchen dieser Erfordernis zu gerecht zu werden.

Den ersten nenne ich ‚cruelty-kindness view’ (Standpunkt über Grausamkeit und „Gutsein“). Einfach gesagt bedeutet dieser Standpunkt, dass wir direkte Pflichten haben uns gut gegenüber Tieren zu verhalten und eine direkte Pflicht haben ihnen gegenüber nicht grausam zu sein. Trotz der Geläufigkeit dieses sich selbst rückbestätigenden Kreislaufs der Idee, glaube ich nicht, dass dieser Standpunkt eine adäquate Theorie bietet. Um dies zu verdeutlichen: Betrachten Sie das „Gutsein“. Eine liebevolle oder gutherzige Person handelt aus einer bestimmten Art des Motivs – Mitgefühl oder Betroffenheit zum Beispiel, was eine Tugend ist. Es gibt aber keine Garantie, dass eine gute Handlung auch eine richtige Handlung, im Sinne einer gerechten Handlung ist. Wenn ich z.B. ein großzügiger Rassist bin, werde ich mich wahrscheinlich gut gegenüber Zugehörigen meiner eigenen Ethnie verhalten. Ich würde deren Interessen als wichtiger als die anderer erachten. Mein „Gutsein“ währe echt, und so weit es reichen würde auch gut. Aber es ist wohl nur zu klar, als dass es hier des Arguments bedürfe, dass meine guten Handlungen wohl nicht mehr als eine moralische Eingeschränktheit darstellen würden – sie könnten tatsächlich sogar falsch sein, da sie auf Ungerechtigkeit basieren würden. „Gut zu sein“ kann also, trotz seines Status als einer positiven Tugend die gefördert werden soll, keine Theorie richtiger Handlungsweisen tragen.

Grausamkeit schneidet hier nicht besser ab. Leute oder deren Handlungen sind grausam wenn positives Interesse aufgrund von grundloser Antipathie unmöglich ist, sie eine grundlose offensive Antipathie zeigen oder, schlimmer noch, wenn jemand Spaß am Leid eines anderen (Tieres) hat. Grausamkeit ist in all seinen Erscheinungsformen eine schlimme Sache, ein tragisches menschliches Fehlverhalten. Aber so wie wenn eine Person dadurch motiviert ist ‚gut zu sein’, nicht garantiert, dass er oder sie tut was richtig ist, so stellt die Abwesenheit von Grausamkeit nicht automatisch sicher, dass er oder sie vermeidet zu tun was falsch ist. Viele Leute die Abtreibungen durchführen z.B. sind keine grausamen, sadistischen Leute. Aber diese Tatsache alleine löst noch nicht die furchtbar schwierigen moralischen Fragen im Zusammenhang mit Abtreibungen. Der Fall liegt nicht anders wenn wir die Ethik unserer Behandlungsweise von Tieren betrachten. Sicher, lasst uns für das ‚Gutsein’ und gegen Grausamkeit sein. Aber lasst uns nicht davon ausgehen, dass für das Eine und gegen das Andere zu sein die Frage über moralisches Recht und Unrecht beantwortet.

Manche Leute denken, dass die Theorie nach der wir hier Ausschau halten der Utilitarismus sein müsse. Ein Utilitarist geht von zwei moralischen Prinzipien aus. Das erste Prinzip ist das der Gleichheit: Jedem seine Interessen zählen und gleiche Interessen haben eine gleiche Wichtigkeit und müssen gleich gewichtet werden. Weiß oder schwarz, Amerikaner oder Iraner, Mensch oder Tier – jedem seine Schmerzen oder seine Frustrationen sind von Bedeutung und sie zählen genauso viel wie ein äquivalenter Schmerz oder eine Frustration von irgendeinem Anderen. Das zweite Prinzip eines Utilitaristen ist das der Utilität: Wird eine Handlung das beste Gleichgewicht erzeugen zwischen ‚Zufriedenstellung’ und ‚Nicht-Zufriedenstellung’ für jeden der durch den Ausgang der Handlung betroffen ist.

