A. Breeze Harper: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

Eine einführende Präsentation von Dr. phil. A. Breeze Harper über ihre Studien für ihr neues Buchprojekt: ‚Living Bling, Going Green: Alternative Black Masculinities, Hip Hop Eco-Consciousness, and Decolonial Vegan Nutrition’ [‚Ein reiches und grünes Leben: Alternative schwarze Männlichkeitsbilder, das Ökobewusstsein in der Hip-Hop-Bewegung und die dekoloniale vegane Ernährung’]. Der Vortrag fand am 3. April 2014 am Dickinson College in Pennsylvania, USA, statt.

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Transkription und Übersetzung: Palang L. Arani-May (NiceSwine.Info), mit der freundlichen Genehmigung von Dr. A. Breeze Harper.

Das Video der Präsentation kann hier eingesehen werden: http://clarke.dickinson.edu/a-breeze-harper/; weitere Informationen auf der Webseite des Dickinson College: http://www.dickinson.edu/news/article/991/vegan_food_politics.

Das Sistah Vegan Project: http://sistahvegan.com/.

Guten Abend. Mein Name ist Gianna Toglia und ich bin eine studentische Projektleiterin am Clarke Forum for Contemporary Issues des Dickinson College. In Namen der Clarke Forums, des studentischen Senats, sowie des Department of American Studies, des Women’s and Gender Resource Center, des Center for Sustainability, Education, des Office for Diversity Initiatives und der Departments of Women’s and Gender Studies und Africana Studies möchte ich sie alle zur heutigen Veranstaltung: ‚Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive’ willkommen heißen.

Die Landschaft des veganen Mainstreams in den USA wird durch ein rassifiziert weißes Bewusstsein dominiert. Werbemittel für die vegetarische und vegane Ernährungsweise, sowie auch PETAs Druckmedien die ihre Kampagnen begleiten, zeigen zumeist weiße schlanke Frauen. Wie entdecken und navigieren schwarze Frauen die vegetarische und die vegane Lebensweise innerhalb dieser rassifizierten Landschaft, die den Veganismus mit Weißsein gleichsetzt, und Weißsein wiederum mit einem perfekten, schlanken Körper? Und, in vergleichbarer Weise stellt sich die Frage, wie innerhalb der Hip-Hop-Bewegung Amerikas, in der Fleischverzehr mit echter Männlichkeit gleichgesetzt wird, schwarze vegane Männer der Hip-Hop-Generation eine ethische und gesundheitsbewusste Ernährungsweise für sich annhemen, und wie sie damit einhergehend ihr Verständnis darüber verändern, was ‚echtes Mannsein’ bedeutet.

Zur Beantwortung dieser und anderer Fragen über den Veganismus in Amerika, im Kontext mit Rasse und Geschlecht, haben wir die besondere Ehre Dr. A. Breeze Harper heute Abend bei uns begrüßen zu dürfen. Dr. Harper ist die Leiterin und Gründerin des Sistah Vegan Projekts, einem Programm, das sich mit dem Leben und dem Veganismus aus der Perspektive schwarzer veganer Mädchen und Frauen befasst. Ihr Buch ‚Sistah Vegan: Black Female Vegans Speak on Food, Identity, Health, and Society’ [erschienen bei Lantern Books, 2010; ‚Sistah Vegan: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’] ist das erste seiner Art, das sich mit veganen Erfahrungen vor dem Hintergrund von Gender und Rasse innerhalb der USA auseinandersetzt. Dr. Harper arbeitet derzeit als wissenschaftliche Mitarbeiterim am Human Ecology Department der University of Calofornia, Davis, und recherchiert derzeit für ihr Buchprojekt: ‘Going Green, Living Bling: Black Vegan Men, Hip Hop Eco-Consciousness and Decolonial Nutrition’, in dem es um die Redefinierung schwarzer Männlichkeitsbilder geht, in der sich ein Gesundheitsverständnis und ein Verständnis des Veganismus am Hip-Hop orientiert. Dr. Harpers neu erscheinender Roman ‘Scars: A Black Lesbian Experience in Rural White New England’ [‚Scars: eine schwarze lesbische Erfahrung im ländlichen weißen Neu England’] reflektiert über Weißsein, Rassismus und den Bruch mit den vergangenen normativen Grenzen der Heterosexualität. Das Buch wird Ende dieses Jahres erscheinen. […] Zum Abschluss der Präsentation haben sie die Möglichkeit Fragen zu stellen. Heißen sie nun mit mir ganz herzlich Dr. A. Breeze willkommen!

Hi! Ich bin Breeze Harper, und normalerweise beginne ich meine Vorträge mit einem Lied. Ich habe gerade eine 12-stündige Flugreise von Kalifornien mit meinem Baby hinter mir und meine Stimme klingt daher nicht wirklich perfekt und auch etwas verhustet. Aber ich will es trotzdem probieren – nur falls sie sich wundern, warum ich die Töne vielleicht etwas verfehle.

Musik stellt für mich, worauf ich später in meiner Diskussion über den Hip-Hop zurückkommen werde, eine besondere Weise dar, um Botschaften sozialer Gerechtigkeit zu vermitteln. Immerhin bin ich mit solch einer Geschichte großgeworden. Die Botschaften der Spirituals im Kampf Schwarzer um Gerechtigkeit, in ihnen wird das greifbar: die Stärke und der Handlungswille, der sich über die Musik vermitteln kann.

Ich möchte ihnen dieses Lied also als ein kleines Geschenk mitgeben – etwas was ich normalerweise nicht erlebe, wenn ich eine akademische Veranstaltung besuche, alternative Wege bei denen Information und Wissen in künstlerischer Form vermittelt werden. Also mit einigen Hustern und einem Schluck Wasser trage ich ihnen dieses kleine Lied vor, in dem es um die Art sozialer Gerechtigkeit geht, an die ich glaube. (3:45) […]

[…] (5:15) Ich danke den Personen, die mir dies heute Abend ermöglicht haben – mit ganz viel Tee und einem Ricola-Bonbon. Vor einer Stunde habe ich noch alle paar Minuten gehustet, also dankeschön!

Ich bin also heute hier um über vegane Nahrungsmittelpolitik zu sprechen. Ursprünglich trug meine Präsentation einen anderen Titel, aber keine Sorge, der Inhalt ist immernoch der gleiche, nur habe ich nach dem Schreiben entschieden, dass ich doch lieber einen anderen Titel wählen sollte. Ich werde also meine Powerpoint-Präsentation starten und dabei versuchen die Notizen auf meinem Tablet zu lesen.

Der Titel lautet nun: ‚Vegane Politik: Intersektionen des schwarzen Feminismus, der kritischen Rassenstudien, des Hip-Hop und des ethischen Konsums und Verzehrs, und eine Betrachtung der Förderung und Schaffung gesunder veganer Körper.’ Das ist ein langer Titel, aber ich möchte gerne genau hervorheben worüber ich hier sprechen will.

Mit folgendem Zitat möchte ich beginnen, und dies ist eines der Zitate, die mein Interesse geweckt haben an der näheren Betrachtung von Nahrungsmitteln und Nahrungsmittelobjekten als Ansatzpunkte zum Verständnis der Funktionsweise rassischer Machtdynamiken in den USA.

„Rassische Ideologien prägen die Weltanschauung einzelner Menschen stark. Die genauere Auseinandersetzung mit Nahrungsmitteln ist sehr nützlich zur Analyse dieser Ideologien, und darüber, wie Rassische- und Gender-Rolitik selbst die harmlosesten Situationen, wie ein gemeinsames Sonntagsessen, durchdringen.“

Dieses Zitat stammt aus Dr. William Forson’s Buch ‘Building Houses out of Chicken Legs: Black Women, Food, and Power’ [‚Ein Haus aus Hühnerbeinen zu bauen: Schwarze Frauen, Nahrungsmittel und Macht’]. Es ist ein beeindruckendes Buch, das 2006 herauskam. Es half mir dabei zu verstehen, wie ich kritische Rassenstudien in materialistischer Weise einsetzen kann, und genau darüber werde ich sprechen, aber zuerst gebe ich ihnen eine Definition dessen, was Veganismus bedeutet – für diejenigen unter ihnen, die mit dem Begriff nicht vertraut sind.

Veganismus ist eine Praxis des Verzehrs und Konsums die beinhaltet, dass Tiere nicht verletzt, getötet, misshandelt, gegessen, usw. werden dürfen. Ernährungsveganismus bedeutet, dass Tiere oder Tierprodukte nicht verzehrt werden, und schließt Eier, Honig und tierliche Milch mit ein.

