Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein: Alltagsspeziesismus kritisch begegnen

How much “animal-machine” (Descartes) is entailed in instinct-based ethological approaches; after all if you differentiate further you come to see that ethology should be rather sociology. Again political and sociological concepts should replace biologist views of animality … .

Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein: Alltagsspeziesismus kritisch begegnen

Palang L. Yegane Arani, Gruppe Messel

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Speziesismus begegnet man jeden Tag, in unterschiedlichen Formen, überall, und alle uns bekannten menschlichen Gesellschaften bauen und bauten sich mehrheitlich auf den verschiedensten tierverachtenden Praktiken in ihrem Alltagsleben auf – gleich wie der kulturell unterschiedliche Alltag jeweils geartet ist oder war. Die Tierunterdrückung ist eine globale und zeitübergreifende Tatsache, die mit der Existenz des “Menschen” anscheinend unabdingbar in Zusammenhang stehen will.

Die Kehrseite des Verhältnisses Mensch > Tier drückt sich aber im gleichen Zuge auch in der konstruktiven Gegenseite aus. Der ethische Veganismus, als zeitgenössisch erfolgreichste antispeziesistisch motivierte Praxis [1], bezieht sich auf seiner Handlungsebene auf die Auswahl und Verwendung von Gütern, und damit auf die Konsumebene und den krassesten endemischsten Speziesismus in seiner materiellen Manifestation.

Wir nehmen die stetig breitangelegte und so lückenlos Erscheinende totale Unterdrückung von nichtmenschlichen Tieren zwangsläufig als etwas gewissermaßen “normales” an, auch wenn wir gegen diese aufoktroyierte Normalität kämpfen – eine Spezifik des Speziesismus wenn man ihn intersektional vergleichend betrachtet [2] –denn dieses Unterdrückungsphänomen umgibt uns unter Menschen immer, und wir würden sonst vor Verzweiflung psychisch und geistig zerbrechen. Wir würden paradoxerweise auch den Glauben an die Menschheit verlieren, wenn wir die Realität ungefiltert durch die Ausblendungsmechanismen der „Rationalisierung“ oder „Normalisierung“ aus unserer Tierrechtssicht tagtäglich in vollen Ausmaßen und voller Tragweite konstatieren und verarbeiten wollen würden. Wir können solch eine Realität nicht wirklich verarbeiten.

Diese zwangsweise “Normalität” und “Alltäglichkeit” nun macht es uns besonders schwer dieser extremsten Form unterdrückerischer Systeme zu begegnen. Es ist in der Tat so normal Nichtmenschen alles was selbstverständlich ist abzusprechen, dass es bereits progressiv erscheinen soll, wenn jemand allein die Tatsache tierlichen Schmerzes, Leids, Intelligenz, Freude, etc. hervorhebt oder bestätigt, oftmals mit einer Beweiserklärung biologistischer Natur. Dabei sollte sich unser Sprechen, als Tierrechtler_innen [3] wohlgemerkt, über nichtmenschliche Tiere, seit dem Beginn eines öffentlich geführten Diskurses über Tierrechtsfragen und Tierbefreiung, längst von inhaltlichen aber auch von rhetorisch-sprachlichen Speziesismen schon weitaus stärker emanzipiert haben.

Interessanterweise liegt in der Ohnmacht gegenüber der Totalitarität speziesistischer Unterdrückung aber auch ein entscheidender Schlüssel, der uns immer wieder in der Geschichte unserer Bewegung begegnet, den wir aber häufig zu unterschätzen geneigt sind. Das „wie agiere ich“, „wie reagiere ich“, „wie und was spreche ich, thematisiere ich, rücke ich in den Fokus, auf welche Weise“, usw. … die Qualität meines Agierens bezieht sich auf die speziesistische Unterdrückung, die mir überall und jeden Tag begegnet, und genau das heißt auch ich muss und ich kann irgendwie, an irgendeinem Ansatzpunkt, gegen den Alltagsspeziesismus handeln und meine kritischen Gedanken in unserer speziesistischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

Ethischer Treibstoff

Was wir dabei sehen ist nicht weniger als der Treibstoff, der jeden Kampf um Gerechtigkeit und jede emanzipatorische Bewegung ausmacht. In all solchen Bewegungen ist und war niemals die Sicherheit des Erreichens des Zieles Anlass zur Gewissheit über die Schlagkraft und die Fundamentalität des Vorgehens zur Erreichung des Anliegens, sondern aus der emanzipatorischen Handlung selbst führt der Weg zum Ziel. Nur das im Falle des Antispeziesismus und Anti-Humanzentrismus [4] der emanzipatorische, selbstbefreiende Prozess nicht innerhalb eines allein auf den Menschen bezogenen Kreises stattfindet, sondern der besondere Moment speziesistischer Unterdrückungsqualität [5] überwunden und seiner begegnet wird.

Da die Problematik Speziesismus bislang noch nicht als ein gesellschaftliches Problem anerkannt wird – obgleich sie genau das ist, denn das unterdrückerische System stammt aus unseren Gesellschaften und wird nur in der Folge als ökologisches Problem des Artensterbens und seiner indirekten Folgen für die Nichtmenschen [6] benannt – da der Speziesismus als ein Problem also nicht auf sozio-politischer gesellschaftlicher Ebene anerkannt wird, wird auch die Kritik an diesem System nicht wirklich anerkannt. Das macht es schwierig, ist aber nur ein Ausdruck dessen, was die Problematik Speziesismus besonders macht, im Vergleich zu anderen Unterdrückungsformen, die im Gegensatz hierzu dann zumeist Menschen als Primäraffizierte anbetreffen.

Menschenrechte werden soweit anerkannt, dass der Genozid am Menschen Fundamentalthema und Alarmzeichen im gesellschaftlichen Bewusstsein über Menschenrechte darstellt. Auch der Ökozid wird, jedoch aber wegen der Verplanung und Einbeziehung der Natur als Ressource für den Menschen, als zentrales Thema ethischer Relevanz anerkannt. Die Dimension eines Zoozids, die eindeutig das Anthropozän kennzeichnet, spielt noch keine Rolle im kollektiven Bewusstsein des vermeintlich Aufgeklärten menschlichen Individuums.

Jeden Tag sehen wir die Menschen sich üben in speziesistischer Totalitärherrschaft über Natur und Tierheit, und jeden Tag wird diese Gewalt auf allen ihren Ebenen und in all ihren Facetten gleichermaßen geleugnet und als unumstößliches Herrschaftsimperativ vermeintlich menschlicher Überlegenheit durchexerziert: im Sprechen, im Beurteilen, Denken, somit dann im Konsum, in den geäußerten Meinungen und Standpunkten als alltagspolitischen sozio-ökologischen Boden.

