Nichtmenschen als Protagonisten erkennen

Manchmal muss ‘Neues’ entstehen, in der Form, das alte Ambiguitäten ihre Klärung finden können: So müssen wir heute klären, warum “Tier” aus menschlich-moralischem Erwägen über ‘Wert, Sinn, Freiheit, Würde … ‘ die Stellung eines Antagonismus (zum ‘menschlichen Ideal’) von herrschenden Mehrheiten humaner Kulturgebilde zugeordnet bekam.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig

In der Tiefe des Meeres sind Tierrechte ebenso wichtig, die Problematiken des Ökozids und Zoozids allgegenwärtig

Bilder: Der Blaue Planet (2) – “Leuchtende Tiefsee”, Ein Film von Orla Doherty; Pfannkuchen-Tintenfisch; Glaskopffisch.

Kommentar, @germanvegan

Die meisten von uns schauen sich gerne die fanszinierende Welt der Art nichtmenschlicher (nm-)Tiere an, die uns wenig bekannt sind und die wunderschön und exotisch anmuten. Uns fasziniert die nm-Tierwelt. Und trotz aller Berührtheit und Bewunderung für diese Welt, nehmen wir kaum oder aber oftmals in hilfloser Form wahr, dass der Lebensraum für diese Tiere schwindet und wie das etwas mit uns allen zu tun hat und wo die Tierwelt ein geschlossenes Ökosystem trägt, nämlich unsere Welt, und zwar die nichtanthropozentrische Welt der Natur selbst.

Tierrechtler und Natur… Als Untergruppe blenden – man staune – selbst viele Tierrechtler die Dichte dieses Lebensgefüges aus. So hat die niederländische Anthropologin und Tierethikerin Barbara Noske diese interne Ausblendung der Zusammenhänge zwischen Tierrechten und Ökologie innerhalb der Tierrechtsbewegung bereits m Jahr 2004 kritisiert ( http://simorgh.de/noske/noske_22-33.pdf ), die Tierrechtler nähmen die Tiere aus der Kontextualität mit der natürlichen Umwelt heraus, und dass vice versa die Umweltbewegung die Tiere und deren Rechte (die wir zu wahren hätten), im Kontext mit dem natürlichen Lebensraum, kaum als Gegenstand der Auseinandersetzung betrachteten.

Individuen … Die Frage, welche Tiere im natürlichen Ökosystem auf der Wünschenswert-Skala ganz oben und welche ganz unten stehen  und welche genau weshalb in die Rolle von „Nutzlebewesen“ gerückt werden und wurden, stellt sich nicht wenn wir die Schönheiten der Natur beobachten und bewundern wollen. Sobald diese Tiere jedoch erforscht oder in jeglicher Weise in den menschlichen Raum hineingezogen werden, geraten diese Individuen (die sie sind) in die Maschinerie speziesistischer Betrachtungen und Kategorisierungen hinein und sind schlagartig verloren. Und ein Tier, für das wir eben noch begeistert geschwärmt haben, weil es solch ein „Wunder der Natur“ ist, und bei dem wir eben gerade noch ganz starke Empathie empfunden haben, schrumpft zu dem Repräsentanten eines Spezies. Wie mit dieser Spezies umgegangen wird, bestimmt sich aus unserer Historie der Herabwertung tierlichen Seins heraus und nicht mehr aus unserer im tiefsten Innern emfpundenen und gedachten Bewunderung.

Wäre es möglich, die Offenheit, die wir in einem Moment für die Anmut und Würde von Tierindividuen noch zeigen, zu übertragen auf unsere Sichtweise der allgemeinen Substanz des Tierseins? Oder können wir unsere wahren Gedanken und Anschauungen über Tiere, wie wir sie in Wirklichkeit ganz tief empfinden und denken, kaum formulieren, ihnen kaum Ausdruck verleihen, weil unsere Gedanken sofort auf humanzentrisches Regelwerksdenken stößt in der zwischenmenschlichen Kommunikation auf all den möglichen Ebenen und wir obendrein noch selbst eine innere scharfe Zensur betreiben?