Ethischer Veganismus: kein Verzehr von Tieren, tierischen Nebenprodukten, zusätzlich sind Menschen die ethisch vegan sind beispielsweise auch gegen den Kauf von Bekleidungsstücken aus tierlichen Materialien, Ledersitze in Autos, Tierversuche, Zoobesuche, usw.

Das ist eine sehr grundlegende Definition der beiden Formen des Veganismus, denen ich in dieser Kultur begegnet bin. Es gibt auch spirituell und religiöse motivierte Veganer_innen, aber darauf möchte ich mich hier jetzt nicht weiter beziehen.

Um auf Dr. William Forsons interessantes Zitat zurückzukommen, wie Nahrungsmittel rassiche Machtdynamiken verkörpern können: Ich selbst bin ‚critical race materialist’ [Materialistin im Bereich kritischer Rassenstudien], was bedeutet, dass ich das Material: ‚Nahrungsmittelobjekt’ als meinen Indikator verwende, um besser zu verstehen, wie rassische Machtdynamiken sich in Amerika niederschlagen.

Ich wende also kritische Rassenstudien an und betrachte Nahrungsmittelobjekte und die Bedeutungen die man ihnen zuordnet, beispielsweise wie gesunde Nahrungsmittel gesunde Körper schaffen. Diese Dinge schaue ich mir unter kritischen Gesichtspunkten an, und als nächstes überlege ich, wie ich bereits sagte, wie das ein Licht auf die rassischen Machtdynamiken werfen kann, allerdings in erster Hinsicht im Bezug auf weiße Siedlernationen wie die USA – wie diese rassischen Machtdynamiken, die sich mit Nahrungsmittelobjekten verbinden, erfahren, hinterfragt, abgelehnt oder verstärkt werden.

Ein Teil meiner kritischen Analyse umfasst meine Arbeit für das Sistah Vegan Projekt, das ich im Jahr 2005 startete, worin ich den schwarzen Feminismus verwende, kritische Rassentheorien und kritische Weißseinstheorien, um zu herauszufinden, wie schwarze Menschen, in erster Linie weibliche Personen, den Veganismus und Mitfühlsamkeit für nichtmenschliche Tiere praktizieren und definieren.

Für diejenigen von Ihnen, die mit dem Begriff noch nicht vertraut sind: schwarzer Feminismus ist ein Wissenskanon der während der Sklaverei entstand und die Erfahrungen schwarzer Frauen mit der Sklaverei umfasste. Dieser Zweig des Feminismus wurde vor den frühen 1980ern in den westlichen akademischen Institutionen aber nicht wirklich als ein echter Kanon anerkannt – es ist interessant, dass es so lange brauchte, bis man ihn als einen echten Kanon anerkannt hat … doch diese Gedanken darüber wie Rasse, Geschlecht und Klasse innerhalb eines kapitalistischen Wirtschaftssystems die Erfahrungen schwarzer Frauen beeinflusst haben, bildeten einen Gegenstand kritischen Denkens seit schwarze Menschen tragischerweise als „besitzbare“ Sklaven ihrer Freiheit beraubt wurden. Dies wurde also erst vor etwa 30 Jahren zu einem echten Kanon. Ich verwende ihn um zu verstehen, wie der Kapitalismus das Leben schwarzer Frauen geformt hat, und um zu verstehen wie Rassismus, Sexismus und Klassismus Realitäten im Leben schwarzer Frauen sind, wie sie kritischen Widerstand leisten und woraus sie ihre Kraft zur Selbstermächtigung schöpfen.

Bislang hat sich niemand, der sich mit den sozialen Fragen im Kontext mit Nahrungsmitteln befasst, mit denjenigen Frauen auseinandergesetzt, die sich gegen die traditionelle Soul-Food-Ernährungsweise des schwarzen Amerikas entschieden haben. Wie sieht der Veganismus aus unter schwarzen Frauen, die begreifen, dass Rassismus und Sexismus echte Probleme sind in diesem Land? Wie setzen sie den Veganismus als ein Werkzeug ein, um ein eigenes Kraftpotenzial daraus zu gewinnen? Das sind die Fragen, mit dem sich das Sistah Vegan Projekt auseinandersetzt. Dabei habe ich mich nicht näher mit schwarzen Männern und ihren Aktivitäten befasst. Das Projekt wurde also vor etwa 8 Jahren ins Leben gerufen, und im Rahmen dieses Projekts ist ein Buch erschienen, mit dem Titel: ‘The Sistah Vegan Book: Black Female Vegans Speak on Food Identity, Health and Society’ [‚Das Sistah Vegan Buch: Schwarze Veganerinnen sprechen über Nahrungsmittel, Identität, Gesundheit und die Gesellschaft’]. Es ist eine Anthologie mit sechzehn Stimmen schwarz-identifizierter Frauen, die darüber sprechen, wie sie zum Veganismus gekommen sind. Ziel dieses Projekts war es, tatsächlich mal einen anderen Blickwinkel zu zeigen, statt dem, der den Leuten zumeist in den Sinn kommt, wenn sie über Veganismus nachdenken, nämlich der Zugang, der ihnen bekannt ist über PETA (People for the Ethical Treatment of Animals), bei dem eine die Rassismusfragen berücksichtigende Herangehensweise schlichtweg nicht vorkommt. Du siehst niemals, dass sie diskutieren würden, wie Leute, die in Amerika leben – wobei alle von uns in der einen oder anderen Weise rassifiert worden sind – wie das dabei hineinspielt, wie wir unsere Zugänge an die vegane Lebensweise wählen. PETA setzt sich damit nicht auseinander, aber das Sistah Vegan Projekt ist darum bemüht dies zu tun, und das ist der ganze Sinn des Buches. Es geht einfach darum die Stimmen hörbar zu machen, und auch darum, zu zeigen, dass schwarze Frauen keine monolithische Einheit bilden. Wenn sie diese Textsammlung lesen, dann merken sie, dass es da einige schwarze Frauen gibt, die aus Tierrechtsgründen vegan wurden, deren eigene verkörperlichte Erfahrungswelten aber die schwarzer Frauen dieses Landes sind.

Beispielsweise die Autonin Ain Drew: Sie hat uns darüber berichtet, wie sie für eine recht kurze Zeit für PETA arbeitete. Sie ist Afro-Amerikanerin, vegan. Sie schildere uns ihre Frustration mit PETA, die versucht hatten sich auf eine Anti-Pelz-Kampagne für die schwarze Community zu konzentrieren. Sie versuchte PETA zu sagen: ‚Wisst ihr, die meisten Leute, schwarz oder weiß, können sich überhaupt keinen Pelz leisten, vielleicht solltet ihr den Veganismus aus einer Perspektive der gelebten Realitäten schwarzer Menschen vermitteln, wie zum Beispiel indem ihr das Thema gesundheitlicher Ungleichheit aufgreift, vielleicht solltet ihr lieber von dem Punkt her ansetzen und mit der schwarzen Gemeinschaft zusammenarbeiten – denn das ist, was ihnen wirklich etwas bedeutet.’ Aber sie taten das nie. PETA hat so etwas nicht weiter interessiert. Wenn Sie also dieses Kapitel lesen, dann erfahren sie auch, wie man sie schließlich hinaus komplimentierte, denn wie konnte sie sich nur herausnehmen, stellvertretend für ihre Gemeinschaft anzukommen und PETA erzählen zu wollen, was sie zu tun hätten. Dies ist also der interessante Konflikt, den sie uns schilderte. Diese Autorin ist eine engagierte Veganerin aus Tierrechtsgründen, aber sie lehnt portrassische Haltungen, wie die PETAs, für sich persönlich ab.

Wenn ich hier von „postrassisch“ spreche, meine ich folgendes: Im Veganismus existieren, wenn sie sich die Mainstreamliteratur bezüglich des Veganismus anschauen, mehrere verschiedene wiederkehrende Themen, in denen wir das Konzept finden, dass unsere Gesellschaft postrasssisch sei, was so viel bedeutet wie: „heute, das wir den Civil Rights Act haben, ist Rasse kein Hindernis mehr im Erlangen einer gewissen Qualität an Glück und Gesundheit in Amerika.“ Ich setze das in Anführungszeichen, weil das postrassische Konzept der Realität nicht entspricht.

Wir leben nicht in einer postrassichen Gesellschaft, auch wenn Obama unser Präsident ist. Wir leben in keiner postrassischen Gesellschaft, und jede auf Sozialwissenschaften basierende Untersuchung, die sich mit kritischen Rasse- und Weßseinsstudien befasst, zeigt uns, dass struktureller Rassismus, Weißsein, noch immer entscheidende Hindernisse zur Erlangung von Glück in diesem Land darstellen – was die Gesundheit der Menschen anbetrifft und in Sachen der Möglichkeiten zur Verwirklichung. Und das beeinflusst immernoch das Bewusstsein der Menschen darüber, was sie als ethisch empfinden und was nicht.

