Tierintelligenzen und ein häufiger anthropozentrischer Fehlschluss


“Who are you little insect … what about the dragon flies that lived in prehistoric times, you are just like them.” – love justice

Tierintelligenzen und ein häufiger anthropozentrischer Fehlschluss der bei Tierrechtler_innen immer wieder vorkommt

Anthropozentrismus ist…:

Wenn Tierrechtler_innen, Tierethiker_innen etc. meinen der Maßstab für Intelligenz sei eine vermeintlich mehr oder weniger normativ festlegbare menschliche Form von Intelligenz. Wenn sie ohne weitere Diskussionen durchgehen lassen, dass unterschiedliche nichtmenschliche Spezies oder alle Nichtmenschen als weniger Intelligent bezeichnet werden. Und wenn sie dann wie Jeremy Bentham im 19.Jhdt mutig äußern, dass das Leid und die Leidensfähigkeit alleine zählen.

  1. Gibt es unterschiedliche Intelligenzen, keine ist weniger wert, keine ist weniger komplex. [1]
  2. Wird der Bezugsrahmen bei solchen Faux pas an genau den menschlichen Idealen von Intelligenz ausgerichtet, die unsere Welt letztendlich auf den besten Weg zur totalen Zerstörung befördert haben.

Tierintelligenzen seien nicht so relevant für die Anerkennung der nichtmenschlichen Würde und derer Lebensrechte. Und Homo sapiens sei der Maßstab für relevante Intelligenz/en überhaupt.

Aber nochmal zu Benthams Erkenntnis über die Relevanz der Leidensfähigkeit aller tierlichen Lebewesen – so auch des Menschen:

Er begründete selbst die Rechte unterdrückter ‚nichtweisser’ Menschen auf deren Leid und deren Zustand der Unterdrücktheit und nicht primär aufgrund derer kultureller Stärken, eventueller Andersartigkeit und ihres eigenen Identitätsbewusstseins, so sagt er:

The French have already discovered that the blackness of skin is no reason why a human being should be abandoned without redress to the caprice of a tormentor.” [2]

Und fährt in einem Atemzug fort:

It may come one day to be recognized, that the number of legs, the villosity of the skin, or the termination of the os sacrum, are reasons equally insufficient for abandoning a sensitive being to the same fate. What else is it that should trace the insuperable line?

Was gehört aber zu einem senstitive being? Dazu äußert er sich nicht positiv. Sensitiv ist fühlend im eher biologisch, physiologischen Sinne, aber selbst dies ist ein slippery slope.

Im Bezug auf nichtmenschliche Tiere stehen wir also noch an ähnlicher Stelle wir die Utilitaristen. Wir begründen Rechte negativ, denn wir sprechen nicht von Besonderheiten, Einmaligkeiten, individuellen Stärken und vor allem von autonomer, eigenwertiger Bedeutsamkeit als Ausgangslage für die Anerkennung von Rechten. Wir sprechen von Leid, von fühlenden Wesen die Leiden können, der Rest bleibt erstmal zweitrangig in der Frage über Rechte. Dabei sind genau die Besonderheiten und die Autonomie des anderen Lebewesens, das woran Recht sich bemessen können muss.

Würde man Jeremy Benthams berühmtes Zitat über die Relevanz der Leidensfähigkeit von Tieren neu formulieren, würde der Fokus aber eben nicht weg von der Menge der Beine und der Beschaffenheit des Fells/Haut und der unbeantworteten Frage ihrer Vernunft hin zur Frage der Leidensfähigkeit geführt werden dürfen, ohne den anthropozentrischen Faux pas zu begehen, sondern wir würden genau an der Stelle anzetzen, wo das andere Individuum wegen seiner Besonderheit und Einmaligkeit anerkannt wird und der Mensch sich selbst neu genau daran ausrichtet, statt Definitionsmacht gegen das Leben anderer anzusetzen.

Benthams Schlüsselaussage, an der die Einklagung der Rechte scheitern muss, liegt eben an dem Punkt: “Is it the faculty of reason, or perhaps, the faculty for discourse?…the question is not, Can they reason? nor, Can they talk? but, Can they suffer? Why should the law refuse its protection to any sensitive being? The time will come when humanity will extend its mantle over everything which breathes…” Die Frage sei nicht ob Nichtmenschen über Vernunft verfügten oder einen Diskurs führen könnten, … auch nicht ob sie sprechen könnten, sondern ob sie leiden würden, denn warum sollte das Recht einem fühlenden Wesen den Schutz verwähren. Die Zeit werde kommen in der die Menschlichkeit ihren Mantel über alles was atmen kann schützend ausbreiten wird.

Dieser ethische Pfeiler erscheint edel, großartig, seiner Zeit und Kultur entsprechen mutig, scheint uns aber zugleich auch unzureichend. Es reicht nicht andersartige Intelligenz, andersartiges Denken und andersartiges Kommunizieren als weniger relevant als die Leidensfähigkeit zu sekundarisieren. Denn selbst die Leidensfähigkeit umfasst ein Netz an Ganzheitlichkeit. Und wir können den/die anderen nur in ihrer gegebenen Andersartigkeit und Besonderheit anerkennen und ihnen somit würdige Rechte zum Schutz vor Homo sapiens zugestehen, wenn wir deren Einmaligkeit als ebenso bedeutsam und gleichwertig wichtig in unser Rechtsverständnis mit einbeziehen können. Dazu müssen wir den anderen aber in seiner Ganzheit sehen wollen.

Das wäre letztendlich ein fortschrittlicheres umweltethisches und tierethisches Denken.

[1] Die Evolution nichtmenschliche Lebens ist nicht irgendwie stehen geblieben, http://simorgh.de/about/evolution_oder_stagnationen/

[2] Jeremy Bentham (1748 – 1832); Introduction to the Principles of Morals and Legislation, Zitate: https://www.utilitarianism.com/jeremybentham.html , Stand 03.11.17.

Gruppe Messel / Tierautonomie / Animal Autonomie

Angerungen für ein selbstdurchdachtes Tierrechts-FAQ: Anthropozentrismus – vom Wert menschlicher Intelligenzvorstellungen in der Beurteilung tierlicher Intelligenzen.

Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt


Vom guten Menschen

Ein Essay von mir von lange her von Palang L. Punks oben sind von Farangis G. Yegane.

Die Vorstellung, dass Menschen als Menschen gut sein müssen, wegen ihrer Mit­menschlichkeit, weil sie ein Netz humaner Kontextualität in Bewusstsein und Praxis auf­gebaut haben – all die Errungenschaften des Menschen im Dienste und im Interesse des Menschen, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Denkweise des Men­schen über sein Environment eine vernünftige Denkweise sein muss. Der Mensch kann überhaupt nur dann böse sein, wenn er in den alten Zustand des Tieres verfällt, so behauptet man. Alles brutale sei auf tierische Triebhaftigkeit zurückzuführen – auf ein Fehlen eines spezifisch menschlichen Reifegrades.

Die Form der abwertenden Abgrenzung gegenüber Tieren, legt eine Beurteilung nichtmenschlicher Tiere unter bestimmten Kriterien fest. Tiere werden nicht mit einem ihnen eigenwertigen Maßstab gemessen, was vielleicht aber auch keinen Sinn machen würde, denn das Messen setzt immer einen Ver­gleich mit einer Norm voraus. Und wozu brauchte es eine Norm, wenn man die Tiere mit sich selbst bemessen würde. Der Maßstab aber, mit dem Tiere gemessen und verglichen werden, ist der Maßstab, den Menschen zum Ermessen von Bedeutung und Wert nichtmenschlicher Tiere entworfen haben. Wie intelligent ist das Tier nach unserem Ver­ständnis, kann es dies, macht es das, warum macht es das. Und auf all das haben wir bereits im Vorhinein eine Antwort parat, die nurnoch fallgerecht ausgekleidet werden muss, nach biologischem Muster.

Endzweck und letztendlicher Sinn aller Existenz auf der Welt sind, nach der Meinung des Menschen, bestimmte menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die menschli­che Vernunft und der menschliche Wille. Alles auf dieser Welt darf den menschlichen Erkenntnissen und Wünschen untergeordnet werden. Letztendliche Legitimation ist die Fähigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit mittels Gewalt zu schaffen. Es gibt im menschlichen Bereich keinen Belang, der nicht durch Gewalt in seinem Wert festgelegt sein darf; alles hat einen Wert oder einen Nicht-Wert, alles darf, zusammenhängend mit den er­teilten Werten oder Nicht-Werten, behandelt werden. Der menschliche Bereich lässt keine neutrale Zone zu.