Es ist nicht zu begreifen warum das Individuum ‘nm-Tier’ nicht zählen sollte, wer vermittelt uns diese Fehlansicht und warum akzeptieren wir diesen schandhaften Status quo?

Tierliebe setzt aus, in dem Moment, in dem wir deren Dasein „nutzen“ wollen. Wir wollen uns durch deren Existenz in irgendeiner Form selbst aufwerten in unserer Existenz. Dazu töten wir sie und bewundern sie aber auch. Aber alles, was wir von ihnen wollen, soll unserer Besserstellung und unserer Privilegiertheit dienen. Die existierenden Speziesismen (in den Naturwissenschaften, den Religionen, in philosophischen Theorien, usw.)  liefern den Beweis dafür.

Ein Argument bildet immer wieder ein besonderes Hindernis und es stellt eine grundsätzliche Unterscheidung im Denken der meisten Tierrechtler, gesinnungsneutralen Menschen und Speziesisten dar. Und zwar die Frage danach, warum Tiere auch Tiere töten und warum wir das dann als Mensch nicht dürfen sollten.

Das Gegenargument aus Tierechtsseite lautet dann meist: wir sind uns über das Unethische am Töten anderer Lebewesen bewusst, nm-Tiere seien abet nicht moralfähig. Ich glaube das nicht. Ich glaube nur, dass wir die Gründe, warum es Raubtiere unter den nm-Tieren gibt, nicht wirklich kennen und verstehen, und dass das Töten zur Verzwecklichung und Zerstörung des Lebens anderer Tierindividuen im Falle des Menschen nicht ethisch vertretbar ist und der Mensch eben kein Raubtier ist.

Ein Mensch, eine Gruppe von Menschen oder eine Gesellschaft, die das Töten in Kauf nimmt zur Durchsetzung ihrer Interessen (außer in der Notwehr oder dem Unfall bzw. der unbeabsichtigten Tötung/Verletzung), begeht eine Tat, die immer auf das gleiche hinausläuft. Sie wertet bewusst das Leben eines anderen Individuums und Lebewesens ab. Ohne diese Abwertung gäbe es keinen Mord, keinen Tiermord, keinen Menschenmord und das scheint eher der Punkt zu sein, warum der Mensch, der tötet, eben kein Raubtier ist. Die Herabsetzung (insbesondere qua Definition) ist ein urmenschliches Machwerk, man denke an die Geschichte der Tieropferungen und der Ritualität der Tiertötung, die kulturanthropologisch mit Sicherheit eine ganz prominemte Rolle in der menschheitsgeschichtlichen Verarbeitung des Tötens nm-Tiere seit jeher eingenommen haben müssen.

Nichtmenschliche Tiere sind nicht unsere Artgenossen, aber dennoch sind sie, wie wir, physiologisch Tiere. Sei es ein Pfannkuchentintenfisch oder ein Glaskopffisch im tiefsten Meer oder ein schöner Vögel in einer relativ unberührten Region der Welt, sei es mein Haustiergenosse, sei es das Tier, das heute für den Fleischverzehr, für den Glauben an eine religiös begründete Übermacht oder für den wissenschaftlichen Fortschritt (…) gemordet wird … sei es ein Käfer, ein Blauwal, sei es gleich welches tierliche Gegenüber: Alle Tiere sind wie wir Tiere.

Der Mensch ist im Mindesten physiologisch ein Tier. Der Mensch ist kein Raubtier, denn er muss eine Abwertung des Gegenübers vollziehen wenn er tötet, da er nicht ethisch wertfrei töten kann. Er muss die Physiologie seines Gegenübers ganzheitlich negieren. Würden wir unsere gesellschaftlichen Abwertungsmechanismem im Bezug auf Tiere (Speziesismen) überwinden, würden wir die faszinierenden nm-Tiere, und die Tiere, die wir schon häufiger gesehen haben, besser in unser System ethischer Relevanz mit einbeziehen können. Solange aber muss unsere Begeisterung als eine Art der Gefühlsduselei auf der Emotionalebene verharren. An der Stelle, an der wir uns selbst ganz wunderbar herabzuwerten wissen …

Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt


Vom guten Menschen

Ein Essay von mir von lange her von Palang L. Punks oben sind von Farangis G. Yegane.