Die Themen also, die ich gesehen habe, als ich mir die [vegane] Literatur der letzten zehn Jahre angeschaut habe, sind: Der vegane Körper – oder die Annahme, die sich mit dem veganen Körper und dem veganen Lebensstil verbindet – ist weiß, jung, nicht-behindert (able-bodied), zur höheren Mittelklasse gehörend, heteronormativ, schlank; diese Dinge legen den Maßstab dessen fest, was ein gesundes, moralisches und grünes Leben darstellt, wenn man den Veganismus und den Vegetarismus betrachtet. Und dies geschieht tatsächlich in einer gänzlich unhinterfragten Weise. Diese Annahmen bestehen: „Ist Schlanksein nicht gesund?“, „Ist das Wertesystem der weißen Mittelklasse nicht das beste Wertesystem?“ So etwas bleibt unhinterfragt. Und wenn du nicht Teil dieses Systems bist, dann ist das sehr entmutigend und es entbehrt eines mitfühlsamen Denkens, was eigentlich den Mittelpunkt des Veganismus bildet: das Mitgefühl.

Und, ich habe das Thema gesehen, dass es beim Veganismus ausschließlich um das Mitgefühl für die Tiere und die eigene Gesundheit gehen solle, die mitenander zu einem einzigen Thema verschmelzen. Ausgeblendet werden die Realitäten farbiger Menschen, die nicht postrassisch denken können, sowie auch die Frage, in welcher Weise ein niedriges Einkommen die Leichtigkeit vegan zu werden beeinflussen kann.

Es besteht also die Annahme, dass, um ein ethischer Konsument zu sein, alles was du tun musst, der Kauf veganer Gegenstände ist. Lebensmittel zu kaufen, irgendetwas kaufen zu können, ist ein Privileg, und es ist ein Privileg, das in Verbindung steht zur Klassenzugehörigkeit und zu Rasse. Diese Problematik wird im Großteil veganer Mainstreamliteratur nicht erwähnt, und, ich habe den Eindruck, dass viel dieser veganen Mainstreamliteratur und solcher Medien zum Weißsein hin tendiert. Dabei geht es beim „Weißsein“ nicht allein um physische Phänotypen, wie die Frage ob ein Mensch eine helle Haut hat, blaue Augen und blondes Haar – es ist auch ein Denksystem.

Weißsein steht für die Grundsätze: Heterosexismus, Ableismus, Mittel- bis Oberschicht-Sensibilitäten, Cisgender als Definition von ‚natürlich und normal’ – für diejenigen, die mit diesen Begriff nicht vertraut sind: wenn du mit einem Busen und einer Vagina geboren bist, wirst du automatisch als „weiblich“ kategorisiert, und du identifizierst dich dann während deines ganzen Lebens als „weiblich“ – … Seizeism, der schlanke Körper als moralischer und gesunder Körper, sexuelle Reinheit, die Vorstellung, dass ‚man sexuell reiner sein kann, indem man keine Tiere verzehrt’. Bei vielem der Rhetorik, die sich um das koloniale Weißsein windet, geht es um Ängste bezüglich des Körpers und um Reinheit. Und dann schließlich, ein Konzept das nun eher neu dazukommt: Neoliberalismus: dass eine Veränderung effektiv nur durch die individuelle Macht der Konsumenten herbeigeführt werden kann, nicht aber durch strukturelle Veränderungen. Alles was du zu tun hast, ist ein veganes Produkt zu kaufen um damit einen gesunden Körper zu erlangen.

Und das ist problematisch, wenn Leute auf der sozioökonomischen Leiter aufsteigen … man sieht eine Art des Gerechtigkeitssinnes innerhalb der Gemeinschaft der Arbeiterklasse: man kommt zusammen als eine Gemeinschaft, weil man gar nicht über die individuellen Ressourcen verfügt, um die Dinge irgendwie anders zu machen. Wenn du aber in der Klasse aufsteigst, über mehr Kaufkraft verfügst und dann auf die individuellen Möglichkeiten konzentriert bist, wie du etwas in der Welt verändern kannst – wenn deine allgemeinen Haltungen kolonialisierter sind und du dann tatsächlich die neoliberale Vorgehensweise als dein Handlungsspektrum akzeptierst, dass eine Veränderung nur durch den Markt bewirkt werden kann … dann liegt ein Problem vor.

VegNews Cover das Portia de Rossi abbildet: http://vegetarianstar.com/wp-content/uploads/2011/07/Portia_VegNews_2001_Cover.jpg

Was also Verzehr und Konsum anbetrifft: imstande zu sein vegane und gesunde Dinge zu kaufen ist ein Privileg, und nicht jeder kann dieses Privileg ausüben. Ich schaue also auf diese berühmten veganen Medienveröffentlichungen wie die VegNews, ich sehe diese Bilder weißer Menschen. Ich sehe zahlreiche hellhäutige, hauptsächlich weiße Menschen, die den Veganismus repräsentieren. Wenn du dir die Seiten der VegNews anschaust, geht es primär zm das Konsumieren veganer Produkte. Keiner redet ernsthaft über Nahrungsmittelgerechtigkeit, keiner redet über Zugänge zu Nahrungsmitteln, keiner redet wirklich über die klassische Frage: ‚Ist vegan zu werden wirklich leicht? Und wenn es leicht ist, für wen ist es leicht?’, wieder wird die Beziehung, die Menschen zu Nahrungsmitteln haben, als weiß, der Mittelklasse zugehörend, heteronormativ angenommen – mit der Ausnahme von Portia de Rossi, die eher dem feminiersten Stereotyp von dem entspricht, wie eine Lesbe auszusehen hätte in der Phantasiewelt von Männern, die an sog. ‚Frauen auf Frauen’-Aktion gefallen finden. Interessant, dass man sie für dieses Cover ausgewählt hat und wie sie dargestellt wurde, und, sie ist eine weiße Frau.

Buchcover ‘Skinny Bitch’: http://bumpwearproject.com/wp-content/uploads/2100.jpg

Und interessanterweise … ich dachte, dass Skinny Bitch … falls jemand nicht weiß was ‘Skinny Bitch’ ist, es ist ein Buch, das vor etwa sechs oder sieben Jahren herauskam und es hat den Veganismus wirklich redefiniert, in einer Art und Weise, die ich für sehr besorgniserregend halte. Skinny Bitch wirbt für eine Form des Veganismus, die sehr „fat-shaming“ [diskriminatorisch gegenüber Übergewichtigkeit] ist und die sehr stark auf die weiße Mittelklasse ausgerichtet ist. ‚Vegan werden ist einfach, und du musst damit Gewicht abnehmen, und wenn du das nicht schaffst, dann bist du faul, du bist dumm, und faul’ – so eine Art der Rhetorik.

Der Name der einen Autorin ist Rory Friedman und VegNews ernannte sie zur Veganerin des Jahres. Ich muss sagen, das war recht … es sagte etwas aus, nämlich dass sie die Botschaft die Skinny Bitch vermittelt, unterstützenswert finden. Dies ist also eines der Bücher, das sie mitverfasste. Das war wohlgemerkt während ihrer Schwangerschaft. Und sicher: es ist ja so normal schmerzlich dünn zu sein, wenn du schwanger bist! Die meisten aus der Reihe dieser Bücher gebrauchen diese Art der Bildbotschaften, dass Dünnsein gleichzusetzen ist mit gesund; dünne, gesunde weiße Frauen, die wirklich gefährlich dünn sind. Und das hat sich durchgesetzt.  Im wesentlichen zeigt das die Ängste, die sich mit Körperlichkeit verbinden, und wir sehen die Unkultur des ‚fat-shaming’, die ihren Eingang in den Veganismus gefunden hat – oder auch nicht, eigentlich war das bereits ein Teil dieser Kultur seit den letzten 40 oder 50 Jahren, und im Veganismus fällt es wirklich auf, wird aber als gesund maskiert: ‚Es ist gesund dünn zu sein.’

Wir beginnen also darüber zu sprechen, wie moralische und immoralische Körper im veganen Mainstream repäsentiert sind, und das ist der Punkt, an dem Faktoren wie Rasse, Klassenzugehörigkeit und Gender beginnen eine Rolle zu spielen.

Ich spreche hier über PETA, weil sie eine maßgebliche Rolle spielen … um die vegane Politik zu verstehen … sie haben immerhin zwei Millionen Mitglieder. Was ich damit sagen will, ist, sie haben wirklich eine ganze Menge Einkünfte über Spendenleistungen, und sie haben ihre Kampagnen wirklich mit einer Menge an Bildern ausgestattet, die uns zeigen, was ein ethischer Körper ist.

