Nachtblindheit / Gedankenlauf

Gedankenlauf

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Eine Kurzegeschichte über einen Freund, der sich zum Zeitpunkt des Verfassens der Geschichte in erster Linie als vegan definierte, nunmehr primär als antispeziesist und Naturfreund im erweiterten Sinne.

Irgendwas in mir ist immer derselbe. Ich glaube nicht, dass ich verstanden werden muss. Ich reflektiere das fehlende Verstehen. Ein Tier, irgendeines, das wir nicht kennen. Es läuft über die Straße, ein Lichtstrahl trifft seine Augen. Sein Leben erlischt durch die Berührung mit dem Menschen.

Ob sie Tiere verstehen ist ihnen egal. Mir ist ihr Verständnis ein Mysterium.

Montag der 31. irgendeines Monats

… an den ich mich schon jetzt nicht mehr erinnern will, weil ich auf den Sommer warte. Im Sommer werd ich mit meinem Bike raus in den Wald fahren. Letztes Jahr als ich wenigen Rehen begegnet bin, wurde mir vieles klar. Ihre Angst – und sie haben trotzdem Mut in dem Mordlabyrinth überhaupt zu leben ohne aufzugeben – diese Angst ist stärker als alles.

Es regnet. Die Strassen sind nass. Wie würde ich sein, wenn es den Ort, das Dorf, die Stadt nicht gäbe. Wäre ich „Ich“? Mir haben alle Leute die ich kenne (und kannte) bestätigt, dass ich ein Langweiler bin. Als ich 18 war, und phasenweise halb-heimlich Vegetarier, hat eine Bekannte bei einem Treffen mit ein paar Leuten in einer Gasstätte gesagt: Wenn mein Leben so langweilig wie Deines wäre, würde ich an den nächsten Baum fahren … Ich hatte Pommes vor mir auf dem Teller und mich auch fast daran verschluckt. Weil grade vorher hatte ich zu ihr gesagt, „Ich plane Vegetarier und dann vegan zu werden.“ Sie stand angeblich auf mich, aber der Umstand, dass ich eine Meinung hatte, die sie nicht verstand, rief bei ihr so eine Art Hassgefühl vor.

Beziehungen ohne Liebe sind leidenschaftslos, und ohne Respekt – geht schon mal gar nicht. Es regnet, und ich stell mir vor wie der Regen auch in den Wäldern fällt, wie dort eine andere Welt herrscht, wie die Forstwirtschaft den Tieren dort eine dauerhafte Lebendfalle auf Zeit gestellt hat aus der sie nie lebend herauskommen, wie die Jäger denken mögen, und wie wir das alles irgendwie romantisch finden … Ich denke daran wie die Zebus in Afrika Rinder sind. Wie die Rinder hier westliche Züge tragen. Warum es unterhalb des „Unten“ weitaus mehr gibt als oben. Warum sollte sich das, was sich in mir abspielt, nicht in mir abspielen?

Ok es regnet. Ich muss raus … Hinter mir die Autos, die einem stetig im Nacken sitzen. Ich setze vorne ran, so fährt man weil man fahren muss. Fliehend vor irgendeinem weiteren im Nacken, der wohl das gleiche fühlt; der mich für einen Augenblick dieses gleichen einen Lebens sieht, mit dem ich zusammenprallen würde, wenn wir nicht beide noch einen Plan hätten der dies vermeidet.

Wenn ich hier lang fahre und die Bäume dunkel an mir vorbeirauschen, fühl ich mich schuldig sie an mir vorbeiziehen zu lassen. Dieses Gefühl, weiß ich, habe ich auch wenn ich stoppe und absteige. Was ist das, das ich an mir vorbeirauschen lasse? Ich parke und ein Spaziergänger ist da, im Regen. Warum gibt es Einsamkeit? Wir sprechen nicht, weil es zu früh ist um zu sprechen. Nur ein Nicken, ein langer Blick. Ich gehe in den Wald hinein. Ich denke oft, dass ich dort einmal auf eine Leiche stoßen könnte … ein Mörder wirft sein Opfer dorthin, zerstückelt es. Vielleicht will ein Mörder, dass der Wald das drohende Mahnmal seiner inneren Beschlüsse sein muss. Die abgesägten Stämme, die Bäume. Das ewige ihres Lebens wurde gebrochen, es wird verarbeitet zum Inventar selbst gelebter, selbst erlebter Armutszeugnisse. Ich geh an so einem Tag nicht tiefer hinein in den Wald. Es ist mir – auch als Mann – zu riskant. Ich sitz im Nassen auf einem Stamm, überlege.

