Tod ist nicht verhandelbar

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Es geht nicht um „Fleisch“, es geht um Tiermord

Manche wollen die Tötungsmaschinerie „realpolitisch“ reformieren, mit der Formulierung des Langzeitziels: Tierrechte und Veganismus.

„Töten oder nicht töten“ ist aber keine Grundsatzfrage, die wir längerfristig miteinander verhandeln können. Töten ist das Verdikt des fundamentalsten existierenden Unrechts.

Der Zoozid kann nur durch klare Positionierungen, eine konsequente Hinterfragung und durch Dekonstruktion eine den Tatsachen gerecht werdende breite gesellschaftliche Ächtung finden.

Gegenwärtig gilt in der Gesellschaft noch die Vorstellung: „Töten ist weiterhin gestattet, nur die ‚Haltungsbedingungen’ sollen sich ändern.“

Es braucht eine klare Distanzierung von der Rhetorik, die versucht den Tiermord als ethisch verhandelbar darzustellen.

Gedanken zum Stofftierphänomen: vermenschlichte Vertierlichung

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Gedanken zum Stofftierphänomen: vermenschlichte Vertierlichung

Warum gibt es eigentlich so viele Stofftierfiguren oder warum genießen solche Tierfiguren eine gewisse Art der Popularität? Sind Stofftiere im Prinzip eigentlich bloß ganz neutrale Stofffiguren mit optisch niedlichen Tierattributen oder sind sie tatsächlich irgendwie Abbildungen von Tieren? Wenn sie vertierlichte, aber eigentlich neutrale Stofffiguren sind, dann scheinen die tierischen Züge immerhin stark unverzichtbar. Warum? Was stellen die tierlichen Attribute bei solchen Figuren dar?

Oder aber wenn man es so sieht, dass Stofftiere eindeutig Tiere darstellen, dann könnte man sich doch fragen, warum hegen wir ein tendenziell abwertendes Verhältnis Tieren gegenüber, ohne diese Einstellungen aber in unserer Haltung gegenüber dem Kindlich-Emotionalen eindeutig vor uns selbst zuzugeben?

Warum verniedlichen wir solche Abbilder von Tieren als was knuddeliges und woher kommt dabei die sinnliche Komponente, die wir in diesen optisch vertierlichten Figuren als plastische Berührobjekte sehen? Vielleicht ist es ja gerade der Umstand, dass diese Figuren von uns geschaffene Plüschstoff-Objekte sind und die reellen Tiere echte und von uns vollständig autonome Existenzen, dass wir die Stofftiere mögen, weil Tiere in dieser sonderbaren Abbild-Funktion für uns ganz und gar unbedrohlich bleiben. Es sind Figuren und keine Wesen. Mit echten Wesen hätten wir eine existenzielle Auseinandersetzung.

Abbilder zeigen das, was wir in etwas sehen oder erkennen möchten oder zu sehen oder zu erkennen glauben. Vielleicht interessieren uns die tierischen Vorlagen dieser Abbilder nicht sonderlich im positiven, weil sie reell doch so anders sind als wir. Sie haben, als andere biologische Tiere, anders evolutioniert als wir, und es ist uns lieber, alle irgendwie möglichen Erklärungen über die Identität nichtmenschlicher Tiere den Fachexperten zu überlassen, statt selbst in den komplexen kommunikativen Möglichkeiten unserer individuellen Mensch-Tier Interaktion herum zu forschen.

Man könnte sagen, wir haben es geschafft unser Verhältnis zu Tieren abzuklären, indem wir der Beziehung zu ihnen einerseits eine im weitesten Sinne emotionale Ecke einräumen, beginnend in der Form unseres meist als Kind gelebten Verhältnisses zu figürlichen oder abstrahierten Abbildungen von ihnen, und im gleichen Atemzug initiiert unser Mensch-Sein sich (in Abgrenzung zum „Rest der Natur“) darin, die Realität einer Mensch-Tier Begegnung auf eine Negierung ihres unabhängigen Lebenswertes zu reduzieren, indem wir sie als reale Existenzen allein in zu uns bedingten Verhältnissen, als Lebensmittelprodukte, Forschungsobjekte, Totems oder Symbole und vielleicht auch als Seelentröster, als „biologischen Sekundärwesen“ zum Menschen, etc., betrachten.

Sowohl in unseren destruktiven als auch in unseren konstruktiven Betrachtungen scheint uns aber das, was die Andersartigkeit der von uns designierten und identifizierten „Tiere“ ausmacht, zu faszinieren. Eine Qualität einer Andersartigkeit, die wir teilweise verachten und lieben, mit der wir aber, über die ganze Ebene gesehen, so wenig integrativ in Hinsicht auf die Frage ethischer Berücksichtigung umgehen können oder wollen, dass wir sie in unseren gedanklichen Begriffen reduziert halten müssen, um nicht in Verwirrungen zu geraten.

Wahrscheinlich ahnen wir, dass die Position in der Tiere in unseren Kulturen (in den Denkgebäuden und Handlungebenen unseres Mensch-Seins) eingebunden sind, vielleicht gar doch auf einer ideologischen Zwangsmäßigkeit von Gewaltausübung (in ihrem grundlegensten Sinne) „dem Naturhaften“ gegenüber basiert, und dass dieser zwanghafte Charakter unserer Beziehung zu nichtmenschlichen Tieren unsere Bereitschaft zum Verständnis spezifisch tierischer Andersartigkeit (ihres Diversitätsverhältnisses zu uns) ausschließt; und mit der fehlenden Auseinandersetzung schließt sich folglich auch die Möglichkeit einer ethischen Integration aus.