Die Vorstellung, dass Menschen als Menschen gut sein müssen, wegen ihrer Mit­menschlichkeit, weil sie ein Netz humaner Kontextualität in Bewusstsein und Praxis auf­gebaut haben – all die Errungenschaften des Menschen im Dienste und im Interesse des Menschen, lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass die Denkweise des Men­schen über sein Environment eine vernünftige Denkweise sein muss. Der Mensch kann überhaupt nur dann böse sein, wenn er in den alten Zustand des Tieres verfällt, so behauptet man. Alles brutale sei auf tierische Triebhaftigkeit zurückzuführen – auf ein Fehlen eines spezifisch menschlichen Reifegrades.

Die Form der abwertenden Abgrenzung gegenüber Tieren, legt eine Beurteilung nichtmenschlicher Tiere unter bestimmten Kriterien fest. Tiere werden nicht mit einem ihnen eigenwertigen Maßstab gemessen, was vielleicht aber auch keinen Sinn machen würde, denn das Messen setzt immer einen Ver­gleich mit einer Norm voraus. Und wozu brauchte es eine Norm, wenn man die Tiere mit sich selbst bemessen würde. Der Maßstab aber, mit dem Tiere gemessen und verglichen werden, ist der Maßstab, den Menschen zum Ermessen von Bedeutung und Wert nichtmenschlicher Tiere entworfen haben. Wie intelligent ist das Tier nach unserem Ver­ständnis, kann es dies, macht es das, warum macht es das. Und auf all das haben wir bereits im Vorhinein eine Antwort parat, die nurnoch fallgerecht ausgekleidet werden muss, nach biologischem Muster.

Endzweck und letztendlicher Sinn aller Existenz auf der Welt sind, nach der Meinung des Menschen, bestimmte menschliche Eigenschaften und Fähigkeiten, die menschli­che Vernunft und der menschliche Wille. Alles auf dieser Welt darf den menschlichen Erkenntnissen und Wünschen untergeordnet werden. Letztendliche Legitimation ist die Fähigkeit, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit mittels Gewalt zu schaffen. Es gibt im menschlichen Bereich keinen Belang, der nicht durch Gewalt in seinem Wert festgelegt sein darf; alles hat einen Wert oder einen Nicht-Wert, alles darf, zusammenhängend mit den er­teilten Werten oder Nicht-Werten, behandelt werden. Der menschliche Bereich lässt keine neutrale Zone zu.

Die gewaltsame Abgrenzung gegenüber dem Andersartigen, in jeweils all den ganz verschiedenen Fällen (dem Fall der Diskriminierung nichtmenschlicher Tiere, der Zerstö­rung und Entwertung des naturhaften Raumes, etc.) scheint ganz simpel. Der Mensch kann nach außen nur auf das reagieren, was möglich ist: er kann Tiere und Pflanzen nicht in jeweils ent­sprechender Form respektieren, weil, der Mensch hat eingesehen, dass Tiere zum Beispiel, ja reine Instinktwesen sind, dass die Frage des Respekts vor ihnen eigentlich gar keine Rolle spielen kann; so etwa der emotionale Standpunkt vieler. Die Beurteilung des Menschen über sich selbst (so wie sie ist), zieht automatisch eine schattenhafte Beurteilung über den Rest des Universums mit sich.

Das Gute des Menschen ist kein Gutes, das nur für sich schon gut wäre; das Gute des Menschen ist gut, weil der Mensch behauptet, dass das Tierische dem Menschlichen gegen­überzustellen sei, als das Schlechte oder das Bösartige, als das negative Gegen­über anhand dessen sich das Gute des Menschen postulieren will. Man kann auch eine Vorstellung über das Gute haben, in der das Gute an sich gut ist, unabhängig von ir­gendeinem vermeintlich Bösen oder Schlechten.