Störende Einblendung

Sei doch nicht so sentimental sagt sie, wenn ich andeute was ich denke. Aber warum ist ihre Welt heil? Ich merk immer mehr, dass ich nicht drum herum komme meinen engen, vermeintlich realistischen Horizont mit mehr denkerischer Diverstität zu erweitern. Wenn ich denen eine Kritik sagen will, muss ich mir vorstellen können wo ich einhaken kann, wo man den Knackpunkt von der anderen Seite her angehen kann. Fallen die Knackpunkte immer erst in den Fundamenten unserer Ethik auf? Ich kauf mir zwar immer mehr Bücher, aber es ödet mich ehrlich an sie zu lesen, aber ich wühl sie trotzdem durch. Ich finde in keinem Buch eine Wahrheit, so wie die, die draußen vor meiner Tür und auch drinnen in den Häusern herrscht, alles klafft offen, alles stimmt bedingt und unbedingt, aber die Realität ist komplexer und gleichbleibend anders.

Ich kann mir mein trauriges Denken beibehalten, und das Denken ist alleine. Ich muss Biologe sein um zu wissen was ein „abstraktes Du bzw. ein allgemeines Sie“ ist oder beziehungsweise auch was keines ist. Ich nehm mir all die großen Philosophen vor, bleib aber meist doch bei den Tierrechtlern hängen. Alle sagen ich muss mögliche „Du’s oder Sie’s“ biologisch sehen …

In der Szene hier wollt ich keinen Fuß fassen, das mit der Szene ist meiner Meinung nach so: Vor sich ein großes Schild voll gerechtem Kampfesgeist tragen, auf dem Schild steht ganz groß „Tiere“, wenn der Hieb fällt, fällt er auf das Schild … Der Angreifer hält das Schwert: „Mensch“. Nichts trifft, wenn es nicht die Tiere trifft. Und die großen Organisationen? Da war zum Beispiel diese eine Kampagne, ein Truthuhn als Terrorist in einem Supermarkt droht mit einem Terroranschlag der Truthähne per verseuchtem „Fleisch“. Das Schild auf das man sich mit Hieben stürzen wird, sind alle Truthähne und Truthennen und Trutküken und alle ihrer Gattung, die vor ihnen gelebt haben und die nach ihnen leben werden. Auf dem Schild steht: Truthahn.

Montag kurz nach 6.00 Uhr. Letztes Jahr dachte ich noch, ich sollte nur noch an meinen Beruf denken, aber das kann ich nicht mehr. Bevor ich mein Studium begann, das für mich beinahe sinnlos war, hab ich versucht meine eigenen Gedanken zu ignorieren. Meine Gedanken, die mich immer, immer traurig machen.

Aber warum? Kann man immer weiter vor der Realität fliehen? Ich versuch nicht mehr so ein Held, wie man sie an allen Ecken und Ende sieht zu sein – auch wenn ich dadurch vielleicht immer „alleiner“ und einsamer werde. Warum wollte ich überhaupt ein Held sein? Morgen werd ich den ganzen Tag arbeiten, wie immer, aber manchmal bin ich einfach auch krank.

Mittag … der Betrieb stopft sich voll mit dem üblichen, eigentlich müsste mir jetzt schlecht werden, aber ich schalte das bewusst ab. Ein paar Brote, Apfel, Salat, Wasser. Es ist kein Thema mehr was ich esse (und es ist gesund).

Am gestrigen Abend, noch nicht spät, war ich im Bioladen. Ich mag den Laden nicht sonderlich, aber besser als nichts, obwohl die Bioladenphilosophie einen ethischen Abgrund in sich trägt, meiner Meinung nach.

Nach außen hin bin ich mit vielem einig. Innen? Wie ist es wenn man sich das Brennen eines Scheiterhaufens vorstellen kann und vor der Vorstellung weglaufen muss. Wenn es keine Wahrheit gäbe, ich bin der Überzeugung dann gäb es auch keine Schmerzen. Ich will nur dass sich was verändert. Ich gehe weiter voran.