Jede_r von uns sollte sich daher überlegen, an welcher Stelle er/sie etwas verändern kann innerhalb dieser Herrschaftsstruktur. Wenn wir meinen wir könnten auch andere Problematiken kritisch thematisieren, dann auch diese wohl allerkomplizierst verankerte Form der Unterdrückung Anderer und unseres freien Denkens und gemeinschaftlichen Seins unter allen Lebewesen.

Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein wollen und können ist die Kunst der Gegenwart und der Zukunft, bis endlich das Problem humanzentrischer Ungerechtigkeit als wohl komplexestes Unterdrückungssystem dekonstruiert sein wird!

Verweise

[1] In den ersten ‚Vegan News‘ in der Donald Watson auch die erste Definition des Begriffes ‚vegan‘ erklärt, beschreibt er die zentralen ethischen Beweggründe in Hinsicht auf nichtmenschliche Tiere als ausschlaggebenden Faktor für die Abspaltung des Veganismus vom Vegetarismus, vgl. G. Yegane Arani: Eine Übersetzung der ersten Vegan News aus dem Jahre 1944, verfasst von Donald Watson, http://simorgh.de/about/vegan-news-no-1/ , Stand 01.10.2018.

[2] Der intersektionale Ansatz im Veganismus oder in der Tierrechtsbewegung geht davon aus, dass alle Oppressionsformen, so wie Sexismus, Rassismus, Ableismus und Speziesismus miteinander in Verbindung stehen. Nichtsdestotrotz sollte zur Analyse der jeweiligen Problematik das Augenmerk auch auf die Besonderheit der Unterdrückungsform fallen. Ich habe zur Spezifik des Speziesismus vor kurzem mehrere Fragmente verfasst auf Englisch, siehe:

[3] Ich beschränke mich hier nur auf Tierrechtler_innen, meine aber hinzuzüglich auch die Tierbefreier_innen und alle weiteren Gruppen/Individuen, die sich für die Interessensvertretung der nichtmenschlichen Tiere einsetzen.

[4] Humanzentrismus oder Anthropozentrismus muss nicht zwingendermaßen speziesistisch sein, ist es zumeist aber. Auf diese Möglichkeit machte mich Can Başkent in einem Interview über Tierbefreiung und Atheismus aufmerksam, und zugegebenermaßen sind mir selbst auch zahlreiche Beispiele von nicht-speziesistischem Anthropozentrismus bekannt. Da in der Regel der Zentrismus auf „den Menschen“ aber mit der Sekundarisierung von nichtmenschlichen Tieren einhergeht, verwende ich die Begriffe in der kritischen Bedeutung. Vgl.: Tierautonomie, Jg. 1 (2014), Heft 3, Wir haben Can Başkent über Schnittstellen zwischen Atheismus und Tierrechten befragt, S. 5, http://simorgh.de/can_baskent/4b_interview_can_baskent_jkts_5.pdf , Stand 01.10.2018.

[5] Es geht wiederum um die spezifische Qualität des Speziesismus als Unterdrückungsform, der auf entsprechende und besondere Weise begegnet werden muss. Es können sich in wohlgemeinten Versuchen der Abhilfe gegen Speziesismen genau solche selbst einstellen, wegen der mangelnden Bewusstmachen der exakten Funktionsweisen der Unterdrückungsform.

[6] Die Tragödie und die Implikation von grenzenloser Ungerechtigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren wird nicht als Zoozid, das heißt als gezieltes Vernichten der Tierheit und ihrer Untergruppen benannt, sondern die Vereitelung menschlicher Interessen wird in zahlreichen Argumentationen z.B. auch häufig für den Veganismus, in den Mittelpunkt gerückt; selbst die Empathie sei eher relevant in Hinsicht auf uns, aber nicht in Hinsicht auf die Bedeutsamkeit für die Biographie des tierlich-andersseienden in der vollen Tragweite.

Wie ist das mit dem Pflanzen-Essen und Baumgemeinschaften?

Wie ist das mit dem Pflanzen-Essen und Baumgemeinschaften?

Warum müssen wir eigentlich immer wieder das Pflanzenleben herabsetzen um klarzustellen, dass ein Unterschied darin besteht, ob ich omnivor, vegan oder frugivor bin? Es würde Sinn machen, eine diesbezüglich differenzierte Betrachtungsweise mit in unser Alltagsdenken mit einzubeziehen:

Pflanzliches Leben kann und sollte man achten, in dem Maße, wie es möglich ist. Pflanzliches Leben zeichnet sich durch seine eigenen Beschaffenheiten und Besonderheit aus.

Ein anderer wichtiger Punkt ist meiner Meinung nach zu sehen, das nichtmenschliche Tiere eine ganz essentielle und extremst kultivierte, bedeutsame Beziehung zur natürlichen Welt und somit vor allem auch mit der Pflanzenwelt haben. Können wir hiervon nichts lernen?

Es ist nicht in Ordnung, wenn Pflanzen einfach Nutzorganismen gemäß menschlicher Vorstellungsweise sein sollen. Die vegane, pflanzliche und pflanzlich-basierende Ernährung kann etwas ganz bewusstes sein. Wir essen keine Menschen, keine nichtmenschlichen Tiere und das was wir essen, die Pflanzen nämlich, und das was wir trinken, das Wasser nämlich, achten wir in wirklich besonderer Weise und diese Achtung muss sich idealerweise auch im Anbau und in den gesamten landwirtschaftlichen Vorgängen der Kultivierung von Pflanzen, die wir verzehren, niederschlagen.

Sicher es ist heute für uns sehr selten möglich diese Achtung dem Pflanzenleben gegenüber zu leben, wenn es um Ernährung und Nahrung geht, da wir selbst zumeist weder Land noch Knowhow besitzen um selber ethisch sensibel und klug anzubauen – eben in einer Art und Weise, die Pflanzen in ihrer wesenhaften Besonderheit achtet, als ‘Früchte’, die wir essen können.

Einen ganz besonderen Raum in der Pflanzenwelt nehmen die Bäume ein und ebenso das Verhältnis nichtmenschlicher Tiere zu ihnen und unser ausbeuterisches Verhältnis ihnen gegenüber. Wir müssen die ganze Umweltfrage komplett an die Tierrechtsfrage koppeln, denn die naturhafte Umwelt bildet insbesondere das Habitat für die nichtmenschliche Tierwelt.