Ich will jetzt nicht alles in Verbindung zum Stofftier- und Tierfiguren-„Phänomen“ setzen, sondern sehe hier einen Ausdruck eines emotionalen Verhältnisses zu den anderen biologischen Tieren und über die Betrachtung eines emotionalen Verhältnisses eröffnen sich schließlich im weiteren Zusammenhang zumindest einige Fragen.

Da das Mensch-Tier-Verhältnis faktisch nicht überwiegend auf interaktiver Freiwilligkeit beruht und sich der reelle Existenzwert der Tiere wahrscheinlich durch den ethischen Ausschluss für uns entziehen muss, ergibt sich vielleicht aber eine Faszination dessen was sich uns gerade dadurch verwährt: Eine Faszination des wenn auch willkürlich Unumfassten. Ich denke, dass wir uns durch so eine Faszination, die sich sowohl positiv als auch negativ ausdrücken kann, herausgefordert fühlen, Tiere in dieser unbegriffenen Position in unsere ästhetischen Systeme einzuordnen und somit nach ihnen zu greifen.

Unter einem reellen Existenzwert verstehe ich die innere Unabhängigkeit der Tiere zum Menschen, die durch ihre Vernetzung eigener, von uns getrennter intra-tierischer und durch ihre selbst-gelebten environmentalen Kontexte gegeben ist; sie sind uns einerseits so ähnlich und andererseits aber doch so anders als wir, in den Kontexten die Sie auf diesem Planeten bilden.

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Die echten Tiere und wie wir sie gerne sehen

In Tierdokumentationen, zum Beispiel, werden vorwiegend das Muttertier-Junges-Verhältnis, das Paarungs-, das Jagd- und das Futtersuchverhalten von Tieren gezeigt. Was machen Tiere außer den Verhaltensweisen auf die wir unter dem Gesichtpunkt der Hervorhebung des Instinktverhaltens bei Tieren unser Augenmerk richten. Nichts was für sie von Relevanz wäre?

Aus unserer eingeschränkten Sicht über Tiere kann man zur Annahme kommen, dass jeder irgendwie „individualisierte“ Zug der einem Tier oder einer Tierfigur zugeschrieben werden kann, einem Antropomorphismus, also einer Vermenschlichung, entspringt.

Ich glaube, in Hinsicht auf das Stofftier- oder jedes andere Tierfigurenphänomen, dass eine gewisse Art „individualisierter“ Attributisierungen das teilweise auch tatsächlich und sehr eindeutig sind. Es sind teilweise und insofern Anthropomorphismen, nicht weil Tiere selbst bar jeder Individualität sind, sondern bei den Tierdarstellungen, die mit Hervorhebungen von Individualitätsmerkmalen arbeiten, bleiben es zum einen primär vermenschlichende optische „Individualisierer“, die stark im Rahmen über Vorstellungen dessen liegen, was für uns als „Individualitätsindikator“ in einer menschlichen Sichtweise über individualisierende Charakteristiken sichtbar ist, d.h. was als Ausdruck bestimmter Eigenschaften gelten kann: ernst, dümmlich, naiv, traurig … drückt sich aus als Knopfaugen, dicke Füße, großen Nase … in der Art einer von uns entworfenen Figurensprache. Aber abgesehen von unseren Figurensprachen ist andererseits, zumindest rein das Existenzielle betreffend klar, dass Tierindividualität an sich, wenn auch in einer wahrscheinlich sehr unterschiedlichen Form, besteht.

Vielleicht wollen wir den Individualitätsausdruck von Tieren aber, der wohl anders verläuft (die uns fremdartige Tierindividualität), auch durch unsere gewählten Schwerpunkte in der Visualität ersetzen, und die Überschneidungen, die sich in den tierlich-menschlichen Abbildungen ergeben – die bei den Stofftieren und Cartoon Figuren zu finden sind – üben mitunter die spezielle Faszination aus, weil sie wiederum ins für uns unbegrenzte und unbegreifbare laufen oder ausufern können.

Hingegen die dokumentierenden Abbilder dessen, was wir als Lebensrealität der Tiere bezeichnen, d.h. z.B. die Tier-Dokumentationen, werfen in erster Linie Licht auf Beobachtungen die unter rein biologistischen Gesichtspunkten angestellt werden, und hüten sich dadurch in zweiter Linie bewusst vor vermenschlichenden Attributisierungen. Die Akzentsetzung, wie z.B. auf das Paarungs- und Fressverhalten bei Tieren, machen allerdings auch eine Einstellung klar, in der weitere und für uns unauffälligere Tätigkeiten von Tieren gar nicht sichtbar und bedeutungslos sind. Uns scheinen also (aus einem Mangel einer neuerschlossenem perpektivischen Breite) nur wenige Verhaltensweisen von Tieren greifbar zu sein, und so schließen wir darauf zurück, dass das, was für uns in unserem Interesse an Tieren relevant ist, auch das ist, was für Tiere relevant sei.

Biologische Highlights wie sie in Tier-Dokumenationsfilmen zu sehen sind, fallen bei einer individuierten Mensch-Tier Begegnung weg. Solche Begegnungen müssten anders kontrastiert und entschlüsselt und das gegenseitige Verhalten anders übersetzt werden. Doch eventuell fehlen uns hierzu einige kommunikativen Nuancierungen. Zumindest müsste vorerst ein biologistisch ausgerichteter Bezugsrahmen wegfallen.