PETAs moralischer Körper ist Pamela Anderson. PETA hat alle möglichen unterschiedlichen Frauen, aber sie ist wirklich die eine Person, die all die Leute mit dem moralischen Körper in Verbindung bringen: jung, schlank, weiß, höhere Mittelklasse, straight, von Männern zu ‚vernaschen’, sobald diese es zum Vegetarier oder Veganer schaffen. Etwa so: ‚Ich bin die Trophäe die ihr Gewinnen könnt, und ihr könnt mich haben, wenn … – sind nicht alle Männer straight, und wollen nicht alle Männer eine weiße blonde Frau? Das ist der Preis. Ihr könnt mich nur haben und vernaschen, wenn ihr vegan oder Vegetarier werdet.’ Das ist die Botschaft, die PETA auf uns wirft, mit all diesen Bildern der gleichen Art Frauen, die alle wie Pamela Anderson aussehen. Kürzlich haben sie noch einige latino und schwarze Frauen darunter gemischt, aber die immernoch alles umspannende Message ist, dass …. hellhäutige, nicht-behinderte, weiße Frauen – sie sind der Maßstab für einen gesunden ethischen Körper.

Und dann denke ich da an den Michael-Vick-Fall. PETAs unmoralischen Körper kann man sich als den Michael-Vick-Fall aus dem Jahr 2007 vorstellen. Wenn ihnen dieser Fall nichts sagt: Michael Vick ist ein Quarterback der National Football League, er war involviert in illegale Pitbull-Kämpfe und verlor all seine Verträge mit Nike infolgedessen. Die Leute waren sehr empört über ihn, als herauskam was vorgefallen war, und er verkörpert sozusagen den unmoralischen Körper: er entstammt der Arbeiterklasse, ist urban aufgewachsen, Afro-Amerikaner, männlich, verwendet Tiere für Hundekämpfe. Und viele Leute stellten tatsächlich diesen Bezug her: ‚Naja er ist im städtischen Umfeld aufgewachsen, in einer Rap- und Hip-Hop-Kultur, und Hip-Hop ist schlimm, und Körper die aus dieser Community kommen, sind schlecht und unethisch.’

Wir haben also diese beiden: auf der einen Seite ist da Pamela Anderson und dann haben wir da Michael Vick … Da ist Anderson und da ist Vick. Viele Leute hatten selbstgemachte gephotoshoppte Bilder angefertigt, die zum Ausdruck brachten, was sie über Vick dachten: Wie etwa: „Schaut, das ist was ich mit Hunden mache“, und sie sagen: „sadistisches Töten ist die Macht des Bösen“, und, ich habe mir überlegt, wie Rasse und Gender und die Dämonisierung schwarzer Männer, der Hip-Hop-Kultur und der urbanen Kultur, hier tatsächlich hineinspielten bei der Fokussierung auf Michael Vick. Und in dieser Konversation geht es nicht darum, ob das was er getan hat gut oder schlecht ist, es geht einfach um die Kommentare der Leute und die Reaktionen darauf.

Die bloße Tatsache, dass er so sadistisch ist, dass es so böse ist, was er getan hat, und wenn man dann an all die weißen männlichen Köche denkt, die Lobster lebendig zubereiten … werden wir jemals eine vergleichbare Empörung hierbei erleben, bei der mit dem Finger gezeigt und derart attackiert wird? Oder wenn wir uns die spezifischen Freizeitaktivitäten und Hobbys anschauen, die man eher mit der weißen Elite in Verbindung bringt, statt mit der städtischen Arbeiterklassenkultur und Hundekämpfen – einer der Dinge, die zeigen, dass schwarze Menschen nicht zivilisiert zu sein wissen: ‚Guckt, wie sie Pitbull-Kämpfe machen.’

Ich gebe ihnen diesen ganzen Kontext, weil ich nun zum nächsten Aspekt meiner Arbeit kommen will.

Während dieser Kontroverse rund um Michael Vick … – ich denke über den Veganismus und wer als moralischer / immoralischer Körper repräsentiert wird, wer in Frieden gelassen und niemals attackiert wird und wer immer angegriffen wird. Die Unterhaltung der Leute über die Hip-Hop-Kultur und die Gemeinschaft, der Vick entstammte, schien sich dahingehend zu kristallisieren: ‚Hip-Hop is unzivilisiert, ungesund, gewalttätig, und destruktiv.’ Aber wissen sie was: das ist ein Mythos! Dies ist ein Mythos und darüber werde ich in Teil 2 sprechen.

Living Bling, Going Green: Redefining Black Manhood Through Hip Hop Oriented Health and Veganism. [‚Ein reiches und grünes Leben: eine Redefinierung schwarzer Männlichkeit durch eine Hip-Hop-orientierte Gesundheitsauffassung und Veganismus.’]

Schwarze feministische Hinterfragungen haben sich schon immer mit Hip-Hop und der Hip-Hop-Kultur auseinandergesetzt. Autorinnen wie Tricia Rose, bell hooks und Patricia Hill Collins, um einige davon zu nennen, haben die schwarze feministische Theorie angewandt um kritisch auf die Problematiken im Mainstream-Hip-Hop hinzuweisen und auf die misogynistischen Portraitierungen häufig übersexualisierter schwarzer Männer, die Frauen als Sexobjekte behandeln, übermäßig Marihuana rauchen und sich teure Gegenstände kaufen, die die Macht des Kapitalismus in einer neoliberalen Ethik untermauern.

Für diese Präsentation möchte ich eigentlich eine andere Richtung einschlagen und ich will ihnen einen neuen Blickpunkt vorstellen, in dem ich den schwarzen Feminismus und kritische Rassenstudien anwende im Bezug auf Hip-Hop und den Veganismus. Mir ist bewusst, dass die schwarze feministische Theorie angewendet wurde, um zu klären wie Kolonialismus und Rassismus das Leben schwarzer Menschen beeinflusst haben, insbesondere schwarzer Frauen, und in welcher Weise sich dies auch negativ auf ihre Interaktionen mit schwarzen Männern und dem Leben schwarzer Männer ausgewirkt hat. Ich weiß auch, dass der Feminismus angewendet wurde um zu zeigen, wie schwarze Frauen aus eigener Kraft stark geworden sind, trotz des Rassismus, trotz Armut und Sexismus. Ich selbst möchte mein schwarz-feministisches Interesse am Veganismus dahingehend erweitern, einen Blick auf die schwarze vegane Hip-Hop-Bewegung zu werfen, und ich habe anfangs über der Titel dieses Vortrags geredet: Rasse und Verkörperung in Epistemologien, und wie die verkörperte Erfahrung dessen, in diesem Land ein schwarzer Mann zu sein, zu einer bestimmten Art des Verständnisses über Veganismus unter fünf bis sechs bekannten schwarzen veganen Hip-Hop-Künstlern geführt hat.

Mir erschien dies immer im Hinterkopf, wenn ich Leute hörte, die sagten: ‚Hip-Hop ist destruktiv, hat nichts zu bieten und schafft eine gewaltbereite Kultur’, denn ich weiß auch, dass die anfängliche Wurzeln, mit denen der Hip-Hop begann, etwas total anderes waren, und ich wollte sehen, wie diese jungen schwarzen Aktivisten oder Veganer und Hip-Hop-Aktivisten, diese Grundpfeiler verwenden.

Hip-Hop steht eigentlich für “Higher Inner Peace Helping Other People“ [“ein höherer innerer Frieden liegt im Helfen anderer Menschen”], und außer man hat sich dem Mainstream verschrieben oder man denkt oder forscht nicht mal kritisch über den Hip-Hop nach: es begann tatsächlich als ein Weg für Schwarze, in kreativer Weise zu verstehen, wie institutioneller, struktureller Rassismus, Armut ihr Leben anbetrifft, wie sie in diesen Zusammenhängen sozial aktiv sein können, wie sie Probleme ausdrücken können, unter Verwendugn dieser Kunstform. Und dies ist heute verloren gegangen. Hip-Hop wurde durch die Musikindustrie vereinnahmt, die damit Gewinne macht – selbstverständlich nicht nur mit Hip-Hop, sondern mit jeder dieser Kategorien der Musik. Das meiste davon ist oberflächlich, sexistisch, materialistisch, aber ich denke Hip-Hop kommt am schlechtesten Weg, weil der überwiegende Teil schwarzer Kultur einfach immer am schlechtesten wegkommt, als seien sie die einzige Kultur die pathologisch ist; keine andere ist es.