Die gewaltsame Abgrenzung gegenüber dem Andersartigen, in jeweils all den ganz verschiedenen Fällen (dem Fall der Diskriminierung nichtmenschlicher Tiere, der Zerstö­rung und Entwertung des naturhaften Raumes, etc.) scheint ganz simpel. Der Mensch kann nach außen nur auf das reagieren, was möglich ist: er kann Tiere und Pflanzen nicht in jeweils ent­sprechender Form respektieren, weil, der Mensch hat eingesehen, dass Tiere zum Beispiel, ja reine Instinktwesen sind, dass die Frage des Respekts vor ihnen eigentlich gar keine Rolle spielen kann; so etwa der emotionale Standpunkt vieler. Die Beurteilung des Menschen über sich selbst (so wie sie ist), zieht automatisch eine schattenhafte Beurteilung über den Rest des Universums mit sich.

Das Gute des Menschen ist kein Gutes, das nur für sich schon gut wäre; das Gute des Menschen ist gut, weil der Mensch behauptet, dass das Tierische dem Menschlichen gegen­überzustellen sei, als das Schlechte oder das Bösartige, als das negative Gegen­über anhand dessen sich das Gute des Menschen postulieren will. Man kann auch eine Vorstellung über das Gute haben, in der das Gute an sich gut ist, unabhängig von ir­gendeinem vermeintlich Bösen oder Schlechten.

Nun werfen sich in Hinsicht auf den guten Menschen zwei elementare Probleme auf. Und zwar, auf der einen Seite ist die Einbindung in die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Guten an sich streben würde – ohne jegliche konkrete Hinterfragung im Zu­sammenhang mit der Umwelt des Menschen – so eine starke Einbindung, die sich aus dem Kontext des menschlich Sozialen ergibt, dass es für einen einzelnen Menschen fast unmöglich ist, diese Vorstellung aufzugeben, ohne dabei den gesellschaftlichen Halt und die Einbindung zu verlieren. Wer nicht mehr an das gute Streben der Menschheit glaubt, d.h. wer sieht, dass sich der Mensch ungerecht und grausam gegenüber seiner nichtmenschlichen Umwelt verhält, der ist im Kreise des menschlich Guten nicht mehr willkommen. So ein Mensch findet keine Korrespondenz und keine konstruktive Kommunikationsmöglichkeit mehr im gesellschaftli­chen Raum.

Und auf der anderen Seite steht da, was den guten Menschen anbetrifft, der gute Mensch sel­ber, der sagen wird, dass es total gleichgültig ist wie sich ein Mensch gegenüber seiner anderen natürlichen Umwelt verhält, weil was sollte die ungünstige Konse­quenz für den Men­schen sein, die sich aus so einem Verhalten ergeben würde. Der Mensch ist Selbstzweck an sich selbst; alles auf Erden soll seinem Glanz und seiner Würde dienen, und diese seine Würde ergibt sich genau aus diesem weltlichen Allmachts­anspruch heraus. Wenn der gute Mensch die geschundenen Leichen irgend­welcher geschlachteten Tiere isst, wer sollte ihn dafür tadeln? Ist er nicht selbst der Maßstab dafür was gut und was schlecht und böse ist?

Die Deformierung seines eigenen Charakters ist kein Grund zur Beunruhigung, denn alle guten Menschen haben diese gleiche Deformierung, und diese Deformierung erhält ganz ein­fach die Stempel: gut, vernünftig, tugenhaft, schlau, usw.! Die Frage ist aber trotzdem wie die Welt dieser guten Menschen es schaffen wird, die externe Wahrheit des nichtmenschlichen Envi­ronments und derer eigenen Bedeutung als ethisch irrelevant auf dauer abzutun.

Was ist dieses Gute an das der Mensch im anderen Menschen und in sich glaubt? Sind es Dinge, die sich an die grundlegenden Notwendigkeiten des Lebens binden? Wenn dein Mitmensch wichtig für dich sein kann um zu überleben, um zu leben, setzt dich das dem Zwang aus, dasjenige Andere, das dir keine Dankbarkeiten entlocken kann, zu verachten? Gehört es einfach zum menschli­chen Kontrakt, alles außenstehende, dessen Eigen­bedeutung für den Menschen bloß eine Sekundärbedeutung habe, zu versklaven und zu objektifizieren?

Das Gute am Menschen besteht aus vielen Eigenschaften, die konkret betrachtet nicht das Gute sein müssen, was sich an universal als gültig betrachtbare sinnvole Eigenschaften bindet. Es kann sein, dass das, was einem Gutes bedeutet, generell unter den Menschen aber nicht als gut betrachtet wird und anders herum. Das Gute im Menschen ist, so wie es sich derzeit gestaltet, das Schlechte für das Environment, und es ist daher legitim, den Menschen vom Außen her betrachtet als schlecht zu bezeichnen. Das Gute im Menschen ist – was das außerhalb des mensch­lichen Bereichs Liegende anbetrifft – immer der Freibrief für Zerstörung und Tötung gewesen. Zumindest dasjenige Gute, über das kollektive Einigung herrschte.

Das Gute im Menschen hätte (wenn man solche Phrasen der Verallgemeinerung über­haupt braucht) meiner Meinung nach dann als Gedanke einen Sinn, wenn 1.) “das Gute” sich an­hand seiner Bezüglichkeit spezifiziert würde, d.h. wie sieht das konkret mit dem Guten aus im Bezug auf all das, was nicht dem menschlich kollektiven Selbstzweck (und damit dem Homozentrismus) dient, und 2.) wenn “der Mensch” als verallgemeinerte Form nicht die Hauptfigur einer Ideologie wäre, die immer nur eben diesen Menschen (als biologische Spezies) als Endzweck über alle Individualität (und deren Wert und Sinn) hinwegsetzen würde.

Nachtrag:

Ich denke das Problem, dass menschliches Gutsein immer auf dem Rücken eines vermeintlich Schlechten von etwas anderem aufbaut, besteht immer noch in diesem Bezug obwohl wir den Belang von Nichtmenschen und der Umwelt inzwischen stark in die ethische Debatte mit einbeziehen. Auf welchem Level aber wird der Anthropozentrismus diskutiert? Es geht meines Wissens nach weiterhin darum, dass Nichtmenschen mit der Definitionsmacht des Menschen beschrieben werden, es werden keine theoretischen und praktischen Freiräume geschaffen, die eine tierliche und natürliche Autonomie gewähren würden … .

Inzwischen frage ich mich auch, inwieweit selbst anderen Menschen gegenüber die guten sich über die Schlechtigkeit der schlechten definieren, statt etwas gutes in sich, auch ohne das schlechte, in das Gefüge mit einbringen zu können. Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt. Im Bezug auf inner-zwischenmenschliche und gesellschaftliche Probleme haben wir eine weniger tiefe Kluft der ‘Fremd-Abgrenzung’ als betreffend nichtmenschlicher Tiere und der ‘Natur’. Hier haben wir die Nähe, die spaltet. Lange Themen, nur ein kurzer Nachtrag an dieser Stelle … .

 

Sebastian McJetters: Queere Menschen haben ein Problem mit den Republikanern … und Tieren geht es da nicht anders

Headline: „Republikanischer Abgeordneter: „Es exisitert ein ‚Unterschied’ zwischen Schwulen und Menschen“

Christopher McJetters: Queere Menschen haben ein Problem mit den Republikanern … und Tieren geht es da nicht anders

Titel des Textes im Original: , Queer people have a republican problem…but animals have one toohttps://strivingwithsystems.com/2017/06/28/queer-people-have-a-republican-problembut-animals-have-one-too/. Übersetzung: Gita Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung von Crhistopher McJetters.

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Während einer Debatte vom letzten Monat über ein Gesetz zum Schutz von LGBT-Menschen hat der republikanische Politiker Rick Brattin folgendes erklärt: „Wenn man sich die Grundlagen der Religionen anschaut, der der Bibel, des Korans und anderer Religionen, so gibt es einen Unterschied zwischen Homosexualität und dem schlichten Menschsein.“

Ich wiederhole den letzten Teil des Satzes nochmal für die Leute in den hinteren Reihen: Es existiert ein Unterschied zwischen Homosexualität und der schlichten Tatsache ein Mensch zu sein. Tatsächlich. Brattin glaubt, dass Homosexualität einen Menschen unmenschlich macht. Und er ist mit seiner Überzeugung nicht alleine.

Ich war natürlich entsetzt angesichts solch einer bemerkenswerten Aussage. Aber dann erinnerte ich mich, dass diese Worte nur die letzten sind in einer langen und stolzen Geschichte von konservativen US-amerikanischen Politikern, die Erklärungen mit einer Qualität geistiger Brandstiftung über queere Menschen von sich gegeben haben. Doch diese Überlegung überraschte mich noch nicht einmal.