Als Utilitarist würde ich an die Aufgabe dessen, was ich moralisch richtigerweise tun sollte, in folgender Art herangehen: Ich muss mir die Frage stellen wer dadurch betroffen sein wird, wenn ich mich dafür entscheide das eine zu tun statt etwas anderem, wie stark jedes Individuum dadurch betroffen wäre und wodurch sich dann die besten Resultate für jeden ergäben – anders gesagt, welche Option die besten Resultate dabei bringen würde, das optimalste Gleichgewicht zwischen ‚Zufriedenstellung’ und Frustration oder ‚Nicht-Zufriedenstellung’ herzustellen. Diese Option – welche auch immer es dann wäre – ist die, die ich wählen müsste. An dieser Stelle würde meine moralische Pflicht liegen.

Der große wesentliche Anreiz des Utilitarismus liegt in seinem kompromisslosen Egalitarismus: Jedem seine Interessen zählen und sie zählen so viel, wie die entsprechenden Interessen von irgendjemand anderem. Die Arten ungerechter Diskriminierung, die einige Formen des Kontraktualismus legitimieren können – Diskriminierung aufgrund von Rasse oder Geschlecht zum Beispiel – scheinen im Utilitarismus vom Prinzip her ausgeschlossen zu sein, wie auch der Speziesismus, der eine systematische Diskriminierung auf Basis der Spezieszugehörigkeit darstellt.

Die Gleichheit die wir im Utilitarismus finden, ist aber nicht die Art der Gleichheit, die ein Verfechter von Tier- oder Menschenrechten im Sinn haben sollte. Der Utilitarismus lässt keinen Raum für die gleichen moralischen Rechte verschiedener Individuen, weil er keinen Raum lässt für deren gleichen inhärenten Wert. Was zählt für den Utilitaristen, ist die Zufriedenstellung der Interessen eines Individuums, nicht das Individuum selbst, dessen Interessen es sind. Ein Universum, in dem einem sein Wunsch nach Wasser, Nahrung und Wärme – oder auch anderer Dinge – befriedigt ist, ist besser als ein Universum in dem diese Wünsche frustriert werden. Das Gleiche trifft hier auch zu auf ein Tier, das die gleichen Wünsche hat. Aber weder man selbst noch das Tier haben irgendeinen Wert im eigenen Rechte. Nur die Gefühle haben diesen Wert.

Hier ist eine Analogie um den philosophischen Punkt etwas klarer zu machen: Eine Tasse enthält verschiedene Flüssigkeiten, manchmal süße, manchmal bittere, manchmal eine Mischung von beidem. Was Wert hat sind die Flüssigkeiten: Um so süßer um so besser, um so bitterer um so schlechter. Die Tasse, der Behälter, hat keinen Wert. Es ist was hineinkommt, was in sie hineingeht, das Wert hat. Für den Utilitaristen sind Sie und ich die Tasse; wir haben keinen Wert als Individuen und daher auch keinen gleichen Wert. Was Wert hat, ist das was in uns passt, für das wir Empfänger sind; unsere Gefühle von Zufriedenheit haben einen positiven Wert, unsere Gefühle von Frustration haben einen negativen Wert.

Ernsthafte Probleme entstehen im Utilitarismus wenn wir uns bewusst machen, dass er uns dazu ermahnt, die besten Konsequenzen zu erzielen. Was bedeutet das? Es bedeutet nicht die besten Konsequenzen für mich alleine, oder für meine Familie oder Freunde oder irgendeine andere Person als Individuum genommen. Nein, das was wir laut Utilitarismus machen müssen verläuft grob etwa so: Wir müssen (irgendwie!) die separaten Zufriedenheiten und Frustrationen von jedem, der durch unsere Entscheidung betroffen wäre, zusammenrechnen, die sich daraus ergebende Zufriedenheit in eine Kolumne setzen und die Frustrationen in die andere daneben. Wir müssen diese Kolumnen für jede vor uns liegende Option zusammenrechnen. Das ist auch was es bedeutet, wenn man sagt, dass diese Theorie ‚aggregativ’ ist. Dann müssen wir die Option wählen, die die höchste Wahrscheinlichkeit besitzt, die beste Balance der zusammengerechneten Zufriedenheiten zu den zusammengerechneten Frustrationen zu bringen. Welche Handlung auch immer dieses Ergebnis dann erfüllen würde, ist die Handlung, die wir moralisch richtigerweise vollziehen sollten. An dieser Stelle würde unsere moralische Pflicht dann liegen. Und diese Handlung, mag dann klarerweise nicht eben genau die sein, die die besten Ergebnisse für mich selbst bringen würde, oder für meine Familie oder meine Freunde oder für ein Versuchstier. Die besten aggregierten Konsequenzen für jeden Betroffenen sind nicht notwendigerweise die besten für jedes Individuum.