Ich möchte ihnen daher meine neue Arbeit vorstellen, bei der ich mich damit befasse, wie schwarze Männer Maskulinität redefinieren, insbesondere schwarze Männer aus der veganen Hip-Hop-Bewegung, und dabei will ich die folgenden Fragen stellen, vor dem Hintergrund der Arbeit zu Sistah Vegan … Wissen Sie, es gibt bereits so viele akademische Studien über PETA und die Probleme mit PETA, ich möchte mich davon gerne hinweg bewegen und mich nun wirklich lieber mit den Themen: Maskulinität, Veganismus und Rassenbewusstsein auseinandersetzen.

–         Wie gehen schwarze Männer der Hip-Hop-Generation damit um, in seiner Nation zu leben, in der struktureller Rassismus, Negrophobie und ein auf ein weißes Überlegenheitsdenken basierendes Moralsystem die fortbestehende Norm sind seit dem Kolonialismus?

–         In welcher Weise bietet die schwarze vegane Hip-Hop-Bewegung aus einer rassenbewussten, dekolonialen und gesundheitsaktivistischen Sichtweise, alternative Formen von Verzehr und Konsum und im Bezug auf die Fragen des Mannseins?

–         Wie verwenden prominente männliche Hip-Hop-Veganer den Hip-Hop um darüber aufzuklären, wie Nahrungsmittel und die allgemeine Gesundheit durch den körperschaftlichen Kapitalismus und ein Fleischzentriertes industrialisiertes Nahrungsmittelsystem negativ geformt und beeinflusst worden sind?

Der erste Künstler, den ich mir dabei anschauen will, ist DJ Cavem Moetavation, er kommt aus Denver und repräsentiert für mich wirklich eine alternative schwarze Männlichkeit. Ich möchte Ihnen mehr darüber sagen, was er zu bieten hat, nachdem wir uns dieses Videos angesehen haben. Wir werden darüber reden, ich bitte Sie also sich nun seiner Musik zuzuwenden.

Sein erster Song heißt ‚Wheat Grass’ [‚Weizengras’] und er schrieb ihn als er etwa 23 oder 24 Jahre alt war. Er stammt aus Denver, Colorado. Er ist vegan. Und ich finde was er zu bieten hat beeindruckend. Er ist ein ‚Green For All’-Lehrer/Aktivist und er und seine Frau haben gemeinsam drei Kinder, alle in einem Alter unter fünf Jahren. Was besonders beeindruckend an ihm ist, ist das er eine gelernte Hebamme ist. Ihre drei Kinder kamen allesamt zu Hause zu Welt, sie hatten also drei Hausgeburten. Er brachte seine eigenen Kinder zur Welt, er hat das gelernt. Ich weiß nicht wie viele von Ihnen schonmal einer männlichen Hebamme begegnet sind, ich hatte bislang noch keine getroffen.

Er bezieht sich auf den afrozentrischen holistischen Veganismus und in seiner Musik geht es hauptsächlich um Empowering, die Entwicklung eigener Stärke, und um die Dekolonialisierung des Körpers durch die Wahl der Nahrungsmittel und durch den eigenen Anbau von Nahrungsmitteln; im Vordergrund steht also der holistische Veganismus.

Dieser Song heißt also ‚Wheat Grass’ und ich möchte gerne, dass Sie schauen was in dem Video passiert. Es beginnt zuerst mit diesen drei schwarzen Freunden, die einfach chillen und eine gemeinsame Pause an einer Straßenecke machen, um sich miteinander zu unterhalten. Achten Sie darauf, worüber sie sprechen. Sie erwähnen das Racial Profiling [ethnisches Profiling] und wie die Polizei im Block herumfährt, als warteten sie direkt darauf, dass etwas passiert. Was bedeutet das, dass diese Freunde Eingangs über das ethische Profiling sprechen? Weshalb ist das etwas Wichtiges, wenn es darum geht, wie jemand seinen Zugang zum Veganismus findet? Wie findet genau dieser Mann hier seinen Zugang zum Veganismus und warum vermittelt er anderen seine diesbezügliche Botschaften? Lassen Sie uns gemeinsam das Video anschauen …

Video link auf Youtube: DJ Cavem Moetavation: Wheat Grass https://www.youtube.com/watch?v=OWBURAIMxoQ

In diesem Video geschieht also sehr viel, aber einige der Dinge, die ich hier hervorheben und über die ich hier sprechen will, sind zuallererst ihre Unterhaltung über die Polizei und das Racial Profiling.

Während der Unterhaltung beim Pausieren an der Ecke, überlegt die eine Person, in den Junk-Food-Laden hineinzugegen. Ich kenne Ietef sehr gut und sie haben dort wirklich ein großes Problem mit der Ausbreitung von dem, was man als Junk-Food-Läden bezeichnen kann, spezifisch in den vorwiegend schwarzen Nachbarschaften. Sie sehen, was in dem Video getrunken wird – er trank aus einer Edelstahlflasche, er trank Wasser, sein Freund ebenso.

Wir sehen auch Bilder von Ietef – also sein Name ist DJ Cavem Moetavation, das ist sein MC Name, aber er wird zumeist Ietef genannt – wir sehen ihn in einem Klassenzimmer, und dort sehen wir ihn sitzend in afrozentrischer Kleidung; er versucht ein eurozentrisches Schulsystem mit seiner Art des afrozentrischen Lebens zu beeinflussen und wirbt für ein Erziehungsmodell, das normalerweise in Amerika nicht akzeptiert wird – wir haben hier üblicherweise einen eurozentrischen Lehrplan, er ist darüber verdrossen, setzt dem etwas entgegen und sagt: „Macht doch nicht immer falsche Annahmen!“ Und die Lehrer und die Schüler blicken ihn an, staunend und wundern sich: ‚Was ist los?“

Ich fand das sehr wichtig, wenn unsere Eltern sich bemühen Einfluss auszuüben … ich fand diese afrozentrische Metaphorik im Liedtext sehr überzeugend und wie hier redefiniert wird, was es bedeutet gesund zu sein und Teil einer schwarzen Gemeinschaft zu sein. Ich wollte auch … wissen sie, sie können die Webseite von DJ Cavem auch besuchen. Ich schicke ihnen diese Links gerne zu, wenn sie mich anmailen unter: Breeze Harper at Gmail. Ich kann ihnen die Links zu all den genannten Videos zuschicken.

Das nächste Video ist ‚G’z Up, Hoes Down’ und ich fand dies auch ziemlich cool. Ich weiß nicht ob sie Snoop Dog kennen, Snoop Dog schrieb vor etwa 10 oder 14 Jahren oder noch länger, diesen Song ‚G’z Up, Hoes Down’, und ja, ‚G’z’ bedeutet ‚Gangsters’, also ‚Gangster hoch’ und ‚Hoes’, [eine sexistisch konnotierte Bezeichnung für] ‚Frauen’, ‚Hoes runter’. Ietef machte nun also einen Song mit dem gleichen Titel, außer, dass bei ihm die ‚G’z’ die ‚Organic Growers’, die Bio-Gemüsebauern sind, und ‚Hoes’, [das Wort ‚hoe’ bezeichnet im Englischen auch die Gartenhacke] ‚hoe’, ‚hoeing’, hacken … sie verstehen das also? So ist ein „echter Mann“ eine ‚G’ und er ist also ein ‚Organic Grower’. Und ein echter Mann, er kultiviert seine Gemeinschaft, indem er wortwörtlich mit einer Gartenhacke den Boden kultiviert. Ich fand diesen Song wirklich beeindruckend. Und achten sie auf den Text und wie hier Männlichkeit redefiniert wird durch das Starkmachen der Gemeinschaft, indem du sie lehrst, wie sie ihre Nahrung selbser anbauen können und wie man sich nahrhaft und gesund ernährt.

Die meisten Leute dieser Generation oder Kultur kennen den Song von Snoop Dog, und ihn zu verwenden und den Sinn derart zu verändern … das finde ich beeindruckend. Ich möchte den Songs also mit ihnen teilen – diesmal haben wir dabei kein Video, nur den Song …

Video link auf Youtube: DJ Cavem Moetavation: G’s Up, Hoes Down https://www.youtube.com/watch?v=d4L-tC4g27w

Das war jetzt nicht der ganze Song, aber ich wollte ihnen den Song einfach kurz vorstellen. Ich finde die Idee sehr gelungen, den Gebrauch der Sprache des Hip-Hop, eines Titels, der den meisten Leuten, die Hip-Hop lieben, vertraut ist (die Originalversion von ‚G’z Up, Hoes Down’ also). Ich finde es gut, wie er die jungen Leute anspricht, die Logik mit der er eine Beziehung zu der braunen und schwarzen Jugend in der Denver-Gegend aufbaut. Ich denke seine Arbeit ist sehr ausdrucksstark.