Was ist effektiver Aktivismus?

Was ist effektiver Aktivismus?

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Wir meinen vielmals Aktivismus müsse irgendein typisches Gesicht haben, um richtiger Aktivismus zu sein. Man geht auf Demos, geht auf Seminare, postet auf den sozialen Netzwerken, versorgt sich mit Literatur, spricht über seinen Veganismus, über die Trendthemen in Tierrechten und veganer Lebensweise, usw. usf. Aber was ist mit den täglichen Begegnungen mit Alltagsspeziesismus beispielsweise? Ist das auch Aktivismus wenn ich jemanden vermittle, dass ich seine speziesistischen Gesinnungen und Handlungen nicht in Ordnung finde, wenn ich mein Personsein ganz unmittelbar und ohne weitere Vorzeichen einsetze, um das Gefüge wenn auch auf homöopathischer Ebene mit einzureißen?

Was ist wenn ich mich sogar noch nicht einmal als Aktivist_in bezeichnen würde, weil ich die typischen Merkmale and Aktivitäten nicht erfülle, aber trotzdem handle, mir trotzdem nachhaltig Gedanken mache, Themen anspreche wenn ich Speziesismus begegne?

Und genau das ist meiner Meinung nach eben auch Aktivismus: das Gefüge immer wieder einzureißen, da wo die Dinge so selbstverständlich erscheinen im Sinne unserer gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten, da wo die Alltäglichkeit herrscht, aus der sich die ganze Misere erst ableitet.

Folgende Situation ist meinem Kollegen neulich passiert. Er hatte zugesagt einem Freund beim Bau seiner Gartenhütte zu helfen. Dabei sollte ein weiterer Freund helfen, dieser weitere Freund nun kündigte an, er wollte ein nichtmenschliches Tier demnächst „zum Verzehr“ morden. Der Freund mit der Gartenhütte setzt sich selbst für Hunde aus Rumänien ein und ist stolz auf seine zwei behinderten Hunde, die er wichtig nimmt, die er, so würde er bestimmt selbst sagen, liebevoll umsorgt. Mein Freund nun stellte den Gartenhüttenfreund zur Rede, und fragte ihn warum er den Menschen, der demnächst einen Nichtmenschen morden will, noch zu seinem Freundeskreis zähle, warum er sich für Hunde einsetze und nicht für andere Tiere, die es in der Regel noch viel härter trifft? Der Freund mit der Hütte windete sich raus. Mein Freund sagte jede weitere Hilfe ab. Ich finde das klasse, wie er sich verhalten hat. Konsequenzen zu ziehen. Eine Situation, die ich beispielsweise neulich erlebte: Eine junge Frau zeigte, dass sie für Nitsch und Grandin Bewunderung empfinde, obgleich sie nichtmenschliche Tiere ja auch an und für sich so faszinierend findet. Ich teilte ihr meine Position mit. Ich muss mich von solchen Menschen fernhalten. Ich kann mit Speziesisten so wenig befreundet sein wie andere Leute nicht mit Neonazis befreundet sein können.

Ich selbst blogge für Tierrechte. Mir wurde immer wieder gesagt das sei sinnlos. Dennoch habe ich viele, meiner Meinung nach wichtige, eigene Standpunkte aus dem Bloggen entwickeln können und ich konnte Netzwerke mit Ähnlichgesinnten aufbauen. Was ich damit sagen will ist, dass es oft nicht leicht ist gegen unterdrückerische Systeme und Strukturen selbst in ihren alltäglichen Gewändern anzugehen, in luftleeren Räumen, in denen noch kaum interagiert wurde auf vergleichbarer Ebene. Wenn ich sage ich sehe nichtmenschliche Tiere keinesfalls als Instinktwesen, zumindest nicht mehr als Menschen, dann ist dies so ein luftleerer Raum, denn niemand argumentiert bislang antibiologistisch in Sachen Antispe.