Nun werfen sich in Hinsicht auf den guten Menschen zwei elementare Probleme auf. Und zwar, auf der einen Seite ist die Einbindung in die Vorstellung, dass der Mensch nach dem Guten an sich streben würde – ohne jegliche konkrete Hinterfragung im Zu­sammenhang mit der Umwelt des Menschen – so eine starke Einbindung, die sich aus dem Kontext des menschlich Sozialen ergibt, dass es für einen einzelnen Menschen fast unmöglich ist, diese Vorstellung aufzugeben, ohne dabei den gesellschaftlichen Halt und die Einbindung zu verlieren. Wer nicht mehr an das gute Streben der Menschheit glaubt, d.h. wer sieht, dass sich der Mensch ungerecht und grausam gegenüber seiner nichtmenschlichen Umwelt verhält, der ist im Kreise des menschlich Guten nicht mehr willkommen. So ein Mensch findet keine Korrespondenz und keine konstruktive Kommunikationsmöglichkeit mehr im gesellschaftli­chen Raum.

Und auf der anderen Seite steht da, was den guten Menschen anbetrifft, der gute Mensch sel­ber, der sagen wird, dass es total gleichgültig ist wie sich ein Mensch gegenüber seiner anderen natürlichen Umwelt verhält, weil was sollte die ungünstige Konse­quenz für den Men­schen sein, die sich aus so einem Verhalten ergeben würde. Der Mensch ist Selbstzweck an sich selbst; alles auf Erden soll seinem Glanz und seiner Würde dienen, und diese seine Würde ergibt sich genau aus diesem weltlichen Allmachts­anspruch heraus. Wenn der gute Mensch die geschundenen Leichen irgend­welcher geschlachteten Tiere isst, wer sollte ihn dafür tadeln? Ist er nicht selbst der Maßstab dafür was gut und was schlecht und böse ist?

Die Deformierung seines eigenen Charakters ist kein Grund zur Beunruhigung, denn alle guten Menschen haben diese gleiche Deformierung, und diese Deformierung erhält ganz ein­fach die Stempel: gut, vernünftig, tugenhaft, schlau, usw.! Die Frage ist aber trotzdem wie die Welt dieser guten Menschen es schaffen wird, die externe Wahrheit des nichtmenschlichen Envi­ronments und derer eigenen Bedeutung als ethisch irrelevant auf dauer abzutun.

Was ist dieses Gute an das der Mensch im anderen Menschen und in sich glaubt? Sind es Dinge, die sich an die grundlegenden Notwendigkeiten des Lebens binden? Wenn dein Mitmensch wichtig für dich sein kann um zu überleben, um zu leben, setzt dich das dem Zwang aus, dasjenige Andere, das dir keine Dankbarkeiten entlocken kann, zu verachten? Gehört es einfach zum menschli­chen Kontrakt, alles außenstehende, dessen Eigen­bedeutung für den Menschen bloß eine Sekundärbedeutung habe, zu versklaven und zu objektifizieren?

Das Gute am Menschen besteht aus vielen Eigenschaften, die konkret betrachtet nicht das Gute sein müssen, was sich an universal als gültig betrachtbare sinnvole Eigenschaften bindet. Es kann sein, dass das, was einem Gutes bedeutet, generell unter den Menschen aber nicht als gut betrachtet wird und anders herum. Das Gute im Menschen ist, so wie es sich derzeit gestaltet, das Schlechte für das Environment, und es ist daher legitim, den Menschen vom Außen her betrachtet als schlecht zu bezeichnen. Das Gute im Menschen ist – was das außerhalb des mensch­lichen Bereichs Liegende anbetrifft – immer der Freibrief für Zerstörung und Tötung gewesen. Zumindest dasjenige Gute, über das kollektive Einigung herrschte.

Das Gute im Menschen hätte (wenn man solche Phrasen der Verallgemeinerung über­haupt braucht) meiner Meinung nach dann als Gedanke einen Sinn, wenn 1.) “das Gute” sich an­hand seiner Bezüglichkeit spezifiziert würde, d.h. wie sieht das konkret mit dem Guten aus im Bezug auf all das, was nicht dem menschlich kollektiven Selbstzweck (und damit dem Homozentrismus) dient, und 2.) wenn “der Mensch” als verallgemeinerte Form nicht die Hauptfigur einer Ideologie wäre, die immer nur eben diesen Menschen (als biologische Spezies) als Endzweck über alle Individualität (und deren Wert und Sinn) hinwegsetzen würde.