Wie beziehen wir uns ethisch und politisch auf Baumgemeinschaften? … ein Blog gleichen Namens möchte hier einen inspirativen Anstoß geben um die besondere Beziehung von Tierlichkeit und Baumleben im natürlichen und politischen Kontext in den Mittelpunkt zu rücken, zur Förderung klarerer Positionen, die eindeutig emotiv sein dürfen.

Wir müssen aufhören in der Pflanzenwelt den reinen Nützlichkeitsfaktor zu sehen und damit eine weitere Entseelung der “Natur” zu betreiben.

Was ist effektiver Aktivismus?

Was ist effektiver Aktivismus?

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Wir meinen vielmals Aktivismus müsse irgendein typisches Gesicht haben, um richtiger Aktivismus zu sein. Man geht auf Demos, geht auf Seminare, postet auf den sozialen Netzwerken, versorgt sich mit Literatur, spricht über seinen Veganismus, über die Trendthemen in Tierrechten und veganer Lebensweise, usw. usf. Aber was ist mit den täglichen Begegnungen mit Alltagsspeziesismus beispielsweise? Ist das auch Aktivismus wenn ich jemanden vermittle, dass ich seine speziesistischen Gesinnungen und Handlungen nicht in Ordnung finde, wenn ich mein Personsein ganz unmittelbar und ohne weitere Vorzeichen einsetze, um das Gefüge wenn auch auf homöopathischer Ebene mit einzureißen?

Was ist wenn ich mich sogar noch nicht einmal als Aktivist_in bezeichnen würde, weil ich die typischen Merkmale and Aktivitäten nicht erfülle, aber trotzdem handle, mir trotzdem nachhaltig Gedanken mache, Themen anspreche wenn ich Speziesismus begegne?

Und genau das ist meiner Meinung nach eben auch Aktivismus: das Gefüge immer wieder einzureißen, da wo die Dinge so selbstverständlich erscheinen im Sinne unserer gesellschaftlichen Normen und Gepflogenheiten, da wo die Alltäglichkeit herrscht, aus der sich die ganze Misere erst ableitet.

Folgende Situation ist meinem Kollegen neulich passiert. Er hatte zugesagt einem Freund beim Bau seiner Gartenhütte zu helfen. Dabei sollte ein weiterer Freund helfen, dieser weitere Freund nun kündigte an, er wollte ein nichtmenschliches Tier demnächst „zum Verzehr“ morden. Der Freund mit der Gartenhütte setzt sich selbst für Hunde aus Rumänien ein und ist stolz auf seine zwei behinderten Hunde, die er wichtig nimmt, die er, so würde er bestimmt selbst sagen, liebevoll umsorgt. Mein Freund nun stellte den Gartenhüttenfreund zur Rede, und fragte ihn warum er den Menschen, der demnächst einen Nichtmenschen morden will, noch zu seinem Freundeskreis zähle, warum er sich für Hunde einsetze und nicht für andere Tiere, die es in der Regel noch viel härter trifft? Der Freund mit der Hütte windete sich raus. Mein Freund sagte jede weitere Hilfe ab. Ich finde das klasse, wie er sich verhalten hat. Konsequenzen zu ziehen. Eine Situation, die ich beispielsweise neulich erlebte: Eine junge Frau zeigte, dass sie für Nitsch und Grandin Bewunderung empfinde, obgleich sie nichtmenschliche Tiere ja auch an und für sich so faszinierend findet. Ich teilte ihr meine Position mit. Ich muss mich von solchen Menschen fernhalten. Ich kann mit Speziesisten so wenig befreundet sein wie andere Leute nicht mit Neonazis befreundet sein können.

Ich selbst blogge für Tierrechte. Mir wurde immer wieder gesagt das sei sinnlos. Dennoch habe ich viele, meiner Meinung nach wichtige, eigene Standpunkte aus dem Bloggen entwickeln können und ich konnte Netzwerke mit Ähnlichgesinnten aufbauen. Was ich damit sagen will ist, dass es oft nicht leicht ist gegen unterdrückerische Systeme und Strukturen selbst in ihren alltäglichen Gewändern anzugehen, in luftleeren Räumen, in denen noch kaum interagiert wurde auf vergleichbarer Ebene. Wenn ich sage ich sehe nichtmenschliche Tiere keinesfalls als Instinktwesen, zumindest nicht mehr als Menschen, dann ist dies so ein luftleerer Raum, denn niemand argumentiert bislang antibiologistisch in Sachen Antispe.

Unser ganzes gesellschaftliches Gefüge ist noch so voller Speziesismen (die auch noch bis in Denknormalitäten unserer eigenen Bewegung, der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung reichen) dass egal wo ich hinkomme, ich anscheinend immer wunde Punkte treffe, an denen sich offenbart, dass fest-tradierte menschliche Privilegien und die menschliche Hybris geschützt werden sollen. Ich kann dem versuchen mit einem Mut entgegenzustehen, den ich mir selbst erarbeite, und da gibt es endlos viele Wege; die Tierbefreiung im Denken ist überall noch erst im langsamen Wachstum. An den meisten Orten herrscht krassester Kollektiv- und Individualspeziesizismus, an andere Stellen findest Du milde Speziesismen vor.

Es existiert einfach kein Schema, kein einzelnes Patent mit dem man sagen könne nur so bewege man etwas. Es gibt so viele Wege wie Individuen, Situationen und Begebenheiten existieren. Meiner Meinung nach ist das durch Eigenständigkeit geleitete Denken und Handeln der effektivste Weg um über ausreichend Flexibilität zu verfügen um den jeweiligen Situationen gerecht zu werden.

Einige Beispiele für meiner Meinung nach sinnvollen autonomen Aktivismus:

  • ein eigenes Tierrechts-FAQ anlegen
  • kreatives Arbeiten
  • ein eigenes Mikroschutzrefugium schaffen, siehe dazu den (letzten) Abschnitt ‘Hortikultur als Lebens- und Naturraum’ in ‘Für den Lebensschutz ökopolitisch agieren
  • auf Mitläuferschaft verzichten, eine gesunde Unabhängigkeit zur Möglichkeit der Flexibilität wahren und bewusst nach alternativen Räumen auf Entdeckungsuche gehen
  • eigene Kulturräume und -ebenen finden
  • Tierrechte mitdefinieren, Mitspache einfordern, eignene Überlegungen und Erkenntnisse wichtig nehmen, dem nachgehen, verifizieren, falsifizieren …
  • Freundschaften die Nichtmenscheninkludierend sind aufbauen, wahren, d.h. auch Freundschaften mit Nichtmenschen, die sich anders gestalten mögen, als die mit Menschen. Die Bedeutung von: Nichtmenscheninkludierend (Englisch).
  • sich für die Lebensräume nichtmenschlicher Tieren einsetzen, mit in die Agenda des eigenen Aktivismus aufnehmen (Sitchwort: Standpunktentwicklung)
  • den eigenen Aktivismus wichtig und ernst nehmen, auch wenn man oft in vielerlei Hinsicht allein auf weiter Flur dazustehen scheint (zumindest als Minderheit in der Minderheit)
  • Gesellschaftskritisches Denken regelmäßig selbst updaten
  • DU als eigenständig denkendes Individuum. Bist. Wichtig!