Dass der Utilitarismus eine aggregative Theorie ist – die verschiedenen Zufriedenstellungen oder Frustrationen werden zusammengerechnet, summiert, zu einem Ganzen gefasst – ist der Punkt, der den Utilitarismus entscheidend angreifbar macht. Meine Tante Bea ist alt, kaum aktiv, eine griesgrämige unzufriedene Person, wenn auch nicht physisch krank. Sie hat vor noch ewig zu leben. Sie ist auch ziemlich reich. Ich könnte ein Vermögen machen, wenn ich jetzt an ihr Geld käme. Geld, das sie vorhat mir sowieso zu geben nachdem sie stirbt, aber das sie mir jetzt noch nicht geben will. Um zu vermeiden, dass ich extrem viel an Steuern zahlen muss, habe ich geplant einen recht großen Anteil meiner Profite an das örtliche Kinderkrankenhaus zu spenden. Sehr viele Kinder werden so von meiner Großzügigkeit profitieren, und deren Eltern, Verwandte und Freunde werden das auch gut finden. Wenn ich das Geld nicht bald bekomme, wird aus all diesen Plänen nichts. Meine einmalige Chance enormen Reichtum zu erwerben wird für immer vertan sein. Vielleicht sollte ich meine Tante Bea, die alles verhindert, einfach umbringen? Klar, ich könnte geschnappt werden. Aber ich bin nicht dumm, und außerdem könnte ich auf ihren Arzt zählen, dass er dabei kooperieren würde (er möchte in der gleichen Weise investieren und ich weiß zufälligerweise ziemlich gut über die Schattenseiten seiner Vergangenheit bescheid). Die Tat könnte – sollen wir sagen … professionell begangen werden. Die Chance ertappt zu werden ist sehr gering. Und was mein Gewissen anbetrifft und dass ich mir Schuldvorwürfe machen könnte, ich bin ein progressiver Typ und werde mich – wenn ich am Strand von Akapulko liege – lieber ausgiebig damit befassen die Freuden und Vorteile zu kontemplieren, die ich so vielen anderen bereitet habe.

Nehmen wir an Tante Bea wird umgebracht und der Rest der Story nimmt den Verlauf wie gerade geschildert. Hätte ich etwas Falsches begangen? Irgendetwas Unmoralisches? Man würde denken dem sei so. Aber nicht wenn man sich an die Theorie des Utilitarismus hält. Da das was ich getan habe das optimalste Gleichgewicht zwischen der addierten Zufriedenstellung und Frustration für all die durch den Ausgang betroffenen gebracht hat, ist meine Tat nicht falsch. In der Tat würden der Arzt und ich dadurch Tante Bea zu töten, sogar das tun, was die Pflicht von uns verlangen würde.

Die gleiche Art der Argumentation kann in allen möglichen Fällen wiederholt werden, wodurch Fall für Fall sichtbar würde, wie die utilitaristische Position zu Resultaten führt, die unparteiische Personen für moralisch verwerfbar halten. Es ist falsch meine Tante Bea im Namen dessen umzubringen, was für andere die besten Resultate bringen würde. Ein gutes Ende rechtfertigt keine bösartigen Mittel. Jede adäquate Moraltheorie muss erklären können, warum das so ist. Der Utilitarismus versagt in dieser Hinsicht und kann somit nicht die Theorie sein, nach der wir suchen.