Vielleicht verdeutlicht sich in dem psychologisch komplexen Phänomen der Verniedlichung von Tieren unsere Distanz zu ihnen am stärksten. Dass wir sie allein als Abbilder in ihrer Erscheinung akzeptieren wollen, verdeutlicht, dass unsere primäre Beziehung zu ihnen eigentlich eine sekundäre ist: wir interessieren uns nicht auf einer Ebene der Einmaligkeit, die sich erst über eine individuelle Qualität in der Mensch-Tier Begegnung ausdrücken kann, sondern wir übernehmen die Beurteilungen und Herangehensweisen anderer oder der Allgemeinheit, usw. Das Verhältnis zu nichtmenschlichen Tieren in ihrer Identität ist ethisch von unserer Seite her tatsächlich so entindividualisiert, wie die reellen Situationen in die wir diese „anderen Tiere“ befördern.

Aber trotzdem, was mögen wir gerade an Stofftieren oder an Tiercharakteren im Bereich von Cartoons und Kinderbuchillustrationen? Mir fällt allgemein bei vielen tierlichen Figuren auf, dass sie oft betont vermenschlichte Züge tragen. Ist es, dass etwas tierlich anmutendes, einer Figur einen „neutralisierenderen“ (oder in anderer Weise „besonderen“) Anstrich geben kann, als eine ausschließlich anthropomorph anmutende Figur das könnte? Und liegt das am tatsächlich „tier-charakteristischen“? Tragen „menschliche“ Figuren hingegen wiederum Züge, die wir mit menschlichen Eigenschaften, Charakterzügen und Klischees assoziieren, von denen die tierlicheren Formen frei sind, weil sie etwas anderes bieten, mit dem wir uns eventuell teilweise lieber assoziieren? Kommt daher die Vermischung beider Attribute („menschlich“, „tierlich“)? Was verkörpern Tierfiguren für uns?

Auch ist interessant, dass während Stofftiere eher mit „individuelleren“, charakteristischen, aber auf jeden Fall vermenschlichten, anthropomorphen Zügen auftreten, schematische Tierabbildungen, die sich eindeutiger auf Tiere beziehen sollen und nicht den Knuddeltier-Status für menschliche Niedlichkeitsbedürfnisse genießen, dass Tierfiguren oder Abbildungen wie Piktogramme, die sich figurativ „faktisch“ auf nichtmenschliche Tiere selbst beziehen sollen, wiederum in ihrer Darstellung mit optischen Entindividualisierungsformen arbeiten.

Oder ist das Knuddeltier-Phänomen gar eine Ableitung oder Fortführung des ausbeuterischen Aspekts? Dass wir die schönen Seiten, die uns genehmen, für uns positiven Seiten von nichtmenschlichen Tieren, zu unseren Zwecken – welchen auch immer – einsetzen. Dass wir die Distanz zu den Tieren in so einer komplizierten psychologischen Form einzementiert haben?

Ich hatte einmal eine Idee, dass alle Firmen die Tierfiguren und -abbildungen in irgendeiner Form verwenden, den Tieren, die sie in Abbildungen für ihre Werbung, etc. verwenden, über die finanzielle Unterstützung von Tierrechts-Organisationen oder Tier-Sanktuarien, usw. helfen sollten. Wäre das nicht fairer?

Aber man könnte sagen, dass wir nichtmenschliche Tiere durch unsere Sichtweise – ob als Knuddeltiere oder als Werbesymbol – erst veredeln … – doch ist das wirklich so? Wenn wir nun statt den Tieren als Knuddeltiere oder Werbebilder, andere Figuren nehmen würden, Menschen, Blumen, Kristalle, Sterne oder Häuser, usw., dann würde das Bedürfnis, ich bin mir da ganz sicher, nach Tierabbildungen, wieder irgendwo auftreten.

Vielleicht versuchen wir ja unsere gestörte Beziehung zu Tieren über unsere Abbildungsweisen von Tieren zu kompensieren, und machen uns dadurch vor, dass wir mit der übergeordneten Identität der „nichtmenschlichen Tiere“ keine Probleme haben, dass allerdings die echten Tiere gar keine richtigen knuffigen Tiere wie Biene Maja, Micky Maus und die Tigerente sind. Dass wir die tierische Seite dieser Figuren respektieren, aber die echten Tiere sind nur biologische „Evolutionismen“ oder schließlich Apparate. Aber, kann man denn überhaupt sagen, dass die tierische Seite allein durch die Gestalt gegeben ist? Wohl schon, denn um Mensch zu sein reicht ja auch die Gestalt – innerlich und äußerlich – oder? Oder befindet sich allein der Mensch auf irgendeiner Metaebene? Wenn ja, vielleicht kann man genauso davon ausgehen, dass das Tierrecht auch eine Metaebene bildet.

Wir geben der Tiererscheinung nur dann einen Sinn, wenn sie durch uns fassbar ist. Tiere sind für uns aber nicht in der letzten Konsequenz fassbar. Ihre Andersartigkeit entzieht sich unseren Wertvorstellungen. Selbst Tierverteidiger machen keinen Hehl aus ihrer Neigung, Tiere als Piktogramme oder niedliche Mitgefühl hervorrufende Fauna oder als ewige Tier-Opfer zu vermassen und damit zu entindividualisieren – obwohl diese Bewegung von Liberation, von Befreiung spricht. Ein hohes Ideal!

Aber wie wäre das, nichtmenschliche Tiere zu sehen als ein „Du“ und als ein „ich“ dem man begegnet und das man respektiert, auch wenn man von so einem „Du“ oder so einem „ich“ im Prinzip wenig Ahnung hat?