Der einstige Präsidentschaftskandidat (und jedermanns liebstes komplettes Desaster) Dr. Ben Carson erklärte im Jahr 2014, dass gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu Pädophilie und Zoophilie führen würden. Und Rick Santormum [A.d.Ü. ein weiterer republikanischer Politiker und Kongressmann, ehem. Senator des Bundesstaates Pennsylvania] hat solche Thesen mindestens seit dem Jahre 2003 verbreitet.

Wenn man nun mal davon absieht, dass dieses waghalsige Argument jeglicher Logik entbehrt (und völlig bekloppt ist) … und wenn man auch einmal davon absieht, dass die meisten pädophilen und zoophilen Akte von Leute begangen werden die „straight“ sind [A.d.Ü. d.h. der völligen heteronormativen ‚Normalität’ entsprechen], zeugen Brattins Worte von einem immer wiederkehrenden Argumentationsstrang, den wir schon zuvor hier diskutiert habe, und zwar die Erfindung des Menschseins als einer politischen Identität.

Wie wir sehen ist „der Mensch“ ist ein kodierter Ausdruck, der für normatives Weißsein [A.d.Ü. siehe Erklärung zum Begriff ‚Weißsein’ unten] steht. Der Zugang zu diesem Weißsein wird nur durch die Sprünge mehrerer brennender Reifen gestattet. Und ratet mal was. Dieser Zugang ist flüchtig und er kann jederzeit widerrufen werden. Jeder der nicht im Sinne der Standards normativen Weißseins als ‚menschlich’/’Mensch’ gilt ist nicht mehr als entweder eine Kollateralschaden, minderwertig oder er stell eine ausbeutbare Ressource dar (und dieser letzte Punkt kann nichtmenschliche Tiere einbeschließen, Schwarze, so ziemlich jedes Wesen mit einem funktionierenden Uterus, Geringverdienende oder diejenigen auf die all dies gleichzeitig zutrifft!).

Weiße schwule Männer dürfen dem Club beitreten … aber auch nur manchmal. Der Schutz durch das Weißsein gilt für sie nur begrenzt, basierend auf ihrer Fähigkeit heterosexuelle Maskulinität darzustellen. Und, wie wir in Brattins Kommentar feststellen können, der Poposex kann sie manchmal direkt vor den Bus werfen.

Und wenn die Kommentare im Pink News Artikel uns dies irgendwie aufzeigen können, so sind sie nicht allzu glücklich darüber.

Natürlich, animalisiert zu werden stellt für jede farbige Person unter den Blicken normativen Weißseins nichts wirklich Neues dar. Leute haben schwarze Menschen schon ewig mit Tieren verglichen. Fragt Serena William oder Michelle Obama, Es gibt unzählige Beispiele. Und wenn Du eine queere schwarze Frau bist, dann hast Du in jeglicher Hinsicht Probleme, denn Du stehst genau mitten in der Kreuzung von „Rasse“ [A.d.Ü. siehe Anmerkung zum Begriff „Rasse“ unten], Gender und Sexualität. Und der Bus ist SCHNELL da. Und bitte, denkt nicht einmal darüber nach auch zusätzlich noch trans zu sein, denn … (verstummt in Erschöpfung bei dem Gedanken mehr als 14,000 weitere Worte niederschreiben zu müssen).

Die Falle in die wir natürlich treten, ist die, dem Weißsein weiterhin die Vorteile dieser Hierarchie zu gestatten. Der Mensch (lies: Weißsein) kann nicht oben auf dem Hügel sitzen wenn wir den Hügel insgesamt abschaffen. Als ich damit aufhörte zu versuchen mein Menschsein in den Augen des Weißseins beweisen zu wollen, und mich stattdessen mit den marginalisierten Personen zusammentat in einem Sinne der Tiere mit einbezog, gelangte ich zu einem bindenderen Sinne von Solidarität. Die langjährige vegane und queere Aktivistin pattrice jones befasst sich mit diesem Thema in ihrem Vortrag über die Gemeinsamkeiten von Unterdrückung, der für mich eine maßgebliche Rolle bei der Veränderung meines Rahmenkonzepts spielte.

Als schwarze queere femme-of-center Person der Menschenrechte etwas bedeuten meine ich, dass unser gemeinschaftliches Verständnis dessen was diese Rechte bedeuten, einen Drall in die Richtung erhalten hat, dass wir dadurch einen eigenen Zugang zum Weißsein [A.d.Ü. siehe Erklärung zum Begriff „Weißsein“ unten] erhalten würden, statt wirklich nach Gerechtigkeit zu suchen. Und da dies immer noch die Hierarchie von Unterdrückung aufrecht erhält, bin ich daran nicht interessiert. Das heißt zum Teil fokussiere ich aus diesem Grund stattdessen meinen Aktivismus auf Tiere. Wir wissen inzwischen bereits, dass Unterdrückung in Isolation am besten gedeiht. Unser Privileg also dazu zu nutzen um uns selbst auf eine Linie mit den marginalisierten Gruppen zu bringen, stellt also eine direkte Bedrohung für die Institution weißen Überlegenheitsdenkens dar.

Obwohl, wenn man es realistisch betrachtet schaffen es weiße queere Leute (insbesondere Männer) kaum ihre Solidarität farbigen queeren Menschen gegenüber zu bekunden, das letzte Beispiel war die Menge an boshaft rassistischer Kritik an queeren Leuten in Philadelphia die eine neue Variante der Pride-Flagge in ihrer Community vorgestellt hatten. Vielleicht bete ich also bloß für ein Wunder.

Und, eine Ausschlussklausel: Bevor es Dir vielleicht einfällt zu sagen, dass auch einige schwarze Leute diesen Firlefanz mit unterzeichnen würden, so wissen wir dies bereits. Und das ist auch warum ich den Begriff des normativen Weißseins so betone. Du musst nicht tatsächlich weiß SEIN um dich damit zu identifizieren oder das normative Weißsein fortzusetzen. Eine anti-schwarze Haltung ist so schlimm wie eine Droge. Und ironischerweise beschränkt sich die Sucht danach nicht auf irgendeine Hautfarbe.

Und wenn wir schon gerade davon sprechen, können wir nochmal kurz zurück zu Ben Carson gehen? Ich denke wir müssen wirklich etwas tun. Dieser Mann ist ein Hirnchirurg. Ein echter GEHIRNCHIRURG. Ich glaube ihr solltet Euch alle mehr fürchten als ich glaube dass ihr es tut.

Anmerkungen des Übersetzters:

Zum Begriff des Weißseins: „Weißsein ist die soziale Lokalisierung von Macht, Privileg und Prestige. Es ist ein unsichtbares Päckchen unverdienter Vorteile. Als eine epistemologische Überzeugung ist es manchmal eine Handhabe der Verneinung. Weißsein ist eine Identität, eine Kultur und eine oft kolonialisierende Lebensweise, die Weißen zumeist nicht bewusst ist, aber selten nicht den ‚People of Color’ [Nicht-Weißen]. Das Weißsein trägt auch die Autorität innerhalb des größeren Kulturraums den es beherrscht, indem es die Bedingungen festlegt wie jeder Aspekt von Rasse diskutiert und verstanden wird. Das Weißsein verfügt so über einen Facettenreichtum und ist durchsetzend. Das systemische Weißsein liegt im Mittelpunkt des Problems von ‚Rasse’ innerhalb dieser Gesellschaft.“ Zitiert aus: Barbara J. Flagg, Foreword: Whiteness as Metaprivilege, Washington University Journal of Law and Policy 1-11 (2005).

Der Begriff ‚race’ wird in der kritischen Diskussion über Rassismus im Amerikanischen in seiner politisierten Bedeutung verwendet und ist klar abgegrenzt zu verstehen von einem rassenbiologistischen Begriff, wenn er sich im westlichen Denken auch ursprünglich darauf begründet hat. Ich setze den Begriff „Rasse“ der Übersetzung in Anführungszeichen, da der Begriff im deutschen Sprachgerbauch vorwiegend durch seinen geschichtlichen Hintergrund der rassistischen Propaganda des NS-Regimes gekennzeichnet ist. In einigen anderen rassismuskritischen Überserzungstexten habe ich nichtdestotrotz bei der Verwendung des Begriffes auf die Anführungszeichen verzichtet, da der Unterschied zwischen politisiertem und rassenbiologistischem Sprachgebrauch aus solchen Texten prinzipiell klar hervorgeht. Da dieser Text einen weitläufig einführenden Charakter hat, habe ich mich hier für die Setzung in Anführungszeichen entschieden.

Alle Links: Stand 15.07.2017.

Definitionsmächtig

Selbst definieren

wenn
weiß-identifizierte und/oder
mainstream Veganer_innen
mir erklären:

was Speziesismus …
was Rassismus …
was Sexismus …
was Ableismus bedeutet

dann ist das nicht intersektional gedacht
sondern sie begeben sich in eine Definitionsmacht.