Was sollen wir machen? Wo sollen wir noch einmal anfangen? Der Punkt an dem wir ansetzen sollten, denke ich, ist an der Stelle der utilitaristischen Sicht über den Wert des Individuums oder beziehungsweise des nicht Vorhandenseins dieses Wertes. Nehmen wir nun stattdessen an, dass Sie und ich zum Beispiel einen Wert als Individuen besitzen, den wir als inherent value oder inhärenten Wert bezeichnen wollen. Zu sagen, dass wir solch einen Wert haben, bedeutet, dass wir etwas mehr sind und etwas anderes als bloße Rezipienten. Darüber hinaus müssen wir, um sicherzustellen, dass wir nicht den Weg für solche Ungerechtigkeiten wie Sklaverei oder sexuelle Diskriminierung bereiten, davon ausgehen, dass alle die inhärenten Wert haben, es in einem gleichen Maße haben, unabhängig von deren Geschlecht, Rasse, Religion, Geburtsort und so weiter.

Was gleichermaßen als irrelevant herausgenommen werden muss, sind jemandem seine Talente oder Fähigkeiten, Intelligenz und Reichtum, Persönlichkeit oder Pathologie, oder ob jemand geliebt und verehrt wird oder verachtet und abgelehnt. Das Genie und das retardierte Kind, der Prinz und der Bettler, der Hirnchirurg und der Obstverkäufer, Mutter Theresa und der skrupelloseste Gebrauchtwagenhändler – alle haben inhärenten Wert, alle besitzen ihn gleichermaßen und alle haben ein gleiches Recht mit Respekt behandelt zu werden und in einer Weise, die sie nicht auf den Status von Dingen reduziert, als existierten sie als Ressourcen für andere. Mein Wert als ein Individuum ist unabhängig von meiner Nützlichkeit für Sie. Ihr Wert ist nicht abhängig von Ihrer Nützlichkeit für mich. Den Anderen in Arten und Weisen zu behandeln die seinen unabhängigen Wert nicht respektieren, bedeutet für beide von uns unmoralisch zu handeln; es bedeutet gegen die Rechte des Individuums zu verstoßen.

Einige der rationalen Vorteile dieser Sichtweise – die ich den ‚rights view’ [a.d.Ü.:  Sichtweise über Recht, als sich aus dem inhärenten Wert des Lebenwesens ableitend] nenne – sollten klar sein: Im Gegensatz zum (grobgefassten) Kontraktualismus zum Beispiel, verneint der ‚rights view’ vom Prinzip her die moralische Tolerierbarkeit jeglicher Form rassistischer, sexueller oder sozialer Diskriminierung und im Gegensatz zum Utilitarismus verneint diese Sichtweise prinzipiell, dass wir gute Resultate durch die Anwendung grausamer Mittel, die gegen die Rechte eines Individuums verstoßen, rechtfertigen könnten – die Sichtweise verneint zum Beispiel, dass es moralisch sein könnte meine Tante Bea umzubringen um vorteilhafte Konsequenzen für andere zu erlangen. Eine Sanktionierung des respektlosen Umgangs mit dem Individuum im Namen dessen was soziale Vorteile verschaffen könnte ist etwas, was der ‚rights view’ niemals – kategorisch niemals – zulässt.

Ich glaube, dass der ‚rights view’ [die inhärent-basierenden Rechte eines Individuums] rational die befriedigendste Moraltheorie darstellt. Er ist allen anderen Theorien voraus in dem Maße, in dem er die Fundamente unserer Pflichten gegenüber einander beleuchten und erklären kann – als Aufgabengebiet menschlicher Moralität; in diesem Punkt stehen die besten Gründe und die besten Argumente auf seiner Seite. Wenn es natürlich möglich wäre aufzuzeigen, dass nur Menschen durch diesen Rahmen umfasst wären, dann würde eine Person wie ich, die an Tierrechte glaubt, gezwungen sein woanders weiterzuschauen. […]

Ein Interview der Advocates for Animals mit Prof. Tom Regan (erschienen in den Advocates for Animals News, Herbst 2002)

Im August 2002 hatten die Animals for Advocates, Schottland (GB) das Privileg den berühmten Tierrechtsphilosophen Tom Regan zu einem Vortrag einzuladen. Tom Regan hat mehr als 25 Bücher über die Tierrechtsphilosophie veröffentlicht und lehrt seit langem als Professor Philosophie and der North Carolina State University, USA. Sein wegbereitendes und einflussreiches Buch ‚The Case for Animal Rights’ wurde für den Pulitzer Preis nominiert und gilt als als Pflichtliektüre der Tierrechtsbewegung.