Ich sehe keinen Sinn darin, meine Sicht auf vorgefertigte Bilder zu reduzieren – weder durch Biologismen, Anthropomorphismen, noch durch konzeptuelle Metaebenen, die ausschließlich das eigene Denken als ein Denken erfassen können –, solange damit einem seienden Individuum sein Wert (als einem solchen) entzogen wird.

Die Zeichnungen stammen von Farangis Yegane www.farangis.de. Der Text von Palang LY.

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Und mit Grüßen an Iris.

 

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

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Palang LY

Tiere als Nummern

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Das kontroverse israelische Projekt http://269life.com emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend für das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht, während solch ein Kunst- / Designprojekt wie das „Pig 05049“ der Niederländerin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert.

Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?

Der Guardian veröffentliche am 27. März 2010 ein Essay des amerikanischen Autoren und Journalisten Bill Buford [1] über eine Arbeit der niederländischen Designerin Christien Meindertsma, in der sie Fotografien von Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, als all das, was aus einem Schwein so gemacht wird, zentriert auf ein Tier: „Pig 05049“, als Rohstoffquelle, darstellt.

Aus Tierrechtssicht halte ich die Arbeit von Meindertsma für bedenklich, aus Gründen, die ich weiter unten anreißen will. Der Artikel aus dem Guardian jedoch, sowie auch ein Artikel aus dem Stern über eine Ausstellung Meindertsmas im Jahr 2008 zum „Pig 05049“ [2] und das gesamte Pressebild zu Meindertsmas Studien, machen aber bereits klar, warum die Arbeit der Designerin eine zweischneidige Angelegenheit ist, wenn sie derart problemlos (und d’accord mit unserem Alltagsspzeisismus), rezipiert werden kann, als eine willkommen geheißene Ermutierung zur Objektifizierung von nichtmenschlichen Tieren im agraindustriellen Komplex.

Der Tierrechtler und Vorstand des europäischen Zweigs des Animals and Society Institute (http://www.animalsandsociety.org/) Kim Stallwood, hält zum Artikel Bufords über Meindertsma aus dem Guardian fest:

Das kleine Schweinchen beim Guardian

Ein interssanter Artikel im samstags erscheinenden farbigen Wochendmagazin des Guardian. Er bestand aus einem Fotoessay als Auszug aus dem Buch Pig 05049 von Christien Meindertsma und einem Essay des Autoren Bill Buford. Interessant aus zweierlei Hinsicht.

Zuerst: Das Fotoessay dokumentiert 185 (naja, einige) Produkte, die aus einem geschlachteten Schwein hergestellt werden, einschließlich Apfelsaft (Gelatine), Puzzleteilen (Knochenleim) und Sandpapier (nochmals Knochenleim). Was immerhin beweist welche Herausforderung es darstellt, vegan zu leben. Einige würden behaupten es ist eine sinnlose Übung. Eine Unmöglichkeit. Ich würde sagen, dass der Weg zum Veganismus wichtiger ist, als die Ankunft am seinem Ziel.

Der zweite interessante Punkt ist dieser: warum müssen Menschen, die darüber schreiben, dass sie bei der Schlachtung eines Tiere teilgenommen haben, den Akt immer romantisieren? Und das Ganze mit sentimentalem Quatsch aufladen, um den Anschein der Profundität zu erwecken? Buford schreibt zum Beispiel: “Das Blut sammelt sich in einem Eimer. Ich rührte es damit es nicht koaguliert. Man gab mir eine Kelle und sagte, ich solle mal probieren. Ich war vom Geschmack überrascht, der vital, energiespendend und ‘glücklich’ war.” Was genau ist glücklich am Probieren des Blutes eines Schweins, das man gerade getötet hat? Und dann folgt diese pseudo-moralisierende und nichtssagende Entschuldigung für die Missetat. [3]

“Der Aufwand benötigte vier Mann. Das Schwein wusste was geschah. Sie war stark. Sie kämpfte. Da gab es kein Schweinequieksen. Es war ein weit offener Schrei. Sie schrie laut und hörte nicht auf, bis nachdem für einige Sekunden, und nicht mehr als einige Sekunden, in ihr Herz gestochen war. Der Schrei ging bis in die höheren Klangregister; ein hochstimmiges, bellendes Klagen, das mein Gehirn nicht als normal herausrastern oder empfinden konnte. Dann, gerade als ich das Seil am Bein des Tieres festmachte, schaute sie mich an, ganz genau, und sah mir in die Augen. Weshalb mir? Vermittelte mein Gesicht unter den anderen Gesichtern dieser abghärteten Traditionalisten etwa Unbehagen? Der Halt funktionierte wie eine Klampe. Ich wollte mich abwenden. Tat es aber nicht.” [4]

— — —

Wie konnten die Fotografien aus der Designarbeit von Meindertsma so problemlos in diesem Zusammenhang ihren Platz finden? Ist eine Auflistung und Darstellung von Tierkörperteilen und der Stoffe, die aus ihnen gewonnen werden, bereits eine Stellungnahme in der einen oder anderen Weise?