Warum eigenständiges Mitmachen auch wichtig ist und Sinn macht: Eine Anerkennung von Verschiedenheit als Prinzip im Mitgestalten

Und noch im Allgemeinen zum Thema ‘veganer Aktivismus’: Veganer Aktivismus, was ist zuviel des Guten?

Noch ein empfehlenswerter Text in dem Zusammenhang: Anastasia Yarbrough, Radikale Selbstfürsorge in Erwägung ziehen: Tierrechte – denn das Leben zählt

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Unsere speziesistischen Systeme und Denkstrukturen funktionieren gleich einer Niemandsherrschaft, in der alle schuld sind, weil keiner schuld ist: Religionen, Philosophie, Naturwissenschaften … nichts produziert ursächlich Speziesismus, er scheint einfach aus dem Himmel gefallen zu sein. Es gibt einfach „böse unaufgeklärte Menschen“, bei denen die Empathie noch nicht ausreicht, und andere, die also kognitiv und emotional erleuchtet sind und die nichtmenschliche Tiere daher nun „anerkennen“. Und weiter mit der Ironie: Der willkürlich-emotionale und empathisch begründete Bezug wird sich gewiss auch in den Fundamenten von Religion, Philosophien, Naturwissenschaften niederschlagen! Wahrscheinlich sind die Nichtmenschen selbst aus dem Himmel gefallen und deren Geschichte hängt auf ganz loser Ebene mit derer der Menschheit zusammen … Die Schuldlosigkeit und somit weitreichende Verantwortungslosigkeit scheint einmalig in den Ungerechtigkeitssystemen und ist in dem Maße allein dem systemischen Speziesismus eigen.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

Ein Fragment vom März 2014 über Tierautonomie:

Wenn Nichtmenschen nicht autonom wären, und nur der Mensch es wäre, wann in der Evolution und womit hätte diese menschliche Autonomie dann angesetzt, und warum sollte tierliches Handeln und Denken nicht als vom Menschen und seiner Objektivitätswahrnehmung autonom anerkannt werden?

„Seinen eigenen Gesetzen folgend / early 17th cent.: from Greek autonomia, from autonomos ‘having its own laws,’ fromautos ‘self’ + nomos ‘law.’“ – Zoe Autonomos

Besitznahme durch Abwertung und Definition. Beraubung tierlicher Autonomie.

(Fragment)

Wir sprechen eher den Tieren ihre tierliche evolutionäre Autonomie ab, statt dass wir an totalitäre Strukturen in der Menschheit im Bezug auf Nichtmenschen und die natürliche Umwelt glauben. Unser Blick auf Nichtmenschen und die „Natur“ ist in einer Art verstellt, dass unsere Abwertungen vor uns selber akzeptabel erscheinen.

Der Missstand der Ungerechtigkeit ist, dass wir versuchen die tierliche Autonomie zu zerstören (physische Eingriffe und Maßnahmen) und mittels Speziesismus (geistig ideologisch) zu unterminieren.

„Besitz“ ist die Folge der Absprache tierlicher Autonomie.

„Tierverteidiger“ die für die physische Unversehrtheit von Nichtmenschen plädieren, den Nichtmenschen aber weiterhin ihre eigene tierliche Autonimie (vom Menschen und an und für sich) absprechen, betreiben eine unbewusste radikale Form des Anthropozentrismus und des Speziesismus.

Wir verbinden den Würdebegriff mit der Fähigkeit eines eigenen, unabhängigen Daseins (Autonomie).

Durch speziesistische Kunstgriffe bereiten wir den geistigen Boden in einer Gesellschaft vor, um den Besitzstatus eines Lebewesens zu legitimieren und als vertretbar erscheinen zu lassen.

Was ist unserem allgemeinen Verständnis nach Autonomie, siehe z.B. Wikipedia (für den vielleicht breitesten Allgemeinplatz) http://de.wikipedia.org/wiki/Autonomie?

Wenn Nichtmenschen etwas haben – „the wild and tamed beast“ – dann ist es Autonomie. Sie leben „von Natur aus“ in der Natur autonom – wenn wir sie nicht ihrer Freiheit berauben. Wir behaupten, Nichtmenschen seien Instinktbestimmt, und genau da setzt die Besitznahme durch arbitäre Abwertungsmechanismen ein: Wir machen uns Tiere nutzbar und „Untertan“, indem wir sie ihrer Existenzautonomie mit der Behauptung des Instinktverhaltens (kausaltiätsbestimmtes Verhalten) zu berauben versuchen.

Die Abhängigkeit von Lebensnotwendigkeiten als Instinktgeleitetheit zu interpretieren, ist eine Form der Minderbewertung der Angreifbarheit, der Verletzlichkeit und Bedingtkeit des Lebens – jedes Lebens. Jedes Lebewesen ist abhängig und bedingt, aber gleichzeitig auch autonom. Autonomie ist der zarte Keim der Verletzlichkeit tierlicher und menschliche Würde … .

Da ein Tier autonom handelt und denkt, ist es autotom. Der Vesuch der Eingrenzung tierlichen Denkens in anthopozentrisch definierte Parameter, ist eine Besitznahme durch die definitorische Interpretation tierlichen Denkens und Handelns.

Tierautonomie – tierliche Autonomie; ein paar eklektisch ausgewählte interessante Aspekte

Animal Autonomy:

In Veterenary Care:

Here I would simply suggest that “animal autonomy” is worthy of careful attention from philosophers and scientists and veterinarians. Animals are self-governing and make meaningful choices, in ways very similar to humans. As with our fellow humans, we should strive to understand and respect the preferences of other creatures. Research in ethology is continuing to explore how to understand animal preferences and how these preferences are expressed in observable behaviors. It is worth noting, too, that although the language of “autonomy” has not yet been strongly present in the veterinary literature, the concept has been important in the animal ethics literature more broadly. Tom Regan, for example, talked in his ground-breaking The Case for Animal Rights(1983) about animals as autonomous beings, with their own interests and desires. Regan even includes a very interesting discussion of what he calls “preference autonomy” and explores some of the ways in which autonomy in animals is different from autonomy in humans.