AA: Wie kamen Sie zur Tierrechtsbewegung?

TR: Ich wuchs in einer Arbeiterfamilie während der Depression auf. Fleisch wurde gleichgesetzt mit Erfolg und ich arbeitete sogar als Metzger während ich zum College ging. Es war als ich an der North Carolina State University zu lehren begann, als ich den Gedanken Gandhis begegnete. Die Botschaft der Gewaltlosigkeit sprach mich an, und ich begann mich zu fragen wie ich meine Anti-Kriegs- und Anti-Gewalt-Einstellung bewahren kann während ich immer noch Körper toter Tiere in meinem Kühlschrank hatte. Der letzte ausschlaggebende Punkt war als der über alles geliebte Hund meiner Familie überfahren wurde und dabei starb. Der Tod meines Hundes öffnete mein Herz, und ich war plötzlich fähig diese Gefühle auf Kühe, Schafe, Hühner und Schweine zu übertragen.

AA: Was war der wichtigste Sieg bei dem Sie persönlich eine aktive Rolle mitgespielt haben?

TR: Ich war an der 4-tägigen Besetzung des National Institute for Health (NIH) in Amerika beteiligt. Das NIH finanzierte Experimente über Kopfverletzungen, die an der Universtiy of Pennsylvania durchgeführt wurden. Die Forscher hatten sich tatsächlich selbst dabei gefilmt wie sie in einer hydraulischen Einrichtung Pavianen Gehirnschäden zufügten und die Tiere dann quälten und sich darüber belustigten. Die Filmdokumente zeigen inadäquat anästhesierte, geschlagene Paviane, die sich versuchen unter den Festhaltungsvorrichtungen zu wehren. Man sieht die Vivisektoren Zigaretten rauchen und wie sie auf den Boden gefallene chirurgische Instrumente weiterverwenden. Sie hätten sich niemals erträumt dass ihre Videodokumentation in die Hände von Tieraktivisten fallen würde.

101 Personen kamen als eine Gruppe bei dem Büro an, riefen Parolen und liefen direkt hinein. Das NIH war darauf nicht vorbereitet. Die Beamten und die Polizei hatten erwatet, dass der Protest bald wieder vorüber sein würde, da wir keine Lebensmittel oder Kleider zu wechseln dabei hatten. Die Beamten und die Polizei versuchten alles um uns zum Gehen zu zwingen – sie stellten sogar die Belüftung auf volle Leistung damit es uns zu kalt wird.

Wir beendeten den Protest am vierten Tag, als uns mitgeteilt wurde dass man die Finanzierung des Laboratoriums eingestellt hatte. Das Schönste an allem war, dass als wir das Gebäude schließlich verließen, wir mit einem klaren und entschiedenen Sieg hinausgingen. Das war der Tag an dem ich mich am lebendigsten fühlte. Ich glaube immer noch, dass wenn wir unsere Kampagnen gut wählen, es möglich ist Veränderungen durch ziviles ungehorsam herbeizuführen.

AA: Tier-Gruppen können oft sehr verschieden Wege dabei gehen wie sie Kampagnen durchführen, was manchmal zu Reibungen führt. Wie können diese Unstimmigkeiten gelöst werden?

TR: Es wird immer Leute geben, die für größere Käfige kämpfen um das letztendliche Ziel zu erreichen. Ich glaube nicht, dass das bedeutet unrealistisch zu sein, da wir uns alle dafür einsetzen die Mauer Stein für Stein abzubauen. Woran wir denken müssen ist, dass Ungerechtigkeit zu reformieren bedeutet Ungerechtigkeit zu verlängern. Alles, was die größeren Käfige erreichen, ist die Ausbeutung von Tieren ‚akzeptabler’ zu machen.