Meindertsma sieht in ihrer Arbeit “grundsätzlich den Produktkatalog [eines] Schweins”. Das “schönste” findet sie, in einer TED Rede unter dem Titel: “Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen” (vom Juli 2010), ist die Verwendung der Herzklappe des Tieres, die eine Operation am menschlichen Herzen unter nur minimalstem Eingriff ermöglicht. Abschließend sagt sie, dass sie am meisten an Rohmaterialien insgesamt interessiert sei, und ein bisschen auch an Schweinen. [5]

Die Ästhetik der Objektifizierung

Randy Malamud, Fellow am Institut für Tierethik der Uni Oxford, formuliert ein wichtiges Argument im Kontext mit einem Werkzyklus der türkischen Künstlerin Pinar Yolacan (Titel: “Perishables”), in der Hühnerkörper als künstlerisches Ausdrucksmittel und Accessoire verwendet werden:

“Ich frage mich, wenn ich durch Yolacans Linse auf eine Frau und ein Huhn blicke, eine Frau in einem Huhn: Wo ist das Huhn? Ja, das Tier ist da, aber da gibt es kein “da”. Das einzige huhnhhafte in diesen Bildern ist ein Negativum: die Abwesenheit eines Huhns, die Verhöhnung eines Huhns, die Zerstörung eines Huhns, die perverse menschliche Transformation eines Huhns.

Ich möchte damit nicht sagen, dass es die Last dieser Kunstwerke sein müsse, das huhnhafte des Huhns zu hinterfragen, aber ich bin ökologisch empört über das durchdringliche Versagen menschlicher Kultur […] dabei, die Intergrität, das Bewusstsein, die echte Gegenwart anderer Tiere in unserer Welt ernsthaft anzuerkennen.” [6]

Wie weit darf eine ästhetisierende Objektifizierung gehen, insbesondere auch dann, wenn sie unter anderem der Veranschaulichung dient, wie im Fall des Buches Pig 05049 von Christien Meindertsma sowie bei anderen Designern, Künstlern und deren Arbeiten, im Allgemeinen?

Was Meindertsma anbetrifft: Als Veganer kennen wir alle Listen tierlicher Inhaltstoffe und ihrer Derivate. Eine partielle Liste im schön gemachten Format ist eigentlich nicht zweckdienlich, auch wenn sich über Ästhetik streiten lässt.

Das Buch Pig 05049 wird aber für 44 Euro bei enem veganen Onlinehandel feilgetobten. Aufmerksam wurde ich, nachdem ich sah, dass die Vegane Gesellschaft Deutschland es auf ihrer Fcaebook-Seite bewarb und keine Veganer_In dort Anstoß am Ganzen nahm. [7]

Es fehlt selbst Veganer_Innen an Speziesismus-Sensibilität. Entindividualisierung, Objektifizierung, die Ästhetisierung von Gewalt gegen Nichtmenschen, die vorgegebene Neutralität die wir häufig in den unterschiedlichen spezisistischen Rhetoriken antreffen – auch im künstlerischen Format … all das sind Themen, mit denen wir uns viel mehr auseinandersetzen müssen.

[1] Bill Buford: From one pig: 185 products, The Guardian, Saturday 27 March 2010 http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products. Der Text wurde inzwischen wegen Ablauf der Nutzungsrechte von der Webseite des Guardian entfernt.

[2] Albert Eikenaar: Eine tierisch versaute Idee, Der Stern 23. Juli 2008, http://www.stern.de/kultur/kunst/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html

[3] Kim Stallwood: Little Piggy at The Guardian, http://www.kimstallwood.com/2010/03/29/the-little-piggy-at-the-guardian/. Übersetzung der Blogeintrags (ohne dem Zitat aus dem Guardian) Palang Y. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von Kim Stallwood. Siehe hierzu auch: This little piggy… Christien Meindertsma photographs the 185 products that came from one pig, The Guardian, Saturday 27 March 2010, http://www.theguardian.com/theguardian/gallery/2010/mar/27/185-products-one-pig-gallery

[4] Bill Buford: From one pig: 185 products, a.a.O. http://www.theguardian.com/artanddesign/2010/mar/27/from-one-pig-185-products

[5] TED, Christien Meindertsma: Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen http://www.ted.com/talks/christien_meindertsma_on_pig_05049.html

[6] Randy Malamud: Vengeful Tiger, Glowing Rabbit, in: The Chronicle of Higher Education, July 23, 2012, http://chronicle.com/article/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit/132951/?cid=cr&utm_source=cr&utm_medium=en

[7] Vegane Gesellschaft Deutschland, der betreffende Eintrag auf ihrer Facebookpage https://www.facebook.com/photo.php?fbid=589879337720155&set=a.159698390738254.28272.154920631216030&type=1&theater

Alle Zugriffe vom 17. September 2013.

 

Ja es gibt das Wort ‘zoacidal’

Es gibt den definitorischen Begriff für den Ökozid, aber was ist mit der dem Zoazid?

Auf Englisch kommt der Begriff, dass etwas “zoazid” ist, im Adjektiv (zoacidal), selten, aber in Sinne seiner wörtlichen Beteutung vor. Allerdings anscheinend überwiegend im biologisch-toxikoligischen Kontext. Das Substantiv des Wortes an sich: ‘Zoacide’ ist nebenbei bemerkt der Name eines chemischen Präparats.

Zoa ist das Plural vom griechischen Zoion, das Tier heißt. -cide ist die Endung, die die massenhafte Tötung und Zerstörung des Lebens bezeichnet.

Um aber erst nochmal auf den bereits existierenden Begriff des Ökozids zurückzukommen, so halte ich es für richtiger im Sinne von Erdrechten den Ökozid mit Hinsicht auf die Natur selbst, als Zusammenfassung vieler lebender Subjekte und organischer Entitätern, zu definieren, statt den Begriff Ökozid auf die vereitelte Nutzbarkeit der Natur für den Menschen zu definieren  (wie hier im Titel die Definition gegeben ist). In Bolivien hat man Erdrechte als tatsächliche Rechte der Erde seit 2010 mit in die politisch-juristische Sprache aufgenommen, siehe hier und hier.