Animals and Autonomy. Can this vitally important ethical concept be meaningfully applied to animals? Jessica Pierce, Ph.D. in All Dogs Go to Heaven

http://www.psychologytoday.com/blog/all-dogs-go-heaven/201303/animals-and-autonomy

 

Animal Sanctitiy and Animal Sacrifice: How Post-Dawinian Fiction Treats Animal Victosm by Marian Scholtmeyer, Dissertation, 1989, pp. 57.

Animal Ethics:

Kantian ethics is normally not the place to look for an account of  direct moral obligations towards animals, as Kant claimed that we only owe animals indirect moral duties, out of respect towards the rest of  humanity. In chapter four, I consider modern reinterpretations of Kant’s arguments to provide support for the claim that animals should be  considered ends-in-themselves. I argue that despite the strength of these accounts, the concept of agency and selfhood that I support provides a better foundation for claiming animals as ends-in-themselves, and that respect for animal autonomy can be grounded on a Kantian argument for the respect of autonomy more broadly. I claim that in virtue of their agency and selfhood, animals should be considered ends-in-themselves, thereby including them in the moral community. My view is novel in that it includes agency, selfhood and autonomy as those features which make anyone, human or nonhuman, morally considerable.

Agency and Autonomy: A New Direction for Animal Ethics by Natalie Evans. Dissertation.

https://uwspace.uwaterloo.ca/bitstream/handle/10012/8158/evans_natalie.pdf?sequence=1

Animal Rights / Animal Liberation

How can I save an Animal today or stop these atrocities now? Even for just a few critters. Because that’s the context we so often miss. It’s about Animal autonomy, not about how the government turns on the people that care about the Animals. But while I’m on the subject, it’s nothing new!

Walter Bond, Green is the New Rage, http://supportwalter.org/SW/index.php/2011/06/24/green-is-the-new-rage/

Animal Caregiving

Kerulos Center Caring for the Caregiver  Project. The project’s overarching goal is to foster awareness and support for animal care organizations and caregiver wellbeing to help achieve the vision of a compassionate, ethical, trans-species society founded on mutual wellbeing.

http://kerulos.org/wp-content/uploads/2013/12/Kerulos-Caring-for-Caregiver-Report-Final.pdf

Alle Links: 25. März 2014.

Was für uns keine Nonhuman-inclusion ist, z.B. …

“Nous ne sommes pas d’accord avec vous, les majorités … “

Antispeziesist zu sein ist häufig ein reines Lippenbekenntnis; das gleiche gilt für Antirassismus, Antisexismus … Diskussionen können so weiter von denjenigen dominiert werden, die bereits über die breitesten und sichtbarsten medialen Netzwerke verfügen. Das Problem selbst hat man doch offenkundig verinnerlicht und man ist bereits vollständig informiert. Und trotzdem ist die antispeziesistische Rhetorik voll von eklatanten Speziesismen.

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

Warum müssen gerettete Nichtmenschen in Lebenshöfen eigentlich begafft und bestreichelt werden bis zum Abwinken. Warum meinen Viele es gäbe keine anderen Möglichkeiten den Nichtmenschen eine vernünftige Wertschätzung zu vermitteln? Woher stammt die Annahme, dass Nichtmenschen unbedingt von Homo sapiens gestreichelt und nicht viel lieber mit nichtmenschlichen Freunden Frieden erleben möchten?

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

 

 

Eine Anerkennung von Verschiedenheit als Prinzip im Mitgestalten

Eine Anerkennung von Verschiedenheit als Prinzip im Mitgestalten

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Frage an eine nicht-anthropozentrische Person X: „Welche Rolle nimmst Du in der Bestimmung dessen ein, was Dein Recht ist, was Tierrechte sind und sein müssten, welche Bedeutung die ‚naturhafte Welt’ für Tiere und die-Natur-selbst hat? Was denkst Du ganz eigentlich und was sind Deine eigenen Gedankensythesen?“

Das Expertentum ermächtigt sich der Deutungshoheit über tierethische und bioethische Fragen und eine Denkträgheit in einer konsumorientierten Gesellschaft wird damit Sektorengerecht bedient. Für die meisten, die sich ethisch intensiver mit Tierrechten auseinandersetzen möchten, reicht es, sich im Veganismus als Alltagspraxis zu bewegen, auf Demos zu gehen, sich im Rahmen sozialer Netzwerke zu äußern, geistigen Input aber eher zu konsumieren. Was ist aber mit dem Ausdruck eigener Erlebnisse, eigener Überlegungen zu der detaillierten Realität von chauvinistischen Alltags-Humanzentrismen, in vergleichbarer Weise wie wir dies tun im Bezug auf Feminismus, Sexismus, Ableismus, Homophobie, Rassismus … ?

Die meisten Tierrechtsaktivist_innen navigieren das Feld öffentlicher Äußerungen in auffallend anderer Form im Punkte Tierrechte, verglichen mit der subjektiven Erörterungsbreite, die in den anderen Gebieten antidiskriminatorischer Aktivität beobachtet werden kann. Und das liegt nicht am Thema selbst. Kaum ein_e Tierrechtler_in hat eine tatsächliche reduzierte Sicht auf Tierlichkeit, aber die Artikulation nach außen wirkt deutlich gehemmt.

Viel liegt im Unklaren und im Unbenannten darüber, in welchen Mechanismen der ethische Ausschluss von nichtmenschlicher Tierlichkeit und ‚Naturhaftigkeit’ funktioniert, so dass genau diese ‚Befreiungsbewegung’ es sich tatsächlich am wenigsten leisten kann, auf einen gründlichen pluralistischen „von unten“ gedeihenden also paritätischen Diskurs zu verzichten.

Jeder Mensch verfügt über Erfahrungen mit oppressiven Systemen, so auch mit der systematischen und kulturell untermauerten Abwertung und Diskreditierung tierlicher Andersheit. Beispielsweise stellt sich die Frage, ob es wirklich das gemeinsame ist, auf dessen Grundlage wir Tierrechte begründen müssen, oder ob nicht genau die Einmaligkeit und Besonderheit tierlicher Gruppen und Individuen den Kern moralischer Berücksichtigung bilden sollten. Die Fragen, ob Gleichheit oder das Recht des Anderen ‚an sich’ eben in seiner Einmaligkeit und Besonderheit bedeutsamer sind, sind in der Diskussion über Sichtweisen auf Hierarchisierungen nichtmenschliches Daseins häufig Gratwanderungen [1, 2].