Nachtrag:

Ich denke das Problem, dass menschliches Gutsein immer auf dem Rücken eines vermeintlich Schlechten von etwas anderem aufbaut, besteht immer noch in diesem Bezug obwohl wir den Belang von Nichtmenschen und der Umwelt inzwischen stark in die ethische Debatte mit einbeziehen. Auf welchem Level aber wird der Anthropozentrismus diskutiert? Es geht meines Wissens nach weiterhin darum, dass Nichtmenschen mit der Definitionsmacht des Menschen beschrieben werden, es werden keine theoretischen und praktischen Freiräume geschaffen, die eine tierliche und natürliche Autonomie gewähren würden … .

Inzwischen frage ich mich auch, inwieweit selbst anderen Menschen gegenüber die guten sich über die Schlechtigkeit der schlechten definieren, statt etwas gutes in sich, auch ohne das schlechte, in das Gefüge mit einbringen zu können. Die Welt ist nicht ursächlich dual in schlecht und gut eingeteilt. Im Bezug auf inner-zwischenmenschliche und gesellschaftliche Probleme haben wir eine weniger tiefe Kluft der ‘Fremd-Abgrenzung’ als betreffend nichtmenschlicher Tiere und der ‘Natur’. Hier haben wir die Nähe, die spaltet. Lange Themen, nur ein kurzer Nachtrag an dieser Stelle … .

 

Ein Update (20. August 14)

Gegenwärtig in Vorbereitung befinden sich diese Übersetzungen:

Amie Breeze Harper: Rasse als eine „nebensächliche Angelegenheit“ im Veganismus: Eine Hinterfragung des Weißseins, geopolitischer Privilegien und der Philosophie des Konsums „tierqualfreier“ Produkte.

Essay. Titel der englischsprachigen Originalfassung: Race as a “Feeble Matter” in Veganism: Interrogating whiteness, geopolitical privilege, and consumption philosophy of “cruelty-free” products. Journal for Critical Animal Studies, Volume VIII, Issue 3, 2010 (ISSN1948-352X)

Zusammenfassung:

Im Kontext feministischer Geographie, von Rassenpolitik und mit Studien über Verzehr und Konsumverhalten, habe ich, innerhalb der „Outreach“-Modelle des Mainstreams im Veganismus und in den Bestsellern vegan-orientierter Buchveröffentlichungen, selten, wenn überhaupt, eine Zurkenntnisnahme der unterschiedlichen sozio-historisch rassifizierten Epistemologien rassisch nicht-weißer Gruppen beobachten können. In den weißen veganen Mainstream-Medien besteht eine unterschwellige Annahme, dass Rassifizierung und die Schaffung veganer Räume miteinander in keinerlei Verbindung stehen könnten. Doch ist Raum, ob vegan oder nicht, rassifiziert und gleichzeitig auch sexualisiert und vergeschlechtlicht [gendered], was Individuen und räumlich-/örtliche Identitäten in direkter Weise affiziert. Rassifizierte Orte und Räume bilden eine Grundlage dafür, wie wir unsere sozio-räumlichen Epistemologien entwickeln; diese Epistemologien sind aus diesem Grunde rassifiziert. Dieses Essay befasst sich mit Beispielen dessen, wie Epistemologien des Weißseins sich in der veganen Rhetorik in den USA manifestieren, und versucht eine Erklärung darüber abzulegen, weshalb eine „post-rassische“ Herangehensweise des veganen Aktivismus durch eine anti-rassistische und „farbigkeits-bewusste“ [color-conscious] Praxis ersetzt werden muss.

und

Anastasia Yarbrough: Radikale Selbstfürsorge in Erwägung ziehen.

Präsentation. Titel der englischsprachigen Originalfassung: Contemplating radical self-care . Neither Man Nor Beast: Patriarchy, Speciesism and Deconstructing Oppressions. Animal Liberation Ontario (ALO). Sunday, 23 February 2014 from 10:30 AM to 6:00 PM (EST). Web-based conference.