(Wenn mit einem Ökozid die vereitelte Nutzbarmachung der Natur zum Lebenserhalt menschlicher Gemeinschaften gemeint ist, hätten wir eine Verdopplung einer Problematik, die durch die Menscherechte abgedeckt werden muss. Beim Ökozid kommt aber die erweiterte Sicht auf die Anerkennung und Neudefinition von Rechten mit ins Spiel. die im nicht-anthropozentrischen Diskurs mit eingefasst werden sollte.)

Tiere als Opfer

Leider wird sich der Begriff Zoacide oder dt. Zoazid wahrscheinlich nicht in näherer Zukunft oder überhaupt durchsetzten um den grauenhaften Massenmord an der Tierwelt in all seinen Ausmaßen zu benennen. Der Rückgriff auf die Bezeichnung ‘Holocaust’ ist meiner Meinung nach zu spezifisch und einschränkend, er bezeichnet einen ganz besonderen Fall wie Menschen Täter sein können und wie Menschen durch eine unermeßliche Ungerechtigkeit zu Opfern wurden. Jedes Auftreten von systematischer Gewalt gegen Leben braucht seine eigene Beschreibung, so auch das, was mit den Tieren geschieht ( – vielleicht seit Anbeginn der Menschheit … aber Gewalt unter Menschen gibt es auch seit jeher, also bitte nicht behaupten, dass was immer war auch immer so bleiben muss).

Tatsächlich haben wir es mit einem Ausmaß an Gewalt auf allen denkbaren Ebenen zu tun, was die Tiere anbetrifft, das zu Beschreiben uns das Vokabular fehlt; ich selbst nenne den ‘Zoazid’ den Massenmord an den Tieren auf der Grundlage biologistischer Argumentation. Richtigerweise müsste ich aber noch die anderen großen spezisitzischen Komplexe in so eine Beschreibung mit einbeziehen, denn es ist nicht nur das biologistische Argument, das zur faktischen Herabsetzung des Wertes tierlichen Lebens angeführt wird.

Ein anderer Punkt ist, man könnte behaupten man kann gar nicht von einem Zoazid sprechen, weil die Motivation der Tiertötung ja nicht unmittelbar durch die ‘böse’ Absicht stattfindet im Falle von: Tierfabriken, der Jagd, den Laboratorien … . Genau das wäre aber ein Indiz für das Nicht-Amerkennen des Wissens um das Selbstsein des Menschen in seiner destruktiven Hatung zur Tierwelt und das wäre damit ein Mangel moralisch-kontextualisierenden Denkens.

Die Negation dessen, dass Tiere sehr wohl wahrnembar sind für jeden Menschen als fühlende, denkende, seiende Lebewesen, mit ihren eigenen Wegen und Weisen, die wir berücksichtigen könnten, wenn wir nur wollten, bildet eben die Grundlade für das, was den Zoazid ermöglicht.

Wir geben nicht zu, dass wir eine Absicht gegen Tiere hegen oder das wir blinde Mittäter in der Beraubung ihrer lebensrechtlichen Autonomie sind. Für einen spezisitischen Menschen klingt das weit hergeholt, das ändert aber nichts an dem Unrecht, für das zu Beschreiben uns die Terminologie fehlt.

Man kann die Barriere im Denken überwinden, die einen daran hindert das tierliche in seiner existenziellen Freiheit und damit in seiner eigenen Würde anzuerkennen. Wie sich das Menschsein mit seinen konzentrischen Definitionen dieser Welt zur erweiterten Sicht auf die Welt deklinieren können wird, stellt tatsächlich einen Scheideweg dar.

 

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Tier-Rechte, sind nicht die vom Menschen verordneten Rechte …

Tierrechte müssen sich nach Tieren ausrichten, nicht nach dem menschlichen Verständnis von ihnen. Nicht nach homozentrischen Konstrukten. Wie erkennen wir Tiere und ihre (eigenen) Rechte?

Verlieren wir unsere spezisistischen Vorurteile, unseren Homozentrismus (der “Mensch” als Parameter für Objektivitätsbestimmung), dann hätten wir eine Chance dazu, Tiere sich selbst sein zu lassen und zu lernen, wie wir mit ihnen statt gegen sie leben.

Wollen wir Tiere verteidigen, so müssen wir SIE anerkennen, und nicht unser Konzept vom “Tier” – sei es biologisch, religiös oder philosophisch konstruiert. Hier hilft nur der völlig “nackte” Verstand.

Mica notierte dazu: ‘Erinnert mich an Haben oder Sein von Erich Fromm. Die drei Beispiele der Begegnung mit der Natur, mit der das Buch anfängt. Tennyson, der die Blume ausreißt und bewundert, Goethe der sie umpflanzt, weil er sich bewußt ist, dass die Pflanze sonst stürbe (…) und Basho der Zen-Dichter, der Schönheit und Sein der Pflanze “einfach nur” kontempliert und sie so nimmt, wie sie da wächst, ohne “einzugreifen” in das, was er da sieht und zu “fassen” sucht. Ui.’

Genau, und um diesen Neuraum zu definieren brauchen wir, so glaube ich, tatsächlich eine neue Terminologie, die sich einlässt auf die Verbindung von Respekt und Achtung des Anderen (in dem Fall des nicht durch den homozentrischen Menschen erfassbaren Anderen) und der praktischen Notwendigkeit zu einem ethischen und machbaren Schluss in der Mensch-Tier-Beziehung zu kommen. Alle Relativismen hin- und her. Ich weiß nicht ob die westliche Philosophie (die fundiert auf der griechischen Antike und den judeo-christlichen Wurzeln Europas … ) dazu reicht.