Genau solche Überlegungen weisen auf Denklücken und Definitionslücken in unseren ethischen- und Rechtssystemen hin, die wir nur durch einen Diskurs, an dem alle Erfahrungen und Meinungen teilhaben, klären können. Letztendlich muss in der Tierrechtsdiskussion unser Ziel sein, wie die Nichtmenschen und der ‚naturhafte Raum’ als voll autorisierte Teihabende mit einbezogen werden können und müssen – um die ethischen Fehler des Menschheitsgeschichte zu korrigieren.

Wenn wir aber sogar die Mehrzahl von Menschen nur mit Denken beliefern wollen, sie aber nicht teilhaben lassen mit ihrer eigenen gedanklichen Kreativität und ihren Handlungsvorschlägen, wie wollen wir dann erst diejenigen Mitlebenden einbeziehen, deren Interessen bei unseren gesellschaftlichen Eliten, Denkbeauftragten und Entscheidungsträgern noch weniger unmittelbar ins Gewicht direkter Berücksichtigung fallen? Tierpolitik und Erdrechte in der Praxis, mit der Grundlage des ethischen Gedankens von Würde und Recht, fängt nun einmal in der Lebensrealtität und der Existenzrealität an und kann nur auf der konkreten Ebene Wirklichkeit werden. Es wäre inkonsequent und verlogen, wenn wir von Tierrechten sprechen und behaupten solche schrittweise zu etablieren, wenn der Paradigmenwechsel auf der sozioethischen Ebene im Mensch-Tier-Natur-Verhältnis (inkl. Ökosoziologie) aber nicht tatsächlich angegangen wird und stattfindet.

Es geht um Fragen der Wahrnehmung der Lebensmodelle und Lebensarten unterschiedlicher Systeme und Individuierungen. Jede Stimme zählt in voller Realität, jede Individuierung zählt, jede Lebensform zählt und es geht darum, dass dominierende Gruppen und Systeme exakte Daseins- und Existenzformen anderer … rechtlich als „Eigenwertig“, als Ganzes, als „nicht minderwertig“, „nicht untergeordnet“ anerkennen, damit schützende Grenzräume geschaffen werden können um Autonomie, faire Koexistenz und Freiraum zu erhalten und zu schaffen.

Würden wir Definitionhoheiten stürzen und hätten autonomiegewährende Bereiche, würde sich das Problem von Fremdherrschaft in theoretischer Natur lösen. Wir brauchen keine Vorlage dafür, wer und was auf welche Art betrachtet und wie anerkannt werden darf und wer und was nicht. Wir brauchen das Selbst-Sein aller, das Selbst-Machen aller, das Vernetzen Selbstdenkender und Selbsthandelnder. Und das geht ins naturhafte System, in Akzeptanz naturhafter Andersartigkeit. Und auf der Seite intrahumaner gesellschaftlicher Räume heißt dies Emanzipation. Ohne eigenes, selbstständiges Denken bleiben Menschen weiterhin in künstlichen Hierarchien stecken.

[1] Lori Gruen schneidet in ihrem Artikel ‚Sollten Tiere Rechte haben’ (2014) ihre These an, dass die moralische Berücksichtigung eine größere Rolle als rechtliche Übereinkünfte, die gewissermaßen künstlicher Natur seien, einnehmen sollte im Leben mit Nichtmenschen. Sie betont, dass nm-Tiere, die sich besonders stark von Homo Sapiens unterscheiden würden, in ihrer Einmaligkeit häufig nicht anerkannt und respektiert würden, vgl./Link http://simorgh.de/about/lori-gruen-sollten-tiere-rechte-haben/.

[2] Auch Karen Davis beschreibt in ihrem Artikel ‚Schimpansen und Hühner: das seltsame Paar der Tierrechtsbewegung’ (2001) mit anderer Argumentationsleitlinie die Problematik der Hierarchisierung von Spezies aufgrund ihrer jeweiligen Nähe oder Ferne zur Spezies Mensch. So würden das ‚Great Ape Projekt’ und Koryphäen der Tierrechtsbewerung oder eher Bioethik, wie Peter Singer, Schimpansen oder andere große Säuger einer Personenschaft „würdig“ halten, andere Nichtmenschen, insbesondere auch Vögel wie Hühner, aber wegrelegieren aus dem Rahmen engerer ethischer Berücksichtigung, vgl./Link http://simorgh.de/davis/davis_39-57.pdf , S. 49.

Everything is co-creative in the universe … except those who wilfully disrupt this process – maybe? Photo: NASA

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Fragment Tiersprache, ‘Tiersprech’

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Eigenes antispeziesistisches Gedankengut in Kürze ausdrücken, um Tierrechte thematisch damit in den Mittelpunkt täglichen ethischen Denkens, Sprechens und Handelns zu rücken:

Thema sprachliche Aspekte auf allen tier-menschlichen Ebenen

  • Eine Lingua franca zwischen Menschheit und Tierheit, Menschsein und Tiersein
  • Eine emanzipatorische, von vorgefassten spezies-derogativen Definitionen befreite Terminologie in der Tierbefreiungssprache entwickeln
  • Anerkennung anderer tierlicher Sprachsysteme als eigenständig, vollständig komplex, nicht nach gegenwärtigen humanzentrischen linguistischen und sprachwissenschaftlichen Kriterien einzugrenzen. Das Nichtverstehen zulassen, nicht ausdeuten, Sprache als unbegrenzt komplexes System der Kommunikation zwischen Individuen anderer Tierspezies zugestehen, Freiraumschaffung durch Anerkennung von Sprachautonomie verschiedener gelebter Lebensräume. Keine Reduktion auf biologistische Verhaltenserklärungsmuster zur Ausdeutung von tierlicher Sprache anwenden.