Ich erlebe und definiere Speziesismus, Rassismus, Sexismus, Ableismus, Klassismus und die Art wie mein Gegenüber mich oder jemanden anderen diskriminiert anders als du es vielleicht tust.

Unser Stand der Dinge: Wie steht es mit der „eigenen Meinungsfreiheit“ und was ist Meinungswirksamkeit?

jesuischar

Unser Stand der Dinge: Wie steht es mit der „eigenen Meinungsfreiheit“ und was ist Meinungswirksamkeit?

Wir – als Gesellschaft – haben im gewissen Sinne alle ein Problem mit der Meinungsfreiheit: Meinungen werden nicht als flexible, sich verändernde Gebilde wahrgenommen, sondern zeigen nur ein grobes politisches (oder nichtpolitisches) Lager an, dem sich jemand zuordnen lässt, und, wir alle (als „Masse“ sozusagen) haben ein Problem mit dem Fokus: alle Welt fokussiert relativ zeitgleich auf ein oder wenige aktuelle Themen, wobei das Problem dabei ist, dass alles, was in dem Moment nicht zu den Mainstreamthemen gehört, sowenig Interesse und Zurkenntnisnahme in der öffentlichen Debatte erhält, als gäbe es überhaupt kategorisch irrelevante Themen und Perspektiven.

In welchem Feld finden sich vor solch einem Hintergrund betrachtet Tierrechte und Antispeziesismus?

Wenn der ethische Veganismus Revolution sein will, kann er sich nicht den bestimmenden politischen Lagern unterordnen, bei denen die Interessen nichtmenschlicher Tiere als relativ unbedeutend für die Gesamtheit ethischer Koexistenz bewertet werden. Ein ethischer Veganismus, die Tierrechtsbewegung und die Antispeziesismusbewegung müssen selbst meinungsbildend sein, in dem Sinne, dass alte politische Kategorien und Lager aufgebrochen und neue Blickweisen aufgezeigt und inspiriert werden. Eine Meinung gilt nichts, wenn sie sich keinen eigenen Raum schafft und nur als Sekundärmeinung betrachtet wird.

Was ist das aber für ein Phänomen, dass „Menschenmassen“ immer zeitgleich auf gleiche Themen anspringen – wobei endlos viele Themen in verschiedener Hinsicht relevanter sein können oder genauso relevant sind, wie die, denen gerade alle Aufmerksamkeit zuteil wird? Es mag meistens letztendlich um Menschenrechtsfragen und Fragen des Weltfriedens gehen, aber es fragt sich, warum Menschenrechte nicht auch Tierrechte und eine reifere Haltung der natürlichen Umwelt gegenüber mit sich vereinbaren lassen könnten.

Wenn auch ein Diktat des Fokus existiert, so können Themenschnittmengen doch einen Ausweg aus den einseitigen Gewichtungen in der Wahrnehmung von Problemkomplexen bieten: kaum ein Thema hat rein gar nichts mit einem anderen zu tun. So wäre die gegenwärtige Debatte über Extremismus und Terrorismus eine Möglichkeit, das Thema der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft/den Gesellschaften allgemein stärker anzusprechen. Gewalt ist den meisten Problemen, mit denen wir primär zu kämpfen haben (Speziesismus, Rassismus, Sexismus, … usw. usf.) immanent; ein einziges Phänomen solcher Gewalt herauszusondern, führt zu keiner tiefergreifenden Analyse und möglichen fundamentalen Kritik der Psychologie der Gewalt.

TIERAUTONOMIE / Gruppe Messel

Alex Herschafts Rezension des 1997 erschienenen Buches Slaughterhouse von Gail Eisnitz, dessen Aussage in unveränderter Weise relevant ist

Alex Herschafts Rezension des 1997 erschienenen Buches Slaughterhouse von Gail Eisnitz, dessen Aussage in unveränderter Weise relevant ist

Gail A. Eisnitz: Slaughterhouse
Eine Rezension von Dr. phil. Alex Hershaft, Vorsitzender von FARM

Slaughterhouse
by Gail A. Eisnitz
Prometheus Books, New York, 1997
310 pp, $29.95 hc

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Übersetzung aus dem Amerikanischen: Gita Yegane Arani-May. Mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. Alex Hershaft.

Inmitten unseres protzenden, hedonistischen High-Tech-Lebensstils, zwischen den blendenden Denkmälern der Geschichte, Kunst, Religion und des Kommerzes, sind die “black boxes”. Das sind die biomedizinischen Forschungs-Laboratorien, Fabrik-Farmen und Schlachthäuser – anonyme Gelände, wo die Gesellschaft ihr schmutziges Geschäft der Misshandlung und des Tötens unschuldiger fühlender Lebewesen durchführt.

Dies sind unsere Dachaus, unsere Buchenwalds, unsere Birkenaus. Wie die guten deutschen Bürger, haben wir eine ziemlich genaue Idee über das, was dort geschieht, aber wir wollen keinerlei Überprüfung der Wirklichkeit. Wir rationalisieren, dass die Tötung erledigt werden muss, und dass es human gemacht wird. Wir fürchten uns davor, dass die Wahrheit unsere Sensibilitäten kränken könnte und uns vielleicht dazu zwingen würde, etwas zu tun. Es könnte unser Leben verändern.

Slaughterhouse von Gail Eisnitz von der ‘Humane Farming Association’, ist eine das Innerste zerreißende, ernüchternde und zugleich sorgfältig dokumentierte Aufdeckung von unsäglicher Folter und dem Tod in Amerikas Schlachthäusern. Es sprengt deren allgemeines Image von unklaren Fabriken, die stummes ‘Nutzvieh’ zum sterilen, cellophanverpackten ‘Nahrungsmittel’ in der Fleischauslage machen. Die Angaben von Dutzenden von Schlachthausarbeitern und USDA-Inspektoren ziehen den Vorhang zu abscheulichen Höllenlöchern auf, in denen die letzten Minuten von unschuldigen, fühlenden, intelligenten Pferden, Kühen, Kälbern, Schweinen und Hühnern in endlose Todesqualen gewandelt werden. Und ja, das Buch mag wohl ihr Leben verändern. Hier sind einige ausgewählte Textstellen (Warnung! Das Material das folgt ist stark erschütternd).

Die Todesqualen beginnen wenn die Tiere über lange Distanzen transportiert werden, unter extremen Beengungen und harten Temperaturen. Hier ist ein Bericht von einem Arbeiter der damit beauftragt ist Schweine abzuladen: “Im Winter kommen einige Schweine total an die Seiten des Lasters angefroren rein. Man bindet eine Kette um sie und reißt sie von den Wänden des Lastwagens. Dabei bleibt ein dickes Stück Haut und Fleisch zurück. Sie haben vielleicht noch ein bisschen Leben in sich, aber die Arbeiter werfen sie einfach auf Stapel von toten Tieren. Sie werden sterben, früher oder später.”

Einmal in dem Schlachthaus sind einige Tiere zu verletzt um zu laufen und andere verweigern sich einfach still in ihren Tod zu gehen. Dies ist wie die Arbeiter damit umgehen: “Die bevorzugte Methode einen Krüppel zu behandeln, ist ihn mit einem Bleirohr totzuschlagen bevor er in die ‘chute’ kommt … . Wenn du ein Schwein in der ‘chute’ kriegst, aus dem die Scheiße rausgeprügelt wurde und das einen Herzanfall hat oder sich verweigert sich zu bewegen, nimmst du einen Fleischhaken und hakst ihn in sein Arschloch (After) fest … und oft reißt der Fleischhaken aus dem Arschloch raus. Ich habe Schenkel gesehen die völlig aufgerissen waren. Ich habe auch gesehen wie Därme herauskommen.”

Und hier ist was die Tiere in der Tötungs-Stufe erwartet. Zuerst die Angaben von einem Pferdeschlachthausarbeiter: “Du bewegst dich so schnell, dass du hast keine Zeit hast zu warten, bis ein Pferd ausblutet. Du häutest ihn während er blutet. Manchmal ist die Nase von einem Pferd unten im Blut, bläst Blasen und er erstickt.”

Dann ein anderer Arbeiter, über die Kuhschlachtung: “Oft stellt der Häuter fest, dass eine Kuh immernoch bei Bewusstsein ist wenn er die Seite ihres Kopfes aufschneidet und sie wild zu treten anfängt. Wenn das passiert, … stößt der Häuter ein Messer in das Hinterteil ihres Kopfes um das Rückrad durchzuschneiden.” (Dies lähmt das Tier, aber beendet nicht die Schmerzen des lebendig Gehäutetwerdens.) Und noch ein anderer, über Kälber-Schlachtung: “Um schneller mit ihnen fertig zu werden, stellen wir jeweils acht oder neun von ihnen auf einmal in die ‘knocking box’… Du fängst an zu schießen, die Kälber springen, sie stapeln sich alle aufeinander. Du weißt nicht welche erschossen sind und welche nicht… Sie werden weggehängt, und so fahren sie die Reihe weiter, winden sich und schreien” (um geschlachtet zu werden, während sie bei vollem Bewusstsein sind).