Unser ganzes gesellschaftliches Gefüge ist noch so voller Speziesismen (die auch noch bis in Denknormalitäten unserer eigenen Bewegung, der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reichen) dass egal wo ich hinkomme, ich anscheinend immer wunde Punkte treffe, an denen sich offenbart, dass fest-tradierte menschliche Privilegien und die menschliche Hybris geschützt werden sollen. Ich kann dem versuchen mit einem Mut entgegenzustehen, den ich mir selbst erarbeite, und da gibt es endlos viele Wege; die Tierbefreiung im Denken ist überall noch erst im langsamen Wachstum. An den meisten Orten herrscht krassester Kollektiv- und Individualspeziesizismus, an andere Stellen findest Du milde Speziesismen vor.

Es existiert einfach kein Schema, kein einzelnes Patent mit dem man sagen könne nur so bewege man etwas. Es gibt so viele Wege wie Individuen, Situationen und Begebenheiten existieren. Meiner Meinung nach ist das durch Eigenständigkeit geleitete Denken und Handeln der effektivste Weg um über ausreichend Flexibilität zu verfügen um den jeweiligen Situationen gerecht zu werden.

Einige Beispiele für meiner Meinung nach sinnvollen autonomen Aktivismus:

  • ein eigenes Tierrechts-FAQ anlegen
  • kreatives Arbeiten
  • ein eigenes Mikroschutzrefugium schaffen, siehe dazu den (letzten) Abschnitt ‘Hortikultur als Lebens- und Naturraum’ in ‘Für den Lebensschutz ökopolitisch agieren
  • auf Mitläuferschaft verzichten, eine gesunde Unabhängigkeit zur Möglichkeit der Flexibilität wahren und bewusst nach alternativen Räumen auf Entdeckungsuche gehen
  • eigene Kulturräume und -ebenen finden
  • Tierrechte mitdefinieren, Mitspache einfordern, eignene Überlegungen und Erkenntnisse wichtig nehmen, dem nachgehen, verifizieren, falsifizieren …
  • Freundschaften die Nichtmenscheninkludierend sind aufbauen, wahren, d.h. auch Freundschaften mit Nichtmenschen, die sich anders gestalten mögen, als die mit Menschen. Die Bedeutung von: Nichtmenscheninkludierend (Englisch).
  • sich für die Lebensräume nichtmenschlicher Tieren einsetzen, mit in die Agenda des eigenen Aktivismus aufnehmen (Sitchwort: Standpunktentwicklung)
  • den eigenen Aktivismus wichtig und ernst nehmen, auch wenn man oft in vielerlei Hinsicht allein auf weiter Flur dazustehen scheint (zumindest als Minderheit in der Minderheit)
  • Gesellschaftskritisches Denken regelmäßig selbst updaten
  • DU als eigenständig denkendes Individuum. Bist. Wichtig!

Warum eigenständiges Mitmachen auch wichtig ist und Sinn macht: Eine Anerkennung von Verschiedenheit als Prinzip im Mitgestalten

Und noch im Allgemeinen zum Thema ‘veganer Aktivismus’: Veganer Aktivismus, was ist zuviel des Guten?

Noch ein empfehlenswerter Text in dem Zusammenhang: Anastasia Yarbrough, Radikale Selbstfürsorge in Erwägung ziehen: Tierrechte – denn das Leben zählt

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Unsere speziesistischen Systeme und Denkstrukturen funktionieren gleich einer Niemandsherrschaft, in der alle schuld sind, weil keiner schuld ist: Religionen, Philosophie, Naturwissenschaften … nichts produziert ursächlich Speziesismus, er scheint einfach aus dem Himmel gefallen zu sein. Es gibt einfach „böse unaufgeklärte Menschen“, bei denen die Empathie noch nicht ausreicht, und andere, die also kognitiv und emotional erleuchtet sind und die nichtmenschliche Tiere daher nun „anerkennen“. Und weiter mit der Ironie: Der willkürlich-emotionale und empathisch begründete Bezug wird sich gewiss auch in den Fundamenten von Religion, Philosophien, Naturwissenschaften niederschlagen! Wahrscheinlich sind die Nichtmenschen selbst aus dem Himmel gefallen und deren Geschichte hängt auf ganz loser Ebene mit derer der Menschheit zusammen … Die Schuldlosigkeit und somit weitreichende Verantwortungslosigkeit scheint einmalig in den Ungerechtigkeitssystemen und ist in dem Maße allein dem systemischen Speziesismus eigen.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

Ein Fragment vom März 2014 über Tierautonomie:

Wenn Nichtmenschen nicht autonom wären, und nur der Mensch es wäre, wann in der Evolution und womit hätte diese menschliche Autonomie dann angesetzt, und warum sollte tierliches Handeln und Denken nicht als vom Menschen und seiner Objektivitätswahrnehmung autonom anerkannt werden?