Willensfreiheit, die abrahamitischen Religionen und die Naturwissenschaften

«Willensfreiheit» in Augustinus Werk de civitate dei : http://bit.ly/augustinus_willensfreiheit , siehe auch allgemein http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille.

versus

“Wolf Singer – dessen Credo sein Geheimnis bleibt – ist Beirat in der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung. Als Hirnforscher kam er zu dem Schluss, der Mensch habe keinen freien Willen. Weil das die Theologie seit Paulus an den Wurzeln trifft, wird Singers Position am Vatikan mit offenen Ohren gehört.” source: http://bit.ly/AtPDmh

Der Mensch besteht also aus Sündertum / Schuldig-Sein und kann sich über irgendeinen Determinismus nicht hinaus bewegen, höchstens ein Glaubensbekenntnis ablegen?

“Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von Freiheit zu sprechen.” so meint dieser jenige Gehirnforscher, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Singer (letzter Zugriff: 21.02.12)

Freiheit liegt aber, so denke ich, im Wirken des Gesamten.

Polemischerweise könnte man auch fragen: Handeln zum Beispiel Demonstranten – wie jetzt in den politischen Unruhen globalen Ausmaßes – aus einem unfreien Denken heraus? Wohl kaum. Ihre Gehirne sind aber nicht alle sezierbar und im Individuum wird sich keine absolute Regelmäßigkeit feststellen lasssen, die den Grundsatz der Einmaligkeit jeden Lebens (Individualität) in Frage stellen kann.

Zu Augustinus und dem freien Willen: Sehr wohl wurde die Frage des Willens im Menschen auch im Christemtum bejaht, wie von Augustinus, denn immerhim musste ein Mensch ja fähig sein, sich dazu entscheiden zu können – aus freiem Willen – Christ zu werden, und anderen Glaubensrichtungen oder “-verirrungen” damit abzusagen.

Auch muss man sagen es ist vorstellbar, dass Wolf Singer davon ausgeht, dass es keine Freiheit im Leben eines biologischen Organismus an und für sich gibt. Er begeht als Vivisektion ausübernder Gehirnforscher Gewalt an Tieren, und jedes fühlende Wesen, das mit Gewalt konfrontiert ist wird unfrei, weil es Angst hat, weil ihm Schmerzen angetan werden. Macht, im Sinne von gewaltausübernder Macht, kann Freiheit nicht verstehen. Niemals … .

 

Freiheit und Wohlstand

Interessant

Für Hannah Arendt sind Freiheit und Wohlstand Antonyme, in dem Moment, in dem man Gefahr liefe, beide zu verwechseln. Wohlstand gewährleistet keine Freiheit. Nur die völlige nackte Armut verhindert die Chance zur Auflehnung überhaupt.

Hannah Arendt: Wahrheit, Macht, Moral By Hans-Martin Schönherr-Mann

In der Freiheit realisiert sich der Sinn alles Politischen, der sich nicht darauf reduzieren darf, Wohlstand zu gewährleisten.

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_Revolution

Unter Freiheit versteht Arendt nicht Befreiung von Not, Elend oder Furcht. Diese Befreiung sei eher negativer Art, in fast jeder Staatsform möglich und eine gute Voraussetzung für eine Revolution. Positiv verstanden bedeute Freiheit die Möglichkeit, frei zu handeln.

Auch hier Kommentare zum Begriff von der Betonung von Freiheit statt Wohlstand bei Hannah Arendt

Die Sorge um die Welt und die Freiheit des Handelns: zur institutionellen … By Jürgen Förster

+ … siehe auch diesen Auszug aus: Die Pathologie der Moderne- Hannah Arendt und der Verlust der politischen … von Andreas Bock

etc.

Herr K. der kürzlich den H. Arendt Preis erhielt, hat dieses wichtige Axiom bei Arendt politisch nicht verstanden:

http://www.fr-online.de/blob/view/11260676,8499320,data,kermani-arndt-preisrede.pdf.pdf

“Es ist im Sinne der Weltbürgerschaft, die Hannah Arendt für das politische Handeln anmahnte, eine Aufgabe auch für uns – und zwar nicht nur für politische Stiftungen. Was die arabischen Völker jetzt am dringendsten benötigen, ist nicht die Aufklärung über ihre Rechte, sondern handfeste Beiträge zum Abbau der Massenarmut, also etwa die Aufhebung von Zöllen, das Ende subventionierter Agrarexporte, die die lokale Landwirtschaft zerstören, die Entwicklung der Infrastruktur, von Strom, Wasser, Energie, Bildung, natürlich auch Wirtschaftshilfen und eher kurz- als mittelfristig die Integration in den europäischen Binnenmarkt. Ja, das würde teuer, das würde sehr viel mehr kosten als Broschüren, die an die sentimentale Sprache von Tierschutzvereinen erinnern. Aber wieviel wäre für Europa politisch, ökonomisch und strategisch verloren, wenn sich südlich des Mittelmeeres die Geschichte seiner eigenen Revolution wiederholte.”

Vielleicht hätte Herr K. sich nicht an diesem Zitat aufhängen sollen:

“Even worse was that all societies formed for the protection of the Rights of Man, all attempts to arrive at a new bill of human rights were sponsored by marginal figures– by a few international jurists without political experience or professional philanthropists supported by uncertain sentiments of professional idealists. The groups they formed, the declarations they issued, showed an uncanny similarity in language and composition to that of societies for the prevention of cruelty to animals. No statesman, no political figure of any importance could possibly take them seriously;” – hannah arendt, origins of totalitarianism, p. 289, 1954 edition.