Die erste Musik mit der mein Sohn aufgewachsen ist, war die von Ietef, und er zeigt mir, dass er diese Texte beinahe auswendig kann. Mein Sohn weiß auch beispielsweise, dass Ietef Jugendliche darüber aufklärt, wo ihr essen eigentlich herkommt, indem er ihnen gleichzeitig zeigt, wie man selbst Gemüseanbau betreibt. Als mein Sohn noch ziemlich klein war, so etwa zwei Jahre alt, sagte er was über Menschen die Verbrechen begehen, und meinte dann weiter: „Vielleicht kann Ietef ihnen ja helfen, vielleicht kann er ihnen zeigen, wie man sich sein Essen selber anbaut.“ Und das sagt ein Zweijähriger zu mir, er stellte diese Verbindungen her, dass Menschen vielleicht weniger schlimme Dinge tun würden, wenn sie stattdessen lernten ihre Gemeinschaften mitzukultivieren und in ihren Gemeinschaften Nahrungsmittel selber anzubauen würden. Mein zweieinhalbjähriger Sohn sagt dies zu mir und er hört diese Musik. Das hat mich vom Hocker gehauen. Als ich Ietef entdeckte war ich zutiefst berührt, denn … Mein Sohn hat diese Musik also gehört, er ist inzwischen fünf und er zitiert diese Liedtexte, er denkt kritisch über diese Dinge nach, in einer Art und Weise, die ich ihm vielleicht selbst nicht geschafft hätte in der Weise zu vermitteln. Und es ist eine alternative Form der Männlichkeit der mein Sohn darin begegnet. Er weiß also, dass Ietef Veganer ist, er weiß, dass Ietef bei der Geburt seiner Töchter half, und das ist ein Modell für Maskulinität, das, so denke ich, sehr kraftvoll ist. Wir sehen zu wenig davon in der veganen Gemeinschaft oder in der Hip-Hop-Gemeinschaft, insgesamt … im Mainstream.

Die Botschaft Ietefs richtet sich allgemein gegen den körperschaftlichen Kapitalismus. Er spricht darüber, wie immer mehr Fast-Food-Ketten in die Gegend kommen. Als ich vor zwei Jahren Denver besuchte, meinte Ietef zu mir: ‚Genau hierhin wollen sie einen Burger King bauen, und genau hier versuchen wir unseren Gemeinschaftsgarten zu bestellen … und an der anderen Stelle in der Stadt wollen sie eine neue große Gefängnisanlage errichten’ usw. Das ist also seine Welt, und das ist wie sein Veganismus existiert, und er bemüht sich darum, gegen all die Stereotypen zu kämpfen. Er setzt sich ein für seine Community … und es ist schwer. Er ist klug, er weiß die Sprache des Hip-Hop einzusetzen, und er weiß wie man sich dem Veganismus annähern kann in einer anderen Weise als PETA das zum Beispiel tun, denn das wäre wahrscheinlich für die meisten Leute in seiner Gemeinschaft eher entmutigend.

Er ist also gegen den körperschaftlichen Kapitalismus und sein Veganismus ist sehr afrozentrisch. Er spricht über Themen wie das ethnische Profiling, das industrialisierte Gefängnissystem Amerikas, als Themen, die die Umweltgesundheit seiner Gemeinschaft betreffen, als integriert in seine vegane Praxis. Es sind keine abgesonderten Themen.

Ich habe Leute manchmal sagen gehört … meistens jemanden, der sich als weißer Veganer aus der Mittelklasse identifizierte: ‚Ich kämpfe für Tiere, die in Gefängnissen sind, in Käfigen. Mir ist das mit den industriell betriebenen Gefängnissen für Menschen eher egal, weil, weißt du, es ist deine eigene Schuld wenn du dort landest, es ist deine eigene Schuld! Wenn du inhaftiert wirst, dann ist das deine eigene Schuld. Tu einfach nichts Falsches, dann wirst du auch nicht festgenommen. Ich aber kämpfe für die Tiere, die in Käfigen sind.’ Und ich dachte: ‚Wow, ist dir überhaupt bewusst, was Racial Profiling bedeutet?’ Alleine diesen Kommentar zu machen … dies war deren Einstellung zum Verständnis unseres Kriminal-Justizsystems. Und diese Einstellung unterscheidet sich stark von der DJ Cavems / Ietefs.

Wie ich bereits gesagt habe, ist Cavem auch eine gelernte Hebamme. Ich bin sehr beeindruckt darüber, dass er das gelernt hat … Sie sind Veganer, sie unterrichten ihre Kinder zuhause und er erlernte den Hebammenberuf, um seine eigenen Kinder zur Welt zu bringen. Ich finde das erstaunlich.

Nun zu Stic.man von dead prez. Ich wollte mir gerne gemeinsam mit ihnen dieses Video ansehen und den Text dazu besprechen. Auf seinem T-Shirt steht hier: ‚Healthy is the New Gangster’, das finde ich klasse. Stic-man ist Mitglied der Band dead prez. Etwa im Jahr 2005 oder 2006 hatten sie einen Song mit dem Titel: ‚Be Healthy’, in dem sie über die Möglichkeiten für ein gesundes Leben sprechen und wie man sich richtig ernähren sollte. Später brachte er ein Album mit dem Titel: ‚The Workout’ heraus, und ein Song auf diesem Album heißt ‚Back on my Regimen’, und in diesem Video … das ich toll finde … schauen sie sich das Video zuerst an und danach spreche ich darüber, was hier geschieht. Wir werden uns nicht das Ganze anhören, um etwas Zeit zu sparen, vielleicht die Hälfte …

Video Link auf Youtube: Stic.man: Back on my Reginem http://www.youtube.com/watch?v=sa1yJWBLsxw

… Oh nein, die Verbindung konnte nicht hergestellt werden, das könnte ein Problem sein […] ok, ich werde dann einfach erklären was in dem Video zu sehen ist.

Sie sehen in dem Video fünf oder sechs afroamerikanische Männer in einem Gym beim Krafttraining. Im Text sagt er: ‚I’m back on my weight gain, back on my vitamins, back on my discipline’ [‘Ich bin wieder dabei Gewicht zuzunehmen, nehme meine Vitamine, bin dabei diszipliniert zu trainieren’], und was hier geschieht ist ganz anders als die Trainingsräume, die du normalerweise im Zusammenhang mit dem Veganismus siehst, wie etwa Yoga in sauberen Räumen, wo alles sehr rein und pur wirkt. Er wirbt für das Training, und dafür, sich körperlich fit zu machen, in so etwas, was wie ein Arbeiterklasse-Trainingszentrum aussieht, und wie du deinen neuen Körper aufbauen sollst. Er spricht über die vegane und die holistisch vegane Ernährung, und man sieht, dass all diese Männer, die dort trainieren, Gewichte handhaben. Und ich denken mir, wow, was für eine interessante Darstellung von Maskulinität, und nicht darüber zu sprechen, wieviel Fleisch einer essen muss um Muskeln aufzubauen, sondern darüber, wieviel pflanzliches Protein du isst, um solche Muskeln zu bekommen. Das ist monumental in einer Kultur, in der Maskulinität und Fleischverzehr Synonyme sind, besonders die Stereotypen, das schwarze Männer Hühnchen lieben, Hühnchen in Soulfood-Gerichten, und dass echte schwarze Männer außerdem niemals Gemüse essen, und dass man mit einer pflanzlich-basierenden Ernährung auch niemals muskulös werden könnte … das ist was ich in diesem Video sehe.

Aber er macht den Veganismus und Fitness auch ein wenig leichter zugänglich, denn sein neues Ziel ist es, darüber zu sprechen, wie du das, was du brauchst bekommst, wenn du in der „Hood“ [die urbane Nachbarschaft, in der vorwiegend schwarze Menschen leben] lebst, und wie du deinen Körper fit halten kannst in der „Hood“.

So gründet auch seine vegane Praxis auf dem Hintergrund dessen, ein schwarzer Mann in Amerika zu sein, der in den Gemeinschaften aufgewachsen ist, in denen Menschen keinen Zugang zu gesunden und nahrhaften Nahrungsmitteln haben, aufgrund ihrer Klassenzugehörigkeit und aufgrund rassischer Problematiken. Und Teil seines Ziels ist es, diese vegane Lebensweise zugänglicher zu machen; etwas, was wir im veganen Mainstream nicht wirklich finden können. Ich hoffe also, sie können eines Tages auf dieses Video zugreifen.