Für Tierrechtsleute ist Leid nicht das was fundamental das Übel darstellt, sondern es ist, dass Tiere an allererster Stelle überhaupt in Käfige gesperrt werden. Wir wollen nicht einfach das Leid beenden – wir müssen die Ausbeutung beenden. Zum Beispiel, man hat keinen Kompromiss mit der Schottischen ‚hunting bill’ (Jagdgesetz) gemacht. Das Schottische Parlament entschied nicht, dass berittene Fuchsjagden eine begrenzte Anzahl von Füchsen pro Jahr töten könnten, oder dass die Jagdhunde bei der Jagd Schutzschilder aus Hartgummi tragen sollten! Sie verboten das Töten von Füchsen mit Hunden ganz grundsätzlich.

Wovon all die die Tiere ausbeuten abhängig sind, ist, dass wir aufgeben und einfach verschwinden. Sie setzen zunehmend Einschüchterungstaktiken ein, um uns in den Medien als Übeltäter darzustellen weil wir ein Dorn in ihren Augen sind. Alles was wir tun können, ist positiv zu bleiben und die Öffentlichkeit dazu zu ermutigen einen Schritt in ihrer Sicht von Tieren voran zu tun, in dem Moment wo sie überhaupt keinerlei Notwendigkeit zur Bewegung empfinden.

AA: Die Beteiligten an Tierexperimenten und in der Agrarkultur betonen oft wie wichtig ihnen Animal ‚Welfare’ (das Wohlergehen der Tiere) ist. Was ist Ihre Meinung hierzu?

TR: Das ist ein grausamer Schwindel. Viele Wissenschaftler und Farmer sagen, dass gesunde Tiere im größten Interesse der Industrien sind – dass es die Profite oder Resultate beieinträchtigen würde, wenn sie sich nicht um das Wohlergehen der Tiere in ihrer ‚Obhut’ kümmern würden. Aber wenn Sie sich anschauen was sie tun, Zwangsfütterung toxischer Chemikalien, Verbrennung, Organzertrümmerung … dann denken Sie „was ist hier mit dem ‚Welfare’ geschehen?!“

Was Welfare (das Wohlergehen) diesen Leuten wirklich bedeutet, ist, dass während diese Praktiken fortlaufen, die Tiere einen sauberen Käfig und einen Zugang zu Nahrung und Wasser haben sollen. Es ist einfach die Public#Relations-Rhetorik der Tierausbeuter von ‚Animal Welfare’ [Tierschutz] zu sprechen.

AA: Denken Sie, dass ihre Ansichten über Themen sich immer noch ändern, obwohl Sie so viele Jahre schon über die Tierrechtsbewegung geschrieben haben?

TR: Ich verstehe die Dinge anders. Die Welt ist ein wirklich schlimmer Ort wenn Sie ein Tiermensch sind. Deprimierend, fast unerträglich. Was die schlimmen Dinge steigert ist, dass Menschen, entweder direkt oder indirekt, Spaß an den Praktiken haben, die Tiere verletzen. Ihnen macht es Spaß sie zu essen. Ihnen macht es Spaß in den Zirkus zu gehen. Das mach es noch härter für diejenigen, die sich wirklich um Tiere Sorgen machen.

Wir müssen die Botschaft der Öffentlichkeit rüberbringen, dass wirklich eine Verbindung zwischen ‚Animal Liberation’ [Tierbefreiung] und ‚Human Liberation’ [der Befreiung der Menschen] besteht. Das Leben der Menschen wäre so viel besser und reicher wenn sie beenden würden Spaß an den Früchten menschlichen und tierischen Leids zu haben.

Hinweis: Besuchen Sie im Web die Culture and Animals Foundation, gegründet 1985 von Nancy and Tom Regan, auf www.cultureandanimals.org.

Übersetzung
Gita Yegane Arani-May, www.simorgh.de – ‚Open Access in der Tier-, Menschen- und Erdbefreiung’. Revised 4/2018.