Ansonsten bereiten wir einen neuen Blog vor, dazu aber mehr später:

anti-speciesism_2c

 

 

 

Veganismus und Intersektionalität


Warum intersektional ethisch vegan?

Palang LY

Der Begriff der Intersektionalität wurde im Bereich sozialer Gerechtigkeit und jurisitsch-soziologischer Analyse von der afro-amerikanischen Juristin Kimberlé Crenshaw Ende der 1980er Jahre zur Aufarbeitung und Hervorhebung rassistischen Ressentiments in der US-amerikanischen Gesellschaft geprägt und definiert. Die Benennung des Phänomens, dass verschiedene Diskriminierungsformen im Bezug auf ein betroffenes Subjekt gleichzeitig und überlappend stattfinden können, fand bereits zuvor im der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung statt. Man spricht klassischerweise z.B. vor Überlappungen der Dikriminierung: von Schwarzen und anderen Menschen aus dem globalen Süden (als ethnisch argumentierende diskriminierende Ausgrenzung), Frauen oder Menschen mit nichtnormativem Gender-Verständnis, Menschen mit Behinderung, Menschen die durch materielle Armut betroffen sind, usw.

Im ethischen Veganismus wird der Begriff der Intersektionalität auf die nichtmenschlichen Tiere über die Speziesbarriere Mensch/Tier hin erweitert, siehe dazu insbesondere die Argumentationen von Yarbrough, Harper, Ko und jones. Diese Autorinnen stellen einen direkten Bezug zwischen Speziesismus und Rassismus her in ihrer Argumentation gegen beide oppresiven Syteme:

Intersektionalität ist dem Veganismus eigentlich inhärent. Der Veganismus berührt unterschiedliche ethische Felder, wobei am zentralsten die Gebiete unmittelbar um das Mensch-Tier-Verhältnis sind. An tierethische Fragen binden sich dann weiter die ökologischen Themen und diejenigen Fragen, die all das, was ‚Menschen ausschließlich’ anbetrifft, mit einbeschließen.

Ökologie und Gesundheit, die beiden Säulen des Veganismus, sind selbstverständlich genauso politische Themen. Im Zusammenhang mit dem Veganismus ergeben sich also Tangenten, die wir als die Intersektionen zweier perspektivischer Herkunftsorte (der Veganismus und soziale/politische Positionen) bezeichnen können.

Zur Zeit existieren einige vegane Projekte, die sich besonders solchen Schnittstellen zuwenden. Wichtige Themen sind dabei die Nahrungsmittelgerechtigkeit, Rassismus, Feminismus, Sexismus, Homophobie, Ableismus (die Diskriminierung behinderter Menschen), usw. Alle diese Themen werden in solchen Projekten mit dem Veganismus und aus veganer Sicht kontextualisiert.

Organisationen, Gruppen und Initiativen wie beispielweise Sistahvegan, Vegans of Color, vegan-feministische Gruppen und Blogs, oder ein neueres Buchprojekt, das sich dem Thema ‘Behinderung und ethischer Veganismus’ zuwendet (The Disabled Vegan Reader), sind vegane Projekte dieser Art; hier finden wir erweiterte Perspektivmöglichkeiten der veganen Ethik auf verschiedene Weise durch verschiedene Schwerpunkte adressiert.

Vermieden werden soll durch die Kontextualisierung (und da sind sich alle einig), dass der Veganismus die Chance verpassen könnte sein politisches Potential dazu zu nutzen, erweiterte Ansätze zu schaffen, durch die nichtmenschliche Tiere und die natürliche Umwelt verstärkt mit in den Mittelpunkt der ethischen Hauptbelange gesetzt werden können. In allen uns bekannten intersektionalen veganen Projekten spiegelt sich der Gedanke wieder, dass  ethischer Veganismus und Demokratie komplentäre Spieler sind und hier müssen noch zahlreiche neue Wege beschritten und Möglichkeiten erschlossen werden.