Und über Schweine-Schlachtung: “Wenn das Schwein bei Bewusstsein ist, … braucht es eine lange Zeit für ihn, um auszubluten. Diese Schweine kommen zu dem Erhitzungs-Tank, treffen aufs Wasser und fangen an zu treten und zu schreien … . Da ist ein rotierender Arm der sie runterdrückt. Keine Chance für sie rauszukommen. Ich bin mir nicht sicher ob sie zu Tode verbrühen bevor sie ertrinken, aber sie brauchen ein paar Minuten um mit dem Treten aufzuhören.”

Die Arbeit fordert einen schweren emotionalen Tribut von den Arbeitern. Hier ist der Bericht eines Arbeiters: “Ich habe den Druck und die Frustration von meinem Arbeitsplatz an den Tieren, an meiner Frau, … und an mir selbst abgelassen und stark getrunken.” Dann wird es viel schlimmer: “… ein Tier das dich völlig abnervt, tötest du nicht einfach. Du … zerstörst die Luftröhre, machst, dass es in seinem eigenen Blut ertrinkt, spaltest seine Nase… Ich habe habe sein Auge rausgeschnitten … und dieses Schwein hat einfach geschrien. Einmal habe ich …. das Ende von der Nase von einem Schwein abgeschnitten. Das Schwein ist verrückt geworden, also nahm ich eine Handvoll Salzlake und hab sie in seine Nase gerieben. Jetzt ist das Schwein wirklich ausgeflippt … .”

Sicherheit ist ein wesentliches Problem für Arbeiter, die scharfe Instrumente bedienen, während sie auf einem Boden stehen der glitschig von den Blutmassen ist, umgeben von bei Bewusstsein seienden Tieren, die um ihr Leben treten, und unter dem Druck einer beschleunigenden Schlachtungsreihe. Tatsächlich ziehen sich 36 Prozent ernsthafte Verletzungen zu, was ihre Arbeit zu der gefährlichsten Amerikas macht. Arbeiter, die Behindert sind und solche die sich über Arbeitsbedingungen beschweren, werden gefeuert und häufig ersetzt durch nicht-registrierte Ausländer. Vor ein paar Jahren kamen 25 Arbeiter bei einem Feuer in einem Hühnerschlachthaus in Hamlet, North Carolina, ums Leben, weil die Betriebsleitung die Notausgänge verschlossen hatte um Diebstahl zu verhindern.

Hier ist der Bericht eines Arbeiters: “Die Bedingungen sind sehr gefährlich und Arbeiter sind für die Maschinen nicht gut ausgebildet. Eine Maschine hat eine schwirrende Klinge, in der sich die Leute verfangen. Arbeiter verlieren Finger. Die Brust von einer Frau hat sich in ihr verfangen und wurde abgerissen. Einer anderen ihr T-Shirt hat sich verfangen und ihr Gesicht wurde in sie hineingezogen.”

Obwohl Slaughterhouse auf ‘animal cruelty’ (Tierquälerei) und die Sicherheit der Arbeiter fokussiert, geht es auch die Fragen betreffend der Gesundheit von Konsumenten und in diesem Zug das Versagen des ‘federal inspection systems’ an. Die ergreifende Schilderung von der Mutter eines Kindes, das einen Hamburger gegessen hatte, der kontaminiert war mit E. coli, beschreibt: “Nach Briannes zweiter Not-Operation ließen die Chirurgen sie offen von ihrem Sternum bis zu ihrem Schambereich um ihren geschwollenen Organen Platz zu lassen sich auszudehnen, und so zu verhindern, dass sie sonst ihre Haut zerreißen würden … . Ihr Herz … blutete aus jeder Pore. Die Gifte brachten Briannes Leber und Bauchspeicheldüse zum Stillstand. Eine Insulin-Infusion wurde angebracht. Mehrere Male verfärbte ihre Haut sich wochenlang schwarz. Sie hatte eine Anschwellung des Gehirns, die die Neurologen nicht behandeln konnten … . Sie sagten uns, dass Brianne im Grunde Hirntod war.”

Slaughterhouse hat einige Schwachstellen. In einem Versuch die Zeitabfolge der Untersuchung zu reflektieren, leidet die Darstellung an schwacher Strukturierung und teilweise überflüssigen Einzelheiten. Aber dies ist so etwa, wie die Aussagen über meine Holocaust-Erlebnisse wegen meines polnischen Akzentes zu kritisieren. Das Hauptproblem steht nicht im Zusammenhang mit dem Inhalt des Buches, sondern mit dem Cover-Design des Verlegers. Der Titel und die geköpften Kadaver, die abgebildet sind auf dem Schutzumschlag, stellen in effektiver Weise sicher, dass das Buch nicht von einer breiten Leserschaft gelesen wird, und dass die schockierende Aussage darinnen nicht raus zur konsumierenden Öffentlichkeit durchdringen wird.

Und dies ist bedauernswert. Weil die zahllosen Tiere, deren Todesqualen das Buch so plastisch dokumentiert, verdienen, dass ihre Geschichte erzählt wird. Und weil Slaughterhouse das stärkste Argument für fleischloses Essen ist, das ich jemals gelesen habe. Eisnitz’s schließender Kommentar “Nun wissen Sie es, und Sie können helfen diese Gräueltaten zu beenden” sollte eine starke Warnung sein. Nach 25 Jahren der Arbeit über Farmtier-Fragen und der Leitung zahlreicher Demonstrationen gegen Schlachthäuser hat es mich tief betroffen gemacht. In der Tat hat das Lesen von Slaughterhouse mein Leben verändert.

A.d.Ü.: Die Neuauflagen des Buches verwenden ein anderes Coverdesign – nicht mehr das mit den aufgehängten Leibern.

Personen die dabei helfen möchten diese Information an die allgemeine Öffentlichkeit zu bringen, sollten FARM und die HFA kontaktieren. Falls notwendig, übernehmen wir genre die Kontaktaufnahme gerne für Sie.

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

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Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

Anastasia Yarbrough, http://animalvisions.wordpress.com/http://inneractivism.com/

Dieser Text als PDF (Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Eine Präsentation von Anastasia Yarbrough anlässlich der ersten Sistah Vegan Konferenz, die am 14. September als Webkonferenz, organisiert von Dr. Amie Breeze Harper, stattfand. Siehe dazu: http://simorgh.de/niceswine/tag/sistah-vegan. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von A. Yarbrough.

In dieser Präsentation geht es um die Narrative, die wir über die Unterdrückung von Tieren weitervermitteln. Als Tierrechtaktivist_Innen steht uns die Möglichkeit zu, in unseren Schilderungen tiefer zu gehen und uns nicht allein auf die Tokenisierung der Kämpfe farbiger Menschen und Frauen zu verlassen. Auch müssen wir keine Tokenisierung von Tieren als romantischen Symbolen, die der menschlichen Identität dienlich sein sollen, betreiben. Stattdessen können wir über den tatsächlichen Kampf reden, den Tiere durchfechten müssen, und wir können über ihre Leben sprechen, so gut wir das eben nur können. Wir können ans Licht befördern genau wie sie mit den Bemühungen um Freiheit usw. anderer, menschlicher Gruppen in Verbindung stehen, und zwar indem wir die Geschichten derjenigen Kräfte (und der Identitätsgruppen, die hinter diesen Kräften stecken) schildern, die das Ganze letztendlich miteinander verbinden.

I. Wer ich bin?

Mein Name ist Anastasia Yargrough. Ich arbeite als facilitator consultant, community educator und bin nebenbei auch Musikerin. Ich arbeite nunmehr seit 15 Jahren im tierschützerischen Bereich, und zuletzt, seit etwa 5 Jahren, bin ich im als Sprecherin und organisatorisch in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Ich war im Vorstand des Institute for Critical Animal Studies und bin gegenwärtig im Beirat des Food Empowerment Projects.

Bedanken möchte ich mich ganz besonders bei A. Breeze Harper, die diese Online-Konferenz ermöglicht hat. Bei Adam Weitzenfeld und pattrice jones dafür, dass sie wunderbare inspirierende Gelehrte/Aktivist_Innen sind, die sich auch als gute Zuhörer erwiesen haben wenn es um die Themen ging, mit denen ich mich zurzeit auseinandersetze. Und mein Dank gilt auch all den Aktivist_Innen dort draußen, die sich für eine totale Befreiung einsetzen, selbst unter den enorm schwierigen herrschenden Bedingungen.