Zitation
Edition Farangis (2018). Eine Übersetzung eines gekürzten   Auszugs aus: Tom Regan, The case for animal rights und ein Interview der Advocates for Animals mit Tom Regan. TIERAUTONOMIE, 5 (1), URL: http://simorgh.de/tierautonomie/JG5_2018_1.pdf.

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

by-nc-nd.eu

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Leser_innen dürfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschließlich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschränkt und es dürfen keine Veränderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/. Alle anderen Verwendungszwecke müssen von dem/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.

 

In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig

In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig, die Problematiken des Ökozids und Zoozids allgegenwärtig

Bilder: Der Blaue Planet (2) – “Leuchtende Tiefsee”, Ein Film von Orla Doherty; Pfannkuchen-Tintenfisch; Glaskopffisch.

Kommentar, @germanvegan

Die meisten von uns schauen sich gerne die fanszinierende Welt der Art nichtmenschlicher (nm-)Tiere an, die uns wenig bekannt sind und die wunderschön und exotisch anmuten. Uns fasziniert die nm-Tierwelt. Und trotz aller Berührtheit und Bewunderung für diese Welt, nehmen wir kaum oder aber oftmals in hilfloser Form wahr, dass der Lebensraum für diese Tiere schwindet und wie das etwas mit uns allen zu tun hat und wo die Tierwelt ein geschlossenes Ökosystem trägt, nämlich unsere Welt, und zwar die nichtanthropozentrische Welt der Natur selbst.

Tierrechtler und Natur… Als Untergruppe blenden – man staune – selbst viele Tierrechtler die Dichte dieses Lebensgefüges aus. So hat die niederländische Anthropologin und Tierethikerin Barbara Noske diese interne Ausblendung der Zusammenhänge zwischen Tierrechten und Ökologie innerhalb der Tierrechtsbewegung bereits m Jahr 2004 kritisiert ( http://simorgh.de/noske/noske_22-33.pdf ), die Tierrechtler nähmen die Tiere aus der Kontextualität mit der natürlichen Umwelt heraus, und dass vice versa die Umweltbewegung die Tiere und deren Rechte (die wir zu wahren hätten), im Kontext mit dem natürlichen Lebensraum, kaum als Gegenstand der Auseinandersetzung betrachteten.

Individuen … Die Frage, welche Tiere im natürlichen Ökosystem auf der Wünschenswert-Skala ganz oben und welche ganz unten stehen  und welche genau weshalb in die Rolle von „Nutzlebewesen“ gerückt werden und wurden, stellt sich nicht wenn wir die Schönheiten der Natur beobachten und bewundern wollen. Sobald diese Tiere jedoch erforscht oder in jeglicher Weise in den menschlichen Raum hineingezogen werden, geraten diese Individuen (die sie sind) in die Maschinerie speziesistischer Betrachtungen und Kategorisierungen hinein und sind schlagartig verloren. Und ein Tier, für das wir eben noch begeistert geschwärmt haben, weil es solch ein „Wunder der Natur“ ist, und bei dem wir eben gerade noch ganz starke Empathie empfunden haben, schrumpft zu dem Repräsentanten eines Spezies. Wie mit dieser Spezies umgegangen wird, bestimmt sich aus unserer Historie der Herabwertung tierlichen Seins heraus und nicht mehr aus unserer im tiefsten Innern emfpundenen und gedachten Bewunderung.

Wäre es möglich, die Offenheit, die wir in einem Moment für die Anmut und Würde von Tierindividuen noch zeigen, zu übertragen auf unsere Sichtweise der allgemeinen Substanz des Tierseins? Oder können wir unsere wahren Gedanken und Anschauungen über Tiere, wie wir sie in Wirklichkeit ganz tief empfinden und denken, kaum formulieren, ihnen kaum Ausdruck verleihen, weil unsere Gedanken sofort auf humanzentrisches Regelwerksdenken stößt in der zwischenmenschlichen Kommunikation auf all den möglichen Ebenen und wir obendrein noch selbst eine innere scharfe Zensur betreiben?