Intersektionalität wirkt manchmal wie ein Umweg, um die spezifisch tierrechtsbezogenen Fragen herum und nicht direkt auf sie zugehend. Das Gleichgewicht beizubehalten ist in Diskussionen wichtig, besonders wenn alle Themen zeitgleich und dringlich in ihren Zusammenhängen behandelt werden müssen. Die Schwierigkeit liegt oft darin, dass sich zwar eine Richtung abzeichnet, in der sich das gemeinsame Übel befindet: Ursachen von Unterdrückung, Diskriminierung, Gewalt, Zerstörung – aber es gibt keine Allzwecklösungen für diese Unzahl komplexer Probleme, denen sich also auch ein pluralistischer veganer Aktivismus gegenübergestellt sieht.

Eines ist natürlich klar: wenn eine Aktivitstin hauptsächlich oder auch ausschließlich über ihr Gebiet spricht, seien es Tierrechts-, Menschenrechts- oder Umweltschutzbelange, heißt das nicht immer zwingenderweise, dass das Gesagte auch massiv weiter führt: Vieles an Output, den wir von anderen Aktivist_Innen erhalten, sind Dinge, die wir schon oft gehört haben, Dinge die leider nicht wieder neu auf ihre aktuelle Gültigkeiten hin überprüft werden oder upgedated werden um sich an neuere Erkenntnisse im Bereich Aktivismus zu orientieren.

Auch stellt die Methodik, wie von Fragen, die sich in intersektionalen Themenbereichen (z.B. Feminismus und Antirassismus) bewegen, hingeführt werden kann zur Tierethik und zum Umweltschutz, immer wieder eine starke Herausforderung und wichtige Aufgabe dar (der man sicherlich mit einiger kritischer Selbstreflektion gerecht werden könnte).

Wie weit sind wir bereit dazu, die Rahmen so zu stecken, dass sie sich nicht allein auf die begangenen einseitigen Wege beziehen?

Gemeint ist: Dort wo Sexismus oder Rassismus stattfindet, sehen wir unter Bezugnahme auf Tierrechte und Ökologie, dass Gründe/Hintergründe von sowohl Unterdrückung als auch Zerstörung ja tatsächlich noch weiter zu fassen sind, als wir das bislang mit unseren Erklärungsmodellen getan haben. Rahmen müssen neu gesteckt werden und solche intersektionalen Projekte helfen dabei immens.

Wir wollen uns im Rahmen unseres veganen Selbsverständisses nach neuen, interessanten Antworten umschauen, wie der Veganismus sich von seinen Verfechtern her als ein junges demokratisches Element einer (soweit noch) Minderheitsbewegung mit einbringt: Wie werden Menschenrechte, Umweltfragen und selbstverständlich vor allen Dingen Tierfragen heute aus ihrer Box derer Konzepte rausgeholt, die ein neues Denken bislang noch zu hindern scheinen?

Zusammenhänge aufzuzeigen führt zu umfassenderen Fragen / Antworten.

Links

The Disabled Vegan Reader: http://www.disabledveganreader.com/
The Sistah Vegan Project: http://sistahvegan.com/
Vegans of Color: http://vegansofcolor.wordpress.com/

Und inzwischen gibt es zahlreiche noch weitere Projekte und Besprechungen veganer Intersektonalität im Netz.

Auf unserer Seite finden Sie z.B. innerhalb der getaggten Einträge zum Thema Rassismus zahlreiche Beiträge mit dem Schwerpunkt Tierrechte / Tierethik / Tierbefreiung und Intersektionalität.

Kommentar zu einem Gespräch zwischen einem Veganer und einem Nichtveganer

Kommentar zu: DOMIAN – Gespräch mit Veganer http://www.youtube.com/watch?v=LgpFrFgUeF0& (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Beide haben ein Problem mit Tierrechten, Domian sowieso – denn er ist nicht mal vegan – und der vegane Anrufer auch, denn er hat kein greifendes Argument für Tierrechte, außer dass es sagt “das ist ethisch nicht ok” und töten “keine Notwendigkeit”.

Domian sagt intuitiv richtig, dass der vegane Anrufer etwas “postuliere”. Die Forderung nach einer ethischen Berücksichtigung setzt aber IMMER eine Art Postulierung voraus. Auch in der Sache von Menschenrechten. Ich bezweifele, dass es TATSÄCHLICHE Menschenrechte gibt, ohne ein Zulassen und eine Anerkennung der vom Menschen in unabhängiger Weise existierenden Rechte nichtmenschlicher Tiere und der Natur.