II. Warum ich spezifisch über weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat spreche?

► Diese alles durchdringenden und miteinander verwobenen Kräfte stellen in der Tierrechtsbewegung eine tragende Säule dar. Die TR-Bewegung ist auf die eurozentrischen Länder konzentriert und innerhalb dieser Länder ist die Mehrheit ihrer Mitglieder weiß und die Mehrzahl ihrer Führungspersönlichkeiten besteht aus weißen Männern. Folge dessen ist eine Tendenz zum Eurozentrismus, was die ideologische Grundlage für Fragen der Mensch-Tier-Beziehung anbetrifft. Auch ist es nicht selten, tierschützerischen und veganen Kampagnen zu begegnen, die ein europäisches Ideal vermitteln (beispielsweise die Kampagne gegen das Hunde-Essen in China). Der Eurozentrismus macht es Menschen, die nicht weiß sind, schwer zu meinen sie hätten einen Platz innerhalb der Bewegung, insbesondere auch dann wenn deren Tierethik nicht unbedingt dem vorherrschenden „Mainstream“ der Bewegung entspricht. Der Einfluss des Patriarchats wiederum wird besonders dann sichtbar, wenn wir betrachten, dass die Mehrheit der Bewegung zwar aus weiblichen Aktivistinnen besteht, dennoch aber 50% der Führungskräfte in den großen aktiven Tierschutz-Nonprofits allesamt männlichen Geschlechts sind. Wenn es bei den großen Veranstaltungen und Tagungen der Bewegung, wie beispielsweise bei der National Conference in Washington DC, nicht möglich ist diese Themen ernsthaft anzusprechen, und solche Themen sogar als trivial und als nicht wesentlich zur Stärkung der Bewegung abgetan werden, dann haben wir ernsthaft ein Problem.

► Die große Mehrheit von Tierrechtsorganisationen und ihrer Sprecher_Innen vergleichen die moderne Tierrechtsbewegung und zitieren Beispiele aus der antirassistischen und der antisexistischen Bewegung in den USA, ohne wirklich zu verstehen wie Rassismus und Sexismus in Amerika eigentlich funktionieren. Sie nehmen einfach an, dass sie es wüssten, weil sie sich als Aktivist_Innen für eine gleichermaßen unterdrückte Gruppe (die diverse Vielzahl von Lebewesen, die wir gemeinhin subsumierend als „Tiere“ bezeichnen) einsetzen.

◌ Bei der Nationalen Tierrechtskonferenz von 2013 in Washington DC, sagte Norm Phelps [ein bekannter Tierrechtsautor in den USA] in der eröffnenden Plenarversammlung zu den Teilnehmer_Innen, dass die Tierrechtsaktivist_Innen heute die Frederick Douglasse und Harriet Tubmans unserer Zeit sind. Nathan Runkle [der Sprecher der Organisation Mercy for Animals] sagte bei derselben Versammlung, dass die Tierrechtsbewegung der nächste evolutionäre Schritt sei im Vorwärtskommen sozialer Gerechtigkeitsbewegungen; die Tierrechte seien die neue große soziale Gerechtigkeitsbewegung.

► Dieses sich vollständig auf die Lektionen der Kämpfe aus der antirassistischen und den antisexistischen Menschenrechtsbewegungen der Vergangenheit verlassen, ist an sich in keinerlei Hinsicht ein Problem. Beide Bewegungen sind Teile unseres Erbes und wir kommen nicht umhin im Schatten ihrer Geschichte weiterzumachen. Nicht zuletzt sind die hervorragenden Persönlichkeiten dieser Bewegungen unsere Vorfahren und einflussreiche Pioniere für die Bemühungen weltweit um soziale Gerechtigkeit und in Umweltschutzbelangen gewesen. Doch wenn Führungspersönlichkeiten innerhalb der Tierrechtsbewegung bequeme Analysen betreiben, um sie als einen Hebel einzusetzen zur fortgeschrittenen Legitimierung der Tierrechtsbewegung, dann dient das unserer Bewegung nicht, und der entscheidende Punkt wird hier einfach verpasst. Es gibt einen Grund weshalb die Kämpfe der Farbigen, der Frauen und der Tiere sich ähnlich genug sehen, dass der Vergleich zulässig ist. Und diese Gemeinsamkeit liegt in der Verbindung, die gegeben ist durch die systemischen Kräfte, die ihrer aller Unterdrückung nährt und am Fortbestehen erhält. Ein weiterer Redner könnte einmal eine Analyse von jeglichem Winkel innerhalb dieser Matrix betreiben. Heute fokussiere ich auf die Punkte weißen Überlegenheitsdenkens und Patriarchat.

III. Wie weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat Tiere in direkter Weise betreffen.

► Die gleichen Kräften, unterschiedliche Gruppen.

◌ Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat (die ich von hier ab als „weißes Patriarchat“ bezeichnen werde) wurden von Theoretikern aus den Bereichen kritischer Rassenstudien und respektive des Feminismus in den USA seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Farbige Menschen mussten sich mit dem Weißsein und Frauen mit dem Patriarchat detailliert auseinandersetzen um überleben zu können. Das Weißsein und das Patriarchat werden kollektiv begriffen als Konstrukte sozialer Identitäten, die sich strukturell über die Zeit hinweg verstärken. Das bedeutet, dass ihre initiale Erschaffung beabsichtigt war, und dass Menschen sich zur Annahme der Identitäten aus freien Stücken entschieden haben. In einer neueren Studie über die Theorie des Privilegs durch den Anarchist Federation’s Women Caucus (den Frauenausschuss der Anarchistischen Föderation) wurde betont, dass Identitätsgruppen wie Männer und Weiße nicht wirklich ihr Privileg aufgeben können, gleich wie sehr Individuen dieser Gruppen das auch möchten. Sie sind in diese Identitäten hineingeboren, in diesen Identitätsgruppen großgezogen worden und sie sind eingetaucht in ein System, aus dem sie nicht aussteigen können oder in dem sie sich überhaupt dazu entscheiden könnten, nicht mehr von diesem zu profitieren. „Du bist für das System, das dir dein Privileg erteilt nicht verantwortlich, nur dafür, wie du darauf reagierst.“ bell hooks hat das weiße Patriarchat häufig assoziiert mit Akten des Terrorismus (nämlich der Sklaverei, der Vergewaltigung, der Folter und den Mord) gerichtet spezifisch gegen schwarze Menschen und schwarze Frauen. Diese Akte des Terrorismus – Sklaverei, Vergewaltigung, Folter und Mord – sind auch das, was auch wir in der Tierrechtsbewegung versuchen wollen abzuschaffen. Es ist keinerlei Überraschung, dass diese Akte allesamt aus dem gleichen System entwachsen. Wie können wir in einer Gesellschaft leben, in der all das geschieht, ohne dass es uns überhaupt etwas ausmacht? Nun ja, zum einen macht sich das weiße Patriarchat nicht sichtbar. Wie irgendein anderes Konstrukt einer sozialen Identität, die ein sozioökonomisches System auf der Basis der Ausbeutung der schwächeren und verletzlicheren Individuen und Gemeinschaften erhält, indem es diejenigen marginalisiert, die den Status quo des „Mainstreams“ stören, in dem systematische Gewalt zum Vorteil privilegierter Gruppen begangen wird, in dem die Gedanken, Körper, Räume und die Reproduktion anderer Gruppen dominiert wird, so ist das weiße Patriarchat eine Institution, die es schafft all dies aufrecht zu halten während es selbst unsichtbar bleibt. Wir müssen uns in ganz bewusster Weise darum bemühen es sichtbar zu machen. In der Tierrechtsbewegung haben wir, wenn wir über die Unterdrückung der Tiere durch Menschen sprechen, Gelegenheiten um weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat hinter der Ausbeutung, der Dominierung, der Reproduktionskontrolle, der Marginalisierung und der systematischen Tötung sichtbar zu machen. Wir können die Tokenisierung von Tieren als Maskottchen, die tatsächlich dem Zwecke ihrer Ausbeutung und Ermordung dient, benennen. Wir können auf die Tötungen von Tieren, in den Tierheimen und halbwilder und verwilderter Tiere, als Schuldzuweisung auf das Opfer hinweisen. Wir können darüber sprechen, wie wildlebende Tiere marginalisiert werden durch den Verlust ihres Habitats, verursacht durch die Agrarkultur und den sich ausdehnenden Städtebau, und wie „invasive/schädliche“ Spezies ein bequemes Ziel der Schuldzuweisung werden, wobei bei ihnen tatsächlich weder Hauptgrund und –ursache zu suchen sind. Wir können die Reproduktionskontrolle, die Zwangszucht, genetische Manipulation und die in die Sexualität eingreifende Gewalt sichtbar machen, die Institutionen am Leben erhalten wie die Tierversuchslaboratorien, die Tiere involvierende Agrarkultur, die Haustierhaltung, Zoos und Aquarien, Jagdreviere, Aquakultur und die Unterhaltungsindustrien die Tiere einbeschließen. Die Tokenisierung, die Schuldzuweisung auf das Opfer, die Marginalisierung und die Reproduktionskontrolle, sind die Grundpfeiler des weißen Patriarchats. Innerhalb des weißen Überlegenheitsdenkens in Amerika tendiert der Mainstream dazu, sich mit Tieren und farbigen Menschen dann zu identifizieren, wenn sie tot oder auf eine Fast-Unsichtbarkeit reduziert sind. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass wir diese Gruppen tatsächlich respektieren, indem wir sie romantisieren, und die, die sie in Wirklichkeit sind, für uns in unserer Vorstellungswelt in der Weise passend für unsere eigene Identität modulieren, nun wo unsere Vorfahren und Zeitgenossen sie bereits als eine Bedrohung außer Kraft gesetzt haben. Ein wesentlicher Grundpfeiler des weißen Patriarchats ist aber auch die Frage der Bürgerschaft. Die einzig legitimen Stimmen sind diejenigen, die „echte Bürger“ der Gruppe darstellen. Und in der Tierrechtsbewegung stellt dies ein enormes Hindernis dar in den Bemühungen um eine Bewirkung der Anerkennung der Interessen von Tieren durch die Gesellschaft.