Aber sie sehen auch noch jemanden anderen in dem Video. Und sein Name ist Supanova Slom. Wie viele von ihen kennen Queen Afua? Also Queen Afua – kurz, ich habe in meiner Dissertationsarbeit über sie geschrieben, und sie ist der Grund, warum ich vegan wurde: Queen Afua verfolgt einen afrozetrischen Ansatz, sie spricht über die Heilung der Reproduktivgesundheit durch pflanzlich-basierende Ernährungsweisen, die in Verbindung stehen zum kemetischen Ägypten – eine sehr lange Geschichte. Sie können ihr Buch lesen, das heißt: Queen Afua: ‚Sacred Women’. Und ihr Sohn ist Supanova Slom und er macht Hip-Hop-Wellness.

Er wird auch der Hip-Hip-Medizinmann genannt, Erykah Badu und Russell Simmons haben seine Arbeiten verwendet und er hat ein Buch geschrieben. Und, er ist in diesem Video. Man sieht wie muskulös er ist, er spielt mit seinen Muskeln. Er ist vegan und man sieht, er ist wirklich muskulös.

( … Ich überspringe dieses Video, denn es scheint wirklich nicht zu funktionieren, aber wir sehen uns jetzt noch Supanova Sloms Arbeit an. Es tut mir leid, ich bin ein Mac-User, das hat hier jetzt einfach nicht funktioniert … )

Hier ist also Supanova Slom, er ist in diesem Video und hoffentlich funktioniert dieses Video nun. Was interessant an ihm ist, ist dass seine Mutter Queen Afua ist, die seit etwa 30 oder 40 Jahren in ihrem Feld tätig ist, bei der es um schwarze Frauen geht, die Dekolonialisierung ihrer Körper durch eine pflanzlich-basierende Ernährung, und nicht allein das, sondern auch durch einen Verzicht auf gebleichtes Mehl, raffinierten Zucker und Speisesalz in der Ernährung.

Queen Afua hat auch darauf hingewiesen, dass Zucker so schlimm wie die Droge Crack ist, und das ist schon mutig so etwas zu sagen, wenn man sich die Geschichte der schwarzen Communities und der Droge Crack anschaut, die Ängste die damit verbunden sind, dass schwarze Frauen Crack-Babies zu Welt bringen könnten, und wie das zu einem Problem für die Gesellschaft werden könnte. Da steckt also viel dahinter, wenn Queen Afua den raffinierten Zucker mit Crack vergleicht, und sagt, dass sich nur ein Molekül bei beiden unterscheidet, man könne gleich Crack nehmen, was doch die schwarze Community zerstöre. Das sind also Botschaften mit denen Supanova Slom durch seine Mutter aufgewachsen ist, und er entschied sich einen Song und ein Video zu genau diesem Thema zu machen. Und der Song heißt ‚Sugar Crack’.

Video link auf Youtube: Supanova Slom: Sugar Crack https://www.youtube.com/watch?v=ZTufe6sm1hk

… und hoffentlich funktioniert das jetzt. Es tut mir leid wenn nicht. Nun ja, um Zeit zu sparen, werde ich den Inhalt kurz erklären.

In dem Video sieht man viele Bilder aus unserer sehr Zucker-zentrierten Kultur in Amerika. Man sieht Leute die ‚Fruit Loops’ und ‚Pop Tarts’ essen, Leute die ganz verrückt sind auf Zucker, und er sagt: ‚Sugar crack, sugar crack …’ – ich bin ein miserabler Rapper, er sagt also ‚sugar crack, sugar crack’ und beschreibt, wie der Zucker einen quasi verrückt macht.

Ich möchte das als einen Eingangspunkt dazu verwenden, um zu verstehen, wie ein reiner Körper in dieser Art neuer schwarzen veganen Hip-Hop-Rhetorik konstruiert werden soll, wobei nicht nur gesagt wird, dass man keine Tiere oder tierischen Produkte essen soll, sondern, man soll auch beispielsweise keinen weißen Zucker essen … und die Verbindungen, die Zucker in einer …

[…] Ok, gut. Ich beende das Video hier, weil darin geschieht wirklich eine ganze Menge. Es ist recht intensiv und ziemlich lang.

Die Botschaft, die er vermittelt ist … er spricht darüber, dass die Medien ihr Augenmerk so sehr auf die Gewalt Schwarzer gegen Schwarze richten, darauf, dass sie sich gegenseitig umbrächten. Er sagt aber: ‚Der echte Feind ist weißer Zucker, der raffinierte Zucker – er tötet unsere Gemeinschaft’, und er machte diesen Kommentar, bei dem er sagte: ‚Der echte Terror, der einen Homie tötet [ist der weiße Zucker] – du kannst kein Homie sein, der ganz dabei ist, wenn du an Diabetes stirbst.’ Er spricht darüber und über diesen Fokus, der sich, im Gegenteil, nicht so sehr darauf konzentierst, wie viel Limos und Zuckerprodukte tatsächlich die schwarze Community umbringt, sondern wie die Medien derart darauf fokussiert sind, wenn Schwarze kriminelle Handlungen an anderen Schwarzen begehen, dass bei Schwarzen eine höhere Gefahr bestehe, dass sie durch eigene Waffengewalt in der eigenen Community sterben … und nun ja, tatsächlich ist die Gefahr aber weitaus höher, dass schwarze Menschen an einer ernährungsbedingten Erkrankung sterben. Doch warum richtet sich keine Aufmerksamkeit darauf?

Das ist was er beispielsweise mit seiner Musik ausdrückt, wobei darunter auch Inhalte sind, mit denen ich nicht übereinstimme; ich stimme nicht mit allem was andere machen überein, mit vielem sogar nicht, aber sein Fokus auf den Zucker ist auch deswegen wichtig, weil schwarze Menschen, in der Zeit, als sie unter der Sklaverei leben mussten, auch dazu eingesetzt wurden, um Zucker zu ernten. Heute ist es nun das ganze Amerika, dass dem Zucker versklavt ist, das abhängig vom Zucker ist. Aber es bedeutet noch mehr wenn schwarze Menschen heute süchtig nach dem sind, das zu ernten sie einst versklavt wurden. Sein Verständnis über die Dekolonialisierung des schwarzen Körpers indem ihm der Zucker entzogen wird, ist also innerhalb dieses geschichtlichen Hintergrunds zu betrachten, und es gewissermaßen kontrovers den Zucker mit Crack gleichzusetzen. Er thematisiert, dass ein ‚echter’ Mann kein Junk Food essen sollte, und er spricht auch darüber, das ‚echte’ Männer keine Drogen nehmen, trainieren, sich stark und fit halten.

… Was ich in dieser Rhetorik nicht wirklich höre ist: Wie ist das mit den Nahrungsmittelzugängen? Viele Leute, die in der Sachen engagiert sind … ich denke viele von ihnen haben wahrscheinlich wirklich genug Geld um Zugang zu diesen Nahrungsmitteln zu haben, ich höre also nicht viel darüber, was mit den Leuten der unteren Schichten ist, die sich solche Lebensmittel gar nicht leisten können. Ich sehe bei ihm also, und auch bei anderen die im den Feld aktiv sind, nicht immer viel Klassenbewusstsein, was Nahrungsmittel und die Zugänge dazu anbetrifft. Ietef befasst sich damit, und Stic.man konzentriert sich inzwischen auch mehr darauf, aber ich höre und sehe davon noch nicht so viel in Supanovas Arbeit.

Doch insgesamt ist die Botschaft, die diese Männer vermitteln, die, dass die Begrünung der Ernährung ein dekolonialisierendes Projekt ist. Es ist interessant, dass sie dem Grün diese Bedeutung zugeordnet haben, wenn man an Spirulina oder Weizengras denkt … Der Mainstream-Veganismus wirbt für die sog. ‚Supergreens’, die Supergemüse, so wie Grünkohl, Weizengras und die Alge Spirulina, als ein postrassisches und bewusstes Essen; man denkt dabei nicht, dass jemand Weizengras essen könnte um seinen Körper zu dekolonalisieren. Hier aber werden diese Nahrungsmittelobjekte aufgegriffen und ihnen werden kritische rassenbewusste Bedeutungen zugeordnet, so ist natürlicherweise Spirulina weder postrassisch noch rassisch, es ist einfach Spirulina, aber die Bedeutung, die diesen Nahrungsmittelobjekten zugeordnet wird, kann uns wirklich viel über die rassischen Machtdynamiken in diesen Gemeinschaften zeigen.