Und zurück zu der Frage über Wohlstand oder Freiheit:

http://www.iep.utm.edu/arendt/ In the case of the French Revolution, the subordination of political freedom to matters of managing welfare (the “social question”) reduces political institutions to administering the distribution of goods and resources (matters that belong properly in the oikos, dealing as they do with the production and reproduction of human existence). Meanwhile, the American Revolution evaded this fate, and by means of the Constitution managed to found a political society on the basis of comment assent. Yet she saw it only as a partial and limited success. America failed to create an institutional space in which citizens could participate in government, in which they could exercise in common those capacities of free expression, persuasion and judgement that defined political existence. The average citizen, while protected from arbitrary exercise of authority by constitutional checks and balances, was no longer a participant “in judgement and authority,” and so became denied the possibility of exercising his/her political capacities.

also, as quoted here: also, as quoted here:

“[…] When they appeared on the scene of politics, necessity appeared with them, and the result was that the power of the old regime became impotent and the new republic was stillborn; freedom had to be surrendered to necessity, to the urgency of the life process itself. Revolutionary government became hostage to the (biological) welfare ofthe people (1963, 60). Robespierre referred to it as ‘missing the moment to found freedom.’” – Hannah Arendt, On Revolution (1963, reprint London: Penguin, 1990, pp. 60.

Arendt insists not only that politics should have nothing to do with welfare or economic justice, but also that any attention paid to such concerns will jeopardize the ability of politics to deliver the one good – freedom – that is actually in its power to provide. To saddle politics with welfare issues is utterly futile, because politics and political institutions cannot successfully adress such issues. Hannah Arendt: an introduction by John McGowan.

etc.

Der vegane Mainstream

Warum vegan mainstream ist, auch wenn noch nicht mal eine Mio Bundesbürger bislang vegan sind … ?

“Vegan” ist inzwischen wie “Vegetarier”, es ist ein mehr oder weniger technischer Begriff, der schlichtweg beschreibt was eine Person isst, anzieht und benutzt.

Vegan ist eine Lebensweise, die aber nichts über jemandens sonstige Haltungen zu anderen Themen aussagt. Ich erinnere mich an die Zeiten in den 80ern, wo viele teilweise eher interessantere Leute oder langweilige sektiererhafte Typen Vegetarier waren. Zu der Zeit gab es noch sehr wenig Veganer_Innen (insbesondere außerhalb Englands – wobei es auch, technisch gesehen, “vegan” lebende Menschen in anderen Teilen Welt immer gegeben haben kann … ). Es gab zu der Zeit keine spezifische Gruppe, die für eine besondere Haltung des “Vegetariers” schlechthin stand. Vegetarimus war das, was es war: eine Art sich zu ernähren, die man aus ethischen, gesundheitlichen, religiösen oder sonst welchen Gründen für sich als Lebensweise annahm.

Mir scheint es, dass man das Gleiche eigentlich inzwischen auch für den Veganismus behaupten kann. Menschen mit den verschiedensten Hintergründen – ethnisch, ethisch, gedanklich – sind und werden heute vegan.

Vegan ist die Erweiterung des Vegetarismus, und was das besondere in unserer Jetztzeit ist, ist dass das ethische Interesse an sowohl der Mensch-Tierbeziehung als auch am Thema Umwelt (das heißt der Mensch und die Welt in der er/sie lebt … ) in einer vorher nicht dagewesenen Art und Weise und Dringlichkeit in unser Vorderbewusstsein gerückt ist.

Vegan sein …

Vielen sagen vegan sein hieße ein “Verzicht” …

Leben zu zerstören – zu töten – ist kein Verzicht?

Leben zu schützen, zu achten, zu respektieren, ist ein Verzicht?

Auf welcher Seite der Gleichung bewegt sich das Denken von Jemandem?

Ist er oder sie Pro-Tötung nichtmenschlichem tierischen Lebens? Oder ist er oder sie eins, zusammenfühlend, -denkend und -handelnd mit den so anderen, so bewundernswerten Lebenwesen die wir Tiere nennen?

Destruktivität ist nicht nur immer Ausdruck  der eigenen Selbstdestruktivität, Destruktivität ist auch die Folge verantwortungslosen Denkens, eines Denkens, das nicht fähig ist die großen Bezüge vom “Selbst” hin zur unbegrenzten Außenwelt herzustellen.

Vegan sein heißt Leben zu achten. Das der anderen Lebenwesen, das eigene und das Leben als Ganzes, die ganze Welt in ihrer Komplexität.

Vegan sein ist kein Verzicht.

Eine ungleiche Gleichung: Töten oder verstehen lernen wollen

Anmerkung zu der Grafik:

Die Frage warum sich das Problem des Tötens bei Raubtieren anders gestaltet als beim Menschen muss man gesondert thematisieren. Eines das ich dazu aber grundsätzlich sagen will ist, dass unsere Verantwortlichkeit und undere Rolle auf dieser Welt und unser Sinn eigen und selbstgegeben sind. Wenn nichtmenschliche Tiere andere Tiere töten, liegt das im Bereich ihrer Lebensweise und ihrer Lebensethik. Die Lebensphilosophien allen existierenden Lebens haben Schnittstellen miteinander die sich auf differenzierte und diefferenzierbare Weise zueinander verhalten können.