Es ist nicht zu begreifen warum das Individuum ‘nm-Tier’ nicht zählen sollte, wer vermittelt uns diese Fehlansicht und warum akzeptieren wir diesen schandhaften Status quo?

Tierliebe setzt aus, in dem Moment, in dem wir deren Dasein „nutzen“ wollen. Wir wollen uns durch deren Existenz in irgendeiner Form selbst aufwerten in unserer Existenz. Dazu töten wir sie und bewundern sie aber auch. Aber alles, was wir von ihnen wollen, soll unserer Besserstellung und unserer Privilegiertheit dienen. Die existierenden Speziesismen (in den Naturwissenschaften, den Religionen, in philosophischen Theorien, usw.)  liefern den Beweis dafür.

Ein Argument bildet immer wieder ein besonderes Hindernis und es stellt eine grundsätzliche Unterscheidung im Denken der meisten Tierrechtler, gesinnungsneutralen Menschen und Speziesisten dar. Und zwar die Frage danach, warum Tiere auch Tiere töten und warum wir das dann als Mensch nicht dürfen sollten.

Das Gegenargument aus Tierechtsseite lautet dann meist: wir sind uns über das Unethische am Töten anderer Lebewesen bewusst, nm-Tiere seien abet nicht moralfähig. Ich glaube das nicht. Ich glaube nur, dass wir die Gründe, warum es Raubtiere unter den nm-Tieren gibt, nicht wirklich kennen und verstehen, und dass das Töten zur Verzwecklichung und Zerstörung des Lebens anderer Tierindividuen im Falle des Menschen nicht ethisch vertretbar ist und der Mensch eben kein Raubtier ist.

Ein Mensch, eine Gruppe von Menschen oder eine Gesellschaft, die das Töten in Kauf nimmt zur Durchsetzung ihrer Interessen (außer in der Notwehr oder dem Unfall bzw. der unbeabsichtigten Tötung/Verletzung), begeht eine Tat, die immer auf das gleiche hinausläuft. Sie wertet bewusst das Leben eines anderen Individuums und Lebewesens ab. Ohne diese Abwertung gäbe es keinen Mord, keinen Tiermord, keinen Menschenmord und das scheint eher der Punkt zu sein, warum der Mensch, der tötet, eben kein Raubtier ist. Die Herabsetzung (insbesondere qua Definition) ist ein urmenschliches Machwerk, man denke an die Geschichte der Tieropferungen und der Ritualität der Tiertötung, die kulturanthropologisch mit Sicherheit eine ganz prominemte Rolle in der menschheitsgeschichtlichen Verarbeitung des Tötens nm-Tiere seit jeher eingenommen haben müssen.

Nichtmenschliche Tiere sind nicht unsere Artgenossen, aber dennoch sind sie, wie wir, physiologisch Tiere. Sei es ein Pfannkuchentintenfisch oder ein Glaskopffisch im tiefsten Meer oder ein schöner Vögel in einer relativ unberührten Region der Welt, sei es mein Haustiergenosse, sei es das Tier, das heute für den Fleischverzehr, für den Glauben an eine religiös begründete Übermacht oder für den wissenschaftlichen Fortschritt (…) gemordet wird … sei es ein Käfer, ein Blauwal, sei es gleich welches tierliche Gegenüber: Alle Tiere sind wie wir Tiere.

Der Mensch ist im Mindesten physiologisch ein Tier. Der Mensch ist kein Raubtier, denn er muss eine Abwertung des Gegenübers vollziehen wenn er tötet, da er nicht ethisch wertfrei töten kann. Er muss die Physiologie seines Gegenübers ganzheitlich negieren. Würden wir unsere gesellschaftlichen Abwertungsmechanismem im Bezug auf Tiere (Speziesismen) überwinden, würden wir die faszinierenden nm-Tiere, und die Tiere, die wir schon häufiger gesehen haben, besser in unser System ethischer Relevanz mit einbeziehen können. Solange aber muss unsere Begeisterung als eine Art der Gefühlsduselei auf der Emotionalebene verharren. An der Stelle, an der wir uns selbst ganz wunderbar herabzuwerten wissen …