So sind also für Stic.man und DJ Cavem und Supanova Slom die sog. Supergreens verbunden mit der Dekolonialisierung des schwarzen Körpers, der schwarzen Gemeinschaft und Kultur, zur Beseitigung der schädigenden Effekte systemischen Weißseins, des Kolonialismus und des Kapitalismus. Und dann steht auch ‚Sugar Crack’ versus ‚Green’, was soviel aussagt wie: „der gereinigte schwarze Körper schafft eine gereinigten schwarzen Geist, schafft eine gereinigte schwarze Gemeinschaft“ und ich setzte das in Anführungszeichen, weil solche Reinheits-Rhetoriken nicht in einem luftleeren Raum herumstehen, sondern durch all diese Ängste, die sich um den Körper herumwinden, informiert sind, ungeachtet dessen wie du dich rassisch identifizierst – diese Ängte um einen reinen, puren Körper haben in Amerika immer existiert, und man trifft selbst in der afrozentrischen veganen Rhetotik darauf.

Dies sind Dinge über die man nachdenken sollte, noch keine Schlussfolgerung … . Ein zugrundeliegendes Thema ist, dass schwarze Männer, die gesund sind, straight / heterosexuell sind. Wenn ich vielem, das in der schwarzen vegane Hip-Hop Bewegung geschieht, zuhöre, höre ich nicht viel darüber, was es heißt ein Mann zu sein der nicht heteronormativ ist. Darüber möchte ich gerne mehr hören. Und dann, Teil der holistisch-gesundheitlichen afrozentrischen Gemeinschaft – wobei ich nicht sagen will, dass diese Männer das sagen, aber die dort anzutreffende allgemeine Grundhaltung hinsichtlich Sexualität und Gender ist, dass Leute die Queer-identifiziert sind, deshalb Queer sind, weil sie die Ernährung Weißer für sich angenommen haben, d.h. die kolonialistische Ernährung für sich angenommen haben, und dass, wenn man die richtige, holistische vegane Ernährung zu sich nimmt, man keinen sexuellen ‚Konfusionen’ unterlegen sein wird, dass man wird dann straight sein wird. Darüber möchte ich also auch mehr wissen, ich möchte verstehen, wie das in die Arbeiten dieser Männer hineinwirkt und ob sie in irgendeiner Weise das homophobe und transphobe Verständnis über eine vegane Ernährung teilen … Was das also heißt, sich vegan zu ernähren – bedeutet das hier, dass du diese Ideen vertrittst, weil du glaubst, dass es im afrozentrischen oder kemetischen Ägypten wirklich keine Menschen gab, die nicht heteronotmativ / straight waren? Oder anders: wenn du versuchst deinen Geist zu dekolonialisieren, wie betroffen bist du dann immernoch durch diese Grundpfeiler des Kolonialismus; dass du zwar rassenbewusst bist, aber immernoch diese Ängste hast, im Bezug auf Menschen die homosexuell sind, die transgender sind, und dass dies Teil deiner dekolonialen Rhetorik wird … das heißt, dass du während du versuchst antirassistisch zu sein, du zur gleichen Zeit tatsächlich transphob seien könntest oder unsichtbare sexuelle Minderheiten schaffen würdest.

Was besonders bei diesem Kanon fehlt: ‚Echte schwarze Männer essen vegan, weil es gesund ist und den Körper vom kolonialistischen Erbe bereinigt’ ist, ich höre nicht viel Tierrechts- oder Tierbefreiungsrhetorik. Ich frage mich ob da noch einiges sichtbarer wird, wenn ich mit diesen Leuten die Interviews für mein Buch machen werde. So sagen sie zum Beispiel, dass man keine Tiere wie z.B. Schweine essen sollte, weil sie unrein oder schmutzig wären, und nicht, weil es grausam gegenüber den Tieren ist, die hier aufgezogen und geschlachtet werden. So ist alles was Tiere anbetrifft eine Frage der Unreinheit, was wiederum diese Art kolonialer Konnotation trägt, im Bezug auf Tiere – wie innerhalb der europäischen kolonialen Beziehung, sind die Tiere oder Tiere hier generell schmutzig oder sie verdienen es nicht wirklich als fühlende Lebewesen betrachtet zu werden, denen ihre Rechte zustehen. Ich will also herausfinden, ob bei diese Männer aus der veganen Hip-Hop-Bewegung, mit denen ich mich hier befasse, ob sie sich mit der ‚Animal Compassion’-Komponente auseinandersetzen, mit dem Mitgefühl für Tiere. Denn ich weiß, dass die unterschwellige Rhetorik des afrozentrischen Veganismus die ist: ‚Man isst Schweine nicht, weil sie schmutzig sind’ – nicht weil Schweine leiden.

Und dann der abelistische Diskurs: die Ängste, dass schwarze Körper weiter geschädigt werden, wenn sie sich nicht in einer bestimmten Weise ernähren, und ob ein geschädigter schwarzer Körper jemals selbstbewusst, frei oder gereinigt sein kann. Ich denke also über diese Ängste nach im Bezug auf Menschen die Behindert oder körperlich eingeschränkt sind, was auch Teil des ‚kolonialistischen Projekts’ gewesen ist, bei dem jemand nur ein produktives Mitglied der Gesellschaft ist, wenn er/sie „able-bodied“ [nicht-behindert, nicht körperlich eingeschränkt] ist. Die Auffassung, wer als „able-bodied“ gilt, hat sich natürlich über die Zeit hinweg geändert. Das möchte ich also auch besser verstehen, in diesem Diskurs der Schaffung alternativer schwarzer Männlichkeiten durch den holistischen Veganismus, ob der Ableismus in bestimmten Momenten wieder Fuß fasst.

Der ganze Fat-Shaming-Diskurs ist allgemein auch ein Problem. Es scheint, dass Leute immernoch diejenigen die Übergewichtig sind, gleichsetzen mit Ungesundsein. Man sieht das nicht so häufig innerhalb des afrozentrischen Veganismus, aber das Problem ist nicht gänzlich ausgeschaltet.

Und dann ist noch der Punkt: Sperma ist nur gesund, wenn du grün und vegan lebst, was dann auch für gesündere schwarze Babys sorgt, so etwa: ‚Wenn du mit deiner Frau Kinder haben willst, dann ernähre dich richtig, damit eure Babys gesund sind’, und was das also bedeutet, wenn nicht jeder bei dieser gesunden Ernährung mitmachen kann, wer gehört dann zu dieser neue zukünftigen gesunden schwarzen Nation und wer nicht?

Das sind also die Fragen die mich beschäftigt haben, die mich auch im Zusammenhang mit meiner Arbeit für das Sitah Vegan Projekt und PETA beschäftigen – keiner schaut sich diese spezifische Bewegung einmal genauer an, und was dieser Herren da leisten. Ich halte ihre Arbeit insgesamt für hochinteressant – oft, wenn ich mir Arbeiten anderer, die sich mit Nahrungsmitteln, Gender und Rasse beschäftigen, anschaue, stelle ich fest, dass sich niemand mit Männlichkeit oder schwarzer Männlichkeit befasst, oder wenn sich mit Männlichkeit befasst wird, dann nur im Kontext mit Fleischverzehr und weißer Maskulinität … nicht etwa, was ist das, was z.B. Stic.man da mit seiner Arbeit tut, was macht Ietef, was Supanova Slom – die allesamt rassenbewusste Herangehensweisen verfolgen.

Das ist was ich meine mit: Rasse, vegane Politik und Verkörperung. Diese Herren haben diese verkörperten Erfahrungen dessen, schwarze Männer zu sein. Und genau damit kamen sie zu ihrer veganen Praxis, das hat ihr Verständnis dessen, was ethischer Konsum/Verzehr bedeutet, geprägt. Für die meisten Leute, die wissen was ethischer Konsum/Verzehr im Kontext mit PETA und Veganismus ist, bedeutet ethisch: ‚du tust es nicht, weil es Tieren schadet’. Für diese Community war es die institutionalisierte Sklaverei und die Jim Crow Gesetze, die für sie das Unethische definiert haben. Diese Art des Konsums/Verzehrs stellt eine Art des Versuchs der Heilung der Verletzungen dar, die unseren Gemeinschaften zugefügt worden sind – findet also im Bezug auf diese unethischen Handlungen statt. So stellt dies nun also eine Form des ethischen Konsums/Verzehrs für unsere schwarzen Gemeinschaften dar, und das ist wie hier der Begriff des ethischen Konsums insgesamt gebraucht wird und wie das Verständnis darüber geprägt ist. […]

–        DJ Cavem Moetavation http://djcavem.com/

–        Stic.man https://www.facebook.com/STICRBG

–        Supanova Slom https://www.facebook.com/supanovaslom

Alle Links: 20.5.2014

 

4 thoughts on “A. Breeze Harper: Vegane Nahrungsmittelpolitik: eine schwarze feministische Perspektive

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