„Seinen eigenen Gesetzen folgend / early 17th cent.: from Greek autonomia, from autonomos ‘having its own laws,’ fromautos ‘self’ + nomos ‘law.’“ – Zoe Autonomos

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

(Fragment)

Wir sprechen eher den Tieren ihre tierliche evolutionäre Autonomie ab, statt dass wir an totalitäre Strukturen in der Menschheit im Bezug auf Nichtmenschen und die natürliche Umwelt glauben. Unser Blick auf Nichtmenschen und die „Natur“ ist in einer Art verstellt, dass unsere Abwertungen vor uns selber akzeptabel erscheinen.

Der Missstand der Ungerechtigkeit ist, dass wir versuchen die tierliche Autonomie zu zerstören (physische Eingriffe und Maßnahmen) und mittels Speziesismus (geistig ideologisch) zu unterminieren.

„Besitz“ ist die Folge der Absprache tierlicher Autonomie.

„Tierverteidiger“ die für die physische Unversehrtheit von Nichtmenschen plädieren, den Nichtmenschen aber weiterhin ihre eigene tierliche Autonimie (vom Menschen und an und für sich) absprechen, betreiben eine unbewusste radikale Form des Anthropozentrismus und des Speziesismus.

Wir verbinden den Würdebegriff mit der Fähigkeit eines eigenen, unabhängigen Daseins (Autonomie).

Durch speziesistische Kunstgriffe bereiten wir den geistigen Boden in einer Gesellschaft vor, um den Besitzstatus eines Lebewesens zu legitimieren und als vertretbar erscheinen zu lassen.

Was ist unserem allgemeinen Verständnis nach Autonomie, siehe z.B. Wikipedia (für den vielleicht breitesten Allgemeinplatz) http://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie?

Wenn Nichtmenschen etwas haben – „the wild and tamed beast“ – dann ist es Autonomie. Sie leben „von Natur aus“ in der Natur autonom – wenn wir sie nicht ihrer Freiheit berauben. Wir behaupten, Nichtmenschen seien Instinktbestimmt, und genau da setzt die Besitznahme durch arbitäre Abwertungsmechanismen ein: Wir machen uns Tiere nutzbar und „Untertan“, indem wir sie ihrer Existenzautonomie mit der Behauptung des Instinktverhaltens (kausaltiätsbestimmtes Verhalten) zu berauben versuchen.

Die Abhängigkeit von Lebensnotwendigkeiten als Instinktgeleitetheit zu interpretieren, ist eine Form der Minderbewertung der Angreifbarheit, der Verletzlichkeit und Bedingtkeit des Lebens – jedes Lebens. Jedes Lebewesen ist abhängig und bedingt, aber gleichzeitig auch autonom. Autonomie ist der zarte Keim der Verletzlichkeit tierlicher und menschliche Würde … .

Da ein Tier autonom handelt und denkt, ist es autotom. Der Vesuch der Eingrenzung tierlichen Denkens in anthopozentrisch definierte Parameter, ist eine Besitznahme durch die definitorische Interpretation tierlichen Denkens und Handelns.

Tierautonomie – tierliche Autonomie; ein paar eklektisch ausgewählte interessante Aspekte

Animal Autonomy:

In Veterenary Care:

Here I would simply suggest that “animal autonomy” is worthy of careful attention from philosophers and scientists and veterinarians. Animals are self-governing and make meaningful choices, in ways very similar to humans. As with our fellow humans, we should strive to understand and respect the preferences of other creatures. Research in ethology is continuing to explore how to understand animal preferences and how these preferences are expressed in observable behaviors. It is worth noting, too, that although the language of “autonomy” has not yet been strongly present in the veterinary literature, the concept has been important in the animal ethics literature more broadly. Tom Regan, for example, talked in his ground-breaking The Case for Animal Rights(1983) about animals as autonomous beings, with their own interests and desires. Regan even includes a very interesting discussion of what he calls “preference autonomy” and explores some of the ways in which autonomy in animals is different from autonomy in humans.