Biologismus als Speziesismus

Biologismus als Speziesismus

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Den Begriff „Biologismus“ werden die meisten ausschließlich im Zusammenhang mit Diskriminierungsformen gegen andere Menschen kennen [1]. Ich wähle hier eine Perspektive, die Nichtmenschen mit einbezieht als Subjekte und Objekte biologistischer Betrachtungsweisen. Der Biologismus geht von einer Einteilbarkeit der Welt, ihrer Phänomene und Bewohner aus, bei der ein Teil der individuierten Welt als „Flora“ und „Fauna“ primär biologisch erklärbar ist und die andere Seite mit weitaus mehr Kriterien beurteilt wird, solchen etwa wie zum Beispiel Geist, Kultur, Transzendenz, Denken, Phantasie und Politik, Fortschritt, Macht, Identität. Die Welt wird dabei prinzipiell unterschieden in: den Raum der ‚Natur’ als biologischen Urzustand und den Raum des ‚Menschlichen’ als Ort an dem so etwas wie Kultur existiert.

Unsere strikte Trennung dessen, was ‚menschlicher Kulturraum’ ist und was ‚bloß’ Natur (bzw. so etwa “biologische, organische Materie“) ist, drückt sich in einer radikalen Entwertung nichtmenschlicher Lebenskontexte aus. Alles vermeintlich primär-biologisch-Betrachtbare wird dabei auf die Stufe eine dienstbaren „Ressource“ für den Menschen reduziert, als ein Mittel zum Zweck, und wird somit Gegenstand theoretischer und kategorischer Beherrschbarkeit und erst dadurch unterdrückbar.

Das, was die Andersartigkeit und die charakteristischen Besonderheiten von nichtmenschlichen Tieren ausmacht, so die Tierkommunikation, tierliche Verhaltensweisen, tierliche Vernunft, tierliches Denken, tierliches Dasein – all das wird zugeordnet zu Dingen, die als unter biologischen Kriterien allein beobachtbar seien. Alles Geistig-kulturelle und alle Möglichkeiten sinnvoller Handlungsebenen werden ausschließlich als in unseren (primär humanzentrischen) Gesellschaften vorkommend verortet.

Die Natur insgesamt und der Lebensraum – nicht im biologischen, sondern eher in einem andersartig kulturellen Sinne als dem menschlichen – wird als biologische Materie subsumiert. Eine Materie die weniger bedeutsam sein soll und weniger Sinnträchtig sein soll, als der Raum, den Menschen für ihr Dasein auf allen gangbaren Ebenen beanspruchen. Die Art der fundamentalen Verschiedenheit in den Prioritäten zwischen menschlichen Kulturräumen und tierlichen Kulturen, wird begründet mit dem Biologischen als schwerwiegendem Kriterium der Einteilbarkeit, im Sinne dessen das alles, was in starker Bezogenheit zum ‚Naturhaften’ steht, geistlos sei. Dabei werden die Sphären des nichtmenschlich Tierlichen und die des Pflanzlichen weitestgehend zusammengefasst und genau deren Kontextualität als biologistischen Determinismen folgend abgewertet. Die Begründbarkeit dazu wird geschaffen, sie ist aber nicht reell, denn der Fokus der Beobachtung bleibt auf bestimmte Handlungsweisen und Abläufe im Tier-Tier und Tier-Umwelt-Kontext begrenzt und zum Einsatz kommende Modelle der Analyse und Beobachtung stecken begrenzte Rahmen und richten sich an immer gleichen Parametern aus, die nichtmenschliches Sein eher der Definition als der autonomen Realität des beobachteten Gegenübers zuschreiben. Es ist schier unzulässig innerhalb der üblichen biologistischen Rahmen, die speziesitischen Unterdrückungmechanismen gleichkommen, jegliche Erscheinung und Verhaltensweise oder Existenzform einmal nicht biologistisch-reduktiv zu betrachten. Solch ein Akt würde einem Tabu gleichkommen, das gebrochen wurde und einem Beweis der Unvernunft und Irrationalität des Menschens, der von dieser vermeintlichen Ratio hierbei abweichen würde.

Für diese radikalen Kennzeichnungen von „Natur“ versus „Mensch“ haben Menschen selbst immer wieder ethische Einbußen erlitten. Die Geschichte menschlicher Diskriminierung weist auf dahingehende Unterteilungen auf, gleich Drohungen gegen Grenzübergänge, und das nicht nur in den groben biologistischen Diskriminierungsformen, wie einem biologistisch begründeten Rassismus, Sexismus oder Ableismus beispielsweise oder auch in der Beraubung des Menschen auf sein Recht auf ‚Land’ (schon lange bevor wir es mit Kapitalismus und Neoliberalismus zu tun hatten, wie etwas im Mittelalter) als Kampf gegen „Primitivismus“ und „Unkultiviertheit“ – nicht allein in diesen Segmenten menschlicher Diskriminierung spielt die Trennung „Natur“ versus „Mensch“ und vice versa eine Rolle, sondern auch in der Sensibilitätsbildung des einzelnen menschlichen Individuums, das sich ständig an das Menschheitscredo seiner Zeit binden soll, statt eine Ausrichtung unabhängig solcher Dualitäten zu finden. Der einzige Rückzug auf das ‚Naturhafte’ bleibt in der Metapher und dem Symbolhaften, aber nicht in der entschiedenen Assoziierung mit den Subjekten der „Natur“ und den tierlichen Seinsformen und Existenzverständnissen. Das Menschliche selbst wird eingegrenzt in seiner Beziehung zu anderen Tieren und in seiner Bezugnahme auf seine nichtmenschliche Umwelt insgesamt als relevante Mitakteure in dessen Welt.

Der Gedanke das Schnittstellen existieren zwischen Diskriminierungsformen gegen andere Menschen (und untereinander) und Unterdrückungsformen die nichtmenschliche Tiere betreffen, sollte erstens in seiner Überlappung im Biologismus-als-Diskriminierungsform anerkannt werden. Zudem sollte die Natur (oder das ‚Naturhafte’, Goethe sprach hier vom ‚Allleben’) mit als instrumentalisierte, biologistisch abkategorisierte Seinsdimension einbezogen werden. Bislang wird der Begriff Speziesismus nicht in seiner Intersektionalität als ein eigentlicher Biologismus verstanden und weiterhin werden nichtmenschliche Tiere anhand von Kriterien aus der Biologie statt soziologischer Beobachtungsinstrumente beschrieben und analysiert. Es gibt keinen tatsächlichen Grund nm-Tiere immer wieder auf einen primären biologischen Beobachtungsfokus zurückzuwerfen, genauso wenig wie es einen Grund gibt, Tierkommunikationen als im Vergleich zum Menschen weniger inhaltlich komplexe Sprachsysteme zu beschreiben. Hier werden Rahmenwerke geschaffen, die bewusst Kriterien der Beobachtung und Analyse selektieren und umfassendere, komplexere Systeme der Beobachtung und Einordnung vermeiden. Es existieren bislang wirklich keine wissenschaftlichen Parameter um Tieridentitäten und den naturhaften Raum nicht-biologistisch zu beschreiben und zu verorten, aber das ist der Begrenztheit unserer Erkenntnistheorien geschuldet und darf nicht auf dem Rücken der Wahrheitsfindung in der Begegnung mit dem nichtmenschlichen Raum und Sein ausgetragen werden.