Tierrechte stehen zum menschlichen Paradigma in einem autonomen Verhältnis. Recht ist nicht abhängig von der Definition. Es gibt Rechte, auch wenn sie vom Menschen weder anerkannt, noch verstanden, noch berücksichtigt werden.

Denkt mal über Eure ureingensten individuelle Rechte nach. Wie leicht kann das ureingenste Recht, von der Gemeinschaft “zu unrecht” beschädigt oder gefährdet werden. Wenn Du Dich nicht auf die Vernunft Deines Gegenübers und dessen Respekt verlassen kannst, dann ist die Frage Deines Rechts auch nurnoch eine theoretische.

Zurück zu den Tieren und der Natur: was außerhalb unseres menschlichen Denk- oder eher Erfassungsbereichs liegt hat in sich eine Berechtigung. Das Universum ist in sich Gesetz, unabhängig von unseren Negationen und unseren Besitzansprüchen. Wir können der Welt mit Hinwendung und Respekt begegnen und das Dasein und das sich damit koppelnde Recht des Anderen verstehen lernen, akzeptieren und schützen vor ungerechten Übergriffen durch den Menschen. Die Frage des Rechts und der Gerechtigkeit ist essentiell.

 

Der vegane Mainstream

Warum vegan mainstream ist, auch wenn noch nicht mal eine Mio Bundesbürger bislang vegan sind … ?

“Vegan” ist inzwischen wie “Vegetarier”, es ist ein mehr oder weniger technischer Begriff, der schlichtweg beschreibt was eine Person isst, anzieht und benutzt.

Vegan ist eine Lebensweise, die aber nichts über jemandes sonstige Haltungen zu anderen Themen aussagt. Ich erinnere mich an die Zeiten in den 80ern, wo viele teilweise eher interessantere Leute oder langweilige sektiererhafte Typen Vegetarier waren. Zu der Zeit gab es noch sehr wenig Veganer_innen (insbesondere außerhalb Englands – wobei es auch, technisch gesehen, “vegan”-lebende Menschen in anderen Teilen Welt immer gegeben haben kann … ). Es gab zu der Zeit keine spezifische Gruppe, die für eine besondere Haltung des “Vegetariers” schlechthin stand. Vegetarismus war das, was es war: eine Art sich zu ernähren, die man aus ethischen, gesundheitlichen, religiösen oder sonst welchen Gründen für sich als Lebensweise annahm.

Mir scheint es, dass man das Gleiche eigentlich inzwischen auch für den Veganismus behaupten kann. Menschen mit den verschiedensten Hintergründen – ethnisch, ethisch, gedanklich – sind und werden heute vegan.

Vegan ist die konsequente Erweiterung des Vegetarismus, und was das besondere in unserer Jetztzeit ist, ist dass das ethische Interesse an sowohl der Mensch-Tier-Beziehung als auch am Thema Umwelt (das heißt der Mensch und die Welt in der er/sie lebt … ) in einer vorher nicht dagewesenen Art und Weise und Dringlichkeit in unser Vorderbewusstsein gerückt ist.

Was genau jemand denkt, und wie …

Was genau jemand denkt, und wie … worin liegt der Unterschied?

Der Vorteil dessen, sich auf eigene Erkenntnisse zu beziehen, sich nicht auf die Argumente anderer zu stützen … . Was ist der Unterschied zwischen einer eigenen Erkenntnis und dem akkumulieren der Argumente anderer?

Die Freiheit zur ganz eigenen Meinung

Das eigene Recht liegt nicht darin, sich irgendeinem Kollektiv oder einer allgemeinen Übereinstimmung anschließen zu können und zu “dürfen”, im Mainstream oder daneben sich zu bewegen.

Eine freie Meinung haben heißt, selbst einen Gedanken fassen zu können in dem Sinne, dass man ihn nicht über Bord wirft weil er dem allgemeinen oder dem dominierenden Denken nicht entspricht.

Für ureigene Gedanken gibt es allerdings keine Vordenker auf die man sich Berufen könnte.