Animals and Autonomy. Can this vitally important ethical concept be meaningfully applied to animals? Jessica Pierce, Ph.D. in All Dogs Go to Heaven

http://www.psychologytoday.com/blog/all-dogs-go-heaven/201303/animals-and-autonomy

 

Animal Sanctitiy and Animal Sacrifice: How Post-Dawinian Fiction Treats Animal Victosm by Marian Scholtmeyer, Dissertation, 1989, pp. 57.

Animal Ethics:

Kantian ethics is normally not the place to look for an account of  direct moral obligations towards animals, as Kant claimed that we only owe animals indirect moral duties, out of respect towards the rest of  humanity. In chapter four, I consider modern reinterpretations of Kant’s arguments to provide support for the claim that animals should be  considered ends-in-themselves. I argue that despite the strength of these accounts, the concept of agency and selfhood that I support provides a better foundation for claiming animals as ends-in-themselves, and that respect for animal autonomy can be grounded on a Kantian argument for the respect of autonomy more broadly. I claim that in virtue of their agency and selfhood, animals should be considered ends-in-themselves, thereby including them in the moral community. My view is novel in that it includes agency, selfhood and autonomy as those features which make anyone, human or nonhuman, morally considerable.

Agency and Autonomy: A New Direction for Animal Ethics by Natalie Evans. Dissertation.

https://uwspace.uwaterloo.ca/bitstream/handle/10012/8158/evans_natalie.pdf?sequence=1

Animal Rights / Animal Liberation

How can I save an Animal today or stop these atrocities now? Even for just a few critters. Because that’s the context we so often miss. It’s about Animal autonomy, not about how the government turns on the people that care about the Animals. But while I’m on the subject, it’s nothing new!

Walter Bond, Green is the New Rage, http://supportwalter.org/SW/index.php/2011/06/24/green-is-the-new-rage/

Animal Caregiving

Kerulos Center Caring for the Caregiver  Project. The project’s overarching goal is to foster awareness and support for animal care organizations and caregiver wellbeing to help achieve the vision of a compassionate, ethical, trans-species society founded on mutual wellbeing.

http://kerulos.org/wp-content/uploads/2013/12/Kerulos-Caring-for-Caregiver-Report-Final.pdf

Alle Links: 25. März 2014.

Neu-Mithraismus bei Mithraeum.de

Einleitend dazu der folgende Text: Neu-Mithraismus bei Mithraeum.de

Der neue Gott Mithras tötet nicht, er verweigert den Gehorsam. Hinter den Ritualen im Mithraismus, die der Neophyt durchlaufen muss, mag der Konflikt des Tötens und des Getötetwerdens als urmenschlicher (häufig unausweichlicher) Seinskonflikt gestanden haben. Die Mythologeme und vermuteten Riten geben Anlass dazu, davon auszugehen, dass es bei der Darstellung der Tauroktonie genau um diesen Konflikt ging.

Das Interessante ist die Bedeutsamkeit des Urstieres als Mythologem. Einiges ist uns über die seltsame Bildsprache des Stierschwanzes als Ähre noch in der ursprünglichen Bildhaftigkeit der iranischen Mythologie bekannt und dies dient als ein Zugang zum Mysterium.

Zur weiteren Information über diesen säkular-spirituellen Werkraum an dem wir arbeiten, siehe: Ethische Fragen, Bildnisse und Bildschaffung.

Was für uns keine Nonhuman-inclusion ist, z.B. …

“Nous ne sommes pas d’accord avec vous, les majorités … “

Antispeziesist zu sein ist häufig ein reines Lippenbekenntnis; das gleiche gilt für Antirassismus, Antisexismus … Diskussionen können so weiter von denjenigen dominiert werden, die bereits über die breitesten und sichtbarsten medialen Netzwerke verfügen. Das Problem selbst hat man doch offenkundig verinnerlicht und man ist bereits vollständig informiert. Und trotzdem ist die antispeziesistische Rhetorik voll von eklatanten Speziesismen.