Es bleibt fragwürdig, warum Biologismus interessanterweise nicht hinreichend mit Speziesismus in Verbindung gebracht wird. Ein merkwürdiges Phänomen, dass diese Verbindung immer noch beinahe völlig unhinterfragt dasteht [2].

Biologism as Speciesism
gets blurred out
despite
it’s obvious
interrelatedness

Animal reasoning,
meaningful interrelatedness
with the entire natural
space
ought not to be
recognized

Under the umbrella
of the separation
between
humanity
and
animality

Music credits: Soundbits from Rudimentary Peni: Rotten to the Core (1983).

[1] Eine gut dargestellte Übersicht zur Geschichte menschlicher Diskriminierung unter dem Vorwand ‚biologistischer’ Kriterien gegen andere Menschen und daraus folgender Ideologien, findet sich bei: Franz M. Wuketits: Biologismus, Lexikon der Biologie, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/biologismus/8707 , Stand 24.05.2018. „Von Biologismus spricht man, wenn Phänomene eine Deutung durch biologische Tatsachen, Theorien und Modelle erfahren. In der Biologie ermittelte Gesetzlichkeiten werden dabei als einheitliche Gesetze der realen Welt verallgemeinert und gleichsam zu durchgehenden ‚Weltprinzipien: erhoben.“

[2] In der Tat wird der Rekurs auf das Biologische auch in Tierrechtskreisen und ihren Autor_innen immer wieder vollzogen und keine erweiterte und emanzipatorische Terminologie entwickelt. Nichtbiologistische Ansätze im Bezug auf nichtmenschliche Tiere finden sich bei verschiedenen Autor_innen die wir gefeatured haben, siehe http://simorgh.de/overview/autor_innen/ , insbesondere bei Barbara Noske und Anastasia Yarbrough. Auch bei Aph und Syl Ko finden wir ähnliche Diskussion in ihrem Buch ‚Aphroism’.

Der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Metamorphosis; Is your pain the same, is it more than pain (MP3)

Der 20 Mai 2018 ist der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Der syrische Skeptiker Al-Ma’arri (973 – 1057 n. Chr.) schreibt:

“Nehmt nicht den Honig, den die Bienen mit Mühe von den Blumen und den duftenden Pflanzen sammeln; sie trugen ihn nicht zusammen damit er für andere sei, auch haben sie ihn nicht als Gabe und Geschenk gesammelt.”

Kaum einer mag sich das vorstellen, aber die Realität dessen, wie wir Menschen mit den fleißigen Baumbestäuber_innen umgehen, bedeutet Bienentod. Und wer außer radikale Antispeziesist_innen und ethische Veganer_innen spricht darüber als tatsächliche Gräuel, die wir an diesen Nichmenschen begehen. Argumentiert wird vom anthropozentrischen Mainstream-Bürger ungefähr so: Es seien ja nur Invertebraten und das ist doch nichts, wenn man ihnen Schmerz zufügt und ihr Dasein objektifiziert. Deren Lebensdimensionen in ihrem eigenen Recht seien ja komplett irrelevant.

Viel an vermeintlicher menschlicher Bienenliebe und -bewunderung drückt sich in einem fortlaufenden Wunsch aus die Tiere auszubeuten als ‘Nutztiere’, ihre Leben und ihre Populationen zu “verwalten” und sie in ihrer gesamten Existenz auf dieser Welt tatsächlich als eine Ressource für menschliche Zwecke zu betrachten. Die Illusionen über den guten Imker sollten schon lange zerstört sein. Und die Inspektion über den “richtigen Umgang” mit den Arten, je nach Zweck, dient auch weniger den Tieren selbst als den Industrien, die schlichtweg ihre Forschungsinteressen (für Elfengebeintürme und Kommerz) vorantreiben. High-Tech invasive Forschung an Bienen ist nicht weniger ethisch dubios als jede andere manipulative und invasive Forschung an Tieren.

Wir brauchen Lösungen im Sinne einer ‘Bee Liberation’, alles andere sind Mogelpackungen

Der Bienenalltag ist nicht nur der Mangel an Wäldern und Wiesen, sondern, schaut – solltet Ihr es noch nicht wissen – mal bei Google nach unter den Suchbegriffen z.B.:

Biene Flügel abschneiden

Biene künstliche Besamung

oder dies hier:

“Die Technik der Spermagewinnung bei den Drohnen. Die verschiedenen Besamungsstationen für Bienen verwenden unterschiedliche Methoden zur Gewinnung von Drohnen-Sperma. Der Kopf des Drohns wird durch Drehen vom Körper getrennt und der Drohn so getötet. [1]

“The drone is stimulated by decapitation” [2]

Oder das Sperma des Drohns wird herausgepresst und dabei stirbt dieser kleine Nichtmensch dann. Wer dazu noch ein Video sehen will, der folge diesem Link auf Youtube (nur zu dokumentationszwecken verlinkt). Es existieren noch weitere Methoden.

Zwar sterben die Drohnen nach der natürlichen Paarung, aber der Unterschied ist klar.

Honig und andere ‘Bienenprodukte’ werden gepriesen und vermarktet als etwas harmloses, sogar als etwas was den Bienen gegenüber eine zweifelhafte “Wertschätzung” ausdrücken würde. Tatsache ist: es die vollständige Ausbeutung und Versklavung dieser Invertebraten.

Bienenvölker (MP3)

they cut your wings of
your artficially inseminated
they electroejeculate you
and they steal your food, your house

they oppress you
and we won’t accept it
no we won’t accept it

you’re more than me
they don’t mind our lives
they kill us for taking our lives

they call us with their names
they call us with their words

** Die zwei Songs als MP4s

Is your pain the same


Bienenvölker

[1] Keiner-Stoehr, Wiebke, Versuche zur Eignung verschiedener Puffer bei der instrumentellen Besamung der Bienenkönigin (Apis mellifera). Giessen 2004, http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1613/pdf/Keiner-StoehrWiebke-2004-06-18.pdf , Stand 18.05.2018.

[2] D.P. Abrol, Beekeeping: A Compressive Guide To Bees And Beekeeping, 2013, S. 379.