►Das weiße Patriarchat als treibende Kraft in Tierverteidigungskampagnen.

◌ Die Kampagnen von PETA sind berüchtigt wegen ihrer rassistischen und sexistischen Komponenten. Ich werde hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, da eine andere Sprecherin bei dieser Konferenz ihre Analyse der Organisation PETA vorstellen wird. PETA sind jedenfalls ein sehr offensichtliches Beispiel für das weiße Patriarchat als treibende Kraft hinter ihren Zielen und Strategien. Nicht allein in den Öffentlichkeitsstunts der Organisation, sondern auch in ihren Politiken und Praktiken, die Tiere in ganz unmittelbarer Weise anbetreffen. PETA hat eine Geschichte zu verzeichnen, in denen sie mehr ihrer vermeintlich geretteten Hunde und Katzen getötet haben, als sie an ein neues Zuhause vermittelten. Nathan Winograd hat PETA seit Jahren wegen ihrer desaströsen Tierheimunterbringungspraktiken und Vorgehensweisen kritisiert. PETAs Unterstützer_Innen haben daraufhin entgegnet, dass Winograd nicht erwähnt habe, wie viele Tiere man aus den Gefahren, die für sie in überfüllten Tierheimen drohten, extra herausadoptiert habe, und dass es besser für diese Tiere sei einen „gnadenvollen“ Tod zu erleiden, als ein Leben in einen Tierheim zu verbringen, oder was noch schlimmer sei, als ein Leben ohne ein echtes Zuhause. Was mir dies sagt ist, dass für PETA die beste Art einer ethischen Beziehung zu Tieren, auf die wir unter PETAs Richtlinien hoffen könnten, diejenige ist mit toten Tiere, da es ja keine Möglichkeit gibt, alle diese Tiere unter einer kompletten institutionellen Kontrolle zu halten, und es dann effizienter wäre die Tiere einfach zu töten um sich dann auf die Schulter zu klopfen, dass man ja das richtige getan habe, denn man weiß ja schließlich auch genau, was das Beste ist. Das ist weißes Patriarchat.

◌ Verdeckte Nachforschungen bildeten die wesentliche Taktik zur Aufdeckung einiger der schlimmsten Gewaltakte gegen Tiere. Was oft nicht betont wird in solchen Ermittlungen von Tiermissbrauch in Fabrik-Farmen oder bei Kampagnen gegen den Hundekampf oder gegen Hahnenkämpfe oder bei Aufdeckungen des illegalen Handels mit wildlebenden Tierarten, sind die rassifizierten Komponenten die bei diesen Gräueltaten mitschwingen. Die große Mehrzahl derjeniger Menschen, die die niederen Arbeiten verrichten und die illegalen Taten begehen, denen wir immer wieder in den Nachrichten begegnen, und auf die der Zorn und die Empörung der Aktivist_Innen niederprasselt, sind farbige Menschen.

◦ Fremdarbeiter aus Ländern wie Mexiko und Guatemala machen ein Fünftel der Arbeiterschaft in den Agrarindustrien aus. Sie haben typischerweise keinen High School Abschluss und ihre Optionen bei der Arbeitssuche sind daher gering, auch haben sie normalerweise wenig in der Leitung dieser Farmbetriebe zu sagen. Sie sind einfach Hände – oft die blutigen Hände – die 10 bis 12-stündige Schichtdienste verrichten. Der US-amerikanische Imperialismus und Rassismus stößt sie in Jobs wie diese, wo die Möglichkeiten der Wahl dessen, wie man seine Einkünfte bestreitet, gering sind. Sie werden häufiger wegen Grausamkeit gegen Tiere belangt als die Betreiber der Farmen, die die echten Profite aus der Sache schlagen. Und Tierverteidigungsorganisation wissen das, wenn sie Klagen erheben; sie versuchen einfach jeden „Erfolg“, gleich welchen, zu erlangen, wenn er denn nur erlangbar ist. Zum Schluss hilft das den Tieren weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, denn es erlaubt es den Shareholdern einer Verantwortlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es erlaubt den Geschäftsbetreibern die Sündenbockfunktion den verarmten und oft analphabetischen Wanderarbeitern zuzuschieben, die kaum juristischen Schutz haben, und es sendet eine für die Öffentlichkeit irreführende Botschaft aus, dass man was gegen die „schlimmen Typen“ getan habe, wobei sie in Wirklichkeit einfach nur durch andere Immigranten gleichen Hintergrunds ausgetauscht werden, die dann ebenso den Verstand verlieren werden, mit der Gewalt, die sie stundenlang täglich ausführen müssen.

◦ Hundekämpfe sind so alt wie die zivilisierte Welt selbst. Und Hahnenkämpfe begannen in Europa etwa um das 15. Jahrhundert herum aufzutauchen. Beide dieser Blutsportarten zählten gewöhnlicherweise zu den Aktivitäten wohlhabender Landbesitzer, Handeltreibender und Aristokraten; in anderen Worten: Leute die Geld hatten. Heute werden diese Blutsportarten mit armen farbigen Menschen in Verbindung gebracht. So sehen die Kampagnen gegen diese grausamen Bräuche oft aus wie eine spezifische Strafung Farbiger, nun wo weiße Menschen der Mittel- und Oberschicht kulturell „jenseits“ von solch einem Barbarismus stehen.

◦ Der illegale Handel wildlebender Tierarten ist ein Thema, das nicht allein die Tierverteidigungsbewegung beschäftigt, dieses Thema ist auch bestimmend in Bereichen umweltschützerischer Tätigkeiten. Kampagnen und Berichte betonen die Prozentzahl des illegalen Handels, so dass man sich auf CITES und damit auf juristische und politische Richtlinien berufen kann. Soweit hat das allerdings keinen besonders großen Unterschied erbracht, was die Anzahl von Tieren, lebend oder tot, anbetrifft, die aus ihrem gebürtigen Land oder Wasser herausgeschmuggelt werden. Die Gegenden wo die meisten dieser Aktivitäten stattfinden, liegen in Südostasien und in Subsahara-Afrika. Nachrichtenmedien, Dokumentationen und Kampagnen fokussieren zumeist extensiv auf die Seite der „Wilderei“ im Handel mit wildlebenden Tierarten, die ausschließlich von den farbigen Menschen in den Regionen betrieben wird. Obgleich das Geschäft des Handels wildlebender Tierarten Teile großer krimineller Syndikate bildet, sind die Leute, die wir überall in Bildern und in den Nachrichtenartikeln sehen, diejenigen mit wenig Ressourcen und mit weniger Sagen in den großen Syndikaten – Leute die einfach ausgetauscht werden können, die man einfach zu Sündenböcken machen kann. Es ist weitaus schwieriger die wohlhabenden Konsumenten von Produkten aus wilden Tieren sichtbar zu machen, und es ist schwieriger Reiche in Frage zu stellen, Jagdsitze in Privatbesitz, die vom Geschäft mit dem Handel „exotischer“ Tierarten profitieren, es ist schwieriger amerikanische und europäische Privatinvestoren von Milizen und kriminellen Syndikaten in diesen Regionen anzugreifen, also tut es auch niemand. Es ist weitaus einfacher, arme farbige Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die die tatsächliche Gewalt und die tatsächliche Straftat begehen, denn das sind die Plakatkriminellen, und das weiße Überlegenheitsdenken und der Kolonialismus können ungehindert weitermachen, unbemerkt, in ihren systemerhaltenden Funktionen.