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

Warum müssen gerettete Nichtmenschen in Lebenshöfen eigentlich begafft und bestreichelt werden bis zum Abwinken. Warum meinen Viele es gäbe keine anderen Möglichkeiten den Nichtmenschen eine vernünftige Wertschätzung zu vermitteln? Woher stammt die Annahme, dass Nichtmenschen unbedingt von Homo sapiens gestreichelt und nicht viel lieber mit nichtmenschlichen Freunden Frieden erleben möchten?

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

 

 

Teufel besucht das Paradies

Wie könnte das „Paradies“ ein Paradies sein, wenn Menschen, die meinen sie hätten einen logischen Herrschafts- und Dominanzanspruch, die anderen Lebensformen, Daseinsformen und Lebewesen ihrer Beherrschungslogik, ihren eigenen Vorstellungen einer Ordnungssystematik manipulativ bis gewaltartig unterdrückerisch begegnen in Denken und Handeln; wenn die Ignoranz gegenüber anderem nichtmenschlichem und menschlichem Lebenssinn das Paradies besiedelt, dann? Diese Überlegungen werden dem vermeintlich „bösen“ Teufel in dieser Geschichte, die uns Farangis von Attar nacherzählt, nicht allzu abwägig erscheinen …

Teufel besucht das Paradies

Farangis G. Yegane: Eine freie Nacherzählung einer Geschichte Fariduddin Attars (ca. 1136 – 1221)

Diese Erzählung als PDF

Gott hatte das Paradies erschaffen, diesen Platz für die Menschen, wo sie sich stets am glücklichsten fühlen könnten. Der von Gott verstoßene Engel, der zum Teufel Iblis wurde, war von großer Neugier geplagt, warum ihm von Gott strengstens verboten wurde den Garten Eden, das Paradies, zu keiner Zeit zu betreten. Der Eingang wurde eifrig bewacht von einer klugen Schlange und einem Pfau von großer Schönheit.

Mit seinem Scharfsinn versuchte Iblis die beiden Paradieswächter zu überlisten, um endlich diesen geheimnisvollen Ort zu erkunden. Wie ein liebenswürdiger hübscher Engel verkleidet begrüßte er täglich die beiden Wächter, bewunderte die Schönheit des Pfaues und die Klugheit der Schlange, was die beiden Tiere sehr erfreute. Da ihr Wächterdienst oft sehr langweilig war, gefielen ihnen die lustigen Gespräche mit Iblis. Dieser konnte seine Neugier kaum bändigen, endlich einmal ins Innere des Paradieses zu gelangen, das noch nicht einmal von einem Engel besucht werden durfte. Die Schlange und der Pfau waren sehr treue Diener Gottes und hatten kein Mitleid mit dem Neugierigen.

Wieder einmal versuchte Iblis die Wächter zu erweichen. Trickreich verwickelte er nun den einen Wächter in ein Gespräch und begann mit der Schlange. Iblis und die Schlange erzählten sich gegenseitig Geschichten über die Schlauheiten und Tricksereien und jeder hielt sich für das klügste Lebewesen. Der schöne Pfau fand solche Unterhaltungen ziemlich albern, weil das Reden über Schönheit für ihn das wichtigste war. Vom vielen Sprechen fühlte er sich ermüdet und setzte sich in eine Ecke des Paradieseinganges, um etwas zu schlafen. Er fühlte sich sicher, dass die Schlange alles unter Kontrolle hatte.

Mit Raffinesse schmeichelte Iblis der Schlange, indem er ihr zutraute schlauer als Gott zu sein. Nun eröffnete er seinen Plan: Iblis könne sich ganz klein machen und die Schlange könnte sich ihr Maul ganz groß machen. Dann wird sich Iblis in ihrem Maul verstecken und – schwups – wären dann beide im Paradies. Wer will nicht schlauer sein als Gott? Also tat die Schlange was Iblis vorschlug.