◦ Rassismus, Klassismus und Kolonialismus treiben farbige Menschen dazu, sich übermäßig auf die Ausbeutung von Tieren zu verlassen, und weil sie nicht den Schutz durch Wohlstand und Weißsein genießen, tragen diese Leute die Last der Konsequenzen, während die Schwergewichte in Sachen Ermöglichung, ihr Geschäft weiter und wie gehabt betreiben können.

IV. Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

V. Schlussfolgerung

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat sichtbar zu machen, ist wichtig um die Unterdrückung von Tieren sichtbar zu machen. Oft stecken diese hinter den Gräueltaten die gegen Tiere begangen werde, wogegen wir schließlich kämpfen.

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat beeinflussen die Ziele der Bewegung und der angewendeten Strategien. Wir können evaluieren, wie unsere Ziele und Strategien weitervermittelt werden, und indem wir die Intention hegen diese Kräfte sichtbar zu machen, anzuerkennen was wirklich los ist, indem wir uns unsere eigene Rolle in all dem bewusst machen, können wir die Verantwortung für eingeschlagene Richtungen in der Bewegung übernehmen.

► Nun wo andere Aktivist_Innen Analysen über den Abelismus, Heterosexismus, Cissexismus und Queerness mit einbeziehen, haben wir die Möglichkeit, dass die Tierrechte sich zu einer echten Pioniersfront der intersektionalen Bewegung entwickeln können. Schaffen wir es diese Herausforderung anzunehmen?

Weitere Beispiele weißen Patriarchalismusses:

„Ich hab ihm gerade einen Nasenring angebracht … , so dass er nicht mehr bei seiner Mutter saugt. Er braucht es einfach nicht mehr … . Er wird sich dran gewöhnen. Wir haben es mit den anderen Kälbern auch so gemacht. An dem Ring sind nur einige Zacken, und das ist damit es die Kuh an ihrem Euter stört wenn er versucht zu saugen, sie wird ihn dann wegtreten … . Tja, das ist halt noch so eine weitere spaßige Sache, die du so auf einer Farm machen kannst.“

http://www.youtube.com/watch?v=mOMYfrFKHyE&feature=youtu.be

Malerei: © Farangis G. Yegane

(Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.)

Copyright © 2013, Anastasia Yarbrough, Gita Y. Arani-May / Palang LY. Alle Rechte vorbehalten.

 

Jeden Tag einen Veganday machen

Farangis: Vegan Feminist Punk 1983.

Warum ein Veggieday in Kantinen? Warum nicht vegane Aufklärungsarbeit 24/7? Warum nur den einen berühmten Tropfen auf den heißen Stein geben, wenn man statt dessen doch auch mal versuchen könnte einen ganzen Wasserstrahl umzulenken?

Die Grünen haben in ihrer Grünen Jugend ein starkes veganes Kontingent, wie es scheint. Warum aber wird eher lax halt grad mal so ein Veggie-Tag für Kantinen vorgeschlagen, wenn man das Thema Vegetarismus / Veganismus auch politisch (ernsthaft) aufgreifen könnte? Das einzige fundamentale, was mir zum Thema Vegetarismus von den Grünen bisher als durchschnittlicher Medienkonsument aufgefallen ist, ist ihr zwei Seiten langer Text zum Thema Vegetarismus, in ihrer mir irgendwie nichtsdestotrotz karnistisch anmutenden Publikation dem “Fleischatlas“.

Karnistisch erscheint mit der Fleischatlas insofern, als dass ‘Farmtiere’ nicht von ihrem Status als ‘Fleischlieferanten’ rehabilitiert werden. SCHOCK! Warum ich das meine, obwohl im Fleischatlas doch die Perversion der Massentierhaltung bemängelt wird? Ich meine das, weil nürgends der Veganismus als machbare Lösung für das Problem Fleischprodutkion und -verzehr vorgeschlagen wird.

Was mir auffällt beim Fleischatlas ist die Distanz zum inneren Kern dieses dort Subthemas. Ein so große Distanz, dass man das Thema eben auf zwei Seiten schrumpfen kann.

“Die UN hat aber gesagt … “

Im Jahr 2010 hat die UN mittels einer ihrer veröffentlichten Studien ja bereits auch eingeräumt, dass es ohne den Schritt zum ganz pflanzlichen Vegetarismus nicht geht:

“A global shift towards a vegan diet is vital to save the world from hunger, fuel poverty and the worst impacts of climate change, a UN report said today.” Felicity Carus: ‘UN urges global move to meat and dairy-free diet’, guardian.co.uk, 2 Juni 2010. (das Zitat hier auf Deutsch).

Das Zitat bezieht sich auf folgende Passage in dem UNEP Bericht: Assessing the environmental impacts of consumption and production (Priority Products and Materials, United Nations Environment Programme), Seite 78, 2010. [ISBN: 978-92-807-3084-5]

Unter Schlussfolgerungen:

‘Food. Food production is the most significant influence on land use and therefore habitat change, water use, overexploitation of fisheries and pollution with nitrogen and phosphorus. In poorer countries, it is also the most important cause of emissions of greenhouse gases (CH4 and N2O). Both emissions and land use depend strongly on diets. Animal products, both meat and dairy, in general require more resources and cause higher emissions than plant-based alternatives. In addition, non-seasonal fruits and vegetables cause substantial emissions when grown in greenhouses, preserved in a frozen state, or transported by air. As total food consumption and the share of animal calories increase with wealth, nutrition for rich countries tends to cause higher environmental impacts than for poor countries.’

Hier hätte etwas entstehen können an institutionell politischem Momentum, aber die UN ist teils wieder am zurückradeln, so finden sich in ihren Einschätzungsberichten mitunter widersprüchliche Aussagen.

In diesem Schreiben von 2011 wird dererseits aber weiterhin auf die Wichtigkeit der Förderung des Vegetarismus im Kontext von Nachhaltigkeit und Lebensmittelgerechtigkeit hingewiesen: Letter dated 7 October 2011 from the Permanent Representative of Germany to the United Nations addressed to the President of the General Assembly , siehe hier und hier.

Eindeutig besser find ich, was das allgemeine Fußvolk der UNO zum Thema Vegetarismus, Veganismus und Umweltschutz vorschlägt: United Nations Environment Programme. Man höre und staune!!!

Der Speziesismus, die Speziesismen

Der Speziesismus dekliniert sich. Die Objektifizierung nichtmenschlicher Tiere läuft vielschichtig ab:

  • Auf juristischer Ebene können wir von einem Speziesismus sprechen der die Tiere als Besitz klassifiziert (i.e. Sachen, über die Menschen verfügen).
  • Im religiösen Bereich wird dem Mensch auf spiritueller Ebene gegenüber dem Tier der Vorzug gegeben und ihm das Privileg des Rechts auf Unterwerfung der Natur erteilt. Zumindest ist das in den großen monotheistischen Religionen so.
  • In den verschiedenen philosophischen Schulen treffen wir Argumente an, die Speziesismus unterschiedlich fundieren können (z.B. Kontraktualismus, Utilitarismus mit teils ‘mildem’ Speziesismus).
  • In den Naturwissenschaften unterscheidet man zwischen Instinktwesen, den vermeintlich weniger komplexen Lebensformen, den  vermeintlich höheren Wesen und dem Menschen als das vermeintlich organisch komplexeste Lebewesen, was Geist und Gehirn anbetrifft.
  • Es gibt eine speziesistische Ausprägung in der Gesellschaft, die sich im Karnismus ausdrückt, wobei domestizierte „Nutz-“Tiere allein (oder letztendlich, wie z.B. im Falle von Pferden oder Exoten wie Straußen) als Lebensmittellieferanten gesehen werden.
  • Haustiere die in unserer Gesellschaft eigentlich geliebt werden sind aber auch von speziesitsischen Sichtweisen betroffen.
  • Wildtiere, die von den Jägern in deren „Jagdkultur“ eingebaut sind, und die Vorstellung vom Urzustand des Menschen als „Jäger und Sammler“ die weiter durch die Jagd gepflegt wird … sind in eigener Weise betroffen.
  • Aber auch sind Wildtiere betroffen von auf sie und ihren Fall zugeschnittene speziesistische Argumentationen, wenn es darum geht ob sie als invasive Spezies gelten oder als heimisch und vielleicht schützenswert.

Auf jede Tierart werden wir eine oder mehrere Ausprägungen speziesistischer Sichtweisen antreffen. Speziesismus – als unterordnende Haltung des Menschen gegenüber nichtmenschlichen Tieren – scheint in allen Segmenten menschlicher Kulturen, die das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt bestimmen, mit angelegt zu sein.

Wenn wir von „dem Speziesismus“ sprechen, sollte im Auge behalten werden wie außerordentlich komplex und daher schwer analysierbar sich die Abwertung des tierlichen Lebens in unseren anthropozentrischen Kulturen und Gesellschaften gestaltet.

re-edited: 14 Feb. 17