Jetzt war der Teufel endlich im Paradies angekommen und stand neben Adam um Eva. Es überraschte ihn sehr, dass das Pärchen so gelangweilt auf Gottes herrliche Schöpfung schaute. Alles war reichlich vorhanden, alles so friedlich, alles so ungestört im eigenen Lebensrhytmus, alles war in sich selbst glücklich. Schließlich begannen sie zu jammern über das Leben im Paradies. Vieles wäre hier nicht vorhanden was den Menschen gefällt und von Nutzen ist. Iblis ärgerte sich über die Undankbarkeit und Unzufriedenheit von Adam und Eva und fragte, wie sie sich ein Paradies vorstellen. Beide wollten unbedingt etwas anderes und dazu müsse vorher alles verändert werden. Es sollten die Tiere hier nicht alle frei herumwimmeln, sondern in einer kleinen Ecke des Gartens wohnen und auch leichter einzufangen sein. Einige davon sollten ihre braven Diener werden. Manche wären schon recht nützlich geworden, wie z.B. Esel, Kühe, Hühner, Hunde. Gott hatte doch den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnet, und deshalb dürften sie sich die Schöpfung mit allem Reichtum zum Untertan machen.

Mit wieviel Liebe und Hoffnung hatte Gott das erste Menschenpaar erschaffen. Alle seine Engel versammelte er, damit die dieses Werk seiner Schöpfung anschauen, sich vor den zwei Menschen beugen und sie stets hoch verehren sollten.

Damals hatte Iblis als einziger Engel diese Menschenverehrung verweigert und damit Gott gewaltig erzürnt und wurde aus dem Himmel verstoßen. Ab dieser Zeit endete sein Engeldasein und begann sein Weiterleben als Teufel Iblis. Hier im Paradies erkannte er, dass er damals der klügste aller Engel war und seine Klugheit jetzt in seinem Teufeldasein steckte.

Der Garten Eden und seine zwei menschlichen Bewohner sind für Iblis jetzt kein Geheimnis mehr, das ihn stets so neugierig gemacht hatte. Die Schlange war treu an seiner Seite geblieben. Sie öffnete jetzt wieder ganz weit ihr Maul, der Teufel machte sich ganz klein und – schwups – schon hatten beide das Paradies verlassen. Adam und Eva waren so beschäftigt mit ihren Ideen das Paradies zu verändern, dass sie nicht einmal sich Gedanken um diesen merkwürdigen Besucher machten, wo der herkam und wo der hinging. Nicht im geringsten vermuteten sie, dass sie gerade vom Teufel besucht wurden. Der schöne Pfau hatte nichts von dem Unternehmen des Teufels und der Schlange gesehen und gehört. Nach seinem Erwachen beschäftigte er sich wahrscheinlich gleich wieder mit seiner Schönheit.

Edition Farangis 2011

Links:

Teufelsgeschichten aus Denk2Mail

Fruit Without Seeds, related poem by M. Jamali

“Fleisch” als exototalitärer Begriff

Das Konzept „ Fleisch“, das heißt: „die Einverleibung von Teilen des Körpers eines gewaltsam getöteten nichtmenschlichen Tieres“ ist eine Art „exototalitärer“ Begriff, Teil einer Herrschaftsstruktur, die kulturgeschichtlich von „dem Menschen“ unterdrückerisch gegen die Tierheit verwendet wird. Der Lebenssinn nichtmenschlicher Tiere wird darauf reduziert, das deren Tod jederzeit gewaltsam herbeigeführt werden kann, um leiblich, mit ihrer körperlichen Existenz und ihrem Dasein überhaupt, dem Menschen zu dienen und Mittel zum Zweck menschlicher Interessen zu sein. Die Tierheit (so wie der Gesamtraum der ‚Natur“) ist in der Vorstellung und Praxis menschlich-kollektiver Mehrheiten, gewaltsam zu beherrschen und in einer festgelegten Verhältnismäßigkeit zu halten. Die sprachlich ausgedrückte Haltung der Menschen ist dabei Code und funktionaler Bestandteil, der eine kaum hinterfragte Bereitschaft zur Teilnahme an dem geteilten Weltbild signalisiert.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Anti-System – Wot No Meat.

Nichtmenschen als Protagonisten erkennen

Manchmal muss ‘Neues’ entstehen, in der Form, dass alte Ambiguitäten ihre Klärung finden können: So müssen wir heute klären, warum “Tier” aus menschlich-moralischem Erwägen über ‘Wert, Sinn, Freiheit, Würde … ‘ die Stellung eines Antagonismus (zum ‘menschlichen Ideal’) von herrschenden Mehrheiten humaner Kulturgebilde zugeordnet bekam.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy